Love Me Tender
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Description
Eine steile Karriere, angesehene Familie, Ehemann und Kind – Constance Debré hat all das und wendet sich davon ab. Sie entschließt sich zu einem Leben, das schon viele Männer vor ihr gewählt haben: Sie scheidet ihre Ehe, widmet sich ausschließlich dem Schreiben, verzichtet auf die materiellen Sicherheiten einer festen Wohn- oder Arbeitsstelle und geht mit immer anderen Frauen ins Bett. Doch anders als so viele Männer will sie den Kontakt zu ihrem Kind nicht abbrechen – das erwirkt ihr Ex-Mann, nachdem er von ihrer Homosexualität erfahren hat. In einem langwierigen Sorgerechtsstreit kämpft sie um ihren Sohn, der sich immer weiter von ihr entfernt. Während sie auf die finale Entscheidung des Familiengerichts wartet, taumelt Debré zwischen einer Vielzahl von Gefühlen: Angst vor dem Verlust des Sohnes neben Akzeptanz für dessen Entscheidung, dem Verlangen nach unverbindlichem Sex und dem Bedürfnis nach engeren Verbindungen, einer tiefen inneren Leere und zugleich einer nie zuvor gekannten Freiheit.
Ohne Zurückhaltung und in prägnanten Sätzen ringt die Autorin um Antworten auf Fragen von Mutterschaft, Identität und Liebe und geht dabei hart ins Gericht mit gesellschaftlichen Normen, Glaubenssätzen, bürgerlichen Institutionen und nicht zuletzt mit sich selbst.
Book Information
Author Description
Constance Debré, 1972 geboren, arbeitete als Anwältin, bevor sie sich in Vollzeit dem Schreiben widmete. Bisher veröffentlichte sie vier Romane.
Posts
"Natürlich bin ich mich selbst leid. Ich habe es satt, mich zu früh und zu schnell von Menschen und Dingen zu trennen." Ein unbequemes Buch, das nicht bei jedem Anklang finden wird. Constance Debre beschreibt in diesem autofiktionalen Roman den radikalen Ausbruch aus ihrem konventionellen Leben. Sie stammt aus einer elitären Pariser Familie, arbeitete als Anwältin, hatte einen Ehemann und einen Sohn. Mit all dem bricht sie, sucht ihre Freiheit, fern ab von jeglichen Normen der Gesellschaft, läßt konsequent ihr bisheriges Leben hinter sich. Mich hat dieses ehrliche und schonungslose Buch begeistert, auch wenn ich manchmal dachte: Das kannst du doch nicht machen! Für mich eine klare Leseempfehlung
Das Ist kein Buch, welches man mal eben so wegsnackt, auch wenn es nur wenige Seiten hat. Elementares, tiefsinnig-emotionales wechselt sich mit banalem ab. In ihrem autofiktionalem Roman schildert die Autorin ihr Comming out als homosexuelle und wie sie dadurch ihr Besuchsrecht von Sohn Paul verliert. Ihr Ex-Mann bezichtigt sie des Inzests und versucht ihr so daß Sorgerecht zu entziehen. "Der Bulle vor mir sagt, die Justiz tötet Familien. Dass es irgendwann zu spät sei und eine Kindheit kurz." Sie darf ihren Sohn über Jahre nur noch unter Aufsicht sehen. Ausschweifend berichtet sie von ihren zahlreichen sexuellen Kontakten mit den Frauen, die sie sich nie erlaubt zu lieben. Ein hartes und schonungslos Buch!
Schmales Büchlein mit Wumms🔥
Constance Debré braucht nur wenige Seiten, um mich komplett umzuhauen. Wenn ihr also gerade ein schmales Büchlein lesen wollt, aber dennoch Bock auf eine außergewöhnliche, intensive Geschichte habt, dann führt euch »Love me tender« zu Gemüte. 🤝🏻 In a nutshell, es geht in Debrés autobiografischen Roman um Mutterschaft, Queerness, Sexualität und das Streben nach einem selbstbestimmten Leben. Debré bricht radikal mit ihrem alten Leben. Sie trennt sich von ihrem Mann, kündigt den Job als Anwältin und gibt ihren festen Wohnsitz auf. Sie will sich nur noch aufs Schreiben konzentrieren, unabhängig sein und ihre Identität als homosexuelle Frau frei ausleben. »Von nun an bin ich ein einsamer Cowboy.« S. 21 Debrés Lebenswandel ist unkonventionell und krass. Sie sagt sich von allem los, wird zunächst Minimalistin und führt schließlich ein Leben am Rande des Existenzminimums. Sie rasiert sich die Haare ab, stählt ihren Körper durchs Schwimmen und geht sexuelle Abenteuer und Beziehungen ein. »Homosexualität bedeutet für mich einfach Urlaub von allem.« S. 27 Sie legt ihr altes Ich ab, erfindet sich komplett neu. Doch ihr neues Leben geht auch mit einem großen Opfer einher. Ihr Ex-Mann entzieht ihr den Kontakt und das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn - aufgrund ihres neuen Lebensstils. Uff. Der Roman ist sehr intim, voller Kraft und Schmerz zugleich. Ihre Sprache ist direkt, nüchtern und auch ein bisschen derb. Debré – die btw auf dem Cover zu sehen ist – hat mich mit ihrer Intensität komplett umgehauen und sehr bewegt. Ihr Roman ist für mich eine ganz große Überraschung! 💙 Aus dem Französischen von Max Henninger

Ein kurzweiliger, sehr lesenswerter Gedankenstrudel um die Frage, ob denn nicht auch die Liebe zwischen Mutter und Sohn einfach enden kann, manchmal auch enden muss - zum Besseren für beide. Die Gedanken und Fragen hallen nach dem Lesen noch lange nach.
„Warum sollte die Liebe zwischen einer Mutter und einem Sohn nicht genau wie jede andere sein? Warum sollten wir nicht aufhören können, einander zu lieben? Warum sollten wir uns nicht trennen können? Warum nicht ein für alle Mal auf die Liebe pfeifen, die sogenannte, in all ihren Formen, auch dieser? Warum müssen wir uns unbedingt lieben, in und außerhalb der Familie, und warum müssen wir uns selbst und anderen immer wieder davon erzählen?“ (Debré 2024, S. 7) Ausgangspunkt des Buches ist Debrés radikaler Bruch mit ihrem bisherigen Leben. Debré, (47 Jahre, Mutter des 11-Jährigen Pauls) verließ ihren Ehemann, lebt nun freizügig ihre Homosexualität aus, gibt sich einem minimalistischen Lebensstil hin. Das Berufsleben als Anwältin hingeschmissen, widmete sie sich dem Schreiben. Ständig umtriebig, ändert sie auch ihr Äußerliches brachial. Ein Wandel in allen Lebensbereichen. Als sie sich entschied, nach Jahren des Getrenntlebens nun die Scheidung zu wollen, beginnt das, was sich vielleicht schon erahnen lässt. Ein Ringen um das Sorgerecht von Paul. Das Buch handelt aber mitnichten von einer bloßen Beschreibung einer „Schlammschlacht“ ums Sorgerecht, sondern vermittelt einen tiefen Einblick in die Gedankenprozesse Debrés, die die Autorin mit sich und anderen in ihrem unmittelbaren Sozialumfeld verhandelt. Es beginnt ein Gedankenstrudel um die Frage, ob denn nicht auch die Liebe zwischen Mutter und Sohn einfach enden kann, manchmal auch enden muss - zum Besseren für beide. Mal erleben wir Debré als eine alles anzweifelnde Persönlichkeit, mal als eine so etwas wie Glück empfindende Mutter und/oder Liebhaberin, mal als eine in sich gekehrte Tochter. „Love me tender“ von Constance Debré verhandelt unverfroren radikal, aber auch mit wiederkehrender Skepsis, gesellschaftliche Konstruktionen um eine Mutter-Sohn-Liebe, nämlich der ihrer eigenen. Selbstreferenziell und teils in derb-direkter und ehrlicher Sprache begleitet man die Autorin bei ihren lose (sch)wirren(den) Gedankengängen. Episodische Ausschnitte über Sexualpartnerinnen, über ständige Umzüge, über ihr Verhältnis zu ihren Eltern, aber auch über ihr wechselndes Verhältnis zu ihrem Sohn bieten sich facettenreich in dem schmalen, knapp 150 Seiten umfassenden Buch dar und ihre Fragen hallen noch lange im Kopf nach. Zwischen Unsicherheit und Entschiedenheit liegt manchmal nur ein schmaler Grat und der Autorin gelingt Außergewöhnliches, indem sie Leser*innen authentisch in ihren emanzipierenden Lebensausschnitt eintauchen lässt.

Wow. Was für eine krasse Geschichte. Der autobiographische Text hat es in sich. Eine Frau, die ihre Familie lässt. Ein Vater, der sagen wir, nicht pädagogisch wertvoll, darauf reagiert. Ein Text über ein Leben, das radikal verändert wurde. Die Geschichte einer mutigen, verzweifelten, suchenden und starken Person.
Was eine berührende und stark erzählte Geschichte von einer Frau, die sich aus ihrem bisherigen, finanziell abgesicherten Leben als Anwältin, Mutter und Ehefrau von einem auf den anderen Tag verabschiedet. Um zu schreiben. (Frauen) Zu lieben. Zu sich zu finden. Trotz aller Widrigkeiten, Verluste und damit verbundenen Schmerzen und Trauer.
“Homosexualität bedeutet für mich einfach Urlaub von allem.” (S. 27) Die 47-jährige Ich-Erzählerin des Romans “Love me Tender” (Aus dem Französischen von Max Henninger, Matthes & Seitz Berlin) von Constance Debré erfindet sich komplett neu. Wie Phönix aus der Asche taucht sie aus ihrem konventionellen Pariser Leben mit Mann, Sohn und prestigeträchtigem Job als Strafverteidigerin auf: “Von nun an bin ich ein einsamer Cowboy.” (S. 21). Sie häutet sich wie eine Schlange, wird extreme Minimalistin, Großstadtnomadin, steigt sexuell komplett auf Frauen um und schreibt ein Buch - über sich und ihre Sicht der Dinge. Es handelt sich hierbei um einen autofiktionalen Roman. Nicht nur ist Constance Debré (geboren 1972) auf dem Cover abgebildet, die Biographie der Autorin und der Ich-Erzählerin überschneiden sich komplett: Erfolgreiche Anwältin aus prominenter französischer Familie (Mutter adeliges Model, früh verstorben, Vater Journalist mit Kontakten in höchste Staatskreise), verheiratet, mit Sohn, legt ihr altes Ich ab, wird Schriftstellerin und schläft mit Frauen. Dabei kämpft sie um das Sorgerecht für ihren Sohn, das ihr aufgrund von Anschuldigungen ihres Ex-Mannes ihren Lebenswandel betreffend entzogen wird. Die Ich-Erzählerin hat eine sehr nüchterne Weltsicht, man könnte schon sagen, desillusioniert. Sie sagt sich von allem los, was nach Angepasstheit aussehen könnte, steigt komplett aus aus dem Hamsterrad des Gewöhnlichen. Das Leben als kurzweiliges Abenteur, das herkömmliche humanistische Ideale wie Liebe, Familie und Sicherheit nicht mehr nötig hat. Die Ich-Erzählerin macht sich viele Gedanken zum Thema Mutterschaft und wie viel Unfreiheit in dieser liegt. Sollte man sich nicht auch von der Familie oder dem eigenen Kind “trennen” dürfen? “Du darfst mich hassen. Das ist sogar ein Erfordernis der Liebe, zu hassen. Es gibt keine Liebe ohne Hass. [...] Ein Kind muss seine Eltern hassen, vor allem ein Sohn seine Mutter.” (S. 67) Natürlich spielen auch konventionelle Rollenbilder und deren radikale Ablehnung durch die Protagonistin, auch bei ihren gleichgeschlechtlichen Affairen, eine große Rolle. Wir kennen das Narrativ “Frau, gefangen im bürgerlichen Leben, die in ihren mittleren Jahren plötzlich ausbrechen will” von anderen französischen Autorinnen wie Leïla Slimani oder Maria Pourchet. Debré präsentiert sozusagen die queere Variante des Stoffes, allerdings erzählt sie auch ihre eigene Geschichte, was das Ganze sehr besonders macht. Ich mag die erzählerische Kraft und Intensität, die in diesem schmalen, unaufgeregten Werk steckt, unglaublich gerne. Die Ich-Erzählerin reduziert sich nicht nur auf das unbedingt Notwendige in ihrem Leben, sondern sie wählt auch die Worte, die sie benutzt, um uns von ihrem Schmerz und Triumph zu erzählen, sehr sorgfältig aus: kondensiert, clean, kathartisch. Ein Buch, das mich sehr begeistert und überrascht hat und das man sicher mehr als einmal lesen kann. Ich hoffe sehr, dass auch die anderen Bücher der Autorin bald auf Deutsch erscheinen werden, sonst muss ich mich auf das Abenteuer “lire en Français” einlassen. Unbedingte Empfehlung.
Mit einer ausgesprochenen Wut und mit viel Zärtlichkeit erzählt die Autorin brechend ehrlich aus ihrem Leben und über die Liebe zu ihrem Sohn sowie über all das, was sie weiter an- und umtreibt: Freiheit, Frauen und viel viel Sex. In Frankreich war der Text eine Sensation. Das kann ich nicht unbedingt teilen, aber lesenswert ist er absolut!
„Alles wird deutbar, wenn man es einmal aus seinem Kontext herauslöst, ihm die Leichtigkeit nimmt. […] Die Realität ist, dass eine Richterin mich zu einer Mutter mit elektronischer Fußfessel macht, auf Verlangen desjenigen, der immer noch mein Ehemann ist. […] Die Realität ist, dass das Recht immer noch beim Stärkeren liegt und die Gerechtigkeit eine Farce bleibt.“ S.50
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Eine steile Karriere, angesehene Familie, Ehemann und Kind – Constance Debré hat all das und wendet sich davon ab. Sie entschließt sich zu einem Leben, das schon viele Männer vor ihr gewählt haben: Sie scheidet ihre Ehe, widmet sich ausschließlich dem Schreiben, verzichtet auf die materiellen Sicherheiten einer festen Wohn- oder Arbeitsstelle und geht mit immer anderen Frauen ins Bett. Doch anders als so viele Männer will sie den Kontakt zu ihrem Kind nicht abbrechen – das erwirkt ihr Ex-Mann, nachdem er von ihrer Homosexualität erfahren hat. In einem langwierigen Sorgerechtsstreit kämpft sie um ihren Sohn, der sich immer weiter von ihr entfernt. Während sie auf die finale Entscheidung des Familiengerichts wartet, taumelt Debré zwischen einer Vielzahl von Gefühlen: Angst vor dem Verlust des Sohnes neben Akzeptanz für dessen Entscheidung, dem Verlangen nach unverbindlichem Sex und dem Bedürfnis nach engeren Verbindungen, einer tiefen inneren Leere und zugleich einer nie zuvor gekannten Freiheit.
Ohne Zurückhaltung und in prägnanten Sätzen ringt die Autorin um Antworten auf Fragen von Mutterschaft, Identität und Liebe und geht dabei hart ins Gericht mit gesellschaftlichen Normen, Glaubenssätzen, bürgerlichen Institutionen und nicht zuletzt mit sich selbst.
Book Information
Author Description
Constance Debré, 1972 geboren, arbeitete als Anwältin, bevor sie sich in Vollzeit dem Schreiben widmete. Bisher veröffentlichte sie vier Romane.
Posts
"Natürlich bin ich mich selbst leid. Ich habe es satt, mich zu früh und zu schnell von Menschen und Dingen zu trennen." Ein unbequemes Buch, das nicht bei jedem Anklang finden wird. Constance Debre beschreibt in diesem autofiktionalen Roman den radikalen Ausbruch aus ihrem konventionellen Leben. Sie stammt aus einer elitären Pariser Familie, arbeitete als Anwältin, hatte einen Ehemann und einen Sohn. Mit all dem bricht sie, sucht ihre Freiheit, fern ab von jeglichen Normen der Gesellschaft, läßt konsequent ihr bisheriges Leben hinter sich. Mich hat dieses ehrliche und schonungslose Buch begeistert, auch wenn ich manchmal dachte: Das kannst du doch nicht machen! Für mich eine klare Leseempfehlung
Das Ist kein Buch, welches man mal eben so wegsnackt, auch wenn es nur wenige Seiten hat. Elementares, tiefsinnig-emotionales wechselt sich mit banalem ab. In ihrem autofiktionalem Roman schildert die Autorin ihr Comming out als homosexuelle und wie sie dadurch ihr Besuchsrecht von Sohn Paul verliert. Ihr Ex-Mann bezichtigt sie des Inzests und versucht ihr so daß Sorgerecht zu entziehen. "Der Bulle vor mir sagt, die Justiz tötet Familien. Dass es irgendwann zu spät sei und eine Kindheit kurz." Sie darf ihren Sohn über Jahre nur noch unter Aufsicht sehen. Ausschweifend berichtet sie von ihren zahlreichen sexuellen Kontakten mit den Frauen, die sie sich nie erlaubt zu lieben. Ein hartes und schonungslos Buch!
Schmales Büchlein mit Wumms🔥
Constance Debré braucht nur wenige Seiten, um mich komplett umzuhauen. Wenn ihr also gerade ein schmales Büchlein lesen wollt, aber dennoch Bock auf eine außergewöhnliche, intensive Geschichte habt, dann führt euch »Love me tender« zu Gemüte. 🤝🏻 In a nutshell, es geht in Debrés autobiografischen Roman um Mutterschaft, Queerness, Sexualität und das Streben nach einem selbstbestimmten Leben. Debré bricht radikal mit ihrem alten Leben. Sie trennt sich von ihrem Mann, kündigt den Job als Anwältin und gibt ihren festen Wohnsitz auf. Sie will sich nur noch aufs Schreiben konzentrieren, unabhängig sein und ihre Identität als homosexuelle Frau frei ausleben. »Von nun an bin ich ein einsamer Cowboy.« S. 21 Debrés Lebenswandel ist unkonventionell und krass. Sie sagt sich von allem los, wird zunächst Minimalistin und führt schließlich ein Leben am Rande des Existenzminimums. Sie rasiert sich die Haare ab, stählt ihren Körper durchs Schwimmen und geht sexuelle Abenteuer und Beziehungen ein. »Homosexualität bedeutet für mich einfach Urlaub von allem.« S. 27 Sie legt ihr altes Ich ab, erfindet sich komplett neu. Doch ihr neues Leben geht auch mit einem großen Opfer einher. Ihr Ex-Mann entzieht ihr den Kontakt und das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn - aufgrund ihres neuen Lebensstils. Uff. Der Roman ist sehr intim, voller Kraft und Schmerz zugleich. Ihre Sprache ist direkt, nüchtern und auch ein bisschen derb. Debré – die btw auf dem Cover zu sehen ist – hat mich mit ihrer Intensität komplett umgehauen und sehr bewegt. Ihr Roman ist für mich eine ganz große Überraschung! 💙 Aus dem Französischen von Max Henninger

Ein kurzweiliger, sehr lesenswerter Gedankenstrudel um die Frage, ob denn nicht auch die Liebe zwischen Mutter und Sohn einfach enden kann, manchmal auch enden muss - zum Besseren für beide. Die Gedanken und Fragen hallen nach dem Lesen noch lange nach.
„Warum sollte die Liebe zwischen einer Mutter und einem Sohn nicht genau wie jede andere sein? Warum sollten wir nicht aufhören können, einander zu lieben? Warum sollten wir uns nicht trennen können? Warum nicht ein für alle Mal auf die Liebe pfeifen, die sogenannte, in all ihren Formen, auch dieser? Warum müssen wir uns unbedingt lieben, in und außerhalb der Familie, und warum müssen wir uns selbst und anderen immer wieder davon erzählen?“ (Debré 2024, S. 7) Ausgangspunkt des Buches ist Debrés radikaler Bruch mit ihrem bisherigen Leben. Debré, (47 Jahre, Mutter des 11-Jährigen Pauls) verließ ihren Ehemann, lebt nun freizügig ihre Homosexualität aus, gibt sich einem minimalistischen Lebensstil hin. Das Berufsleben als Anwältin hingeschmissen, widmete sie sich dem Schreiben. Ständig umtriebig, ändert sie auch ihr Äußerliches brachial. Ein Wandel in allen Lebensbereichen. Als sie sich entschied, nach Jahren des Getrenntlebens nun die Scheidung zu wollen, beginnt das, was sich vielleicht schon erahnen lässt. Ein Ringen um das Sorgerecht von Paul. Das Buch handelt aber mitnichten von einer bloßen Beschreibung einer „Schlammschlacht“ ums Sorgerecht, sondern vermittelt einen tiefen Einblick in die Gedankenprozesse Debrés, die die Autorin mit sich und anderen in ihrem unmittelbaren Sozialumfeld verhandelt. Es beginnt ein Gedankenstrudel um die Frage, ob denn nicht auch die Liebe zwischen Mutter und Sohn einfach enden kann, manchmal auch enden muss - zum Besseren für beide. Mal erleben wir Debré als eine alles anzweifelnde Persönlichkeit, mal als eine so etwas wie Glück empfindende Mutter und/oder Liebhaberin, mal als eine in sich gekehrte Tochter. „Love me tender“ von Constance Debré verhandelt unverfroren radikal, aber auch mit wiederkehrender Skepsis, gesellschaftliche Konstruktionen um eine Mutter-Sohn-Liebe, nämlich der ihrer eigenen. Selbstreferenziell und teils in derb-direkter und ehrlicher Sprache begleitet man die Autorin bei ihren lose (sch)wirren(den) Gedankengängen. Episodische Ausschnitte über Sexualpartnerinnen, über ständige Umzüge, über ihr Verhältnis zu ihren Eltern, aber auch über ihr wechselndes Verhältnis zu ihrem Sohn bieten sich facettenreich in dem schmalen, knapp 150 Seiten umfassenden Buch dar und ihre Fragen hallen noch lange im Kopf nach. Zwischen Unsicherheit und Entschiedenheit liegt manchmal nur ein schmaler Grat und der Autorin gelingt Außergewöhnliches, indem sie Leser*innen authentisch in ihren emanzipierenden Lebensausschnitt eintauchen lässt.

Wow. Was für eine krasse Geschichte. Der autobiographische Text hat es in sich. Eine Frau, die ihre Familie lässt. Ein Vater, der sagen wir, nicht pädagogisch wertvoll, darauf reagiert. Ein Text über ein Leben, das radikal verändert wurde. Die Geschichte einer mutigen, verzweifelten, suchenden und starken Person.
Was eine berührende und stark erzählte Geschichte von einer Frau, die sich aus ihrem bisherigen, finanziell abgesicherten Leben als Anwältin, Mutter und Ehefrau von einem auf den anderen Tag verabschiedet. Um zu schreiben. (Frauen) Zu lieben. Zu sich zu finden. Trotz aller Widrigkeiten, Verluste und damit verbundenen Schmerzen und Trauer.
“Homosexualität bedeutet für mich einfach Urlaub von allem.” (S. 27) Die 47-jährige Ich-Erzählerin des Romans “Love me Tender” (Aus dem Französischen von Max Henninger, Matthes & Seitz Berlin) von Constance Debré erfindet sich komplett neu. Wie Phönix aus der Asche taucht sie aus ihrem konventionellen Pariser Leben mit Mann, Sohn und prestigeträchtigem Job als Strafverteidigerin auf: “Von nun an bin ich ein einsamer Cowboy.” (S. 21). Sie häutet sich wie eine Schlange, wird extreme Minimalistin, Großstadtnomadin, steigt sexuell komplett auf Frauen um und schreibt ein Buch - über sich und ihre Sicht der Dinge. Es handelt sich hierbei um einen autofiktionalen Roman. Nicht nur ist Constance Debré (geboren 1972) auf dem Cover abgebildet, die Biographie der Autorin und der Ich-Erzählerin überschneiden sich komplett: Erfolgreiche Anwältin aus prominenter französischer Familie (Mutter adeliges Model, früh verstorben, Vater Journalist mit Kontakten in höchste Staatskreise), verheiratet, mit Sohn, legt ihr altes Ich ab, wird Schriftstellerin und schläft mit Frauen. Dabei kämpft sie um das Sorgerecht für ihren Sohn, das ihr aufgrund von Anschuldigungen ihres Ex-Mannes ihren Lebenswandel betreffend entzogen wird. Die Ich-Erzählerin hat eine sehr nüchterne Weltsicht, man könnte schon sagen, desillusioniert. Sie sagt sich von allem los, was nach Angepasstheit aussehen könnte, steigt komplett aus aus dem Hamsterrad des Gewöhnlichen. Das Leben als kurzweiliges Abenteur, das herkömmliche humanistische Ideale wie Liebe, Familie und Sicherheit nicht mehr nötig hat. Die Ich-Erzählerin macht sich viele Gedanken zum Thema Mutterschaft und wie viel Unfreiheit in dieser liegt. Sollte man sich nicht auch von der Familie oder dem eigenen Kind “trennen” dürfen? “Du darfst mich hassen. Das ist sogar ein Erfordernis der Liebe, zu hassen. Es gibt keine Liebe ohne Hass. [...] Ein Kind muss seine Eltern hassen, vor allem ein Sohn seine Mutter.” (S. 67) Natürlich spielen auch konventionelle Rollenbilder und deren radikale Ablehnung durch die Protagonistin, auch bei ihren gleichgeschlechtlichen Affairen, eine große Rolle. Wir kennen das Narrativ “Frau, gefangen im bürgerlichen Leben, die in ihren mittleren Jahren plötzlich ausbrechen will” von anderen französischen Autorinnen wie Leïla Slimani oder Maria Pourchet. Debré präsentiert sozusagen die queere Variante des Stoffes, allerdings erzählt sie auch ihre eigene Geschichte, was das Ganze sehr besonders macht. Ich mag die erzählerische Kraft und Intensität, die in diesem schmalen, unaufgeregten Werk steckt, unglaublich gerne. Die Ich-Erzählerin reduziert sich nicht nur auf das unbedingt Notwendige in ihrem Leben, sondern sie wählt auch die Worte, die sie benutzt, um uns von ihrem Schmerz und Triumph zu erzählen, sehr sorgfältig aus: kondensiert, clean, kathartisch. Ein Buch, das mich sehr begeistert und überrascht hat und das man sicher mehr als einmal lesen kann. Ich hoffe sehr, dass auch die anderen Bücher der Autorin bald auf Deutsch erscheinen werden, sonst muss ich mich auf das Abenteuer “lire en Français” einlassen. Unbedingte Empfehlung.












