Zart ist das Fleisch
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Description
Alles ging so schnell. Zuerst infizierten sich Tiere mit dem Virus und plötzlich war ihr Fleisch giftig. Dann leiteten die Regierungen den „Übergang“ ein. Jetzt ist „Spezialfleisch“ – Menschenfleisch – legal.
Marcos ist in der Schlachtung von Menschen tätig – nur nennt das niemand so. Er kümmert sich um die Zahlen, Lieferungen, die Verarbeitung. Eines Tages erhält er ein Geschenk, um einen Deal zu besiegeln: ein Exemplar von höchster Qualität. Er lässt sie gefesselt in seinem Schuppen zurück, ein Problem, das später beseitigt werden muss.
Aber sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Ihr zitternder Körper, ihr wachsamer Blick scheinen zu verstehen. Und bald quält ihn das, was verloren gegangen ist – und was noch gerettet werden könnte.
Book Information
Author Description
Agustina Bazterrica, geboren 1974 in Buenos Aires, gelang mit ihrem Roman Zart ist das Fleisch der internationale Durchbruch. Sie gewann den Premio Clarín, die bedeutendste literarische Auszeichnung Argentiniens. Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen folgten, das Romanende ging in Tausenden Reaction Videos viral, seither gilt Agustina Bazterrica als eine der ersten TikTok-Sensationen der Weltliteratur.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Harte "Kost" 🥩
"Der Mensch ist der Grund allen Übels dieser Welt. Wir sind uns selbst ein Virus." Ehrlich gesagt fiel es mir schwer, einen Anfang für diese Rezension zu finden, weil mich dieses Buch komplett sprachlos zurückgelassen hat. Für mich ist es ein echtes Meisterwerk. Schonungslos, verstörend und gleichzeitig unglaublich gesellschaftskritisch. Dieses Buch trifft mitten ins Herz und löst beim Lesen eine ganze Welle an Emotionen aus. Gemütlich ist diese Geschichte definitiv nicht, dafür beschäftigt sie sich mit wichtigen Themen wie Menschenwürde, Tierquälerei, Ethik & Moral und vieles mehr. Die Vorstellung einer Welt, in der durch einen Virus keine Nutztiere und nicht einmal Haustiere mehr existieren, ist erschreckend genug. Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er einfach auf Fleisch verzichten würde. Genau hier entfaltet die Geschichte ihre volle Wucht. Die Handlung ist spannend, bedrückend und gleichzeitig so fesselnd geschrieben, dass ich das Buch innerhalb eines Wochenendes verschlungen habe. Der Schreibstil ist dabei sehr besonders und hebt sich deutlich ab. Ich persönlich habe schnell hineingefunden, kann mir aber vorstellen, dass er für manche zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte. Dieses Buch schockiert, regt zum Nachdenken an und bleibt noch lange nach der letzten Seite im Gedächtnis. Von mir gibt es die volle Punktzahl. 10 von 10 Punkten. 5️⃣Gründe, dieses Buch zu lesen: 1. Die einzigartige und düstere Dystopie sorgt für eine beklemmende Atmosphäre. 2. Das Thema Massentierhaltung mit Menschen ist verstörend umgesetzt und hebt sich stark von anderen Geschichten ab. 3. Die Handlung ist emotional und geht unter die Haut. 4. Das Buch besitzt eine besondere Tiefgründigkeit und regt zum Nachdenken an. 5. Die Geschichte hallt noch lange nach der letzten Seite nach.

Esst Gemüse, nicht euren Nachbarn!
Es gibt Bücher, die einen verstören. Und dann gibt es Bücher, die einen gerade deshalb verstören, weil sie es nicht stark genug tun – weil der eigene Verstand das Gelesene irgendwo auf dem Weg stillschweigend akzeptiert und einfach zur Tagesordnung übergeht. „Zart ist das Fleisch“ gehört zur zweiten Sorte, und genau darin liegt der eigentliche Grusel. Die Prämisse ist ebenso simpel wie ekelerregend: Ein Virus hat sämtliches tierisches Leben ausgelöscht, und die Menschheit hat die Lücke auf dem Fleischmarkt gefüllt, indem sie stattdessen sich selbst, den Menschen, züchtet. Die Industrie operiert mit einer erschreckenden, bürokratischen Normalität – Schlachthöfe, Verarbeitungslinien, Verpackung, Vertrieb. Niemand spricht von „Kannibalismus“. Das Produkt wird schlicht als „Spezialfleisch“ bezeichnet. Die Sprache erledigt, wie so oft, die schmutzige Arbeit, das Undenkbare als reine Routine erscheinen zu lassen. Im Kern erschafft Bazterrica eigentlich gar keine Dystopie – sie hält Strukturen, die längst existieren, einen Spiegel vor, nur dass sie das Subjekt ausgetauscht hat. Das Töten am Fließband, die euphemistische Vermarktung, die soziale Schichtung zwischen denen, die konsumiert werden, und denen, die konsumieren – nichts davon erfordert viel Vorstellungskraft, um es wiederzuerkennen. Genau das ist der Punkt, und er trifft ins Schwarze. Marcos, unser Protagonist, arbeitet in einer dieser Verarbeitungsanlagen. Er ist ein leerer Mann in einer leeren Welt, der noch immer um seinen Sohn trauert und stumpf die Abläufe einer Industrie mitmacht, für deren Hinterfragung ihm schlicht die Kraft fehlt. Ihm durch die Mechanik dieser Welt zu folgen – durch die Zuchtanlagen, die Schlachthallen, die sorgsam aufrechterhaltenen Fiktionen, die das Funktionieren der Gesellschaft überhaupt erst ermöglichen – ist auf düstere Weise fesselnd. Für eine derart trostlose Prämisse lässt sich das Buch überraschend schwer aus der Hand legen (ich hab es innerhalb 2 Tagen gelesen). Und doch. Die zweite Hälfte stolpert dort, wo sie eigentlich Fahrt aufnehmen sollte. Sobald sich der anfängliche Schock in eine Art düstere Resignation verwandelt – was zugegebenermaßen thematisch so gewollt ist –, beginnt die Erzählung zu mäandern. Nebenhandlungen werden angerissen und verschwinden dann stillschweigend wieder. Das Ende kommt abrupt, mit einem Zeitsprung, der genau jene erzählerischen Entwicklungen überspringt, die dem Finale mehr Wucht verliehen hätten. Auch die Prosa wirkt stellenweise flach, geprägt von einer klinischen Redundanz, die die emotionale Wirkung, welche sie eigentlich maximieren sollte, eher abstumpft. Das Worldbuilding wirft Fragen auf, die nie ganz beantwortet werden, und manche Kapitel wirken seltsam fragmentiert, als hätte man Teile einer größeren Geschichte herausgekürzt, ohne die entstandenen Lücken wirklich zu schließen. „Zart ist das Fleisch“ ist kein perfekter Roman. Aber es ist ein provokantes, morbid-wirkungsvolles Werk, das seinen Ruf völlig zu Recht trägt. Es stellt unbequeme Fragen darüber, was Zivilisation von Barbarei trennt – und suggeriert auf beunruhigende Weise, dass die Antwort vielleicht einfach nur der richtige Euphemismus im richtigen Moment ist. Man sollte es nur vielleicht nicht unbedingt beim Abendessen lesen.

Boah, das war wirklich harter Tobak, aber genial gemacht. Das Buch startet direkt schockierend: Tierfleisch kann plötzlich nicht mehr verzehrt werden, da angeblich ein Virus ausgebrochen ist, das Menschen krank macht. Doch natürlich will niemand auf Fleisch verzichten, also beginnt man damit, sogenanntes „Spezialfleisch“ zu züchten und legitimiert damit mal eben Kannibalismus. Auf den 238 Seiten wird eindrücklich gezeigt, wie Sprache benutzt wird, um Grausamkeit erträglicher zu machen. Man sagt nicht mehr „Mensch“, sondern „Ware“ oder „Produkt“. Die Gesellschaft stumpft immer weiter ab und normalisiert den neuen Zustand. Nur in Marcos scheint noch etwas Menschlichkeit zu stecken. Er ist scheinbar nur Teil des Systems, weil er davon leben muss. Er empfindet Ekel, zeigt Mitgefühl gegenüber seiner Familie und sogar gegenüber Hunden. Der Ekel steigert sich im Laufe der Geschichte immer weiter. Bazterrica arbeitet mit vielen Symboliken, etwa den immer wieder auftauchenden Kakerlaken im Haus der Schwester. Der Schreibstil ist dabei passend nüchtern und gleichzeitig immer wieder fast hoffnungsvoll. Erschreckend fand ich vor allem, wie wenig abwegig vieles wirkt. Während des Lesens wird man praktisch gezwungen, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen: Fleischkonsum, Massentierhaltung, Tierversuche, Zoos, Zucht. Ein Buch mit enormer Sogkraft, das einem die eigene Doppelmoral ungeschönt ins Gesicht schlägt.
Oha, das war krass. Die Geschichte ist so verstörend, da alles sehr explizit beschrieben wird. Darauf muss man sich einlassen wollen. Aber dann erhält man eine Geschichte, die einen in den Bann zieht. Ich fand es wahnsinnig gut, dass das Thema bis zum Ende durchdacht wurde und was das aus den Menschen macht. Insbesondere dass nicht die Perspektive der Opfer eingenommen wurde, macht das Buch noch mal anderes interessant, aber auch hart. Die Parallelen zur Tierfleischindustrie sind so eindeutig, dass man sehr viele Denkanstöße erhält. Spätestens nach dieser Lektüre möchte man vegetarisch/vegan leben. In dem Buch schwingt trotz aller Härte und Traurigkeit immer ein Fünkchen Hoffnung mit, dass es sich ändern könnte, dass es nicht so bleiben muss. Und dann kommt das Ende 🤯 Insgesamt ein Buch mit schwerer Thematik, auf das man sich einlassen muss. Aber ich finde es richtig stark und es wird mir lange in Erinnerung bleiben.
Menschliche Abgründe, die mich sprachlos zurücklassen… 👀
Das ist wirklich harter Tobak und nichts für schwache Nerven! Hier wird eine abscheuliche Welt, in der Kannibalismus legal ist, explizit und wahnsinnig bildhaft beschrieben. Wir begleiten vor allem den Hauptprotagonisten, der in einem der neuen Schlachthäuser arbeitet, in der Stücke (aka für den Fleischhandel gezüchtete Menschen) geschlachtet werden. Beim Lesen bleibt ein Hauch von Hoffnung, dass doch noch ein wenig Menschlichkeit erhalten geblieben ist. Ein Hauch an schlechtem Gewissen, das unterschwellig zu brodeln scheint. Zugleich angewidert von der Abscheulichkeit und doch neugierig verfolgte ich die Geschichte gespannt bis zum Ende - mit dem kleinen Funken Hoffnung in mir. Das Ende kam unerwartet und zerstörte jede Hoffnung auf Menschlichkeit. Skrupellos und egoistisch. 🤯 Insgesamt regt die Geschichte durchgehend zum Nachdenken an. Über Wertvorstellungen, Moral und Massenproduktion. Was hier - beschrieben am Beispiel Mensch - so wahnsinnig erschreckend wirkt, müssen Tiere in der wahren Welt über sich ergehen lassen. Wer nicht schon vegetarisch/vegan ist, spielt spätestens hier mit dem Gedanken, die Ernährung umzustellen. Diesen Perspektivwechsel finde ich interessant und wertvoll. •••••••••• *Triggerwarnung, denn S.176ff. war meiner Meinung doch einen Ticken zu extrem! Dort wird Tierquälerei geschildert und spätestens da hört der Spaß auf! 💔
Verstörende Abgründe der Menschlichkeit
Das wohl verstörendste Buch, das ich bisher gelesen habe. Der nüchterne und realistische Schreibstil unterstützen die Geschichte um die Abscheuchlichkeit der Menschheit umso mehr. Das wirklich furchtbare daran ist, das diese Dystopie gar nicht so abwegig und surreal ist. Schlussendlich nimmt einen das Ende auch noch jegliche Hoffnung an Menschlichkeit.
Sprachlos vor lauter Gedanken…
Man könnte ernsthaft meinen, dieses Buch wird wahrscheinlich demnächst verboten werden. Dies ist das wohl heftigste Buch, welches ich jemals gelesen habe, denn hier liest man anfangs auf zwei Schienen parallel: Erstens mit purem gesundem Menschenverstand, welches dazu führen wird, dass man vor grotesker Unmenschlichkeit am liebsten das lesen abbrechen muss/möchte. Es bedurfte lediglich 20-30 Seiten um mir vor Augen zu halten wie abscheulich diese dargestellte Dystopie ist und mich leserlich und gedanklich in eine absolute Höllenwelt zerrte und nach den ersten 104 Seiten am Stück - entsetzend eine halbe Stunde starr sitzend den Inhalt verdauen durfte. Zweitens, man gibt irgendwann der grotesken entmenschlichenden Strenge nach und liest einfach ungehemmt und nimmt die Inhalte dieser Un-welt einfach hin (hier beginnt das eigentliche Psychologische Experiment meiner Meinung nach!). Eine philosophische Frage auf die radikalste Weise dargestellt: Was gilt eigentlich Moral noch, die Vernunft und bisherige Werte, in einer Welt die den Verstand und gleichzeitig die Fähigkeit schlechtes Gewissen zu empfinden verkauft hat? Aber, an dieses Buch gehört eine Triggerwarnung. Unbedingt.
Menschliche Abgründe
Morbide, brutal und teilweise abartig. Dieses Buch regt sehr zum Nachdenken an. Was wäre wenn tierisches Fleisch ungenießbar wäre u deshalb plötzlich Kannibalismus legal wird. Halber Stern Abzug da auf S. 177 kurz beschriebene Tierquälerei statt findet. Also falls es jemand überspringen möchte. Vom Schreibstil ist es sehr einfach u die Handlung geht schnell voran. Ist sicher nix für jeden. Wer aber in die tiefsten menschlichen Abgründe eintauchen möchte, wird hier definitiv fündig.

Blutige Angelegenheit🔨🩸
"Zart ist das Fleisch" ist nichts für schwache Nerven. Detailliert werden Gewaltszenen, Tod, Missbrauch, Schlachtung etc beschrieben. Ich bin ein großer Fan von Dystopien, musste mich hier jedoch ein bisschen durchquälen. Ich fand den Verlauf der Geschichte ziemlich vorhersehbar und meiner Meinung kam das Ende sehr abrupt. Die Entwicklung / Abstumpfung von Marcos war spannend zu verfolgen. Am schlimmsten war für mich die Szene mit den Welpen im verlassenen Zoo. Da hat mir echt das Herz geblutet. Für zwischendurch war das Buch ganz okay, würde es aber wahrscheinlich nicht noch einmal lesen.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Alles ging so schnell. Zuerst infizierten sich Tiere mit dem Virus und plötzlich war ihr Fleisch giftig. Dann leiteten die Regierungen den „Übergang“ ein. Jetzt ist „Spezialfleisch“ – Menschenfleisch – legal.
Marcos ist in der Schlachtung von Menschen tätig – nur nennt das niemand so. Er kümmert sich um die Zahlen, Lieferungen, die Verarbeitung. Eines Tages erhält er ein Geschenk, um einen Deal zu besiegeln: ein Exemplar von höchster Qualität. Er lässt sie gefesselt in seinem Schuppen zurück, ein Problem, das später beseitigt werden muss.
Aber sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Ihr zitternder Körper, ihr wachsamer Blick scheinen zu verstehen. Und bald quält ihn das, was verloren gegangen ist – und was noch gerettet werden könnte.
Book Information
Author Description
Agustina Bazterrica, geboren 1974 in Buenos Aires, gelang mit ihrem Roman Zart ist das Fleisch der internationale Durchbruch. Sie gewann den Premio Clarín, die bedeutendste literarische Auszeichnung Argentiniens. Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen folgten, das Romanende ging in Tausenden Reaction Videos viral, seither gilt Agustina Bazterrica als eine der ersten TikTok-Sensationen der Weltliteratur.
Posts
Harte "Kost" 🥩
"Der Mensch ist der Grund allen Übels dieser Welt. Wir sind uns selbst ein Virus." Ehrlich gesagt fiel es mir schwer, einen Anfang für diese Rezension zu finden, weil mich dieses Buch komplett sprachlos zurückgelassen hat. Für mich ist es ein echtes Meisterwerk. Schonungslos, verstörend und gleichzeitig unglaublich gesellschaftskritisch. Dieses Buch trifft mitten ins Herz und löst beim Lesen eine ganze Welle an Emotionen aus. Gemütlich ist diese Geschichte definitiv nicht, dafür beschäftigt sie sich mit wichtigen Themen wie Menschenwürde, Tierquälerei, Ethik & Moral und vieles mehr. Die Vorstellung einer Welt, in der durch einen Virus keine Nutztiere und nicht einmal Haustiere mehr existieren, ist erschreckend genug. Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er einfach auf Fleisch verzichten würde. Genau hier entfaltet die Geschichte ihre volle Wucht. Die Handlung ist spannend, bedrückend und gleichzeitig so fesselnd geschrieben, dass ich das Buch innerhalb eines Wochenendes verschlungen habe. Der Schreibstil ist dabei sehr besonders und hebt sich deutlich ab. Ich persönlich habe schnell hineingefunden, kann mir aber vorstellen, dass er für manche zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte. Dieses Buch schockiert, regt zum Nachdenken an und bleibt noch lange nach der letzten Seite im Gedächtnis. Von mir gibt es die volle Punktzahl. 10 von 10 Punkten. 5️⃣Gründe, dieses Buch zu lesen: 1. Die einzigartige und düstere Dystopie sorgt für eine beklemmende Atmosphäre. 2. Das Thema Massentierhaltung mit Menschen ist verstörend umgesetzt und hebt sich stark von anderen Geschichten ab. 3. Die Handlung ist emotional und geht unter die Haut. 4. Das Buch besitzt eine besondere Tiefgründigkeit und regt zum Nachdenken an. 5. Die Geschichte hallt noch lange nach der letzten Seite nach.

Esst Gemüse, nicht euren Nachbarn!
Es gibt Bücher, die einen verstören. Und dann gibt es Bücher, die einen gerade deshalb verstören, weil sie es nicht stark genug tun – weil der eigene Verstand das Gelesene irgendwo auf dem Weg stillschweigend akzeptiert und einfach zur Tagesordnung übergeht. „Zart ist das Fleisch“ gehört zur zweiten Sorte, und genau darin liegt der eigentliche Grusel. Die Prämisse ist ebenso simpel wie ekelerregend: Ein Virus hat sämtliches tierisches Leben ausgelöscht, und die Menschheit hat die Lücke auf dem Fleischmarkt gefüllt, indem sie stattdessen sich selbst, den Menschen, züchtet. Die Industrie operiert mit einer erschreckenden, bürokratischen Normalität – Schlachthöfe, Verarbeitungslinien, Verpackung, Vertrieb. Niemand spricht von „Kannibalismus“. Das Produkt wird schlicht als „Spezialfleisch“ bezeichnet. Die Sprache erledigt, wie so oft, die schmutzige Arbeit, das Undenkbare als reine Routine erscheinen zu lassen. Im Kern erschafft Bazterrica eigentlich gar keine Dystopie – sie hält Strukturen, die längst existieren, einen Spiegel vor, nur dass sie das Subjekt ausgetauscht hat. Das Töten am Fließband, die euphemistische Vermarktung, die soziale Schichtung zwischen denen, die konsumiert werden, und denen, die konsumieren – nichts davon erfordert viel Vorstellungskraft, um es wiederzuerkennen. Genau das ist der Punkt, und er trifft ins Schwarze. Marcos, unser Protagonist, arbeitet in einer dieser Verarbeitungsanlagen. Er ist ein leerer Mann in einer leeren Welt, der noch immer um seinen Sohn trauert und stumpf die Abläufe einer Industrie mitmacht, für deren Hinterfragung ihm schlicht die Kraft fehlt. Ihm durch die Mechanik dieser Welt zu folgen – durch die Zuchtanlagen, die Schlachthallen, die sorgsam aufrechterhaltenen Fiktionen, die das Funktionieren der Gesellschaft überhaupt erst ermöglichen – ist auf düstere Weise fesselnd. Für eine derart trostlose Prämisse lässt sich das Buch überraschend schwer aus der Hand legen (ich hab es innerhalb 2 Tagen gelesen). Und doch. Die zweite Hälfte stolpert dort, wo sie eigentlich Fahrt aufnehmen sollte. Sobald sich der anfängliche Schock in eine Art düstere Resignation verwandelt – was zugegebenermaßen thematisch so gewollt ist –, beginnt die Erzählung zu mäandern. Nebenhandlungen werden angerissen und verschwinden dann stillschweigend wieder. Das Ende kommt abrupt, mit einem Zeitsprung, der genau jene erzählerischen Entwicklungen überspringt, die dem Finale mehr Wucht verliehen hätten. Auch die Prosa wirkt stellenweise flach, geprägt von einer klinischen Redundanz, die die emotionale Wirkung, welche sie eigentlich maximieren sollte, eher abstumpft. Das Worldbuilding wirft Fragen auf, die nie ganz beantwortet werden, und manche Kapitel wirken seltsam fragmentiert, als hätte man Teile einer größeren Geschichte herausgekürzt, ohne die entstandenen Lücken wirklich zu schließen. „Zart ist das Fleisch“ ist kein perfekter Roman. Aber es ist ein provokantes, morbid-wirkungsvolles Werk, das seinen Ruf völlig zu Recht trägt. Es stellt unbequeme Fragen darüber, was Zivilisation von Barbarei trennt – und suggeriert auf beunruhigende Weise, dass die Antwort vielleicht einfach nur der richtige Euphemismus im richtigen Moment ist. Man sollte es nur vielleicht nicht unbedingt beim Abendessen lesen.

Boah, das war wirklich harter Tobak, aber genial gemacht. Das Buch startet direkt schockierend: Tierfleisch kann plötzlich nicht mehr verzehrt werden, da angeblich ein Virus ausgebrochen ist, das Menschen krank macht. Doch natürlich will niemand auf Fleisch verzichten, also beginnt man damit, sogenanntes „Spezialfleisch“ zu züchten und legitimiert damit mal eben Kannibalismus. Auf den 238 Seiten wird eindrücklich gezeigt, wie Sprache benutzt wird, um Grausamkeit erträglicher zu machen. Man sagt nicht mehr „Mensch“, sondern „Ware“ oder „Produkt“. Die Gesellschaft stumpft immer weiter ab und normalisiert den neuen Zustand. Nur in Marcos scheint noch etwas Menschlichkeit zu stecken. Er ist scheinbar nur Teil des Systems, weil er davon leben muss. Er empfindet Ekel, zeigt Mitgefühl gegenüber seiner Familie und sogar gegenüber Hunden. Der Ekel steigert sich im Laufe der Geschichte immer weiter. Bazterrica arbeitet mit vielen Symboliken, etwa den immer wieder auftauchenden Kakerlaken im Haus der Schwester. Der Schreibstil ist dabei passend nüchtern und gleichzeitig immer wieder fast hoffnungsvoll. Erschreckend fand ich vor allem, wie wenig abwegig vieles wirkt. Während des Lesens wird man praktisch gezwungen, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen: Fleischkonsum, Massentierhaltung, Tierversuche, Zoos, Zucht. Ein Buch mit enormer Sogkraft, das einem die eigene Doppelmoral ungeschönt ins Gesicht schlägt.
Oha, das war krass. Die Geschichte ist so verstörend, da alles sehr explizit beschrieben wird. Darauf muss man sich einlassen wollen. Aber dann erhält man eine Geschichte, die einen in den Bann zieht. Ich fand es wahnsinnig gut, dass das Thema bis zum Ende durchdacht wurde und was das aus den Menschen macht. Insbesondere dass nicht die Perspektive der Opfer eingenommen wurde, macht das Buch noch mal anderes interessant, aber auch hart. Die Parallelen zur Tierfleischindustrie sind so eindeutig, dass man sehr viele Denkanstöße erhält. Spätestens nach dieser Lektüre möchte man vegetarisch/vegan leben. In dem Buch schwingt trotz aller Härte und Traurigkeit immer ein Fünkchen Hoffnung mit, dass es sich ändern könnte, dass es nicht so bleiben muss. Und dann kommt das Ende 🤯 Insgesamt ein Buch mit schwerer Thematik, auf das man sich einlassen muss. Aber ich finde es richtig stark und es wird mir lange in Erinnerung bleiben.
Menschliche Abgründe, die mich sprachlos zurücklassen… 👀
Das ist wirklich harter Tobak und nichts für schwache Nerven! Hier wird eine abscheuliche Welt, in der Kannibalismus legal ist, explizit und wahnsinnig bildhaft beschrieben. Wir begleiten vor allem den Hauptprotagonisten, der in einem der neuen Schlachthäuser arbeitet, in der Stücke (aka für den Fleischhandel gezüchtete Menschen) geschlachtet werden. Beim Lesen bleibt ein Hauch von Hoffnung, dass doch noch ein wenig Menschlichkeit erhalten geblieben ist. Ein Hauch an schlechtem Gewissen, das unterschwellig zu brodeln scheint. Zugleich angewidert von der Abscheulichkeit und doch neugierig verfolgte ich die Geschichte gespannt bis zum Ende - mit dem kleinen Funken Hoffnung in mir. Das Ende kam unerwartet und zerstörte jede Hoffnung auf Menschlichkeit. Skrupellos und egoistisch. 🤯 Insgesamt regt die Geschichte durchgehend zum Nachdenken an. Über Wertvorstellungen, Moral und Massenproduktion. Was hier - beschrieben am Beispiel Mensch - so wahnsinnig erschreckend wirkt, müssen Tiere in der wahren Welt über sich ergehen lassen. Wer nicht schon vegetarisch/vegan ist, spielt spätestens hier mit dem Gedanken, die Ernährung umzustellen. Diesen Perspektivwechsel finde ich interessant und wertvoll. •••••••••• *Triggerwarnung, denn S.176ff. war meiner Meinung doch einen Ticken zu extrem! Dort wird Tierquälerei geschildert und spätestens da hört der Spaß auf! 💔
Verstörende Abgründe der Menschlichkeit
Das wohl verstörendste Buch, das ich bisher gelesen habe. Der nüchterne und realistische Schreibstil unterstützen die Geschichte um die Abscheuchlichkeit der Menschheit umso mehr. Das wirklich furchtbare daran ist, das diese Dystopie gar nicht so abwegig und surreal ist. Schlussendlich nimmt einen das Ende auch noch jegliche Hoffnung an Menschlichkeit.
Sprachlos vor lauter Gedanken…
Man könnte ernsthaft meinen, dieses Buch wird wahrscheinlich demnächst verboten werden. Dies ist das wohl heftigste Buch, welches ich jemals gelesen habe, denn hier liest man anfangs auf zwei Schienen parallel: Erstens mit purem gesundem Menschenverstand, welches dazu führen wird, dass man vor grotesker Unmenschlichkeit am liebsten das lesen abbrechen muss/möchte. Es bedurfte lediglich 20-30 Seiten um mir vor Augen zu halten wie abscheulich diese dargestellte Dystopie ist und mich leserlich und gedanklich in eine absolute Höllenwelt zerrte und nach den ersten 104 Seiten am Stück - entsetzend eine halbe Stunde starr sitzend den Inhalt verdauen durfte. Zweitens, man gibt irgendwann der grotesken entmenschlichenden Strenge nach und liest einfach ungehemmt und nimmt die Inhalte dieser Un-welt einfach hin (hier beginnt das eigentliche Psychologische Experiment meiner Meinung nach!). Eine philosophische Frage auf die radikalste Weise dargestellt: Was gilt eigentlich Moral noch, die Vernunft und bisherige Werte, in einer Welt die den Verstand und gleichzeitig die Fähigkeit schlechtes Gewissen zu empfinden verkauft hat? Aber, an dieses Buch gehört eine Triggerwarnung. Unbedingt.
Menschliche Abgründe
Morbide, brutal und teilweise abartig. Dieses Buch regt sehr zum Nachdenken an. Was wäre wenn tierisches Fleisch ungenießbar wäre u deshalb plötzlich Kannibalismus legal wird. Halber Stern Abzug da auf S. 177 kurz beschriebene Tierquälerei statt findet. Also falls es jemand überspringen möchte. Vom Schreibstil ist es sehr einfach u die Handlung geht schnell voran. Ist sicher nix für jeden. Wer aber in die tiefsten menschlichen Abgründe eintauchen möchte, wird hier definitiv fündig.

Blutige Angelegenheit🔨🩸
"Zart ist das Fleisch" ist nichts für schwache Nerven. Detailliert werden Gewaltszenen, Tod, Missbrauch, Schlachtung etc beschrieben. Ich bin ein großer Fan von Dystopien, musste mich hier jedoch ein bisschen durchquälen. Ich fand den Verlauf der Geschichte ziemlich vorhersehbar und meiner Meinung kam das Ende sehr abrupt. Die Entwicklung / Abstumpfung von Marcos war spannend zu verfolgen. Am schlimmsten war für mich die Szene mit den Welpen im verlassenen Zoo. Da hat mir echt das Herz geblutet. Für zwischendurch war das Buch ganz okay, würde es aber wahrscheinlich nicht noch einmal lesen.
















