Drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen

Hardback
4.1382
MigrationFreundschaftSexismusVertrauen

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021

Was Freundschaft bedeutet, wenn die Gegenwart Feuer fängt.

In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt.

Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden, aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. »Drei Kameradinnen« ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft.

»Uns gibt es in dieser Welt nicht. Hier sind wir weder Deutsche noch Flüchtlinge, wir sprechen nicht die Nachrichten und wir sind nicht die Expertinnen. Wir sind irgendein Joker, von dem sie noch nicht wissen, ob sie ihn einmal zu irgendetwas gebrauchen können.« Aus: »Drei Kameradinnen«

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
352
Price
22.70 €

Author Description

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und war viele Jahre in der Jugendbildungsarbeit tätig. Ihr Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« (2016) wurde mehrfach übersetzt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis, dem Uwe-Johnson-Förderpreis und der Nominierung zum International Booker Prize. »Drei Kameradinnen« folgte 2021 und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. 2023 wurde ihre Arbeit mit dem Ernst-Toller-Preis geehrt.

Posts

60
All
3.5

"Drei Kameradinnen" ist ein gesellschaftskritischer Roman, den ich gerne gelesen habe. Er regt zum Nachdenken des eigenen Verhaltens an und man stellt sich zwangsläufig die Frage, ob man nicht längst viel zu abgestumpft und zu sehr an Rassissmus und Hetze gewohnt ist. Der Schreibstil ist ausdrucksstark, klug und gewitzt - allerdings hat mich das Ende des Romans etwas verwirrt zurückgelassen, so dass ich den Wunsch verspüre, mich mit anderen Lesern darüber auszutauschen.

4

Saya, Hani und die Ich-Erzählerin Kasih haben einen nicht näher spezifizierten Migrationshintergrund und wachsen zusammen in einer eher prekären Vorstadt auf. Aktuell treffen sie sich anlässlich der Hochzeit einer gemeinsamen Freundin in Kasihs Wohnort und verbringen im Vorfeld der Hochzeit ein paar gemeinsame Tage miteinander. Neben der Handlung geht es es in diesem Buch auch viel um die Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund, um Alltagsrassismus, Vorurteile der Biodeutschen und Ausgrenzung. Insgesamt eine interessante Lektüre mit viel Haltung und Botschaft, allerdings lässt mich das Ende etwas ratlos zurück...

4

Es ist ein herausforderndes Buch, das den Lesenden ihre eigenen Rassismen quasi vorführt. Ich würde es eher für Lesende empfehlen, die sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt haben, da es doch starke Widerstände auslösen kann.

2

Wichtiges Thema, schlecht erzählt

Prinzipiell ein gesellschaftskritischer Roman über Alltagsrassismus. Leider konnte ich dem Erzählstil so gar nichts abgewinnen. Es wird häufig die vierte Wand durchbrochen, aber auf sehr aggressive Art und die Leserschaft wird als ignorant und einfältig angesprochen. Insgesamt ist die Erzählstruktur sehr schwammig und konfus. Der Einsatz eines unzuverlässigen Erzählers ist meiner Meinung nach auch nicht optimal gelungen, da ja ständig zugeben wird, dass die Figur lügt.

4

Man braucht eine Weile, um Zugang zu finden und sich zu orientieren. Dann entwickelt sich ein Sog aus Verstehen und Scham. Bis zuletzt wird man immer wieder ertappt im eigenen Schubladendenken.

3

Ich bin ratlos was ich zu diesem Buch schreiben soll. Einerseits inhaltlich tiefgehen, schwere Kost, die nachdenklich stimmt. Es dreht sich viel um Alltagsrassismus, mit dem ich mich als weiße Kartoffel wenig auseinandersetzen muss. Insofern für alle die betroffen und nicht betroffen sind, wichtig es zu lesen, um dafür sensibilisiert zu werden. Auf der anderen Seite ist der Schreibstil so anstrengend. Puh, die Ich-Erzählerin verliert sich lang und breit in Geschichten, die mir teilweise nicht relevant erschienen. Das Ende hat mir gar nicht gefallen. Ich habe das Buch nur nicht abgebrochen, weil ich wissen wollte wie es ausgeht. Nach diesem Ende weiß ich wirklich nicht, warum ich dran geblieben bin.

4

Wut und Zusammenhalt

Das Buch beschreibt die Geschichte der 3 Freundinnen sehr eindrucksvoll und arbeitet die enthaltenen Themen gut auf. Daher sehr empfehlenswert! Mir persönlich hat einfach der rote Faden mit seinen Spannungskurven gefehlt.

Wut und Zusammenhalt
4

Absolut lesenswert.

Es ist ein wirklich gutes Buch. Es erzählt Geschichten über Lebensrealitäten von MigrantInnen, Rassismus und spielt mit den Erwartungen der LeserInnen.

Absolut lesenswert.
4

Wütend und schonungslos

Drei Freundinnen, die nicht still sein wollen. Die alle etwas verändern wollen, den Blick schärfen wollen über Rassismus, Ungerechtigkeit und dazu eine große Freundschaft. Es ist ein recht bitteres Buch, weil es manchmal so wahr ist und damit so genau trifft. Da sitzt man dann und denkt noch lange nach über einzelne Dinge. Vom Stil her fand ich es etwas schwieriger zu lesen, hat eine Weile gebraucht und das Ende hat mich nochmal überrascht.

Der Roman „Drei Kameradinnen“ erzählt die Geschichte von Hani, Kasih und Saya, drei Freundinnen mit Migrationshintergrund, die in einer namenlosen deutschen Stadt aufwachsen. Sie sind durch ihre Herkunft und die damit verbundenen Erfahrungen miteinander verbunden. Im Mittelpunkt steht ihre unerschütterliche Freundschaft, die ihnen Halt gibt in einer Gesellschaft, die sie ständig als „anders“ wahrnimmt. Durch Kasihs Perspektive erfahren wir von alltäglichem Rassismus, strukturellen Missständen und rechten Gewalttaten, die die Protagonistinnen immer wieder aus ihrer scheinbaren Normalität reißen. Die Geschichte ist nicht linear erzählt, sondern springt zwischen Kindheit, Jugend und Gegenwart, was die Emotionalität und Authentizität der Erzählung verstärkt. 🧑‍🤝‍🧑✨ Shida Bazyars Sprache ist kraftvoll und kompromisslos. Sie spielt mit den Erwartungen der Leser:innen, bricht bewusst mit traditionellen Erzählmustern und spricht ihre Leser:innenschaft immer wieder direkt an. Dieser Stil erzeugt eine beeindruckende Nähe zu den Figuren, ohne dabei belehrend zu wirken. Die poetischen, oft metaphorischen Beschreibungen – das innere „Feuer“ der Kameradinnen ist ein zentrales Motiv – verleihen dem Text eine enorme Intensität. Gleichzeitig bleibt die Sprache klar und zugänglich, was die Botschaften des Buches umso eindringlicher macht. Außerdem haben wir mit Kasih eine unzuverlässige Erzählerin, was das Ganze noch spannender gemacht hat. 🖋️🔥 Hani, Kasih und Saya sind vielschichtige, tiefgründige Figuren. Jede von ihnen verkörpert eine andere Art, mit Rassismus und Ausgrenzung umzugehen. Saya ist kämpferisch, ihr inneres Feuer lodert voller Wut und Entschlossenheit. Hani hat sich mit der Welt abgefunden, ihre Flamme brennt auf Sparflamme. Kasih, die Erzählerin, ist sensibel, unsicher und ständig mit sich selbst und der Welt überfordert. Diese Vielfalt an Perspektiven macht das Buch so authentisch und zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Menschen mit denselben Herausforderungen umgehen können. 🔥📖 Der Roman ist weniger plotgetrieben als charakterzentriert, doch die Geschichte entfaltet eine unglaubliche Sogwirkung. Die dramatische Nacht, die das Leben der drei Frauen verändert, ist der emotionale Höhepunkt, doch ebenso wichtig sind die kleinen Momente: der Alltag im Kindergarten, die Blicke auf der Straße, die unsichtbaren Barrieren in Schule und Beruf. Diese scheinbar banalen Situationen verdeutlichen, wie tief Rassismus in den Alltag in Deutschland verwoben ist. Das Ende ist schockierend und bleibt lange im Gedächtnis – ein extrem guter Abschluss, der die Botschaft des Buches auf den Punkt bringt. 💭 Als Hörbuch war „Drei Kameradinnen“ eine besonders intensive Erfahrung. Ich kann mir aber aktuell gut vorstellen, das Buch auch noch einmal zu lesen - sehr viel Annotationspotenzial. Der Roman hat mich tief berührt, vor allem, weil er die Erfahrungen schildert, die viele Menschen mit Migrationshintergrund machen – das Gefühl, nirgendwo wirklich zuhause zu sein, die ständige Rechtfertigung vor der Mehrheitsgesellschaft. Kasihs innere Kämpfe und Verwirrung waren für mich besonders nachfühlbar. In der aktuellen politischen Lage, in der rechte Gewalt und Rassismus immer präsenter werden, ist dieser Roman ein Weckruf und ein Plädoyer für Solidarität. 📚✨ Fazit: „Drei Kameradinnen“ ist ein aufwühlender, beeindruckender Roman, der die deutsche Gegenwart schonungslos offenlegt. Er richtet sich an alle, die bereit sind, ihre Perspektiven zu hinterfragen und sich mit strukturellen Ungerechtigkeiten auseinanderzusetzen. Besonders Leser:innen, die sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren oder sich mit den Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund auseinandersetzen wollen, werden diesen Roman mögen. Mit seiner sprachlichen Wucht und emotionalen Tiefe ist dieses Buch ein absolutes Muss – für mich nicht nur eine Leseempfehlung, sondern ein Leseauftrag. ⭐⭐⭐⭐⭐

5

FreundInnenschaft, Solidarität, Vorurteile und Rassismuserfahrung. Dieses Buch ist eine Achterbahn der Gefühle.

FreundInnenschaft, Solidarität, Vorurteile und Rassismuserfahrung. Dieses Buch ist eine Achterbahn der Gefühle.
5

Dieses Buch hat mich eingesogen und durchgekaut und auf den Boden gespuckt. Wow. (Und ein paar der Rezensionen hier regen mich wirklich auf.)

3

Die Premisse ist interessant, aber leider ist mir irgendwie zu wenig passiert. Die vielen Zeitsprünge in die Vergangenheit empfand ich ebenso nervig wie die Charakterinnen.Insgesamt war es interessant zu lesen, hat mich aber nicht so wirklich abgeholt.

4

Danke für dieses eindringliche Buch. Es hat etwas Zeit gedauert, hineinzufinden, aber danach konnte ich es nicht mehr weglegen. Gänsehaut, Tränen & Herzklopfen.

4.5

Regt zur Reflexion des eigenen Denken an

5

Unbedingt lesen. Wichtig.

4.5

Eine packende Geschichte über Diskriminierung, Freundschaft und Hilflosigkeit

Kasih, Hani und Saya sind vollkommen unterschiedlich und doch enge Freundinnen. Mit Ironie aber auch bedrückender Ehrlichkeit erzählt Kasih von der gemeinsamen Jugend, der Diskriminierung im Alltag und der Hilflosigkeit, der sich jede der drei Frauen stellen muss. Während Hani und Kasih versuchen, den Alltag zu bewältigen und ein sicheres, unaufgeregtes Leben zu führen, spürt Saya nur eines: Wut. Mit Spannung habe ich verfolgt, wie Bazyar ihre drei Protagonistinnen darstellt, die man alle für sich in ihrer Individualität und Unterschiedlichkeit zu schätzen lernt. Auch wenn Saya durch ihre direkte und manchmal auch ungehobelte Art aneckt, wurde sie doch genau richtig gezeichnet, um Probleme anzusprechen. Auch die Straftat, die den Rahmen der Geschichte bildet, wirkte abrundend und erzeugte durch die Interaktion der Erzählerin einen Lerneffekt. Was ich besonders geschätzt habe, ist die perfekte Mischung aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik, welche aber nie mit erhobenem Zeigefinger daherkam, sondern zeigte, wie sich Betroffene fühlen und welche Konsequenzen dies nach sich ziehen kann.

4.5

#unbezahlteWerbung 《D R E I K A M E R A D I N N E N》 von Shida Bazyar Kasih, Saya & Hani sind seit ihrer Kindheit beste Freundinnen. Zusammen aufgewachsen in derselben Siedlung, versteht niemand besser den Rassismus welchen sie immer wieder erfahren als die drei selbst. Für eine bevorstehenden Hochzeit treffen sich die Drei erneut - bis es zu einem Brand kommt & Saya festgenommen wird. Achronologisch erzählt Kasih was passiert (ist). Shida Bazyars Roman hat mich absolut überrascht & mitgenommen. Während es zunächst sachlich beginnt, wird die Ich-Erzählerin Kasih immer emotionaler. Hierbei spricht sie Lesende auch direkt an, ermahnt sie & hat eine manchmal passiv-aggressive Haltung. Im Verlaufe des Buches erfährt man nie woher unsere ProtagonistInnen kommen & so sehr mich diese Frage auch oft reizte, stellt sich mir am Ende die Frage, ob es denn so viel geändert hätte? Die Geschichte regt absolut zum Nachdenken an. Frau Bazyars Roman ist eindringlich & konnte mich wirklich sehr begeistern.

Post image
4.5

Hat Spaß gemacht zu lesen und gleichzeitig meine weisse Sicht zurecht gerückt

Klare Worte und eine Wahrheit, die nicht in Watte gepackt ist. Ich fand es super gut, das Ende war mir nur zu kurz. Verstehe es und es passt zum Buch, aber ich musste erst mal mitkommen, was alles doch nicht passiert ist :-)

Hat Spaß gemacht  zu lesen und gleichzeitig meine weisse Sicht zurecht gerückt
4.5

Ein lesenswertes und gut geschriebenes Buch!

5

Die Stärke freundinnenschaftlicher Solidarität und das Hinterfragen von allem immer.

Ein Spiegel aus zerbrechenden Vorurteilen. Ein Schlag der kurz vorm Gesicht stoppt. Eine Irritation jagt die nächste. Shida Bazyar hält einen mit ihrer Schreibweise auf den Zehenspitzen und in den Schatten dreier Freundinnen gefangen. Wir begleiten Kasih, Saya und Hani durch ihr Leben und ihre Verschiedenheiten, die jedoch nicht ihre Freundinnenschaft überdecken.

5

Eine Einladung den eigenen Horizont zu erweitern und zu hinterfragen.

2

TW/CN: Rassismuserfahrungen Inhalt: Shida Bazyar hat mit „Drei Kameradinnen“ einen Roman geschrieben, der die bedingungslose Freundschaft feiert. Im Mittelpunkt stehen drei junge Frauen, die im Alltag Hass und Gewalt erfahren, sowie Blicken und Sprüchen ausgesetzt sind. Nicht ihre Herkunft ist das Problem, sondern rechte Hetze. Was ihnen im Alltag hilft, ist der gegenseitige Halt und das Verständnis, welches sie auffängt, wie ein Sprungtuch. „Drei Kameradinnen“ ist ein Roman, der wachrüttelt und schonungslos das ausspricht, was ausgesprochen werden muss. Meine Meinung: Ich muss leider sagen, dass mir der Roman nicht so gut gefallen hat. Damit möchte ich weder den Inhalt noch die Autorin kritisieren, die sicher großartig ist. Des Weiteren werde ich aufgrund meiner Privilegien nicht über die Erlebnisse und die Aussagen urteilen, sondern meinen Fokus auf den Schreibstil und den Aufbau legen. Bezüglich letzterem fiel es mir schwer, dem scheinbar roten Faden zu folgen. Zumindest beginnt Shida Bazyar ihre Geschichte mit einem Zeitungsartikel über einen Brand, in dem Saya, eine der drei Freundinnen, als Täterin beschuldigt wird. Anschließend lernen wir die Freundinnen näher kennen. Die einzige Orientierungshilfe für den Lesenden sind Wochentage, entlang derer langsam erzählt wird, was mit Saya passiert ist. Dazu kommen Rückblicke in die Vergangenheit, Gedanken und Erlebnisse von jeweils einer der Frauen. Manchmal wusste ich nicht mehr, wo ich zeitlich bin, was zuletzt in der Gegenwart passiert ist und worauf das alles hinauslaufen soll. Gegen Ende wurde mir klarer, dass es nicht darum ging einen roten Faden zu verfolgen, sondern um jedes einzelne noch so kleine Erlebnis an sich. In Summe werden jedes bisschen Hass, jedes Vorurteil, jeder Blick und jeder Kommentar zu viel, zu Wut und Frust. Die unverblümte Schreibweise ist da allzu verständlich, wobei ich es teilweise als zu extrem wahrgenommen habe. Es wurden viele Vorurteile zurückgeschossen, die damit zur Spaltung beitragen anstatt dazu aufrufen, zusammenzurücken. Insgesamt werde ich weder eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen noch vom Kauf abraten.

4

TW: Rassimus, Terrorismus, Sexismus Ein sehr beeindruckenden Buch über Rassismus in Deutschland. Die letzten 30 Seiten haben mir den Atem stocken lassen.

4

Sehr eindrückliches Buch

5

Was für ein wunderbares, schockierendes, konfrontierendes, kluges Buch! Das leseerlebnis muss ich erstmal verarbeiten.

4.5

Es ist ein gutes Buch mit ganz wichtigen Themen und der Frage wie wir mit Vorurteilen umgehen. Am Anfang bin ich schlecht reingekommen in das Buch, aber am Ende musste ich ein paar Seiten überspringen, da ich sie schwer ertragen konnte....Ein sehr wichtiges und ungewöhnliches Buch.

4

„Drei Kameradinnen“ ist geschrieben wie ein langer Brief. Ohne Unterteilungen in Kapitel berichtet die Ich-Erzählerin Kasih dem Leser von ihrer langen und intensiven Freundschaft mit Hani und Saya und all den Steinen, die den drei jungen Frauen immer wieder in den Weg geworfen werden. Dabei springt die Geschichte zwischen Gegenwart, später Kindheit und Teenagerzeit hin und her, ohne sich an eine chronologische Reihenfolge zu halten. Verschiedenste Erinnerungsfetzen sprudeln aus Kasih heraus und sie teilt alles ungefiltert mit. Dabei spricht sie den Leser immer wieder direkt an. Ich empfand den Erzählstil als sehr bildhaft und lebendig und dass, obwohl die Autorin viele Details, die man in einem Roman erwartet, auslässt. Zum Beispiel erfährt man nie, aus welchem Land die Protagonistinnen stammen (es wird nur vom „anderen Land“ gesprochen), in welchem Ort das Ganze spielt und auch die Jahreszahlen kann man nur an Hand der beschriebenen Szenarien grob schätzen. Dies ist eine sehr eigenwillige Art des Erzählens. Auch spielt die Autorin mit den Grenzen von Fantasie und Wahrheit. Man kann sich nie ganz sicher sein, was tatsächlich Kasihs Erinnerungen entspringt und was sie sich gerade ausgedacht hat. Ich verstehe es so, dass es hier nicht um Kasih, Hani und Saya im Speziellen geht, sondern dass diese fiktiven jungen Frauen stellvertretend stehen für all die Menschen, die in Deutschland ein neues Zuhause suchen und täglich mit Rassismus, Ausgrenzungen und Vorurteilen wegen ihrer Herkunft konfrontiert sind. „Drei Kameradinnen“ macht nachdenklich. Hier werden Personen beschrieben, denen Chancen genommen bzw. gar nicht erst gegeben werden, weil sie pauschal abgestempelt und in Schubladen geschoben werden. Diese Ungerechtigkeit ist unglaublich traurig. Mir fällt es verhältnismäßig schwer, diesen Roman zu rezensieren, da ich mir wünschte, ich könnte mich genauso intelligent ausdrücken wie Shida Bazyar. Das zentrale Thema sind Vorurteile aufgrund der eigenen Herkunft. Interessant ist hier, dass die Ich-Erzählerin Kasih sich im Grunde genauso verhält, wie sie es ihr ganzes Leben lang erfahren hat. Denn während sie ihr Schicksal beschreibt, steckt sie ebenfalls alle Deutsche und alle Migranten in eine Schublade. Rassismus ist ein großes Problem unserer Gesellschaft. Dennoch bin ich überzeugt, dass nicht alle Deutschen Rassisten sind sowie es auch Migranten gibt, die in Deutschland oder anderen Ländern beruflich erfolgreich sind. Ansonsten wäre die Welt ein Ort ohne Hoffnung. Für mich ist „Drei Kameradinnen“ eine Form von Kunst, die mit kraftvoller, intelligenter Sprache provoziert und durch eine überspitzte Zeichnung auf die oft verleugneten Schattenseiten unserer Gesellschaft hinweist.

4

Sehr sehr wichtiges Thema, das hier angesprochen wird. Der Erzählstil hat mir nicht immer gefallen, ich hätte die Geschichte, zumindest in Teilen gerne aus Sayas Sicht gelesen.

Tiefgehend, aufreibend und den Spiegel vorhaltend. Unglaublich gut!

Besucht ihr gerne Lesungen? Ich war 2020 bei einer Diskussionsrunde mit Lesungen von Kübra Gümüsay und Shida Bazyar. "Sprache und Sein" hatte den Anlass gegeben, aber die Texte, die Shida Bazyar aus ihrem Debüt "Nachts ist es leise in Teheran" und vor allem aus dem damals noch nicht veröffentlichten "Drei Kameradinnen" präsentiert hat, haben mich sogar noch mehr in ihren Bann gezogen. Also musste ich auch zur zweiten Lesung nach Erscheinen des Buches gehen und war wieder begeistert. Wenn die Autorin das Hörbuch selbst eingelesen hätte, hätte ich wohl tatsächlich mal zu dieser Version gegriffen. Das Buch habe ich Anfang des Jahres in einer Leserunde gelesen und wir hatten nach jedem unserer täglichen kurzen Abschnitte Aspekte zu diskutieren und besprechen. Denn das Besondere an diesem Buch ist, dass man nie weiß, was man der Erzählerin Kasih glauben kann und was sie vielleicht auf der nächsten Seite schon wieder ganz anders erzählt (ob das dann wahr ist, sei dahingestellt). Kasih berichtet nicht unstrukturiert, aber schon sehr durcheinander und mit vielen Ab- und Ausschweifungen von der Freundschaft zwischen ihr, Saya und Hani, die zusammen aufgewachsen sind und gemeinsam sowie getrennt viel erlebt haben. Kasih erzählt ihre Geschichte einem Publikum, dem sie unterstellt rassistisch, sexistisch und auch klassistisch zu sein. Das macht die Inhalte eindrucksvoller, lebendiger. Gleichzeitig wird deutlich, dass Kasih selbst ebenfalls aufgrund von Vorurteilen und Klischees agiert. Ein Buch, das langsam und bewusst gelesen werden will und durch einen Austausch wie bei uns nur noch mehr gewinnen kann. Absolut zurecht nominiert gewesen für den Deutschen Buchpreis!

Tiefgehend, aufreibend und den Spiegel vorhaltend. Unglaublich gut!
4

Inhaltlich wichtig, stilistisch großartig umgesetzt. Das Ende fand ich etwas zu offen, aber vermutlich war es so gedacht die Leser*innen mit so einem "hmpf ok" Gefühl zurückzulassen.

5

Grandioses Buch, große Empfehlung! Ich mag den Schreibstil sehr, es klingt wie ein Gespräch, oder eher Monolog, so als würde die Ich-Erzählerin neben mir sitzen und frei raus erzählen. Die Charaktere sind toll, tiefgängig, stark dargestellt/beschrieben. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, es werden nicht alle Fragen beantwortet und am Ende bleibt eine gewisse Verwirrung zurück. Aber grade das macht es auch spannend und authentisch - und bei dem Thema auch so passend. Die Geschichte(n) ist/sind schmerzhaft und unangenehm, die Beschreibungen der Situationen voll Rassismus nicht immer leicht erträglich. Aber genau das sollen sie ja auch sein, weil sie es in echt auch nicht sind. Dieses Buch ist eine Wucht und hätte den deutschen Buchpreis verdient gehabt! Der bittere Beigeschmack der Realotätsnähe geht auch nach Beenden der Lektüre nicht so schnell weg.

5

Dieses Frühjahr überzeugt mit grandiosen Titeln - allen voran Shida Bazyars neuer Roman „Drei Kameradinnen“. Mit unglaublicher erzählerischer Wucht tauchen wir ein, in eine Welt, die uns gleichzeitig bewusst doch deren gesamtes Ausmaß Weißen Personen teilweise verborgen ist oder das sie nur selten spüren müssen. Durch die Feder der Protagonistin Kasih und vor allem durch das, was nicht ausformuliert wird, werden die strukturellen Probleme der gegenwärtigen Welt vor Augen geführt. Die Freundinnen Kasih, Hani und Saya wachsen in einer namenlos bleibenden Stadt Deutschlands auf. Gefunden haben sie sich, da sie immer wieder von der Gesellschaft als anders gelesen werden. Sie aufgrund ihrer Herkunft immer wieder unter Verdacht geraten, beäugt werden. Was aber bleibt, ist ihre außergewöhnliche Freundschaft, die bedingungslos ist und Halt verspricht. Nach einigen Jahren treffen sie sich wieder, um ein paar Tage die gemeinsame Zeit zu genießen. Doch auch in der Gegenwart hat sich die Haltung in Deutschland kaum verändert. Nicht als Weiße Deutsche gelesen zu werden, bedeutet jederzeit: Blicke, Sprüche, Hass und rechter Terror. Die Nacht, die alles ins Wanken bringt, bricht an... Bazyar erzählt kompromisslos von den Missständen in Deutschland. Von Ausgrenzung, strukturellem Rassismus und rechtem Terror. Dabei spricht sie die Leser*innen direkt an. Durch die Augen der Protagonistinnen erhält man einen schonungslosen Einblick in ihre Gegenwart. Wiederholt kreiert die Erzählerin dennoch Distanz durch direkte Ansprachen aber auch durch Reflektionen zum eigenen Schreibverhalten. Schon früh macht sie klar, dass sie dem erlernten Schreibmuster (der deutschen Schulen) von Einleitung, Hauptteil und Schluss nicht folgen will. Mich hat dieser grandiose Roman von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Sprachgewaltig lässt die Autorin zahlreiche wichtige Themen und Informationen in den Romantext einfließen, sodass man fast eine Hybridform aus Roman, Sachbuch und Augenzeugenbericht liest. Ein Buch, was für mich ein Highlight sondergleichen war. Um dieses Buch kommt man in diesem Frühling nicht herum! Absolute Leseempfehlung- besser noch Leseauftrag!

4

TW: Rassimus, Terrorismus, Sexismus Ein sehr beeindruckenden Buch über Rassismus in Deutschland. Die letzten 30 Seiten haben mir den Atem stocken lassen.

4

wichtiges Thema gut verpackt

Perspektivwechsel mit Provokation, sehr ernst bis berührende Geschicht, die (leider) definitiv aktueller denn je ist. Hat ein paar Längen für meinen Geschmack und erzählt in großen bis kleinen Schleifen, wobei die Zeitsprünge den Spannungsaufbau gestalten. Greift die eigenen Muster im Kopf an und macht auf eine gute Art nachdenklich.

5

Wow, ein starkes Buch über Rassismus und Vorurteile.

Wow, ein starkes Buch über Rassismus und Vorurteile.
4.5

Achtung bisschen Spoiler in meiner Bewertung.

Der Roman erzählt aus der Ich-Perspektive von Kasih, die von einem intensiven Wochenende, in der mehrere Ereignisse passieren. Im Zentrum steht eine Kameradinnenschaft die von Nähe, Vertrauen und gemeinsamen Erfahrungen geprägt ist. Durch die vielschichtige und sprunghafte Erzählweise werden ihre unterschiedlichen Lebenswelten nach und nach sichtbar und greifbar. Dabei verwebt die Autorin Erinnerungen, Gedanken und Gegenwart so, dass ein eindringliches Bild ihrer Realität entsteht. Besonders die spürbare Wut einer der Kameradin wirkt nach und macht die emotionalen Spannungen und Erfahrungen der Figuren intensiv. Anfangs fiel es mir schwer, in das Buch hineinzufinden, weil die Ich Erzählerin Kasi stark zwischen Gedanken, Erinnerungen und Erzählebenen springt und ich lange nicht richtig greifen konnte, worauf die Geschichte hinauswill und wie ich das alles für mich sortieren soll. Trotzdem bin ich drangeblieben und das hat sich sehr gelohnt. Am Ende bin ich nicht mit einem Gefühl von Klarheit oder Zufriedenheit zurückgeblieben, sondern eher ratlos und nachdenklich, und genau das macht dieses Buch für mich so besonders. Kasih spricht den Lesenden direkt an. Sie betont mehrmals, dass wir ihr vertrauen sollen und die Wahrheit schon erfahren werden. Trotzdem hatte ich das Bedürfnis zu googlen und die Geschichte mit der Realität abzuchecken. Der Roman regt zur Reflexion von Rassismus an und tut das auf eine eindringliche Weise, auch wenn es mich ratlos hinterlassen hat.

Achtung bisschen Spoiler in meiner Bewertung.
3

• DREI KAMERADINNEN •

4

Drei Kameradinnen berichtet von drei Freundinnen mit Migrationshintergrund, welchem genau erfährt man nicht. Sie leben in einer deutschen Großstadt, vermutlich in Berlin. Sie sind gut integrierte, selbstbewusste junge Frauen. Nichts an ihnen ist auffällig, bis eine von ihnen eines Tages durchdreht und ein Haus anzündet. Die Handlung ist teilweise antichronologisch aufgebaut. Man erfährt bereits zu Beginn durch einen Zeitungsartikel, was am Ende passiert ist. Der Stil ist oft frech, herausfordernd. Dann gibt es wieder Passagen, die sprachlich sehr schön sind. Oft weiß man auch nicht sicher, ob das gerade erzählte die Wahrheit oder eine Lüge der Autorin ist. Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass und Rassismus sind wichtige, aber auch schwierige und sensible Themen. Es ist gut und richtig, sie aufzugreifen und zu erwähnen. Für mich als weiße Person, die noch dazu viele Privilegien genießt (auch wenn mir dies oft nicht so vorkommt), ist es nur schwer nachzuvollziehen, welche Ängste Personen mit Migrationshintergrund teilweise durchleben. Ich finde es wichtig, sie auszusprechen. Dennoch war mir dieses Buch an manchen Stellen zu anklagend. Die Autorin spielt oft sehr geschickt mit Klischees, gerade auch mit solchen, die "Gutmenschen" und Alternative betreffen. Manchmal geht sie dabei meiner Meinung nach aber einen Schritt zu weit. Ich hatte an manchen Stellen das Gefühl, sie würde alle unter einen Generalverdacht stellen. Gleichzeitig nutzt Kasih, die Erzählerin, das System aber auch aus, indem sie durch ihren deutschen (Ex-)Freund versucht, ihrer Herkunft zu entkommen. Dies fand ich etwas widersprüchlich.

3.5

Artistisches Talent dafür, Figuren realistisch und lebendig darzustellen. Ihre Charaktere wirken glaubwürdig und nahbar, mit Ecken und Kanten, die sie menschlich machen. Dadurch entsteht beim Lesen schnell eine gewisse Nähe, die die Geschichte angenehm greifbar macht.

2

„Drei Kameradinnen“ ist nominiert für die Longlist des Deutsches Buchpreises. Ich hatte den Roman bereits vor der Longlist auf meiner Liste der Bücher, die ich gerne lesen möchte. Demnach hatte ich den Roman auch angefragt und erst später erfahren, dass er nominiert wurde. Gelesen habe ich ihn aber erst nach der Nominierung und muss ehrlich gestehen, dass die Nominierung mein Interesse etwas ansteigen ließ. Doch bevor ich erzähle, wie ich den Roman fand, folgt eine kurze inhaltliche Zusammenfassung. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Ich-Erzählerin Kasih, die über ihre Freundinnen und sich berichtet. Ausschlaggebend für ihre Erzählung ist die Verhaftung ihrer Freundin Saya. Von diesem Abend an erzählt Kasih in mehreren Rückblicken über sich und ihre Freundinnen Saya und Hani. Die drei Frauen sind gemeinsam als Kinder von Migranten in Deutschland aufgewachsen. Mit diesem Wissen konstruiert Kasih die Geschichte der Deutschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Alltag zu kämpfen haben. Während Saya die radikalste der Freundinnen ist und sich dem offensiv entgegenstellt, ist Hani diejenige, die den Hass und die Feindlichkeit an sich abprallen lässt und nur das Gute sehen möchte. Kasih ist dabei die ausgleichende Freundin, die beide Richtungen nachvollziehen kann und nicht in eine ausschlägt. Bazyars Schreibstil ist persönlich und durcheinander. Sie lässt Kasih als die Ich-Erzählerin der Geschichte die Grenze zwischen Erzählerin und Leser*in durchbrechen. Kasih spricht direkt zu uns und ist in manchen Stellen auch bewusst provokant und ruppig. Ich fand die Idee hinter diesem Schreibstil interessant und neu. Leider gefiel mir die Umsetzung weniger gut. Die Figuren sind mir alle drei durchweg unsympathisch. Der Aufbau der Geschichte ist verwirrend und zum Ende hin irgendwie nichtssagend. Die Erzählung hinterließ in mir das Gefühl, nichts verstanden zu haben. Ich habe es gelesen und auch definitiv die Punkte erkannt, aber irgendwie war das Ende explosiv. Es hat die gesamten Vorstellungen, die die Erzählerin aufbaute, durchbrochen. Es ist eine Weile her, seitdem ich das Buch beendet habe, und demnach betrachte ich das Werk auch in der Ferne differenzierter, als ich es direkt nach dem Lesen gesehen habe. Nach dem Lesen war nur ein Gedanke da: Was war der Sinn? Ich verstehe, wieso „Drei Kameradinnen“ nominiert wurde, da es Gedanken aufwirft und Dinge aus einer anderen Perspektive durchleuchtet. Es ist extrem, offensiv und exzentrisch. Ich mochte die Geschichte und die Figuren nicht. Aber das muss auch nicht immer so sein. Das Buch hat seinen Zweck auch vielleicht genau in dieser Tatsache, dass man sich unangenehmen Themen stellt und sich selbst hinterfragt. Denn mit Vorurteilen haben wir alle zu kämpfen, selbst wenn wir aufgrund unserer Geschichte eigene fremdenfeindliche Erfahrungen sammeln.

4

Die titelgebenden ›drei Kameradinnen‹ sind junge Frauen, die seit Kindestagen eine innige Freundschaft verbindet. Die Erzählerin verweigert Leser:innen ausdrücklich die Information, aus welchem Land sie und ihre Familien jeweils kommen – offensichtlich sind sie POC_, nicht aus Deutschland, mehr musst du für den Kontext nicht wissen. ›Offensichtlich‹? Das meine ich in diesem Sinne: Von wohlmeinenden Menschen werden sie gönnerhaft auf Englisch angesprochen, in der Annahme, sie sprächen kein Deutsch. In der Schule loben manche Lehrer ihre Leistungen, verweigern ihnen aber stillschweigend die Bestnote. Bei anderen spult sich direkt ein Zyklus der Vorverurteilung ab, den auch noch so viel Fleiß nicht sprengen kann. Später findet die Protagonistin trotz Studium nur schwer Arbeit. Im Jobcenter wird sie automatisch unter ›schwer vermittelbar‹ verbucht, ideal nur für stupide Callcenterjobs – der 1,0 Abschluss interessiert gar nicht. Überall die Blicke, die Sprüche, der stete Zwang, sich die eigene Existenzberechtigung immer und immer wieder zu verdienen, und das Gaslighting: das bildest du dir nur ein, übertreibst du nicht, Deutschland hat kein Rassismus-Problem. Eine Gratwanderung: Wem kann ich trauen, wer meint es ehrlich mit mir? Will er oder sie mich ehrlich unterstützen, oder benutzt si:er mich nur, um den eigenen ›White Savior‹-Komplex zu füttern, sich als guter Mensch zu fühlen? Das frisst Energie, Lebensfreude und Chancen. Die Erzählerin konfrontiert dich manchmal mit deinem eigenen Dünkel: Ach, du hast dich nach dem NSU-Bekennerschreiben gar nicht näher mit den Morden und den Opfern befasst? Was sagt das über dich? Die drei Kameradinnen gehen sehr unterschiedlich damit um. Hani ist in einem Grad angepasst und bemüht, der beim Lesen schmerzt; alles, was sie nicht positiv sehen kann, blendet sie krampfhaft aus. Kasih, die Erzählerin, ist nur schwer greifbar: Sie ist eine unzuverlässige Erzählerin, die ihre Gefühle und ihre Erinnerungen ganz bewusst relativiert, manchmal sogar negiert oder auf den Kopf stellt. In Saya brodelt bei jeder Mikroaggression, bei jedem beiläufigen Alltagsrassismus, die Wut. Sie verbringt im Internet ›Stunden mit dem stummen Sichten des lauten Hasses‹, und der stete Tropfen höhlt den Stein … Di:er Leser:in fliegt durch die Seiten und fragt sich: Hat Saya wirklich getan, was die einschlägigen Skandalblätter schäumen lässt vor selbstgerechter Wut, was sie schrei(b)en lässt, man habe schon zu lange ›solche Menschen‹ ins Land gelassen? Ist sie eine Attentäterin, eine islamistische Brandstifterin? Und falls ja – kann ich sie ein Stück weit verstehen? Menschen wie Saya laufen Tag für Tag über vergifteten Boden, stolpern immer wieder über tiefgehende Wurzeln der Intoleranz. Der eine fällt und bleibt liegen, die andere hält es nicht mehr aus und brennt alles nieder. »Uns gibt es in dieser Welt nicht. Hier sind wir weder Deutsche noch Flüchtlinge, wir sprechen nicht die Nachrichten und wir sind nicht die Expertinnen. Wir sind irgendein Joker, von dem sie noch nicht wissen, ob sie ihn einmal zu irgendetwas gebrauchen können.« (Zitat) Sowas passiert nicht im Vakuum; wenn wir die Augen vor den Ursachen verschließen, perpetuieren wir einen fatalen Zyklus der Gewalt und Gegengewalt. Shida Bazyar lässt Protagonistin Kasih durchaus provozieren. Sie geht die Leser:innen direkt an, konfrontiert sie mit dem eigenen Schubladendenken, beschuldigt sie des Rassismus – und lässt sie dann wieder wissen, dass ihr als Erzählerin nicht zu trauen ist. »Ich kann euch verarschen, ohne dass ihr irgendwas davon merkt«. Obwohl Saya im Trio der Freundinnen wohl die Zornigste ist, spürt man auch bei Kasih, wie sehr sie endlich mal den Spieß umdrehen will. Sie zieht eine scharfe Grenze zwischen »wir« und »ihr«. »Ihr« seid die Rassisten. »Ihr« seid die, die uns unten halten wollen. »Ihr«… Jetzt seid ihr endlich mal diejenigen, die aufgrund ihrer Hautfarbe vorverurteilt werden, wie fühlt sich das an? Sie ist nicht fair, ganz bewusst. Sie teilt aus. Das ist beim Lesen unbequem. Als weiße:r Leser:in fühlst du dich vielleicht unwohl oder verspürst den Drang, einfach dichtzumachen und jeglichen Schatten der Schuld entschieden von dir zu weisen. Aber Kasihs Art ist ein sehr effektives Stilmittel, um dich aus der Komfortzone zu holen. Das ist nötig, denn in der Komfortzone kann es keinen Wandel geben. ____ _ POC = ›people of color‹ oder ›person of color‹, positiv besetzter Begriff für Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe Fazit: Seit frühster Kindheit sind Hani, Kasih und Saya Freundinnen, durch dick und dünn, ohne Vorbehalte. Doch alle drei müssen Tag für Tag durch einen Morast von Vorurteilen, Anfeindungen oder halbherzig wohlwollender Ignoranz waten – das ist nicht nur anstrengend, es schürt auch die Wut. Und dann passiert der Brandanschlag. Und dann ist Saya in allen Zeitungen als islamistische Terroristin. War sie es wirklich? Spielt es überhaupt eine Rolle? Shida Bazyar erzähle eine Geschichte, die dich aufrüttelt. Die grundverschiedenen Persönlichkeiten der drei Kameradinnen bringen diese Geschichte nicht nur schlüssig zusammen, sondern bieten Identifikationspotential – trotz Provokation, trotz Abgrenzung. Doch diese Identifikation erfordert bewusste Anstrengung: Um die Protagonistinnen zu verstehen, musst du mitdenken, hinterfragen, Unbequemes erstmal zulassen. Der Schreibstil ist ausdrucksstark, hält dich aber immer auf dem Sprung; die Erzählerin wechselt abrupt das Thema, lässt Dinge ungeklärt oder widerspricht sich. Das Buch reicht dir nicht die Hand, lädt dich auch nicht ein zur Überbrückung der unsichtbaren Kluft. Die Erzählerin zeigt, wie problematisch Vorurteile sind, in dem sie ihrerseits weiße Menschen vorverurteilt, geradezu genüsslich. Manchmal ist das meines Erachtens tatsächlich ZU provokant, ZU anstrengend, ZU bemüht. Vorurteile werden nicht aufgebrochen, sondern mit eigenen Vorurteilen Schicht um Schicht überlagert – und irgendwann sieht man nur noch verhärtete, verkrustete Angst. Wobei das tatsächlich die ultimative Botschaft des Buches sein könnte: Wollen wir wirklich, dass das passiert? Falls nicht, muss jede:r an sich arbeiten. Als Gesamtbild betrachtet kann mich der Roman auf jeden Fall überzeugen, und ich bin froh, ihn gelesen zu haben. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-shida-bazyar-drei-kameradinnen

1

Das Buch "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar konnte mich leider so gar nicht abholen.

5

Das Buch ist nicht nur ein Porträt dreier junger Frauen, sondern vor allem eine schonungslose Abrechnung mit Alltagsrassismus und rechter Hetze.

Die Handlung spielt eigentlich nur an einem Abend, aber durch Rückblicke und Gedanken der Erzählerin lernt man viel über das Leben der drei Frauen. Es geht um Freundschaft, Loyalität, Angst – aber vor allem darum, wie es ist, in Deutschland zu leben, wenn man nicht der weißen Norm entspricht. Spannend ist, dass nicht allen drei Freundinnen gleichermaßen der Rassismus, der ihnen widerfährt, aufstößt. Manche von ihnen wollen sich nicht ständig mit diesen Themen beschäftigen, versuchen vielleicht sogar, es wegzuschieben oder zu relativieren. Diese Unterschiede führen zu Konflikten und Gesprächen, die ein jeder von uns nur zu gut kennen müsste. Der Schreibstil ist besonders. Er ist direkt, manchmal fast wie ein Gespräch mit einer Freundin. Es wird nicht viel beschönigt, nicht drumherum geredet. Die Erzählerin sagt, was sie denkt, oft mit Wut, aber auch mit Humor und sehr viel Klarheit. Manchmal springt sie in Gedanken hin und her, aber das passt zur Geschichte. Ein tolles Buch, das zum Nachdenken anregt und vor Augen führt, was niemand von sich freiwillig behaupten würde.

4.5

Wenn ich alle (weißen) Menschen dazu zwingen könnte ein Buch zu lesen, wäre es dieses.

Unzuverlässige Erzähler for the win. Unzuverlässige Erzähler die WISSEN, dass sie unzuverlässig sind und mit dem Leser spielen, ihn vorführen und auflaufen lassen - chef's kiss. Ein so wichtiges Buch. Ich habe mich wiederholt ertappt gefühlt und genauso muss es sein. Die Debatte muss unangenehm sein und damit beginnen, sich selbst zu hinterfragen. Ein Schlag in die Magengrube, an den ich noch lange denken werde.

Hinweis: Abbruch-Rezension Das war leider gar nichts für mich. Ich hatte mich auf ein kritisches Buch gefreut, das aus der Lebensrealtiät von Migrantinnen in Deutschland erzählt. Ein bisschen hatte ich gehofft, das Gefühl von "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" zu haben. Stattdessen hatte ich furchtbar unsympathische nörgelige Protagonistinnen, die sich über das bürgerliche Leben lustig machen. Bis zum spannenden Teil bin ich gar nicht gekommen, da mich dieses super edgy Gefasel von ~Hochzeit ist doch bescheuert~ so genervt hat. Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber das Leben ist zu kurz für Bücher, die eine gute Idee haben, aber deren Umsetzung mich nicht abholt. Zwei Sterne, weil der Inhalt von dem, was ich noch überflogen habe, wichtig und brisant ist.

4

Eine Achterbahn der Gefühle. Sympathien, Antipathien, Genervtheit, Verständnis. Fragezeichen! Aber das Buch funktioniert. Ich war im Flow, ich war entertained, ich wurde irgendwie berührt…

Create Post