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Romane

Der Morgen gehört uns

3,7(67)
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Über das Buch

»Bei mir fing es mit Liebe an. Der Hass kam später.« Warum wählt die Jugend rechts? Dieser Roman versucht, eine Antwort zu geben. In diesem Sommer wird Ettore 18. Mit seinen Eltern, die verlernt haben, miteinander zu reden, lebt er in einem kleinen Ort bei Mailand. Der einzige Mensch, dem er sich anvertraut, ist seine Großmutter Elsa. Das ändert sich, als er die Schule wechselt. Dort lernt er den charismatischen Giulio kennen, der ihn in den Kreis der Federazione, einer faschistischen Jugendorganisation, aufnimmt. Gemeinsam gehen sie zum Demonstrieren auf die Straße und wirken an etwas Großem, Gerechten mit, wie Ettore denkt. Als es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit der Gegenseite kommt, ist er wie elektrisiert. Und verheimlicht Elsa erstmals etwas. Aus Angst, dass der Weg, den andere für falsch halten, für ihn der einzig richtige sein könnte. Atmosphärisch und schmerzhaft gegenwärtig erzählt Davide Coppo von einer gefährlichen Anziehung und seiner eigenen Vergangenheit.

Editionen (2)

ISBN9783910372290
VerlagKjona Verlag
Erscheinungsdatum22.07.24
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

67 Bewertungen

14 Rezensionen

3,7

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  • rose_1997
    rose_1997

    101 Follower

    4,0

    4 🌟- Das Buch versucht zu ergründen, wie junge Menschen zu Faschisten werden. Es ist ein Weg von vielen, den Davide Coppo beschreibt.

    Die Geschichte um den jungen Ettore hat mich sehr bewegt. Ich wollte ihn oft schütteln und ihn anschreien.. aber irgendwie habe ich auch Mitleid empfunden. Dafür, dass er aus keinem liebenden Elternhaus kommt und daraus resultierend sich einer Gruppe angeschlossen hat, die ihm Anerkennung und ein Gefühl von Dazugehören gegeben hat. Und mir wurde wieder deutlich, welche wichtige Instanz die Schule spielt. Wie wichtig Aufklärung ist, wie wichtig es ist politische Debatten in der Schule aufzugreifen und einzuordnen. Obwohl der Roman Anfang der 2000er spielt, ist er doch zeitlos geblieben. „Warum also wird man mit vierzehn oder fünfzehn Faschist? Nicht aus einer plötzlichen Erkenntnis heraus: Das läuft nicht so wie in der Liebe, und auch nicht wie beim Glauben. Es war aber auch kein Endpunkt eines ideologischen Reifungsprozesses. Eher war es eine Frage der Ästhetik - und vor allem der Identität. Wobei, das gilt wohl nur für mich. Es stand auch keine Verkettung unglücklicher Umstände dahinter, obwohl Unglück durchaus eine Rolle spielte. Das soll keine Rechtfertigung sein, so als wäre Faschismus eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich. Aber eine Folge von Reaktionen war es sehr wohl, denn diese Art Identität konstruiert man sich Monat für Monat, Episode für Episode. Zunächst als Antwort, erst dann als Behauptung.“ (S.59)

    21. Okt. 2025

  • kirstenhartje
    kirstenhartje

    62 Follower

    3,5

    Ein sehr aktuelles Thema

    Das Buch hat mich sehr interessiert, da die Radikalisierung junger Menschen zunimmt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Persönlichkeit des Ich-Erzählers noch deutlicher dargestellt wird. Guter Ansatz, mal die andere Perspektive kennenzulernen.

    31. Dez. 2025

  • dunis.lesefutter
    dunis.lesefutter

    420 Follower

    4,0

    Bedrückende Zukunftsaussichten

    Die letzten Wahlergebnisse in Deutschland haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Warum wählen gerade junge Leute eine Partei, die unser demokratisches System zerstören möchte? Wovon werden sie angezogen? Stehen gemeinsame Ziele und Ausgrenzung über Freiheit, Toleranz und einer offenen Gesellschaft? Davide Coppo hat mit Ettore eine Figur geschaffen die Schatten auf seine eigene Vergangenheit wirft. Er beginnt, sich in der Pubertät zunehmend für Politik zu interessieren. Dabei ist es das nationalistische Gedankengut, was ihn für sich einnimmt. Er gerät an Freunde, die faschistische Ideologie gewaltfrei leben wollen. Er merkt nach und nach, dass er mehr möchte. Deutlichere Glaubwürdigkeit scheint er zu suchen, linst rüber zur Splittergruppen, die gewalttätiger sind. Auch wenn er es erst nicht wahrhaben möchte, sieht er dort seine Zukunft. Er merkt die Ablehnung seines Freundeskreises, auch seine Eltern, hier insbesondere seine Mutter, sind angewidert von seinem Verhalten und lassen ihn dies auch deutlich spüren. Ettore ist ein kluger Kopf, der seine politischen Ideale auf der falschen Seite sucht und mit vielen Situationen überfordert ist. Orientierungslosigkeit, Eltern, die ihr Kind zwar fordern, aber nicht emotional begleiten, und die Suche nach einer eigenen Identität sind die Themen des Heranwachsenden. Er vermisst ein Zugehörigkeitsgefühl, und ich glaube, genau das ist der Reiz, den nationalistische Vereine auf junge Menschen ausüben. Sie schließen eine Lücke, in der wir als Gesellschaft sozialpolitisch versagen. „Inzwischen ging ich zweimal die Woche hin und verspürte einen Gemeinschaftsinn, der seine eigenen Namen und Gesten besaß und den ich sonst mit niemandem teilte. Zudem empfand ich, ohne dass damals erklären zu können, eine Zusammengehörigkeit und Verbundenheit, die sich tatsächlich am besten mit dem Begriff Kameradschaft zusammenfassen ließ.“ In einer Zeit, in der das Individuum mehr zählt, als die Gemeinschaft und eine Vereinzelung der Gesellschaft stattfindet, scheitern wir als soziale Wesen, die wir ja sind. Dafür ist man in der Adoleszenz besonders anfällig. Dass das Ausüben von Gewalt in dieser Zerrissenheit einen großen Reiz auf Ettore ausübt, verwundert nicht. Seine Überforderung entlädt sich und hat Konsequenzen. Coppo hat, dem Ich-Erzähler eine sensible Persönlichkeit verliehen. Er sehnt sich nach Anerkennung, er hält aber meist Ablehnung. Das hinterlässt Spuren. Gerade diese zarte Erzählweise steht in einer krassen Relationen zum Inhalt. Mich hat das Buch sehr gefangen genommen, wenn sich in mir auch ein bedrücktes Gefühl breit machte. Und mit Sorge blicke ich in die Zukunft, in der allein in NRW über 80 Millionen € im sozialen Bereich eingespart werden, und das wird in erster Linie Jugendliche treffen, die schon heute nicht wissen, wer Ihnen Orientierung und eine Vorbildfunktion bietet und wo sie ihre Freizeit verbringen sollen. Das Buch zeigt deutlich, auf welche Folgen es haben wird. Klare Leseempfehlung.

    15. Okt. 2024

3 von 14 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Davide Coppo

Davide Coppo ist Chefredakteur der Sportzeitschrift Rivista Undici und schreibt daneben u.a. für GQ. Er lebt in Mailand und ist Inhaber einer kleinen Weinbar. »Der Morgen gehört uns« ist sein erster Roman.

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