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Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

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Über das Buch

Was verbindet uns mit denen, die vor uns kamen?

Mit einem heimlich geschlachteten Schaf beginnt der Blick in die Innereien einer Familie. Hier rührt die Urgroßmutter das Blut für die Würste, der Großonkel schläft fünfzehn Jahre lang, und die Großmutter stiehlt nachts die Ziegel vom Dach. Am Ende steht die Urenkelin Alma und fügt die Einzelteile der Familiengeschichte zusammen: vom kargen Alltag auf einem Bauernhof an der Nordsee über den Krieg und den Neuanfang fern der Heimat bis in die Gegenwart, in der die Großmutter ins Heim muss und Alma versteht, dass sie das letzte Glied in der familiären Kette ist.

In kurzen, virtuos verdichteten Passagen entfaltet Anna Maschik einen ganzen Kosmos – die Familie als ein großer Resonanzkörper, in dem die Prägungen widerhallen über die Generationen hinweg. Es ist eine Geschichte von bevorzugten Geschwistern, vom Scheitern am Schlaf und an der Sprache, von der Verwandlung in ein Möbel, einen Wolf, einen Zitronenbaum. Lakonisch und voll schwebender Magie erzählt sie davon, was Vorbestimmung ist und ob man ihr entkommen kann.

Editionen (2)

ISBN9783630878140
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum10.09.25
Seitenzahl240

Merkmale

3 Bewertungen

EinfachPoetischEntwickelndVielschichtigNachdenklichGlaubwürdig

Rezensionen & Bewertungen

294 Bewertungen

72 Rezensionen

4,0

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  • karina_leseliebe
    karina_leseliebe

    102 Follower

    4,5

    So ungewöhnlich der Titel klingt, so eigenwillig entfalter sich auch dieser Roman: 'Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten' von Anna Maschik entzieht sich klassischen Erzählmustern und hinterlässt gerade dadurch einen bleibenden Eindruck. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles vollständig - oder überhaupt richtig- verstanden habe. Und doch weiß ich: Diese Lektüre war auf ihre ganz eigene Art äußerst fesselnd und unterhaltsam. Die Handlung beginnt auf einem Bauernhof an der Nordsee - und kehrt immer wieder dorthin zurück. Über mehrere Generationen hinweg erleben wir ein Kommen und Gehen: Menschen werden geboren, sterben, lieben einander - oder eben auch nicht. Besonders prägnant sind die Frauenfiguren, die in ihrer Unterschiedlichkeit faszinieren und zugleich wiederkehrende Muster erkennen lassen. Es ist, als würden sich bestimmte Lebensentwürfe und Schicksale wiederholen. Maschiks Erzählweise ist dabei auffallend nüchtern, fast spröde. Immer wieder durchbrechen Listen und Aufzählungen den Fluß der Geschichte - ein zunächst irritierendes, dann aber ungemein wirkungsvolles Stilmittel, das den Blick auf Details schärft und eine gewisse Tiefe erzeugt. Zwischen diesen scheinbar sachlichen Passagen tauchen plötzlich skurrile Ereignisse auf, die Fragen aufwerfen und Raum für eigene Spekulationen lassen. Was genau will die Autorin uns damit sagen? Eine eindeutige Antwort bleibt sie bewusst schuldig - und genau darin liegt ein Teil des Reizes. Es ist ein Roman, der sich nicht leicht greifen oder zusammenfassen lässt, einer der neugierig macht. Ich habe dieses Unkonventionelle sehr gemocht, auch wenn es mir schwerfällt, den Inhalt zu beschreiben. Mein Fazit: Am besten selbst lesen, sich darauf einlassen und schauen, was das Buch im eigenen Kopf auslöst. Eine klare Empfehlung für alle, die Freude an ungewöhnlichen Erzählformen haben.

    13. Apr. 2026

  • julia_bhrmnn
    julia_bhrmnn

    156 Follower

    4,0

    75/2026 Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

    Erfrischend anders erzählte Familiengeschichte. Das war ein leicht skurriles, aber fesselndes Lesevergnügen. Print

    75/2026 Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

    16. Juni 2026

  • 4,0

    Karge Sprache, große Wirkung

    Der Roman entfaltet sich wie ein leiser, aber unaufhaltsamer Sog in die Vergangenheit. Aus der Perspektive der letzten Überlebenden einer einst großen Familie blickt die Erzählerin zurück – auf den Bauernhof an der Nordsee, auf die kargen Jahre der Nachkriegszeit, auf das Aufbrechen von Traditionen und das Festhalten an Ritualen. Zwischen dem Blut der Schafe und den Würsten, die aus ihnen werden, entsteht ein merkwürdig nüchternes Panorama ländlicher Existenz, das gerade in seiner Unsentimentalität eine enorme Wucht entwickelt. Die Familiengeschichte wird absurd, distanziert und fast schon emotionslos erzählt – genau so, wie viele Menschen nach dem Krieg durchs Leben gingen: funktionierend, wortkarg, innerlich vernarbt. Doch gerade in dieser Kälte erzeugt die Autorin ein Flirren zwischen den Zeilen. Es ist, als würde die eigentliche Geschichte dort stattfinden, wo nichts ausgesprochen wird. So wird das private Familienschicksal zu einem Spiegel deutscher Geschichte, zu einer Chronik des Ausharrens, des Überstehens, des ständigen Neubeginns. Besonders eindrucksvoll sind die stilistischen und sprachlichen Mittel, die die Autorin einsetzt. Sie formuliert sparsam, beinahe asketisch, und schafft es dennoch – oder gerade deswegen –, mit wenigen Worten ganze Welten aufzuspannen. Jede Formulierung wirkt präzise gesetzt, jeder Satz trägt mehr Bedeutung, als er zunächst preisgibt. So entsteht ein Roman, der lange nachhallt: ein Werk, das sich nicht anbiedert, nicht rührt, sondern durch seine klare, ungeschönte Sprache einen Sog erzeugt, dem man sich kaum entziehen kann.

    20. Nov. 2025

3 von 72 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Anna Maschik

Anna Maschik, 1995 in Wien geboren, studierte Sprachkunst/Literarisches Schreiben und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Leipzig. Sie arbeitete als Produktionsleitung eines Theaterfestivals und unterrichtet Deutsch und Spanisch an einem Wiener Gymnasium. Sie hat Kurzprosa und Lyrik in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. »Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten« ist ihr erster Roman.

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