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Book Information
Author Description
Elias Hirschl wurde 1994 in Wien geboren. Er ist Autor, Musiker, Slam Poet und schreibt für Theater und Radio. 2020 erhielt er den Reinhard-Priessnitz-Preis und 2022 den Publikumspreis beim Bachmannpreis. Zuletzt erschienen bei Zsolnay die Romane »Salonfähig« (2021), »Content« (2024) und »Schleifen« (2026). Elias Hirschl lebt in Wien.
Posts
Eine namenlose Erzählerin beginnt einen neuen Job in einer Content-Farm, in der sinnlose Online-Artikel und Videos auf absurde Weise produziert werden. Gleichzeitig beobachtet sie auf ihren social media Kanälen, wie ihre "Doppelgängerin" Bilder von einem völlig anderen Leben postet und die Straßen versinken allmählich in den unterirdischen Kohleschächten ... Hirschl parodiert die moderne Gesellschaft und manchmal geht dabei die Fantasie mit ihm durch und er macht so viele Themen auf, dass ich teilweise nicht ganz mitkam. Dann wieder ist es einfach herrlich skurril und sehr witzig, wobei einem manchmal das Lachen wirklich im Hals stecken bleibt. Tiefgründig und ohne eine Lösung für die Probleme unserer Zeit zu haben, legt er den Finger in die Wunde. Es geht um den gläsernen Menschen, Technik vs. Mensch, Kapitalismus, Optimierungswahn. Er zeigt beide Seiten der Medaille und sagt dem Leser "Mach Dir klar, was Du willst und dann handle danach". Er fragt uns, ob wir mit den Konsequenzen unseres Handelns eigentlich wirklich leben wollen. Es gibt hierauf keine einfachen Antworten, dennoch ist es gut, wenn man zum Nachdenken gebracht wird.
Eine namenlose Ich-Erzählerin sitzt in einem Großraumbüro und schreibt für eine dubiose Firma Listicles ("Nummer 7 wird Sie zum Weinen bringen!"), während ihre Kolleg*innen Youtube-Videos erstellen, in denen Nokias in Mikrowellen oder Hydraulikpressen gesteckt werden und ihr Freund laufend neue Start-Ups gründet. Content" von Elias Hirschl ist eine umwerfend komische, skurrile und abgefahrene Satire auf unsere, ach so schöne, moderne KI-Gesellschaft. Mehrfach frage ich mich allerdings, ob das wirklich noch Zukunftsmusik ist oder wir nicht schon mittendrin sind. "Content" ist "Idiocracy" (https://letterboxd.com/film/idiocracy/) in gut!
Dieser Roman ist total gestört - im besten und positivsten Sinne. Er ist gaga, delulu, irre - was ihr wollt! Sowas muss einfach einem genialen Gehirn entsprungen sein, das kannst du dir nicht ausdenken. Ich habe auch manchmal gar nicht gecheckt, was hier eigentlich abgeht, vor allem als es um die Doppelgängerin ging, bin ich doch ziemlich im Dunkeln getappt - man muss quasi doppelt aufmerksam “hinschauen”. Und weil ich außerdem absolut keine Ahnung habe, wie ich hierzu eine “normale” Rezi schreiben soll, gibt es jetzt - Trommelwirbel / Premiere / Neu, neu, neu und wahrscheinlich einmalig - ein Rezi-Listicle. Denn in diesem Roman “Content” geht es vor allem um Listicles, also solche Online-Artikel, in denen Infos anhand von Listen übermittelt werden. Und um ihre Schreibenden auf einer von den Russen gesteuerten “Content-Farm” in einem gruseligen ehemaligen Industrieort mit dem Nickname “Staublunge”, die dort vor sich hin vegetieren und dabei langsam aber sicher in den Wahnsinn abdriften. Klingt mega, oder? Also: 10 Gründe, warum du “Content” von Elias Hirschl aus dem Zsolnay-Verlag besser gestern als morgen gelesen haben solltest weil es einfach anders krass reinhaut und wir alle hier und da einen frischen literarischen Wind im Einheitsbrei brauchen weil Karin einfach Badass ist, recht hat und es keine “letztgültige Wahrheit” gibt wegen der Perfidität von Plastikkateen, die dir vorgaukeln unsterblich und immer an deiner Seite zu sein weil jeder, der mit Rote-Beete-Produkten Geld verdienen möchte, einen an der Waffel hat weil es die Meinung enthält, dass Musils “Mann ohne Eigenschaften” ein “beschissenes, anstrengenes Buch” ist. Ihr könnt mich ja vom Gegenteil überzeugen. Sorry RM, aber wer hat schon geschafft, es wirklich zu lesen und zu verstehen. Selbst “Ulysses” war um Weiten zugänglicher. weil “Content” den Finger auf die Wunde und damit auf das Dilemma unserer überdifferenzierten, überinformativen Welt der unendlichen Optionen legt. Wir wissen einfach zu viel und doch wieder fast nichts wirklich. Wer bin ich und wenn ja bin ich ein Bot? weil Elias Hirschl allein für die mit Semikolon aneinandergereihten Listicle-Ideen auf den Seiten 162-169 den Literatur-Nobelpreis hinterhergeschmissen bekommen müsste. Ich habe selten so gelacht und kann euch nur einen meiner vielen Favoriten zitieren: “die 14 dümmsten Wege, die Druckkosten eines Romans zu erhöhen;” (S. 164) weil ich Seite 162-169 immer wieder und wieder lesen werde, bis ich es auswendig mitzitieren kann weil queere Charaktere vorkommen, obwohl man es nicht erwartet (Spoiler) weil das Ende so schön traurig ist bzw. die Liste, in der man lernt, wie man ein glücklicheres Leben führt - wer würde das nicht wollen?

Elias Hirschl übertreibt, aber übertreibt er wirklich maßlos? Beim Lesen des Buches musste ich an diese Orte in Asien denken, wo eine Content-Producerin neben der anderen mit ihrem Ringlicht sitzt oder natürlich an die ganzen Menschen, die die ultimativen Tipps für die besten ChatGPT-Prompts für das geilste Marketing ever raushauen. Im Augenblick vergeht ja kein Tag, an dem nicht über die wahnsinnigen Erleichterungen, die der Einsatz von KI mit sich bringen wird, geschrieben wird. Mit „Content“ führt Elias Hirschl das Ganze ad absurdum bzw. beschreibt teilweise sogar die Realität. Das Programmieren von Bots, die u. a. Twitter fluten oder die Nutzung künstlicher Intelligenz, um einfach nicht mehr selbst unnütze Inhalte zu schreiben, ist nicht ganz fern der Wirklichkeit. An manchen Stellen blieb mir das Lachen im Halse stecken und an manchen Stellen musste ich einfach schallend lachen, weil Hirschl es schafft, diese ganze Start-up Szene so zu überzeichnen und auch die Content-Creator von hippem Video-Content auf die Schippe zu nehmen. Es ist böse, gesellschaftskritisch und bissig-witzig und spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft in einer Landschaft, die dem Ruhrgebiet verdammt ähnlich ist, was auch. Das hat noch einmal einen ganz besonderen Charme, wohne ich doch in der Nähe und erfreue mich regelmäßig an den schicken Ausstellungshallen wie Phoenix West in Dortmund, wo jetzt immersive Kunst gezeigt wird. Zwischendurch driftet das Buch noch einmal komplett ab, als sich die Protagonistin daran macht, den dicken, roten Kabeln bei Smile Smile Inc. in den Keller zu folgen. Da wird es sehr schräg, so dass man nicht weiß, ob das nicht gerade ein LSD-Tripp beschrieben wird. Und ich mag ja bekanntlich so schräge Bücher. „Content“ ist nicht nur lustig, es zeigt auch auf erschreckende Art, wie es in der heutigen Welt möglich ist, komplett isoliert zu leben. Je nach Arbeit können wir 24/7 in unserem Zuhause bleiben. Das Essen wird geliefert, Kleidung und anderes wird geliefert, der Kontakt nach außen kann per Telefon (okay, das ist jetzt meinem Alter geschuldet, dass ich das aufliste), Videotools oder Messenger- und Social-Media-Diensten aufrechtgehalten werden. Wenn wir wollen, können wir uns völlig einigeln und haben keinen Kontakt mehr zur Außenwelt und bekommen gar nicht mehr mit, was um uns herum passiert. Das Buch ist überzogen und doch ist es erschreckend, dass zum Beispiel die Entwicklung Twitters zu X das Buch während seiner Entstehung rechts überholt hat. „Content“ macht, was gute Satire ausmacht, es verabreicht den erschreckenden Schluck Realität in einem mit Humor angereicherten Cocktail. Meine nicht geringen Erwartungen konnte „Content“ also voll erfüllen, allein schon deshalb, weil es sehr humorvoll und ein wenig bissig-böse mit den Macken der digitalen Marketing-Maschinerie und dem KI-Hype umgeht. Also, von mir gibt’s eine Leseempfehlung!
Ich bin verwirrt.
"...warum wir täten, was wir täten. Warum dieser seltsame Stil, warum diese seltsame Artikel und vor allem die Videos, deren Narrative keinerlei Sinn ergeben!" S.31 "... egal, solange ich am Ende des Monats einen positiven Betrag auf dem Konto habe." S. 34 Elias Hirschl hat mit "Content" einen interessanten Satireroman geschrieben, der unserer modernen Gesellschaft den Spiegel vor Augen hält. Wir konsumieren sinnlose Listen, sinnlose Videos, die Menschen verwerfen im Minutentakt Ideen und überlegen sich direkt neue. Start-Up Unternehmen für die merkwürdigsten Produkte und Dienstleistungen verbreiten sich wie Unkraut, nur um wenige Monate später wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Man rennt dem Trend hinterher, doch der Trend ist morgen schon keiner mehr. Und wir alle machen dennoch mit. Die Erzählerin arbeitet in einer Firma die endlosen Content produziert. Top 10 Listen, bei denen uns stets die Nummer sieben zum weinen bringt oder überrascht. Videos über Kuchen, der kein Kuchen ist. Es scheint alles so sinnlos und solangsam fällt auch ihren Kolleg*innen das Dach auf den Kopf. Denn die Träume waren eigentlich mal ganz groß. Doch wie viel Zeit bleibt ihnen allen noch? Die Stadt brennt, die Welt geht unter. Unsere Gesellschaft ist in manchen Punkten wirklich absurd und dieser Roman fängt dieses Bild sehr gut ein. Eine originelle und amüsante Geschichte die mir größtenteils sehr gut gefallen hat. Nur die offenen Fragen, die am Ende noch in meinem Kopf waren, haben dem Leseerlebnis einen kleinen Dämpfer verpasst. Ich persönlich mag es nicht, wenn der Spielraum für eigene Interpretationen ZU groß ist. Wer sich daran aber nicht stört, wird mit dieser etwas skurrilen Dystopie auf jeden Fall eine Freude haben. Trotz dem kleinem Kritikpunkt gibt es von mir daher eine Empfehlung an euch! Kapitel 7 wird euch überraschen!
Für alle, die wie ich zu viel Zeit auf Instagram und co. Abhängen und sich dort mit Reels begnügen, in denen Hydraulikpressen diverse Dinge zerdrücken wird mit diesem Buch sehr viel zu lachen haben und sehr viel wiederentdecken, was man zum Teil nur sehr passiv konsumiert. Die Handlung entwickelt sich nur leider arg träge und auch die Protagonistin lädt nicht wirklich zum sympathisieren ein, was aber womöglich auch beabsichtigt ist.
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Elias Hirschl wurde 1994 in Wien geboren. Er ist Autor, Musiker, Slam Poet und schreibt für Theater und Radio. 2020 erhielt er den Reinhard-Priessnitz-Preis und 2022 den Publikumspreis beim Bachmannpreis. Zuletzt erschienen bei Zsolnay die Romane »Salonfähig« (2021), »Content« (2024) und »Schleifen« (2026). Elias Hirschl lebt in Wien.
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Eine namenlose Erzählerin beginnt einen neuen Job in einer Content-Farm, in der sinnlose Online-Artikel und Videos auf absurde Weise produziert werden. Gleichzeitig beobachtet sie auf ihren social media Kanälen, wie ihre "Doppelgängerin" Bilder von einem völlig anderen Leben postet und die Straßen versinken allmählich in den unterirdischen Kohleschächten ... Hirschl parodiert die moderne Gesellschaft und manchmal geht dabei die Fantasie mit ihm durch und er macht so viele Themen auf, dass ich teilweise nicht ganz mitkam. Dann wieder ist es einfach herrlich skurril und sehr witzig, wobei einem manchmal das Lachen wirklich im Hals stecken bleibt. Tiefgründig und ohne eine Lösung für die Probleme unserer Zeit zu haben, legt er den Finger in die Wunde. Es geht um den gläsernen Menschen, Technik vs. Mensch, Kapitalismus, Optimierungswahn. Er zeigt beide Seiten der Medaille und sagt dem Leser "Mach Dir klar, was Du willst und dann handle danach". Er fragt uns, ob wir mit den Konsequenzen unseres Handelns eigentlich wirklich leben wollen. Es gibt hierauf keine einfachen Antworten, dennoch ist es gut, wenn man zum Nachdenken gebracht wird.
Eine namenlose Ich-Erzählerin sitzt in einem Großraumbüro und schreibt für eine dubiose Firma Listicles ("Nummer 7 wird Sie zum Weinen bringen!"), während ihre Kolleg*innen Youtube-Videos erstellen, in denen Nokias in Mikrowellen oder Hydraulikpressen gesteckt werden und ihr Freund laufend neue Start-Ups gründet. Content" von Elias Hirschl ist eine umwerfend komische, skurrile und abgefahrene Satire auf unsere, ach so schöne, moderne KI-Gesellschaft. Mehrfach frage ich mich allerdings, ob das wirklich noch Zukunftsmusik ist oder wir nicht schon mittendrin sind. "Content" ist "Idiocracy" (https://letterboxd.com/film/idiocracy/) in gut!
Dieser Roman ist total gestört - im besten und positivsten Sinne. Er ist gaga, delulu, irre - was ihr wollt! Sowas muss einfach einem genialen Gehirn entsprungen sein, das kannst du dir nicht ausdenken. Ich habe auch manchmal gar nicht gecheckt, was hier eigentlich abgeht, vor allem als es um die Doppelgängerin ging, bin ich doch ziemlich im Dunkeln getappt - man muss quasi doppelt aufmerksam “hinschauen”. Und weil ich außerdem absolut keine Ahnung habe, wie ich hierzu eine “normale” Rezi schreiben soll, gibt es jetzt - Trommelwirbel / Premiere / Neu, neu, neu und wahrscheinlich einmalig - ein Rezi-Listicle. Denn in diesem Roman “Content” geht es vor allem um Listicles, also solche Online-Artikel, in denen Infos anhand von Listen übermittelt werden. Und um ihre Schreibenden auf einer von den Russen gesteuerten “Content-Farm” in einem gruseligen ehemaligen Industrieort mit dem Nickname “Staublunge”, die dort vor sich hin vegetieren und dabei langsam aber sicher in den Wahnsinn abdriften. Klingt mega, oder? Also: 10 Gründe, warum du “Content” von Elias Hirschl aus dem Zsolnay-Verlag besser gestern als morgen gelesen haben solltest weil es einfach anders krass reinhaut und wir alle hier und da einen frischen literarischen Wind im Einheitsbrei brauchen weil Karin einfach Badass ist, recht hat und es keine “letztgültige Wahrheit” gibt wegen der Perfidität von Plastikkateen, die dir vorgaukeln unsterblich und immer an deiner Seite zu sein weil jeder, der mit Rote-Beete-Produkten Geld verdienen möchte, einen an der Waffel hat weil es die Meinung enthält, dass Musils “Mann ohne Eigenschaften” ein “beschissenes, anstrengenes Buch” ist. Ihr könnt mich ja vom Gegenteil überzeugen. Sorry RM, aber wer hat schon geschafft, es wirklich zu lesen und zu verstehen. Selbst “Ulysses” war um Weiten zugänglicher. weil “Content” den Finger auf die Wunde und damit auf das Dilemma unserer überdifferenzierten, überinformativen Welt der unendlichen Optionen legt. Wir wissen einfach zu viel und doch wieder fast nichts wirklich. Wer bin ich und wenn ja bin ich ein Bot? weil Elias Hirschl allein für die mit Semikolon aneinandergereihten Listicle-Ideen auf den Seiten 162-169 den Literatur-Nobelpreis hinterhergeschmissen bekommen müsste. Ich habe selten so gelacht und kann euch nur einen meiner vielen Favoriten zitieren: “die 14 dümmsten Wege, die Druckkosten eines Romans zu erhöhen;” (S. 164) weil ich Seite 162-169 immer wieder und wieder lesen werde, bis ich es auswendig mitzitieren kann weil queere Charaktere vorkommen, obwohl man es nicht erwartet (Spoiler) weil das Ende so schön traurig ist bzw. die Liste, in der man lernt, wie man ein glücklicheres Leben führt - wer würde das nicht wollen?

Elias Hirschl übertreibt, aber übertreibt er wirklich maßlos? Beim Lesen des Buches musste ich an diese Orte in Asien denken, wo eine Content-Producerin neben der anderen mit ihrem Ringlicht sitzt oder natürlich an die ganzen Menschen, die die ultimativen Tipps für die besten ChatGPT-Prompts für das geilste Marketing ever raushauen. Im Augenblick vergeht ja kein Tag, an dem nicht über die wahnsinnigen Erleichterungen, die der Einsatz von KI mit sich bringen wird, geschrieben wird. Mit „Content“ führt Elias Hirschl das Ganze ad absurdum bzw. beschreibt teilweise sogar die Realität. Das Programmieren von Bots, die u. a. Twitter fluten oder die Nutzung künstlicher Intelligenz, um einfach nicht mehr selbst unnütze Inhalte zu schreiben, ist nicht ganz fern der Wirklichkeit. An manchen Stellen blieb mir das Lachen im Halse stecken und an manchen Stellen musste ich einfach schallend lachen, weil Hirschl es schafft, diese ganze Start-up Szene so zu überzeichnen und auch die Content-Creator von hippem Video-Content auf die Schippe zu nehmen. Es ist böse, gesellschaftskritisch und bissig-witzig und spielt in einer nicht weit entfernten Zukunft in einer Landschaft, die dem Ruhrgebiet verdammt ähnlich ist, was auch. Das hat noch einmal einen ganz besonderen Charme, wohne ich doch in der Nähe und erfreue mich regelmäßig an den schicken Ausstellungshallen wie Phoenix West in Dortmund, wo jetzt immersive Kunst gezeigt wird. Zwischendurch driftet das Buch noch einmal komplett ab, als sich die Protagonistin daran macht, den dicken, roten Kabeln bei Smile Smile Inc. in den Keller zu folgen. Da wird es sehr schräg, so dass man nicht weiß, ob das nicht gerade ein LSD-Tripp beschrieben wird. Und ich mag ja bekanntlich so schräge Bücher. „Content“ ist nicht nur lustig, es zeigt auch auf erschreckende Art, wie es in der heutigen Welt möglich ist, komplett isoliert zu leben. Je nach Arbeit können wir 24/7 in unserem Zuhause bleiben. Das Essen wird geliefert, Kleidung und anderes wird geliefert, der Kontakt nach außen kann per Telefon (okay, das ist jetzt meinem Alter geschuldet, dass ich das aufliste), Videotools oder Messenger- und Social-Media-Diensten aufrechtgehalten werden. Wenn wir wollen, können wir uns völlig einigeln und haben keinen Kontakt mehr zur Außenwelt und bekommen gar nicht mehr mit, was um uns herum passiert. Das Buch ist überzogen und doch ist es erschreckend, dass zum Beispiel die Entwicklung Twitters zu X das Buch während seiner Entstehung rechts überholt hat. „Content“ macht, was gute Satire ausmacht, es verabreicht den erschreckenden Schluck Realität in einem mit Humor angereicherten Cocktail. Meine nicht geringen Erwartungen konnte „Content“ also voll erfüllen, allein schon deshalb, weil es sehr humorvoll und ein wenig bissig-böse mit den Macken der digitalen Marketing-Maschinerie und dem KI-Hype umgeht. Also, von mir gibt’s eine Leseempfehlung!
Ich bin verwirrt.
"...warum wir täten, was wir täten. Warum dieser seltsame Stil, warum diese seltsame Artikel und vor allem die Videos, deren Narrative keinerlei Sinn ergeben!" S.31 "... egal, solange ich am Ende des Monats einen positiven Betrag auf dem Konto habe." S. 34 Elias Hirschl hat mit "Content" einen interessanten Satireroman geschrieben, der unserer modernen Gesellschaft den Spiegel vor Augen hält. Wir konsumieren sinnlose Listen, sinnlose Videos, die Menschen verwerfen im Minutentakt Ideen und überlegen sich direkt neue. Start-Up Unternehmen für die merkwürdigsten Produkte und Dienstleistungen verbreiten sich wie Unkraut, nur um wenige Monate später wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Man rennt dem Trend hinterher, doch der Trend ist morgen schon keiner mehr. Und wir alle machen dennoch mit. Die Erzählerin arbeitet in einer Firma die endlosen Content produziert. Top 10 Listen, bei denen uns stets die Nummer sieben zum weinen bringt oder überrascht. Videos über Kuchen, der kein Kuchen ist. Es scheint alles so sinnlos und solangsam fällt auch ihren Kolleg*innen das Dach auf den Kopf. Denn die Träume waren eigentlich mal ganz groß. Doch wie viel Zeit bleibt ihnen allen noch? Die Stadt brennt, die Welt geht unter. Unsere Gesellschaft ist in manchen Punkten wirklich absurd und dieser Roman fängt dieses Bild sehr gut ein. Eine originelle und amüsante Geschichte die mir größtenteils sehr gut gefallen hat. Nur die offenen Fragen, die am Ende noch in meinem Kopf waren, haben dem Leseerlebnis einen kleinen Dämpfer verpasst. Ich persönlich mag es nicht, wenn der Spielraum für eigene Interpretationen ZU groß ist. Wer sich daran aber nicht stört, wird mit dieser etwas skurrilen Dystopie auf jeden Fall eine Freude haben. Trotz dem kleinem Kritikpunkt gibt es von mir daher eine Empfehlung an euch! Kapitel 7 wird euch überraschen!















