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Wir Töchter

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Über das Buch

Die Geschichten von Frauen werden nicht vergessen, sie werden oft gar nicht erst erzählt

"Wir sind Magd, Köchin, Frau, Mutter, Tochter, Schwester. Wir können alles gleichzeitig, umkreisen uns selbst und alle anderen, bis uns schwindelig wird. Wir leben im Sand, auf zerriebener Zeit, auf Wegen ohne Spuren. Wir sind Schwestern und wir sind Töchter und wir sind nicht blutsverwandt. Wir sind auf Sand gewachsen. Unter Birken, Kiefern und Trauerweiden. Wir sind im Sand verwurzelt. Unsere Verwandtschaft liegt im Sand."

Eine Familie, zwei Jahrhunderte, drei Frauen - ihre Geschichten sind miteinander verwoben wie die Seidenfäden der Spinnen am Ende eines langen Sommers. Die Großmutter, Marianna, wächst am Ende des Zweiten Weltkriegs auf und führt das Leben einer einfachen Bäuerin.
Ihre Tochter Róza wäre im vom Sozialismus geprägten Dorf ihrer Mutter geblieben, wäre da nicht Szymek mit den feinen Händen. Wären da nicht die Stadt Gdansk und Schuhe, die auf Asphalt klackern. Wäre da nicht die Solidarnosc-Revolution. Und wäre da nicht irgendwann ein Kind, dem Róza ein Zimmer für sich allein wünscht.
Róza verlässt Polen Ende der 1980er Jahre und ihre Tochter Waleria wächst im Westen des wiedervereinigten Deutschlands auf. Sie verlernt ihre Muttersprache und die Welt ihrer Babcia Marianna, einst ihr Zuhause, rückt in immer weitere Ferne. Doch als die erwachsene Waleria erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, stellen sich ihr unerwartete Fragen: Was bedeutet es, die Letzte zu sein? Was schuldet Waleria den Frauen in ihrer Familie? Und welche Geschichten gehen mit ihr zu Ende?

Mit poetischer Klarheit und erzählerischer Raffinesse verknüpft Oliwia Hälterlein Alltag und Erinnerung, Körper und Sprache, Herkunft und Zukunft - und beschreibt das unsichtbare Band, das die Frauen einer Familie verbindet.

Editionen (1)

ISBN9783406843372
VerlagC.H.Beck
Erscheinungsdatum20.02.26
Seitenzahl357

Rezensionen & Bewertungen

32 Bewertungen

9 Rezensionen

4,2

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  • literaturgarten
    literaturgarten

    31 Follower

    4,0

    Dieser interessante Debütroman der jungen Autorin konfrontiert die Leser*innen mit den absolut unterschiedlichen Lebensläufen dreier Frauen einer polnisch stämmigen Familie. Marianna, Róza und Waleria aus Polen kommen auf unterschiedlichen Wegen und in verschiedenen gesellschaftlichen Zeiten mit Deutschland in Berührung. Sie machen jeweils ganz persönliche Erfahrungen im positiven wie auch im negativen Sinne. Der Roman erzählt feinfühlig und voller Empathie mit den drei Frauen diese Erlebnisse und zeigt uns Leser*innen wieviel gesunder Menschenverstand, Charakterstärke und Durchsetzungsvermögen in jeder dieser Frauen unterschiedlicher Generationen steckt. Er erklärt auch feinfühlig und leidenschaftlich wie sie ihre Beziehungen zueinander mit viel Liebe, Zuneigung, aber auch lebensnaher Kritik, realistisch betrachten und/oder bewertet haben. Die Autorin erzählt in bunter und der Situation angepasster Sprache, lebhaft und sehr genau das polnische Leben aus dem ländlichen Bereich, den Städten, aus Zeiten des Krieges und der Umbrüche nach der kommunistischen Herrschaft. Sie beobachtet wie sich die Migrationserlebnisse der beiden letzten Generationen mit der familiären Prägung durch Grossmutter Marianna vermischt haben. Auch beeindruckt beim Lesen, wie sich die zärtliche und verständnisvolle Beziehung zwischen der im Erwachsenenalter kinderlosen Enkeltochter Waleria und der Grossmutter entwickelte. Olivia Hälterlein berichtet in mehreren Zeitsträngen, die oft sehr abrupt beginnen oder enden. Es bedarf eines genauen, ruhigen Lesestils und guter Orientierung im Text um damit klar zu kommen. Die Autorin hat laufend polnische Begriffe, kurze Redewendungen in polnischer Sprache in ihrem Roman eingebunden. Das wirkt stilistisch sehr interessant und bringt die Leser*in eine stimmige Atmosphäre. Diese Ausdrücke werden zwar in einem Glossar übersetzt, aber längst nicht alles wird erwähnt und ich habe mich sehr in meinem Lesefluss dadurch stören lassen. Das empfand ich als sehr schade für diese ungewöhnlichen und guten Debütroman und ich hoffe sehr, dass sich Leser*innen dadurch nicht vom Buch abschrecken lassen. Denn dieser Roman beschreibt ein sehr treffendes Gesellschaftsbild über vergangene und aktuelle, heute bestehende Beziehungen zwischen Polen und Deutschland und ist eine absolute Leseempfehlung. VIER **** STERNE.

    24. Apr. 2026

  • turbulenzen.und.so
    turbulenzen.und.so

    139 Follower

    So besonders wie die Autorin selbst

    Wenn man erst die Autorin trifft und sie einen auf Anhieb sooo sympathisch ist und erst danach den Roman liest, der auch noch ihr Debüt ist, dann sind die Erwartungen ziemlich hoch. So ging es mir mit Oliwia Hälterlein, die in Rahmen einer C.H. Beck Programmvorschau ihr neues Buch bzw. ihren ersten Roman vorgestellt hat. Dass sie nicht zum ersten Mal schreibt, merkt man bereits auf den ersten Seiten. Das ist hohe Qualität (sage ich als Lesende. Nicht als Literaturexpertin). So gar nicht sanft. Landen wir direkt in einer harten Realität als Frau. Nämliche in der, wenn gesundheitlich eben nicht alles stimmt und ein Stück des Frauseins operativ entfernt werden muss. Was tut Frau/Tochter danach? Sie fährt zu ihrer Mutter. Und Srück für Stück lernen wir über die Mütter bzw. die Großmütter. Die Töchter kennen. Leben zwischen Anpassung und Aufbegehren, mit Aufbrüchen und Neusnfängen. Mir gefällt, dass die Frauen hier ganz viel Raum bekommen. Ich musste zwar manchmal etwas zurückblättern und mir zu vergegenwärtigen in welcher Zeit ich mich beim Lesen befinde und ich habe auch etwas gebraucht. Im in die Geschichte zu finden, aber Oliwia Hälterlein schafft es, dass ich dran bleiben will. Spätestens ab dem Zeitpunkt des Aussiedelns aus Polen nach (West) Deutschland war ich vollkommen drin. So authentisch wird das Leben beschrieben, auch die Suche der jüngsten Tochter nach ihren eigenen Werten und dem Auseinandersetzen mit den verschiedenen Generationen fand ich so spannend zu lesen. Beim Lesen musste ich oft innehalten und mich fragen, welche transgenerationale Traumata wohl in meiner Familie noch nicht aufgearbeitet wurden. Die turbulenten Leben von Mama und Omi bieten da so einiges an Zündstoff. Oliwia Hälterlein ist ein kluges, feministisches Buch gelungen, dass einerseits nüchtern und sachlich ist, aber dann doch auch wieder mitten ins Herz trifft. Einen großen Anteil daran, haben die lyrischen Durchbrechungen, die sich durch den Roman ziehen. Sehr lesenswert.

    So besonders wie die Autorin selbst

    13. März 2026

  • litera.lina
    litera.lina

    201 Follower

    4,0

    Dieser Roman spannt ein Netz zwischen drei Frauen: Marianna, Róza und Waleria. Zwischen Dorf und Stadt, Polen und Deutschland, Krieg, Sozialismus und Gegenwart. Und zwischen all dem: das leise, aber unerschütterliche Band zwischen Frauen einer Familie. Was mich an diesem Buch so berührt hat, ist seine Perspektive. Einige Dinge waren für mich neu – besonders die polnische Migrationsgeschichte und das Aufwachsen in Polen, das in der deutschen Gegenwartsliteratur so selten erzählt wird. Gleichzeitig fühlte sich vieles unglaublich vertraut an. Vor allem Walerias Beziehung zu ihrer Babcia Marianna. Diese Nähe zwischen Enkelin und Großmutter, dieses Gefühl, dass in dieser Beziehung etwas Zeitloses liegt. Oliwia Hälterlein schreibt mit einer poetischen Zartheit, die gleichzeitig sehr präzise ist. Ihre Sprache wirkt fast filigran – emotional, aber nie überladen. Besonders schön fand ich die Mehrsprachigkeit des Romans: Polnische Wörter und Sätze tauchen ganz selbstverständlich im Text auf, ohne sofort erklärt zu werden. Die Übersetzungen finden sich erst im Glossar. Und trotzdem funktioniert es – selbst wenn man kein Wort Polnisch versteht. Vielleicht gerade deshalb. Ich liebe schon lange Drei-Generationen-Romane über Frauen. Aber dieses Buch hat mir zum ersten Mal wirklich klar gemacht, warum. Töchter erleben vieles, was ihre Mütter und Großmütter erlebt haben – nicht identisch, aber in Variationen. Die gleichen Fragen, ähnliche Brüche, andere Entscheidungen. Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie hinterlässt Spuren. Wir Töchter ist ein stiller Roman. Und gleichzeitig ein kraftvoller. Einer, der zeigt, wie Herkunft, Sprache und Körper Erinnerungen tragen und wie Frauen einander durch Zeit und Geschichte hindurch verbunden bleiben.

    9. März 2026

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Oliwia Hälterlein

Oliwia Hälterlein, geboren 1986 in Bydgoszcz, studierte Slawistik, Vergleichende Literatur-, Kultur- und Theaterwissenschaft in Salzburg, Krakau und Berlin und ist Absolventin des renommierten Deutschen Literaturinstituts in Leipzig (DLL), wo sie Literarisches Schreiben studiert hat. "Wir Töchter" ist ihr Debütroman. Er wurde mit dem Bayern 2-WORTSPIELE-Preis 2026 ausgezeichnet. In der Reihe "MaroHefte" ist ihr Essay "Das Jungfernhäutchen gibt es nicht" erschienen. Mehr über die Autorin auf ihrer Website www.oliwiah.de

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