Fast ein Leben

Fast ein Leben

Hardcover
4.526

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Beschreibung

Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung.

Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben. Eine Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
576
Preis
25.80 €

Autorenbeschreibung

Kiran Millwood Hargrave ist eine mehrfach ausgezeichnete Sunday Times-Bestsellerautorin von elf Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, und Theater- sowie Filmadaptionen sind in Planung. Fast ein Leben ist ihr erster Roman, der bei Kein & Aber erscheint. Kiran Millwood Hargrave lebt mit ihrer Familie in Oxford.

Beiträge

11
Alle
5

Zwei Frauen, vierzig Jahre... Ein tolles Leseerlebnis!

"Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein recht ruhiger, aber auch sehr intensiver Roman, der mich sofort eingesogen hat. Paris 1978: Durch Zufall treffen sich Laure und Erica auf den Treppen vor Sacre-Coeur. Laure ist Französin und Doktorandin an der Sorbonne, Erica ist Engländerin und sich noch nicht ganz sicher über sich selbst. Deshalb hat sie sich zunächst für einen Aufenthalt in Paris entschieden. Sie weiß eigentlich nur, dass sie Schriftstellerin werden will. Zwischen den beiden Frauen funkt es, sie beginnen eine Beziehung. Das Wort Liebe fällt dabei nicht, wird nur gedacht. Am Ende des Sommers kehrt Erica nach England zurück. Die beiden Frauen verlieren den Kontakt, aber über vier Jahrzehnte begegnen sie sich immer wieder und fragen sich, ob sie damals in Paris eine andere Entscheidung hätten treffen sollen. In wunderbarer Sprache lässt uns Kiran Millwood Hargrave am Leben und den Gefühlen der beiden Frauen teilhaben. sie beschreibt alle Charaktere, auch die aus dem Umfeld, sehr eindrücklich. Wir lesen im Wechsel aus der Sicht von Laure und Erica. In einem Kapitel ist mir mal die eine der Frauen sehr sympathisch gewesen,, mal die andere das konnte aber im nächsten Kapitel schon wieder ganz anders sein, wie im richtigen Leben. Durch die wechselnden Perspektiven wird dieses Gefühl noch verstärkt. Während Erica an der Seite ihres erfolgreichen Ehemannes und mit ihren Kindern ein relativ ruhiges Leben führt, erleben wir mit Laure politische Umbrüche, Homosexualität, Aids, aber auch tiefe Freundschaften. Die beiden Frauen über 40 Jahre zu begleiten, war wirklich interessant und hat Spaß gemacht, mich aber auch zum Nachdenken gebracht. Eine großartige Zeitreise! Sprachlich hat mich eine Szene besonders fasziniert: Als Laure mit Erica die Ausstellung mit Bildern von Monet besucht, hatte ich wirklich den Eindruck, selbst vor diesen Gemälden zu stehen. Im Verlauf des Romans werden wir auch Monet immer wieder begegnen. Es ist kein Roman, den man so einfach mal durchliest und weglegt. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie es mir wohl ergangen wäre, wenn ich im Verlauf meines Lebens einmal anders abgebogen wäre. Auch diese Frage stellt sich den beiden Hauptprotagonistinnen immer wieder neu. Ich kann diesen Roman wärmstens weiter empfehlen. Die Beschreibungen von Charakteren und Atmosphären lohnt auf jeden Fall, einen tieferen Blick in diesen Roman zu werfen! Für mich ein Highlight Volle 5 Sterne!

5

Eines der schönsten und schmerzhaftesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe

Erica und Laure erinnern sich unterschiedlich an ihre erste Begegnung auf den Stufen von Sacré-Cœur: daran, auf welcher Seite der Treppe Laure saß oder wohin Erica blickte, bevor sie stehen blieb. Einig sind sie sich nur darin, dass Erica zuerst lächelte. Dass diese Begegnung im Sommer 1978 der Beginn einer Verbindung ist, deren Bedeutung sich in diesem Moment keiner von beiden bewusst ist, wird erst viel später deutlich. Denn aus dieser ersten Begegnung entfaltet »Fast ein Leben« die über Jahrzehnte miteinander verflochtenen Lebenswege zweier Frauen, die sich zwischen Frankreich und England immer wieder kreuzen. Als Erica Laure begegnet, steht sie kurz vor Beginn ihres Studiums und ist zum ersten Mal allein in Paris. Mit Laure trifft sie auf eine Frau, die ihr in vielerlei Hinsicht fremd erscheint: älter, kompromisslos und auf eine Weise pariserisch, die sie gleichermaßen fasziniert wie einschüchtert. Was zwischen ihnen entsteht, bleibt nie auf einen einzelnen Sommer beschränkt, sondern verändert sich mit der Zeit ebenso wie sie selbst. Über Jahrzehnte hinweg berühren und entfernen sich ihre Leben wieder voneinander. Mal mit mehr, mal mit weniger Abstand erleben sie mit, wie die andere Entscheidungen trifft, neue Beziehungen eingeht, zu einer anderen Version ihrer selbst werden. So wird ihre Verbindung zunehmend auch zu einer Form des gegenseitigen Beobachtens eines ganzen Lebens, und sie selbst immer wieder zu Zeuginnen jener Entwicklungen. Und doch scheint dieser gemeinsame Sommer in Paris all den Jahren und Veränderungen auf eigentümliche Weise erhalten zu bleiben, ebenso wie die Frage nach allem, was ›fast‹ möglich gewesen wäre. »Fast ein Leben« gehört für mich zu diesen seltenen Romanen, bei denen Figuren irgendwann aufhören, bloße Figuren zu sein. Stattdessen hatte ich beim Lesen zunehmend das Gefühl, ein ganzes Leben mit ihnen zu verbringen. Kiran Millwood Hargrave schafft es auf eine Weise, Emotionen zu transportieren, die mich stellenweise völlig vergessen ließ, dass ich über fiktive Menschen lese und nicht über Personen, die tatsächlich existieren. Vielleicht funktioniert das auch deshalb so gut, weil der Roman sich Zeit nimmt. Wir begleiten Erica und Laure über Jahrzehnte hinweg, erleben große Zeitsprünge und immer wieder jene Momente, in denen sich ihre Leben bereits verändert haben, ohne genau zu wissen, wann das eigentlich passiert ist. Auch die Perspektivwechsel zwischen Erica und Laure habe ich unglaublich gern gelesen. Dieselben Situationen werden aus der jeweils anderen Sicht nicht einfach wiederholt, sondern weitergeführt und ergänzt. Dazu kommt, dass beide einen so eigenen Ton besitzen, dass ich irgendwann das Gefühl hatte, ihre Stimmen zu erkennen, selbst ohne zu wissen, wer gerade erzählt. Besonders beeindruckt hat mich außerdem, wie feinfühlig die Figuren gezeichnet sind. Erica und Laure stehen zwar im Zentrum, doch keine der Nebenfiguren wirkt wie bloßes Beiwerk. Stattdessen entsteht das Gefühl, nicht nur die beiden kennenzulernen, sondern ebenso die Menschen um sie herum: von Michel über Laures Freundeskreis bis hin zu Ericas Familie. Das größte Kompliment, das ich diesem Buch machen kann, ist vermutlich, dass ich jetzt am liebsten weitere Bücher über Michel und all die anderen Figuren lesen würde, einfach, weil ich sie noch nicht gehen lassen möchte. Dass mir der Abschied von ihnen so schwerfällt, liegt vermutlich auch daran, wie ungeschönt diese Figuren erzählt werden. Erica und Laure sind nicht immer leicht zu mögen. Sie treffen Entscheidungen, die frustrieren und verletzen. Sie lieben, zweifeln, bereuen, verzeihen und scheitern. Manche ihrer schärfsten Kanten verschwinden mit der Zeit, andere bleiben oder kommen dazu, wodurch sie so menschlich wirken. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass in diesem Roman alles miteinander verbunden ist. Trotz der vielen Themen – queeres Leben über mehrere Jahrzehnte hinweg, die AIDS-Krise, Alkoholabhängigkeit, postpartale Depression, gesellschaftliche Vorstellungen von Familie oder die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe – wirkt nichts überladen oder wie ‚abgearbeitet‘. Stattdessen gehören all diese Entwicklungen zu den Figuren, so widersprüchlich, schmerzhaft und komplex wie Leben eben oft sind. Und dann ist da noch dieses Anfangssetting, das mich ohnehin schon bekommen hatte: junge Menschen im Paris der 70er, die zu viel rauchen, Rotwein trinken, über Kunst und Literatur diskutieren und eigentlich nur versuchen herauszufinden, wer sie sind, wen sie lieben und was die Zukunft für sie bereithält. So eine Atmosphäre liebe ich ohnehin, umso überraschter war ich, wie schnell daraus so viel mehr wurde. Paris bleibt dabei nie bloß Kulisse, sondern wirkt lebendig, schön und rau zugleich. Die Stadt der Liebe wird hier immer wieder auch zur Stadt des Herzschmerzes. Schönheit steht neben Verlust, Romantik neben Ernüchterung, Sehnsucht neben allem, was nie ganz erreicht werden kann. Und vielleicht passt gerade das so gut zu den Figuren selbst. Ebenso wie Kunst und Literatur, die sich nicht bloß als Referenzen durch die Geschichte ziehen, sondern wie etwas wirken, das ihre Leben zusammenhält. Ich glaube, ich habe selten ein Buch gelesen, das sich gleichzeitig so schön und so schmerzhaft angefühlt hat. Eines, bei dem ich schon während des Lesens wusste, dass dieses Buch für mich ein Jahreshighlight werden würde. Dass die englische Ausgabe schon bei mir eingezogen ist, obwohl ich die deutsche noch nicht einmal beendet hatte, sagt vermutlich genug darüber aus, wie sehr ich dieses Buch geliebt habe. »Fast ein Leben« erzählt von den wirklich großen Lieben unseres Lebens, von den Menschen, die uns formen und verändern, selbst wenn sie nie vollständig zu uns gehören. Von gelebten Leben ebenso wie von ungelebten Möglichkeiten. Von all den Wegen, die nicht eingeschlagen werden und trotzdem Spuren hinterlassen. Davon, dass manche Verbindungen bestehen bleiben, selbst wenn ein gemeinsames Leben immer nur ›fast‹ möglich war.

Eines der schönsten und schmerzhaftesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe
5

Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔

Wir begleiten Laure und Erica, zwei Frauen, wie sie zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in einem schicksalhaften Sommer in Paris trotz allem Hals über Kopf ineinander verlieben. Wir begleiten die beiden dann über mehrere Jahrzehnte hinweg dabei, wie sie sich getrennt voneinander ihre Leben aufbauen, am Ende aber nie wirklich voneinander loskommen. Ihre Wege kreuzen sich dabei immer wieder und es schwingt permanent die Frage mit "Was wäre gewesen, wenn wir uns doch füreinander entschieden hätten?". Ich habe gar nicht viel erwartet und dafür umso mehr bekommen! Die Geschichte von Laure und Erica hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch wenn stellenweise gefühlt überhaupt nicht viel passiert und die Leben der beiden sich einfach ganz "normal" entwickeln, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Begegnungen der beiden haben in mir alle möglichen Gefühle geweckt, über Widerstand zu Mitgefühl, bis hin zu Unverständnis und komplette Empathie für die Situation. Dabei empfand ich die Stimmung oft als melancholisch und teilweise so endgültig, dass es mich tief getroffen hat. Eine sehr realistische Darstellung einer Liebe, die wahrscheinlich von Anfang an keine wirkliche Chance hatte, auch wenn man sich das unbedingt gewünscht hätte. Das Ende hat mich so traurig gemacht, dass ich wirklich in Tränen aufgelöst war. Dieses Buch wird mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen, für mich definitiv ein absolutes Highlight!

Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔
4.5

Zart und schmerzhaft schön

Fast ein Leben ist eines dieser Bücher, die sich nicht laut in den Vordergrund drängen und einen trotzdem vollkommen einnehmen. Die Geschichte zweier Frauen, die sich 1978 in Paris begegnen, sich lieben und doch nie wirklich zur selben Zeit am selben Ort im Leben ankommen, ist von einer unglaublichen Zärtlichkeit erzählt. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie etwas, das selbst Jahrzehnte und verpasste Chancen nicht auflösen können: die Frage nach dem „Was wäre wenn?“. Was wäre gewesen, hätten sie mutiger gehandelt, sich füreinander entschieden, ihrem Gefühl vertraut? Besonders beeindruckend ist die feine, fast schwebende Sprache des Romans. Sie schafft es, selbst die leisen Momente voller Intensität wirken zu lassen. Man begleitet die beiden Frauen nicht einfach nur durch ihr Leben – man fühlt sich, als hätte man all die Jahre selbst mit ihnen verbracht, ihre Sehnsucht geteilt, ihre Entscheidungen verstanden und ihre Verluste mitgetragen. Das Buch nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht sogar ein wenig zu viel, doch durch die poetische Erzählweise fühlen sich diese ruhigeren Passagen nie wirklich wie Längen an. Stattdessen geben sie den Figuren Raum zum Atmen und machen ihre Geschichte umso glaubwürdiger. Und genau deshalb trifft einen das Ende so tief. Der Abschied von den beiden fällt unheimlich schwer, weil sie einem über die Seiten hinweg so vertraut geworden sind. Man klappt das Buch zu und bleibt noch lange mit diesem bittersüßen Gefühl zurück – traurig, dankbar und voller Gedanken darüber, wie sehr eine einzige andere Entscheidung ein Leben hätte verändern können.

Zart und schmerzhaft schön
5

Salut, je suis ravie de vous rencontrer… und ich möchte dir heute ein sehr interessantes Buch vorstellen. Falls dein (Schul-)Französisch für diesen Satz ausreicht, wirst dir das Lesen im ersten Teil des Buches sehr gefallen… Falls nicht: du wirst das Buch auch so verstehen und fühlen. Die vielen kleinen französischen Sprachelemente dienen eher dazu, dass du sofort in das Geschehen der Handlung abtauchen wirst: Beginnen wir in Paris, 1978. Als die 18-jährige Erica aus England die hübsche, aber ältere Laure auf den Treppen vor Sacré-Cœur in Paris sitzen und lesen sieht - dasselbe Buch, das sie in ihrer eigenen Tasche trägt - kann sie gar nicht anders, als sie anzusprechen. Die Stadt der Liebe zwitschert ein bisschen klischeehaft nach der Liebe auf den ersten Blick, zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine sehr enge, sinnliche Anziehung und sie geben sich während Ericas Aufenthalt in Frankreich komplett einander hin. Bis Erica nach ihrem Sommerabenteuer wieder zurück nach England geht… Die Wege der beiden trennen sich, ohne sich je ganz aus den Augen zu verlieren und kreuzen sich über die Jahre - bewusst und unbewusst - immer wieder. Die jungen Frauen können nicht ohne, aber auch erst recht nicht auf Dauer miteinander, sie leben und leiden in unterschiedliche Richtungen. Immer wieder führen Missverständnisse zu Brüchen. Diese Missverständnisse lassen sich aber auch kaum auf ihre sprachliche Barriere zurückzuführen, auch ihre Körper scheinen genau zu wissen, wen oder was sie wollen. Vielmehr sind es die unterschiedlichen Lebensphasen, die Bereitschaft zur Akzeptanz ihrer Sexualität sowie das Eingestehen ihrer Gefühle, die dem Miteinander wie eine Mauer im Wege zu stehen vermag. Dieser Verlauf der zwischenmenschlichen Beziehung und all ihren Wendungen und Herausforderungen hat mir beim Lesen gleichermaßen gefallen und mich stellenweise frustriert. Man möchte Laure und Erica ein bisschen „schütteln“, um ihnen die Augen zu Öffnen. Eine klassische Handlung mit märchenhaften Happy End sucht man hier vergebens und doch fiebert man nicht weniger mit jedem Wiedersehen der beiden mit. Zu Beginn des Buches werden Paris, aber auch die Handlung sehr bildlich, poetisch-romantisch, aber auch ein wenig rebellisch dargestellt. Die verklärten Bilder sind gespickt mit den oben erwähnten französischen sprachlichen Einwürfen und charmanten metaphorischen Sätzen und einem wundervollen Wortschatz. Auch insgesamt ist der Sprachstil des Buches sehr atmosphärisch und beim Lesen fällt es gedanklich leicht, sich selbst mit den Protagonistinnen in das Café zu setzen und ein bisschen ihrer Gespräche dabei zu sein. Im Verlauf des Buches ändern sich Sprach- und Erzählstil gemeinsam mit der Handlung und werden glatter, ja.. erwachsener, verlieren dafür aber auch an anfänglicher Oberflächlichkeit und gewinnen an Tiefe aber auch an Distanz. Wenn ich mich in eine der Zeiten „hineinbeamen“ könnte, würde ich das rebellische Paris der frühen Handlung dem erwachseneren Norfolk vorziehen. Das Ende des Buches hat mich ein wenig verblüfft - aber auch einige Tage nachdem ich das Buch beendet habe, wüsste ich dennoch nicht, wie das Buch hätte besser enden sollen, ohne den Bogen zum unkonventionellen Beginn - zurück nach Paris - schlagen zu können. Die Geschichte der beiden Frauen bleibt rund, auch wenn meine Gefühle beim Lesen ein wenig auf die Probe gestellt worden sind. Side Fact: Erica und Laure lesen selbst viele Bücher. Kaum eines davon war mir vorher bekannt, das ein oder andere ist nun aber vielleicht doch in meiner Wunschbibliothek gelandet. Alors… bis zum nächsten Buch. Ravie!

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Du bist das Metronom für den Takt in meiner Brust

„Das Leben zieht in Streifen von Licht vorbei am Gesicht. Jeden Tag verlieb ich mich neu. Es sieht aus als wenn es nie wieder klappt. Dann sind wir wieder im Takt. Jeden Tag verlieb ich mich neu.“ Friedrich Kautz (Prinz Pi): „Ballade für Jojo“, auf: Im Westen nix Neues, Keine Liebe Records, 2016 _________ Mit „Fast ein Leben“ nimmt uns Kiran Millwood Hargrave mit ins Frankreich der 1970er Jahre: auf die Stufen von Sacré-Cœur, in die Straßen von Paris und in zwei Leben, die beinahe ein gemeinsames geworden wären. Vor uns entfaltet sich die Geschichte zweier Frauen: Erica, eine Touristin aus England, auf der Suche nach dem Beginn ihres eigenen Lebens. Und Laure, Parisienne, unangepasst, wild und so rau wie das Paris dieser Zeit, geprägt vom Zeitgeist und den Umbrüchen einer ganzen Generation. Die beiden wirken dabei wie ein Metronom: Mal schlagen sie im gleichen Takt, finden zueinander und scheinen endlich synchron zu sein, dann geraten sie wieder aus dem Rhythmus, verlieren sich und verpassen den richtigen Moment. Das, was sie füreinander empfinden, bleibt über Jahrzehnte unausgesprochen. Die Autorin erweckt ihre Figuren eindrucksvoll zum Leben. Durch intensive Dialoge, innere Monologe und große Emotionen entsteht ein detailreiches Bild, das zugleich die politische und gesellschaftliche Realität der queeren Szene Frankreichs einfängt: Homophobie, die AIDS-Krise und den langen Weg hin zur gesellschaftlichen und rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe. Dabei bleiben nicht nur Erica und Laure im Mittelpunkt. Auch die Nebenfiguren bekommen Raum und Bedeutung. Sie prägen die Entwicklung der beiden Frauen, beeinflussen ihre Entscheidungen und verweben sich spürbar mit ihrer Geschichte. „Fast ein Leben“ erzählt davon, wie das Leben uns manchmal einfach passiert: von verpassten Chancen, Feigheit und Bequemlichkeit, aber auch von Mut, Selbstermächtigung und Erinnerungen, die uns tragen können. Wenn ihr wissen wollt, ob Ericas und Laures Leben am Ende wieder im gleichen Takt schlagen, ob sie es schaffen, sich wirklich und wahrhaftig zu begegnen, dann solltet ihr dieses Buch selbst lesen.

Du bist das Metronom für den Takt in meiner Brust
5

Zwei an einem Tag in sapphic

Als ich von diesem Buch erfahren habe, wusste ich: Ich muss es lesen. Und jetzt finde ich keine Worte, nachdem ich es beendet habe. Weil der Titel bereits verrät, dass wir hier zwei Frauen fast ihr ganzes Leben lang begleiten. Und was sie alles durchstehen. Die Aids Krise, Suchterkrankungen, immer wieder getrennt und dann doch wieder am selben Ort. Laure und Erica sind beide kaputt auf unterschiedliche Arten und Weisen. Während Laure ihr Lesbischsein offen auslebt, flüchtet Erica sich in eine Ehe mit einem Mann und das klassische Familienleben. Sie kann Laure und die gemeinsame Zeit in Paris jedoch nie vergessen. Das ständige aneinander denken, sich nach einer Person sehnen, sich fragen, "was wäre wenn...?" Es ist so echt und greifbar beschrieben. Und dann das Ende. Ich hatte mit einem anderen gerechnet. Mir von Anfang an ausgemalt, ich wüsste, was perfekt wäre. Jetzt kann ich nichts sagen, ohne zu spoilern, außer: Ich bin wütend und erleichtert. Und traurig und glücklich. Weil das Buch für mich viel mehr eine Metapher ist. Die Antwort auf die Frage: Was passiert, wenn du dein Leben lang an einer Person festhältst, die nicht verfügbar ist? Wenn einfach nie der richtige Zeitpunkt für eine Beziehung ist. Online wird das Buch mit "Zwei an einem Tag" verglichen und das passt, meiner Meinung nach, sehr gut. Wer diese Geschichte mochte, wird auch diese lieben.

5

Ein sensationelles Buch über schicksalhafte Begegnungen, wahrer Freundschaft, tiefer Liebe. Absolute Leseempfehlung!

4

Schon bei ihrer ersten Begegnung auf den Stufen vor Sacré-Cœur sind Laure und Erica fasziniert voneinander. Laure ist Doktorandin an der Sobonne, Erica hat gerade ihr Abitur geschrieben und macht einen Auslandsaufenthalt in Paris vor ihrem Studium in England. Sie beginnen eine Beziehung, obwohl doch so viel dagegen spricht: ihr Altersunterschied, ihre verschiedenen Lebensweisen, Ericas Aufenthalt in Paris auf Zeit. Ihre Liebe wird über vier Jahrzehnte andauern und ist geprägt von Was-wäre-wenns, Sehn- und Eifersucht. Wer Bücher wie "Die Optimisten" von Rebecca Makkai oder auch "Lichte Tage" von Sarah Winman mochte, wird "Fast ein Leben" von Kiran Milwood Hargrave sicher auch sehr gerne lesen! Die Autorin erzählt eine queere Liebesgeschichte über vier Jahrzehnte hinweg mit ganz viel Paris-Flair und einem Gespür für Literatur und Kunst. Dabei schafft sie mit Laure und Erica zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich gegenseitig anziehen wie Magnete, aber trotzdem nicht für ein Leben miteinander gemacht zu sein scheinen. "Fast ein Leben" steckt voller Emotionen und Herzschmerz, denn Laure und Erica verletzen mit ihrem Verhalten oft nicht nur einander, sondern auch ihre Mitmenschen, die selbst die Päckchen der Zeit zu tragen haben. Während Laure mit ihrer Gesundheit hadert, steckt Erica als bisexuelle Frau in einer heterosexuellen Beziehung (fest), mit all den Erwartungen, die damit einher gehen. Ich habe das Buch gerne gelesen, vor allem das Ende fand ich stark und hat mich sehr berührt. Allerdings fiel das erste Kennenlernen von Laure und Erica für meinen Geschmack etwas zu lange aus, hier hätte die Story für mich ein bisschen komprimierter sein dürfen. Ich empfehle den Roman allen, die sich auf eine ausschweifende Liebesgeschichte mit Tiefgang und historischem Setting einlassen möchten. Übersetzt von Gabriele Werbeck und Andrea Stumpf.

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5

Intensiver & schmerzhafter Roman über Liebe & Identität & darüber, wie sehr uns Entscheidungen ein Leben lang prägen.

Kiran Millwood Hargrave erzählt in "Fast ein Leben" (Übersetzung: Gabriele Werbeck & Andrea Stumpf, erschienen am 11.5.2026 bei Kein & Aber) über vier Jahrzehnte die Geschichte von Erica und Laure, deren Leben sich zwischen Paris, Literatur, Beziehungen und Selbstsuche immer wieder kreuzen. Der Fokus des Romans liegt stark auf der emotionalen Innenwelt, Körperlichkeit und Erinnerung. Es geht um eine queere Beziehung, die nie ganz Vergangenheit wird und um die Frage, wie viel Leben man gleichzeitig leben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Meine Meinung Dieses Buch hat mich wirklich kalt erwischt und etwas in mir ausgelöst, das ich so nicht erwartet habe. Es ist kein leichter Roman, sondern einer, der sich in Gedanken, Körper und Erinnerung festsetzt. (Queeres) Begehren und emotionale Abhängigkeiten werden schonungslos und sehr bildhaft erzählt, ohne jemals romantisiert zu werden. Die Protagonistinnen Laure und Erica sind dabei keine „einfachen“ Figuren. Sie lieben, verletzen, kontrollieren und verlieren sich immer wieder ineinander und in sich selbst. Besonders wichtig fand ich, dass Queerness hier nicht als reine Identitätsfrage erzählt wird, sondern als etwas Fluides, das sich durch Zeit, Angst und gesellschaftliche Erwartungen ständig verschiebt. Der Roman stellt große Gefühle neben alltägliche, fast beiläufige Momente. Liebe, Freundschaft, Verlust – alles liegt hier dicht nebeneinander, ohne klar voneinander getrennt zu sein. Genau so fühlt sich Leben an. Besonders die Freundschaften zwischen den Figuren, dieses fragile Gleichgewicht aus Nähe, Loyalität und leisen Brüchen, haben mich sehr berührt. Und immer wieder schwingt der historische Kontext mit – die Auseinandersetzung mit Krankheit, Verlust und der AIDS-Krise als emotionale und gesellschaftliche Hintergrundfolie. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie stark Begehren und Macht miteinander verwoben sind. In den dargestellten Beziehungen wird Liebe nie nur als etwas Schönes erzählt, sondern auch als etwas, das verletzen, kontrollieren und verunsichern kann. Sehr eindrücklich sind die Momente, in denen weibliche Körper permanent beobachtet, bewertet oder beansprucht werden und Nähe und Kontrolle kaum mehr voneinander zu trennen sind. Und genau darin liegt für mich die Wucht des Romans: dass Liebe nie nur Liebe ist. Dass sie sich vermischt mit Angst, Erinnerung, Identität und der Frage, wer man eigentlich ist, wenn man den Blick der anderen einmal abzieht. Besonders dieser Gedanke hat sich festgesetzt: „Ich liebe sie. Aber ich vermisse mich selbst.“ (S. 290). Das ist vielleicht der ehrlichste Satz des ganzen Buches. Der Roman bleibt dabei bewusst unbequem. Er zeigt toxische Dynamiken, ohne sie zu glätten, und lässt Figuren Entscheidungen treffen, die weh tun – ihnen selbst und einem als Leser:in auch. Ich habe am Ende wirklich Rotz und Wasser geheult, weil es so traurig und gleichzeitig so schön erzählt ist. Und genau das macht das Buch so stark. Fazit "Fast ein Leben" ist ein intensiver, anspruchsvoller Roman über Liebe, Begehren und die Frage, ob man mehrere Leben gleichzeitig führen kann – oder daran zerbricht. Für alle, die queere Literatur, komplexe Figuren und emotionale Tiefe mögen, ist dieses Buch ein Volltreffer. Für mich ganz klar ein Jahreshighlight. Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar.

5

Das beste Buch, was ich seit langem gelesen habe! Catchy ab Sekunde 1!

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