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Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf

4.2(305)
Hardcover€12.00E-BookAudiobook€10.00
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About the book

Selflove? Warum? Wenn jeder nur an sich denkt, ist an niemanden gedacht. Wir müssen das individuelle Wohl wieder stärker in Beziehung zum Wohl der Allgemeinheit setzen und Armut, Glück, Klimakrise und Demokratie mehr denn je zu politischen Kampfzonen erklären. Für ein gutes Leben für alle.

Jean-Philippe Kindler ist auf der Suche nach neuen gesellschaftlichen Konzepten. Er geht mit sich, seiner Generation und den Linken genauso hart ins Gericht wie mit den Konservativen und dem Kapitalismus – ein wütendes, inspirierendes, langersehntes Buch.

«Auf den ersten Blick scheinen junge Menschen ungemein politisch zu sein. Sie sind sprachsensibel, sie sind rassismuskritisch, sie geben bußfertig Beichte über ihre unverdienten Privilegien ab. Sie sind laut Tinder-Biografie äußerst empathisch und kennen ihren Persönlichkeitstyp, sie ernähren sich vegan und verzichten aufs Fliegen ... Jene Konzepte individueller Glücksmaximierung scheinen aber nur auf den ersten Blick ein kulturelles Gegenprogramm zur neoliberalen Anforderung der Selbstoptimierung zu sein. Denn auch in den unzähligen Aufforderungen sich selbst und den unperfekten Körper zu lieben, seine Mitmenschen korrekt und sprachsensibel anzusprechen, sich nachhaltig und emissionsarm zu verhalten, blitzt die Obsession mit dem eigenen Selbst ganz deutlich auf.» Jean-Philippe Kindler

Editions (2)

ISBN9783499012990
PublisherROWOHLT Taschenbuch
Publication Date10/17/23
Pages160

Reviews & Ratings

305 ratings

55 reviews

4.2

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  • asenayla
    asenayla

    94 Followers

    3.0

    Nicht dein Mindset, sondern das System

    Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf ist kein Buch, das gefallen will. Es will aufrütteln. Und das gelingt ihm. Die Autorin bzw. der Autor stellt gängige Selbstoptimierungs- und Achtsamkeitsnarrative infrage und rückt stattdessen strukturelle Ungleichheit, Kapitalismuskritik und Klassenbewusstsein ins Zentrum. Viele der vertretenen Positionen werden manche Leserinnen und Leser als radikal empfinden. Doch gerade hier liegt die Stärke des Buches: Die Argumente sind sorgfältig recherchiert, mit Quellen unterlegt und theoretisch fundiert. Statt bloßer Parolen bietet es eine ideologisch klare, aber argumentativ gestützte Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse. Besonders überzeugend ist, wie das neoliberale Versprechen von „Selflove“ als individualisierende Strategie entlarvt wird, die systemische Probleme ins Private verschiebt. Nicht dein Mindset ist das Problem, sondern die Struktur. Diese Perspektivverschiebung ist unbequem, aber erhellend. Allerdings haben mich nicht alle Teile gleichermaßen überzeugt. Vor allem der Poly-Aspekt wirkte auf mich stellenweise etwas verkürzt oder zu eindeutig in eine politische Richtung argumentiert. Hier hätte ich mir mehr Differenzierung und ein stärkeres Eingehen auf Ambivalenzen gewünscht. Während viele gesellschaftliche Analysen sehr präzise und fundiert erscheinen, blieb dieser Abschnitt für mich argumentativ etwas weniger ausgereift. Auch sprachlich hätte das Buch an manchen Stellen noch zugänglicher formuliert sein können. Einige Passagen sind recht theoretisch und verlangen Konzentration. Gleichzeitig ist die Sprache insgesamt deutlich verständlicher als viele andere Texte aus diesem politischen Spektrum. Man merkt, dass hier der Anspruch besteht, Theorie nicht nur akademisch, sondern breiter vermittelbar zu machen. Gerade deshalb sollte man das Buch nicht unkritisch konsumieren. Weil es so pointiert argumentiert, lohnt es sich, die Thesen zu prüfen, Gegenpositionen mitzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen. Für alle, die sich politisch links verorten oder sich intensiver mit Klassenfragen auseinandersetzen möchten, ist dieses Buch dennoch eine klare Empfehlung. Es provoziert, bildet und zwingt zur Positionierung, auch dort, wo man nicht vollständig mitgeht.

    Mar 2, 2026

  • dammes
    dammes

    138 Followers

    4.0

    Kapitalismus in seiner Endstufe⁉️

    Kindler setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern das Glück des Einzelnen vom individuellen Handeln abhängt. Dabei macht er deutlich, dass wir uns bewusst machen müssen, dass wir alle im selben Boot sitzen und endlich als gemeinsame „Klassen“ für unsere Bedürfnisse und Rechte kämpfen sollten. Zugleich sieht er die Politik in der Verantwortung, die Gesellschaft nicht länger nur durch die Linse des Individuums zu betrachten, sondern Politik für das große Ganze zu gestalten. Das Ziel des Kapitalismus ist es jedoch, den Individualismus in seiner Endstufe weiterzutreiben. Für Menschen, die sich bisher wenig mit Kapitalismuskritik beschäftigt haben (mich eingeschlossen), bietet das Buch einen guten Einstieg in das Thema. Gegen Ende werden die Argumentationslinien allerdings zunehmend schwammig, und insbesondere das Kapitel über „Liebe“ fand ich teilweise problematisch. Zudem hat mich gestört, dass häufig Kritik geübt wurde, ohne konkrete Lösungsvorschläge oder Alternativen aufzuzeigen.

    Oct 27, 2025

  • julsico
    julsico

    78 Followers

    5.0

    Das gute Leben

    Was bedeutet ein „gutes Leben“? Es sollte eigentlich nicht zu viel verlangt sein, die Grundbedürfnisse von Menschen zu stillen und damit die Grundmauern für eine Gesellschaft zu stützen, die ohne Existenzängste leben und altern kann. Dass das leider eine Traumvorstellung ist, die nur mit Mut in Realität verwandelt werden könnte, macht Jean-Philippe Kindler mehr als deutlich. Kindler kritisiert nicht nur die Mühlen des Kapitalismus, welche Ungerechtigkeiten verfestigen, sondern fokussiert sich vor allem auf das Problem des Individualismus. Denn in einer Welt, in der angeblich jede(r) für das eigene Glück sorgen kann, müssen schließlich doch erstaunlich viele über die Klinge springen. Ein Leben ohne Hunger, Wohnungsnot und Geldsorgen zu gewährleisten, ist daher nicht Aufgabe des Einzelnen, sondern der Politik. Diese konkrete Forderung fand ich sehr erfrischend - und dass das so ist, ist eigentlich erschreckend. Kindler hat eine genaue Idee davon, wie in ein gutes Leben für alle erreicht werden kann und ruft dazu auf, uns als Gesellschaft dafür einzusetzen. Denn das „gute Leben“ ist keine freche Utopie, sondern das Mindeste, was wir erwarten können.

    Nov 10, 2024

3 of 55 reviews

Author

About Jean-Philippe Kindler

Jean-Philippe Kindler, geboren 1996 in Duisburg, ist Satiriker und Moderator. Für seine Bühnenprogramme erhielt Kindler viele Auszeichnungen, u. a. den Prix Pantheon und den Deutschen Kabarettpreis. Kaum jemand schafft es so wie er, das Politische scharf, humorvoll und zugleich berührend darzustellen. Der Autor sorgt auf Instagram unter @jeanphilippekindler immer wieder für erregte Gemüter. Aktuell tourt er mit seinem Bühnenprogramm «Klassentreffen» durch Deutschland.

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