
17 Followers
Ich tu mir ein bisschen schwer hier einen Anfang zu finden. „1000 serpentinen angst“ ist wie nichts, das ich bis dato gelesen habe. Auf 352 Seiten nimmt die namenlose Erzählerin den Leser mit auf eine holperige Reise in ihr Hirn. Nur so kann ich annähernd beschreiben, wie diese Lektüre für mich war. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, wobei der erste, wie auch der dritte Teil aus Dialog besteht. In Großbuchstaben werden der Erzählerin Fragen gestellt, die sie beantwortet, später werden die Rollen getauscht und die Erzählerin stellt die Fragen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Teil anfangs befremdlich war zu lesen, einfach weil man als Leser einfach ins kalte Wasser geworfen wird. Hier stellt sich niemand vor, man ist einfach mittendrin und auch nachher wird nicht aufgeklärt wer hier die Fragen stellt und wieso. Vor dem Hintergrund, dass Frau Wenzel auch Theaterautorin ist, verständlicher, beim Lesen aber zu Anfang befremdlich. Ich hab einigermaßen langsam verstanden, dass man vielleicht selber nicht so dringend alles zerdenken sollte, als ich die Gegebenheiten einfach als „ist“ und „gegeben“ angenommen habe, hab ich mich auch einfacher im Schreibstil festgelesen. „1000 serpentinen angst“ erzählt die Geschichte einer Frau die es im Leben nicht immer leicht hatte: Tochter einer Altpunkerin und eines Angolaners in Ostdeutschland geboren, von der latent rassistischen Großmutter großgezogen, queer.. Darüber hinaus hat sie ihren Bruder an Suizid verloren, wenig bis keinen familiären Rückhalt und leidet an einer Angsterkrankung. Ach ja – schwanger ist sie auch noch. Trotzdem und das ist das bewundernswerte an der Erzählerin – sie weigert sich, sich in ihrem Elend zu suhlen, sich auf das Klischee reduziert in der Opferrolle auszuruhen, spricht zwar Erfahrungen mit Rassismus an, will sich aber nicht auf das Thema reduzieren lassen und spricht sehr reflektiert über ihre Probleme. Die Sprache die sie benutzt, ist auf der einen Seite sehr angenehm, ich mag diese schnodderige, lapidare Art, die mich trotz des manchmal schweren Themas doch auch zum schmunzeln bringt. Auf der anderen Seite ist sie manchmal sehr krass, nackt und direkt, so sehr dass es manchmal fast unangenehm ist weiterzulesen. Insgesamt eines der interessanteren Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, ein Buch das ich in seiner Gänze nicht komplett habe greifen können, das einem aber, wenn man sich einmal auf den unkonventionellen Erzählstil eingelassen hat, jede Menge wichtige Denkanstöße mit auf den Weg gibt und das es schafft, das man sich selbst in vielerlei Hinsicht beginnt zu hinterfragen. Auf eine sehr gute Art und Weise. Leseempfehlung!
Sep 17, 2024
Ich tu mir ein bisschen schwer hier einen Anfang zu finden. „1000 serpentinen angst“ ist wie nichts, das ich bis dato gelesen habe. Auf 352 Seiten nimmt die namenlose Erzählerin den Leser mit auf eine holperige Reise in ihr Hirn. Nur so kann ich annähernd beschreiben, wie diese Lektüre für mich war. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, wobei der erste, wie auch der dritte Teil aus Dialog besteht. In Großbuchstaben werden der Erzählerin Fragen gestellt, die sie beantwortet, später werden die Rollen getauscht und die Erzählerin stellt die Fragen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Teil anfangs befremdlich war zu lesen, einfach weil man als Leser einfach ins kalte Wasser geworfen wird. Hier stellt sich niemand vor, man ist einfach mittendrin und auch nachher wird nicht aufgeklärt wer hier die Fragen stellt und wieso. Vor dem Hintergrund, dass Frau Wenzel auch Theaterautorin ist, verständlicher, beim Lesen aber zu Anfang befremdlich. Ich hab einigermaßen langsam verstanden, dass man vielleicht selber nicht so dringend alles zerdenken sollte, als ich die Gegebenheiten einfach als „ist“ und „gegeben“ angenommen habe, hab ich mich auch einfacher im Schreibstil festgelesen. „1000 serpentinen angst“ erzählt die Geschichte einer Frau die es im Leben nicht immer leicht hatte: Tochter einer Altpunkerin und eines Angolaners in Ostdeutschland geboren, von der latent rassistischen Großmutter großgezogen, queer.. Darüber hinaus hat sie ihren Bruder an Suizid verloren, wenig bis keinen familiären Rückhalt und leidet an einer Angsterkrankung. Ach ja – schwanger ist sie auch noch. Trotzdem und das ist das bewundernswerte an der Erzählerin – sie weigert sich, sich in ihrem Elend zu suhlen, sich auf das Klischee reduziert in der Opferrolle auszuruhen, spricht zwar Erfahrungen mit Rassismus an, will sich aber nicht auf das Thema reduzieren lassen und spricht sehr reflektiert über ihre Probleme. Die Sprache die sie benutzt, ist auf der einen Seite sehr angenehm, ich mag diese schnodderige, lapidare Art, die mich trotz des manchmal schweren Themas doch auch zum schmunzeln bringt. Auf der anderen Seite ist sie manchmal sehr krass, nackt und direkt, so sehr dass es manchmal fast unangenehm ist weiterzulesen. Insgesamt eines der interessanteren Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, ein Buch das ich in seiner Gänze nicht komplett habe greifen können, das einem aber, wenn man sich einmal auf den unkonventionellen Erzählstil eingelassen hat, jede Menge wichtige Denkanstöße mit auf den Weg gibt und das es schafft, das man sich selbst in vielerlei Hinsicht beginnt zu hinterfragen. Auf eine sehr gute Art und Weise. Leseempfehlung!
Sep 17, 2024






