Das Buch der Stunde: Warum Ausgrenzung und Vorurteile so schwer zu überwinden sind.
Die gute Nachricht ist, dass wir uns in jedem Moment dafür entscheiden können, antirassistisch zu handeln. Denn »rassistisch« und »antirassistisch« sind keine festgeschriebenen Identitäten, und wir können unsere Haltung jederzeit ändern. In seinem »New York Times«-Nummer-1-Bestseller behauptet Ibram X. Kendi, Historiker, Professor an der Boston University, Schwarz, auch von sich selbst, früher Rassist gewesen zu sein. In seinem so brillanten wie mitreißenden Buch zeigt er anhand der eigenen Geschichte, dass Neutralität im Kampf gegen Rassismus keine Option ist: Wir sind in unserer Ignoranz so lange Teil des Problems, bis wir Teil der Lösung werden und aktiv antirassistisch handeln. Kendi entwirft ein grundlegend neues Verständnis von Rassismus - was er ist, wo er sich verbirgt, wie er zu identifizieren ist und was wir dagegen tun können. Denn wir sind entweder rassistisch oder antirassistisch, dazwischen gibt es nichts. Es reicht deshalb nicht, kein Rassist zu sein, wir müssen alle Antirassisten werden.
Eindrucksvoll beschreibt Ibram X. Kendi seinen persönlichen Weg zum Antirassismus. Theorie und persönliche Reflektion verweben sich zu einem Ganzen und zeigen einen Weg voller persönlicher Fehler und Schwächen. Man hätte schwerlich deutlicher darstellen können, dass Antirassismus ein mühevoller und nie Ende der Prozess ist...
Dennoch ein Buch, das Kraft und Zuversicht schenkt und eine absolute Empfehlung!
Nov 26, 2022
5.0
Eindrucksvoll beschreibt Ibram X. Kendi seinen persönlichen Weg zum Antirassismus. Theorie und persönliche Reflektion verweben sich zu einem Ganzen und zeigen einen Weg voller persönlicher Fehler und Schwächen. Man hätte schwerlich deutlicher darstellen können, dass Antirassismus ein mühevoller und nie Ende der Prozess ist...
Dennoch ein Buch, das Kraft und Zuversicht schenkt und eine absolute Empfehlung!
4 Sterne (Rezensionsexemplar)
In How to Be An Antiracist liefert Ibram X. Kendi einen umfassenden Überblick über relevante Konzepte, Begriffe, Statistiken und Strukturen der Rassismusthematik. Daher eignet sich das Buch denke ich für Interessierte sehr gut als Einstieg. Vor allem, weil Kendi immer wieder autobiografischen Anekdoten einbaut, wodurch das Buch auch eine mitreißende emotionale und persönliche Komponente kriegt (z.B. Kendis eigene Krebserkrankung und die Krebserkrankung seiner Frau).
Kendis Ausgangspunkt ist natürlich sein eigenes geografisches Umfeld, die USA (Inhalte des Buchs sind u.a. Rasse/Ethnie, Biologie, Polizeibrutalität, Benachteiligungen im Wahlsystem, Colorismus u.v.m.).
Zum Glück berücksichtigt er auf überzeugende Weise, wie Rassismus oftmals intersektional mit anderen diskriminierenden Merkmalen verstärkt wird (Geschlecht, Religion, sozioökonomische Herkunft, Sexualität etc.).
Kendis Hauptthese hat mich konfrontiert und zur Selbstreflexion eingeladen: Er sagt, entweder man sei rassistisch oder anti-rassistisch. Ein „nicht rassistisch“ gäbe es nicht, aber Individuen können situationsbezogen mal rassistisch oder anti-rassistisch sein.
Ziemlich beeindruckend fand ich Kendis bemerkenswerte Gratwanderung zwischen seiner eigenen biografisch begründeten und verständlichen Wut aufs System und seinem Drang, trotzdem im Dialog zu bleiben und aufzuklären. Teilweise habe ich das Buch als englisches Hörbuch konsumiert, was der Autor selbst liest. Nochmal ein besonderer Genuss.
Jan 4, 2024
4.0
4 Sterne (Rezensionsexemplar)
In How to Be An Antiracist liefert Ibram X. Kendi einen umfassenden Überblick über relevante Konzepte, Begriffe, Statistiken und Strukturen der Rassismusthematik. Daher eignet sich das Buch denke ich für Interessierte sehr gut als Einstieg. Vor allem, weil Kendi immer wieder autobiografischen Anekdoten einbaut, wodurch das Buch auch eine mitreißende emotionale und persönliche Komponente kriegt (z.B. Kendis eigene Krebserkrankung und die Krebserkrankung seiner Frau).
Kendis Ausgangspunkt ist natürlich sein eigenes geografisches Umfeld, die USA (Inhalte des Buchs sind u.a. Rasse/Ethnie, Biologie, Polizeibrutalität, Benachteiligungen im Wahlsystem, Colorismus u.v.m.).
Zum Glück berücksichtigt er auf überzeugende Weise, wie Rassismus oftmals intersektional mit anderen diskriminierenden Merkmalen verstärkt wird (Geschlecht, Religion, sozioökonomische Herkunft, Sexualität etc.).
Kendis Hauptthese hat mich konfrontiert und zur Selbstreflexion eingeladen: Er sagt, entweder man sei rassistisch oder anti-rassistisch. Ein „nicht rassistisch“ gäbe es nicht, aber Individuen können situationsbezogen mal rassistisch oder anti-rassistisch sein.
Ziemlich beeindruckend fand ich Kendis bemerkenswerte Gratwanderung zwischen seiner eigenen biografisch begründeten und verständlichen Wut aufs System und seinem Drang, trotzdem im Dialog zu bleiben und aufzuklären. Teilweise habe ich das Buch als englisches Hörbuch konsumiert, was der Autor selbst liest. Nochmal ein besonderer Genuss.
Könnt ihr euch noch an die großen Proteste zum Thema Black Lives Matter erinnern, die im Frühjahr überall in Europa stattgefunden haben? Im Mai habe ich meinen Bewerbungsartikel für einen Journalismuskurs darüber geschrieben und während dem letzten Lockdown habe ich eine Schulung über Antirassismus besucht. Bei den Protesten selbst war ich aber nicht dabei - da war mir das Risiko zu groß, dass ich mich dort mit Corona anstecke und das dann an die Leute weitergebe, die ich liebe. Also keine Demo für mich. Das Thema finde ich aber trotzdem wichtig, deswegen habe ich beschlossen, mich auf meine Art damit zu beschäftigen: Indem ich Bücher darüber lese und hier darüber schreibe. Da kommen im Moment ja eh ein paar gute raus. Dieses hier zum Beispiel!
Was mich an diesem Buch besonders überrascht hat, war wie offen der Autor sich als ehemaliger Rassist outet. Und das, obwohl er eine Person of Colour ist und gerade ein Buch gegen Rassismus herausgegeben hat! Das hat mich wirklich überrascht. Klar ist es logisch, dass auch nicht-weiße Personen Rassismus verinnerlichen und rassistisch handeln können, jetzt nach diesem Buch sowieso, aber überrascht hat es mich trotzdem. Natürlich macht es das nicht besser, wenn jemand rassistisch denkt oder handelt oder mir auffällt, dass ich einen rassistischen Gedanken habe oder in Stereotypen denke, aber irgendwie motiviert es mich, an mir zu arbeiten. Es zeigt halt einfach, dass auch der Autor ein Mensch ist, der an sich arbeiten muss und dass man sich immer weiterentwickeln kann.
Insgesamt gibt der Autor sehr viel über sein eigenes Leben preis. Über einen Redewettbewerb, an dem er mit einer rassistischen Rede teilgenommen hat, über seine Schulzeit und sein Leben an der Uni und als Professor, über seine Krebserkrankung,... Das fand ich spannend, denn durch diese Episoden zeigt Kendi auch eindrucksvoll, wie sich Rassismus auf ein Individuum auswirken kann.
In diesem Buch findet ihr massenhaft Fakten, die die Auswirkungen von Rassismus zeigen und mit denen ihr rassistische Parolen widerlegen könnt. Es geht um Bildung, um Gender und Sexualität, um Arbeitslosigkeit und so weiter und so weiter. Gerade Politik und die Geschichte der USA spielen eine große Rolle. Die Sprache ist einfach gehalten, sodass der Text für die meisten Leute gut verständlich sein müsste. Was mir noch gefehlt hat, waren Handlungsanweisungen. Wie kann ich am besten daran mitarbeiten, diese Welt zu einer antirassistischen zu machen? Welche Warnzeichnen für Rassismus nehme ich als weiße Person vielleicht nicht wahr, die ich aber unbedingt sehen und ansprechen sollte? Aber naja, das kann der Autor ja vielleicht noch in einem weiteren Buch klären!
Mein Fazit? Ein spannendes Buch zu einem wichtigen und aktuellen Thema!
Dec 27, 2023
4.0
Könnt ihr euch noch an die großen Proteste zum Thema Black Lives Matter erinnern, die im Frühjahr überall in Europa stattgefunden haben? Im Mai habe ich meinen Bewerbungsartikel für einen Journalismuskurs darüber geschrieben und während dem letzten Lockdown habe ich eine Schulung über Antirassismus besucht. Bei den Protesten selbst war ich aber nicht dabei - da war mir das Risiko zu groß, dass ich mich dort mit Corona anstecke und das dann an die Leute weitergebe, die ich liebe. Also keine Demo für mich. Das Thema finde ich aber trotzdem wichtig, deswegen habe ich beschlossen, mich auf meine Art damit zu beschäftigen: Indem ich Bücher darüber lese und hier darüber schreibe. Da kommen im Moment ja eh ein paar gute raus. Dieses hier zum Beispiel!
Was mich an diesem Buch besonders überrascht hat, war wie offen der Autor sich als ehemaliger Rassist outet. Und das, obwohl er eine Person of Colour ist und gerade ein Buch gegen Rassismus herausgegeben hat! Das hat mich wirklich überrascht. Klar ist es logisch, dass auch nicht-weiße Personen Rassismus verinnerlichen und rassistisch handeln können, jetzt nach diesem Buch sowieso, aber überrascht hat es mich trotzdem. Natürlich macht es das nicht besser, wenn jemand rassistisch denkt oder handelt oder mir auffällt, dass ich einen rassistischen Gedanken habe oder in Stereotypen denke, aber irgendwie motiviert es mich, an mir zu arbeiten. Es zeigt halt einfach, dass auch der Autor ein Mensch ist, der an sich arbeiten muss und dass man sich immer weiterentwickeln kann.
Insgesamt gibt der Autor sehr viel über sein eigenes Leben preis. Über einen Redewettbewerb, an dem er mit einer rassistischen Rede teilgenommen hat, über seine Schulzeit und sein Leben an der Uni und als Professor, über seine Krebserkrankung,... Das fand ich spannend, denn durch diese Episoden zeigt Kendi auch eindrucksvoll, wie sich Rassismus auf ein Individuum auswirken kann.
In diesem Buch findet ihr massenhaft Fakten, die die Auswirkungen von Rassismus zeigen und mit denen ihr rassistische Parolen widerlegen könnt. Es geht um Bildung, um Gender und Sexualität, um Arbeitslosigkeit und so weiter und so weiter. Gerade Politik und die Geschichte der USA spielen eine große Rolle. Die Sprache ist einfach gehalten, sodass der Text für die meisten Leute gut verständlich sein müsste. Was mir noch gefehlt hat, waren Handlungsanweisungen. Wie kann ich am besten daran mitarbeiten, diese Welt zu einer antirassistischen zu machen? Welche Warnzeichnen für Rassismus nehme ich als weiße Person vielleicht nicht wahr, die ich aber unbedingt sehen und ansprechen sollte? Aber naja, das kann der Autor ja vielleicht noch in einem weiteren Buch klären!
Mein Fazit? Ein spannendes Buch zu einem wichtigen und aktuellen Thema!
Dec 27, 2023
3 of 5 reviews
Author
About Ibram X. Kendi
Ibram X. Kendi, geboren 1982 in New York, ist Gründungsdirektor des Antiracist Research and Policy Center, Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen und er hat die renommierte Andrew-W.-Mellon-Professur in the Humanities an der Boston University inne, die als besondere Auszeichnung für akademische und gesellschaftliche Leistung gilt und seit ihrer Gründung 1973 nur von Elie Wiesel besetzt war. Für sein Buch »Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika« erhielt er 2016 den National Book Award. »How to Be an Antiracist«, sein viel beachtetes Standardwerk zum Thema Antirassismus, war ein New-York-Times-Nummer-1-Bestseller, in dem er anhand seiner eigenen Lebensgeschichte die Mechanismen von Rassismus sichtbar macht und nicht weniger als die radikale Neuorientierung unseres Bewusstseins fordert.