Versöhnungstheater
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Book Information
Author Description
Max Czollek, geboren 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart und seit 2021 Kurator der Coalition for a Pluralistic Public Discourse (CPPD) für eine plurale Erinnerungskultur. Er hat vier Gedichtbände publiziert, bei Hanser erschienen bisher seine vieldiskutierten Essays Desintegriert euch! (2018), Gegenwartsbewältigung (2020) und Versöhnungstheater (2023). 2022 war er Ideengeber und Kokurator der Ausstellung Rache. Geschichte und Fantasie am Jüdischen Museum Frankfurt, deren Begleitband ebenfalls bei Hanser erschien. Aktuell ist er Gastkurator am Haus der Kulturen der Welt Berlin, wo er seit 2023 eine Gesprächsreihe hostet und ab 2024 das deutschlandweite Projekt heimaten begleitet.
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Bei 'Versöhnungstheater' handelt es sich um das dritte Buch von Max Czollek aus seiner Essay-Reihe, das auf die beiden Vorgänger aufbaut, aber auch gut alleine funktioniert. Er schildert darin die historisch unterschiedlichen Phasen der Erinnerungskultur und kommt an in der Gegenwart des Versöhnungstheaters, die er in den Kontext des heutigen Umgangs mit Minderheiten stellt. Czollek zeigt im gewohnt scharfen Ton auf, wie die deutsche Politik und Gesellschaft nicht nur in Bezug auf die Bekämpfung von Antisemitismus, sondern auch von Rassismus versagt hat und Schritt für Schritt immer mehr Raum schafft für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und die daraus entstehenden Folgen. Eingebettet in zahlreiche gesellschaftspolitische Beispiele aus der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit skizziert Czollek ein Bild der Verfehlungen, des aktiven Wegschauens und Uminterpretierens. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern kann ich allen dazu raten, Czolleks Buch zu lesen.
Max Czollek macht für mich einige neue Perspektiven auf und sorgt eindringlich dafür, dass ich mein eigenes, bzw unser "Erinnerungsverhalten" hinterfrage. Dabei bleibt es aber nicht. Die Fragen "Wie positioniere ich mich gegenüber Verharmlosern der Schoa und was setzte ich alten und neuen Nationalisten und dem Erstarken der Rechten entgegen?" muss ich mir ernsthaft immer wieder neu stellen. Und dann auch entsprechend handeln!
Picked this up this afternoon and did not put it down for a second until I had finished it. Stellar commentary, I cannot overemphasize how valuable Czollek's analysis and contributions are to the discourse surrounding German identity and Germany's way of talking about the Shoah and the Holocaust today. His takes are firmly rooted in Jewish refusal to play the role of forgiving victims that the GRD expects them to in its fabrication of reconciliation. Furthermore, he firmly stands in solidarity with migrant resistance to the continuation of our history and present of violence. The approach he demands of Germany when it comes to remembrance and memorial is on point and irrefutable, the way I see it. I wish he was translated into other languages. Sure, the entire discourse is Germany centric and focused, but he says a plethora of good things that I wish others demanded of Germans too and could be a strong voice in movements for compensations for atrocities committed. Poignant, incredibly well researched and firm in its convictions while not incapable of finding the words for nuance where they are needed. Essential reading!
„Denn im Versöhnungstheater verwandelt sich die Erinnerung an die Gewaltgeschichte von einem Instrument der Kritik in eine Energiequelle für eine neue nationale Normalität. Es gibt ein Erinnern, das Vergessen bedeutet.“ In seinem Buch „Versöhnungstheater“ kritisiert Max Czollek die „weltweit bewunderte“ deutsche Erinnerungskultur. Er zeigt anhand von bestehenden Beispielen, wie kritisch die neue Erinnerungsarchitektur ist. „Projekte wie das Berliner Stadtschloss zeigen, in welche Richtung sich eine staatliche Gedächtnisarchitektur seitdem weiterentwickelt hat. Die Konzeption früherer Entwürfe scheint dabei einer umfassenden Bejahung der deutschen Geschichte gewesen zu sein.“ Durch Max’ Vertiefung der Thematik merkt man schnell, dass „(d)ie deutsche Erinnerungskultur der vorangegangenen Jahrzehnte mit ihren jüdischen Museen, Gedenktagen, Kniefällen und Holocaustmahnmal (…) dabei zur Grundlage einer Versöhnung mit der deutschen Geschichte erklärt“ wird. Weiter sagt er „(d)ie Logik des Versöhnungstheaters lautet jedenfalls: Weil wir so intensiv an die „negativen“ Seiten der deutschen Geschichte erinnert haben, dürfen wir nun auch ihre „positiven“ Aspekte zelebrieren. Und wir dürfen nicht nur, wir müssen sogar: weil eine Gesellschaft positive Orte der Erinnerung braucht, wie Grütters glaubt, und weil die offene Wunde geschlossen werden muss, wie These behauptet.“ Max reißt außerdem in seinem Buch die Geschichte der Juden und Jüd_innen auf und zeigt deutlich „(w)ill man 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland historisch korrekt erzählen, dann beinhaltet das lange Phasen, in denen kaum Juden und Jüdinnen in Deutschland lebten. Der letzte und tiefste Bruch ist bekanntlich gut achtzig Jahre her.“ Das Buch ist empfehlenswert, nur muss ich auch zugeben, dass ich mit dem ‚akademischen‘ deutsch zu kämpfen hatte und oft Kapitel mehrmals lesen musste, um genau zu verstehen, was gemeint ist. Vielleicht lag es an meinem mangelnden Deutsch. „Eine Erinnerungskultur also, die nicht nur danach fragt, was war, sondern auch danach, was heute ist. Und wie wir die Erinnerungskultur so einrichten können, dass sie die Vergangenheit zwar erinnert, sie aber nicht wiederholt.“
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Max Czollek, geboren 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart und seit 2021 Kurator der Coalition for a Pluralistic Public Discourse (CPPD) für eine plurale Erinnerungskultur. Er hat vier Gedichtbände publiziert, bei Hanser erschienen bisher seine vieldiskutierten Essays Desintegriert euch! (2018), Gegenwartsbewältigung (2020) und Versöhnungstheater (2023). 2022 war er Ideengeber und Kokurator der Ausstellung Rache. Geschichte und Fantasie am Jüdischen Museum Frankfurt, deren Begleitband ebenfalls bei Hanser erschien. Aktuell ist er Gastkurator am Haus der Kulturen der Welt Berlin, wo er seit 2023 eine Gesprächsreihe hostet und ab 2024 das deutschlandweite Projekt heimaten begleitet.
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Bei 'Versöhnungstheater' handelt es sich um das dritte Buch von Max Czollek aus seiner Essay-Reihe, das auf die beiden Vorgänger aufbaut, aber auch gut alleine funktioniert. Er schildert darin die historisch unterschiedlichen Phasen der Erinnerungskultur und kommt an in der Gegenwart des Versöhnungstheaters, die er in den Kontext des heutigen Umgangs mit Minderheiten stellt. Czollek zeigt im gewohnt scharfen Ton auf, wie die deutsche Politik und Gesellschaft nicht nur in Bezug auf die Bekämpfung von Antisemitismus, sondern auch von Rassismus versagt hat und Schritt für Schritt immer mehr Raum schafft für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und die daraus entstehenden Folgen. Eingebettet in zahlreiche gesellschaftspolitische Beispiele aus der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit skizziert Czollek ein Bild der Verfehlungen, des aktiven Wegschauens und Uminterpretierens. Wie auch schon bei den beiden Vorgängern kann ich allen dazu raten, Czolleks Buch zu lesen.
Max Czollek macht für mich einige neue Perspektiven auf und sorgt eindringlich dafür, dass ich mein eigenes, bzw unser "Erinnerungsverhalten" hinterfrage. Dabei bleibt es aber nicht. Die Fragen "Wie positioniere ich mich gegenüber Verharmlosern der Schoa und was setzte ich alten und neuen Nationalisten und dem Erstarken der Rechten entgegen?" muss ich mir ernsthaft immer wieder neu stellen. Und dann auch entsprechend handeln!
Picked this up this afternoon and did not put it down for a second until I had finished it. Stellar commentary, I cannot overemphasize how valuable Czollek's analysis and contributions are to the discourse surrounding German identity and Germany's way of talking about the Shoah and the Holocaust today. His takes are firmly rooted in Jewish refusal to play the role of forgiving victims that the GRD expects them to in its fabrication of reconciliation. Furthermore, he firmly stands in solidarity with migrant resistance to the continuation of our history and present of violence. The approach he demands of Germany when it comes to remembrance and memorial is on point and irrefutable, the way I see it. I wish he was translated into other languages. Sure, the entire discourse is Germany centric and focused, but he says a plethora of good things that I wish others demanded of Germans too and could be a strong voice in movements for compensations for atrocities committed. Poignant, incredibly well researched and firm in its convictions while not incapable of finding the words for nuance where they are needed. Essential reading!
„Denn im Versöhnungstheater verwandelt sich die Erinnerung an die Gewaltgeschichte von einem Instrument der Kritik in eine Energiequelle für eine neue nationale Normalität. Es gibt ein Erinnern, das Vergessen bedeutet.“ In seinem Buch „Versöhnungstheater“ kritisiert Max Czollek die „weltweit bewunderte“ deutsche Erinnerungskultur. Er zeigt anhand von bestehenden Beispielen, wie kritisch die neue Erinnerungsarchitektur ist. „Projekte wie das Berliner Stadtschloss zeigen, in welche Richtung sich eine staatliche Gedächtnisarchitektur seitdem weiterentwickelt hat. Die Konzeption früherer Entwürfe scheint dabei einer umfassenden Bejahung der deutschen Geschichte gewesen zu sein.“ Durch Max’ Vertiefung der Thematik merkt man schnell, dass „(d)ie deutsche Erinnerungskultur der vorangegangenen Jahrzehnte mit ihren jüdischen Museen, Gedenktagen, Kniefällen und Holocaustmahnmal (…) dabei zur Grundlage einer Versöhnung mit der deutschen Geschichte erklärt“ wird. Weiter sagt er „(d)ie Logik des Versöhnungstheaters lautet jedenfalls: Weil wir so intensiv an die „negativen“ Seiten der deutschen Geschichte erinnert haben, dürfen wir nun auch ihre „positiven“ Aspekte zelebrieren. Und wir dürfen nicht nur, wir müssen sogar: weil eine Gesellschaft positive Orte der Erinnerung braucht, wie Grütters glaubt, und weil die offene Wunde geschlossen werden muss, wie These behauptet.“ Max reißt außerdem in seinem Buch die Geschichte der Juden und Jüd_innen auf und zeigt deutlich „(w)ill man 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland historisch korrekt erzählen, dann beinhaltet das lange Phasen, in denen kaum Juden und Jüdinnen in Deutschland lebten. Der letzte und tiefste Bruch ist bekanntlich gut achtzig Jahre her.“ Das Buch ist empfehlenswert, nur muss ich auch zugeben, dass ich mit dem ‚akademischen‘ deutsch zu kämpfen hatte und oft Kapitel mehrmals lesen musste, um genau zu verstehen, was gemeint ist. Vielleicht lag es an meinem mangelnden Deutsch. „Eine Erinnerungskultur also, die nicht nur danach fragt, was war, sondern auch danach, was heute ist. Und wie wir die Erinnerungskultur so einrichten können, dass sie die Vergangenheit zwar erinnert, sie aber nicht wiederholt.“










