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GELB, AUCH EIN SCHÖNER GEDANKE Nefeli Kavouras ET: 12.02.26 „Wir waren schon einmal an diesem Punkt. Nur anders. Damals legte ich die Hand auf Mamas Schulter. Damals konnte ich meinen Vater nicht anschauen – ohne Scham, ohne Ekel, ohne Schuld und ohne Distanz.“ (Tolino S. 203) Leas Vater hatte vor sieben Jahren einen Schlaganfall. Seitdem reiht sich eine Krankheit an die nächste. Schon lange kann er nicht mehr ohne Hilfe aufstehen oder zur Toilette gehen. Das Krankenhaus empfahl, ihn in einem Hospiz anzumelden, doch ihre Mutter weigert sich. Sie holt ihn zurück nach Hause. „Mama würde wollen, dass Papa für immer in diesem Zustand bleibt. Wem kann ich erzählen, dass ich mir den Tod meines Vaters wünsche?“ (Tolino S. 37) Ihre Mutter schließt sich mit ihrem sterbenden Mann in ein Zimmer ein – das Sterbezimmer, wie Lea es nennt. Und obwohl sie sich von ihr verlassen, ja vernachlässigt fühlt, ist es ihr zugleich recht. So kann sie ihre Freunde treffen, sich zurückziehen – und muss sich nicht eingestehen, wie sehr sie sich vor ihrem Vater ekelt: vor seinem Schleim, dem Geruch von Urin und seiner pergamentartigen Haut. Dabei waren sie früher ein Team. Gemeinsam gegen die Mutter, voller Leichtigkeit, voller Nähe. Lea versucht, sich daran zu erinnern – doch vor ihrem inneren Auge erscheint nur noch der alte, sterbende Mann. Lea ist 16 und will eigentlich nur eines: ihren eigenen Weg finden, rebellieren, ein ganz normaler Teenager sein. Doch zu Hause wird Rücksicht erwartet, in der Schule begegnet man ihr mit Mitleid. Die Geschichte nimmt schließlich eine überraschende Wendung, die zunächst irritiert, dem Ganzen aber eine neue Tiefe verleiht – und Lea auf eine unerwartete Weise wieder näher zu ihrem Vater bringt. Dieses Buch ist ohne Frage außergewöhnlich. Der erzählerische Bruch hat mich zunächst ratlos zurückgelassen, doch rückblickend fügt er sich stimmig in die Geschichte ein. Fazit: Ein intensives, ungewöhnliches Buch über das Sterben – direkt, poetisch und in einem ganz eigenen Ton. Ich empfehle dieses Buch Leserinnen und Leser, die unkonventionelle Geschichten schätzen. 4/5

24. Apr. 2026
GELB, AUCH EIN SCHÖNER GEDANKE Nefeli Kavouras ET: 12.02.26 „Wir waren schon einmal an diesem Punkt. Nur anders. Damals legte ich die Hand auf Mamas Schulter. Damals konnte ich meinen Vater nicht anschauen – ohne Scham, ohne Ekel, ohne Schuld und ohne Distanz.“ (Tolino S. 203) Leas Vater hatte vor sieben Jahren einen Schlaganfall. Seitdem reiht sich eine Krankheit an die nächste. Schon lange kann er nicht mehr ohne Hilfe aufstehen oder zur Toilette gehen. Das Krankenhaus empfahl, ihn in einem Hospiz anzumelden, doch ihre Mutter weigert sich. Sie holt ihn zurück nach Hause. „Mama würde wollen, dass Papa für immer in diesem Zustand bleibt. Wem kann ich erzählen, dass ich mir den Tod meines Vaters wünsche?“ (Tolino S. 37) Ihre Mutter schließt sich mit ihrem sterbenden Mann in ein Zimmer ein – das Sterbezimmer, wie Lea es nennt. Und obwohl sie sich von ihr verlassen, ja vernachlässigt fühlt, ist es ihr zugleich recht. So kann sie ihre Freunde treffen, sich zurückziehen – und muss sich nicht eingestehen, wie sehr sie sich vor ihrem Vater ekelt: vor seinem Schleim, dem Geruch von Urin und seiner pergamentartigen Haut. Dabei waren sie früher ein Team. Gemeinsam gegen die Mutter, voller Leichtigkeit, voller Nähe. Lea versucht, sich daran zu erinnern – doch vor ihrem inneren Auge erscheint nur noch der alte, sterbende Mann. Lea ist 16 und will eigentlich nur eines: ihren eigenen Weg finden, rebellieren, ein ganz normaler Teenager sein. Doch zu Hause wird Rücksicht erwartet, in der Schule begegnet man ihr mit Mitleid. Die Geschichte nimmt schließlich eine überraschende Wendung, die zunächst irritiert, dem Ganzen aber eine neue Tiefe verleiht – und Lea auf eine unerwartete Weise wieder näher zu ihrem Vater bringt. Dieses Buch ist ohne Frage außergewöhnlich. Der erzählerische Bruch hat mich zunächst ratlos zurückgelassen, doch rückblickend fügt er sich stimmig in die Geschichte ein. Fazit: Ein intensives, ungewöhnliches Buch über das Sterben – direkt, poetisch und in einem ganz eigenen Ton. Ich empfehle dieses Buch Leserinnen und Leser, die unkonventionelle Geschichten schätzen. 4/5
24. Apr. 2026









