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Romane

Die Routinen

3,8(83)
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Über das Buch

»Die Geschichte einer Emanzipation – stark und unverwechselbar.« Anne Rabe

»Lewandoskis Stoff ist so ungewöhnlich, die erzählerische Form so wagemutig, dass man sich trotzdem nur dem Staunen überlassen kann, über diese große literarische Kür.« Marie Schmidt, Süddeutsche Zeitung

Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.

München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.

Editionen (1)

ISBN9783608967166
VerlagKlett-Cotta
Erscheinungsdatum17.01.26
Seitenzahl272

Merkmale

2 Bewertungen

GruseligKomplexVerstörendTraurigInformativEntwickelnd

Rezensionen & Bewertungen

83 Bewertungen

26 Rezensionen

3,8

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  • marzipanhirsch
    marzipanhirsch

    122 Follower

    4,5

    Amik ist Leistungsturnerin. Mit ihrem Team reist sie von Wettkampf zu Wettkampf, Meisterschaften, Olympiaden. Die Augen des faszinierten Publikums sind auf sie und ihre Teamkolleginnen gerichtet, auf das Lächeln, das Winken, die vermeintliche Leichtigkeit und die erstaunlichen Küren auf dem Boden, am Stufenbarren, am Schwebebalken. Amiks Augen und alle ihre Sinne sind derweil auf jedes Gramm Körpergewicht, jedes Körperhärchen und das Veratmen bzw Ignorieren ihrer Schmerzen gerichtet. Tag für Tag, Jahr für Jahr - ohne einen Tag Pause. Das Buch ist Fiktion, Sachbuch und Literatur zugleich. Wir erleben die Wettkämpfe und Olympiaden durch die Augen der fiktiven Protagonistin Amik, erfahren aber auch die Hintergründe und vor allem Abgründe und Grausamkeiten, die wirklich in diesem Sport passieren. Erfahren, wie es Simone Biles, Kerry Struggs, Nadja Comaneci und anderen Mädchen ergangen ist, welches Ausmaß an Missbrauch und Qual hinter den fröhlich winkenden Medaillengewinnerinnen steht. Alleine das ist interessant und erschütternd und lesenswert. Was mich aber wirklich begeistert hat, war der Stil der Autorin. Sie schafft es mit ihrer Sprache eine Empathie und ein Gefühl für das Ganze zu vermitteln, weit über ein Sachbuch oder einen Roman hinaus. Ich habe mir viele Stellen angestrichen, weil sie mich so berührt haben. Ein wirklich beeindruckendes Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.

    21. Mai 2026

  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    3,0

    Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl. - Zitat, Seite 120

    Wie oft müssen wir noch mit dem Schambein in diesen Sport stürzen, bis sich etwas verändert? Es ist immer noch möglich. Nur weil es wehtut, hören sie nicht auf, hören wir nicht auf. Mit diesem Schlussplädoyer gibt die Autorin Son Lewandowski all den vielen Turnerinnen auf Seite 262 ihres Romandebüts eine Stimme. All denjenigen, denen beigebracht wurde "jede Verletzung und jeden Schmerz, jede Grenze und jedes Bedürfnis zu ignorieren." Die von diesem Sportsystem "gelockt, entführt, manipuliert und sediert" werden. Und denen die Antwort nun (wie hoffentlich auch für den Lesenden ersichtlich) auf die Frage klar vor Augen steht: "Wie ist das möglich gewesen?" Da ist zunächst die Ich-Erzählerin, von den anderen Mädchen Amik genannt, die irgendwann zu viel wird, trotz des ständigen Hungerns; schon beinahe komplett abgeschrieben, trotz der vielen Medaillen und Preisen, die in Vitrinen verstauben. Und das Ich wird zum Du, wenn sie ihre jüngere Kollegin und Zimmernachbarin beobachtet, die jetzt schwerverletzt im Krankenbett liegt und deren Lebensfaden an Schläuchen hängt. Schließlich verschmilzt die Erzählstimme zum Wir, wenn von verschiedenen Wettkämpfen, von Weltmeisterschaften und Olympiaden, berichtet wird, wo anmutige Wesen die unglaublichsten Leistungen vollbringen, sei es am Boden oder am Stufenbarren - immer den Schmerz und die Qualen verbergend, die hinter jeder Übung stehen. "Warum lächelte du so wenig, Nadia?," fragt der Reporter Nadia Comăneci nach ihrem Wettkampf. "Weil sie immer an ihre Übungen denkt," antwortet ihr Trainer Béla Károlyi für sie. BECAUSE SHE IS ALWAYS THINKING ABOUT HER ROUTINES. Dieses Zitat von Seite 30 soll dem Roman seinen Titel verliehen haben. Und wir erfahren, welcher Drill und welche Demütigungen hinter den sogenannten Routinen standen. Routinen - dieses Programm scheint auch für den Aufbau des Romans charakteristisch. Leider. Bald schon hat man sich auf die Mischung von Zitaten und Schlaglichtern tatsächlicher Ereignisse mit den fiktiven Einschüben gewöhnt. Son Lewandowski hat einen ernsthaften Ansatz gewählt, was dem Thema entspricht, aber leider fehlen im Text die Variationen. Und auch wenn kurze Sentenzen den Lesenden ab und an aus der Sachlichkeit reißen, so fehlt der emotionale Bezug fast komplett. Daher wäre es dem Anliegen der Autorin vielleicht dienlicher gewesen, sie hätte das Thema in ein Sachbuch verpackt. Wie man dem Quellenmaterial zum Buch entnehmen kann, hat sie sehr sorgfältig recherchiert und die vielen direkten Zitate der Sportlerinnen unterstützen die wichtige Botschaft des Romans. Aber gerade die politische Verflechtung mit dem System Sport, der hier nur angerissen wird, hätte in einem Sachbuch mehr Gewicht erhalten können. Die Strukturen, die Misshandlung und Missbrauch in diesem speziellen Bereich begünstigen, werden zwar aufgezeigt, aber nicht vollständig beleuchtet - was in einem Roman auch den Rahmen sprengen würde. "Die Routinen" ist ein Roman, der hinter die Fassade einer Perfekten 10 blickt und den Missbrauch und die strukturelle Misshandlung im weiblichen Spitzensport anspricht. Das ist beachtenswert. Weniger beeindruckend ist der eher spröde Schreibstil und der fehlende Spannungsbogen der Geschichte. FAZIT Anscheinend bekam ich von meinem Klassenlehrer ein "Fleißbildchen" geschenkt, als er mich während des Unterrichts zum ersten Mal lächeln sah. Diese Anekdote hat auf jeden Fall meine Mama später öfter erzählt, erinnern kann ich mich selbst nicht daran. Anscheinend ist es wohl für Erwachsene ein Ding, wenn man eine Sache als kleines Mädchen ernster angeht. Aber was ist, wenn dein Gesichtsausdruck, dein Auftreten und deine Leistung als Heranwachsende ständig von Erwachsenen beurteilt wird? Und du vor jedem großen Auftritt tagtäglich gedrillt und gedemütigt wirst? Die Routinen ist eigentlich ein Albtraum in Romanform, finde ich. Aber für viele Frauen, die selbst zu Wort kommen, leider Realität. Und gerne möchte man diesen so starken Frauen wie Nadia Comâneci und Simone Biles, die hier zu Wort kommen, nicht nur Aufmerksamkeit, sondern eine Umarmung schenken. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung, auch wenn mich der Roman literarisch nicht ganz überzeugt hat.

    6. Mai 2026

  • 4,0

    Kein Applaus für dieses System

    „Die Routinen“ liest sich wie ein langer, kontrollierter Atemzug vor einer Übung, bei der man weiß: Leicht wird das nicht. Gnadenlos seziert der Roman den Leistungssport Turnen und legt offen, was hinter den perfekten Choreografien steckt. Es geht um ein System, das auf Gehorsam und Wiederholung basiert, um Missstände, die nicht Ausnahmen, sondern die Regel sind. Um Trainer- Turnerinnen-Beziehungen, in denen Macht missbräuchlich ausgeübt wird, Grenzen verschwimmen und Übergriffe stillschweigend normalisiert werden. Und um den immensen Druck, immer funktionieren zu müssen – unabhängig von Schmerz, Erschöpfung oder dem eigenen Körper, der mehr und mehr zum Gegner wird. Essstörungen erscheinen hier nicht als individuelles Drama, sondern als logische Konsequenz eines Umfelds, das Kontrolle über alles stellt. Der Schreibstil ist dabei bewusst fordernd und distanziert, fast kühl. Kein emotionales An-die-Hand-Nehmen, kein klassischer Spannungsbogen. Stattdessen Fragment um Fragment: Trainings, Wettkämpfe, Gedanken, Körperzustände. Diese Distanz schafft Raum, aber sie macht die Protagonistin auch schwer greifbar – wie eine Turnerin, die man nur aus der Ferne beobachtet, während sie perfekt ihre Routinen abspult. Verstärkt wird die Wirkung durch die eingeflochtenen Zitate realer Turnerinnen, die dem Text eine schmerzhafte Authentizität verleihen und klar machen: Das hier ist keine reine Fiktion. „Die Routinen“ ist kein Roman mit großer Handlung, sondern das Aufdecken einer Karriere in Einzelteilen – nüchtern, eindringlich und lange nachhallend. Ein Buch, das keinen Applaus sucht, sondern Fragen stellt: über Leistung, Körper und den Preis von Perfektion.

    23. Jan. 2026

3 von 26 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 2710%

Ich finde den Schreibstil seltsam springend. Wer erzählt denn nun hier? Und wovon? Bin noch ziemlich verwirrt.

Seite 3011%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Son Lewandowski

Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor*innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit Die kurzen Karrieren stand sie in dem Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 wurde sie durch das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.

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