Romane

Fast ein Leben

4,5(52)
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Über das Buch

Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung.

Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben. Eine Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten.

Editionen (1)

ISBN9783036995427
VerlagKein & Aber
Erscheinungsdatum11.05.26
Seitenzahl576

Rezensionen & Bewertungen

52 Bewertungen

16 Rezensionen

4,5

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  • silla.gu
    silla.gu

    152 Follower

    5,0

    Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔

    Wir begleiten Laure und Erica, zwei Frauen, wie sie zunächst unterschiedlicher nicht sein könnten, sich aber in einem schicksalhaften Sommer in Paris trotz allem Hals über Kopf ineinander verlieben. Wir begleiten die beiden dann über mehrere Jahrzehnte hinweg dabei, wie sie sich getrennt voneinander ihre Leben aufbauen, am Ende aber nie wirklich voneinander loskommen. Ihre Wege kreuzen sich dabei immer wieder und es schwingt permanent die Frage mit "Was wäre gewesen, wenn wir uns doch füreinander entschieden hätten?". Ich habe gar nicht viel erwartet und dafür umso mehr bekommen! Die Geschichte von Laure und Erica hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Auch wenn stellenweise gefühlt überhaupt nicht viel passiert und die Leben der beiden sich einfach ganz "normal" entwickeln, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die Begegnungen der beiden haben in mir alle möglichen Gefühle geweckt, über Widerstand zu Mitgefühl, bis hin zu Unverständnis und komplette Empathie für die Situation. Dabei empfand ich die Stimmung oft als melancholisch und teilweise so endgültig, dass es mich tief getroffen hat. Eine sehr realistische Darstellung einer Liebe, die wahrscheinlich von Anfang an keine wirkliche Chance hatte, auch wenn man sich das unbedingt gewünscht hätte. Das Ende hat mich so traurig gemacht, dass ich wirklich in Tränen aufgelöst war. Dieses Buch wird mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen, für mich definitiv ein absolutes Highlight!

    Eine berührende Geschichte über das "Was wäre gewesen, wenn..." 💔

    13. Mai 2026

  • 4,5

    Zart und schmerzhaft schön

    Fast ein Leben ist eines dieser Bücher, die sich nicht laut in den Vordergrund drängen und einen trotzdem vollkommen einnehmen. Die Geschichte zweier Frauen, die sich 1978 in Paris begegnen, sich lieben und doch nie wirklich zur selben Zeit am selben Ort im Leben ankommen, ist von einer unglaublichen Zärtlichkeit erzählt. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbindet sie etwas, das selbst Jahrzehnte und verpasste Chancen nicht auflösen können: die Frage nach dem „Was wäre wenn?“. Was wäre gewesen, hätten sie mutiger gehandelt, sich füreinander entschieden, ihrem Gefühl vertraut? Besonders beeindruckend ist die feine, fast schwebende Sprache des Romans. Sie schafft es, selbst die leisen Momente voller Intensität wirken zu lassen. Man begleitet die beiden Frauen nicht einfach nur durch ihr Leben – man fühlt sich, als hätte man all die Jahre selbst mit ihnen verbracht, ihre Sehnsucht geteilt, ihre Entscheidungen verstanden und ihre Verluste mitgetragen. Das Buch nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht sogar ein wenig zu viel, doch durch die poetische Erzählweise fühlen sich diese ruhigeren Passagen nie wirklich wie Längen an. Stattdessen geben sie den Figuren Raum zum Atmen und machen ihre Geschichte umso glaubwürdiger. Und genau deshalb trifft einen das Ende so tief. Der Abschied von den beiden fällt unheimlich schwer, weil sie einem über die Seiten hinweg so vertraut geworden sind. Man klappt das Buch zu und bleibt noch lange mit diesem bittersüßen Gefühl zurück – traurig, dankbar und voller Gedanken darüber, wie sehr eine einzige andere Entscheidung ein Leben hätte verändern können.

    Zart und schmerzhaft schön

    18. Mai 2026

  • zweimal_m
    zweimal_m

    44 Follower

    5,0

    Eines der schönsten und schmerzhaftesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe

    Erica und Laure erinnern sich unterschiedlich an ihre erste Begegnung auf den Stufen von Sacré-Cœur: daran, auf welcher Seite der Treppe Laure saß oder wohin Erica blickte, bevor sie stehen blieb. Einig sind sie sich nur darin, dass Erica zuerst lächelte. Dass diese Begegnung im Sommer 1978 der Beginn einer Verbindung ist, deren Bedeutung sich in diesem Moment keiner von beiden bewusst ist, wird erst viel später deutlich. Denn aus dieser ersten Begegnung entfaltet »Fast ein Leben« die über Jahrzehnte miteinander verflochtenen Lebenswege zweier Frauen, die sich zwischen Frankreich und England immer wieder kreuzen. Als Erica Laure begegnet, steht sie kurz vor Beginn ihres Studiums und ist zum ersten Mal allein in Paris. Mit Laure trifft sie auf eine Frau, die ihr in vielerlei Hinsicht fremd erscheint: älter, kompromisslos und auf eine Weise pariserisch, die sie gleichermaßen fasziniert wie einschüchtert. Was zwischen ihnen entsteht, bleibt nie auf einen einzelnen Sommer beschränkt, sondern verändert sich mit der Zeit ebenso wie sie selbst. Über Jahrzehnte hinweg berühren und entfernen sich ihre Leben wieder voneinander. Mal mit mehr, mal mit weniger Abstand erleben sie mit, wie die andere Entscheidungen trifft, neue Beziehungen eingeht, zu einer anderen Version ihrer selbst werden. So wird ihre Verbindung zunehmend auch zu einer Form des gegenseitigen Beobachtens eines ganzen Lebens, und sie selbst immer wieder zu Zeuginnen jener Entwicklungen. Und doch scheint dieser gemeinsame Sommer in Paris all den Jahren und Veränderungen auf eigentümliche Weise erhalten zu bleiben, ebenso wie die Frage nach allem, was ›fast‹ möglich gewesen wäre. »Fast ein Leben« gehört für mich zu diesen seltenen Romanen, bei denen Figuren irgendwann aufhören, bloße Figuren zu sein. Stattdessen hatte ich beim Lesen zunehmend das Gefühl, ein ganzes Leben mit ihnen zu verbringen. Kiran Millwood Hargrave schafft es auf eine Weise, Emotionen zu transportieren, die mich stellenweise völlig vergessen ließ, dass ich über fiktive Menschen lese und nicht über Personen, die tatsächlich existieren. Vielleicht funktioniert das auch deshalb so gut, weil der Roman sich Zeit nimmt. Wir begleiten Erica und Laure über Jahrzehnte hinweg, erleben große Zeitsprünge und immer wieder jene Momente, in denen sich ihre Leben bereits verändert haben, ohne genau zu wissen, wann das eigentlich passiert ist. Auch die Perspektivwechsel zwischen Erica und Laure habe ich unglaublich gern gelesen. Dieselben Situationen werden aus der jeweils anderen Sicht nicht einfach wiederholt, sondern weitergeführt und ergänzt. Dazu kommt, dass beide einen so eigenen Ton besitzen, dass ich irgendwann das Gefühl hatte, ihre Stimmen zu erkennen, selbst ohne zu wissen, wer gerade erzählt. Besonders beeindruckt hat mich außerdem, wie feinfühlig die Figuren gezeichnet sind. Erica und Laure stehen zwar im Zentrum, doch keine der Nebenfiguren wirkt wie bloßes Beiwerk. Stattdessen entsteht das Gefühl, nicht nur die beiden kennenzulernen, sondern ebenso die Menschen um sie herum: von Michel über Laures Freundeskreis bis hin zu Ericas Familie. Das größte Kompliment, das ich diesem Buch machen kann, ist vermutlich, dass ich jetzt am liebsten weitere Bücher über Michel und all die anderen Figuren lesen würde, einfach, weil ich sie noch nicht gehen lassen möchte. Dass mir der Abschied von ihnen so schwerfällt, liegt vermutlich auch daran, wie ungeschönt diese Figuren erzählt werden. Erica und Laure sind nicht immer leicht zu mögen. Sie treffen Entscheidungen, die frustrieren und verletzen. Sie lieben, zweifeln, bereuen, verzeihen und scheitern. Manche ihrer schärfsten Kanten verschwinden mit der Zeit, andere bleiben oder kommen dazu, wodurch sie so menschlich wirken. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass in diesem Roman alles miteinander verbunden ist. Trotz der vielen Themen – queeres Leben über mehrere Jahrzehnte hinweg, die AIDS-Krise, Alkoholabhängigkeit, postpartale Depression, gesellschaftliche Vorstellungen von Familie oder die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe – wirkt nichts überladen oder wie ‚abgearbeitet‘. Stattdessen gehören all diese Entwicklungen zu den Figuren, so widersprüchlich, schmerzhaft und komplex wie Leben eben oft sind. Und dann ist da noch dieses Anfangssetting, das mich ohnehin schon bekommen hatte: junge Menschen im Paris der 70er, die zu viel rauchen, Rotwein trinken, über Kunst und Literatur diskutieren und eigentlich nur versuchen herauszufinden, wer sie sind, wen sie lieben und was die Zukunft für sie bereithält. So eine Atmosphäre liebe ich ohnehin, umso überraschter war ich, wie schnell daraus so viel mehr wurde. Paris bleibt dabei nie bloß Kulisse, sondern wirkt lebendig, schön und rau zugleich. Die Stadt der Liebe wird hier immer wieder auch zur Stadt des Herzschmerzes. Schönheit steht neben Verlust, Romantik neben Ernüchterung, Sehnsucht neben allem, was nie ganz erreicht werden kann. Und vielleicht passt gerade das so gut zu den Figuren selbst. Ebenso wie Kunst und Literatur, die sich nicht bloß als Referenzen durch die Geschichte ziehen, sondern wie etwas wirken, das ihre Leben zusammenhält. Ich glaube, ich habe selten ein Buch gelesen, das sich gleichzeitig so schön und so schmerzhaft angefühlt hat. Eines, bei dem ich schon während des Lesens wusste, dass dieses Buch für mich ein Jahreshighlight werden würde. Dass die englische Ausgabe schon bei mir eingezogen ist, obwohl ich die deutsche noch nicht einmal beendet hatte, sagt vermutlich genug darüber aus, wie sehr ich dieses Buch geliebt habe. »Fast ein Leben« erzählt von den wirklich großen Lieben unseres Lebens, von den Menschen, die uns formen und verändern, selbst wenn sie nie vollständig zu uns gehören. Von gelebten Leben ebenso wie von ungelebten Möglichkeiten. Von all den Wegen, die nicht eingeschlagen werden und trotzdem Spuren hinterlassen. Davon, dass manche Verbindungen bestehen bleiben, selbst wenn ein gemeinsames Leben immer nur ›fast‹ möglich war.

    Eines der schönsten und schmerzhaftesten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe

    29. Mai 2026

3 von 16 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Kiran Millwood Hargrave

Kiran Millwood Hargrave ist eine mehrfach ausgezeichnete Sunday Times-Bestsellerautorin von elf Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, und Theater- sowie Filmadaptionen sind in Planung. Fast ein Leben ist ihr erster Roman, der bei Kein & Aber erscheint. Kiran Millwood Hargrave lebt mit ihrer Familie in Oxford.

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