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Paradiesische Zustände

4.4(81)
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About the book

Wie viele Hamster lassen sich mit einem handelsüblichen Staubsauger einsaugen? Gibt es ein wichtigeres Lebensmittel als Pommes? Was, wenn der eigene Körper ein Zuhause ist, in dem man eigentlich keine Sekunde zu viel verbringen möchte?

Von einer Berliner Clubtoilette, in der er sturzbetrunken versucht, seinen Namen in die Rinne zu pinkeln, blickt Johann zurück und erzählt uns seine Geschichte. Eine Geschichte, die bei einem tiefen Unbehagen beginnt, das er, damals »sie«, mit sich herumträgt wie den Schneeanzug, die unzähligen Schichten Kleidung, unter denen er seinen Körper verschwinden lässt.

Die Fassungslosigkeit und Ablehnung, mit denen er sich selbst und die Welt wahrnimmt, entspricht so ziemlich dem Unverständnis, mit dem ihm seine Mitmenschen begegnen. Und die »Zukunft«, die vor ihm liegt, bedeutet erstmal nichts anderes als die Herausforderung, diese irgendwie hinter sich zu bringen. Der Versuch, das anzugehen, führt ihn über eine Schauspielschule in der bayrischen Provinz und eine skurrile Hipster-Wurstbude in Berlin-Neukölln zu einer wichtigen Erkenntnis. Und schließlich in die Mühlen der Bürokratie – bevor er sich, nach einer Angleichung und unzähligen heiklen Gesprächen, zum ersten Mal seit vielen Jahren bewusst vor einen Spiegel stellen kann.

Henri Maximilian Jakobs gelingt das große Kunstwerk, eine Geschichte, die an Leidensdruck und Tiefschlägen nicht unbedingt arm ist, federleicht, versponnen und mit einem überbordenden Humor zu erzählen.

Editions (2)

ISBN9783462004281
PublisherKiepenheuer & Witsch
Publication Date06/07/23
Pages352

Reviews & Ratings

81 ratings

18 reviews

4.4

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  • missrebecca
    missrebecca

    26 Followers

    4.5

    Berührende Einblicke in eine Transition

    Dieses Buch kam mir zufällig über einen Tipp im Podcast “Lesen ist schwul” zu Ohren, die besonders das vom Autor selbst eingelesene Hörbuch ans Herz gelegt haben. Und ich wurde nicht enttäuscht, der Autor liest die autofiktionale Geschichte perfekt, hat einen tollen Humor der immer wieder aufblitzt und hat mich total abgeholt. Es geht um Johan, wobei man das erst im Verlauf der Geschichte nach und nach erfährt - zu Anfang werden Name, Aussehen und Identität des Ich-Erzählers nicht erwähnt. Denn: Johan ist trans und hat weibliches Geburtsgeschlecht. Zu Beginn ist Johan Abiturient, hängt mit seiner besten Freundin Luisa ab und fühlt sich verkehrt. Er besucht eine Schauspielschule, weil ihm das verstellen irgendwie liegt, hadert wahnsinnig mit seinem Körper, den er selbst im Hochsommer unter mehreren Schichten Kleidung versteckt. Dann verliebt er sich in Sam - eine Freundin von Luisa - und glaubt, eben lesbisch zu sein. Doch eine tiefe Krise und psychologische Unterstützung helfen Johan dabei, den Grund für seine Depressionen, sein Anderssein zu erkennen: “N.” ist eigentlich ein Mann und begibt sich auf die beschwerliche Reise durch den Behördendschungel, vorbei an Chauvis, aggressiven Arschlöchern und Freunden, die mit seiner Verwandlung nicht umgehen können. Kann Johan selbst es durchhalten, aller Schwierigkeiten zum Trotz? Das Buch hat mich sehr berührt und oft auch zum Lachen gebracht - Johan hat einen dicken Panzer aus Sarkasmus und flapsigen Sprüchen um sich errichtet. Es ist wahnsinnig interessant (und macht wahnsinnig wütend), ihn bei den entwürdigenden Arztbesuchen und Behördengängen zu begleiten - so einen Einblick, wie schwer es sein muss, eine Transidentität anerkennen zu lassen, habe ich noch nie in Romanform gelesen. Johan hat ein sehr poetisches Innenleben, seine Gedanken kreiseln ständig und bei seinen inneren Monologen reiht sich Metapher an Metapher. Wie das beim gelesenen Buch wäre weiß ich nicht, beim Hörbuch ist mir ab und an ein “komm doch mal zum Punkt” durch den Kopf gegangen. Aber es waren auch wunderbare Bilder dabei, vor allem, wenn Johan mit seinen Freunden im Alkoholrausch der Berliner Partynächte Verbundenheit und Freiheit empfindet: Sätze wie “Wir sind wie Glasscherben, die sich in der Nacht festtreten” oder “Wir schießen mit Serotonin und Dopamin, als könnten wir es uns leisten, es zu vergeuden” fand ich ganz stark, bei den seitenweisen Liebeskummer-Metaphern war ich irgendwann raus, dafür ein Punkt Abzug. Aber alles in allem ein wirklich lesenswerter Erfahrungsbericht!

    Dec 23, 2025

  • sigi0.0
    sigi0.0

    36 Followers

    5.0

    Richtig berührend und ist mir teilweise sehr nahe gegangen. Man fühlt so sehr mit und kann sich richtig in Johann mit seinen ganzen Struggles hineinversetzen. Das Hörbuch ist richtig gut vom Autor selbst gelesen.

    Nov 8, 2025

  • 4.0

    Tiefe Einblicke

    Mit sehr bildreicher Sprache und grandiosem Humor gewährt dieser Roman Einblicke in eine Lebensrealität, die zunächst nichts poetisches und nichts witziges hat, jedoch nicht aussichtslos bleibt. Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen und doll mit Johann mitgefühlt. Sehr eindrücklich.

    Dec 11, 2025

3 of 18 reviews

Author

About Henri Maximilian Jakobs

Henri Maximilian Jakobs, geboren und aufgewachsen in München, lebt als Musiker, Schauspieler und Autor in Berlin. Er ist ausgebildeter Bassist und Musikjournalist, veröffentlicht Platten und tourt unter eigenem Namen und mit verschiedenen Bands. Derzeit ist er in der gefeierten Inszenierung »Das Leben des Vernon Subutex« unter der Regie von Thomas Ostermeier an der Schaubühne Berlin zu sehen. Als Synchronsprecher ist er unter anderem in der Netflixproduktion »Ridley Jones« in der Rolle des Dante zu hören. Johanns Geschichte ist auch ein bisschen seine, auch er liebt Pommes. Zudem hätte er gerne einen freundlichen Hund.

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