Wes Anderson on Stefan Zweig: "I had never heard of Zweig...when I just more or less by chance bought a copy of Beware of Pity. I loved this first book. I also read the The Post-Office Girl. The Grand Budapest Hotel has elements that were sort of stolen from both these books. Two characters in our story are vaguely meant to represent Zweig himself -- our "Author" character, played by Tom Wilkinson, and the theoretically fictionalised version of himself, played by Jude Law. But, in fact, M. Gustave, the main character who is played by Ralph Fiennes, is modelled significantly on Zweig as well.""Stefan Zweig was a dark and unorthodox artist; it's good to have him back."--Salman RushdieThe great Austrian writer Stefan Zweig was a master anatomist of the deceitful heart, and Beware of Pity, the only novel he published during his lifetime, uncovers the seed of selfishness within even the finest of feelings.Hofmiller, an Austro-Hungarian cavalry officer stationed at the edge of the empire, is invited to a party at the home of a rich local landowner, a world away from the dreary routine of the barracks. The surroundings are glamorous, wine flows freely, and the exhilarated young Hofmiller asks his host's lovely daughter for a dance, only to discover that sickness has left her painfully crippled. It is a minor blunder that will destroy his life, as pity and guilt gradually implicate him in a well-meaning but tragically wrongheaded plot to restore the unhappy invalid to health.
Auch hier schafft es Stefan Zweig mal wieder psychologische Einsichten in Seelenleben mit der ihm eigenen wunderschönen Sprache wiederzugeben. Er erzählt so detailreich und differenziert, vor allem die Beschreibungen der Gefühlswelt, die Zerrissenheit des Protagonisten, der Zwiespalt mit dem er hadert... Zweig trifft die Gefühle und innere Auseinandersetzung sprachlich so genau, wie man sie selbst wahrscheinlich nie in Worte fassen könnte. Die Geschichte an sich ist sehr dramatisch und regt auch heute noch zum Nachdenken an. Ich bin sehr begeistert und kann das Buch nur jedem ans Herz legen.
Jul 25, 2025
5.0
Auch hier schafft es Stefan Zweig mal wieder psychologische Einsichten in Seelenleben mit der ihm eigenen wunderschönen Sprache wiederzugeben. Er erzählt so detailreich und differenziert, vor allem die Beschreibungen der Gefühlswelt, die Zerrissenheit des Protagonisten, der Zwiespalt mit dem er hadert... Zweig trifft die Gefühle und innere Auseinandersetzung sprachlich so genau, wie man sie selbst wahrscheinlich nie in Worte fassen könnte. Die Geschichte an sich ist sehr dramatisch und regt auch heute noch zum Nachdenken an. Ich bin sehr begeistert und kann das Buch nur jedem ans Herz legen.
Stefan Zweigs einziger Roman ist, wie auch seine Kurzgeschichten, ein ewiges Auf und Ab der Emotionen. In kurzer Form funktioniert das sehr gut, in Romanform wird es ein wenig ermüdend.
Als vorherrschendes und auch titelgebendes Thema wählt Zweig Mitleid. Dabei zeigt er zwei Formen des Mitleids auf die sich psychologisch grundlegend voneinander unterscheiden, für die es jedoch zumindest in der deutschen Sprache keine entsprechenden Bezeichnungen gibt.
Die ehrliche Variante befähigt mit einem anderen Menschen mitzuleiden, sein Leid nicht nur zu erfassen sondern auch mitzuempfinden und kann vielleicht am besten als Mitgefühl beschrieben werden. Das andere Mitleid dient lediglich dazu sich selbst ein besseres Gewissen zu verschaffen. Man möchte sich nicht schuldig fühlen da man selbst viel besser dran ist als die bemitleidenswerte Person. Um sich selbst möglichst schnell von dieser Schuld zu befreien, drängt sich Mitleid auf. Es hat demnach eine zutiefst egoistische Motivation. In Ermangelung eines äquivalenten Wortes bezeichnet Zweig dies als Ungeduld des Herzens. Soweit ich das verstanden habe, handelt es sich hier um ein Paradebeispiel für ein Homonym.
Es drängt sich den Lesern die Frage auf, wie oft man selbst ehrliches Mitgefühl oder doch eher die Ungeduld des Herzens empfindet.
Allein diese Überlegungen machen den Roman hochinteressant.
Die beiden Hauptcharaktere des Romans, Anton und Edith, stellen sich sehr gegensätzlich dar. Edith erscheint sehr emotional und forsch. Sie verfügt offenbar über wenig Selbstkontrolle wodurch sie zu häufigen Gefühlsausbrüchen neigt. Gleichzeitig ist sie dadurch aber grundehrlich und die einzige Person die sich nicht verstellt. Sie ist gelähmt und damit eine Gefangene des Rollstuhls, paradoxerweise ist sie im Ausleben ihrer Emotionen viel freier als alle anderen.
Anton erscheint anfangs charakterlich viel gefestigter und ausgeglichener, jedoch wird im weiteren Verlauf ersichtlich, dass er innerlich viel unsicherer und wankelmütiger ist als Edith. Er macht sich abhängig von der Meinung anderer Leute und verhält sich besonders Edith gegenüber linkisch und unaufrichtig. Nun hat er gesellschaftlich lange nicht den Stand wie die Familie Kekesfalva und strebt nach einer höheren Position. Die möchte er sich selbst erarbeiten und nicht unehrlich durch eine reiche Heirat mit Edith erhalten. Besonders da Kekesfalvas jüdische Herkunft und die Art und Weise wie er zu Reichtum gekommen ist, gesellschaftlich verpönt sind. Dabei übersieht er, dass es keine ehrliche Alternative gibt einen höheren Status zu erlangen.
Anton lässt sich von der Familie Kekesfalva verwöhnen und als Retter, ja sogar als Gott feiern. Er vermag jedoch weder eine Zuneigung vorzuspielen die er nicht empfindet, noch echtes Mitgefühl aufzubringen. Zu spät setzt letzteres ein und schließlich zieht er in den ersten Weltkrieg um seine Schuld zu betäuben. Da massenhafter Mord im Krieg gesellschaftlich anerkannt, ja sogar gefeiert wird, hofft er diesen einen Mord vergessen und vertuschen zu können.
Es handelt sich nur oberflächlich um eine Liebesgeschichte wie sie so ähnlich schon oft erzählt wurde. Doch Zweig beschreibt kein einziges Mal das Gefühl der Liebe, sondern die Angst vor der Liebe einer anderen Person und die Konsequenzen einer Empfindung die aus Unehrlichkeit erwächst.
Das ganze gleitet stellenweise zu stark ins melodramatische ab und hätte für mich in kürzerer Form besser funktioniert. So wird man als Leser ständig durch die Gefühlsmühle gedreht. Der sich abwechselnd selbstbemitleidende und selbstbeweihräuchernde Anton, sowie die emotional instabile und verwöhnte Edith, verlangen den Lesenden einiges an Nerven ab. Der große Knall kam erstaunlich spät, trotzdem er sich schon früh abzeichnet.
Insgesamt sehr interessant und lesenswert, aber Zweigs Kurzgeschichten haben mich mehr überzeugt.
Mar 9, 2024
3.5
Stefan Zweigs einziger Roman ist, wie auch seine Kurzgeschichten, ein ewiges Auf und Ab der Emotionen. In kurzer Form funktioniert das sehr gut, in Romanform wird es ein wenig ermüdend.
Als vorherrschendes und auch titelgebendes Thema wählt Zweig Mitleid. Dabei zeigt er zwei Formen des Mitleids auf die sich psychologisch grundlegend voneinander unterscheiden, für die es jedoch zumindest in der deutschen Sprache keine entsprechenden Bezeichnungen gibt.
Die ehrliche Variante befähigt mit einem anderen Menschen mitzuleiden, sein Leid nicht nur zu erfassen sondern auch mitzuempfinden und kann vielleicht am besten als Mitgefühl beschrieben werden. Das andere Mitleid dient lediglich dazu sich selbst ein besseres Gewissen zu verschaffen. Man möchte sich nicht schuldig fühlen da man selbst viel besser dran ist als die bemitleidenswerte Person. Um sich selbst möglichst schnell von dieser Schuld zu befreien, drängt sich Mitleid auf. Es hat demnach eine zutiefst egoistische Motivation. In Ermangelung eines äquivalenten Wortes bezeichnet Zweig dies als Ungeduld des Herzens. Soweit ich das verstanden habe, handelt es sich hier um ein Paradebeispiel für ein Homonym.
Es drängt sich den Lesern die Frage auf, wie oft man selbst ehrliches Mitgefühl oder doch eher die Ungeduld des Herzens empfindet.
Allein diese Überlegungen machen den Roman hochinteressant.
Die beiden Hauptcharaktere des Romans, Anton und Edith, stellen sich sehr gegensätzlich dar. Edith erscheint sehr emotional und forsch. Sie verfügt offenbar über wenig Selbstkontrolle wodurch sie zu häufigen Gefühlsausbrüchen neigt. Gleichzeitig ist sie dadurch aber grundehrlich und die einzige Person die sich nicht verstellt. Sie ist gelähmt und damit eine Gefangene des Rollstuhls, paradoxerweise ist sie im Ausleben ihrer Emotionen viel freier als alle anderen.
Anton erscheint anfangs charakterlich viel gefestigter und ausgeglichener, jedoch wird im weiteren Verlauf ersichtlich, dass er innerlich viel unsicherer und wankelmütiger ist als Edith. Er macht sich abhängig von der Meinung anderer Leute und verhält sich besonders Edith gegenüber linkisch und unaufrichtig. Nun hat er gesellschaftlich lange nicht den Stand wie die Familie Kekesfalva und strebt nach einer höheren Position. Die möchte er sich selbst erarbeiten und nicht unehrlich durch eine reiche Heirat mit Edith erhalten. Besonders da Kekesfalvas jüdische Herkunft und die Art und Weise wie er zu Reichtum gekommen ist, gesellschaftlich verpönt sind. Dabei übersieht er, dass es keine ehrliche Alternative gibt einen höheren Status zu erlangen.
Anton lässt sich von der Familie Kekesfalva verwöhnen und als Retter, ja sogar als Gott feiern. Er vermag jedoch weder eine Zuneigung vorzuspielen die er nicht empfindet, noch echtes Mitgefühl aufzubringen. Zu spät setzt letzteres ein und schließlich zieht er in den ersten Weltkrieg um seine Schuld zu betäuben. Da massenhafter Mord im Krieg gesellschaftlich anerkannt, ja sogar gefeiert wird, hofft er diesen einen Mord vergessen und vertuschen zu können.
Es handelt sich nur oberflächlich um eine Liebesgeschichte wie sie so ähnlich schon oft erzählt wurde. Doch Zweig beschreibt kein einziges Mal das Gefühl der Liebe, sondern die Angst vor der Liebe einer anderen Person und die Konsequenzen einer Empfindung die aus Unehrlichkeit erwächst.
Das ganze gleitet stellenweise zu stark ins melodramatische ab und hätte für mich in kürzerer Form besser funktioniert. So wird man als Leser ständig durch die Gefühlsmühle gedreht. Der sich abwechselnd selbstbemitleidende und selbstbeweihräuchernde Anton, sowie die emotional instabile und verwöhnte Edith, verlangen den Lesenden einiges an Nerven ab. Der große Knall kam erstaunlich spät, trotzdem er sich schon früh abzeichnet.
Insgesamt sehr interessant und lesenswert, aber Zweigs Kurzgeschichten haben mich mehr überzeugt.