Ein Sohn der Stadt

Ein Sohn der Stadt

by Kent Haruf·Book 5 of 6
Hardback
3.951
ErinnerungBetrugWutVerlust

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Description

Acht Jahre sind vergangen, seit Jack Burdette – einstiger Liebling der Kleinstadt und bewunderter Footballstar – über Nacht verschwand und so um Geld betrogene wütende Farmer und seine schwangere Frau samt Kindern zurückließ. Und dann ist er plötzlich wieder da, in einem roten Cadillac mitten auf der Main Street, und legt damit nicht nur den Finger in alte, nicht verheilte Wunden, sondern setzt Geschehnisse in Gang, die jeden Bewohner Holts betreffen.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
288
Price
24.70 €

Author Description

Kent Haruf, geboren 1943 in Colorado, war ein amerikanischer Schriftsteller. Alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado. Er wurde unter anderem mit dem Whiting Foundation Writers’ Award, dem Wallace Stegner Award und dem Mountains & Plains Booksellers Award ausgezeichnet. Sein letzter Roman, ›Unsere Seelen bei Nacht‹, wurde zum Bestseller und mit Jane Fonda und Robert Redford in den Hauptrollen verfilmt. Kent Haruf starb 2014.

Posts

7
All
3.5

Die Regeln der Menschlichkeit

Kent Haruf schreibt in seinem 2. Roman, der aber zuletzt in Deutsch erschienen ist wie gewohnt über die Gemeinschaft einer fiktiven Stadt in Colarado. Zugleich beschreibt er wieder einige Einzelschicksale, die mit dem näheren Kreis dieser Protagonisten interagieren. Also ein Subgruppe in einer Gesellschaft. Es muss klar sein, dass jede Gemeinschaft, will sie eine gewissen Harmonie erleben, Regeln folgt. Die meisten der Menschen sehen diese Regeln als «Werte», die sie irgendwann vermittelt bekommen haben. Was aber, wenn jemand ganz anderer Meinung ist und diese Regeln ignoriert? Was, wenn dieser Jemand eigene Regeln hat, welche so garnicht harmonieren mit dem der übrigen Menschen? Darum geht es in diesem Roman. In den heutigen Zeiten, in denen es immer mehr Menschen zu geben scheint, die keinen ethischen Regeln mehr folgen wollen, muss dieses Buch unangenehm aufstossen, weil es konsequent aufzeigt, dass Regeln ihre Grenzen haben und auch fehlgehen können und zudem, wohin das komplette Ausblenden jeglicher Regeln führt. Haruf schafft es wieder, mit präziser Wortwahl einerseits sehr viel Normalität zu beschreiben, die aber nicht trivial oder langweilig erscheint. Gerade aber aus dieser «Banalität» heraus müssen wir uns, wenn die Ereignisse ins Rutschen kommen, immer wieder selbst erkennen, in unserer Einfachheit, die nicht automatisch schmeichelhaft sein muss.

„Ein Sohn der Stadt" von Kent Haruf ist ein intensiver, melancholischer Roman, der die fiktive Kleinstadt Holt in Colorado erneut zum Leben erweckt. Im Mittelpunkt steht Jack Burdette, ein ehemaliger Highschool-Footballstar, der nach acht Jahren der Abwesenheit plötzlich zurückkehrt. Seine Rückkehr löst in der Stadt Unruhe und Nervosität aus, da die Erinnerung an seine schändlichen Taten, den Diebstahl von 150.000 Dollar und das Verlassen seiner schwangeren Frau, noch frisch ist. Der Roman wird aus der Perspektive von Pat Arbuckle erzählt, Jacks ehemaligem Freund und Herausgeber der Lokalzeitung. Haruf schafft es, das Leben in Holt mit all seinen Nuancen einzufangen. Die Dynamiken einer verschlossenen Kleinstadt, die Wut und die Enttäuschung der Bewohner sowie die moralischen Dilemmata, mit denen sie konfrontiert werden, sind klar und eindrucksvoll dargestellt. Besonders spannend ist die Charakterzeichnung von Jack Burdette – ein selbstsüchtiger, fast narzisstischer Antiheld, der mit seiner Rückkehr alte Wunden aufreißt. Harufs Erzählweise ist gewohnt ruhig, fast minimalistisch, aber dennoch packend und zeigt erneut seine einzigartige Fähigkeit, das Alltagsleben zu einem fesselnden Drama zu verdichten. „Ein Sohn der Stadt" mag weniger verstrickte Handlungsstränge und eine kleinere Anzahl an Figuren aufweisen als andere Werke Harufs, doch genau diese Konzentration auf das Wesentliche verleiht dem Roman seine besondere Stärke. Ich liebe die präzisen Beobachtungen menschlicher Schwächen und die subtile Art, in der er die Kleinstadtgesellschaft auseinandernimmt. Ein berührender Roman über Schuld, Vergebung und die Macht der Vergangenheit. Haruf bleibt einer der besten amerikanischen Erzähler, der die kleinen Menschen und ihre Schicksale ins Zentrum seiner Geschichten rückt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten mit emotionaler Tiefe und leisen Tönen schätzen. Ganz große Kent Haruf-Liebe! Aus dem Amerikanischen von pociao und Roberto de Hollanda.

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4

Ein typischer Kent Haruf Roman mit einem traurigen Ende

4

Wer will schon so einen Sohn? Mit „Ein Sohn der Stadt“ habe ich (leider) erst meinen zweiten Roman von Kent Haruf gelesen. Leider deshalb, weil ich von Haruf´s Schreibkunst, mit wenigen, schlichten Worten unter die Haut gehende Stimmungen heraufzubeschwören, schlichtweg begeistert bin. „Kostbare Tage“ war ein Highlight für mich im letzten Jahr. Nun also „Ein Sohn der Stadt“; der wohl zweite Roman der im fiktiven Ort Holt spielenden Romane des 2014 verstorbenen Schriftstellers; erschienen 2021 im Diogenes Verlag in der Übersetzung von pociao und Roberto de Hollanda. Nach acht Jahren taucht Jack Burdette (einst ein gefeierter Footballstar) in seiner Heimatstadt Holt auf, was die Bürgerinnen und Bürger in wahre Aufruhr versetzt. Warum das so ist, erfahren die Leserinnen und Leser aus der Sicht von Pat, dem „Stadtchronisten“ sowie einstigem und – ja, man muss es so sagen – einzigem Freund von Jack. Anhand von Rückblenden in Jack´s und Pat´s Kindheit, Jugend und Studienzeit und den Ereignissen der jüngeren Vergangenheit, nähert sich die Erzählung immer mehr dem dramatischen Höhepunkt entgegen. Und genau dieser Höhepunkt lässt mich unbefriedigt zurück. Hier hat es sich Kent Haruf meiner Meinung nach zu „einfach“ gemacht. Oder ist das Ende unter der Prämisse geschrieben worden, die Fantasie der Leserinnen und Leser anzufachen und sich zu fragen „Was wäre wenn…?“ Unter diesen Gesichtspunkten ist es dann natürlich wieder ein schlüssiges Ende, doch irgendwie kann es mich trotzdem nicht restlos überzeugen. Man verstehe mich bitte nicht falsch: Herr Haruf kann bzw. konnte schreiben und (wie oben schon angedeutet) mit wenigen schlichten Worten Stimmungen heraufbeschwören, die mich auch in „Ein Sohn der Stadt“ völlig geflasht haben. Auch zeigt er wunderbar auf, dass in konservativ geprägten Landstrichen (nicht nur bezogen auf die USA, sondern durchaus global gesehen) die Bevölkerung nicht so schnell vergisst, wenn ihnen jemand etwas angetan oder weggenommen hat. Aber auch die Gemeinheiten einer eingeschworenen Gemeinschaft gegenüber ortsfremden Personen nimmt Herr Haruf auf´s Korn. Und trotzdem nehme ich ihm das Ende übel. Wenn mich selbiges mehr überzeugt hätte, würde ich wohl auch für „Ein Sohn der Stadt“ die Höchstnote zücken. So werden es (sehr gute) 4* und eine klare Leseempfehlung. ©kingofmusic

4

Kleinstadtfeeling, liebenswerte Charaktere und gut gewählte Zeitsprünge … wieder ein gelungener Roman aus Kent Harufs Feder. Warum taucht der einstige Liebling der Stadt Holt nach Jahren des Untertauchens wieder hier auf? Was ist damals geschehen, dass er so überstürzt die Stadt verließ und was macht das mit den Menschen, die ihn all die Jahre nicht vergessen haben? Ich war wieder komplett dabei und versunken in der mittlerweile lieb gewordenen amerikanischen Kleinstadtidylle.. besonders gut fand ich die Entwicklung einiger Personen. Der Autor schafft es auch unliebsame Protagonisten zu erschaffen, deren Geschichte trotzdem so interessant ist, dass man immer weiter lesen möchte. Die Geschichte lässt sich komplett unabhängig lesen und kann auch als Einstieg gewählt werden um Holt überhaupt mal kennen zu lernen.

4

„Aber hättest du das nicht auch gedacht? Hast du Jack Burdette nicht auch für einen vertrauenswürdigen Mann gehalten?“ Nach acht Jahren kommt Jack Burdette in einem roten Cadillac zurück nach Holt. Dick, aufgeschwemmt, ja beinah schlampig, saß er einfach nur in seinem Auto und wartete. Kaum einer konnte glauben, dass Jack sich überhaupt wieder in die Kleinstadt zurückgetraut hatte. Nach all dem Chaos, dass er angerichtet und ohne ein Wort hinterlassen hatte. Aber da saß er und ließ die Dinge auf sich zukommen. Kent Haruf hat den Herausgeber der örtlichen Zeitung als Erzähler für seinen Roman gewählt. Mr Pat Arbuckle nimmt die Leser mit in die fiktive Kleinstadt Holt, die verschlafen und aus der Zeit gefallen daherkommt. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der mit einer Mischung aus Dreistigkeit und Selbstverständnis durchs Leben geht. Eingebettet in die schön erzählten Bilder eines beschaulichen Ortes folgen wir Jack bis zu seinem Verschwinden aus Holt und erleben dann, den Scherbenhaufen, den er hinterlassen hat. Wer schon einen Roman von Kent Haruf gelesen hat, weiß, man ist ganz schnell mittendrin und erlebt eine Reise in Bildern zu Menschen, die das Leben unaufgeregt meistern. Auch diesmal wäre der Roman wieder ein Volltreffer gewesen, wenn mich auch das Ende überzeugt hätte. Da bin ich leider ratlos zurückgeblieben. Eine Leseempfehlung gibt es auf jeden Fall trotzdem!

5

Absolut lesenswert! Wie alle Bücher von Kent Haruf ein literarisches Meisterwerk!

Es handelt sich um das zweite Buch von den insgesamt sechs Büchern des US Autors Kent Haruf. Allerdings wurde es als letztes auf Deutsch übersetzt. Die Bücher, welche alle in der fiktiven Kleinstadt irgendwo in Colorado spielen, skizzieren mit wenigen Worten und auf wenigen Seiten den Mikrokosmos einer Kleinstadt. Einzelne Menschen stehen jeweils im Mittelpunkt der jeweiligen Handlung. In diesem Buch geht es um den „Sohn der Stadt“, der die örtliche Genossenschaft um 150.000 Dollar betrogen hat. Er verschwindet mit dem Geld und lässt seine schwangere Frau und zwei Kinder, sowie eine Menge wütender Stadtbewohner zurück. Als er eines Tages wieder auftaucht, wird die kaum verheilte Wunde der Stadt wieder aufgerissen. Und das Verhängnis nimmt seinen Lauf… Ein Roman der leisen Töne, wenigen Worte und dafür großartiger Geschichten. Sehr fein beobachtet skizziert Kent Haruf die Abgründe der menschlicher Natur. In diesem Buch gefällt mir besonders die Stärke und Unabhängigkeit der verlassenen Frau, die für diese Zeit und den Kulturraum feministische Meilensteine setzt.

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