Wünschen
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Description
Für den jungen Obiefuna, der im Nigeria der 2010er-Jahre aufwächst, sind Liebe und Verlangen untrennbar mit Schuld und Ablehnung verwoben. Als sein Vater Zeuge eines intimen Moments zwischen ihm und einem anderen Jungen wird, verbannt er den Sohn in ein christliches Internat, das von strenger Hierarchie und Gewalt geprägt ist. Allem Vertrauten entfremdet, begibt sich Obiefuna auf die Suche nach Verbundenheit. Seine Mutter Uzoamaka ringt indessen darum, ihn, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben, nicht zu verlieren.
Chukwuebuka Ibeh, der Shootingstar der nigerianischen Literatur, lässt mit »Wünschen« ein aufwühlendes und feinsinniges Porträt unserer Gegenwart entstehen – eine vielschichtige Geschichte über Liebe, Einsamkeit und die Frage, ob ein freies Leben möglich ist, wenn Politik tief in unser Herz und Bewusstsein gedrungen ist.
Book Information
Author Description
Chukwuebuka Ibeh, geboren 2000 in Port Harcourt, Nigeria, ist der internationale Shootingstar der nigerianischen Literatur. Er hat kreatives Schreiben bei Dave Eggers, Chimamanda Ngozi Adichie und Tash Aw studiert. Er hat unter anderem in »McSweeneys«, »The New England Review of Books« und »Brittle Paper« veröffentlicht. »Wünschen« ist sein erster Roman, dessen Filmrechte bereits vor Erscheinen verkauft wurden. Derzeit ist er Student der Washington University in St. Louis, Missouri.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
„Wünschen“ ist ein tiefgründiges, bewegendes Debüt des nigerianischen Schriftstellers Chukwuebuka Ibeh. Er beschreibt darin das Heranwachsen des Jungen Obiefuna im konservativen, homophoben Nigeria der 2000er Jahre. Obiefuna entdeckt früh, dass er lieber tanzt als Fußball spielt. Als er beginnt zarte Bande zu einem älteren Jungen zu knüpfen, schickt ihn sein strenger Vater auf ein autoritäres Jungeninternat. Fern von seiner Familie muss er sich dort behaupten und sich den dortigen Regeln und Hierarchien unterordnen. Seine Internatszeit ist geprägt von Gewalt und der Suche nach Identität. Um im Internat zu überleben, muss er seine Gefühle unterdrücken und sich anpassen. Sehr einfühlsam wird die liebevolle, tiefgehende Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter beschrieben. Sie sorgt immer wieder für Lichtblicke innerhalb der Geschichte. Im letzten Viertel des Buchs geht Ibeh auf das 2014 verschärfte Gesetz gegen Homosexualität ein, das ein Leben in Nigeria für queere Personen fast unmöglich macht. Es drohen Haftstrafe, Auspeitschung oder gar die Todesstrafe. Die Regierung erzeugt eine Atmosphäre ständiger Angst. Hier fand ich es sehr spannend, wie unterschiedlich der queere Freundeskreis, dem Obiefuna angehört, auf die Gesetzesverschärfung reagiert. Dieser Aspekt hätte gerne noch ausführlicher vertieft werden können, aber leider endet das Buch recht schnell an dieser Stelle. Dem Autor ist ein tiefgründiges, detailliertes Portrait eines jungen Mannes gelungen, der auf der Suche nach Zugehörigkeit und Identität mit den Machtstrukturen und gesellschaftlichen Normen seines Landes kämpfen muss. Sehr sensibel beschreibt er die innere Zerrissenheit Obienfunas. Ibeh schreibt sehr locker, einfühlsam und beklemmend, so dass man sofort in die Geschichte hineingezogen wird und mitfühlt. Er schreibt über wichtige Themen, über die man hier in Europa (zumindest ging es mir so) viel zu wenig weiß. Mich hat der Roman sehr betroffen zurückgelassen. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter!
Was für ein Debüt (!!!)
Coming of Age ist eigentlich nicht so mein Genre. Dieses Buch ist so großartig, so schmerzhaft, so voller Gefühl, dass ich wirklich sehr regelmäßig heulend im Zug saß. Vor allem der letzte Teil hat mich wirklich sehr ergriffen. Und es ist kaum aushalten, wenn ich darüber nachdenke, wie manche Leute immer noch behaupten, queere Menschen hätten so rechtlich alles erreicht und dabei völlig ignorieren, was eigentlich auf dem Rest dieses Planeten abgeht. Es gibt sicherlich einige Triggerwarnungen, die man für dieses Buch aussprechen müsste, vor allem im Bezug schwere Erkrankungen und queerfeindliche Gewalt. Aber es ist auch irgendwo das MINDESTE, das man sich diese Realität einmal reinzieht (wenn man das kann und auch, wenn es ein Roman und kein Bericht ist). Als Debüt wirklich sehr sehr stark und berührend und ich bin so dankbar, dass sich wieder durch ein Buch meine Perspektive erweitert hat.
Obiefuna lernt als Kind vor allem, dass er falsch ist. Zu feminin, zu wenig draufgängerisch. Kurz darauf muss er begreifen, dass seine Homosexualität in Nigeria nicht weniger als lebensbedrohlich ist. Aboy, mit seinen tiefen Augen und den vollen Lippen, ist Obiefunas erster Crush. Doch schon bei der ersten vorsichtigen Annäherung platzt Obiefunas Vater in den Raum. Für den Jungen bedeutet das ein paar Jahre konservativ-christliches Internat, den Terror der Älteren aushalten und trotzdem die eigene Sexualität entdecken. Und das unter der ständigen Angst der Entdeckung - denn auch, wenn Homosexualität im Internat verbreitet ist, ist sie ebenso geächtet und führt zu Gewalt-Exzessen. Danach wird es kurz leichter für Obiefuna. Während seiner Zeit an der Universität lernt er seinen ersten Partner kennen und dessen Freundeskreis. Für einige Zeit scheint ein freies, gleichberechtigtes Leben möglich zu sein. Doch dann erlässt Präsident Goodluck Jonathan ein extrem restriktives Gesetz gegen homosexuelle Handlungen. Einige bringt es ins Gefängnis, andere ins Exil. Auch Obiefuna muss eine Entscheidung treffen. “Wünschen”, Ibehs Debütroman, ist ein schonungsloser und brutaler Coming-of-Age-Roman, der von der Hoffnung seines Protagonisten getragen wird. Auch wenn einige Dialoge ein wenig hölzern und erklärend geraten, ist es ein sehr gelungenes literarisches Debüt, das auf mehr hoffen lässt.
Ein Buch, das sich innerlich vertraut anfühlt, obwohl es in einer Welt spielt, die der eigenen kaum ferner sein könnte.
In "Wünschen“ hatte ich ständig dieses seltsame Gefühl von Nähe und Distanz zugleich. Die Gedanken und inneren Kämpfe von Obiefuna sind mir erschreckend vertraut – das vorsichtige Abtasten der eigenen Wünsche, die Angst vor Ablehnung, das ständige Abwägen zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Und doch spielt all das in einer Welt, die meiner eigenen so fern ist: Nigeria ist nicht Deutschland, Obiefunas Realität nicht meine. Gerade diese Spannung macht den Text so stark. Man erkennt sich wieder, obwohl die gesellschaftlichen Bedingungen kaum vergleichbar sind. „Wünschen“ zeigt, wie universell queere Erfahrungen sein können – und wie sehr sie gleichzeitig von Ort, Kultur und Umständen geprägt werden.
"Ich muss oft daran denken, wie viel Liebe verloren geht, während Schule Kinder groß werden. Man beraubt uns der Möglichkeit, die Unschuld Jugendlicher Verliebtheit zu erleben, weil man die ganze Zeit Angst hat und mit dem Stress beschäftigt ist, die Fassade aufrecht zu erhalten." Eine sehr eindrückliche Geschichte, die genau so auch im echten Leben stattfinden könnte. Ich habe mit dem Protagonisten mitgefiebert und mitgelitten. Ein Buch das zeigt, wie wichtig die Kämpfe für marginalisierte Gruppen sind.
Leise Tragik mit zu viel Raum
Wünschen von Chukwuebuka Ikeh erzählt eine bewegende Geschichte über Verlust, Familie, Erwartungen und die Last gesellschaftlicher Vorstellungen. Das Setting und die Einblicke in das Umfeld der Figuren fand ich sehr interessant, und auch thematisch bringt der Roman viel mit. Trotzdem blieb bei mir ein ambivalentes Gefühl zurück. Ich kann gar nicht genau benennen, was mich konkret gestört hat – aber irgendetwas hat dafür gesorgt, dass mich das Buch nicht vollständig gepackt hat. Stellenweise empfand ich die Handlung als etwas langatmig; manche Passagen hätten für mein Empfinden straffer erzählt werden können. Vor allem die eigentliche Tragik der Geschichte kam für mich emotional nicht so intensiv an, wie ich es erwartet oder mir gewünscht hätte. Obwohl objektiv viel Schmerz und Konflikt in der Handlung liegen, blieb ich beim Lesen etwas auf Distanz. Insgesamt ist es ein gutes Buch mit wichtigen Themen und starken Ansätzen, das mich aber nicht durchgehend überzeugen konnte. Für mich ein 3,5-Sterne-Roman: lesenswert, aber mit Luft nach oben.

Erschütternd und unglaublich wichtig!
In Wünschen erzählt Chukwuebuka Ibeh die Geschichte von Obiefuna, einem Jungen in Nigeria, der von seinem Vater in einer eindeutigen Situation mit dem Hausangestellten erwischt wird. Die Reaktion des Vaters ist brutal und endgültig: Obi wird sofort auf ein Internat geschickt, um seine Homosexualität von Beginn an zu „unterbinden“. Ab da wächst er in einem abgeschotteten System auf, das von eigenen Machtstrukturen, Hierarchien und unausgesprochenen Regeln geprägt ist: grausam und hart. Das Buch ist ein Coming-of-Age-Roman über Homosexualität im heutigen Nigeria (etwa vor zehn Jahren angesiedelt) und hat mich wirklich tief erschüttert. Besonders beklemmend fand ich, wie engstirnig und repressiv die gesellschaftlichen Strukturen wohl noch immer sind. Homosexualität gilt als „unafrikanisch“, als etwas, das es nicht geben darf. Parallel spielt die Geschichte in einer Zeit, in der in den USA die Ehe für alle beschlossen wurde. Die Reaktion darauf in Nigeria war jedoch das komplette Gegenteil: noch härtere Gesetze, Razzien, Verhaftungen. Und genau das ist so schockierend!! Wie wenig wir davon hier eigentlich mitbekommen haben. Chukwuebuka Ibeh schreibt sehr besonders: eher distanziert, fast nüchtern, mit wenig offensichtlicher Emotionalität. Und gerade deshalb treffen einzelne Sätze umso härter. Da sind immer wieder Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen, weil sie so klar, so präzise und so wahr sind. Ich hatte oft einen Kloß im Hals. Dieses Buch ist traurig, macht wütend und is beklemmend. Wünschen öffnet den Blick auf eine Realität, die man nicht ignorieren sollte.

Enttäuscht
Ich freute mich auf ein Buch über einen schwulen jungen Mann in afrikanischem Kontext. Es ist ein Buch über einen schwulen jungen Mann in afrikanischem Kontext. Mehr nicht. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dem Dahinplätschern eines Filmes im Hintergrund beizuwohnen, ohne dass ich viel damit anfangen konnte. Es gab aufschlussreiche, interessante Momente, jedoch ließ die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde, mich ständig auf Distanz, so gern ich mich ihr mehr genähert hätte. Weder die Sprache ist in irgendeiner Form hervorzuheben, noch ist die Geschichte selbst, meines Erachtens, besonders gut erzählt. Leider lässt mich das Buch enttäuscht zurück.
Die Geschichte beginnt als Obiefumas Vater dem Kind eines Vewandten namens Aboy eine Ausbildung anbietet und ihn bei sich wohnen lässt. Obiefuma ist anders als die Jungen in seiner Nachbarschaft; er tanzt gerne, seine Statur eher mädchenhaft und auch seine Gefühle für Aboy sind anders. Als die beiden bei einem intimen Moment vom Vater erwischt werden, wird Obiefuma in ein christliches Internat gesteckt. Obiefuma muss nun alleine als homosexueller Mann ohne seine geliebte Mutter Uzoamaka und Aboy im Internat überleben und so begleiten wir den Protagonisten über mehrere Jahre während seiner Zeit im Internat sowie danach und den politischen Umgang mit homosexuellen Menschen in Nigeria. Chukwuebuka Ibeh hat mit dieser Geschichte ein emotionales Debüt erschaffen, welches deutlich macht, dass manchen Menschen in ihrer Situation und Umgebung nur noch das Wünschen bleibt; Das Wünschen nach Akzeptanz, Liebe und Freiheit.
»Ich muss oft daran denken, wie viel Liebe verloren geht, während schwule Kinder groß werden. Man beraubt uns der Möglichkeit, die Unschuld jugendlicher Verliebtheit zu erleben, weil man die ganze Zeit Angst hat und mit dem Stress beschäftigt ist, die Fassade aufrechtzuerhalten.« (S.272) Obiefuna wächst im konservativen Nigeria der Neuzeit auf. Von klein an ist er anders, interessiert sich nicht wie die anderen Jungen für Fußball und Machtkämpfe, sondern tanzt lieber und entdeckt früh, dass er sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Er pflegt ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter, welches ein jähes Ende findet, als der Vater ihn mit einem anderen Jungen erwischt. Er schickt ihn auf ein christliches Internat, wo „er wieder zu sich finden soll“. Zwischen Religion und seinem Begehren fühlt sich Obiefuna hin und her gerissen, versucht sich anzupassen, tritt nicht für sich ein. Während des Studiums scheint er sich endlich so zu akzeptieren, wie er ist. Während jedoch in Amerika die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt wird, stellt die nigerianische Regierung Homosexualität unter Strafe und sein Weltbild wird erneut in Frage gestellt. - Chukwuebuka Ibeh ist ein tiefgründiges, detailiertes Portrait eines jungen Mannes gelungen, der auf der Suche nach Zugehörigkeit und Identität ist. Die innere Zerissenheit des Protagonisten Obienfuna ist quasi greifbar. Lange versucht er sich anzupassen, sich zu verleugnen und im Glauben Hilfe zu finden. Seine Jugend ist geprägt von gegensätzlichen Erkenntnissen und Gewalt. Während er auf der einen Seite Erfahrungen mit anderen Jungen sammelt, wird ihm aus dem Elternhaus, dem Internat und auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder suggeriert, dass sein Begehren falsch ist… dass er falsch ist. Die Unbeschwertheit, die das Erwachen seiner Sexualität mit sich bringt, wird ihm verwehrt. Er gibt vor jemand anderes zu sein, beteiligt sich sogar an „Vergeltungsaktionen“ gegenüber anderen homosexuellen jungen Männern, nur um nicht aufzufallen. Er lebt in der permanenten Angst „enttarnt“ zu werden. Auch in späteren Jahren wird klar, dass es nicht leicht ist er selbst zu sein, vor allem unter dem Aspekt der gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Für mich war es sehr erdrückend zu lesen, wie vor allem der Vater hier reagiert. Er versucht nicht mal auf seinen Sohn einzugehen, mit ihm zu sprechen und vielleicht ein bisschen zu verstehen, sondern akzeptiert nur seine vorgefertigte Meinung. Ab es aus Angst vor der Reaktion anderer ist oder wirklich seinen konservativen Einstellungen entspringt, lässt sich schwer sagen, ist aber auch absolut irrelevant. Anstatt sein Kind so zu akzeptieren, wie es ist, schickt er es weg… Die Mutter hingegen nimmt hier den Gegenpart ein, ist verständnisvoll und urteilt nicht, leider ist es Obienfuna selbst, der hier für die Entfremdung sorgt, weil er annimmt, dass sie die Meinung des Vaters teilt. Ich denke der Roman ist ein gutes Abbild dessen, was es mit einem Kind macht, wenn es sich nicht akzeptiert fühlt, wie stark Selbstzweifel ausgebildet werden, wie einsam es sich fühlt und welche Auswirkungen dies auch auf das spätere Leben hat. Ibeh hat dies wahnsinnig einfühlsam beschrieben und ich kann euch dieses Debüt nur allen ans Herz legen.
„Ich habe mein ganzes Leben lang in einem Gefängnis gelebt, Papa“ (S.314). Der feinfühlige, schüchterne und tanzbegeisterte Obiefuna wächst in den 2000er- und 2010er-Jahren in Port Harcourt|Nigeria, in einer streng patriarchalischen und repressiven Gesellschaft auf. Er ist das lang ersehnte erste Kind von Uzoamaka und Anozie, nachdem Uzoamaka vor seiner Geburt mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Zwei Jahre später wird sein Bruder Ekene geboren, ein temperamentvolles und offenes Kind mit vielen Freund*innen, während Obiefuna gehänselt wird und ein Außenseiter bleibt. Seine Tanzkünste machen ihn zusätzlich zur Zielscheibe für Spott; sein strenger Vater schlägt ihn dafür sogar aus. Als Anozie den Jungen Aboy, den Sohn eines verstorbenen entfernten Verwandten, als Lehrling im Familienbetrieb einstellt, entwickelt sich zwischen ihm und Obiefuna eine erste zärtliche und „unschuldige“ Annäherung, in der sie ihre gegenseitige Anziehung entdecken. Doch als der strenge Anozie die beiden in diesem flüchtigen Moment überrascht, wird Obiefuna gegen den Willen der Mutter von ihm in ein streng christliches Jungeninternat geschickt. Dort leidet Obiefuna, lebt in einer bedrückenden Atmosphäre und gerät in missbräuchliche Beziehungen zu älteren und sadistisch veranlagten Schülern, den sogenannten „Seniors“, die ihn ausnutzen, schikanieren und manipulieren. Von seiner Familie bekommt er kaum Besuch und auch später wird ihm die Krebserkrankung seiner Mutter verschwiegen. Für Obiefuna beginnt eine Art „Überlebenskampf“ - dazu gehört nicht nur, seine Homosexualität zu verbergen und sich konform dem Gruppenzwang unterzuordnen, sondern sich auch als „passiver Mittäter“ an homophoben Taten zu beteiligen - eine Schuld, die Obiefuna fortan begleiten wird und schwer auf ihm lastet. Nach dem Internat beginnt Obiefuna sein Studium der Optometrie und verliebt sich in einen älteren Mann, Miebi, den er bei einer Kunstausstellung kennengelernt hat. Doch wird diese Beziehung eine Zukunft haben? 📌 Obiefunas Geschichte wird vor dem politischen Hintergrund des im Jahr 2014 in Kraft getreten drakonischen Gesetzes unter dem damaligen Präsidenten Goodluck Jonathan erzählt, das bis dato leider Gültigkeit hat und die Ehe sowie andere Formen sexueller Beziehungen und Partnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts kriminalisiert und Haftstrafen zwischen 10-14 Jahren vorsieht. In einigen Bundesstaaten Nigerias droht sogar die öffentliche Auspeitschung bis hin zur Anwendung der Todesstrafe - legitimiert durch die Scharia. Mit „Wünschen“ hat Ibeh einen wunderbar sensibel und warmherzig geschriebenen Bildungsroman vorgelegt, der eindringlich hinterfragt, was es bedeutet, in Nigeria queer aufzuwachsen und zu leben. Der Roman beleuchtet sowohl die Brutalität der diskriminierenden nigerianischen Gesetze als auch die außer Kontrolle geratenen und tabuisierenden Tendenzen im familiären|gesellschaftlichen Umfeld und deren Auswirkungen auf das Individuum sowie die engsten Angehörigen. Auch damit verbundene Aspekte wie Gewalterfahrungen, Verfolgung, Entführungen, das Eingehen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgrund elterlichen Drucks „zur Wahrung des Gesichts“ sowie Flucht und Migration als letzter Ausweg werden eindringlich dargestellt. Der Roman ist eine lesenswerte Auseinandersetzung mit jugendlichem Begehren, der universellen Suche nach Identität und Anerkennung sowie dem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Er thematisiert auch den Umgang mit den eigenen Gespenstern der Vergangenheit und die Bewältigung schwerer Verluste als Jugendlicher. Besonders berührend ist in diesem Kontext die Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter. Zum Ende hin hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Autor rasch zum Abschluss kommen wollte, was ich etwas bedauerlich fand, da ich gern noch weitergelesen hätte. Das spricht wohl für sich: Eine große Leseempfehlung! ——————————————————— Aus dem Englischen von Cornelius Reiber.
Es bleibt für den homosexuellen Nigerianer nur das „Wünschen“ übrig 🌈🧡🩵
Das Buchdebüt „Wünschen“ des Autors Chukwuebuka Ibeh ist 2024 bei S. Fischer Verlage erschienen. Hier erfahren wir die Lebensgeschichte des jungen Nigerianers Obiefuna, dessen Leben sich schlagartig ändert, als sein Vater herausfindet, dass er homosexuell ist. Obiefuna wird aus seiner Familie verbannt und begibt sich von da an auf eine nicht enden wollende Suche nach Verbundenheit. Obiefuna strebt vordergründig nach Freiheit und Liebe. Dem Vater scheinen seine Wünsche nicht wichtig, wohingegen seine Mutter ihn stets unterstützt und auch seine Wünsche zu erfüllen versucht. Der gewaltbereite, autoritäre Vater schränkt die freie Entfaltung von Persönlichkeit und Geist seines Kindes ein. Er schiebt ihn in ein strenges christliches Internat im Süden Nigerias ab, als er ihn in einem intimen Moment mit einem anderen Jungen überrascht. Im Internat ist er plötzlich sadistischen und sexuell getriebenen älteren Mitschülern ausgesetzt, statt der körperlichen Gewalt seines Vaters. Eine Überlebensstrategie ist notwendig, welche Obiefuna schnell entwickeln muss. Unauffälliges Verhalten ist das, worauf es jetzt ankommt. Weitere Selbtsicherheit gewinnt er aus dem Umstand, nicht der einzige Homosexuelle im Internat zu sein. Er schlittert als Student in seine erste offizielle und scheint seinem Glück auf der Spur zu sein. Doch dann erlässt das nigerianische Parlament im Mai 2013 ein Gesetz, das gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellt. Obiefunas Partner Miebi hält dem Druck der Gesellschaft und seiner Familie nicht Stand und geht schließlich eine Ehe mit einer Frau ein. Dies treibt Obiefuna zu einer Rückkehr zu seinem dementen und alleinstehenden Vater. Ibeh wählt einen allwissenden Erzähler und lässt uns nur Obiefuna als Figur richtig kennenlernen. Alle anderen Figuren spielen nur eine Nebenrolle. Als Leser fühlt man das Verlangen nach Liebe und Geborgenheit seines Protagonisten. Mit seiner präzisen Wortwahl und Erzählstrategie führt uns Chukwuebuka Ibeh die Vergänglichkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen in Obiefunas Leben vor Augen. Die Namen der Menschen, die in Obiefunas Leben eine Rolle spielten, sei es sexuell oder freundschaftlich, sind schnell vergessen. Ein berührendes Debüt, das Einblicke in die gesellschaftliche und politische Lage Nigerias der 2010er Jahre gewährt.
Ein großartiges Debüt!
Der Roman „Wünschen“ ist der erste von mir im Jahr 2025 gelesene Roman und gehört jetzt schon definitiv zu meinen Jahreshighlights! Ein großartiger Debütroman - zärtlich erzählt, poetisch, politisch und queer. Ein wichtiger und besonderer Roman über die Geschichte eines jungen, homosexuellen Mannes aus Nigeria und seines Erwachsenwerdens.
Packend und aufwühlend!
"Wünschen" von Chukwuebuka Ibeh erzählt die Geschichte eines jungen homosexuellen Mannes im Nigeria der 2010er Jahre. Eine einfache Erzählweise verbindet sich mit einer packenden und aufwühlenden Handlung. Durch Obiefunas Geschichte erhält man einen Einblick in ein christlich-konservativ geprägtes Land, das Homosexualität 2014 unter Strafe gestellt hat. "Wünschen" ist eines der wichtigsten Bücher die in diesem Jahr erschienen sind.🌈📚 #pride #gregorsbooks #wünschen #chukwuebukaibeh
Leise und dennoch eindrücklich..
Der Autor erzählt die Geschichte des homosexuellen Jugendlichen Ibo, der in Nigeria lebt, bis hin in sein junges Erwachsenenalter. Die Geschichte ist, obwohl sehr leise und zurückhaltend erzählt, sehr eindrücklich. Mit einer gewissen Distanz werden Strukturen von Homophobie, Machtgefällen, Rollenbildern, politischen Verirrungen und Moral beschrieben und wie sie Menschen prägen. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Wut, Aufbegehren und Emotionen gewünscht, weil ich genau das an vielen Punkten der Geschichte gefühlt habe. Die Ungerechtigkeit war für mich schwer zu ertragen, dabei musste ich keinen Meter in diesen Schuhen gehen.. Ein lesenswertes Debüt das Missstände beleuchtet.
Zunächst schien es eine Geschichte über einen "Junge im strengen Internat" aber es ist ein Coming-out Geschichte unter Gefahr, in Angst und der Flucht in geheimen Ecken. Wie schrecklich, dass Liebe so kriminalisiert wird. Nur ein paar Länder weiter hätte die Hauptfigur zeitgleich ein glückliches Beziehungsleben leben können!
"Wie lächerlich, wie gefühllos und absurd diese Erwartungen an ein Kind waren. Er war erst acht und wusste nicht, was »angemessenes« Verhalten bedeutete. Doch als sie das Licht in seinem Zimmer ausmachte, nachdem es ihr gelungen war, seine Tränen zu trocknen, und er eingeschlafen war, wünschte sie sich, dass er nur ein ganz kleines bisschen gewöhnlicher wäre." - Buchzitat (S. 22 - E-Book) "Wünschen" von Chukwuebuka Ibeh ist ein aufwühlender und eindringlicher Roman, der die Geschichte des jungen Obiefuna erzählt, der im Nigeria der 2000er-Jahre mit seiner sexuellen Identität und gesellschaftlichen Zwängen kämpft. Chukwuebuka Ibeh, geboren 2000 in Port Harcourt, Nigeria, gilt als internationaler Shootingstar der nigerianischen Literatur. Er hat kreatives Schreiben bei renommierten Schriftsteller:innen wie Dave Eggers, Chimamanda Ngozi Adichie und Tash Aw studiert. Seine Werke wurden in angesehenen Publikationen wie "McSweeney’s" und "The New England Review of Books" veröffentlicht. "Wünschen" ist sein erster Roman, dessen Filmrechte bereits vor Erscheinen verkauft wurden. Ibeh studiert derzeit an der Washington University in St. Louis, Missouri. Der Roman erzählt die Geschichte von Obiefuna. Als sein Vater einen intimen Moment zwischen ihm und einem anderen Jungen entdeckt, wird Obiefuna in einInternat verbannt, das von strenger Hierarchie und Gewalt beherrscht wird. Auf der Suche nach Verbundenheit entfremdet er sich von allem Vertrauten. Währenddessen kämpft seine Mutter Uzoamaka darum, ihren Sohn nicht zu verlieren. Vor dem Hintergrund drakonischer Gesetze gegen Homosexualität in Nigeria zeichnet Ibeh ein vielschichtiges Porträt über Liebe, Einsamkeit und die Suche nach einem freien Leben. Von Anfang an hat mich das Buch gefesselt, obwohl es mir zunächst schwerfiel, in die Geschichte hineinzukommen und mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Besonders eindrucksvoll fand ich die Szenen im Internat, die die bedrückende Atmosphäre und die strenge Hierarchie realistisch und bewegend darstellen. Das Cover des Buches, das ein Netz auf der Haut darstellt, konnte ich zwar nicht vollständig deuten, es hat mich aber trotzdem magisch angezogen und mich dazu animiert, das Buch zu lesen. Die Erzählweise bietet einen tiefen Einblick in das Leben von Obiefuna und seiner Familie. Immer wieder bekommt man auch einen Einblick in die Perspektive anderer Charaktere wie beispielsweise Obiefunas Mutter Uzoamaka, was der Geschichte zusätzlich Tiefe verleiht. Überhaupt war die Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter für mich der berührendste Aspekt des Buches, der die Zerrissenheit und die tiefe emotionale Bindung zwischen Mutter und Sohn darstellt. Die Sprache des Romans ist eindringlich und bringt die inneren Kämpfe und das Begehren der Protagonisten so gut rüber. Ich wusste bisher wenig über Nigeria, und dieser Roman hat mir nicht nur die politische Lage nähergebracht, sondern auch das komplexe Geflecht aus Traditionen und religiösen Überzeugungen beleuchtet, die das Leben dort prägen. Besonders eindrucksvoll ist, wie der Roman die Brutalität der diskriminierenden nigerianischen Gesetze darstellt, die Homosexualität kriminalisieren und mit harten Strafen bis hin zur Todesstrafe bedrohen. Die Geschichte beleuchtet die Auswirkungen dieser Gesetze auf das Individuum und die Gesellschaft und zeigt die Gewalt und Verfolgung, denen queere Menschen ausgesetzt sind. "Wünschen" ist ein beeindruckendes Debüt, das durch seine emotionale Tiefe und seinem gesellschaftskritischen Ansatz berührt. Der erste Teil hat mich mehr überzeugt und das Ende war mir persönlich zu abrupt. Dennoch hat mich das Buch durch seine Vielschichtigkeit und die eindringliche Erzählweise überzeugt. Chukwuebuka Ibeh ist ein vielversprechender Autor, von dem wir hoffentlich noch viel hören werden. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. »Ich habe das alles nur zu deinem Besten getan«, sagte Anozie. »Es ist nicht normal, so zu leben. Es gibt mittlerweile sogar ein Gesetz dagegen. Du kannst ins Gefängnis kommen, wenn du so was tust.« »Ich habe mein ganzes Leben lang in einem Gefängnis gelebt, Papa.« »Aber was würden die Leute sagen, Obiefuna?« - Buchzitat S. 314 (E-Book)
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Für den jungen Obiefuna, der im Nigeria der 2010er-Jahre aufwächst, sind Liebe und Verlangen untrennbar mit Schuld und Ablehnung verwoben. Als sein Vater Zeuge eines intimen Moments zwischen ihm und einem anderen Jungen wird, verbannt er den Sohn in ein christliches Internat, das von strenger Hierarchie und Gewalt geprägt ist. Allem Vertrauten entfremdet, begibt sich Obiefuna auf die Suche nach Verbundenheit. Seine Mutter Uzoamaka ringt indessen darum, ihn, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben, nicht zu verlieren.
Chukwuebuka Ibeh, der Shootingstar der nigerianischen Literatur, lässt mit »Wünschen« ein aufwühlendes und feinsinniges Porträt unserer Gegenwart entstehen – eine vielschichtige Geschichte über Liebe, Einsamkeit und die Frage, ob ein freies Leben möglich ist, wenn Politik tief in unser Herz und Bewusstsein gedrungen ist.
Book Information
Author Description
Chukwuebuka Ibeh, geboren 2000 in Port Harcourt, Nigeria, ist der internationale Shootingstar der nigerianischen Literatur. Er hat kreatives Schreiben bei Dave Eggers, Chimamanda Ngozi Adichie und Tash Aw studiert. Er hat unter anderem in »McSweeneys«, »The New England Review of Books« und »Brittle Paper« veröffentlicht. »Wünschen« ist sein erster Roman, dessen Filmrechte bereits vor Erscheinen verkauft wurden. Derzeit ist er Student der Washington University in St. Louis, Missouri.
Posts
„Wünschen“ ist ein tiefgründiges, bewegendes Debüt des nigerianischen Schriftstellers Chukwuebuka Ibeh. Er beschreibt darin das Heranwachsen des Jungen Obiefuna im konservativen, homophoben Nigeria der 2000er Jahre. Obiefuna entdeckt früh, dass er lieber tanzt als Fußball spielt. Als er beginnt zarte Bande zu einem älteren Jungen zu knüpfen, schickt ihn sein strenger Vater auf ein autoritäres Jungeninternat. Fern von seiner Familie muss er sich dort behaupten und sich den dortigen Regeln und Hierarchien unterordnen. Seine Internatszeit ist geprägt von Gewalt und der Suche nach Identität. Um im Internat zu überleben, muss er seine Gefühle unterdrücken und sich anpassen. Sehr einfühlsam wird die liebevolle, tiefgehende Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter beschrieben. Sie sorgt immer wieder für Lichtblicke innerhalb der Geschichte. Im letzten Viertel des Buchs geht Ibeh auf das 2014 verschärfte Gesetz gegen Homosexualität ein, das ein Leben in Nigeria für queere Personen fast unmöglich macht. Es drohen Haftstrafe, Auspeitschung oder gar die Todesstrafe. Die Regierung erzeugt eine Atmosphäre ständiger Angst. Hier fand ich es sehr spannend, wie unterschiedlich der queere Freundeskreis, dem Obiefuna angehört, auf die Gesetzesverschärfung reagiert. Dieser Aspekt hätte gerne noch ausführlicher vertieft werden können, aber leider endet das Buch recht schnell an dieser Stelle. Dem Autor ist ein tiefgründiges, detailliertes Portrait eines jungen Mannes gelungen, der auf der Suche nach Zugehörigkeit und Identität mit den Machtstrukturen und gesellschaftlichen Normen seines Landes kämpfen muss. Sehr sensibel beschreibt er die innere Zerrissenheit Obienfunas. Ibeh schreibt sehr locker, einfühlsam und beklemmend, so dass man sofort in die Geschichte hineingezogen wird und mitfühlt. Er schreibt über wichtige Themen, über die man hier in Europa (zumindest ging es mir so) viel zu wenig weiß. Mich hat der Roman sehr betroffen zurückgelassen. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter!
Was für ein Debüt (!!!)
Coming of Age ist eigentlich nicht so mein Genre. Dieses Buch ist so großartig, so schmerzhaft, so voller Gefühl, dass ich wirklich sehr regelmäßig heulend im Zug saß. Vor allem der letzte Teil hat mich wirklich sehr ergriffen. Und es ist kaum aushalten, wenn ich darüber nachdenke, wie manche Leute immer noch behaupten, queere Menschen hätten so rechtlich alles erreicht und dabei völlig ignorieren, was eigentlich auf dem Rest dieses Planeten abgeht. Es gibt sicherlich einige Triggerwarnungen, die man für dieses Buch aussprechen müsste, vor allem im Bezug schwere Erkrankungen und queerfeindliche Gewalt. Aber es ist auch irgendwo das MINDESTE, das man sich diese Realität einmal reinzieht (wenn man das kann und auch, wenn es ein Roman und kein Bericht ist). Als Debüt wirklich sehr sehr stark und berührend und ich bin so dankbar, dass sich wieder durch ein Buch meine Perspektive erweitert hat.
Obiefuna lernt als Kind vor allem, dass er falsch ist. Zu feminin, zu wenig draufgängerisch. Kurz darauf muss er begreifen, dass seine Homosexualität in Nigeria nicht weniger als lebensbedrohlich ist. Aboy, mit seinen tiefen Augen und den vollen Lippen, ist Obiefunas erster Crush. Doch schon bei der ersten vorsichtigen Annäherung platzt Obiefunas Vater in den Raum. Für den Jungen bedeutet das ein paar Jahre konservativ-christliches Internat, den Terror der Älteren aushalten und trotzdem die eigene Sexualität entdecken. Und das unter der ständigen Angst der Entdeckung - denn auch, wenn Homosexualität im Internat verbreitet ist, ist sie ebenso geächtet und führt zu Gewalt-Exzessen. Danach wird es kurz leichter für Obiefuna. Während seiner Zeit an der Universität lernt er seinen ersten Partner kennen und dessen Freundeskreis. Für einige Zeit scheint ein freies, gleichberechtigtes Leben möglich zu sein. Doch dann erlässt Präsident Goodluck Jonathan ein extrem restriktives Gesetz gegen homosexuelle Handlungen. Einige bringt es ins Gefängnis, andere ins Exil. Auch Obiefuna muss eine Entscheidung treffen. “Wünschen”, Ibehs Debütroman, ist ein schonungsloser und brutaler Coming-of-Age-Roman, der von der Hoffnung seines Protagonisten getragen wird. Auch wenn einige Dialoge ein wenig hölzern und erklärend geraten, ist es ein sehr gelungenes literarisches Debüt, das auf mehr hoffen lässt.
Ein Buch, das sich innerlich vertraut anfühlt, obwohl es in einer Welt spielt, die der eigenen kaum ferner sein könnte.
In "Wünschen“ hatte ich ständig dieses seltsame Gefühl von Nähe und Distanz zugleich. Die Gedanken und inneren Kämpfe von Obiefuna sind mir erschreckend vertraut – das vorsichtige Abtasten der eigenen Wünsche, die Angst vor Ablehnung, das ständige Abwägen zwischen Anpassung und Selbstbehauptung. Und doch spielt all das in einer Welt, die meiner eigenen so fern ist: Nigeria ist nicht Deutschland, Obiefunas Realität nicht meine. Gerade diese Spannung macht den Text so stark. Man erkennt sich wieder, obwohl die gesellschaftlichen Bedingungen kaum vergleichbar sind. „Wünschen“ zeigt, wie universell queere Erfahrungen sein können – und wie sehr sie gleichzeitig von Ort, Kultur und Umständen geprägt werden.
"Ich muss oft daran denken, wie viel Liebe verloren geht, während Schule Kinder groß werden. Man beraubt uns der Möglichkeit, die Unschuld Jugendlicher Verliebtheit zu erleben, weil man die ganze Zeit Angst hat und mit dem Stress beschäftigt ist, die Fassade aufrecht zu erhalten." Eine sehr eindrückliche Geschichte, die genau so auch im echten Leben stattfinden könnte. Ich habe mit dem Protagonisten mitgefiebert und mitgelitten. Ein Buch das zeigt, wie wichtig die Kämpfe für marginalisierte Gruppen sind.
Leise Tragik mit zu viel Raum
Wünschen von Chukwuebuka Ikeh erzählt eine bewegende Geschichte über Verlust, Familie, Erwartungen und die Last gesellschaftlicher Vorstellungen. Das Setting und die Einblicke in das Umfeld der Figuren fand ich sehr interessant, und auch thematisch bringt der Roman viel mit. Trotzdem blieb bei mir ein ambivalentes Gefühl zurück. Ich kann gar nicht genau benennen, was mich konkret gestört hat – aber irgendetwas hat dafür gesorgt, dass mich das Buch nicht vollständig gepackt hat. Stellenweise empfand ich die Handlung als etwas langatmig; manche Passagen hätten für mein Empfinden straffer erzählt werden können. Vor allem die eigentliche Tragik der Geschichte kam für mich emotional nicht so intensiv an, wie ich es erwartet oder mir gewünscht hätte. Obwohl objektiv viel Schmerz und Konflikt in der Handlung liegen, blieb ich beim Lesen etwas auf Distanz. Insgesamt ist es ein gutes Buch mit wichtigen Themen und starken Ansätzen, das mich aber nicht durchgehend überzeugen konnte. Für mich ein 3,5-Sterne-Roman: lesenswert, aber mit Luft nach oben.

Erschütternd und unglaublich wichtig!
In Wünschen erzählt Chukwuebuka Ibeh die Geschichte von Obiefuna, einem Jungen in Nigeria, der von seinem Vater in einer eindeutigen Situation mit dem Hausangestellten erwischt wird. Die Reaktion des Vaters ist brutal und endgültig: Obi wird sofort auf ein Internat geschickt, um seine Homosexualität von Beginn an zu „unterbinden“. Ab da wächst er in einem abgeschotteten System auf, das von eigenen Machtstrukturen, Hierarchien und unausgesprochenen Regeln geprägt ist: grausam und hart. Das Buch ist ein Coming-of-Age-Roman über Homosexualität im heutigen Nigeria (etwa vor zehn Jahren angesiedelt) und hat mich wirklich tief erschüttert. Besonders beklemmend fand ich, wie engstirnig und repressiv die gesellschaftlichen Strukturen wohl noch immer sind. Homosexualität gilt als „unafrikanisch“, als etwas, das es nicht geben darf. Parallel spielt die Geschichte in einer Zeit, in der in den USA die Ehe für alle beschlossen wurde. Die Reaktion darauf in Nigeria war jedoch das komplette Gegenteil: noch härtere Gesetze, Razzien, Verhaftungen. Und genau das ist so schockierend!! Wie wenig wir davon hier eigentlich mitbekommen haben. Chukwuebuka Ibeh schreibt sehr besonders: eher distanziert, fast nüchtern, mit wenig offensichtlicher Emotionalität. Und gerade deshalb treffen einzelne Sätze umso härter. Da sind immer wieder Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen, weil sie so klar, so präzise und so wahr sind. Ich hatte oft einen Kloß im Hals. Dieses Buch ist traurig, macht wütend und is beklemmend. Wünschen öffnet den Blick auf eine Realität, die man nicht ignorieren sollte.

Enttäuscht
Ich freute mich auf ein Buch über einen schwulen jungen Mann in afrikanischem Kontext. Es ist ein Buch über einen schwulen jungen Mann in afrikanischem Kontext. Mehr nicht. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dem Dahinplätschern eines Filmes im Hintergrund beizuwohnen, ohne dass ich viel damit anfangen konnte. Es gab aufschlussreiche, interessante Momente, jedoch ließ die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde, mich ständig auf Distanz, so gern ich mich ihr mehr genähert hätte. Weder die Sprache ist in irgendeiner Form hervorzuheben, noch ist die Geschichte selbst, meines Erachtens, besonders gut erzählt. Leider lässt mich das Buch enttäuscht zurück.
Die Geschichte beginnt als Obiefumas Vater dem Kind eines Vewandten namens Aboy eine Ausbildung anbietet und ihn bei sich wohnen lässt. Obiefuma ist anders als die Jungen in seiner Nachbarschaft; er tanzt gerne, seine Statur eher mädchenhaft und auch seine Gefühle für Aboy sind anders. Als die beiden bei einem intimen Moment vom Vater erwischt werden, wird Obiefuma in ein christliches Internat gesteckt. Obiefuma muss nun alleine als homosexueller Mann ohne seine geliebte Mutter Uzoamaka und Aboy im Internat überleben und so begleiten wir den Protagonisten über mehrere Jahre während seiner Zeit im Internat sowie danach und den politischen Umgang mit homosexuellen Menschen in Nigeria. Chukwuebuka Ibeh hat mit dieser Geschichte ein emotionales Debüt erschaffen, welches deutlich macht, dass manchen Menschen in ihrer Situation und Umgebung nur noch das Wünschen bleibt; Das Wünschen nach Akzeptanz, Liebe und Freiheit.
»Ich muss oft daran denken, wie viel Liebe verloren geht, während schwule Kinder groß werden. Man beraubt uns der Möglichkeit, die Unschuld jugendlicher Verliebtheit zu erleben, weil man die ganze Zeit Angst hat und mit dem Stress beschäftigt ist, die Fassade aufrechtzuerhalten.« (S.272) Obiefuna wächst im konservativen Nigeria der Neuzeit auf. Von klein an ist er anders, interessiert sich nicht wie die anderen Jungen für Fußball und Machtkämpfe, sondern tanzt lieber und entdeckt früh, dass er sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Er pflegt ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter, welches ein jähes Ende findet, als der Vater ihn mit einem anderen Jungen erwischt. Er schickt ihn auf ein christliches Internat, wo „er wieder zu sich finden soll“. Zwischen Religion und seinem Begehren fühlt sich Obiefuna hin und her gerissen, versucht sich anzupassen, tritt nicht für sich ein. Während des Studiums scheint er sich endlich so zu akzeptieren, wie er ist. Während jedoch in Amerika die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt wird, stellt die nigerianische Regierung Homosexualität unter Strafe und sein Weltbild wird erneut in Frage gestellt. - Chukwuebuka Ibeh ist ein tiefgründiges, detailiertes Portrait eines jungen Mannes gelungen, der auf der Suche nach Zugehörigkeit und Identität ist. Die innere Zerissenheit des Protagonisten Obienfuna ist quasi greifbar. Lange versucht er sich anzupassen, sich zu verleugnen und im Glauben Hilfe zu finden. Seine Jugend ist geprägt von gegensätzlichen Erkenntnissen und Gewalt. Während er auf der einen Seite Erfahrungen mit anderen Jungen sammelt, wird ihm aus dem Elternhaus, dem Internat und auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder suggeriert, dass sein Begehren falsch ist… dass er falsch ist. Die Unbeschwertheit, die das Erwachen seiner Sexualität mit sich bringt, wird ihm verwehrt. Er gibt vor jemand anderes zu sein, beteiligt sich sogar an „Vergeltungsaktionen“ gegenüber anderen homosexuellen jungen Männern, nur um nicht aufzufallen. Er lebt in der permanenten Angst „enttarnt“ zu werden. Auch in späteren Jahren wird klar, dass es nicht leicht ist er selbst zu sein, vor allem unter dem Aspekt der gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Für mich war es sehr erdrückend zu lesen, wie vor allem der Vater hier reagiert. Er versucht nicht mal auf seinen Sohn einzugehen, mit ihm zu sprechen und vielleicht ein bisschen zu verstehen, sondern akzeptiert nur seine vorgefertigte Meinung. Ab es aus Angst vor der Reaktion anderer ist oder wirklich seinen konservativen Einstellungen entspringt, lässt sich schwer sagen, ist aber auch absolut irrelevant. Anstatt sein Kind so zu akzeptieren, wie es ist, schickt er es weg… Die Mutter hingegen nimmt hier den Gegenpart ein, ist verständnisvoll und urteilt nicht, leider ist es Obienfuna selbst, der hier für die Entfremdung sorgt, weil er annimmt, dass sie die Meinung des Vaters teilt. Ich denke der Roman ist ein gutes Abbild dessen, was es mit einem Kind macht, wenn es sich nicht akzeptiert fühlt, wie stark Selbstzweifel ausgebildet werden, wie einsam es sich fühlt und welche Auswirkungen dies auch auf das spätere Leben hat. Ibeh hat dies wahnsinnig einfühlsam beschrieben und ich kann euch dieses Debüt nur allen ans Herz legen.
„Ich habe mein ganzes Leben lang in einem Gefängnis gelebt, Papa“ (S.314). Der feinfühlige, schüchterne und tanzbegeisterte Obiefuna wächst in den 2000er- und 2010er-Jahren in Port Harcourt|Nigeria, in einer streng patriarchalischen und repressiven Gesellschaft auf. Er ist das lang ersehnte erste Kind von Uzoamaka und Anozie, nachdem Uzoamaka vor seiner Geburt mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Zwei Jahre später wird sein Bruder Ekene geboren, ein temperamentvolles und offenes Kind mit vielen Freund*innen, während Obiefuna gehänselt wird und ein Außenseiter bleibt. Seine Tanzkünste machen ihn zusätzlich zur Zielscheibe für Spott; sein strenger Vater schlägt ihn dafür sogar aus. Als Anozie den Jungen Aboy, den Sohn eines verstorbenen entfernten Verwandten, als Lehrling im Familienbetrieb einstellt, entwickelt sich zwischen ihm und Obiefuna eine erste zärtliche und „unschuldige“ Annäherung, in der sie ihre gegenseitige Anziehung entdecken. Doch als der strenge Anozie die beiden in diesem flüchtigen Moment überrascht, wird Obiefuna gegen den Willen der Mutter von ihm in ein streng christliches Jungeninternat geschickt. Dort leidet Obiefuna, lebt in einer bedrückenden Atmosphäre und gerät in missbräuchliche Beziehungen zu älteren und sadistisch veranlagten Schülern, den sogenannten „Seniors“, die ihn ausnutzen, schikanieren und manipulieren. Von seiner Familie bekommt er kaum Besuch und auch später wird ihm die Krebserkrankung seiner Mutter verschwiegen. Für Obiefuna beginnt eine Art „Überlebenskampf“ - dazu gehört nicht nur, seine Homosexualität zu verbergen und sich konform dem Gruppenzwang unterzuordnen, sondern sich auch als „passiver Mittäter“ an homophoben Taten zu beteiligen - eine Schuld, die Obiefuna fortan begleiten wird und schwer auf ihm lastet. Nach dem Internat beginnt Obiefuna sein Studium der Optometrie und verliebt sich in einen älteren Mann, Miebi, den er bei einer Kunstausstellung kennengelernt hat. Doch wird diese Beziehung eine Zukunft haben? 📌 Obiefunas Geschichte wird vor dem politischen Hintergrund des im Jahr 2014 in Kraft getreten drakonischen Gesetzes unter dem damaligen Präsidenten Goodluck Jonathan erzählt, das bis dato leider Gültigkeit hat und die Ehe sowie andere Formen sexueller Beziehungen und Partnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts kriminalisiert und Haftstrafen zwischen 10-14 Jahren vorsieht. In einigen Bundesstaaten Nigerias droht sogar die öffentliche Auspeitschung bis hin zur Anwendung der Todesstrafe - legitimiert durch die Scharia. Mit „Wünschen“ hat Ibeh einen wunderbar sensibel und warmherzig geschriebenen Bildungsroman vorgelegt, der eindringlich hinterfragt, was es bedeutet, in Nigeria queer aufzuwachsen und zu leben. Der Roman beleuchtet sowohl die Brutalität der diskriminierenden nigerianischen Gesetze als auch die außer Kontrolle geratenen und tabuisierenden Tendenzen im familiären|gesellschaftlichen Umfeld und deren Auswirkungen auf das Individuum sowie die engsten Angehörigen. Auch damit verbundene Aspekte wie Gewalterfahrungen, Verfolgung, Entführungen, das Eingehen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgrund elterlichen Drucks „zur Wahrung des Gesichts“ sowie Flucht und Migration als letzter Ausweg werden eindringlich dargestellt. Der Roman ist eine lesenswerte Auseinandersetzung mit jugendlichem Begehren, der universellen Suche nach Identität und Anerkennung sowie dem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Er thematisiert auch den Umgang mit den eigenen Gespenstern der Vergangenheit und die Bewältigung schwerer Verluste als Jugendlicher. Besonders berührend ist in diesem Kontext die Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter. Zum Ende hin hatte ich allerdings das Gefühl, dass der Autor rasch zum Abschluss kommen wollte, was ich etwas bedauerlich fand, da ich gern noch weitergelesen hätte. Das spricht wohl für sich: Eine große Leseempfehlung! ——————————————————— Aus dem Englischen von Cornelius Reiber.
Es bleibt für den homosexuellen Nigerianer nur das „Wünschen“ übrig 🌈🧡🩵
Das Buchdebüt „Wünschen“ des Autors Chukwuebuka Ibeh ist 2024 bei S. Fischer Verlage erschienen. Hier erfahren wir die Lebensgeschichte des jungen Nigerianers Obiefuna, dessen Leben sich schlagartig ändert, als sein Vater herausfindet, dass er homosexuell ist. Obiefuna wird aus seiner Familie verbannt und begibt sich von da an auf eine nicht enden wollende Suche nach Verbundenheit. Obiefuna strebt vordergründig nach Freiheit und Liebe. Dem Vater scheinen seine Wünsche nicht wichtig, wohingegen seine Mutter ihn stets unterstützt und auch seine Wünsche zu erfüllen versucht. Der gewaltbereite, autoritäre Vater schränkt die freie Entfaltung von Persönlichkeit und Geist seines Kindes ein. Er schiebt ihn in ein strenges christliches Internat im Süden Nigerias ab, als er ihn in einem intimen Moment mit einem anderen Jungen überrascht. Im Internat ist er plötzlich sadistischen und sexuell getriebenen älteren Mitschülern ausgesetzt, statt der körperlichen Gewalt seines Vaters. Eine Überlebensstrategie ist notwendig, welche Obiefuna schnell entwickeln muss. Unauffälliges Verhalten ist das, worauf es jetzt ankommt. Weitere Selbtsicherheit gewinnt er aus dem Umstand, nicht der einzige Homosexuelle im Internat zu sein. Er schlittert als Student in seine erste offizielle und scheint seinem Glück auf der Spur zu sein. Doch dann erlässt das nigerianische Parlament im Mai 2013 ein Gesetz, das gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe stellt. Obiefunas Partner Miebi hält dem Druck der Gesellschaft und seiner Familie nicht Stand und geht schließlich eine Ehe mit einer Frau ein. Dies treibt Obiefuna zu einer Rückkehr zu seinem dementen und alleinstehenden Vater. Ibeh wählt einen allwissenden Erzähler und lässt uns nur Obiefuna als Figur richtig kennenlernen. Alle anderen Figuren spielen nur eine Nebenrolle. Als Leser fühlt man das Verlangen nach Liebe und Geborgenheit seines Protagonisten. Mit seiner präzisen Wortwahl und Erzählstrategie führt uns Chukwuebuka Ibeh die Vergänglichkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen in Obiefunas Leben vor Augen. Die Namen der Menschen, die in Obiefunas Leben eine Rolle spielten, sei es sexuell oder freundschaftlich, sind schnell vergessen. Ein berührendes Debüt, das Einblicke in die gesellschaftliche und politische Lage Nigerias der 2010er Jahre gewährt.
Ein großartiges Debüt!
Der Roman „Wünschen“ ist der erste von mir im Jahr 2025 gelesene Roman und gehört jetzt schon definitiv zu meinen Jahreshighlights! Ein großartiger Debütroman - zärtlich erzählt, poetisch, politisch und queer. Ein wichtiger und besonderer Roman über die Geschichte eines jungen, homosexuellen Mannes aus Nigeria und seines Erwachsenwerdens.
Packend und aufwühlend!
"Wünschen" von Chukwuebuka Ibeh erzählt die Geschichte eines jungen homosexuellen Mannes im Nigeria der 2010er Jahre. Eine einfache Erzählweise verbindet sich mit einer packenden und aufwühlenden Handlung. Durch Obiefunas Geschichte erhält man einen Einblick in ein christlich-konservativ geprägtes Land, das Homosexualität 2014 unter Strafe gestellt hat. "Wünschen" ist eines der wichtigsten Bücher die in diesem Jahr erschienen sind.🌈📚 #pride #gregorsbooks #wünschen #chukwuebukaibeh
Leise und dennoch eindrücklich..
Der Autor erzählt die Geschichte des homosexuellen Jugendlichen Ibo, der in Nigeria lebt, bis hin in sein junges Erwachsenenalter. Die Geschichte ist, obwohl sehr leise und zurückhaltend erzählt, sehr eindrücklich. Mit einer gewissen Distanz werden Strukturen von Homophobie, Machtgefällen, Rollenbildern, politischen Verirrungen und Moral beschrieben und wie sie Menschen prägen. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Wut, Aufbegehren und Emotionen gewünscht, weil ich genau das an vielen Punkten der Geschichte gefühlt habe. Die Ungerechtigkeit war für mich schwer zu ertragen, dabei musste ich keinen Meter in diesen Schuhen gehen.. Ein lesenswertes Debüt das Missstände beleuchtet.
Zunächst schien es eine Geschichte über einen "Junge im strengen Internat" aber es ist ein Coming-out Geschichte unter Gefahr, in Angst und der Flucht in geheimen Ecken. Wie schrecklich, dass Liebe so kriminalisiert wird. Nur ein paar Länder weiter hätte die Hauptfigur zeitgleich ein glückliches Beziehungsleben leben können!
"Wie lächerlich, wie gefühllos und absurd diese Erwartungen an ein Kind waren. Er war erst acht und wusste nicht, was »angemessenes« Verhalten bedeutete. Doch als sie das Licht in seinem Zimmer ausmachte, nachdem es ihr gelungen war, seine Tränen zu trocknen, und er eingeschlafen war, wünschte sie sich, dass er nur ein ganz kleines bisschen gewöhnlicher wäre." - Buchzitat (S. 22 - E-Book) "Wünschen" von Chukwuebuka Ibeh ist ein aufwühlender und eindringlicher Roman, der die Geschichte des jungen Obiefuna erzählt, der im Nigeria der 2000er-Jahre mit seiner sexuellen Identität und gesellschaftlichen Zwängen kämpft. Chukwuebuka Ibeh, geboren 2000 in Port Harcourt, Nigeria, gilt als internationaler Shootingstar der nigerianischen Literatur. Er hat kreatives Schreiben bei renommierten Schriftsteller:innen wie Dave Eggers, Chimamanda Ngozi Adichie und Tash Aw studiert. Seine Werke wurden in angesehenen Publikationen wie "McSweeney’s" und "The New England Review of Books" veröffentlicht. "Wünschen" ist sein erster Roman, dessen Filmrechte bereits vor Erscheinen verkauft wurden. Ibeh studiert derzeit an der Washington University in St. Louis, Missouri. Der Roman erzählt die Geschichte von Obiefuna. Als sein Vater einen intimen Moment zwischen ihm und einem anderen Jungen entdeckt, wird Obiefuna in einInternat verbannt, das von strenger Hierarchie und Gewalt beherrscht wird. Auf der Suche nach Verbundenheit entfremdet er sich von allem Vertrauten. Währenddessen kämpft seine Mutter Uzoamaka darum, ihren Sohn nicht zu verlieren. Vor dem Hintergrund drakonischer Gesetze gegen Homosexualität in Nigeria zeichnet Ibeh ein vielschichtiges Porträt über Liebe, Einsamkeit und die Suche nach einem freien Leben. Von Anfang an hat mich das Buch gefesselt, obwohl es mir zunächst schwerfiel, in die Geschichte hineinzukommen und mich an den Schreibstil zu gewöhnen. Besonders eindrucksvoll fand ich die Szenen im Internat, die die bedrückende Atmosphäre und die strenge Hierarchie realistisch und bewegend darstellen. Das Cover des Buches, das ein Netz auf der Haut darstellt, konnte ich zwar nicht vollständig deuten, es hat mich aber trotzdem magisch angezogen und mich dazu animiert, das Buch zu lesen. Die Erzählweise bietet einen tiefen Einblick in das Leben von Obiefuna und seiner Familie. Immer wieder bekommt man auch einen Einblick in die Perspektive anderer Charaktere wie beispielsweise Obiefunas Mutter Uzoamaka, was der Geschichte zusätzlich Tiefe verleiht. Überhaupt war die Beziehung zwischen Obiefuna und seiner Mutter für mich der berührendste Aspekt des Buches, der die Zerrissenheit und die tiefe emotionale Bindung zwischen Mutter und Sohn darstellt. Die Sprache des Romans ist eindringlich und bringt die inneren Kämpfe und das Begehren der Protagonisten so gut rüber. Ich wusste bisher wenig über Nigeria, und dieser Roman hat mir nicht nur die politische Lage nähergebracht, sondern auch das komplexe Geflecht aus Traditionen und religiösen Überzeugungen beleuchtet, die das Leben dort prägen. Besonders eindrucksvoll ist, wie der Roman die Brutalität der diskriminierenden nigerianischen Gesetze darstellt, die Homosexualität kriminalisieren und mit harten Strafen bis hin zur Todesstrafe bedrohen. Die Geschichte beleuchtet die Auswirkungen dieser Gesetze auf das Individuum und die Gesellschaft und zeigt die Gewalt und Verfolgung, denen queere Menschen ausgesetzt sind. "Wünschen" ist ein beeindruckendes Debüt, das durch seine emotionale Tiefe und seinem gesellschaftskritischen Ansatz berührt. Der erste Teil hat mich mehr überzeugt und das Ende war mir persönlich zu abrupt. Dennoch hat mich das Buch durch seine Vielschichtigkeit und die eindringliche Erzählweise überzeugt. Chukwuebuka Ibeh ist ein vielversprechender Autor, von dem wir hoffentlich noch viel hören werden. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. »Ich habe das alles nur zu deinem Besten getan«, sagte Anozie. »Es ist nicht normal, so zu leben. Es gibt mittlerweile sogar ein Gesetz dagegen. Du kannst ins Gefängnis kommen, wenn du so was tust.« »Ich habe mein ganzes Leben lang in einem Gefängnis gelebt, Papa.« »Aber was würden die Leute sagen, Obiefuna?« - Buchzitat S. 314 (E-Book)





























