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Moralisch verwertbar
Was ich an Dystopien am meisten liebe, ist, wenn sie einem den Spiegel nicht nur aufzeigen, sondern ihn dir fest ins Gesicht drücken, sodass er Sprünge bekommt und sich die scharfen Splitter in dein Fleisch bohren und dir der Weltschmerz unter die Haut fährt. Wie die Schweine (Tender Is the Flesh) tut genau das. Agustina Bazterrica entwirft eine überbevölkerte Welt, in der tierisches Fleisch laut Regierung verseucht ist und man dazu übergegangen ist, die Mangelernährung der Bevölkerung mit Menschenfleisch zu bekämpfen. Natürlich werden diese Menschen klein gehalten: ohne Stimmbänder, ohne Wissen, ohne Bildung – und ohne Gefühle? Dieses Buch wirft viele Fragen auf… Was unterscheidet den Menschen noch von den Tieren im Schlachthof? Wird Grausamkeit erträglicher, wenn wir sie "human" gestalten? Was sagt es über uns aus, wenn wir den Akt des Tötens ebenso genießen wie das Fleisch danach? Gibt es ethische Tierversuche – selbst wenn sie Leben retten? Und kennt die Grausamkeit der Menschheit überhaupt Grenzen? Die Autorin hat es geschafft, eine wohldurchdachte Geschichte zu konstruieren, dass man von einer Gewissenskrise in die nächste taumelt. Die Sprache ist dabei so sinnlich und doch gewalttätig, ekelhaft und wunderschön, eindringlich und abstoßend – und vor allem passt sie perfekt zu dieser verqueren Welt. Dieses Buch verdient es gelesen zu werden, weil es dich verändert. ------------------ "Da ist so ein Vibrieren, etwas Warmes, Zerbrechliches, was es besonders köstlich macht. Man beißt regelrecht das Leben heraus. Genießt das Gefühl, dass ein Wesen aufhört zu existieren, weil man es will, weil man es tut, was man tut. Man spürt, wie dieser komplexe Organismus nach und nach sein Leben aushaucht und zu einem Teil von einem wird. Für immer. Dieses Wunder fasziniert mich. Diese Möglichkeit der totalen Verschmelzung."
Apr 28, 2026
Moralisch verwertbar
Was ich an Dystopien am meisten liebe, ist, wenn sie einem den Spiegel nicht nur aufzeigen, sondern ihn dir fest ins Gesicht drücken, sodass er Sprünge bekommt und sich die scharfen Splitter in dein Fleisch bohren und dir der Weltschmerz unter die Haut fährt. Wie die Schweine (Tender Is the Flesh) tut genau das. Agustina Bazterrica entwirft eine überbevölkerte Welt, in der tierisches Fleisch laut Regierung verseucht ist und man dazu übergegangen ist, die Mangelernährung der Bevölkerung mit Menschenfleisch zu bekämpfen. Natürlich werden diese Menschen klein gehalten: ohne Stimmbänder, ohne Wissen, ohne Bildung – und ohne Gefühle? Dieses Buch wirft viele Fragen auf… Was unterscheidet den Menschen noch von den Tieren im Schlachthof? Wird Grausamkeit erträglicher, wenn wir sie "human" gestalten? Was sagt es über uns aus, wenn wir den Akt des Tötens ebenso genießen wie das Fleisch danach? Gibt es ethische Tierversuche – selbst wenn sie Leben retten? Und kennt die Grausamkeit der Menschheit überhaupt Grenzen? Die Autorin hat es geschafft, eine wohldurchdachte Geschichte zu konstruieren, dass man von einer Gewissenskrise in die nächste taumelt. Die Sprache ist dabei so sinnlich und doch gewalttätig, ekelhaft und wunderschön, eindringlich und abstoßend – und vor allem passt sie perfekt zu dieser verqueren Welt. Dieses Buch verdient es gelesen zu werden, weil es dich verändert. ------------------ "Da ist so ein Vibrieren, etwas Warmes, Zerbrechliches, was es besonders köstlich macht. Man beißt regelrecht das Leben heraus. Genießt das Gefühl, dass ein Wesen aufhört zu existieren, weil man es will, weil man es tut, was man tut. Man spürt, wie dieser komplexe Organismus nach und nach sein Leben aushaucht und zu einem Teil von einem wird. Für immer. Dieses Wunder fasziniert mich. Diese Möglichkeit der totalen Verschmelzung."
Apr 28, 2026







