Blutbuch

Blutbuch

Hardback
3.6583
Transgender RomanDebütroman SchweizWeiblicher StammbaumRoman Über Selbstverwirklichung

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Description

Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem Schweizer Vorort, lebt sie nun in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie. Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l’Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Hardback
Pages
336
Price
24.70 €

Author Description

KIM DE L’HORIZON, geboren 2666 auf Gethen. Vor ›Blutbuch‹ versuchte Kim mit Nachwuchspreisen attention zu erringen – u. a. mit dem Textstreich-Wettbewerb für ungeschriebene Lyrik und dem Damenprozessor. Heute hat Kim genug vom »ICH«, studiert Hexerei bei Starhawk und textet kollektiv im Magazin DELIRIUM. ›Blutbuch‹ wurde 2022 mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung sowie dem Deutschen Buchpreis und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Der Roman wird in 17 Sprachen übersetzt und für di

Characteristics

2 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
42%
30%
7%
74%
32%
19%
75%
100%
76%
59%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
62%
31%
56%
75%

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex100%
Moderate0%
Poetisch (100%)Außergewöhnlich (100%)

Posts

98
All
3

Kunst, psychische Selbsthilfe oder ein Roman?

Ich kann die Frage nicht klar beantworten. Falls es Kunst ist, ist es Geschmacksache und, bis auf einige Aspekte nicht ein zu mir sprechendes „Werk“. Ich umreiß die Gesamtheit nicht. Falles es psychische Selbsthilfe ist, gebührt ihm mein Respekt und ich bin vielleicht niemand, der sich in diesen „Schmerz“ versetzten kann, aber ich denke das Buch hilft denen, zu denen es spricht. Falls es ein Roman ist: Ich hab mich durch Kapitel 1-3 „gekämpft“; Teil 4 war außergewöhnlich und ich hab es gerne gelesen. Teil 5 ist der für mich wichtigste Part des Buches. Er erklärt, er lässt verstehen, er umklammert die ganze Geschichte. Wer das Buch liest sollte mE in diesem Fall wirklich bis zum Schluss versuchen durchzuhalten.

2.5

Was soll ich sagen? Wenn ich es kurz und knapp sagen müsste: Ich bin mit der Art, wie das Buch von Kim geschrieben wurde, absolut nicht klar gekommen. Ich probiere es trotzdem etwas ausführlicher. Insgesamt drei Anläufe hat es gebraucht, bis ich in die Geschichte gefunden habe und auch dann war es ein zäher, anspruchsvoller Brocken. Zumindest so lange, bis mensch bei diesem Text in die Vergangenheit eintaucht und versucht das komplizierte Beziehungsgeflecht zu verstehen, das die Grundlage von Blutbuch bildet. Doch so einfach ist das alles nicht zu durchdringen. Gerade wenn ich dachte, ich habe einen Zugang gefunden, nahm die Geschichte wieder Tempo heraus und es wurde über Identität und Zweifel gesprochen, wohin der Körper nun gehört. Mann, Frau, beides, gar nix - das wird ausgeweidet bis es nicht mehr auszuhalten ist. Dazu kommt dann noch die ganze Fickerei, die sich einem wirklich ätzend und schwitzig auf die Haut brennt. Es macht zwar wirklich Sinn, weil es zur Figur Kim gehört, weil sie sich treiben lässt, weil sie ihre Unsicherheit darin ertränkt. Aber für mich als Lesenden war das irgendwann zuviel Sex, zuviel schwülstige Bettgeschichten, über die sich die Figur definiert. Alles in allem ein Buch mit ein paar wirklich starken Passagen, die für mich den ganzen anderen Rest leider nicht wettmachen können. Ich lese ja wirklich gerne auch abseitige, auch Geschichten mit queeren Charakteren bzw Plots, wenn allerdings der erotische Faktor überhand nimmt und, wie in Blutbuch geschehen, massiv explizit beschrieben wird bin ich raus. Es dient dann in meinen Augen nicht mehr der eigentlichen Geschichte oder ist einfach nur übertrieben. Ich für meinen Teil kann das Buch also nur stellenweise empfehlen und es muss schon extrem gut passen, dass einem diese Geschichte zusagt.

5

Ein Buch, das fordert, das Grenzen sucht und überschreitet. Eine schreibende Suche nach der eigenen Sprache, Identität, Familiengeschichte. Es erzählt eine non-binäre Stimme mal poetisch in wunderschönen Bildern, mal derb, roh und mit aller Vehemenz nicht linear, sondern spiralförmig in die Tiefe blickend von dem, was es heißt, keinen Platz zu haben in der Heteronormativität. Das ist neu, außergewöhnlich und faszinierend für Lesende, die Gegenwartsliteratur lieben.

5

Hä, WIE konnte das so lange ungelesen bei mir rumstehen 😭 ein Meisterwerk über Familie, Herkunft, Klassismus, Queerness, Coming-out, Sexualität, Bildung und Sprache. Hat definitiv das Potenzial zum Jahreshighlight ✨

Abgebrochen

Schon der Klappentext macht deutlich, dass Blutbuch kein Roman ist, der sich einfach in eine Schublade stecken lässt. Erzählt wird aus der Perspektive einer Figur, die sich weder als Mann noch als Frau identifiziert und zwischen Herkunft, Erinnerung und Identität ihren Platz sucht. Als die Großmutter an Demenz erkrankt, löst das eine Bewegung in die Vergangenheit aus – ein Nachspüren zwischen Generationen und Familiengeheimnissen. Kim de l’Horizon verbindet diese Suche mit einer sehr eigenen Sprache, die nicht nur erzählt, sondern experimentiert: fließend, offen, manchmal gebrochen, immer suchend. Es geht um Identität, Körper, Geschlecht – aber auch darum, was wir von unseren Vorfahren mit uns tragen, ohne es zu merken. Ich habe das Hörbuch gehört, das Kim de l’Horizon selbst eingesprochen hat – und das war tatsächlich ein Erlebnis für sich. Die Stimme, die schwebend zwischen Ernst und Poesie variiert, die gesungenen Passagen, das Schweizerdeutsche, das so liebevoll eingewoben ist – das alles hat eine enorme Ausdruckskraft. Sprachlich ist Blutbuch ohne Frage ein Kunstwerk. Aber es ist auch ein Werk, das fordert – und in meinem Fall: überfordert hat. Nach etwa dreißig Prozent habe ich das Hörbuch abgebrochen. Nicht, weil ich es schlecht fand, sondern weil ich irgendwann gemerkt habe, dass es mich immer weniger berührt. Ich hatte anfangs erwartet, dass die nonbinäre Identität stärker im Zentrum stehen würde, aber das Thema zieht eher leise Kreise im Hintergrund. Stattdessen entfaltet sich ein collageartiger Text aus Erinnerungsfetzen, Gedankensprüngen, Reflexionen und inneren Stimmen – schwer greifbar. Ich bin mir sicher, dass vieles an mir vorbeigeflossen ist, was ich einfach nicht verstanden habe. Trotz meines Abbruchs bleibt für mich der Eindruck eines mutigen, eigenwilligen Buches, das Grenzen sprengt – formal, sprachlich, thematisch. Für mich war es letztlich eher ein Kunstobjekt zum Bewundern als ein Roman zum Eintauchen.

5

Eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte und der Sexualität!

Auf eine sehr intensive Art arbeitet Kim de l'Horizon seine Familiengeschichte auf! Typische Mann- und Frauenbilder werden in Frage gestellt. Außerdem ist die Sexualität von Kim de l'Horizon ein sehr großes Thema! Ein absolut einmaliger Schreinstil und dazu Themen die genau den Zeitgeist treffen. Für mich eine perfekte Kombination. Dieses Buch zu lesen war ein Genuss und ich gebe hier eine absolute Leseempfehlung dafür ab! Rezension//Unbezahlte Werbung//Buch selbst gekauft oder geliehen

5

Ein sprachlich herausragendes und herausforderndes Buch. Kim de L'Horizon hat einen ganz besonderen und eigenen sehr abwechslungsreichen Sprachstil, ich kann es gar nicht beschreiben. Das Thema, das sehr aktuell ist, wird von einer ganz anderen Seite angegangen und brauchte in meinen Augen die teils sehr derben, klaren, dann wieder sehr einfühlsamen, tiefgründigen, humorvollen und intelligenten Ausführungen. Ich bin noch ganz gebannt von dem Buch und sehr gespannt auf die Entwicklung von Kim de L' Horizon. Ganz großes Highlight.

1

Empfand ich den Anfang des Buches noch interessant und angenehm zu lesen und zu hören, so nahm dies immer weiter ab. Der Fokus mancher Passagen des Buches wird stark auf die Sexualität der Erzählfigur fokussiert und ist dabei schlicht vulgär geschrieben. Diese Passagen beinhalten Informationen die ich schlicht und einfach nicht wissen möchte und nicht lesen möchte. Die Abhandlung eines kompletten Kapitles über die Geschichte der Blutbuche war zu dem einfach nur langweilig zu lesen. All das konnten die sprachlich wirklich exzellent geschrieben Passagen nicht aufwiegen. Für mich war dieses Buch leider ein Flop.

3.5

Intensiv, poetisch, fordernd

🌳 👵 🩸 Ich habe Blutbuch als Hörbuch gehört, gelesen von Kim de L'Horizon selbst. Und das war für mich tatsächlich die stärkste Art, dieses Buch zu erleben. Die Stimmführung, die Nuancen, der Schweizer Dialekt, ... all das hat es sehr authentisch gemacht. Inhaltlich ist Blutbuch eine schonungslose, manchmal schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte, vor allem mit der Mutter und der Großmutter. Das Erinnern, Erzählen, Umkreisen dieser Figuren hat mich an vielen Stellen berührt. Manches war wirr, überfordernd und fast zu viel. Ein Buch, das nicht um Gefallen bemüht ist, sondern seine eigene Sprache findet. Tief, suchend, radikal ehrlich.

Keine Sterne, weil was war das? Es hat so gut angefangen und dann? Rassistische und homophobe Sprache und trotzdem Buchpreis? Ich bin mit offenem Blick an dieses Buch ran: Genderfluides Erzählen, autofiktionaler Stil, Sprachgrenzen sprengen - let's fucking go, i guess? Und ehrlich: Die ersten Seiten waren sehr stark, fragmentiert, poetisch, eigen. Ich war in diesem Schmerz drinnen, in dieser Suche, in dem Spiel der Identität, dem Körper der Sprache. All das hat mich neugierig gemacht. Aber dann? Ein Absturz, den ich selten so beim Lesen hatte. Die Grundidee ist eigentlich stark. Wir haben hier eine queere, nicht-binäre Erzählerfigur, die sich auf Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte begibt, Traumata aufarbeiten will, sich vom Erbe lösen will, aber auch irgendwie daran andocken möchte. Es geht um die Demenz der Großmutter, um Fragen nach Weiblichkeit, Körper, Begehren, Scham, Sprache. Doch anstatt das zu erzählen, was zwischen den Generationen geschieht, wird das Buch zunehmend ein endloser innerer Monolog über das eigene Begehren (inklusive expliziter Beschreibungen, die weder etwas zum Plot beitragen noch irgendwie reflektiert werden). Ich bin nicht prüde. Aber ich bin irgendwann einfach müde geworden von dem, was sich da Seite für Seite entlädt (ACHTUNG, AB HIER SPOILER): 1. Sexualisierte Gewalt wird beschrieben, aber nie kritisch eingebettet: Die Erzählerfigur beschreibt mehrfach, wie sie Männer verfolgt, ihnen nachstellt, sie zum Sex nötigt, teilweise in gefährlichen Situationen, in denen Einvernehmlichkeit fragwürdig bleibt. Es wird davon erzählt, wie sie ungeschützten Sex hat, obwohl eine Ansteckung wahrscheinlich ist, ohne dass das moralisch oder narrativ je reflektiert oder hinterfragt wird. Die Schilderungen wirken eher wie ein Tabubruch um des Tabubruchs willen. Es fehlt die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung, die in einem autobiografisch gefärbten Text besonders wichtig wäre. 2. Die Sprache wird bewusst derb, aber manchmal auch schlicht ekelhaft (ohne Mehrwert): „…dass es sich teuflisch gut anfühlt, durch die Straßen zu gehen und zu spüren, wie das Sperma extrem langsam den Körper wieder verlässt, langsamer als Honig, langsamer als die Tannenzapfenmelasse…“. „Wenn ich Käse oder Karotten raffle, raffle ich mich mit.“ Diese Sätze wollen provozieren, klar. Aber sie driften ins Groteske ab, ohne dass Sprache hier noch Bedeutung stiftet. Es wirkt wie pubertäre Grenzüberwindung statt sprachlicher Subversion. 3. Rassistische Stereotype werden reproduziert und nicht hinterfragt: Die Erzählerfigur formuliert sinngemäß, dass „wir Weißen“ insgeheim alle „von Arabern hart gefickt werden wollen“ und spricht auch vom "Drecksaraber". Das ist nicht nur zutiefst rassistisch, sondern bedient koloniale Fantasien und sexualisierte Exotisierung. Dass diese Aussage unkommentiert bleibt, ist sooo gefährlich. 4. Homophobie und Misogynie blitzen in Sätzen auf, die angeblich „subversiv“ sein sollen, aber letztlich nur verletzen: Die Mutter der Erzählinstanz wird als ungebildet, konservativ und „faschistisch“ dargestellt, weil sie sich mit ihrer Herkunft befasst oder einen Gentest gemacht hat. Dabei wird sie in Dialogen regelrecht abgekanzelt, anstatt dass ein echter Austausch stattfindet. Körperliche Diversität wird thematisiert, aber in Formulierungen, die Ekel hervorrufen sollen. Die Body Positivity, die der Text zu wollen vorgibt, kippt dabei ins Gegenteil. Und währenddessen wird einem suggeriert: Das muss jetzt so sein. Weil politisch und queer. Sorry, aber nein, so funktioniert das nicht. Ja, das Buch experimentiert viel mit Sprache, Struktur, Form. Briefe, Gedichte, Gedankenstrudel, Sprachbilder. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, ich bin nicht in einem Roman, sondern in einem Monolog, der permanent Aufmerksamkeit fordert, ohne irgendwas zurückzugeben. Es ist, als würde jemand auf der Bühne stehen, Spotlight auf sich selbst richten, und rufen: Schaut mich an, ich bin so dekonstruiert, dass es schon wieder Kunst ist. Aber Dekonstruktion ist kein Selbstzweck. Und Kunst darf weh tun, aber sie muss dabei nicht gegen marginalisierte Gruppen treten. Ich war verwirrt und genervt und irgendwann auch wütend. Wütend, weil da so viele kluge, wichtige Ansätze waren, die einfach untergehen in diesem Strudel aus Ego, Überinszenierung und Grenzverletzung. Wütend, weil die queere, literarische Sichtbarkeit, die dieses Buch bekommen hat, so dringend gebraucht wird, aber hier leider durch problematische Bilder beschädigt wird. Wütend, weil da jemand ganz offensichtlich schreiben will, um zu heilen und sich dabei trotzdem wieder auf Kosten anderer inszeniert. Und ganz ehrlich: Ich verstehe nicht, wie dieses Buch den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, weil es in Teilen schlicht gefährlich ist. Weil es rassistische Bilder nicht bricht, sondern weiterschreibt. Weil es Übergriffigkeit nicht benennt, sondern in poetischen Nebel packt. Weil es behauptet, für alle zu sprechen, aber eigentlich nur für sich selbst schreit. Fazit: Gibt’s nicht. "Blutbuch" ist kein Roman, den ich bewerten kann.

4.5

Unerwartet großartig

Nach dem ersten Einlesen hätte ich nicht gedacht, dass mir das Buch gefallen würde. Die Sprache ist sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, aber man kommt rein und das Buch zieht einen in seinen Bann. Ich hatte das Gefühl, dass das ganze Buch wild aus dem Kopf des (non-binären) Ich-Erzählers sprudelnde Gedanken sind. Es geht um Queerness, Identität und transgenerationale Traumata. Es geht um Beziehungen in der Gegenwart und Aufwachsen in der Vergangenheit mit den zwei wichtigsten Personen im Leben des Ich-Erzählers, seiner Meer (Mutter, abgeleitet aus dem französischen Mère, er schreibt aber durchgehend Meer, was im bernschweizerdeutschen Dialekt üblich ist) und der Großmeer (der Großmutter). In einem Kapitel wird der gesamte Stammbaum der weiblichen Linie aufgearbeitet, mit all' dem, was Frauen ertragen mussten im Laufe der Jahrhunderte. Das Buch ist schonungslos ehrlich, direkt, melancholisch, zärtlich, traurig, mutig und hoffnungsvoll zugleich. Es erschlägt einen mit voller Wucht, ein grandioses Kunstwerk, das mit Sprache spielt, man muss sich nur drauf einlassen.

4

So etwas habe ich noch nie gelesen.

Das Buch, das den Schweizer und den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Ein Roman, über den schon so viel gesagt wurde und deshalb mache ich es hier auch nochmal: Was ein wilder Ritt, ein Text wie ein reißender Fluss!

3

Der Buchpreis 2022 ging an dieses Werk. Ein Jahr später greife ich nun dazu und ich muss sagen, dass es teilweise ganz schön herausfordernd war. Wir folgen in diesem autofiktionalen Text der Person Kim. Anlass zum Verfassen dieses Textes ist die beginnende Demenz seiner/ ihrer Großmutter. Das Buch ist in 5 Teile gegliedert. Zunächst beschreibt Kim im ersten und zweiten Teil Erinnerungen aus seiner/ihrer Kindheit. Wir erfahren von welch Ambivalenz das Verhältnis zu seiner/ihrer Mutter und Großmutter geprägt ist. Im 3. Teil begleiten wir ihn/sie bei der Recherche zur Blutbuche, die innerhalb der Familie eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Die u.a. für die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur steht bzw. fließend ineinander über geht. Im 4. Teil erfahren wir etwas über den weiblichen Stammbaum mütterlicherseits . Die Recherchen Kims eigener Mutter beginnen mit dem 14. Jahrhundert und enden in der Gegenwart. Wir erfahren, dass diese Familie viele starke, bemerkenswerte Frauen aufweist, von denen die meisten erschütternde Schicksale erleiden mussten. Der 5. Teil ist in englischer Sprache verfasst und richtet sich direkt an seine/ihre Großmutter. Eine Übersetzung befindet sich aber auch ganz am Ende des Buches. Natürlich spielt die ganze Zeit über Kims Non- Binarität eine sehr wichtige Rolle. Es geht ums Schweigen und ums Schreiben der nicht gesagten Worte. Es geht um Identität, Trauma und das Vererben von Traumata. Es werden Rassismus und Klassizismus thematisiert und letzten Endes wird der Text versöhnlich mit der eigenen Familie bzw. Realität. Wie bereits erwähnt, empfand ich das Lesen streckenweise als sehr anstrengend und oftmals konnte ich bestimmten Passagen nicht nachvollziehen. Andererseits mochte ich diese formale Andersartigkeit des Textes. Es gab Lyrik, Zitate und teilweise einen ganz eigenen Rhythmus innerhalb des Textes. Manche Szenen waren mir zu abstrakt, manche zu plastisch. Ich hätte Kim gerne näher kennengelernt. Hätte gerne mehr über das Leben als nonbinäre Person erfahren. Einige Einblicke konnte ich gewinnen. Andere blieben mir fremd oder gar fern. Hier wäre ich sehr gerne noch tiefer eingetaucht. Wer generell viel liest und sich gerne herausfordern möchte und sich mal auf etwas Neues einlassen kann, dem/der ist dieser Text zu empfehlen.

3

"Ich denke daran, wie nahe ich mich dir fühle, wenn ich dir schreibe, und ich denke daran, wie fern ich mich dir fühle, wenn ich dich sehe." Das 'Blutbuch', das 2022 den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, ist sicherlich eins: außergewöhnlich. Stilistisch bricht Kim de l'Horizon mit dem, was man kennt, was man erwartet, wenn man einen Roman aufschlägt. Jedes Kapitel ist in Form und Ton anders als das zuvor, die Perspektive und selbst die Sprache wechselt innerhalb des Buchs. Inhaltlich setzt sich die Erzählfigur intensiv mit der eigenen Identität auseinander, mit der eigenen Sexualität, mit Männlichkeiten und Weiblichkeiten und auch mit den Frauen in der Familie - sowohl den lebenden, als auch den längst verstorbenen in Form von Ahnenforschung. Sprachlich schafft Kim de l'Horizon es, sehr dichte und beeindruckende Bilder zu schaffen. Doch auch, mit Sprache zu irritieren und zu verstören - sei es auf harmlose Art, wenn Schweizerische Begriffe verwendet werden. Oder auch auf sehr brutale Art, wenn diskriminierende und rassistische Sprache verwendet wird - meinem Empfinden nach zu krass, habe nicht verstanden, warum das so da drin stehen muss. Auch, wenn mich das Buch immer wieder fasziniert und mich einige Passagen sehr berührt haben, hat es mir doch insgesamt nicht so gut gefallen. Einige der verwendeten Schreibstile fand ich zu anstrengend, zu provokant obszön oder dann wieder zu hochliterarisch poetisch. Es war auf jeden Fall ein Erlebnis, das sich sicherlich gut dafür eignet, sich ein eigenes Bild von zu machen. CN: Fettf3indlichkeit, Kindst0d, Ras$ismus, Tierleid, selbstv3rletzendes Verhalten, häusliche G3walt, Verg3waltigung, Abtr3ibung, Abl3ismus, Demenz, T0d, F3mizid, I-Wort, Transf3indlichkeit

2.5

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Die überraschend expliziten Sexszenen waren mir zu viel, um den Rest des Buches gut finden zu können. Generell empfand ich es als etwas wirr.

1

Unklarer Roman mit verstörenden Elementen

Zunächst möchte ich festhalten, dass meine Bewertung ausschliesslich auf meinem persönlichen Leseerlebnis basiert und nicht auf der Person, die das Buch geschrieben hat. Der Buchtitel und das Cover fallen sofort ins Auge. Nach der Lektüre kann ich jedoch nicht sagen, warum genau dieser Titel gewählt wurde. Das Buch liest sich für mich nicht wie ein Roman, da die Erzählung nicht im Vordergrund steht. In einem Roman sind die Handlung, die Charaktere, der Spannungsbogen und die narrative Struktur zentral. Das konnte ich bei diesem Buch nicht erkennen. Auch nach Beendigung des Lesens bleibt für mich unklar, was KIM DE L’HORIZON eigentlich mitteilen möchte. Ich habe stets darauf gewartet und gehofft, dass noch etwas passiert oder sich mir etwas erschliesst, doch das blieb aus. Besonders die Fragen, warum sich die Hauptfigur im eigenen Körper nicht wohl fühlt oder welchen Einfluss Kindheit, Aufwachsen und Bezugspersonen hatten, blieben für mich unbeantwortet. Auch die Frauenbiografien konnten mir keine Klarheit verschaffen. Ich vergebe einen Stern, weil mir das Buch nicht gefallen hat. Ich empfand die Schilderungen als zu vulgär und mehr verstörend als erhellend. Es ist wahrscheinlich, dass ich mich kaum an etwas erinnern werde. Warum dieses Buch den Literaturpreis 2022 erhalten hat, werde ich noch recherchieren.

Unklarer Roman mit verstörenden Elementen
4

Facettenreich

„Blutbuch“ behandelt in nur wenigen Seiten so viele Themen über die es sich nachzudenken lohnt, dass ich wirklich Stunden damit verbracht habe zu reflektieren, was Kim sagt und was die Aussagen sind bzw. sein können. Kim arbeitet Kindheitserinnerungen auf denn Blut ist ein großes Thema im Buch. Von Blutsverwandtschaft, über die Blutbuche im Garten der Familie: Blut verbindet, Blut transportiert den Sauerstoff zum Atmen, hält den Körper zusammen. Doch Blut bedeutet auch Verpflichtungen und Erwartungsdruck. Eine Blutbuche kann so wachsen, wie sie möchte. Das Ziel ist, dass Mensch irgendwann auch genauso frei wachsen kann, wie eine Blutbuche, doch der Weg ist noch sehr lang, wie schon die Reaktionen auf Kims Auszeichnung aussagen. Besonders am Anfang ist nur die Rede von „dem Kind“. Ein psychologischer Schachzug um Traumata nicht zu nah an den Menschen zu lassen. Außerdem natürlich auch sehr gut um zu verdeutlichen, dass auch „das Kind“ ein Recht auf Selbstbestimmung hat. Auch sprachlich zeigt Kim innovative Facetten der Sprache. Sie ist weltoffen, modern, intensiv und alles, was eigentlich Mensch sein sollte. Doch Mensch tut sich schwer mit Offenheit, Fallen lassen von Stereotypen und Akzeptanz von Individuen. Was sowohl Sprache und Mensch gemeinsam haben ist, dass beides hässlich, wunderschön, klangvoll und mächtig sein kann. Mensch sollte alles sein dürfen, ohne Druck, egal woher und sich frei entfalten. Es gibt berührende, traurige, zynische und auch se*uell harte Szenen. Und das ist Perfektion in reinster Form. Kim füllt Leerstellen der Sprache mit persönlicher Andersartigkeit und bringt so dem Lesenden näher, welchen Prozess queere Personen durchleben können. Auch Kims Spiritualität kommt im Buch nicht zu kurz, was der Geschichte noch mehr Persönlichkeit verpasst. Kims Worte hallen noch lange nach, immer wieder denke ich über einzelne Passagen nach. Die Ästethik, die Kim mit diesem Buch zeigt hat man so noch niemals gelesen.

4

Das erzählende Ich unternimmt im Gewinnerroman des Deutschen Buchpreises “Blutbuch” den Versuch, schreibend seinem weiblichen Familienzweig nachzuspüren und sich selbst darin zu verorten. Kim de l’Horizon schreibt autofiktional aus Sicht eines Menschen, der sich keinem Geschlecht eindeutig zugehörig fühlt. Dabei sind dessen Mutter (“Meer”) und Großmutter (“Grossmeer”) sowie zwei Leerstellen im weiblichen Familienstammbaum die Pfeiler, um die sich die spiralförmige Annäherung der Erzählfigur kreist. Adressiert wird vornehmlich die Grossmeer, die an Demenz erkrankt ist und droht, ihr Gedächtnis bald vollständig zu verlieren. Der Roman hat fünf, im Ton sehr unterschiedliche Teile, von denen die ersten zwei sich vor allem auf die Kindheit und das Heranwachsen im Berner Vorort Ostermundigen konzentrieren. Die kindliche Perspektive wird mit mystisch und fabelhaft aufgeladenen Geschehnissen unterstrichen, während der Ton im dritten Teil aufgrund der gegenwärtigen, erwachsenen Perspektive der Erzählfigur zu heutiger woker, mit Anglizismen durchtränkter, politisierender Sprache wechselt. Kim de l’Horizon mäandert gefühlt ohne Ziel, wechselt von expliziten Sexszenen über zu sachlich recherchierten Berichten über die Blutbuche. Überhaupt die Blutbuche: Der Baum im Garten der Großmeer, der für das Kind Schutz und Zuflucht symbolisierte. Überall wird nach Anhaltspunkten gesucht, die irgendwie weiterbringen, irgendwie Aufschluss geben über… ja, was denn überhaupt? Kim de l’Horizon macht keinen Hehl aus seinen Struggles, diesen Text zu schreiben und webt sie als erzählerisches Mittel ein. Mehrmals wird zurückgerudert, mehrmals wird auf einer Metaebene von der Arbeit am Text erzählt. Dann Teil vier, der wiederum anders ist, und uns doch weiter in die Familiengeschichte tauchen lässt, als wir es zu hoffen gewagt hatten. Und zuletzt ein (englischer) Brief an die Großmutter, die zeitlebens nicht einmal das Schriftdeutsch beherrschte. Kim de l’Horizon versucht hier sehr viel und einiges empfand ich als gelungen. Verschiedene Motive und Bilder blieben hängen, das beinahe blinde Tasten und stückchenweise Vorankommen im Entdecken und Aufarbeiten der eigenen Essenz, in der unweigerlich die gesamte Familiengeschichte verkörpert und vereint ist. Nur manchmal für mein Empfinden zu viel, zu ziellos, zu inkohärent. Im Gesamteindruck doch großartig und begeisternd.

4

Hier handelt es sich wahrhaftig um das außergewöhnlichste Buch, dass ich je gelesen habe. Eine Mischung aus Familienroman mit Geheimnisssuche, botanischem Sachbuch, esotersicher Fantasy, Erfahrungsbericht zur Selbstfindung und pornografischen Kurzgeschichten. Ich fand es gleichermaßen irritierend, wie faszinierend, am Anfang musste ich mich schon sehr durchquälen. Trotz der vielen verschiedenen Ansätze hat Kim de L'Horizon es geschafft, am Ende alles wunderbar abzurunden und zu verknüpfen und mich doch noch sehr zu begeistern. Ich finde es tatsächlich sehr gelungen.

3

Ein Buch über Sprache und das Suchen nach Identität in derselbigen. Ich verstehe warum es den Buchpreis erhalten hat. Da meine Realitätswahrnehmung maximal entfernt ist, fällt es mir schwer die Distanz zu überwinden.

Der Erzähler, man entschuldige den Maskulinum generalis, sucht nach seinen Wurzeln nachdem klar wird, dass die Grossmeer immer tiefer in die Demenz rutscht und damit ein Teil der eigenen Identität zu verschwinden droht. Das Erforschen der Blutbuche aus dem Garten manifestiert die Bilder nach der Ich-Suche, dem Ich-Werden. Alle gesellschaftlichen Konzepte werden in der Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte, ausdrücklich auch mit der eigenen Mutter, in sich aufgelöst, ja müssen in der Auflösung enden, sie sind nichts als nutzlose Rahmen wenn sie der eigenen Identität im Wege stehen. Ich konnte nicht mitfühlen, aber der anderen Blickwinkel war doch an Stellen interessant genug weiter zu lesen. "My mother tongue is talking, my father tongue is silence."

1

Uff ehrlicherweise weiß ich gar nicht, was ich zu diesem Buch sagen soll. Es ist poetisch, künstlerisch und lyrisch. Während es an anderen Stellen sehr direkt und grafisch ist. Ich glaube, dass dieses Buch ein wertvoller Beitrag für die queere Community ist, für nicht-binäre Menschen und Menschen, die sich mit generationsübergreifenden Traumata beschäftigen. Mir persönlich hat der Schreibstil eher weniger zugesagt. Es geht um Identität, das eigene Selbst, wer mensch ist und um die Beziehung zu weiblichen Verwandten im Leben von Kim de l’Horizon. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass das Buch extra kompliziert geschrieben ist, um die Elite des Bildungsbürgertums abzuholen und möglichst viele Buchpreise zu bringen. (Was mit dem deutschen und schweizerischen Buchpreis 2022 ja auch geklappt hat). Ich habe mich als be Leser*in als ein “Mittel zum Zweck” gefühlt, was ich persönlich eher unschön, unsympathisch und nicht wirklich künstlerisch empfand. Man muss dem Buch lassen, dass es ehrlich, offen, intim geschrieben ist und viele wichtige Themen adressiert. Ich persönlich habe allerdings nicht sehr viel Freude beim Lesen empfunden.

2

Ich habe wirklich keine Ahnung, wieso dieses Buch so hochgelobt wird. Es gibt ein paar nette Wortspiele, teilweise einen interessanten sprachlichen Stil…aber das reicht bei weitem nicht, diese Albernheit aufzuwerten… Es gibt viele belanglose, wirre und zusammenhanglose Episoden, keinen wirklichen Inhalt. Für mich total uninspirierend und langweilig. Die Bewältigung eines kindliches Traumas, mehr nicht. Nach dem ersten Drittel des Buches war mir meine Lesezeit zu schade und ich habe es abgebrochen.

5

Was für ein Meisterwerk über Familie, Generationstraumata, Sexualität und Gender und die Existenz an sich! Dieses Buch hat mich ab Seite eins unglaublich berührt und aufgesaugt, was echt lange nicht mehr passiert ist und ich habe in den letzten Jahren echt gute Bücher gelesen! Der Schreibstil ist unglaublich ausdruckstark und lebendig - ich bin sprachlichlos. Dieses Buch hat zu mir gesprochen und so viele biografische Parallelen zu meinem Leben angeschnitten, dass ich mich wundmarkiert habe an so einigen Textstellen. Eines meiner liebsten Bücher aller Zeiten!

4.5

Ein sehr besonderes Buch, noch nie etwas vergleichbares gelesen. Hat mich sehr berührt. „Der Abgrund wird nicht kommen, wir sind der Abgrund. Das Licht kommt nicht erst drüben, wir sind das Licht.“

In diesem Buch geht es generationales Trauma, um die Geschichte von Frauen, um doing Gender und vieles mehr. In der Mitte zog es sich etwas und wiederholte sich. Aber abgesehen davon war es super eindrucksvoll und ich habe viel davon mitgenommen. Ein fragmemtierter, denglisch Schreibstil.

5

Gewaltig in Sprache und Inhalt. Nichts, was man einfach so nebenbei liest; dieses Werk braucht die Aufmerksamkeit, die es verdient.

5

Kein Buch sondern ein Kunstwerk

Ich hatte definitiv etwas anderes erwartet. Ich würde nicht sagen, dass es sich hierbei um einen Roman handelt. Das Buch ist eine seltsame und einzigartige Mischung aus Lyrik, Essay, Briefen und Reflektionen. Die Thematik und die Auseinandersetzung damit ist alles andere als leicht. Ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl das persönliche Tagebuch einer Person zu lesen, die getrieben von Emotionen einfach all ihre Gedanken niederschreibt - teils zusammenhangslos. Mal war das Buch wie ein Autounfall und ich konnte nicht wegsehen, mal hat es schockiert und zwischendrin hat es mich an manchen Stellen aber auch verloren und es fühlte sich gezogen an. Ich mag mir gar nicht anmaßen hier wirklich ein Urteil zu fällen, denn das Buch ist einfach Kunst.

3

Ich weiß nicht wie ich dieses Buch beschreiben soll

Ich hab es mir gekauft weil ich neugierig war, was das für ein Buch ist das den Buchpreis gewonnen hat. Vorrab hab ich mir schon einige Rezensionen durchgelesen und konnte mir schonmal so in etwa vorstellen was da so in den Buch drinsteckt. Ich hab noch nie so viele Zettel in ein Buch geklebt. Da stecken bestimmt 100 seitenmakierer drinne. Und trotzdem hab ich das Gefühl das ich gar nichts verstanden hab... Die unterschiedlichen Schreibstile haben mir teilweise sehr gefallen und teilweise so gar nicht. Die Sprache wurde zwischendurch sehr vulgär, was ein starken Kontrast gesetzt hat. Stellenweise musste ich mich sehr durch das Buch quälen aber ab und zu hat es auch Spaß gemacht zu lesen und ich konnte es gar nicht weglegen. Ein genaues Fazit kann ich aber nicht ziehen. Ich weiß immer noch nicht was ich davon halten soll 🥲 vielleicht fällt es mir ja irgendwann ein.

Ein Wiedererkennen; eine zarte Vertrautheit, die sich in diesem Text versteckt und mich in den ersten Kapiteln erstaunt, in der Mitte verwirrt und am Schluss grübelnd zurückgelassen hat. Ich habe Intimes gelesen, ohne aber mich Kim nah zu fühlen. Je offener und detailreicher die Darstellung, desto kälter und verschlossener wirkten die Szenen auf mich. Wen oder was versucht mensch hier zu verstecken?

5

Im autofiktionalen Roman beschreibt Kim das Verhältnis zur eigenen Großmutter und allen Müttern der Familie.

Zugegeben hatte ich etwas anderes erwartet, als ich die ersten Zeitungsmeldungen zum Buchpreis-Buch las. Es ist aber nicht in erster Linie ein queerer Roman einer nicht-binären Person - das Buch ist vielmehr eine ehrliche Hommage an Kims demente Großmutter. Es geht zudem um eine Art Genealogie von Kims Vorfahrinnen. Die Sprache ist unglaublich und absolut buchpreiswürdig. Da ich das Buch als Hörbuch gehört habe, kam ich in Genuss von Kims wunderbarer Stimme mit Berner Zungenschlag. Der Aufbau des Buchs ist spiralförmig und verwoben, also nicht linear. Es ist stellenweise extrem intensiv und berührend, auch unheimlich. Da meine Großmutter selbst an Demenz erkrankt war, war es für mich auch auf andere Weise sehr nah. Wirklich groß!

3

Das Buch ist poetisch, künstlerisch und lyrisch, gleichzeitig sehr intim und explizit. Ich glaube, dass dieses Buch ein wertvoller Beitrag für die queere Community ist, für nicht-binäre Menschen und Menschen, die sich mit generationsübergreifenden Traumata beschäftigen. Ich kam aber in den Stil überhaupt nicht rein und fand es teilweise viel zu schwer, intellektuelle und verkopft. Auch diese ellenlangen Fußnoten zu den Baumrecherchen fand ich weird bis öde. Vll bin ich auch einfach zu banausig 😅 hab’s nach der Hälfte abgebrochen weil mich auch die Beziehung der Hauptperson zu ihrer Großmutter wahnsinnig gemacht hat - was wohl auch so sein sollte

3

Verwirrend

Das erste Drittel hat mich was zum aufhören bewegt, die Mitte war so naja - wirklich tiefe hat das Buch für mich erst im letzten Drittel bekommen. Alles im allen war es sehr verwirrend

2.5

Ich habe mit dem Bernerdeutsch gefremdelt und manche Sɛxszene fand ich mehr als befremdlich. Alles in allem fand ich die Familiengeschichte interessant.

4

Nicht nur EIN Buch

Ich war sehr gespannt auf das Buch und komplett überrascht beim Lesen, da ich zunächst ganz andere Erwartungen an das Buch hatte. Das Buch vereint viele unterschiedliche Themen/ Geschichten in sich und verwendet dabei die verschiedensten Schreibstile. Ich war sehr begeistert von der wunderschönen Poesie und an manchen Stellen aber auch angeekelt von der Derbheit. Die Person Kim fande ich sehr fazinierend (nicht nur im Buch sondern auch als echten Menschen). Das Buch hat mir viele Denkanstöße gegeben und das ist es, was ein gutes Buch ausmacht.

3

Speziell, aber horizonterweiternd

Definitiv ein einmaliges Buch. Ein krasser Wechsel zwischen sehr tiefgründigen (und auch nachhallenden) Aussagen und dann wiederum sehr flachs geschriebenen fast bockigen und skandalösen Sätzen. Es ist wirklich schwer das Buch mit Sternen zu bewerten. Jetzt, nachdem ich das Buch angeschlossen habe, bin ich unschlüssig ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Besonders ist es in jedem Fall.

1

Ohne Worte.. und dafür den deutschen Buchpreis

Es ist einfach ein schlecht geschriebenes Buch. Teils total verschrobelt, dann etwas emotional, zwischendurch wird dann eine unglaublich detaillierte sexuelle Handlung eingeworfen (pornoähnlich) und dann soll es stilvoll weitergehen. Was soll das? Und das beste ist: Kim selbst weiß um diesen schlechten Schreibstil, entschuldigt sich dafür und bekommt dennoch den Buchpreis?! Enttäuschung. Das kann nicht mal der Inhalt wieder gut machen. Das schlechteste, was ich dieses Jahr lesen musste.

5

Kein einfaches Buch. Es lässt sich nicht einordnen, aber es erweitert den Horizont.

4

Gewaltige Sprache, kraftvolle Bilder: Zwischen Zartheit und Zertrümmerung auf der Spurensuche nach dem Ich 🌳🩸🌊 Deutscher Buchpreis 2022

Die Sprache dieses Buches hat mich mitgerissen, seine Themen haben Tiefe und schwingen zwischen verletzlicher Zartheit und Zertrümmerung. Die sprachliche Gewaltigkeit führt in einer besonderen Handlung auf einen Weg, der die Geschichte von der befreienden Suche nach dem Ich im Spiegel des Erlebens und Weitergebens von Generationstraumata -- besonders als Spurensuche nach den Erfahrungen von Müttern und Großmüttern -- erzählt. Sie bricht das anerzogene Schweigen und hört auf, brav zu sein. Sie schwingt mit ihrer Sprache zwischen unterjochenden und unterjochten Urgewalten der ‘Mütter’ (Natur), deren Wirken „das“ Kind ausgesetzt ist. Die Handlung taumelt melodisch zwischen der Dissoziation von und Fragen nach der Assoziation mit dem eigenen Selbst. 📖🌊✨ Die Prämierung mit dem deutschen Buchpreis 2022 ist gerechtfertigt! Ich persönlich habe empfunden, dass manche Passagen für mich zu viel waren, dass manches für mich persönlich zu explizit war. Aber das macht das Buch irgendwo auch aus. Es wird authentisch und ohne Blatt vor dem Mund ausgesprochen, was die Erzählperson denkt, fühlt - was und wie sie lebt. (Alte) Wunden werden auf ihren Ursprung hin untersucht; ihren Schmerz spürt man selbst und bezeugt gleichzeitig die Werdung des Selbst im Spiegel der Auseinandersetzung mit der vergessenen Geschichte der Frauen, die „das Kind“ prägen und formen. Ist man dieser Formung ausgesetzt? Oder formt man sich selbst? Im Strom, niemals stillstehend, kraftvoll und an jeder Stelle mitreißend bringt dieses Buch Stereotypen und tradierte Rollenbilder ins Wanken, führt zu Anfragen und regt zum Denken an. Sprachlich meisterhaft! „Das richtige Sprechen der Meersprache. Das Schweigen, was Bravsein genannt wurde. Die Angst vor Unbekannten, was Fremdeln genannt wurde. Das Zurückhalten von Tränen, was Starksein genannt wurde. Die Angst vor dem Schlafengehen; die Angst, nie mehr aufzuwachen, und die Angst, im Dunkeln das Augenlicht zu verlieren, ohne es zu merken (denn mensch sieht ja nichts). Dies wurde mühsam genannt. Zum ersten Mal die Balance auf dem Fahrrad zu finden und das daraus resultierende Gefühl einer rasenden Euphorie, als wäre die ganze Welt aus Schokolade gemacht; das Gefühl, bis ans Ende der Welt fahren zu können, bis nach Amerika, um den Mond und zurück.“ (29) 🚲🌙🌳

Gewaltige Sprache, kraftvolle Bilder:  Zwischen Zartheit und Zertrümmerung auf der Spurensuche nach dem Ich  🌳🩸🌊 Deutscher Buchpreis 2022
2.5

Absolut nicht das, was ich erwartet habe

Ich dachte, es geht viel um Kims Gender, den Weg zur Selbstfindung über Ahnen und Blutlinien. Stattdessen erwartete mich ein sehr turbulentes Buch. Durch die ersten beiden Teile musste ich mich wirklich zwingen. Diese stetigen Wechsel zwischen Kindheitserinnerungen und explizit erläuterten se*uellen Handlungen war mehr als gewöhnungsbedürftig. Alles in allem weiß ich noch nicht, was ich effektiv aus diesem Buch für mich mitnehmen werde. Ich denke, da bleibt etwas und es wird noch eine gewisse Zeit brauchen.

3

Von Kapitel zu Kapitel unterschiedlich, manche sprachlich oder inhaltlich toll, aber Rassismus in Kapitel 3 hat mich sehr enttäuscht.

3.5

Blutbuch war eine sehr interessante Autobiografie über eine nicht-binäre Person. Kim hat uns seine Kindheit aber auch sein aktuelles Lebe nähergebracht. Ich hätte jedoch gerne noch mehr über seine Kindheit erfahren.  Es ging vorwiegend um die Beziehung zu seiner Mutter und Großmutter. Zwar hat er auch seinen Struggle, in die binäre Geschlechtervorstellung zu passen dargestellt, doch das hätte für mein Interesse ruhig mehr sein können. 

4.5

Zu recht den deutschen Buchpreis bekommen!

Ein sehr poetisches Buch! Aber wunderschön und ehrlich!

5

Habe noch nie etwas vergleichbares gelesen. Kim de L'Horizon hat absolut verdient den Deutschen Buchpreis für dieses Buch bekommen.

2

Es ist definitiv mal etwas ganz anderes. Ich persönlich kann mit dieser "neu-Lyrik" leider nur sehr wenig anfangen. Während der ersten Hälfte musste ich mich zwingen, dass Buch nicht abzubrechen. Die zweite Hälfte hat mir besser gefallen aber soweit muss man erst mal kommen. Es wirkt irgendwie sehr wannabe-edgy. Auch wenn manche Textpassagen mich zum Denken angeregt haben, würde ich dieses Buch niemandem empfehlen können.

2.5

Naja...

War mal etwas Anderes. Ein Buch über Identität, Sprache, die Geschichte der Großmutter, des eigenen Seins und ganz viel Sex dazwischen. Das Spiel mit Sprache ist wirklich gewöhnungsbedürftig und sorgt mMn dafür, dass nicht wirklich ein Lesefluss entstehen kann..

Keine Sterne, weil was war das? Es hat so gut angefangen und dann? Rassistische und homophobe Sprache und trotzdem Buchpreis? Rezi kommt…

1

Dieses Buch habe ich nicht verstanden

Unklarer Roman mit verstörenden Elementen Zunächst möchte ich festhalten, dass meine Bewertung ausschliesslich auf meinem persönlichen Leseerlebnis basiert und nicht auf der Person, die das Buch geschrieben hat. Der Buchtitel und das Cover fallen sofort ins Auge. Nach der Lektüre kann ich jedoch nicht sagen, warum genau dieser Titel gewählt wurde. Das Buch liest sich für mich nicht wie ein Roman, da die Erzählung nicht im Vordergrund steht. In einem Roman sind die Handlung, die Charaktere, der Spannungsbogen und die narrative Struktur zentral. Das konnte ich bei diesem Buch nicht erkennen. Auch nach Beendigung des Lesens bleibt für mich unklar, was KIM DE L’HORIZON eigentlich mitteilen möchte. Ich habe stets darauf gewartet und gehofft, dass noch etwas passiert oder sich mir etwas erschliesst, doch das blieb aus. Besonders die Fragen, warum sich die Hauptfigur im eigenen Körper nicht wohl fühlt oder welchen Einfluss Kindheit, Aufwachsen und Bezugspersonen hatten, blieben für mich unbeantwortet. Auch die Frauenbiografien konnten mir keine Klarheit verschaffen. Ich vergebe einen Stern, weil mir das Buch nicht gefallen hat. Ich empfand die Schilderungen als zu vulgär und mehr verstörend als erhellend. Es ist wahrscheinlich, dass ich mich kaum an etwas erinnern werde. Warum dieses Buch den Literaturpreis 2022 erhalten hat, werde ich noch recherchieren.

2

Erkenntnis/Message des Buches: "Gebt Eure Traumata nicht an Eure Kinder weiter" - redet über Eure Gefühle- ein "Buch der Angst", ohne "Klarheit oder Präzision", geschrieben von einer "überempfindlichen" Person. Die " stehen für Aussagen, die Kim in dem Buch selber trifft. Was denn für Traumata, welche Ängste? Irgendwie kann oder will sich keiner daran erinnern. Also "bedeutet Schreiben das Fehlende neu zu arrangieren". Das Buch ist das Ringen, um diese Leerstellen. Gerungen wird in Teil 1 und 2 aus Kindersicht: kindliche, naive Sprache. Banalitäten werden in poetischen Zucker gehüllt. Anspruchslos, langweilig, im Stile des wegberichtens. Der Stil ist insgesamt nicht gelungen. Kim scheint sich an [b:Wer hat meinen Vater umgebracht|42621093|Wer hat meinen Vater umgebracht|Édouard Louis|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1541271431l/42621093._SY75_.jpg|61430300] orientiert zu haben. Eine ähnliche Konstellation an Briefen, essayistischen Passagen und Memoiren. Edouard Louis wird neben Eribon auch als Vorbild im Buch erwähnt. Dieses Wegberichten findet sich ua. in vielen Referenzen zu Autoren und Büchern, die Kim gelesen hat und deren Inhalt wiedergekäut werden. Insgesamt stört mich, dass viel Papier darauf verwendet wird, zu beschreiben, welche Lektüre besonders lohnenswert ist und wie das mit der genossenen Bildung zusammenhängt. Hier kommt die gleiche ekelhafte Arroganz der eigenen Klasse gegenüber hervor, die auch Louis ganz toll beherrscht. Sämtliche Theorien zum neuen Materialismus, Hexenverfolgung und Feminismus und weiteren Philosophen werden verrührt. Aber nicht in einem Plot verarbeitet, sondern in Form des berichthafen: der sagt das, da stand jenes. Ganz grauenvoll, die unansprechende Aufarbeitung der Forschungen zur Blutbuche. Da kann ich auch nen Fachartikel aus "Biologie heute" (keine Ahnung ob's die Zeitschrift gibt) lesen. Teil 3 ließ mich zunächst entzückt aufatmen: "angestrengt popliteratisch", selbstironisch, aggressiv. Leider gab's aus dieser Wundertüte nur ein paar Seiten zu lesen. Der Versuch Jugendsprache einzusetzen, gelingt nur mäßig. Ein "Dude" kommt aus Rezos Mund irgendwie authentischer rüber. Sorry Kim. Teil 4 zergeht in der Rekonstruktion der Familiengeschichte bis ins Jahr 13xx zurück. Lauter Stammbaumeinträge der Mutter, zur weiblichen Linie, die völlig überflüssig und unsinnig sind. Stinklangweiliger und uninspirierter kann man nun wirklich nicht davon schreiben, dass es eigentlich um die Frau als Opfer der Geschichte geht, um Unterdrückung, Konformismus, Entbehrungen. Der 5. Teil der Briefe, muss dafür herhalten zu erklären, was das Wirrwarr vorher zu bedeuten hatte. Es gibt damit tatsächlich ein rundes Bild des Buches ab. Und das erkenne ich auch respektvoll an. So collagenhaft das Ganze gearbeitet ist, mit Gedankensprüngen, Erinnerungsfetzen, ergibt es Sinn. Sinn, wenn man daran glaubt, dass die Last der Traumata der Familie in Geisterform in den eigenen Körper fahren können und das Leben zur Bürde machen und man davon überzeugt ist, in der Vergangenheit rumzuwühlen zur Problemlösung beiträgt, als aktiv die Zukunft zu gestalten. Sinn, wenn man sich eine hoch empfindsame Person vorstellt, die als Kind ein Trauma erleidet, weil es feststellt, dass die Spielsachen ihre Magie verlieren. Hier kann man glaub ich auch gut die Referenz zu [b:Die Stunde zwischen Frau und Gitarre|25821326|Die Stunde zwischen Frau und Gitarre|Clemens J. Setz|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1435623683l/25821326._SY75_.jpg|45678527] ziehen. Das Wasser zieht sich als bedeutungsschwerer Begriff durch das gesamte Buch. Virginia Woolf wird in diesem Zusammenhang als die Mutter der Erzählstimme genannt und der Glaube an übergeordnete Zusammenhänge. " Ich selbst habe diese wasserhaftigkeit meiner Existenz immer gespürt. Ich bin eine Flüssigkeit, mein Körper schwingt. ich bin in ständiger tiefer Resonanz mit dir, mit der Vergangenheit, mit den Geistern, die du nicht begraben hast, mit den Gefühlen, die du nicht gelebt hast". Teil 5 ist furchtbar pathetisch geschrieben. Das Essayistische weckt den Widerspruchspandabären in mir. Er greift den neuen Materialismus auf. Kim erwähnt den Körper-Geist Dualismus "ich war nie mein Körper". Hierzu möchte ich [b:Süßwasser|41592403|Süßwasser|Akwaeke Emezi|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1535870560l/41592403._SY75_.jpg|56785192] empfehlen, das zwar mit einem ganz anderen Ansatz arbeitet, aber genau diese Thematik herausragend gut bearbeitet. Die Genderfluidität wird tatsächlich nur als Nebenthema eingewoben. Hatte nicht den Eindruck, dass dies Seitens des Familientraumas eine Rolle spielte. Hier wurde mehr in Bezug auf die Interaktion mit männlichen Sextoys ein Blickwinkel aufgemacht und die Fluidität lediglich als erschwerendes Fragment im großen Traumatapuzzle hinzugefügt. Fazit: Eine Form der Kunst, die mir in wenigen Sequenzen zugesagt hat, deren Gesamtbild ich zwar erkenne, die Umsetzung zur Themensetzung allerdings ehr missglückt finde. Ich geh dann mal in Resonanz mit anderen Buchwelten....

5

Amazinggggg

Bookfriends, geht nicht in die nächste Buchhandlung RENNT! 🏃‍♀️ Das hier war mein erstes QueerBook! Ich bin nicht Queer und wusste nicht in wie weit es mich ansprechen würde aber oh boy Ein literarisches Meisterwerk in dem Sexualität, Gender, Mutter Rollen, Muttersprachen, Assimilierung, Beziehungen, Väter, das ungesagte in Familien ALLES vorkommt! Mein Literaturwiss. Dozent hat es mir empfohlen und oh Boy, das war mein Buch 2023! ✨📚✨

5

Kim de l’Horizons literarisches Ich ist auf der Suche. Nach anderen Arten, auf dieser Welt zu leben, anderen Formen des Daseins. Kim sucht und Kim findet. Nicht nur eine unvergleichliche Stimme für deren persönliche Erfahrungen und Lebenswirklichkeit, sondern ganz neue Perspektiven zum Thema Identitätsfindung und Inklusion abseits binärer Gender-Grenzen. Besonders in den Passagen, die Kim aus Sicht derens kindlichen Ichs erzählt, spürt mensch, wie herzzerreißend schwer es ist, zu dir selbst zu finden, wenn die Sprache für dich keine Worte hat. Weil du durchs Raster fällst. Weil das nicht sein darf. Mädchen oder Junge, andere Arten des Daseins sind nicht vorgesehen. Wohl nicht von ungefähr hatte Kim als Kind das Gefühl, keinen eigenen Körper zu besitzen. »Mir scheint, dass in der Körpersprache der Männer ein altes Erbe weitergegeben wird, das in der Angst gelernt, im Wettkampf geübt und im Krieg gesprochen wird. Noch heute erfüllt es mich mit Entsetzen, wenn ich dieser Sprache begegne. Wenn junge Männer auf mich zukommen, mit dieser Aggression in den Schultern, mit dieser Breite im Schritt, mit dieser Sicherheit, in ihrem Körper richtig zu sein, dieser goddamn-cocky Brunft-Brüll-Sprache der Glieder, des Dominierens, Überwältigens, Verdrängens, BÄÄMM, HIER BIN ICH, DAS IST MEIN RAUM.« (ZITAT) »Das ist Fluch, das ist Einschränkung« sagte Kim auf dem ‘Großen Longlist-Abend’ im Literaturhaus Hamburg. Aber es ist nicht nur die Gender-Doktrin, mit der »Blutbuch« bricht, sondern auch die patriarchalische Tradition des klassischen Familienromans. Kim bindet das Narrativ derens Familiengeschichte nicht an die Väterlinie, sondern autofiktional an die von der Mutter der Erzählfigur recherchierte Mütterlinie. Der Fokus liegt so auf den nicht-männlichen Perspektiven, löst sich – trotz des Titels – auch von der Vorstellung, Identität sei nur an das Blut gebunden. Die Erzählung rauscht und wogt durch die Generationen, folgt dem Stammbaum von Frau zu Frau zu Frau. Jede dieser Ahninnen ist ein Schritt, mal vorsichtig, mal beherzt, auf dem Weg zur Selbstvergewisserung und historischen Verwurzelung. »Deine Hände waren für mich immer die grauenvollsten Tiere auf der ganzen Welt. Nicht weil sie mich bedrohten, weil sie mich packten und streichelten. Sondern weil ich immer spürte, dass ich ihre Geschichte erbe. Dass sich diese Erzählung schon in meinen Körper übersetzt hat und nicht herausfinden wird, wenn ich nichts mache, wenn ich nichts aus ihr mache, wenn ich sie nicht verwandle.« (ZITAT) Ausführlich und zentral spricht Kim von und mit der Großmeer (berndeutsch für ‘Großmutter’), die Stück für Stück an die Demenz verloren geht. Erzählt von ihrer oft geradezu überwältigenden Körperlichkeit, ihrer Dominanz, aber auch ihren Traumata. Meer. Großmeer. Da ist eine große Zärtlichkeit, unterströmt von Furcht und klagend-resigniertem Unverständnis, gegen das es anzuschreiben gilt. Kim droht in diesem wogenden mütterlichen Ozean unterzugehen, findet jedoch trotz allem zum eigenen Selbst und zu einer eigenen Sprache – und die ist wahnsinnig. Wahnsinnig mutig, wahnsinnig kreativ, wahnsinnig innovativ. Je nach Kontext erfindet sie sich immer wieder neu, oft gewagt und kompromisslos, doch meines Erachtens nie forciert oder unglaubwürdig. Kim wechselt die Stile, die Bedeutungsebenen, sogar die Sprachen. Immer wieder hielt ich beim Lesen einen Moment inne, in schierem Erstaunen, beeindruckt und überwältigt. Das ist ein literarischer Befreiungsakt, der sich dir unter die Haut schreibt. Wow. Einfach nur wow. »Hier aber, in dieser Insellosigkeit, in diesem Immermittendrinsein, im Binaritäts-Faschismus der Körpersprachen, sprechen meine Glieder ein Kauderwelsch, ein zerkautes Elfisch, ein zerbroken Dringlisch, ein in Wirrnis hin und her torkelndes Dazwischen und Damit. Ich weiß nicht, wie ich mich sonst formulieren könnte als: Ich weiß keine Sprache für meinen Körper.« (ZITAT) Fazit: »Blutbuch« ist sprachlich oft wunderschön, manchmal geradezu poetisch, leise und nachdenklich. Dann wieder zieht Kim ungebremst und schamlos¹ alle Register: derb, frech, laut, explizit sexuell. Das ist radikale künstlerische Freiheit, und das feiere ich. So originell, so kraftvoll, im besten Sinne respektlos gegenüber eingefahrenen Strukturen. Burning down the patriarchy, und die binäre Geschlechterdoktrin gleich mit. ¹ Übrigens meine ich ‘schamlos’ keineswegs abwertend! Scham ist zwar etwas universell Menschliches, aber auch ein soziales Regulativ, allzu oft ein anerzogenes Mittel der Ächtung unerwünschter Lebensentwürfe oder sogar Identitäten. »Blutbuch« hätte den Deutschen Buchpreis mehr als verdient. Ich werde bei der Preisverleihung im Publikum sitzen und die Daumen drücken!

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