Blick ins Buch

Romane

Schwanentage

3,6(57)
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Über das Buch

»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan

Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …

Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft.

»Zhang Yueran hat mit Schwanentage ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich

ISBN9783753001111
VerlagEcco Verlag
Erscheinungsdatum23.09.25
Seitenzahl224

Rezensionen & Bewertungen

57 Bewertungen

20 Rezensionen

3,6

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  • cloudjumper
    cloudjumper

    1397 Follower

    4,5

    Drei Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, ein Kind und eine Gans sinnieren über, erfreuen sich am oder bedauern das Leben. Der Beginn war richtig stark. Wechselte von langsam zu schnell, von Genre zu Genre und bleibt dann abrupt stehen nach dem ersten Drittel. Nach einer Weile wird es philosophisch und fast heiter, um dann zum Schluss nochmal aufzudrehen. Ein feministisches, sozialkritisches Werk, welches sprachlich absolut feinste Literatur ist und inhaltlich viele große Themen auf engstem Raum verarbeitet. Dass manchmal die Rollen der Frauen, die einzig unter dem Mann leidet, zu sehr betont wurde, hat den Lesegenuss etwas getrübt, da ich es generell ungerecht finde, Geschlechter so zu generalisieren (umgekehrt gibt es auch Beispiele), aber allein die Sprache und das mal subtile und mal mit Vollgas ausgeführte Brechen der Erwartungen, hat mich mal irritiert und mal richtig mitgerissen. Am Ende bleibt ein Roman den ich ganz sicher irgendwann nochmal lesen will. Dann wird es zwar keine Überraschung mehr geben, aber sicher noch tieferes Verständnis für dieses empfehlenswerte Werk.

    28. Okt. 2025

  • kathisol
    kathisol

    258 Follower

    3,0

    Von Schwänen und Gänsen

    Yu Ling arbeitet seit Jahren als Kindermädchen für eine reiche Familie. Die Geschichte beginnt, als sie gerade das Kind entführt, um von der Familie Lösegeld zu erhalten und ein besseres Leben führen zu können. Doch diesen Plan kann sie nicht zu Ende bringen, denn Großvater und Vater des Kindes werden wegen Korruption verhaftet und die Mutter ist nicht mehr erreichbar. Yu Ling muss nun entscheiden, wie es für sie und das Kind weitergehen soll. Obwohl die Geschichte nicht sehr lang ist, bekommen wir einen Einblick in die Gesellschaftsstrukturen Chinas. Es wird das Machtgefälle zwischen Arm und Reich beschrieben, die Korruption in der hohen Gesellschaftsschicht, welche ihren Standard hält, indem eine Hand die andere wäscht, aber es geht auch darum, wie fragil dieses Konstrukt ist, sodass Menschen von ganz oben schnell ganz unten sein können. Über das gesamte Buch hinweg begleitet uns der Schwan, den der Junge des Hauses gerettet hat und als Haustier hält. Bei diesem handelt es sich eigentlich um eine Gans, aber alle lassen das Kind in seinem Glauben. Dies steht für die Unschuld des Kindes, welches von dem ganzen Wirbel Dank Yu Lings liebevoller Fürsorge nichts mitbekommt. Der Schreibstil ist unruhig, manchmal etwas abgehackt, und die Dinge werden eher subtil aufgezeigt. Die Figuren werden durch ihre Taten und Vergangenheit greifbar, aber weniger durch ihre Gedankengänge, wodurch sie oberflächlich bleiben. Die Entwicklung der Charaktere konnte ich manchmal nicht in Einklang mit den Beschreibungen der Personen bringen. So erschließt sich mir die aufopfernde Yu Ling nicht ganz als Kindesentführerin und auch die Hausherrin benimmt sich gegen Ende unerwartet. Das Buch bietet trotz der Kürze interessante Einblicke und Beobachtungen, konnte mich aber nicht mitreißen.

    28. Sept. 2025

  • 3,5

    Wenn Fürsorge zur Selbstaufgabe wird

    „Schwanentage“ erzählt die leise, aber eindringliche Geschichte eines Kindermädchens, das nach der Verhaftung des Vaters und dem Weggang der Mutter die Fürsorge für ein Kind übernimmt, das nicht ihr eigenes ist. Mit jeder Seite spürt man, wie sie ihr eigenes Leben für das Wohl anderer aufgibt – bis sie sich selbst darin verliert. Besonders eindrucksvoll gelingt es der Autorin, das Paradox des Lebens im Luxus zu zeichnen: im Überfluss zu wohnen, aber nicht dazuzugehören; alles zu berühren, ohne etwas davon wirklich besitzen zu dürfen. Dieses stille, nagende Bewusstsein – dass der Reichtum, den man täglich um sich hat, nie der eigene sein wird – schafft eine bedrückende Atmosphäre, die sich durch jede Seite zieht. Und als dieses fragile Konstrukt aus Loyalität, Pflicht und Illusion schließlich zusammenbricht, bleibt die Protagonistin vor der nackten Frage zurück: Wer bin ich noch, wenn das Leben, das ich geführt habe, nie wirklich meines war? „Schwanentage“ verhandelt Armut und Klassismus nicht laut oder plakativ, sondern mit einer feinen, fast schmerzhaften Zurückhaltung. Gerade diese kühle Distanz, die asiatische Literatur oft auszeichnet, findet sich hier wieder – eine Sprache, die Emotionen nicht ausschmückt, sondern sie durch Schweigen, durch kleine Gesten und unausgesprochene Gedanken spürbar macht. Anfangs mag diese Emotionslosigkeit befremden, als hielte sie den Leser auf Abstand. Doch je länger man liest, desto deutlicher erkennt man: Genau in dieser Distanziertheit liegt die eigentliche Intensität. Trotz einer reduzierten Handlung entfaltet sich eine Spannung, die nicht aus äußeren Ereignissen entsteht, sondern aus inneren Brüchen – aus der stillen Revolte gegen ein Leben, das nie das eigene war. „Schwanentage“ ist kein lautes Buch, aber ein nachhaltiges. Es bleibt im Kopf, weil es die großen Fragen in die kleinsten Momente legt. Und weil es zeigt, wie schwer es ist, sich selbst wiederzufinden, wenn man jahrelang jemand anderes gewesen ist.

    12. Nov. 2025

3 von 20 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Zhang Yueran

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman Seidenhaus wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.

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