Juli, August, September
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Description
Book Information
Author Description
Olga Grjasnowa, geboren in Baku, Aserbaidschan. Sie lebt als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, der Türkei, den USA und Israel. Sie hat bislang einen Essay und vier Romane veröffentlicht, zuletzt 2020 "Der verlorene Sohn". Ihre Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt, fürs Radio und die Bühne adaptiert und verfilmt.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
3 Monate im Leben von Lou
Lou lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin, aber es scheint als fehlen ihr Dinge in ihrem Leben. Ihre Karriere, ihre Wurzeln und Antworten auf wichtige Fragen in ihrer Familie. Ich mochte das Buch wirklich gerne, weil man so flüssig durch lesen kann. Aber es gab mir zu viele lose Ende und zu wenige Abschlüsse der einzelnen Themen. Vielleicht hat die Autorin das bewusst so gemacht, damit man nach dem Buch noch weiter darüber nachdenkt. Aber mir hat ein wenig ein großer Ganzes gefehlt, dass alle Fäden zusammen bringt.
„Juden haben keine Wurzeln. Juden haben Beine.“ Ein kluges, vor allem ein sprachgewaltiges Buch! Lou, die Protagonistin, auf der Suche nach Identität. Die Schatten der Geschichte ihrer jüdischen Herkunft verfolgen sie. Und dann noch ihr Mann Sergej, der unkonventionelle Pianist – chaotisch, faszinierend und mit der Feinfühligkeit eines Elefanten in Bezug auf Lous Zugehörigkeitsdilemma. Grjasnowa schreibt mit Schärfe und wohltuendem Sarkasmus. Sie nimmt uns mit in die widersprüchlichen Dynamiken jüdischer Familienzusammenkünfte, absurd und von außen sehr amüsant. All-Inclusive-Urlaube, mit einem Augenzwinkern. Und immer wieder: der Holocaust. Schmerzhaft, sehr einfühlsam verwebt. Die Erzählung erzeugt Sogeffekt. Zum Schluss der Wendepunkt. Ein Anflug von Frieden, wirklich fein inszeniert. Und ein Ende, das nicht alles beantwortet. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für mich! ‚Juli, August, September‘ ist ein Gewinn zu lesen. Es verhandelt gewichtige Themen mit großer Leichtigkeit und hallt lange nach.

Grandiose Dialoge und eine berührende Authentizität 💛
„Die Wahrheit war ein großes Konzept und vor allem eine zu abwegige Vokabel für das, was ich von Maya hören wollte. Die Fakten waren mir seit Kurzem ohnehin mehr oder weniger bekannt. Vielleicht waren die Gespräche mit Maya auch nur ein Vorwand, um für ein paar Tage meinem Leben zu entkommen.“ (S. 147) 🫧 Um wen geht’s? Um Lou. Lou ist Ehefrau, Mutter, Tochter, Jüdin und noch so vieles mehr, doch vor allem ist sie eines - verloren. Das wird ihr in einem heruntergekommenen Resort auf Gran Canaria klar, als sie sich umgeben von Verwandten einsamer denn je fühlt. Diese Reise wirft Fragen auf - zur Vergangenheit, Zukunft und vor allem danach, wer wir unabhängig von ihnen eigentlich sind und wohin wir wollen. 🫧 Meine Meinung Das hier war mein erstes Buch von @olga_grjasnowa und ich bin von nun an ein großer Fan ihres Stils - zynisch und so tragisch-komisch, wie er mir noch nirgendwo anders begegnet ist. Die Geschichte kommt als unaufgeregte Erzählung daher, doch zwischen den Zeilen und in all den ungesagten Worten verbergen sich ganze Leben und eine bleierne Schwere. Ich, 1991 in Sibirien geboren, konnte mich sehr gut in die Protagonistin Lou einfühlen. Die vielen Dialoge waren messerscharf und oft urkomisch, insbesondere die zwischen den Generationen. Wie Lou versuchte, ihren Platz zwischen all den Labels und ungefragten Ratschlägen zu finden und sich selbst (und ihre Ehe) dabei nicht mehr und mehr zu verlieren, war nahbar. Die Erzählungen von Israel waren es. Die Rollenbilder und wie Lou sie hinterfragte, wie sie nach und nach bröckelten und aufbrachen und kaputtgingen, war unendlich nahbar. 🫧 Fazit „Juli, August, September“ malt das Porträt einer Frau, in der ich mich wiedergefunden habe. Unaufgeregt und echt. Es lebt nicht vom großen Spannungsbogen, doch in jedem Moment von seinen grandiosen Dialogen und einer berührenden Authentizität.

Emotionslose Banalitäten
Ich hatte hier einen Roman erwartet, der auf die sozialen, kulturellen und politischen Themen der russisch stämmigen Juden aufmerksam macht und mir gleichzeitig augenzwinkernd und mit einer Prise Humor die Traditionen näher bringt. Leider waren es für mich viele Banalitäten, keine der Figuren war mir wirklich sympathisch und der kalte, distanziere Schreibstil lies keine Bindung zu den Charakteren zu. Zudem sind mir hier einfach zu viele Fragen offen geblieben.
Feiner Schreibstil, interessante Charaktere und Geschichte.
Hier kommt ein wahrer Lesegenuss, der nicht nur durch seinen packenden Stil überzeugt, sondern auch tiefgründige Themen behandelt. Grjasnowa schafft es, den jüdischen Glauben, ein oft schwieriges und komplexes Thema, auf eine Weise in die Geschichte zu integrieren, die sowohl einfühlsam als auch erhellend ist. Sie nähert sich dem Thema mit großer Sensibilität und verleiht den Figuren dabei eine beeindruckende Tiefe. Gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel, die das Lesen ungemein flüssig und angenehm gestalten. Ohne große und verwirrende Zeitsprünge bleibt die Handlung stets gut nachvollziehbar. Dies ermöglicht es, sich voll und ganz auf die Geschichte und die tiefgründigen Charaktere einzulassen. Die klare Struktur und der feine Schreibstil machen es zu einem Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann. Es ist ein Werk, das noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr von dieser talentierten Autorin macht. Ein absolut empfehlenswertes Buch!
»Liebe und Zuneigung wurden in unserer Familie ausschließlich durchs Essen ausgedrückt. Vielleicht lag es daran, dass Eltern und Kinder sich selten eine Muttersprache teilten, und vielleicht auch daran, dass uns das Sprechen nur für Kritik und überzogene Erwartungen diente. Aber das Essen wurde nie kritisiert. « S. 83 Die promovierte Kunsthistorikerin und Galeristin Lou (Ludmilla) lebt mit ihrem Ehemann und Konzertpianistin Sergej und der gemeinsamen 5-jährigen Tochter Rosa in Berlin. Sergej entzieht sich sehr oft der Familie und stellt das Klavierspiel über alles. Als Rosa bei einer Freundin ein Buch über Anne Frank vorgelesen bekommt, fängt Lou an, ihre Identität zu hinterfragen. Wie jüdisch sind sie als Familie, wenn Rosa noch nie in der Synagoge war? Was bedeutet ‚Jüdisch sein‘ und sowjetische Abstammung heutzutage und vor allem in Deutschland? Zu diesem Identitätskonflikt und unausgesprochenen Eheproblemen kommt der 90-Geburtstag ihrer Großtante Maya hinzu, den diesen mit der ganzen Familie in Gran Canaria feiert. Auf der Suche nach Antworten beschließt Lou gemeinsam mit Tochter Rosa und ihrer Mutter an der Familienfeier teilzunehmen. Die gewünschten Antworten findet Lou dort nicht, und reist kurzerhand ihrem Familienteil nach Israel nach. Kann sie hier finden, was sie zu Suchen glaubt? »»Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen.«« Lou zu Sergej, S. 182 In ihrem neuen Roman »JULI AUGUST SEPTEMBER« erzählt die Professorin & Autorin Olga Grjasnowa von dem Gefühl DAZWISCHEN zu sein: Zwischen Identität, Jüdisch-Sein, Familie, Liebe, Ehe, Frauen, Mutterschaft, Kindsverlust, Muttersprache. In drei Teilen: JULI (in Berlin), AUGUST (auf Gran Canaria) und SEPTEMBER (glühend heißer Boden in Israel) tauchen wir in die Gedanken- und Gefühlswelt von Lou ein und begleiten sie durch diesen schier nicht enden wollenden Sommer, auf den ja, was eigentlich folgt? Es ist ein kurzes Buch, dass das Gefühl der Zerrissenheit der Protagonistin sehr gut transportiert, ein Puzzle aus Ungesagtem und Interpretationen in Familien zeigt, Leerstellen offen lässt und dabei sehr aktuelle Fragen in den Vordergrund stellt. Dennoch waren die Eifersucht, Kindsverlust und Fragmente dieses Ehekonfliktes mir mit dem Identitätskonflikt und familiärere Spurensuche fast zu viele Themen, um sie passend in dieser Kürze verhandeln zu können. »JULI AUGUST SEPTEMBER« ein vielseitiges, feines, stellenweise humorvoll-zynisches Buch. [CN: Kindsverlust, Alkoholkonsum] 3.5 / 5 ★

Ludmilla, Lou, lebt in Berlin mit Mann und Kind. Bisher haben ihre jüdischen Wurzeln ihr nicht viel bedeutet. Nun, nach einer Frage ihrer Tochter zum Judentum, fängt sie an ihre Identität zu suchen. Und gibt es noch Hoffnung für ihrer eigene Ehe? Unzufrieden mit ihrem Leben sucht sie ihren Rollen als Ehefrau, Mutter, Jüdin, Tochter, Frau. Auch die Verluste in ihrem Leben gilt es zu verarbeiten. Die andere Hälfte ihrer Familie lebt in Israel. Doch was ist wahr von den Geschichten der russischen Vergangenheit der Familie? Sie trifft ihre Verwandten und reist nach Israel, um Ordnung in ihre Gedanken zu bringen und auch Orientierung für ihr Leben zu finden. Die Entfremdung innerhalb der Familie nach mehreren Generationen wird sichtbar, obwohl ein Zusammengehörigkeisgefühl da, aber nicht tief ist. Probleme, die wahrgenommen und erkannt werden, über die innerhalb der Familie nicht gesprochen wird. Vergangenes, das immer noch das Heute beeinflusst. Trotzdem: Herkunft ist wichtig. Dabei erkennt sie: »Vielleicht solltest du nicht in der Vergangenheit nach Antworten auf deine Fragen suchen.« Doch das Verständnis der Vergangenheit hilft, obwohl vieles vage bleibt und die Zukunft offen vor ihr liegt. Auch kurze Impulse zur heutigen politischen Lage finden wir im Text harmonisch eingewoben. »Rita, wenn dein Held Selenskyj verliert, sind die Juden wieder schuld, ist dir das klar? Dann sagen wieder alle, der Jude hat uns da reingezogen, der Jude hat den Krieg verloren.« Mir haben Schreibstilund Geschichte gefallen, glaubhaft und nachvollziehbar. Auch die Zerrissenheit von Lou konnte man gut spüren. »Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen.« Und über allem lag die Melancholie, die häufig in jüdischer und russischer Literatur spürbar ist. Lesenswert.
4,5 Dieses Buch fühlt sich an, wie eine lange Verabschiedung, Juli, August, September, wie eine lange Verabschiedung vom Sommer. Olga Grjasnowa schreibt eine Familiengeschichte, oder eine Frauengeschichte, oder eine über Generationen, die Geschichte einer Mutter? Eine Liebesgeschichte? Es ist ein Alles und von allem ein bisschen. Unfassbar aktuell und gleichzeitig so tief in alte Zeiten getaucht. Alles ist wild und durcheinander und fern und so nah dran. So gerne ich weiter gelesen hätte, so sehr finde ich auch, dass das Buch die perfekte Kürze hat. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, aber so ist das eben, wenn der Sommer zu Ende geht, sind da immer noch so viele Dinge, die noch getan, gefühlt werden wollten. Und wenn Familien fragen, bleibt immer etwas ungesagt. Mit anderen Worten: Ich habs geliebt.
Olga Grjasnowas Roman „Juli, August, September" ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Suche nach Identität, Zugehörigkeit und familiären Wurzeln. Die Protagonistin Ludmilla, genannt Lou, ringt als Tochter jüdischer Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland mit Fragen zur eigenen Identität und Tradition. Mit einem zurückhaltend säkularen Ansatz lebt sie in Berlin mit ihrer kleinen Tochter Rosa ihrem zweiten Ehemann Sergej, einem erfolgreichen, aber emotional distanzierten Pianisten. Nach einer Fehlgeburt nimmt Lou eine Auszeit von ihrer beruflichen Laufbahn und die Fassade des perfekt integrierten Lebens scheint für Lou immer mehr zu bröckeln. Als Lou sich mit ihrer Familie auf Gran Canaria trifft, um den 90. Geburtstag der Großtante Maya zu feiern, prallen nicht nur verschiedene Welten, sondern auch stark divergierende Familienerzählungen aufeinander, die Lous Unsicherheit und ihren inneren Zwiespalt verschärfen. Grjasnowa bringt die Zerrissenheit der Protagonistin meisterhaft zum Ausdruck und lässt Lou durch Begegnungen mit Verwandten erfahren, dass ihre eigene Familiengeschichte und ihre Erinnerungen an das jüdische Erbe alles andere als eindeutig sind. Die Wahrheit über die Verfolgung und das Überleben der Familie während des Holocausts wird in den Erzählungen verdichtet und verzerrt, und Lou muss feststellen, dass die Erinnerungen, die sie für „die Wahrheit“ hielt, in verschiedenen Versionen existieren. Gekonnt zeigt die Autorin, wie das Unsagbare und das Verdrängte zwischen den Generationen weitergetragen werden und wie die Lasten früherer Generationen auf den Schultern der Nachkommen ruhen. Grjasnowas Schreibstil glänzt durch seine Mischung aus Biss und Zynismus, die den oft schwierigen Themen eine frische Note verleihen. Die dichte, fast poetische Sprache sorgt dafür, dass die Lektüre auch in Momenten von Lous Zweifeln und innerer Anspannung einen angenehmen Rhythmus behält. Gleichzeitig verleiht sie der Erzählung eine Vielschichtigkeit, die das Nachdenken über Fragen jüdischer Identität und Erinnerungskultur anregt, ohne belehrend oder überfrachtet zu wirken. Lous Ausflug nach Israel bringt eine weitere interessante Ebene hinzu, da Lou sich hier nicht nur mit der komplexen Identität ihrer Familie, sondern auch mit ihrer eigenen Rolle als Mutter konfrontiert sieht. Wie will sie ihre Tochter erziehen? In einer jüdischen, russischen oder deutschen Tradition – und was bedeuten diese Traditionen wirklich in ihrem Leben? Grjasnowa greift damit eine sehr aktuelle Thematik auf, die sich zwischen den Polen von Assimilation, Erinnerung und Abgrenzung bewegt. „Juli, August, September" ist ein großartig geschriebener, eindrucksvoll vielschichtiger Roman, der auf sensible und fesselnde Weise Fragen zu Erinnerung, Identität und jüdischem Leben in Deutschland verhandelt. Der Roman bietet eine Vielzahl tiefgründiger Fragen und lädt zu einem Reflexionsprozess ein, der weit über das eigentliche Buch hinausgeht. Ein intensives Leseerlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Identitätssuche
Lou ist mit dem Konzertpianisten Sergej verheiratet. Sie sind kommen beide aus der ehemaligen Sowjetunion und sind beide jüdisch, auch wenn sie ein säkulares Leben führen. Ihre Ehe läuft nicht besonders gut und als ihre 5-jährige Tochter Rosa mit einem Buch über Anne Frank konfrontiert wird, fragt sich Lou nicht nur, was sie ihrer Tochter über ihre jüdische Identität vermitteln möchte, sondern fängt auch an ihre Identiät, ihre Familiengeschichte und ihr Selbstverständnis zu hinterfragen. Da kommt eine Einladung nach Gran Canaria zum 90. Geburtstag ihrer Tante, die zusammen mit der restlichen Familie in Tel Aviv wohnt, gerade recht... Olga Grjasnowas Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, ich bin geradezu durch die kurzen Kapitel gefolgen und habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Besonders gerne mochte ich das unterschwellig Zynische und den Humor, gerade bei den Begnungen mit der Familie musste ich oft schmunzeln und habe mich in das Haus meiner Schwiegerfamilie versetzt gefühlt. Ihre Figuren sind gut ausgearbeitet, interessant und vielschichtig. Ich konnte sie mir bildlich vorstellen. Die Beziehungsdynamiken innerhalb der Familie sind super dargestellt. Die Autorin lässt viele Fragen offen und regt den Leser dadurch zum Nachdenken an und lässt viel Spielraum für Interpretation. Mir war das an manchen Stellen etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass ein paar der angestupsten Themen weiter ausgeführt werden. Das Cover finde ich super ansprechend und nach der Lektüre ist es noch passender.
3 Monate im Leben von...
...ja von wem eigentlich? Da hätten wir auch den Knackpunkt. Ganz sicher ist es genau so gewollt, dass wir als Leserinnen nachher genau so viel schlauer sind wie die Protagonistin, nämlich gar nicht. Sicherlich könnte man da auf der Meta-Ebene auch viel hinein interpretieren. Aber ich bin ehrlicherweise ein Fan von Büchern, die einen Anfang haben und abgeschlossen werden. Es gab viele Momente, in dem Buch, die mein Interesse geweckt haben, wo ich dachte: Oh, das klingt spannend! Aber es waren dann immer nur Momente. Wie gesagt, es ist sicher genau so gewollt von der Autorin, dass hier nichts aufgelöst wird, aber für mich war es zu wenig gehaltvoll und zu sehr mäandernd. Von daher nur 3 Sterne.
Ich bin nicht richtig reingekommen ins Buch. Ob es am Schreibstil lag, oder an der Thematik oder an den Personen,… Ich konnte mich auf jeden Fall nicht auf den Roman einlassen, mir blieb zu viel ungesagt. Die Spannungen zwischen den Figuren hat man deutlich gespürt, das war sehr authentisch, aber auch schwer zu ertragen.
Anders erwartet
Lou, ihr Ehemann Sergej und ihre Tochter Rosa leben in Berlin. Alle gehören dem Judentum an ohne es wirklich zu leben. Sergej ist Konzertpianist und viel unterwegs sodas Lou sich die meiste Zeit um Rosa kümmert. Nach einem Schicksalsschlag bricht in Lou eine Welt zusammen. Durch den 90. Geburtstag ihrer Großtante werden zudem so viele Fragen zu ihrer Familiengeschichte aufgeworfen, auf die Lou unbedingt eine Antwort finden möchte. Als Rezensionsexemplar durfte ich den Roman Juli, August, September von Olga Grjasnowa lesen. Wer hier einen Roman über das jüdische Leben erwartet, der ist hier falsch. Meiner Meinung nach geht ehr darum wie eine Person mit einem Schicksalsschlag umgeht, welche Gräben sich dadurch zwischen Liebenden auftun können und wie man sich dadurch selber verlieren kann. Zudem wird im Ansatz versucht zu beschreiben, was weitervererbte Traumata und das Schweigen darüber mit dem Menschen macht. Ich muss sagen, dass ich auch etwas anderes erwartet hatte, doch bin ich nicht enttäuscht darüber. Auch wenn der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist, finde ich das der Roman doch tiefer geht.
Characteristics
2 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Olga Grjasnowa, geboren in Baku, Aserbaidschan. Sie lebt als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, der Türkei, den USA und Israel. Sie hat bislang einen Essay und vier Romane veröffentlicht, zuletzt 2020 "Der verlorene Sohn". Ihre Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt, fürs Radio und die Bühne adaptiert und verfilmt.
Posts
3 Monate im Leben von Lou
Lou lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin, aber es scheint als fehlen ihr Dinge in ihrem Leben. Ihre Karriere, ihre Wurzeln und Antworten auf wichtige Fragen in ihrer Familie. Ich mochte das Buch wirklich gerne, weil man so flüssig durch lesen kann. Aber es gab mir zu viele lose Ende und zu wenige Abschlüsse der einzelnen Themen. Vielleicht hat die Autorin das bewusst so gemacht, damit man nach dem Buch noch weiter darüber nachdenkt. Aber mir hat ein wenig ein großer Ganzes gefehlt, dass alle Fäden zusammen bringt.
„Juden haben keine Wurzeln. Juden haben Beine.“ Ein kluges, vor allem ein sprachgewaltiges Buch! Lou, die Protagonistin, auf der Suche nach Identität. Die Schatten der Geschichte ihrer jüdischen Herkunft verfolgen sie. Und dann noch ihr Mann Sergej, der unkonventionelle Pianist – chaotisch, faszinierend und mit der Feinfühligkeit eines Elefanten in Bezug auf Lous Zugehörigkeitsdilemma. Grjasnowa schreibt mit Schärfe und wohltuendem Sarkasmus. Sie nimmt uns mit in die widersprüchlichen Dynamiken jüdischer Familienzusammenkünfte, absurd und von außen sehr amüsant. All-Inclusive-Urlaube, mit einem Augenzwinkern. Und immer wieder: der Holocaust. Schmerzhaft, sehr einfühlsam verwebt. Die Erzählung erzeugt Sogeffekt. Zum Schluss der Wendepunkt. Ein Anflug von Frieden, wirklich fein inszeniert. Und ein Ende, das nicht alles beantwortet. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für mich! ‚Juli, August, September‘ ist ein Gewinn zu lesen. Es verhandelt gewichtige Themen mit großer Leichtigkeit und hallt lange nach.

Grandiose Dialoge und eine berührende Authentizität 💛
„Die Wahrheit war ein großes Konzept und vor allem eine zu abwegige Vokabel für das, was ich von Maya hören wollte. Die Fakten waren mir seit Kurzem ohnehin mehr oder weniger bekannt. Vielleicht waren die Gespräche mit Maya auch nur ein Vorwand, um für ein paar Tage meinem Leben zu entkommen.“ (S. 147) 🫧 Um wen geht’s? Um Lou. Lou ist Ehefrau, Mutter, Tochter, Jüdin und noch so vieles mehr, doch vor allem ist sie eines - verloren. Das wird ihr in einem heruntergekommenen Resort auf Gran Canaria klar, als sie sich umgeben von Verwandten einsamer denn je fühlt. Diese Reise wirft Fragen auf - zur Vergangenheit, Zukunft und vor allem danach, wer wir unabhängig von ihnen eigentlich sind und wohin wir wollen. 🫧 Meine Meinung Das hier war mein erstes Buch von @olga_grjasnowa und ich bin von nun an ein großer Fan ihres Stils - zynisch und so tragisch-komisch, wie er mir noch nirgendwo anders begegnet ist. Die Geschichte kommt als unaufgeregte Erzählung daher, doch zwischen den Zeilen und in all den ungesagten Worten verbergen sich ganze Leben und eine bleierne Schwere. Ich, 1991 in Sibirien geboren, konnte mich sehr gut in die Protagonistin Lou einfühlen. Die vielen Dialoge waren messerscharf und oft urkomisch, insbesondere die zwischen den Generationen. Wie Lou versuchte, ihren Platz zwischen all den Labels und ungefragten Ratschlägen zu finden und sich selbst (und ihre Ehe) dabei nicht mehr und mehr zu verlieren, war nahbar. Die Erzählungen von Israel waren es. Die Rollenbilder und wie Lou sie hinterfragte, wie sie nach und nach bröckelten und aufbrachen und kaputtgingen, war unendlich nahbar. 🫧 Fazit „Juli, August, September“ malt das Porträt einer Frau, in der ich mich wiedergefunden habe. Unaufgeregt und echt. Es lebt nicht vom großen Spannungsbogen, doch in jedem Moment von seinen grandiosen Dialogen und einer berührenden Authentizität.

Emotionslose Banalitäten
Ich hatte hier einen Roman erwartet, der auf die sozialen, kulturellen und politischen Themen der russisch stämmigen Juden aufmerksam macht und mir gleichzeitig augenzwinkernd und mit einer Prise Humor die Traditionen näher bringt. Leider waren es für mich viele Banalitäten, keine der Figuren war mir wirklich sympathisch und der kalte, distanziere Schreibstil lies keine Bindung zu den Charakteren zu. Zudem sind mir hier einfach zu viele Fragen offen geblieben.
Feiner Schreibstil, interessante Charaktere und Geschichte.
Hier kommt ein wahrer Lesegenuss, der nicht nur durch seinen packenden Stil überzeugt, sondern auch tiefgründige Themen behandelt. Grjasnowa schafft es, den jüdischen Glauben, ein oft schwieriges und komplexes Thema, auf eine Weise in die Geschichte zu integrieren, die sowohl einfühlsam als auch erhellend ist. Sie nähert sich dem Thema mit großer Sensibilität und verleiht den Figuren dabei eine beeindruckende Tiefe. Gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel, die das Lesen ungemein flüssig und angenehm gestalten. Ohne große und verwirrende Zeitsprünge bleibt die Handlung stets gut nachvollziehbar. Dies ermöglicht es, sich voll und ganz auf die Geschichte und die tiefgründigen Charaktere einzulassen. Die klare Struktur und der feine Schreibstil machen es zu einem Buch, das man nur schwer aus der Hand legen kann. Es ist ein Werk, das noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr von dieser talentierten Autorin macht. Ein absolut empfehlenswertes Buch!
»Liebe und Zuneigung wurden in unserer Familie ausschließlich durchs Essen ausgedrückt. Vielleicht lag es daran, dass Eltern und Kinder sich selten eine Muttersprache teilten, und vielleicht auch daran, dass uns das Sprechen nur für Kritik und überzogene Erwartungen diente. Aber das Essen wurde nie kritisiert. « S. 83 Die promovierte Kunsthistorikerin und Galeristin Lou (Ludmilla) lebt mit ihrem Ehemann und Konzertpianistin Sergej und der gemeinsamen 5-jährigen Tochter Rosa in Berlin. Sergej entzieht sich sehr oft der Familie und stellt das Klavierspiel über alles. Als Rosa bei einer Freundin ein Buch über Anne Frank vorgelesen bekommt, fängt Lou an, ihre Identität zu hinterfragen. Wie jüdisch sind sie als Familie, wenn Rosa noch nie in der Synagoge war? Was bedeutet ‚Jüdisch sein‘ und sowjetische Abstammung heutzutage und vor allem in Deutschland? Zu diesem Identitätskonflikt und unausgesprochenen Eheproblemen kommt der 90-Geburtstag ihrer Großtante Maya hinzu, den diesen mit der ganzen Familie in Gran Canaria feiert. Auf der Suche nach Antworten beschließt Lou gemeinsam mit Tochter Rosa und ihrer Mutter an der Familienfeier teilzunehmen. Die gewünschten Antworten findet Lou dort nicht, und reist kurzerhand ihrem Familienteil nach Israel nach. Kann sie hier finden, was sie zu Suchen glaubt? »»Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen.«« Lou zu Sergej, S. 182 In ihrem neuen Roman »JULI AUGUST SEPTEMBER« erzählt die Professorin & Autorin Olga Grjasnowa von dem Gefühl DAZWISCHEN zu sein: Zwischen Identität, Jüdisch-Sein, Familie, Liebe, Ehe, Frauen, Mutterschaft, Kindsverlust, Muttersprache. In drei Teilen: JULI (in Berlin), AUGUST (auf Gran Canaria) und SEPTEMBER (glühend heißer Boden in Israel) tauchen wir in die Gedanken- und Gefühlswelt von Lou ein und begleiten sie durch diesen schier nicht enden wollenden Sommer, auf den ja, was eigentlich folgt? Es ist ein kurzes Buch, dass das Gefühl der Zerrissenheit der Protagonistin sehr gut transportiert, ein Puzzle aus Ungesagtem und Interpretationen in Familien zeigt, Leerstellen offen lässt und dabei sehr aktuelle Fragen in den Vordergrund stellt. Dennoch waren die Eifersucht, Kindsverlust und Fragmente dieses Ehekonfliktes mir mit dem Identitätskonflikt und familiärere Spurensuche fast zu viele Themen, um sie passend in dieser Kürze verhandeln zu können. »JULI AUGUST SEPTEMBER« ein vielseitiges, feines, stellenweise humorvoll-zynisches Buch. [CN: Kindsverlust, Alkoholkonsum] 3.5 / 5 ★

Ludmilla, Lou, lebt in Berlin mit Mann und Kind. Bisher haben ihre jüdischen Wurzeln ihr nicht viel bedeutet. Nun, nach einer Frage ihrer Tochter zum Judentum, fängt sie an ihre Identität zu suchen. Und gibt es noch Hoffnung für ihrer eigene Ehe? Unzufrieden mit ihrem Leben sucht sie ihren Rollen als Ehefrau, Mutter, Jüdin, Tochter, Frau. Auch die Verluste in ihrem Leben gilt es zu verarbeiten. Die andere Hälfte ihrer Familie lebt in Israel. Doch was ist wahr von den Geschichten der russischen Vergangenheit der Familie? Sie trifft ihre Verwandten und reist nach Israel, um Ordnung in ihre Gedanken zu bringen und auch Orientierung für ihr Leben zu finden. Die Entfremdung innerhalb der Familie nach mehreren Generationen wird sichtbar, obwohl ein Zusammengehörigkeisgefühl da, aber nicht tief ist. Probleme, die wahrgenommen und erkannt werden, über die innerhalb der Familie nicht gesprochen wird. Vergangenes, das immer noch das Heute beeinflusst. Trotzdem: Herkunft ist wichtig. Dabei erkennt sie: »Vielleicht solltest du nicht in der Vergangenheit nach Antworten auf deine Fragen suchen.« Doch das Verständnis der Vergangenheit hilft, obwohl vieles vage bleibt und die Zukunft offen vor ihr liegt. Auch kurze Impulse zur heutigen politischen Lage finden wir im Text harmonisch eingewoben. »Rita, wenn dein Held Selenskyj verliert, sind die Juden wieder schuld, ist dir das klar? Dann sagen wieder alle, der Jude hat uns da reingezogen, der Jude hat den Krieg verloren.« Mir haben Schreibstilund Geschichte gefallen, glaubhaft und nachvollziehbar. Auch die Zerrissenheit von Lou konnte man gut spüren. »Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen.« Und über allem lag die Melancholie, die häufig in jüdischer und russischer Literatur spürbar ist. Lesenswert.
4,5 Dieses Buch fühlt sich an, wie eine lange Verabschiedung, Juli, August, September, wie eine lange Verabschiedung vom Sommer. Olga Grjasnowa schreibt eine Familiengeschichte, oder eine Frauengeschichte, oder eine über Generationen, die Geschichte einer Mutter? Eine Liebesgeschichte? Es ist ein Alles und von allem ein bisschen. Unfassbar aktuell und gleichzeitig so tief in alte Zeiten getaucht. Alles ist wild und durcheinander und fern und so nah dran. So gerne ich weiter gelesen hätte, so sehr finde ich auch, dass das Buch die perfekte Kürze hat. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, aber so ist das eben, wenn der Sommer zu Ende geht, sind da immer noch so viele Dinge, die noch getan, gefühlt werden wollten. Und wenn Familien fragen, bleibt immer etwas ungesagt. Mit anderen Worten: Ich habs geliebt.
Olga Grjasnowas Roman „Juli, August, September" ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Suche nach Identität, Zugehörigkeit und familiären Wurzeln. Die Protagonistin Ludmilla, genannt Lou, ringt als Tochter jüdischer Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland mit Fragen zur eigenen Identität und Tradition. Mit einem zurückhaltend säkularen Ansatz lebt sie in Berlin mit ihrer kleinen Tochter Rosa ihrem zweiten Ehemann Sergej, einem erfolgreichen, aber emotional distanzierten Pianisten. Nach einer Fehlgeburt nimmt Lou eine Auszeit von ihrer beruflichen Laufbahn und die Fassade des perfekt integrierten Lebens scheint für Lou immer mehr zu bröckeln. Als Lou sich mit ihrer Familie auf Gran Canaria trifft, um den 90. Geburtstag der Großtante Maya zu feiern, prallen nicht nur verschiedene Welten, sondern auch stark divergierende Familienerzählungen aufeinander, die Lous Unsicherheit und ihren inneren Zwiespalt verschärfen. Grjasnowa bringt die Zerrissenheit der Protagonistin meisterhaft zum Ausdruck und lässt Lou durch Begegnungen mit Verwandten erfahren, dass ihre eigene Familiengeschichte und ihre Erinnerungen an das jüdische Erbe alles andere als eindeutig sind. Die Wahrheit über die Verfolgung und das Überleben der Familie während des Holocausts wird in den Erzählungen verdichtet und verzerrt, und Lou muss feststellen, dass die Erinnerungen, die sie für „die Wahrheit“ hielt, in verschiedenen Versionen existieren. Gekonnt zeigt die Autorin, wie das Unsagbare und das Verdrängte zwischen den Generationen weitergetragen werden und wie die Lasten früherer Generationen auf den Schultern der Nachkommen ruhen. Grjasnowas Schreibstil glänzt durch seine Mischung aus Biss und Zynismus, die den oft schwierigen Themen eine frische Note verleihen. Die dichte, fast poetische Sprache sorgt dafür, dass die Lektüre auch in Momenten von Lous Zweifeln und innerer Anspannung einen angenehmen Rhythmus behält. Gleichzeitig verleiht sie der Erzählung eine Vielschichtigkeit, die das Nachdenken über Fragen jüdischer Identität und Erinnerungskultur anregt, ohne belehrend oder überfrachtet zu wirken. Lous Ausflug nach Israel bringt eine weitere interessante Ebene hinzu, da Lou sich hier nicht nur mit der komplexen Identität ihrer Familie, sondern auch mit ihrer eigenen Rolle als Mutter konfrontiert sieht. Wie will sie ihre Tochter erziehen? In einer jüdischen, russischen oder deutschen Tradition – und was bedeuten diese Traditionen wirklich in ihrem Leben? Grjasnowa greift damit eine sehr aktuelle Thematik auf, die sich zwischen den Polen von Assimilation, Erinnerung und Abgrenzung bewegt. „Juli, August, September" ist ein großartig geschriebener, eindrucksvoll vielschichtiger Roman, der auf sensible und fesselnde Weise Fragen zu Erinnerung, Identität und jüdischem Leben in Deutschland verhandelt. Der Roman bietet eine Vielzahl tiefgründiger Fragen und lädt zu einem Reflexionsprozess ein, der weit über das eigentliche Buch hinausgeht. Ein intensives Leseerlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Identitätssuche
Lou ist mit dem Konzertpianisten Sergej verheiratet. Sie sind kommen beide aus der ehemaligen Sowjetunion und sind beide jüdisch, auch wenn sie ein säkulares Leben führen. Ihre Ehe läuft nicht besonders gut und als ihre 5-jährige Tochter Rosa mit einem Buch über Anne Frank konfrontiert wird, fragt sich Lou nicht nur, was sie ihrer Tochter über ihre jüdische Identität vermitteln möchte, sondern fängt auch an ihre Identiät, ihre Familiengeschichte und ihr Selbstverständnis zu hinterfragen. Da kommt eine Einladung nach Gran Canaria zum 90. Geburtstag ihrer Tante, die zusammen mit der restlichen Familie in Tel Aviv wohnt, gerade recht... Olga Grjasnowas Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, ich bin geradezu durch die kurzen Kapitel gefolgen und habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Besonders gerne mochte ich das unterschwellig Zynische und den Humor, gerade bei den Begnungen mit der Familie musste ich oft schmunzeln und habe mich in das Haus meiner Schwiegerfamilie versetzt gefühlt. Ihre Figuren sind gut ausgearbeitet, interessant und vielschichtig. Ich konnte sie mir bildlich vorstellen. Die Beziehungsdynamiken innerhalb der Familie sind super dargestellt. Die Autorin lässt viele Fragen offen und regt den Leser dadurch zum Nachdenken an und lässt viel Spielraum für Interpretation. Mir war das an manchen Stellen etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass ein paar der angestupsten Themen weiter ausgeführt werden. Das Cover finde ich super ansprechend und nach der Lektüre ist es noch passender.
3 Monate im Leben von...
...ja von wem eigentlich? Da hätten wir auch den Knackpunkt. Ganz sicher ist es genau so gewollt, dass wir als Leserinnen nachher genau so viel schlauer sind wie die Protagonistin, nämlich gar nicht. Sicherlich könnte man da auf der Meta-Ebene auch viel hinein interpretieren. Aber ich bin ehrlicherweise ein Fan von Büchern, die einen Anfang haben und abgeschlossen werden. Es gab viele Momente, in dem Buch, die mein Interesse geweckt haben, wo ich dachte: Oh, das klingt spannend! Aber es waren dann immer nur Momente. Wie gesagt, es ist sicher genau so gewollt von der Autorin, dass hier nichts aufgelöst wird, aber für mich war es zu wenig gehaltvoll und zu sehr mäandernd. Von daher nur 3 Sterne.
Ich bin nicht richtig reingekommen ins Buch. Ob es am Schreibstil lag, oder an der Thematik oder an den Personen,… Ich konnte mich auf jeden Fall nicht auf den Roman einlassen, mir blieb zu viel ungesagt. Die Spannungen zwischen den Figuren hat man deutlich gespürt, das war sehr authentisch, aber auch schwer zu ertragen.
Anders erwartet
Lou, ihr Ehemann Sergej und ihre Tochter Rosa leben in Berlin. Alle gehören dem Judentum an ohne es wirklich zu leben. Sergej ist Konzertpianist und viel unterwegs sodas Lou sich die meiste Zeit um Rosa kümmert. Nach einem Schicksalsschlag bricht in Lou eine Welt zusammen. Durch den 90. Geburtstag ihrer Großtante werden zudem so viele Fragen zu ihrer Familiengeschichte aufgeworfen, auf die Lou unbedingt eine Antwort finden möchte. Als Rezensionsexemplar durfte ich den Roman Juli, August, September von Olga Grjasnowa lesen. Wer hier einen Roman über das jüdische Leben erwartet, der ist hier falsch. Meiner Meinung nach geht ehr darum wie eine Person mit einem Schicksalsschlag umgeht, welche Gräben sich dadurch zwischen Liebenden auftun können und wie man sich dadurch selber verlieren kann. Zudem wird im Ansatz versucht zu beschreiben, was weitervererbte Traumata und das Schweigen darüber mit dem Menschen macht. Ich muss sagen, dass ich auch etwas anderes erwartet hatte, doch bin ich nicht enttäuscht darüber. Auch wenn der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist, finde ich das der Roman doch tiefer geht.
























