Verdammt wütend
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Book Information
Author Description
LINN STRØMSBORG, geboren 1986, debütierte 2009 mit dem Roman ›Roskilde‹. Seitdem hat die Autorin vier weitere Romane geschrieben. Bei DuMont erschien 2021 der hochgelobte Roman ›Nie, nie, nie‹.
Characteristics
4 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Ein Buch das man lesen sollte, wenn man verstehen will, warum viele Frauen wütend bzw. frustrierend sind.
Das Buch lässt sich mit folgendem Zitat gut zusammenfassen: " Ein Satz, den die meisten von uns kennen: Räum dein Zeug weg. Ich bin nicht deine Mutter. Ich werde immer sauer, wenn ich diesen Satz irgendwo höre. Ich werde sauer, stellvertretend für alle aufräumenden Mütter. Ich werde sauer, weil ich selbst so eine Mutter geworden bin, eine, die ständig anderen hinterherräumt, dem Mann und der Tochter, und keinen Bock mehr hat, was zu sagen, sondern es einfach tut, weil sie weiß, dass nichts passieren wird, wenn sie es nicht selbst macht. Räum dein Zeug weg, deine Mutter ist dafür nicht zuständig, denn für Arbeit wird man bezahlt, und deine Mutter bekommt einen Scheiß für die Arbeit, die sie hier erledigt." In dem Buch geht es um eine Mutter, Britt, die einen "Ausraster" hat, den sicher viele Frauen kennen. Irgendwann ist es einfach gut und der Frust bricht aus einem raus. Britt haut danach mit einer Freundin ihres Mannes für 24h ab. Die Geschichte erzählt zum einen davon, was Britt so frustriert hat und was in der Zeit in dem Sommerhaus passiert, mit ihrem Mann, den Kindern und den Freunden. Die Autorin versteht es grandios hier nachzuzeichnen, warum Gleichberechtigung in unserer Welt immer noch ein Thema ist. Und warum so viele Frauen in unserer Welt noch wütend, frustriert, erschöpft sind. Ich konnte Britts Wut so sehr nachvollziehen. Es war auch bezeichnend, dass die beiden Männer so gar nix verstanden haben, dass aber auch parallel die anderen Frauen Britt verstanden haben, aber nie so richtig Klartext mit den Männern, allen voran Britts Ehemann, gesprochen haben. Frauen müssen mehr sich artikulieren und sich aber auch solidarisieren, so dass es nicht am Ende wieder heißt "voll hysterisch die Frau". Die kurzen Abschnitte (teilweise nur 1/2 Seite) haben zudem für einen schönen Lesefluss gesorgt. Insgesamt war der Schreibstil flüssig und unterhaltsam. Mein Fazit: Ein grandioses feministisches Werk, dass ich auf alle Fälle weiterempfehlen kann.

Britt ist wütend. Verdammt wütend. Ihr Leben lang hat sie versucht, es allen recht zu machen, als Frau, Partnerin und Mutter, hat immer versucht das Richtige zu tun. Das Richtige für wen eigentlich? Für sie - oder für das Patriarchat? Denn irgendwann reicht es auch mal und Britt platzt. Und die ganze, verdammte Wut will raus. Linn Strømsborg hat einen humorvollen, schmerzhaften, schlauen und extrem befreienden Roman darüber geschrieben, was es bedeutet eine Frau zu sein. Die Geschichte wird episodisch und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das lässt den Roman abwechslungsreich erscheinen und mich durch die ca. 220 Seiten fliegen. Leider fand ich die Figuren ein bisschen flach und den Plot vorhersehbar. So richtig mitreißen wie »Nie, nie, nie« (große Empfehlung btw) konnte mich der neue Roman von Linn Strømsborg to be honest nicht. Ich finde ihn dennoch grundsätzlich empfehlenswert, denn er zeigt die Lebensrealitäten von Frauen in der Gesellschaft und female rage at its best. Übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe

𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein intensiver, kluger und emotionaler Roman über das, was passiert, wenn man zu lange funktioniert.
☄️ 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘻𝘶 𝘯𝘢𝘩 𝘥𝘳𝘢𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘢𝘯 𝘥𝘦𝘮, 𝘸𝘢𝘴 𝘸𝘦𝘩𝘵𝘶𝘵, 𝘢𝘯 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘮, 𝘸𝘢𝘴 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘴𝘰 𝘨𝘦𝘭𝘢𝘶𝘧𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵, 𝘸𝘪𝘦 𝘮𝘢𝘯 𝘦𝘴 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘷𝘰𝘳𝘨𝘦𝘴𝘵𝘦𝘭𝘭𝘵 𝘩𝘢𝘵, 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘢𝘮 𝘌𝘯𝘥𝘦 𝘨𝘢𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘴 𝘢𝘭𝘴 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 𝘴𝘦𝘪𝘯. 💭 Nachdem mich 𝘕𝘪𝘦, 𝘯𝘪𝘦, 𝘯𝘪𝘦 so begeistert hat, war ich unglaublich gespannt auf dieses Buch und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. 𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein Roman, der leise beginnt, aber eine enorme emotionale Wucht entfaltet. Im Mittelpunkt steht die 43-jährige Britt, die gemeinsam mit ihrem Mann Espen und einem befreundeten Kreis ein paar Tage in einem Sommerhaus verbringt. Mit dabei sind unter anderem ihre Tochter Elise, das Paar Trond und Anita mit ihren Kindern sowie Nico, der das Haus gehört. Schon auf den ersten Seiten entlädt sich Britts Wut, sodass sie sich ans Meer zurückzieht und ihren Gedanken freien Lauf lässt. Dadurch bekommt man einen sehr intensiven Einblick in ihre Gefühlswelt. Obwohl Britt Nico zunächst nicht mag, steigen beide ins Auto und verschwinden. Mit der Zeit wird es leichter für Britt und sie kann sich öffnen und stößt auf Verständnis. Besonders spannend ist die Dynamik innerhalb der Gruppe. Während die Erwachsenen unterschiedlich auf Britt und deren Verschwinden reagieren und ihre eigenen Vorstellungen von Beziehung und Verantwortung offenbaren, bleiben die jüngeren Kinder noch unbeschwert. Runa hingegen beobachtet als Teenager genau und zeigt ein überraschendes Verständnis für Britt. Auch Gespräche zwischen Espen und Trond eröffnen neue Perspektiven. Zentrale Themen sind Wut, Beziehungen und Verantwortung. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie sich angestaute Gefühle über Jahre hinweg aufbauen können und was passiert, wenn sie sich ihren Weg nach außen bahnen. Das Ganze spielt in Norwegen und allein das Setting hat für mich schon einen besonderen Reiz. Die Natur, das Meer, die Weite: All das unterstreicht die Stimmung des Buches perfekt und hat direkt einen Platz in meinem Herzen gefunden. Ich mag den Schreibstil von Linn Strømsborg sehr. Die Kapitel sind kurz, der Text liest sich unglaublich flüssig, und man fliegt nur so durch die Seiten. Gleichzeitig ist da immer diese unterschwellige Spannung, diese aufgestaute Wut von Britt, die sich durch das ganze Buch zieht. Auch der Aufbau ist besonders: Der Roman ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die unterschiedliche Perspektiven und Momente beleuchten, was zusätzliche Tiefe schafft und das Geschehen vielschichtig wirken lässt. 𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein intensiver, kluger und emotionaler Roman über das, was passiert, wenn man zu lange funktioniert. Ein Buch, das nachhallt und zum Nachdenken anregt. Für mich wieder ein echtes Highlight. Absolute Leseempfehlung! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (10/10)

Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen habe.
Britt ist wütend. Die Wut hat sich schon eine Weile angestaut und bricht ausgerechnet im Sommerurlaub mit den Freunden aus ihr heraus. Sie schreit alle an… ihren Mann Espen, die kleine Tochter Elise, die Freunde. Die Wut musste raus und Britt muss auch raus - aus der Situation. Sie fährt mit der unangepassten Nico, einer alten Freundin von Espen, einfach los und verbringt eine Nacht am Strand. Sie will die Freiheit spüren, die sie nie hatte. Will spüren, ob das Leben vielleicht mehr für sie bereithalten könnte. Der Ausbruch tut ihr nicht leid, wohl aber, dass dieser so spät kam. Ihr ganzes Leben hat sie immer versucht, sich anzupassen, sich an Regeln zu halten, es allen recht zu machen, nicht aufzufallen, hinter allen herzuräumen. Sie hat sich aufgeopfert, damit andere strahlen konnten. Sie war die fürsorgliche Mutter, die perfekte Frau, die verständnisvolle Freundin. Sie trägt die Verantwortung für die Familie, denkt an alle und alles. Aber denkt auch jemand an Britt? Mehr und mehr fühlt sie eine innere Leere, fühlt sich nicht gesehen. Spielen ihre Wünsche keine Rolle? Lynn Strømsborg erzählt direkt, präzise und kraftvoll in kurzen Kapiteln eher fragmentarisch von der weiblichen Wut, von Befreiung und von Veränderung. Sie zeichnet ein Bild von gesellschaftlichen Erwartungen, starren Rollenbildern und Mental Load. Die Handlung wird sehr verknappt erläutert, was den Lesefluss manchmal hemmt und ein tieferes Eintauchen in die Wut und die Protagonisten erschwert. Dennoch ein intensives Buch, das zum Nachdenken anregt. Klare Leseempfehlung!
"Frau zu sein bedeutet, Feministin zu sein, aber nur so, dass es für Männer noch in Ordnung ist."
Britt ist unglaublich wütend, warum sie so wütend ist, vermag sie nicht wirklich benennen zu können. Es stimmt traurig, wie ein Gefühl des Verlassenwerdens,- im Stich gelassen von Bezugspersonen, sich so manifestieren kann bis ins Erwachsenenalter und das innere Kind dadurch niemals ankommt und Frieden findet. Die Wut ist da, aber sie findet keinen Raum, keine wirkliche Berechtigung, sie ist dennoch kontinuierlich da. Der Alltag, die Ungerechtigkeit in einer Partnerschaft, Unverständnis auf beiden Ebenen, machen die Wut nur immer größer. Aber was passiert wenn die Wut plötzlich anerkannt und akzeptiert wird? Dann ist das wie ein Komet, der auf die Erde knallt und dann plötzlich Ruhe einkehrt.... Das Buch war so anders als erwartet und gleichzeitig genau richtig, ich habe mitgefühlt, geschimpft, ich empfand Wut und gleichzeitig hat mich das Buch aber auch gelehrt nicht in der Wut zu verharren. Es wird mich geistig noch eine Weile begleiten, mich nachdenklich stimmen. Für diese Buch gibt es von mir eine Leseempfehlung 🙏🏻

Unpopuläre Meinung Da ich "Nie, nie, nie" von der Autorin sehr gut fand, habe ich mich auf ihr neues Buch gefreut. Dann kam der große Hype und ich dachte mir, erstmal noch ein bisschen warten mit dem Lesen. Jetzt habe ich gelesen und es war okay, aber eben auch nicht mehr. Britt ist wütend. Wütend auf alles und jeden und wahrscheinlich am meisten auf sich selbst. "Warum bin ich so wütend? Ich bin wütend, weil mich noch nie jemand gefragt hat, warum ich wütend bin." Über Jahre schluckt sie diese Wut runter, ihren Frust und die Herausforderung der Mutterschaft. Die Ängste um dieses geliebte Wesen und darum alles richtig machen zu wollen. "Eltern zu sein bedeutet, so zu tun, als ob alles gut läuft. Als hätte man keine Angst." Wenn man dann noch einen Mann hat der in veralteten Strukturen handelt und denkt, wirds noch schwerer. Und irgendwann läuft das Fass dann über, man reagiert über, man eskaliert und im Anschluss dann kommt die Scham. Für viele ein absolutes Highlight. Ich habe es gerne gelesen, in Erinnerung wird es mir nicht großartig bleiben. Die Charaktere blieben mir zu flach und die Geschichte konnte mich emotional einfach nicht erreichen.
Eine literarisch eindringliche Annäherung an weibliche Wut – und das Recht, sie zu fühlen Linn Strømsborgs Roman Verdammt wütend ist ein leises Buch über einen lauten Moment. Mit einem feinfühligen, beinahe poetischen Schreibstil gelingt Strømsborg ein feministisches Porträt einer Frau, deren Wut nicht übertrieben, sondern überfällig ist. Der Roman liest sich leicht, mit schnell durchblätterbaren Seiten und einem klaren, zugänglichen Ton – und doch hallt er nach. Denn was hier zur Sprache kommt, ist nichts Geringeres als das strukturelle Schweigen um weibliche Wut. Eine Wut, die allzu oft als „irrational“, „hysterisch“, „unangebracht“ abgetan wird – und die hier endlich Raum bekommt. Strømsborg schreibt über die Konventionen des Frauseins: über das Mädchen, das zu einer Frau wird, und über die Frau, die irgendwann zur Mutter wird – oder eben nicht. Sie zeigt auf, wie eng gesellschaftliche Rollenerwartungen gefasst sind und wie sehr sie das Selbstbild prägen. Britt ist dabei keine Heldin im klassischen Sinn, sondern vielmehr eine Projektionsfläche: für ein kollektives Aufbegehren, das leise beginnt und dennoch tief in den Leserinnenkörper schreibt. Verdammt wütend ist ein Roman über die subtile Rebellion im Alltäglichen, über den Trotz, der sich nicht rechtfertigt – und über das Bedürfnis, endlich wieder Subjekt der eigenen Geschichte zu werden. Und vielleicht liegt genau darin die literarische Kraft dieses Textes: in seiner Fähigkeit, jene Nuancen sichtbar zu machen, die allzu oft im Diskurs um Weiblichkeit verloren gehen. 4 von 5 Sternen – nicht weil das Buch Schwächen hätte, sondern weil es für einige Leserinnen in bestimmten Lebensphasen vielleicht noch mehr Resonanz erzeugen kann. Und dennoch: ein ganz klarer Lesetipp.
„Nein, ich bin nicht ausgebrannt. Ich bin erschöpft und das ist nicht dasselbe. Ich bin nicht körperlich erschöpft, nur von mir selbst, von der, die ich bin, und von dem, was aus mir geworden ist, und von der Angst, dass da vielleicht gar nichts mehr kommt." (S. 75) Britt ist wütend. Sie verbringt ihre Ferien mit ihrem Mann Espen, ihrer Tochter Elise und Freunden. Ihre Freundin Nico ist so ganz anders als sie. Nico ist frei und unabhängig und nimmt alles viel leichter. Warum ist das so? Britt hat gelernt, dass sie sich um alles kümmern muss, nur nicht um sich selbst. Als Frau muss sie dünn und schön sein, immer für alle anderen da sein. Doch irgendwann hat Britt genug davon. Sie kann und will sich nicht mehr verstecken und staucht ihre Familie und Freunde zusammen. Mit Nico brennt sie durch, sie will sich wieder spüren können. Ein verdammt wütender und authentischer Roman darüber was es auch heute noch bedeutet Frau zu sein. Britt‘s Wut ist deutlich spürbar. Viele Frauen werden sich in ihr wiederfinden. Die Autorin lässt nicht nur die Protagonistin zu Wort kommen, sondern auch ihren Mann. Seine Wahrnehmung ist ganz anders als die von Britt. Der Aufbau des Romans ist erstmal ungewöhnlich, passt aber alles wunderbar zusammen. Kurze Kapitel, präzise und auf den Punkt. Ich kann der ganzen Wucht des Romans mit der Rezension gar nicht gerecht werden, hier gibt’s noch so viele leise Zwischentöne zwischen den Zeilen. Man muss ihn einfach selber lesen. Wichtiges Buch und große Empfehlung!!!
4,25💫
*Erwachsene müssen lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren, wir sollen unsere Emotionen in Worte fassen, wir sollen diplomatisch und einfühlsam sein, wir sollen die Tränen herunterschlucken, die Wut zügeln, die Aggressionen runterkochen und bis zehn zählen. Ich habe bis unendlich gezählt. Ich zähle immer noch.*
Ein stilles, aber eindringliches Buch über unterdrückte Gefühle, verpasste Chancen und die leise Wut, die sich über Jahre ansammelt. Für alle, die besser verstehen wollen, warum Frauen manchmal einfach wütend sind.
Besonders stark fand ich die Auseinandersetzung mit Emotionen und wie wir lernen, mit ihnen umzugehen: „Als Kind ist es okay, trotzig zu sein. Wir müssen lernen, dass wir einen Willen haben, eine Meinung, dass Gefühle in unseren Körpern leben, den Mund aufzumachen.“ „Erwachsene müssen lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren, unsere Emotionen in Worte fassen, diplomatisch und einfühlsam sein, wir sollen die Tränen herunterschlucken, die Wut zügeln, die Aggressionen runterkochen und bis zehn zählen.“ Dieser Gegensatz zieht sich durch das ganze Buch und zeigt, wie sehr wir uns selbst im Laufe des Lebens zurücknehmen – oft zu unserem eigenen Nachteil. Die Protagonistin wirkt dabei fast schon resigniert. Ein Satz, der mir besonders hängen geblieben ist: „Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen hab.“ Das beschreibt ziemlich genau dieses Gefühl von Stillstand und Anpassung, das sich durch die Geschichte zieht. „Das Leben ist ein Marathon ohne Ziel und Siegerehrung, das einzige Ziel ist der Tod und bis dahin ist alles ein Kampf gegen die Zeit, und die Zeit macht bekanntlich nie eine Pause.“ Das klingt hart, passt aber zu der Grundstimmung des Buches – dieses ständige Warten darauf, dass irgendwann „etwas passiert“, obwohl man selbst nichts verändert. Gleichzeitig gibt es aber auch Hoffnung zwischen den Zeilen: „Wo etwas verschwindet, entsteht etwas anderes. Wo alles zerstört wird, kann auch alles neu beginnen.“ Dieser Gedanke wirkt wie ein leiser Ausweg aus der inneren Starre. Für mich ist „Verdammt wütend“ kein lautes Buch, sondern eines, das nachhallt. Es geht weniger um große Ereignisse als um das, was unausgesprochen bleibt – und genau das macht es so intensiv. Ein Buch, das zum Nachdenken zwingt und einen noch eine Weile begleitet.

VERDAMMT WÜTEND Linn Strømsborg „Eltern zu sein bedeutet, so zu tun, als ob alles gut läuft.“ (S. 101) Britt ist wütend. Wütend, weil sie sagt, was sie denkt, aber niemand ihr zuhört. Wütend, weil sie enttäuscht ist - von sich selbst, von ihrem Mann Espen und von dem Leben, das sie mit ihm und ihrer Tochter führt. Ein Leben, das sich so ganz anders anfühlt, als sie es sich einst vorgestellt hatte. Wütend, weil sie erschöpft ist, ihre Arbeit hasst und niemand sie fragt, warum sie wütend ist. Doch ihre Wut reicht tiefer. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie als 12-Jährige ohne ein Wort des Abschieds verließ. Als Britt eines Tages aus der Schule kam, war ihre Mutter einfach nicht mehr da. Im Urlaub mit Freunden, Mann und Tochter eskaliert alles: Britt rastet völlig aus, schreit die anderen an und verlässt schließlich das Sommerhaus, um ins Wasser zu gehen. Niemand weiß, ob sie zurückkehren wird. Ihr Leben fühlt sich an wie ein endloser Kampf - ein Kampf, es allen recht zu machen, der schon in ihrer Kindheit begann. Linn Strømsborg gelingt es auch in diesem Roman, die innersten Kämpfe und die erschöpfte Sehnsucht einer Frau schonungslos und bewegend darzustellen. Nachdem „Nie Nie Nie“ eines meiner absoluten Herzensbücher ist, musste ich natürlich auch Strømsborgs neuestes Werk lesen - und meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auch wenn dieser Roman für mich nicht ganz die Tiefe von „Nie Nie Nie“ erreicht, hat mich der besondere Schreibstil erneut begeistert. Die Erzählweise, die verschiedene Perspektiven beleuchtet, fand ich besonders gelungen. Britts Gedanken- und Gefühlswelt wurde für mich so greifbar, dass ich mit ihr litt und die Trauer spürte, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Die Geschichte regt zum Nachdenken an - über Familie, Erwartungen und die Lasten, die wir oft still mit uns tragen. Fazit: Seid laut, wütend und schießt solche Ehemänner wie Espen zum Mond! 5/ 5
"Verdammt wütend" ist ein kraftvoller, schonungsloser und nachdenklich-stimmender Roman über Familie, Erwartungen und die Lasten (z.B. der Care-Arbeit), die wir oft still mit (und in uns) tragen. Linn Stromsborg hat mit Britt eine sehr authentische Protagonistin erschaffen, mit der ich mich recht häufig ziemlich gut identifizieren konnte, denn als Frau und Mutter bin auch ich oft wütend und fühle mich ungerecht behandelt oder nicht genug gesehen. Ein aufrüttelnder Roman über weibliche Wut - eine gelungene Geschichte, die ich gerne gelesen habe.
„Ich habe sie alle angeschrien, niemand ist verschont geblieben. Das hätte ich schon vor zehn Jahren tun sollen.“
Britt ist wütend. Wütend auf ihr Leben, auf ihren Mann, auf sich. Sie kann sich schon gar nicht mehr daran erinnern, jemals nicht wütend gewesen zu sein. Und dann an einem Urlaubstag mit Familie und Freund:innen im Sommerhaus bricht es aus ihr heraus. In kurzen Episoden bekommen die Leser:innen einen Einblick in Britts Leben; ihre Kindheit, Jugend, Erwachsensein. Immer mit dem Grundrauschen der Wut. Linn Strømsborg konnte mit ihren Stil sehr gut die Emotionen von Britt transportieren. Ich mochte auch die nahezu leeren Seiten, da sie gedanklichen Raum ließen und den Inhalt unterstützen.
Sie sind erwachsen, aber vielleicht, lagen sie früher auch am Strand und haben sich weg geträumt. 💭 🌞
Nach dem ich „Nie nie nie“ von Linn Strømsberg, so toll fande wollte ich auch dieses Buch von ihr lesen. Es ist ein gutes Buch, mit einer eigentlich wirklich guten Story, aber irgendwie wurde das nicht so richtig umgesetzt. Mir war es zu viel drumherum, Sachen was die anderen machen, als eigentlich die Story der Hauptprotagonistin. 🤷🏼♀️ Britt eine super sympathische Protagonistin in der sich sicher einige Frauen wiederspiegeln, die auch oft wütend sind, sich ungerecht behandelt fühlen, oder zu wenig gesehen. Und dann braucht man so Freunde wie Nico, die einen zeigen, das es auch anders geht. Ich glaube einfach das Mamas, Freundinnen brauchen die keine Ehe oder Kinder haben, einfach um mal den Alltag entfliehen zu können, denn sie sind ja nicht alleine für ihre Familie verantwortlich, es gibt immer einen Gegenpart, aber wir wissen alle das die Realität oft anders aussieht. Und man sich dann doch alleine gelassen fühlt. Das Leben ist laut! Ich denke aus dem Buch hätte man mehr machen können. 🙋🏼♀️☺️

Irgendwie Jugendlich erzählt, erwachsen empfunden: ein wütender Pageturner
Verdammt wütend lässt mich dieses Buch durch die Seiten rauschen. Die leicht fragmentierte Schreibweise, durch Gedankeneinwürfe, Perspektivwechsel, kurze Splitter, erzeugt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Der Erzählstil wirkt klar, frisch, dringlich. Eigene, diffuse Wut, die lange keinen Namen hatte, findet hier Sprache und Erkenntnis. Es heißt, Frausein bedeutet auch wütend sein und das kann ich so stehenlassen Das Buch liest sich wie die kleine Schwester von Mareike Fallwickls Die Wut, die bleibt, jedoch eigenständig, kraftvoll, vielleicht etwas weniger komplex, dafür gefühlt auf eine neue Art unmittelbarer und immersiver. Ein Text, der nicht viel erklärt, aber besonders trifft… den Schmerz, das Herz, die Möglichkeiten… wo all die Wut herkommt.
Britt erzählt uns hier auf 220 Seiten warum sie wütend ist. Wütend weil Frauen ungerecht behandelt werden. Wütend weil ihre Mutter sie und ihren Vater verlassen hat. Wütend dass ihr Mann es nicht einmal schafft ihre Tochter morgens für die Schule fertig zu machen. Sie ist 43 Jahre lang wütend. Bis sie platzt. Wie alles aus ihr herausbricht und sie die Schnauze voll hat, von dem Hamsterrad in dem sie gefangen ist. Mutter, Frau, Köchin, Putzkraft, normaler Job etc. Frauen die Männern ihre Koffer packen und dann angeschnauzt werden wenn etwas fehlt. Die das schmutzige Geschirr, das auf der Spüle steht, in die Spülmaschine räumen und dann belehrt werden wie sie richtig einzuräumen ist. Frau zu sein bedeutet, als Hure bezeichnet zu werden, wenn du mit zu vielen Leuten schläfst, Frau zu sein bedeutet, sexy genug zu sein, dass alle mit dir schlafen wollen, Frau zu sein bedeutet, getötet zu werden, wenn du nicht still hältst und die Klappe hältst, Frau zu sein bedeutet, die Klappe zu halten, wenn du eigentlich schreien möchtest, Frau zu sein bedeutet, dass dir nicht geglaubt wird, Frau zu sein bedeutet, Schuld zu haben, Frau zu sein bedeutet, mit den Schlüsseln zwischen den Fingern nach Hause zu gehen. Sie erzählt von ihrer Kindheit und dem erwachsen werden. Von Verantwortung übernehmen für sich selbst und für andere. Der Angst um ihre Tochter in unserer Welt. Sie ist furchtbar wütend und traurig. Und kann niemandem die Schuld an ihrer Wut geben oder jemandem ihre Last abladen. Aber es fragt sie auch niemand warum sie wütend ist. Der Schreibstil ist ehrlich und ab und zu hart. Es ist so echt was in diesem Buch steht und es ist einfach geschrieben doch die Worte haben Kraft. Es ist ein schöner kurzer Einblick in ein Leben, dass einem hier und da bekannt vorkommt. Nun muss ich erst mal meine Tränen trocknen. Hat mich doch ganz schön berührt. Leider waren einige Fehler im Buch. Rechtschreibfehler und auch die Namen wurden verwechselt oder falsch geschrieben. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!♥️

Britt ist 43 Jahre alt. Sie fährt mit ihrer kleinen Tochter und Freunden ihres Mannes in den Urlaub. Eines Morgens schreit sie alle an. Sie verliert die Nerven und haut ab. Nico eine Freundin ihres Mannes, unverheiratet und kinderlos, begleitet sie. Ist da, zeigt Verständnis, hört ihr zu, lässt sie sein. Wir erfahren aus Britts allwissender Erzählperspektive, was im Ferienhaus passiert, während sie und Nico weg sind. Das ist der erste Punkt, den ich leider nicht so mochte, da wir die anderen Personen durch Britt aus der Vogelperspektive beobachten. War nicht so ganz mein Ding. Es entwickelten sich Dynamiken innerhalb der Freundesgruppe, die schon sehr klischeehaft waren. Ich hätte gerne noch eine männliche Perspektive gehabt. Mir persönlich war die Geschichte zu einfach. Die Frau, die schon von klein auf wütend ist und innerhalb eines Tages reflektiert, warum das so war. Und dann Spoiler!!!!! Zum Ende hin, krempelt sie auf den letzten 3 Seiten einfach ihr Leben um und trennt sich. Spoiler Ende!!!!!! Für mich hat sich Britt oftmals nicht wie eine 42-jährige Frau angefühlt, sondern wie eine pubertierende 15 jährige. Ich konnte mich nicht ganz in sie einfühlen. Meiner Meinung nach, hat die Autorin es leider nicht geschafft, ein überzeugendes gesellschaftskritisches Bild zu zeichnen. Dennoch mochte ich manchmal die Form, die Textstruktur, die Stromsburg gewählt hat. Die kurzen Kapitel fühlten sich wie Mini-Essays oder manchmal wie kleine lyrische Passagen an. Das mochte ich ganz gerne.
Warum Frauen nicht den Raum einnehmen, den sie eigentlich einnehmen dürften...
... Weil sie es nicht gelernt haben. ... Weil sie glauben, dass sie es nicht dürfen... Weil sie glauben, dass es stört... Weil sie gelernt haben, dass süß und lieb sein positiv ist. Gelernt haben sie aber auch, dass laut und Raum einnehmend negativ ist... Das vermittelt Linn Strømsborg in ihrem zweiten international veröffentlichten Roman sehr feinsinnig. Könnten bitte noch die anderen Romane dieser genialen Autorin ins deutsche übersetzt werden? Ich würde die gerne lesen. "Nie nie nie" war ein feinsinniges Meisterwerk und auch "Verdammt wütend" trifft den Zeitgeist und die Realität von europäischen Frauen auf den Punkt genau... Leben. Lebendig sein. Ich sein. Nicht nur zum Nutzen der Gesellschaft und der Dekoration, sondern um der eigenen Person Willen.

Britt ist wütend und ich verstehe warum! Sie verbringt die Ferien mit ihrer kleinen Tochter, ihrem Mann und seinen Freunden im ungeliebten Sommerhaus am Meer. Ihre lang angestaute Wut bricht aus ihr heraus und sie schreit alle an. Anschließend begleiten wir Britt durch den Tag danach. I really liked it!
Kurzweilig und sehr gut geschrieben.
Britt ist wütend. Und das eigentlich immer. Über so viele Dinge. Nur gesagt hat sie nie etwas. Bis zu diesem Tag, an dem sie sie alle anschreit. Sie ist mit ihrem Mann, ihrer Tochter und Freunden im Sommerurlaub und plötzlich bricht die Wut aus ihr heraus und sie wirft jedem der Anwesenden böse Dinge an den Kopf. Dann haut sie erst mal ab… Wir erfahren nicht im Einzelnen, was sie zu wem gesagt hat. Aber das ist auch nicht wichtig. Die Geschichte ist sehr stark, Britts Emotionen - hauptsächlich Wut - sind total spürbar. Und nachvollziehbar. Während man im Verlauf des Buches erfährt, wie Britt geprägt wurde und dann auch nach und nach Britt‘s Mann kennenlernt, wünscht man sich beim Lesen das ein oder andere Mal, dass Britt schon viel früher mal ausbricht! Ich habe sehr mit ihr mitgefühlt und fand den Schreibstil auch sehr gelungen.
Dieses Buch bleibt im Gedächtnis.
Ich muss diesem Buch, ein paar Monate nachdem ich es schon fertig gelesen habe, noch eine Rezension schreiben.. ich bin überrascht wie oft mir Szenen aus dem Buch im Alltag wieder aufblitzen und wie positiv es mir in Erinnerung bleibt.. OBWOHL ich dem Buch direkt nach Abschluss nur 3,5 Sterne gab.. ich fand es etwas langweilig.. glaube ich.. aber eigentlich war es nur dezent, denke ich jetzt. Es war subtil, thematisierte Themen ohne sie zu erklären.. die Themen waren einfach da, standen im Raum, schrieen einem zum Teil ins Gesicht aber waren trotzdem ganz leise dabei.. Es ist schwer zu erklären.. aber ein Buch, was mir so im Kopf bleibt, braucht mehr als 3,5 Sterne. Ich schiebe es in die Liste meiner Lieblingsbücher und gebe nachträglich 4 Sterne.. Vielleicht werde ich es wieder lesen und vielleicht werden es dann nochmal mehr.. oder wieder weniger.. mal sehn.
Habe hier leider mehr erwartet. Von der Autorin habe ich bereits „Nie, Nie, Nie“ gelesen und es hat mir unfassbar gut gefallen. Konnte mich so in die Protagonistin hineinversetzen aber hier hat mich gestört, dass mehr von den Nebencharaktere berichtet wurde als von der Hauptperson. Viele unwichtige Sachen wurden genannt, die meiner Meinung nach völlig überflüssig waren. Aber wenn es um die Hauptperson ging, fand ich den Teil des Buches sehr gut! Schade, aber ich würde wieder ein Buch von der Autorin lesen. Vllt gefällt mir das nächste ja wieder besser 😉

Wohin mit der vielen Wut?
Britt flippt voll aus. Sie ist 43, verheiratet, eine Tochter und im Urlaub mit Freunden. Eines Abends rastet sie total aus und wirft allen ziemlich Böses an den Kopf. Jahrelang hat sie versucht alles richtig zu machen, nicht aufzufallen, dazuzugehören, zu gefallen. Sie will nur weg. Nico, eine Freundin, aus der Truppe, die sie für ihre Selbstständigkeit hasst, fährt mit ihr ein Tag an den Strand. Britt spürt Freiheit, kann eine kurze Pause einlegen, um zu entscheiden wie ihr Leben weitergehen soll. „Wir sind das, wozu unsere Eltern uns gemacht haben und was uns im Leben widerfährt.“ Kurzweilig, aber so gut. Kurze Leseanschnitte, in denen deutlich rauskommt, was Britt geprägt hat und was ihre Antreiber sind. Eine Mutter, die sie in jungen Jahren verlassen hat, ein Vater, der gestorben ist, ein Mann, der immer wieder ausbricht. Und Britt hat immer alles hingenommen und sich nie das genommen, was sie eigentlich wollte. Ein Buch über Wut, den Wunsch nach einem eigenen Leben und den Mut neu anzufangen. Toll und ehrlich geschrieben. „Ich will ein Leben, das ich selbst vermisse, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin.“
Dieses Buch verändert vielleicht nicht alles – aber es verändert etwas in dir. Es gibt deiner Wut Raum. Es gibt deiner Stimme Gewicht. Es sagt dir: Du bist nicht zu viel. Du bist genau richtig laut!!!! 🩷
Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so sehr durchgeschüttelt, aufgewühlt und gleichzeitig verstanden hat wie „Verdammt wütend“ von Linn Strømsborg. Dieses Buch ist kein leises Flüstern – es ist ein Aufschrei, ein inneres Beben, ein Spiegel, in den ich fast zu lange geschaut habe, weil ich mich darin so erschreckend klar wiedergefunden habe. Ich LIEBE die Bücher dieser Autorin! Sie schreibt so radikal, so schonungslos, so präzise, dass es manchmal fast wehtut – aber genau deshalb trifft sie mitten ins Herz. Keine weichgespülten Wahrheiten, kein vorsichtiges Umkreisen von Themen. Sie geht direkt rein, legt frei, was viele von uns fühlen, aber selten in Worte fassen können. Wenn mich aktuell jemand fragen würde, wie ich mich fühle, würde ich ihm einfach dieses Buch in die Hand drücken. Wirklich. Weil es das ausspricht, was zwischen den Zeilen meines Alltags pulsiert: diese Wut, diese Müdigkeit, dieses ständige Aushandeln zwischen Anpassung und Aufbegehren. Aus feministischer Perspektive ist dieses Buch wie ein elektrischer Stromstoß. Es zeigt mit brutaler Klarheit, wie tief verankert die Erwartungen an Frauen noch immer sind – und wie subtil wir lernen, uns selbst zu zensieren. Einer der Sätze, der sich in mein Gehirn eingebrannt hat: „Frau zu sein bedeutet, Feministin zu sein, aber nur so, dass es für Männer noch in Ordnung ist“ Dieser Satz ist kein Gedanke – er ist ein Schlag. Weil er so wahr ist. Weil er dieses stille Regelwerk entlarvt, das uns begrenzt, während wir glauben, frei zu sein. Und trotzdem bleibt dieses Buch nicht in der Ohnmacht stehen. Es trägt diese rohe, aufrichtige Hoffnung in sich. Dieses leise, trotzige Weitermachen. Dieser eine Satz hat mich fast zum Weinen gebracht: „Trotzdem kann mein Schrei etwas ändern. Vielleicht nicht die Welt, aber meine Welt“ Und genau das ist es. Dieses Buch verändert vielleicht nicht alles – aber es verändert etwas in dir. Es gibt deiner Wut Raum. Es gibt deiner Stimme Gewicht. Es sagt dir: Du bist nicht zu viel. Du bist genau richtig laut. Ein Buch wie ein Sturm. Und ich stehe mittendrin – und will nicht raus
Erschütternd ehrlich!
Wie auch “Nie Nie Nie” von der Autorin hab ich dieses Buch geliebt. Britt, die mit Mitte 40 alles in Frage stellt, weil sie ihr Leben immer nur danach ausgelegt hat Mann und Kind zufrieden zu stellen und sich dabei völlig vergessen hat. Sie erfüllt die typische Frauenrolle und ist unglücklich mit ihrem rücksichtslosen Ehemann, der sich keiner Schuld bewusst ist. Es wird eindrucksvoll geschildert, dass man auch im späteren Alter für sich, seine Gefühle (negativ wie positiv) und seine Lebensziele einstehen sollte, da man sonst verdammt wütend wird.
Uff, schwierig. Ich mochte Linn Strømsborgs Debüt "Nie, nie, nie" so sehr und war deshalb gespannt auf ihr neues Buch. "Verdammt wütend" reiht sich ein in aktuelle Veröffentlichungen wie "Die Wut, die bleibt" und ist dabei meines Erachtens nicht besonders originell oder tiefgründig. Die Autorin schafft es teilweise erneut, mit wenigen Worten aufzurütteln und Emotionen zu erzeugen, und es erfolgen dann auch Perspektivwechsel, die das Buch für mich ein wenig gerettet haben. Allerdings wird in dem Buch eine Sache einfach so festgestellt, als wäre nichts dabei, und das wird an keiner Stelle mehr reflektiert und da kann ich persönlich nicht mitgehen.
„Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, so wenig Platz wie möglich einzunehmen und nicht im Weg zu stehen, und wohin hat mich das gebracht? In ein enges Leben, in das ich nicht mehr reinpasse.“
Britt ist wütend: auf eine Gesellschaft, die Frauen kleinhalten will, auf die Erwartungen, die ihr von außen auferlegt werden, und auf die Ungerechtigkeiten, die sie nicht länger ignorieren kann. Wie bereits in ihrem Roman „Nie, Nie, Nie“ zeigt Linn Strømsborg mit klarer Sprache und ungeschönter Ehrlichkeit, was passieren kann, wenn man seine Wut nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreift. Ein zeitgemäßer, feministischer Roman, der uns alle dazu ermutigt, den Blick nach innen zu richten und uns nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben. »Fühlt es sich richtig an?«, fragte sie. »Wie kann man das wissen? Die Hälfte der Zeit weiß ich nicht, was ich eigentlich tue.« »Kein Mensch weiß das. Und trotzdem machen alle einfach weiter.«
Nicht so wie ich es erwartet hatte aber trotzdem lesenswert!
Die ersten Seiten sind ein Manifest ans Frau sein und ich dachte mit all dem was Frau sein sollte scheint es so als wenn unsere Protagonistin ihr eigener Endgegner ist. Was natürlich auch erklärt warum sie so wütend ist. Dabei glaube ich 70% der Leserinnen werden sich in Britt wiederfinden. Es ist erschütternd dass wir immer noch so verankert in unseren alten Strukturen sind. - Die Frau ist für jeden da, nur nicht für sich. Zum Glück gibt es Nico, die Britt an die Hand nimmt und ihr zeigt was es wirklich bedeutet Frau zu sein. Und hier kommen wir zum Stern der fehlt und warum es kein 5 Sterne Buch für mich war. Mir war der Teil zwischen Nico und Britt zu wenig und warum so viel erzählt wurde was die anderen in der Zwischenzeit machen.
„Während ich hier so im Wasser liege und mich treiben lasse, denke ich nur eins: Ich bereue nichts. Ich habe sie alle angeschrien, niemand ist verschont geblieben. Das hätte ich schon vor zehn Jahren tun sollen.“ (Zitat) Britt ist in ihren 40igern, Mutter, Ehefrau und bisher nach außen eine äußerst entspannte Frau. Im Urlaub mit der Familie und Freunden eskaliert sie und lässt ihrer über Jahre angestauten Wut freien Lauf. Nach ihrem Ausbruch flüchtet sie, begibt sich auf einen Trip mit der Person, von der sie am wenigsten Fürsprache erwartet hat, überwindet ihre Scham und lässt auf beeindruckende, sehr reflektierte Weise, ihr bisheriges Leben Revue passieren, um zu ergründen, wie es dazu kommen konnte, dass sie einfach immer wütend und fertig ist. „Es gibt viele Gründe, warum ich wütend bin. Einer davon ist, dass ich mir selbst nicht erlaubt habe, wütend zu sein, sondern versucht habe, die Wut abzuwehren“ (Zitat) - „Verdammt wütend“ ist mal wieder so ein Buch, in dem ich unglaublich viel markiert habe und mich schwer für ausgewählte Zitate entscheiden konnte. Es steckt einfach so viel Wahrheit in diesen Zeilen und ich hab mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen können. Schon der Einstieg ist absolut gelungen. Nach einem kurzen Abriss über die Geschehnisse, folgt eine seitenlange Ausführung darüber was es heißt als Mädchen aufzuwachsen und eine Frau zu sein. Welche Erwartungen die Umwelt an weiblich gelesene Personen stellt, aber auch welche Überzeugungen wir selbst uns auferlegen. Wir sind gefangen in einem Konstrukt aus Anforderungen und sollen das alles hinnehmen, nicht hinterfragen, leise und nett bleiben. Wenn wir aufbegehren gelten wir als zickig, schwierig, hysterisch, zu emotional… und na klar macht das wütend. Das Problem an der Sache: Wut ist ein Negativ konnotiertes Gefühl, vor allem aus weiblicher Sicht. Wir wurden so sozialisiert und haben in den seltensten Fällen einen Umgang damit erlernt. Wut wird unterdrückt und sucht sich ein anderes Ventil, mitunter destruktiv. „Nein, ich bin nicht ausgebrannt, ich bin erschöpft, und das ist nicht dasselbe.“ (Zitat) Linn Strømsborg findet hier sehr klare Worte und plädiert für das Ausleben weiblicher Wut. Sie schreibt darüber, dass es vollkommen ok ist, wenn man wütend ist, dass es ein befreiendes Gefühl sein kann und vor allem, dass es ein Gefühl ist, welches man ernst nehmen sollte. Niemand ist grundlos wütend und somit ist es auch ein gewisser Schutz der sagt: hier stimmt irgendwas nicht… Wut kann ein Auslöser dafür sein Dinge zu überdenken und Lebensumstände zu ändern und ich denke wir würden alle gut daran tun, Wut auch etwas positives abzugewinnen. Im weiteren Verlauf des Romans kommen auch die anderen Teilnehmer der Urlaubsreise zu Wort und als Lesende erfahre ich, was im Sommerhaus nach Britts Verschwinden passiert. Vor allem die Reaktion der anwesenden Männer hat mich verärgert, zeugt sie doch eindeutig von dem vorherrschenden Frauenbild. Auch wenn Britts Mann aus meiner Sicht hier ein paar zu viel Stereotype bedient, ist es doch erschreckend realistisch und wahrscheinlich gar nicht mal so selten. Im Fazit ein erhellender Roman, der durch harte, aber wahre Worte besticht. Ein Roman der wehtut, aufrüttelt und zum Nachdenken anregt, denn: „Alle Tage fühlen sich normal an, bis sie es nicht mehr sind.“ (Zitat) Von mir gibt’s eine klare Leseempfehlung.
»Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen hab.«
Mir ist es echt schwergefallen in das Buch reinzukommen, die Charaktere sind sehr flach und emotional konnte es mich auch nicht erreichen. Ich bin erst gegen Ende damit warm geworden und hab dann auch verstanden, was es einem vermitteln möchte (bzw was ich daraus interpretiere). Ich lebe mittlerweile mit einem anderen Mindset und denke nicht mehr so wie die Protagonistin, aber sonst hätte mich das Buch am Ende sehr zum Nachdenken gebracht. Viele verschwenden ihr Leben. Trauen sich nicht zu sein, wer sie sind, nicht die Gefühle zu zeigen, die sie fühlen, ihren Bedürfnisse nicht nachzugehen.. Träumt groß, seid niemals mit dem Mindesten zufrieden, lebt so, dass ihr niemals denken könnt »ich hätte alles anders gemacht«. Und auch wenn die Autorin wohl nichts davon hält - macht mal eine Pause vom stressigen Alltag (und geht in die Natur :)) Das Leben ist so schnelllebig, so kann man sich doch nur verlieren. Ist ein solides und schnelles Buch für zwischendurch.
Verdammt wütend ist Brit: Ehemann, Mutter, verpassten Chancen, nicht genutztes Potenzial, Freunde und Nicht-Freunde. Auf das ganze Leben. Eines Morgens bricht es sich im Urlaub mit Freunden Bahn und bringt die Geschichte ins Rollen. Linn Strømsborg ist ein lauter Roman, der sich eindringlich durch Brits komplexe Innenwelt und den uns Leserinnen bekannten gesellschaftlichen Erwartungen wühlt und somit die eigene Wut anfacht. Die feinfühlige Erzählung über das Leben einer Frau, die sich gegen den ständigen Druck bei Mutterschaft und Frau-sein behaupten muss, bekommt einen ehrlichen Dreh, als plötzlich Kapitel aus der Sicht des Ehemannes und der Teenietochter eines befreundeten Pärchen Einzug in das Buch erhalten. Dadurch verzichtet man auf reines Männer-Bashing, gibt dadurch „Verhaltensfehler“ der Hauptprotagonistin Platz und zeigt die Vielschichtigkeit des Problems auf. Besonders beeindruckend ist, wie subtil und gleichzeitig prägnant die Autorin die gesellschaftlichen Zwänge und Mikroaggressionen schildert, denen Frauen oft ausgesetzt sind. Absolutes Jahreshightlight.

Wie mangelndes Vertrauen Wut auslöst
Wut ist ein Gefühl, für das man selten Trost erfährt. Ist man traurig wird man getröstet ist man fröhlich, freuen sich Andere bestenfalls mit einem. Wut lässt oft Befremden zurück. Für mich ist Wut allerdings eine Emotionen, die Energie freisetzt, die ich gelernt habe, in Positives zu verwandeln. Meine Wut hat mich resilient gemacht Britt ist sehr wütend. Im Sommerhaus, in dem sie mit ihrem Mann Espen, der Tochter Elisa und Freunden die Ferien verbringt, schreit sie ihre Wut eines Morgens beim Frühstück allen ins Gesicht. Kurz danach verschwindet sie mit Nicole, einer Freundin ihres Mannes, die keinen Partner hat und eine Autonomie ausstrahlt, die Britt imponiert. Während die beiden sich eine Auszeit nehmen, rätseln die zurückgebliebenen, wohin sie wohl verschwunden sind. Das ist der grobe Rahmen der Geschichte. Gefüllt ist sie aber mit Gefühlen von Britt und Espen und auch einigen anderen Protagonisten. Es ist immer Britt, die das Wort an uns richtet und uns erzählt, wie sehr sie von der Beziehung ihrer Eltern beeinflusst wurde, wie sie Espen kennen gelernt und zum Vater gemacht hat. Und wie schnell sich doch herausstellte, dass der Traum von einer eigenen kleinen Familie mit diesem Mann nicht so gelebt werden kann, wie Britt das gerne hätte. Dabei spart sie nicht mit Anschuldigungen. Man merkt aber schnell, dass auch sie einen großen Teil Verantwortung auf ihren Schultern geladen hat. Wenn mich auch ihr Mann genauso auf die Palme bringen würde wie Britt, liegt meine Sympathie hier bei niemandem. Verstehen kann ich die Protagonistin aber durchaus. Es hat viel mit Sozialisation und Bindung zu tun, was sie so pessimistisch und angreifbar macht. Ihr fehlt das Grundvertrauen, dass alles gut wird. Wenn man das nicht aufarbeitet, muss der Dampf irgendwann aus dem Kessel entweichen. Ich konnte dabei durchaus Parallelen zu meiner Person entdecken. Bei einigen Dingen hörte meine Empathie aber auf. Ganz zu Beginn der Beziehung zu Espen macht Britt einen riesengroßen Fehler, von dem ihr Mann zwar nichts weiß, der aber meinem Empfinden nach jede Beziehung belastet. Es gibt ergänzende Episoden, die in diesem dünnen Buch erzählt werden, die vielleicht die Geschichte verdichten sollten. Ich fand sie aber nicht so wichtig. Wären sie nicht da gewesen, hätte das wahrscheinlich nicht viel am Gefüge verändert. Sprachlich konnte mich die Geschichte meistens abholen. Der Erzählton ist energiegeladen und häufig auch flapsig. Literarisch wird hier mit Aufzählungen gearbeitet, die Vehemenz verdeutlichen sollen. Somit bekommt das Buch an den Stellen, wenn es um die Wut geht eine eigene Dynamik, die aber verpufft, sobald Füllmaterial gesendet wird. Insgesamt habe ich das Buch schnell und gern gelesen, besonders, weil es mir an einigen Stellen die Möglichkeit zur Identifikation gab. Es ist aber noch viel Luft nach oben, da die aufgebaute Spannung nicht über das ganze Buch gehalten werden kann. Eine Empfehlung spreche ich trotzdem aus für alle, die Bücher mögen, in denen Beziehungsdynamiken ein großes Thema sind
Verdammt wütend! 😡 Weil wir als Frauen immer wieder gegen Ungerechtigkeiten kämpfen müssen, während uns gesagt wird, wir sollten uns nicht so anstellen. Ob Gender Pay Gap , Mental Load oder die ewige Abwertung von Sorgearbeit – es reicht! Verdammt wütend! Genau das ist auch die Protagonistin im Roman von Linn Strømsborg. So sehr, dass sie vor ihrer Familie und Freunden irgendwann total ausrastet, weil sie die über Jahre aufgestaute Wut nicht mehr zurückhalten kann. Als Frau und vor allem Mutter versucht sie ausschließlich sämtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Der Erwartungshaltung ihres Mannes zu entsprechen, eine gute Mutter zu sein – eigene Bedürfnisse hinten anzustellen oder noch besser: keine zu haben. Dieser Druck von allen Seiten führt dazu, dass Britta (so heißt die Protagonistin) dauerhaft wütend ist. Auf ihre Umwelt, ihre Mitmenschen, ihren Arbeitgeber, ihren Mann, ihr Leben und auf sich selbst. 📚 Meine Lese-Empfehlung: „Verdammt wütend“ von Linn Strømsborg. Ein Roman, der die Wut so vieler von uns auf den Punkt bringt – und den ich vor allem Männern ans Herz lege. Vielleicht versteht ihr dann, warum wir so verdammt wütend sind.

2025_#91 🔥 "Der 9. März ist ein ganz normaler Tag, genau wie der 7. März ein ganz normaler Tag ist, auch wenn viele von uns jedes Jahr am 8. März so laut schreien, wie sie nur können. Ich bin eine von ihnen."
Mein zweites Buch der Autorin und auch hier gab es wieder den besonderen Schreibstil, den ich bereits in 'Nie, nie, nie' sehr mochte. Die Geschichte hat mir auch wieder gut gefallen und regt zum Nachdenken an! Könnte auf jeden Fall eine 'Kaufe ich blind'-Autorin für mich werden😍

"Sonst ging es immer irgendwie vorbei, ich wurde wütend, und es ging wieder vorbei, so funktionieren Gefühle, sie sind nicht konstant. Man kann nicht die ganze Zeit glücklich sein, das geht vorbei. Und man kann nicht die ganze Zeit wütend sein, das geht vorbei." Wenn einem die Wut ein Leben lang begleitet, nie nach draußen darf, immer schön im inneren festgehalten wird. Dann kommt irgendwann der Moment wo die Wut stärker ist, als alles andere und raus will und raus kommt. Dann ist auch egal wo, wie und wer vor einem ist. Genauso erlebt es Britt. Bei einem Urlaubsfrühstück mit Freunden und Familie im Sommerhaus. Sie musste sagen, dass es alles Idioten sind und sie endlich mal die Klappe halten soll. Es ging nicht mehr anders. Aber wie es zu der Wut gekommen ist, müsst ihr schon selbst rausfinden. Ein echt authentisches und ehrliches Buch über nicht nur eine Frau, sondern über alle. Alle die immer zurückstecken müssen, die organisieren müssen, die überleben müssen, die sich kümmern müssen, die schweigen müssen, die Ehefrau, Mutter, Geliebte sein müssen, die müssen... und dabei komplett vergessen zu leben. An vielen Stellen sah ich meine Mutter, meine Oma oder auch mich.
Characteristics
4 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
LINN STRØMSBORG, geboren 1986, debütierte 2009 mit dem Roman ›Roskilde‹. Seitdem hat die Autorin vier weitere Romane geschrieben. Bei DuMont erschien 2021 der hochgelobte Roman ›Nie, nie, nie‹.
Posts
Ein Buch das man lesen sollte, wenn man verstehen will, warum viele Frauen wütend bzw. frustrierend sind.
Das Buch lässt sich mit folgendem Zitat gut zusammenfassen: " Ein Satz, den die meisten von uns kennen: Räum dein Zeug weg. Ich bin nicht deine Mutter. Ich werde immer sauer, wenn ich diesen Satz irgendwo höre. Ich werde sauer, stellvertretend für alle aufräumenden Mütter. Ich werde sauer, weil ich selbst so eine Mutter geworden bin, eine, die ständig anderen hinterherräumt, dem Mann und der Tochter, und keinen Bock mehr hat, was zu sagen, sondern es einfach tut, weil sie weiß, dass nichts passieren wird, wenn sie es nicht selbst macht. Räum dein Zeug weg, deine Mutter ist dafür nicht zuständig, denn für Arbeit wird man bezahlt, und deine Mutter bekommt einen Scheiß für die Arbeit, die sie hier erledigt." In dem Buch geht es um eine Mutter, Britt, die einen "Ausraster" hat, den sicher viele Frauen kennen. Irgendwann ist es einfach gut und der Frust bricht aus einem raus. Britt haut danach mit einer Freundin ihres Mannes für 24h ab. Die Geschichte erzählt zum einen davon, was Britt so frustriert hat und was in der Zeit in dem Sommerhaus passiert, mit ihrem Mann, den Kindern und den Freunden. Die Autorin versteht es grandios hier nachzuzeichnen, warum Gleichberechtigung in unserer Welt immer noch ein Thema ist. Und warum so viele Frauen in unserer Welt noch wütend, frustriert, erschöpft sind. Ich konnte Britts Wut so sehr nachvollziehen. Es war auch bezeichnend, dass die beiden Männer so gar nix verstanden haben, dass aber auch parallel die anderen Frauen Britt verstanden haben, aber nie so richtig Klartext mit den Männern, allen voran Britts Ehemann, gesprochen haben. Frauen müssen mehr sich artikulieren und sich aber auch solidarisieren, so dass es nicht am Ende wieder heißt "voll hysterisch die Frau". Die kurzen Abschnitte (teilweise nur 1/2 Seite) haben zudem für einen schönen Lesefluss gesorgt. Insgesamt war der Schreibstil flüssig und unterhaltsam. Mein Fazit: Ein grandioses feministisches Werk, dass ich auf alle Fälle weiterempfehlen kann.

Britt ist wütend. Verdammt wütend. Ihr Leben lang hat sie versucht, es allen recht zu machen, als Frau, Partnerin und Mutter, hat immer versucht das Richtige zu tun. Das Richtige für wen eigentlich? Für sie - oder für das Patriarchat? Denn irgendwann reicht es auch mal und Britt platzt. Und die ganze, verdammte Wut will raus. Linn Strømsborg hat einen humorvollen, schmerzhaften, schlauen und extrem befreienden Roman darüber geschrieben, was es bedeutet eine Frau zu sein. Die Geschichte wird episodisch und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das lässt den Roman abwechslungsreich erscheinen und mich durch die ca. 220 Seiten fliegen. Leider fand ich die Figuren ein bisschen flach und den Plot vorhersehbar. So richtig mitreißen wie »Nie, nie, nie« (große Empfehlung btw) konnte mich der neue Roman von Linn Strømsborg to be honest nicht. Ich finde ihn dennoch grundsätzlich empfehlenswert, denn er zeigt die Lebensrealitäten von Frauen in der Gesellschaft und female rage at its best. Übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe

𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein intensiver, kluger und emotionaler Roman über das, was passiert, wenn man zu lange funktioniert.
☄️ 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘻𝘶 𝘯𝘢𝘩 𝘥𝘳𝘢𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘢𝘯 𝘥𝘦𝘮, 𝘸𝘢𝘴 𝘸𝘦𝘩𝘵𝘶𝘵, 𝘢𝘯 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘮, 𝘸𝘢𝘴 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘴𝘰 𝘨𝘦𝘭𝘢𝘶𝘧𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵, 𝘸𝘪𝘦 𝘮𝘢𝘯 𝘦𝘴 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘷𝘰𝘳𝘨𝘦𝘴𝘵𝘦𝘭𝘭𝘵 𝘩𝘢𝘵, 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘢𝘮 𝘌𝘯𝘥𝘦 𝘨𝘢𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘴 𝘢𝘭𝘴 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 𝘴𝘦𝘪𝘯. 💭 Nachdem mich 𝘕𝘪𝘦, 𝘯𝘪𝘦, 𝘯𝘪𝘦 so begeistert hat, war ich unglaublich gespannt auf dieses Buch und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. 𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein Roman, der leise beginnt, aber eine enorme emotionale Wucht entfaltet. Im Mittelpunkt steht die 43-jährige Britt, die gemeinsam mit ihrem Mann Espen und einem befreundeten Kreis ein paar Tage in einem Sommerhaus verbringt. Mit dabei sind unter anderem ihre Tochter Elise, das Paar Trond und Anita mit ihren Kindern sowie Nico, der das Haus gehört. Schon auf den ersten Seiten entlädt sich Britts Wut, sodass sie sich ans Meer zurückzieht und ihren Gedanken freien Lauf lässt. Dadurch bekommt man einen sehr intensiven Einblick in ihre Gefühlswelt. Obwohl Britt Nico zunächst nicht mag, steigen beide ins Auto und verschwinden. Mit der Zeit wird es leichter für Britt und sie kann sich öffnen und stößt auf Verständnis. Besonders spannend ist die Dynamik innerhalb der Gruppe. Während die Erwachsenen unterschiedlich auf Britt und deren Verschwinden reagieren und ihre eigenen Vorstellungen von Beziehung und Verantwortung offenbaren, bleiben die jüngeren Kinder noch unbeschwert. Runa hingegen beobachtet als Teenager genau und zeigt ein überraschendes Verständnis für Britt. Auch Gespräche zwischen Espen und Trond eröffnen neue Perspektiven. Zentrale Themen sind Wut, Beziehungen und Verantwortung. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie sich angestaute Gefühle über Jahre hinweg aufbauen können und was passiert, wenn sie sich ihren Weg nach außen bahnen. Das Ganze spielt in Norwegen und allein das Setting hat für mich schon einen besonderen Reiz. Die Natur, das Meer, die Weite: All das unterstreicht die Stimmung des Buches perfekt und hat direkt einen Platz in meinem Herzen gefunden. Ich mag den Schreibstil von Linn Strømsborg sehr. Die Kapitel sind kurz, der Text liest sich unglaublich flüssig, und man fliegt nur so durch die Seiten. Gleichzeitig ist da immer diese unterschwellige Spannung, diese aufgestaute Wut von Britt, die sich durch das ganze Buch zieht. Auch der Aufbau ist besonders: Der Roman ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die unterschiedliche Perspektiven und Momente beleuchten, was zusätzliche Tiefe schafft und das Geschehen vielschichtig wirken lässt. 𝘝𝘦𝘳𝘥𝘢𝘮𝘮𝘵 𝘸𝘶̈𝘵𝘦𝘯𝘥 ist ein intensiver, kluger und emotionaler Roman über das, was passiert, wenn man zu lange funktioniert. Ein Buch, das nachhallt und zum Nachdenken anregt. Für mich wieder ein echtes Highlight. Absolute Leseempfehlung! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (10/10)

Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen habe.
Britt ist wütend. Die Wut hat sich schon eine Weile angestaut und bricht ausgerechnet im Sommerurlaub mit den Freunden aus ihr heraus. Sie schreit alle an… ihren Mann Espen, die kleine Tochter Elise, die Freunde. Die Wut musste raus und Britt muss auch raus - aus der Situation. Sie fährt mit der unangepassten Nico, einer alten Freundin von Espen, einfach los und verbringt eine Nacht am Strand. Sie will die Freiheit spüren, die sie nie hatte. Will spüren, ob das Leben vielleicht mehr für sie bereithalten könnte. Der Ausbruch tut ihr nicht leid, wohl aber, dass dieser so spät kam. Ihr ganzes Leben hat sie immer versucht, sich anzupassen, sich an Regeln zu halten, es allen recht zu machen, nicht aufzufallen, hinter allen herzuräumen. Sie hat sich aufgeopfert, damit andere strahlen konnten. Sie war die fürsorgliche Mutter, die perfekte Frau, die verständnisvolle Freundin. Sie trägt die Verantwortung für die Familie, denkt an alle und alles. Aber denkt auch jemand an Britt? Mehr und mehr fühlt sie eine innere Leere, fühlt sich nicht gesehen. Spielen ihre Wünsche keine Rolle? Lynn Strømsborg erzählt direkt, präzise und kraftvoll in kurzen Kapiteln eher fragmentarisch von der weiblichen Wut, von Befreiung und von Veränderung. Sie zeichnet ein Bild von gesellschaftlichen Erwartungen, starren Rollenbildern und Mental Load. Die Handlung wird sehr verknappt erläutert, was den Lesefluss manchmal hemmt und ein tieferes Eintauchen in die Wut und die Protagonisten erschwert. Dennoch ein intensives Buch, das zum Nachdenken anregt. Klare Leseempfehlung!
"Frau zu sein bedeutet, Feministin zu sein, aber nur so, dass es für Männer noch in Ordnung ist."
Britt ist unglaublich wütend, warum sie so wütend ist, vermag sie nicht wirklich benennen zu können. Es stimmt traurig, wie ein Gefühl des Verlassenwerdens,- im Stich gelassen von Bezugspersonen, sich so manifestieren kann bis ins Erwachsenenalter und das innere Kind dadurch niemals ankommt und Frieden findet. Die Wut ist da, aber sie findet keinen Raum, keine wirkliche Berechtigung, sie ist dennoch kontinuierlich da. Der Alltag, die Ungerechtigkeit in einer Partnerschaft, Unverständnis auf beiden Ebenen, machen die Wut nur immer größer. Aber was passiert wenn die Wut plötzlich anerkannt und akzeptiert wird? Dann ist das wie ein Komet, der auf die Erde knallt und dann plötzlich Ruhe einkehrt.... Das Buch war so anders als erwartet und gleichzeitig genau richtig, ich habe mitgefühlt, geschimpft, ich empfand Wut und gleichzeitig hat mich das Buch aber auch gelehrt nicht in der Wut zu verharren. Es wird mich geistig noch eine Weile begleiten, mich nachdenklich stimmen. Für diese Buch gibt es von mir eine Leseempfehlung 🙏🏻

Unpopuläre Meinung Da ich "Nie, nie, nie" von der Autorin sehr gut fand, habe ich mich auf ihr neues Buch gefreut. Dann kam der große Hype und ich dachte mir, erstmal noch ein bisschen warten mit dem Lesen. Jetzt habe ich gelesen und es war okay, aber eben auch nicht mehr. Britt ist wütend. Wütend auf alles und jeden und wahrscheinlich am meisten auf sich selbst. "Warum bin ich so wütend? Ich bin wütend, weil mich noch nie jemand gefragt hat, warum ich wütend bin." Über Jahre schluckt sie diese Wut runter, ihren Frust und die Herausforderung der Mutterschaft. Die Ängste um dieses geliebte Wesen und darum alles richtig machen zu wollen. "Eltern zu sein bedeutet, so zu tun, als ob alles gut läuft. Als hätte man keine Angst." Wenn man dann noch einen Mann hat der in veralteten Strukturen handelt und denkt, wirds noch schwerer. Und irgendwann läuft das Fass dann über, man reagiert über, man eskaliert und im Anschluss dann kommt die Scham. Für viele ein absolutes Highlight. Ich habe es gerne gelesen, in Erinnerung wird es mir nicht großartig bleiben. Die Charaktere blieben mir zu flach und die Geschichte konnte mich emotional einfach nicht erreichen.
Eine literarisch eindringliche Annäherung an weibliche Wut – und das Recht, sie zu fühlen Linn Strømsborgs Roman Verdammt wütend ist ein leises Buch über einen lauten Moment. Mit einem feinfühligen, beinahe poetischen Schreibstil gelingt Strømsborg ein feministisches Porträt einer Frau, deren Wut nicht übertrieben, sondern überfällig ist. Der Roman liest sich leicht, mit schnell durchblätterbaren Seiten und einem klaren, zugänglichen Ton – und doch hallt er nach. Denn was hier zur Sprache kommt, ist nichts Geringeres als das strukturelle Schweigen um weibliche Wut. Eine Wut, die allzu oft als „irrational“, „hysterisch“, „unangebracht“ abgetan wird – und die hier endlich Raum bekommt. Strømsborg schreibt über die Konventionen des Frauseins: über das Mädchen, das zu einer Frau wird, und über die Frau, die irgendwann zur Mutter wird – oder eben nicht. Sie zeigt auf, wie eng gesellschaftliche Rollenerwartungen gefasst sind und wie sehr sie das Selbstbild prägen. Britt ist dabei keine Heldin im klassischen Sinn, sondern vielmehr eine Projektionsfläche: für ein kollektives Aufbegehren, das leise beginnt und dennoch tief in den Leserinnenkörper schreibt. Verdammt wütend ist ein Roman über die subtile Rebellion im Alltäglichen, über den Trotz, der sich nicht rechtfertigt – und über das Bedürfnis, endlich wieder Subjekt der eigenen Geschichte zu werden. Und vielleicht liegt genau darin die literarische Kraft dieses Textes: in seiner Fähigkeit, jene Nuancen sichtbar zu machen, die allzu oft im Diskurs um Weiblichkeit verloren gehen. 4 von 5 Sternen – nicht weil das Buch Schwächen hätte, sondern weil es für einige Leserinnen in bestimmten Lebensphasen vielleicht noch mehr Resonanz erzeugen kann. Und dennoch: ein ganz klarer Lesetipp.
„Nein, ich bin nicht ausgebrannt. Ich bin erschöpft und das ist nicht dasselbe. Ich bin nicht körperlich erschöpft, nur von mir selbst, von der, die ich bin, und von dem, was aus mir geworden ist, und von der Angst, dass da vielleicht gar nichts mehr kommt." (S. 75) Britt ist wütend. Sie verbringt ihre Ferien mit ihrem Mann Espen, ihrer Tochter Elise und Freunden. Ihre Freundin Nico ist so ganz anders als sie. Nico ist frei und unabhängig und nimmt alles viel leichter. Warum ist das so? Britt hat gelernt, dass sie sich um alles kümmern muss, nur nicht um sich selbst. Als Frau muss sie dünn und schön sein, immer für alle anderen da sein. Doch irgendwann hat Britt genug davon. Sie kann und will sich nicht mehr verstecken und staucht ihre Familie und Freunde zusammen. Mit Nico brennt sie durch, sie will sich wieder spüren können. Ein verdammt wütender und authentischer Roman darüber was es auch heute noch bedeutet Frau zu sein. Britt‘s Wut ist deutlich spürbar. Viele Frauen werden sich in ihr wiederfinden. Die Autorin lässt nicht nur die Protagonistin zu Wort kommen, sondern auch ihren Mann. Seine Wahrnehmung ist ganz anders als die von Britt. Der Aufbau des Romans ist erstmal ungewöhnlich, passt aber alles wunderbar zusammen. Kurze Kapitel, präzise und auf den Punkt. Ich kann der ganzen Wucht des Romans mit der Rezension gar nicht gerecht werden, hier gibt’s noch so viele leise Zwischentöne zwischen den Zeilen. Man muss ihn einfach selber lesen. Wichtiges Buch und große Empfehlung!!!
4,25💫
*Erwachsene müssen lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren, wir sollen unsere Emotionen in Worte fassen, wir sollen diplomatisch und einfühlsam sein, wir sollen die Tränen herunterschlucken, die Wut zügeln, die Aggressionen runterkochen und bis zehn zählen. Ich habe bis unendlich gezählt. Ich zähle immer noch.*
Ein stilles, aber eindringliches Buch über unterdrückte Gefühle, verpasste Chancen und die leise Wut, die sich über Jahre ansammelt. Für alle, die besser verstehen wollen, warum Frauen manchmal einfach wütend sind.
Besonders stark fand ich die Auseinandersetzung mit Emotionen und wie wir lernen, mit ihnen umzugehen: „Als Kind ist es okay, trotzig zu sein. Wir müssen lernen, dass wir einen Willen haben, eine Meinung, dass Gefühle in unseren Körpern leben, den Mund aufzumachen.“ „Erwachsene müssen lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren, unsere Emotionen in Worte fassen, diplomatisch und einfühlsam sein, wir sollen die Tränen herunterschlucken, die Wut zügeln, die Aggressionen runterkochen und bis zehn zählen.“ Dieser Gegensatz zieht sich durch das ganze Buch und zeigt, wie sehr wir uns selbst im Laufe des Lebens zurücknehmen – oft zu unserem eigenen Nachteil. Die Protagonistin wirkt dabei fast schon resigniert. Ein Satz, der mir besonders hängen geblieben ist: „Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen hab.“ Das beschreibt ziemlich genau dieses Gefühl von Stillstand und Anpassung, das sich durch die Geschichte zieht. „Das Leben ist ein Marathon ohne Ziel und Siegerehrung, das einzige Ziel ist der Tod und bis dahin ist alles ein Kampf gegen die Zeit, und die Zeit macht bekanntlich nie eine Pause.“ Das klingt hart, passt aber zu der Grundstimmung des Buches – dieses ständige Warten darauf, dass irgendwann „etwas passiert“, obwohl man selbst nichts verändert. Gleichzeitig gibt es aber auch Hoffnung zwischen den Zeilen: „Wo etwas verschwindet, entsteht etwas anderes. Wo alles zerstört wird, kann auch alles neu beginnen.“ Dieser Gedanke wirkt wie ein leiser Ausweg aus der inneren Starre. Für mich ist „Verdammt wütend“ kein lautes Buch, sondern eines, das nachhallt. Es geht weniger um große Ereignisse als um das, was unausgesprochen bleibt – und genau das macht es so intensiv. Ein Buch, das zum Nachdenken zwingt und einen noch eine Weile begleitet.

VERDAMMT WÜTEND Linn Strømsborg „Eltern zu sein bedeutet, so zu tun, als ob alles gut läuft.“ (S. 101) Britt ist wütend. Wütend, weil sie sagt, was sie denkt, aber niemand ihr zuhört. Wütend, weil sie enttäuscht ist - von sich selbst, von ihrem Mann Espen und von dem Leben, das sie mit ihm und ihrer Tochter führt. Ein Leben, das sich so ganz anders anfühlt, als sie es sich einst vorgestellt hatte. Wütend, weil sie erschöpft ist, ihre Arbeit hasst und niemand sie fragt, warum sie wütend ist. Doch ihre Wut reicht tiefer. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie als 12-Jährige ohne ein Wort des Abschieds verließ. Als Britt eines Tages aus der Schule kam, war ihre Mutter einfach nicht mehr da. Im Urlaub mit Freunden, Mann und Tochter eskaliert alles: Britt rastet völlig aus, schreit die anderen an und verlässt schließlich das Sommerhaus, um ins Wasser zu gehen. Niemand weiß, ob sie zurückkehren wird. Ihr Leben fühlt sich an wie ein endloser Kampf - ein Kampf, es allen recht zu machen, der schon in ihrer Kindheit begann. Linn Strømsborg gelingt es auch in diesem Roman, die innersten Kämpfe und die erschöpfte Sehnsucht einer Frau schonungslos und bewegend darzustellen. Nachdem „Nie Nie Nie“ eines meiner absoluten Herzensbücher ist, musste ich natürlich auch Strømsborgs neuestes Werk lesen - und meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auch wenn dieser Roman für mich nicht ganz die Tiefe von „Nie Nie Nie“ erreicht, hat mich der besondere Schreibstil erneut begeistert. Die Erzählweise, die verschiedene Perspektiven beleuchtet, fand ich besonders gelungen. Britts Gedanken- und Gefühlswelt wurde für mich so greifbar, dass ich mit ihr litt und die Trauer spürte, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Die Geschichte regt zum Nachdenken an - über Familie, Erwartungen und die Lasten, die wir oft still mit uns tragen. Fazit: Seid laut, wütend und schießt solche Ehemänner wie Espen zum Mond! 5/ 5
"Verdammt wütend" ist ein kraftvoller, schonungsloser und nachdenklich-stimmender Roman über Familie, Erwartungen und die Lasten (z.B. der Care-Arbeit), die wir oft still mit (und in uns) tragen. Linn Stromsborg hat mit Britt eine sehr authentische Protagonistin erschaffen, mit der ich mich recht häufig ziemlich gut identifizieren konnte, denn als Frau und Mutter bin auch ich oft wütend und fühle mich ungerecht behandelt oder nicht genug gesehen. Ein aufrüttelnder Roman über weibliche Wut - eine gelungene Geschichte, die ich gerne gelesen habe.
„Ich habe sie alle angeschrien, niemand ist verschont geblieben. Das hätte ich schon vor zehn Jahren tun sollen.“
Britt ist wütend. Wütend auf ihr Leben, auf ihren Mann, auf sich. Sie kann sich schon gar nicht mehr daran erinnern, jemals nicht wütend gewesen zu sein. Und dann an einem Urlaubstag mit Familie und Freund:innen im Sommerhaus bricht es aus ihr heraus. In kurzen Episoden bekommen die Leser:innen einen Einblick in Britts Leben; ihre Kindheit, Jugend, Erwachsensein. Immer mit dem Grundrauschen der Wut. Linn Strømsborg konnte mit ihren Stil sehr gut die Emotionen von Britt transportieren. Ich mochte auch die nahezu leeren Seiten, da sie gedanklichen Raum ließen und den Inhalt unterstützen.
Sie sind erwachsen, aber vielleicht, lagen sie früher auch am Strand und haben sich weg geträumt. 💭 🌞
Nach dem ich „Nie nie nie“ von Linn Strømsberg, so toll fande wollte ich auch dieses Buch von ihr lesen. Es ist ein gutes Buch, mit einer eigentlich wirklich guten Story, aber irgendwie wurde das nicht so richtig umgesetzt. Mir war es zu viel drumherum, Sachen was die anderen machen, als eigentlich die Story der Hauptprotagonistin. 🤷🏼♀️ Britt eine super sympathische Protagonistin in der sich sicher einige Frauen wiederspiegeln, die auch oft wütend sind, sich ungerecht behandelt fühlen, oder zu wenig gesehen. Und dann braucht man so Freunde wie Nico, die einen zeigen, das es auch anders geht. Ich glaube einfach das Mamas, Freundinnen brauchen die keine Ehe oder Kinder haben, einfach um mal den Alltag entfliehen zu können, denn sie sind ja nicht alleine für ihre Familie verantwortlich, es gibt immer einen Gegenpart, aber wir wissen alle das die Realität oft anders aussieht. Und man sich dann doch alleine gelassen fühlt. Das Leben ist laut! Ich denke aus dem Buch hätte man mehr machen können. 🙋🏼♀️☺️

Irgendwie Jugendlich erzählt, erwachsen empfunden: ein wütender Pageturner
Verdammt wütend lässt mich dieses Buch durch die Seiten rauschen. Die leicht fragmentierte Schreibweise, durch Gedankeneinwürfe, Perspektivwechsel, kurze Splitter, erzeugt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Der Erzählstil wirkt klar, frisch, dringlich. Eigene, diffuse Wut, die lange keinen Namen hatte, findet hier Sprache und Erkenntnis. Es heißt, Frausein bedeutet auch wütend sein und das kann ich so stehenlassen Das Buch liest sich wie die kleine Schwester von Mareike Fallwickls Die Wut, die bleibt, jedoch eigenständig, kraftvoll, vielleicht etwas weniger komplex, dafür gefühlt auf eine neue Art unmittelbarer und immersiver. Ein Text, der nicht viel erklärt, aber besonders trifft… den Schmerz, das Herz, die Möglichkeiten… wo all die Wut herkommt.
Britt erzählt uns hier auf 220 Seiten warum sie wütend ist. Wütend weil Frauen ungerecht behandelt werden. Wütend weil ihre Mutter sie und ihren Vater verlassen hat. Wütend dass ihr Mann es nicht einmal schafft ihre Tochter morgens für die Schule fertig zu machen. Sie ist 43 Jahre lang wütend. Bis sie platzt. Wie alles aus ihr herausbricht und sie die Schnauze voll hat, von dem Hamsterrad in dem sie gefangen ist. Mutter, Frau, Köchin, Putzkraft, normaler Job etc. Frauen die Männern ihre Koffer packen und dann angeschnauzt werden wenn etwas fehlt. Die das schmutzige Geschirr, das auf der Spüle steht, in die Spülmaschine räumen und dann belehrt werden wie sie richtig einzuräumen ist. Frau zu sein bedeutet, als Hure bezeichnet zu werden, wenn du mit zu vielen Leuten schläfst, Frau zu sein bedeutet, sexy genug zu sein, dass alle mit dir schlafen wollen, Frau zu sein bedeutet, getötet zu werden, wenn du nicht still hältst und die Klappe hältst, Frau zu sein bedeutet, die Klappe zu halten, wenn du eigentlich schreien möchtest, Frau zu sein bedeutet, dass dir nicht geglaubt wird, Frau zu sein bedeutet, Schuld zu haben, Frau zu sein bedeutet, mit den Schlüsseln zwischen den Fingern nach Hause zu gehen. Sie erzählt von ihrer Kindheit und dem erwachsen werden. Von Verantwortung übernehmen für sich selbst und für andere. Der Angst um ihre Tochter in unserer Welt. Sie ist furchtbar wütend und traurig. Und kann niemandem die Schuld an ihrer Wut geben oder jemandem ihre Last abladen. Aber es fragt sie auch niemand warum sie wütend ist. Der Schreibstil ist ehrlich und ab und zu hart. Es ist so echt was in diesem Buch steht und es ist einfach geschrieben doch die Worte haben Kraft. Es ist ein schöner kurzer Einblick in ein Leben, dass einem hier und da bekannt vorkommt. Nun muss ich erst mal meine Tränen trocknen. Hat mich doch ganz schön berührt. Leider waren einige Fehler im Buch. Rechtschreibfehler und auch die Namen wurden verwechselt oder falsch geschrieben. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!♥️

Britt ist 43 Jahre alt. Sie fährt mit ihrer kleinen Tochter und Freunden ihres Mannes in den Urlaub. Eines Morgens schreit sie alle an. Sie verliert die Nerven und haut ab. Nico eine Freundin ihres Mannes, unverheiratet und kinderlos, begleitet sie. Ist da, zeigt Verständnis, hört ihr zu, lässt sie sein. Wir erfahren aus Britts allwissender Erzählperspektive, was im Ferienhaus passiert, während sie und Nico weg sind. Das ist der erste Punkt, den ich leider nicht so mochte, da wir die anderen Personen durch Britt aus der Vogelperspektive beobachten. War nicht so ganz mein Ding. Es entwickelten sich Dynamiken innerhalb der Freundesgruppe, die schon sehr klischeehaft waren. Ich hätte gerne noch eine männliche Perspektive gehabt. Mir persönlich war die Geschichte zu einfach. Die Frau, die schon von klein auf wütend ist und innerhalb eines Tages reflektiert, warum das so war. Und dann Spoiler!!!!! Zum Ende hin, krempelt sie auf den letzten 3 Seiten einfach ihr Leben um und trennt sich. Spoiler Ende!!!!!! Für mich hat sich Britt oftmals nicht wie eine 42-jährige Frau angefühlt, sondern wie eine pubertierende 15 jährige. Ich konnte mich nicht ganz in sie einfühlen. Meiner Meinung nach, hat die Autorin es leider nicht geschafft, ein überzeugendes gesellschaftskritisches Bild zu zeichnen. Dennoch mochte ich manchmal die Form, die Textstruktur, die Stromsburg gewählt hat. Die kurzen Kapitel fühlten sich wie Mini-Essays oder manchmal wie kleine lyrische Passagen an. Das mochte ich ganz gerne.
Warum Frauen nicht den Raum einnehmen, den sie eigentlich einnehmen dürften...
... Weil sie es nicht gelernt haben. ... Weil sie glauben, dass sie es nicht dürfen... Weil sie glauben, dass es stört... Weil sie gelernt haben, dass süß und lieb sein positiv ist. Gelernt haben sie aber auch, dass laut und Raum einnehmend negativ ist... Das vermittelt Linn Strømsborg in ihrem zweiten international veröffentlichten Roman sehr feinsinnig. Könnten bitte noch die anderen Romane dieser genialen Autorin ins deutsche übersetzt werden? Ich würde die gerne lesen. "Nie nie nie" war ein feinsinniges Meisterwerk und auch "Verdammt wütend" trifft den Zeitgeist und die Realität von europäischen Frauen auf den Punkt genau... Leben. Lebendig sein. Ich sein. Nicht nur zum Nutzen der Gesellschaft und der Dekoration, sondern um der eigenen Person Willen.

Britt ist wütend und ich verstehe warum! Sie verbringt die Ferien mit ihrer kleinen Tochter, ihrem Mann und seinen Freunden im ungeliebten Sommerhaus am Meer. Ihre lang angestaute Wut bricht aus ihr heraus und sie schreit alle an. Anschließend begleiten wir Britt durch den Tag danach. I really liked it!
Kurzweilig und sehr gut geschrieben.
Britt ist wütend. Und das eigentlich immer. Über so viele Dinge. Nur gesagt hat sie nie etwas. Bis zu diesem Tag, an dem sie sie alle anschreit. Sie ist mit ihrem Mann, ihrer Tochter und Freunden im Sommerurlaub und plötzlich bricht die Wut aus ihr heraus und sie wirft jedem der Anwesenden böse Dinge an den Kopf. Dann haut sie erst mal ab… Wir erfahren nicht im Einzelnen, was sie zu wem gesagt hat. Aber das ist auch nicht wichtig. Die Geschichte ist sehr stark, Britts Emotionen - hauptsächlich Wut - sind total spürbar. Und nachvollziehbar. Während man im Verlauf des Buches erfährt, wie Britt geprägt wurde und dann auch nach und nach Britt‘s Mann kennenlernt, wünscht man sich beim Lesen das ein oder andere Mal, dass Britt schon viel früher mal ausbricht! Ich habe sehr mit ihr mitgefühlt und fand den Schreibstil auch sehr gelungen.
Dieses Buch bleibt im Gedächtnis.
Ich muss diesem Buch, ein paar Monate nachdem ich es schon fertig gelesen habe, noch eine Rezension schreiben.. ich bin überrascht wie oft mir Szenen aus dem Buch im Alltag wieder aufblitzen und wie positiv es mir in Erinnerung bleibt.. OBWOHL ich dem Buch direkt nach Abschluss nur 3,5 Sterne gab.. ich fand es etwas langweilig.. glaube ich.. aber eigentlich war es nur dezent, denke ich jetzt. Es war subtil, thematisierte Themen ohne sie zu erklären.. die Themen waren einfach da, standen im Raum, schrieen einem zum Teil ins Gesicht aber waren trotzdem ganz leise dabei.. Es ist schwer zu erklären.. aber ein Buch, was mir so im Kopf bleibt, braucht mehr als 3,5 Sterne. Ich schiebe es in die Liste meiner Lieblingsbücher und gebe nachträglich 4 Sterne.. Vielleicht werde ich es wieder lesen und vielleicht werden es dann nochmal mehr.. oder wieder weniger.. mal sehn.
Habe hier leider mehr erwartet. Von der Autorin habe ich bereits „Nie, Nie, Nie“ gelesen und es hat mir unfassbar gut gefallen. Konnte mich so in die Protagonistin hineinversetzen aber hier hat mich gestört, dass mehr von den Nebencharaktere berichtet wurde als von der Hauptperson. Viele unwichtige Sachen wurden genannt, die meiner Meinung nach völlig überflüssig waren. Aber wenn es um die Hauptperson ging, fand ich den Teil des Buches sehr gut! Schade, aber ich würde wieder ein Buch von der Autorin lesen. Vllt gefällt mir das nächste ja wieder besser 😉

Wohin mit der vielen Wut?
Britt flippt voll aus. Sie ist 43, verheiratet, eine Tochter und im Urlaub mit Freunden. Eines Abends rastet sie total aus und wirft allen ziemlich Böses an den Kopf. Jahrelang hat sie versucht alles richtig zu machen, nicht aufzufallen, dazuzugehören, zu gefallen. Sie will nur weg. Nico, eine Freundin, aus der Truppe, die sie für ihre Selbstständigkeit hasst, fährt mit ihr ein Tag an den Strand. Britt spürt Freiheit, kann eine kurze Pause einlegen, um zu entscheiden wie ihr Leben weitergehen soll. „Wir sind das, wozu unsere Eltern uns gemacht haben und was uns im Leben widerfährt.“ Kurzweilig, aber so gut. Kurze Leseanschnitte, in denen deutlich rauskommt, was Britt geprägt hat und was ihre Antreiber sind. Eine Mutter, die sie in jungen Jahren verlassen hat, ein Vater, der gestorben ist, ein Mann, der immer wieder ausbricht. Und Britt hat immer alles hingenommen und sich nie das genommen, was sie eigentlich wollte. Ein Buch über Wut, den Wunsch nach einem eigenen Leben und den Mut neu anzufangen. Toll und ehrlich geschrieben. „Ich will ein Leben, das ich selbst vermisse, wenn ich irgendwann nicht mehr da bin.“
Dieses Buch verändert vielleicht nicht alles – aber es verändert etwas in dir. Es gibt deiner Wut Raum. Es gibt deiner Stimme Gewicht. Es sagt dir: Du bist nicht zu viel. Du bist genau richtig laut!!!! 🩷
Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so sehr durchgeschüttelt, aufgewühlt und gleichzeitig verstanden hat wie „Verdammt wütend“ von Linn Strømsborg. Dieses Buch ist kein leises Flüstern – es ist ein Aufschrei, ein inneres Beben, ein Spiegel, in den ich fast zu lange geschaut habe, weil ich mich darin so erschreckend klar wiedergefunden habe. Ich LIEBE die Bücher dieser Autorin! Sie schreibt so radikal, so schonungslos, so präzise, dass es manchmal fast wehtut – aber genau deshalb trifft sie mitten ins Herz. Keine weichgespülten Wahrheiten, kein vorsichtiges Umkreisen von Themen. Sie geht direkt rein, legt frei, was viele von uns fühlen, aber selten in Worte fassen können. Wenn mich aktuell jemand fragen würde, wie ich mich fühle, würde ich ihm einfach dieses Buch in die Hand drücken. Wirklich. Weil es das ausspricht, was zwischen den Zeilen meines Alltags pulsiert: diese Wut, diese Müdigkeit, dieses ständige Aushandeln zwischen Anpassung und Aufbegehren. Aus feministischer Perspektive ist dieses Buch wie ein elektrischer Stromstoß. Es zeigt mit brutaler Klarheit, wie tief verankert die Erwartungen an Frauen noch immer sind – und wie subtil wir lernen, uns selbst zu zensieren. Einer der Sätze, der sich in mein Gehirn eingebrannt hat: „Frau zu sein bedeutet, Feministin zu sein, aber nur so, dass es für Männer noch in Ordnung ist“ Dieser Satz ist kein Gedanke – er ist ein Schlag. Weil er so wahr ist. Weil er dieses stille Regelwerk entlarvt, das uns begrenzt, während wir glauben, frei zu sein. Und trotzdem bleibt dieses Buch nicht in der Ohnmacht stehen. Es trägt diese rohe, aufrichtige Hoffnung in sich. Dieses leise, trotzige Weitermachen. Dieser eine Satz hat mich fast zum Weinen gebracht: „Trotzdem kann mein Schrei etwas ändern. Vielleicht nicht die Welt, aber meine Welt“ Und genau das ist es. Dieses Buch verändert vielleicht nicht alles – aber es verändert etwas in dir. Es gibt deiner Wut Raum. Es gibt deiner Stimme Gewicht. Es sagt dir: Du bist nicht zu viel. Du bist genau richtig laut. Ein Buch wie ein Sturm. Und ich stehe mittendrin – und will nicht raus
Erschütternd ehrlich!
Wie auch “Nie Nie Nie” von der Autorin hab ich dieses Buch geliebt. Britt, die mit Mitte 40 alles in Frage stellt, weil sie ihr Leben immer nur danach ausgelegt hat Mann und Kind zufrieden zu stellen und sich dabei völlig vergessen hat. Sie erfüllt die typische Frauenrolle und ist unglücklich mit ihrem rücksichtslosen Ehemann, der sich keiner Schuld bewusst ist. Es wird eindrucksvoll geschildert, dass man auch im späteren Alter für sich, seine Gefühle (negativ wie positiv) und seine Lebensziele einstehen sollte, da man sonst verdammt wütend wird.
Uff, schwierig. Ich mochte Linn Strømsborgs Debüt "Nie, nie, nie" so sehr und war deshalb gespannt auf ihr neues Buch. "Verdammt wütend" reiht sich ein in aktuelle Veröffentlichungen wie "Die Wut, die bleibt" und ist dabei meines Erachtens nicht besonders originell oder tiefgründig. Die Autorin schafft es teilweise erneut, mit wenigen Worten aufzurütteln und Emotionen zu erzeugen, und es erfolgen dann auch Perspektivwechsel, die das Buch für mich ein wenig gerettet haben. Allerdings wird in dem Buch eine Sache einfach so festgestellt, als wäre nichts dabei, und das wird an keiner Stelle mehr reflektiert und da kann ich persönlich nicht mitgehen.
„Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, so wenig Platz wie möglich einzunehmen und nicht im Weg zu stehen, und wohin hat mich das gebracht? In ein enges Leben, in das ich nicht mehr reinpasse.“
Britt ist wütend: auf eine Gesellschaft, die Frauen kleinhalten will, auf die Erwartungen, die ihr von außen auferlegt werden, und auf die Ungerechtigkeiten, die sie nicht länger ignorieren kann. Wie bereits in ihrem Roman „Nie, Nie, Nie“ zeigt Linn Strømsborg mit klarer Sprache und ungeschönter Ehrlichkeit, was passieren kann, wenn man seine Wut nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreift. Ein zeitgemäßer, feministischer Roman, der uns alle dazu ermutigt, den Blick nach innen zu richten und uns nicht mit dem Status quo zufriedenzugeben. »Fühlt es sich richtig an?«, fragte sie. »Wie kann man das wissen? Die Hälfte der Zeit weiß ich nicht, was ich eigentlich tue.« »Kein Mensch weiß das. Und trotzdem machen alle einfach weiter.«
Nicht so wie ich es erwartet hatte aber trotzdem lesenswert!
Die ersten Seiten sind ein Manifest ans Frau sein und ich dachte mit all dem was Frau sein sollte scheint es so als wenn unsere Protagonistin ihr eigener Endgegner ist. Was natürlich auch erklärt warum sie so wütend ist. Dabei glaube ich 70% der Leserinnen werden sich in Britt wiederfinden. Es ist erschütternd dass wir immer noch so verankert in unseren alten Strukturen sind. - Die Frau ist für jeden da, nur nicht für sich. Zum Glück gibt es Nico, die Britt an die Hand nimmt und ihr zeigt was es wirklich bedeutet Frau zu sein. Und hier kommen wir zum Stern der fehlt und warum es kein 5 Sterne Buch für mich war. Mir war der Teil zwischen Nico und Britt zu wenig und warum so viel erzählt wurde was die anderen in der Zwischenzeit machen.
„Während ich hier so im Wasser liege und mich treiben lasse, denke ich nur eins: Ich bereue nichts. Ich habe sie alle angeschrien, niemand ist verschont geblieben. Das hätte ich schon vor zehn Jahren tun sollen.“ (Zitat) Britt ist in ihren 40igern, Mutter, Ehefrau und bisher nach außen eine äußerst entspannte Frau. Im Urlaub mit der Familie und Freunden eskaliert sie und lässt ihrer über Jahre angestauten Wut freien Lauf. Nach ihrem Ausbruch flüchtet sie, begibt sich auf einen Trip mit der Person, von der sie am wenigsten Fürsprache erwartet hat, überwindet ihre Scham und lässt auf beeindruckende, sehr reflektierte Weise, ihr bisheriges Leben Revue passieren, um zu ergründen, wie es dazu kommen konnte, dass sie einfach immer wütend und fertig ist. „Es gibt viele Gründe, warum ich wütend bin. Einer davon ist, dass ich mir selbst nicht erlaubt habe, wütend zu sein, sondern versucht habe, die Wut abzuwehren“ (Zitat) - „Verdammt wütend“ ist mal wieder so ein Buch, in dem ich unglaublich viel markiert habe und mich schwer für ausgewählte Zitate entscheiden konnte. Es steckt einfach so viel Wahrheit in diesen Zeilen und ich hab mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen können. Schon der Einstieg ist absolut gelungen. Nach einem kurzen Abriss über die Geschehnisse, folgt eine seitenlange Ausführung darüber was es heißt als Mädchen aufzuwachsen und eine Frau zu sein. Welche Erwartungen die Umwelt an weiblich gelesene Personen stellt, aber auch welche Überzeugungen wir selbst uns auferlegen. Wir sind gefangen in einem Konstrukt aus Anforderungen und sollen das alles hinnehmen, nicht hinterfragen, leise und nett bleiben. Wenn wir aufbegehren gelten wir als zickig, schwierig, hysterisch, zu emotional… und na klar macht das wütend. Das Problem an der Sache: Wut ist ein Negativ konnotiertes Gefühl, vor allem aus weiblicher Sicht. Wir wurden so sozialisiert und haben in den seltensten Fällen einen Umgang damit erlernt. Wut wird unterdrückt und sucht sich ein anderes Ventil, mitunter destruktiv. „Nein, ich bin nicht ausgebrannt, ich bin erschöpft, und das ist nicht dasselbe.“ (Zitat) Linn Strømsborg findet hier sehr klare Worte und plädiert für das Ausleben weiblicher Wut. Sie schreibt darüber, dass es vollkommen ok ist, wenn man wütend ist, dass es ein befreiendes Gefühl sein kann und vor allem, dass es ein Gefühl ist, welches man ernst nehmen sollte. Niemand ist grundlos wütend und somit ist es auch ein gewisser Schutz der sagt: hier stimmt irgendwas nicht… Wut kann ein Auslöser dafür sein Dinge zu überdenken und Lebensumstände zu ändern und ich denke wir würden alle gut daran tun, Wut auch etwas positives abzugewinnen. Im weiteren Verlauf des Romans kommen auch die anderen Teilnehmer der Urlaubsreise zu Wort und als Lesende erfahre ich, was im Sommerhaus nach Britts Verschwinden passiert. Vor allem die Reaktion der anwesenden Männer hat mich verärgert, zeugt sie doch eindeutig von dem vorherrschenden Frauenbild. Auch wenn Britts Mann aus meiner Sicht hier ein paar zu viel Stereotype bedient, ist es doch erschreckend realistisch und wahrscheinlich gar nicht mal so selten. Im Fazit ein erhellender Roman, der durch harte, aber wahre Worte besticht. Ein Roman der wehtut, aufrüttelt und zum Nachdenken anregt, denn: „Alle Tage fühlen sich normal an, bis sie es nicht mehr sind.“ (Zitat) Von mir gibt’s eine klare Leseempfehlung.
»Ich hab mir nie das genommen, was ich wollte, ich hab mich mit dem begnügt, was ich bekommen hab.«
Mir ist es echt schwergefallen in das Buch reinzukommen, die Charaktere sind sehr flach und emotional konnte es mich auch nicht erreichen. Ich bin erst gegen Ende damit warm geworden und hab dann auch verstanden, was es einem vermitteln möchte (bzw was ich daraus interpretiere). Ich lebe mittlerweile mit einem anderen Mindset und denke nicht mehr so wie die Protagonistin, aber sonst hätte mich das Buch am Ende sehr zum Nachdenken gebracht. Viele verschwenden ihr Leben. Trauen sich nicht zu sein, wer sie sind, nicht die Gefühle zu zeigen, die sie fühlen, ihren Bedürfnisse nicht nachzugehen.. Träumt groß, seid niemals mit dem Mindesten zufrieden, lebt so, dass ihr niemals denken könnt »ich hätte alles anders gemacht«. Und auch wenn die Autorin wohl nichts davon hält - macht mal eine Pause vom stressigen Alltag (und geht in die Natur :)) Das Leben ist so schnelllebig, so kann man sich doch nur verlieren. Ist ein solides und schnelles Buch für zwischendurch.
Verdammt wütend ist Brit: Ehemann, Mutter, verpassten Chancen, nicht genutztes Potenzial, Freunde und Nicht-Freunde. Auf das ganze Leben. Eines Morgens bricht es sich im Urlaub mit Freunden Bahn und bringt die Geschichte ins Rollen. Linn Strømsborg ist ein lauter Roman, der sich eindringlich durch Brits komplexe Innenwelt und den uns Leserinnen bekannten gesellschaftlichen Erwartungen wühlt und somit die eigene Wut anfacht. Die feinfühlige Erzählung über das Leben einer Frau, die sich gegen den ständigen Druck bei Mutterschaft und Frau-sein behaupten muss, bekommt einen ehrlichen Dreh, als plötzlich Kapitel aus der Sicht des Ehemannes und der Teenietochter eines befreundeten Pärchen Einzug in das Buch erhalten. Dadurch verzichtet man auf reines Männer-Bashing, gibt dadurch „Verhaltensfehler“ der Hauptprotagonistin Platz und zeigt die Vielschichtigkeit des Problems auf. Besonders beeindruckend ist, wie subtil und gleichzeitig prägnant die Autorin die gesellschaftlichen Zwänge und Mikroaggressionen schildert, denen Frauen oft ausgesetzt sind. Absolutes Jahreshightlight.

Wie mangelndes Vertrauen Wut auslöst
Wut ist ein Gefühl, für das man selten Trost erfährt. Ist man traurig wird man getröstet ist man fröhlich, freuen sich Andere bestenfalls mit einem. Wut lässt oft Befremden zurück. Für mich ist Wut allerdings eine Emotionen, die Energie freisetzt, die ich gelernt habe, in Positives zu verwandeln. Meine Wut hat mich resilient gemacht Britt ist sehr wütend. Im Sommerhaus, in dem sie mit ihrem Mann Espen, der Tochter Elisa und Freunden die Ferien verbringt, schreit sie ihre Wut eines Morgens beim Frühstück allen ins Gesicht. Kurz danach verschwindet sie mit Nicole, einer Freundin ihres Mannes, die keinen Partner hat und eine Autonomie ausstrahlt, die Britt imponiert. Während die beiden sich eine Auszeit nehmen, rätseln die zurückgebliebenen, wohin sie wohl verschwunden sind. Das ist der grobe Rahmen der Geschichte. Gefüllt ist sie aber mit Gefühlen von Britt und Espen und auch einigen anderen Protagonisten. Es ist immer Britt, die das Wort an uns richtet und uns erzählt, wie sehr sie von der Beziehung ihrer Eltern beeinflusst wurde, wie sie Espen kennen gelernt und zum Vater gemacht hat. Und wie schnell sich doch herausstellte, dass der Traum von einer eigenen kleinen Familie mit diesem Mann nicht so gelebt werden kann, wie Britt das gerne hätte. Dabei spart sie nicht mit Anschuldigungen. Man merkt aber schnell, dass auch sie einen großen Teil Verantwortung auf ihren Schultern geladen hat. Wenn mich auch ihr Mann genauso auf die Palme bringen würde wie Britt, liegt meine Sympathie hier bei niemandem. Verstehen kann ich die Protagonistin aber durchaus. Es hat viel mit Sozialisation und Bindung zu tun, was sie so pessimistisch und angreifbar macht. Ihr fehlt das Grundvertrauen, dass alles gut wird. Wenn man das nicht aufarbeitet, muss der Dampf irgendwann aus dem Kessel entweichen. Ich konnte dabei durchaus Parallelen zu meiner Person entdecken. Bei einigen Dingen hörte meine Empathie aber auf. Ganz zu Beginn der Beziehung zu Espen macht Britt einen riesengroßen Fehler, von dem ihr Mann zwar nichts weiß, der aber meinem Empfinden nach jede Beziehung belastet. Es gibt ergänzende Episoden, die in diesem dünnen Buch erzählt werden, die vielleicht die Geschichte verdichten sollten. Ich fand sie aber nicht so wichtig. Wären sie nicht da gewesen, hätte das wahrscheinlich nicht viel am Gefüge verändert. Sprachlich konnte mich die Geschichte meistens abholen. Der Erzählton ist energiegeladen und häufig auch flapsig. Literarisch wird hier mit Aufzählungen gearbeitet, die Vehemenz verdeutlichen sollen. Somit bekommt das Buch an den Stellen, wenn es um die Wut geht eine eigene Dynamik, die aber verpufft, sobald Füllmaterial gesendet wird. Insgesamt habe ich das Buch schnell und gern gelesen, besonders, weil es mir an einigen Stellen die Möglichkeit zur Identifikation gab. Es ist aber noch viel Luft nach oben, da die aufgebaute Spannung nicht über das ganze Buch gehalten werden kann. Eine Empfehlung spreche ich trotzdem aus für alle, die Bücher mögen, in denen Beziehungsdynamiken ein großes Thema sind
Verdammt wütend! 😡 Weil wir als Frauen immer wieder gegen Ungerechtigkeiten kämpfen müssen, während uns gesagt wird, wir sollten uns nicht so anstellen. Ob Gender Pay Gap , Mental Load oder die ewige Abwertung von Sorgearbeit – es reicht! Verdammt wütend! Genau das ist auch die Protagonistin im Roman von Linn Strømsborg. So sehr, dass sie vor ihrer Familie und Freunden irgendwann total ausrastet, weil sie die über Jahre aufgestaute Wut nicht mehr zurückhalten kann. Als Frau und vor allem Mutter versucht sie ausschließlich sämtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Der Erwartungshaltung ihres Mannes zu entsprechen, eine gute Mutter zu sein – eigene Bedürfnisse hinten anzustellen oder noch besser: keine zu haben. Dieser Druck von allen Seiten führt dazu, dass Britta (so heißt die Protagonistin) dauerhaft wütend ist. Auf ihre Umwelt, ihre Mitmenschen, ihren Arbeitgeber, ihren Mann, ihr Leben und auf sich selbst. 📚 Meine Lese-Empfehlung: „Verdammt wütend“ von Linn Strømsborg. Ein Roman, der die Wut so vieler von uns auf den Punkt bringt – und den ich vor allem Männern ans Herz lege. Vielleicht versteht ihr dann, warum wir so verdammt wütend sind.

2025_#91 🔥 "Der 9. März ist ein ganz normaler Tag, genau wie der 7. März ein ganz normaler Tag ist, auch wenn viele von uns jedes Jahr am 8. März so laut schreien, wie sie nur können. Ich bin eine von ihnen."
Mein zweites Buch der Autorin und auch hier gab es wieder den besonderen Schreibstil, den ich bereits in 'Nie, nie, nie' sehr mochte. Die Geschichte hat mir auch wieder gut gefallen und regt zum Nachdenken an! Könnte auf jeden Fall eine 'Kaufe ich blind'-Autorin für mich werden😍

"Sonst ging es immer irgendwie vorbei, ich wurde wütend, und es ging wieder vorbei, so funktionieren Gefühle, sie sind nicht konstant. Man kann nicht die ganze Zeit glücklich sein, das geht vorbei. Und man kann nicht die ganze Zeit wütend sein, das geht vorbei." Wenn einem die Wut ein Leben lang begleitet, nie nach draußen darf, immer schön im inneren festgehalten wird. Dann kommt irgendwann der Moment wo die Wut stärker ist, als alles andere und raus will und raus kommt. Dann ist auch egal wo, wie und wer vor einem ist. Genauso erlebt es Britt. Bei einem Urlaubsfrühstück mit Freunden und Familie im Sommerhaus. Sie musste sagen, dass es alles Idioten sind und sie endlich mal die Klappe halten soll. Es ging nicht mehr anders. Aber wie es zu der Wut gekommen ist, müsst ihr schon selbst rausfinden. Ein echt authentisches und ehrliches Buch über nicht nur eine Frau, sondern über alle. Alle die immer zurückstecken müssen, die organisieren müssen, die überleben müssen, die sich kümmern müssen, die schweigen müssen, die Ehefrau, Mutter, Geliebte sein müssen, die müssen... und dabei komplett vergessen zu leben. An vielen Stellen sah ich meine Mutter, meine Oma oder auch mich.























































