Wenn die Sonne untergeht
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Description
Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück.
Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad – »Wenn die Sonne untergeht« ist eine große Familienaufstellung: Kaum im unsicheren südfranzösischen Exil angekommen, will Thomas Mann eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Sein Bruder Heinrich hingegen genießt die Freiheit des Südens. Dazwischen die sechs Kinder von Thomas und Katia: Der eine, Michael, spielt Tag und Nacht Geige, der zweite, Klaus, gründet eine Exil-Zeitschrift, die dritte, Elisabeth, badet und genießt die Zeit ohne Schule. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt den Besitz der Manns aus München über die Grenze, Golo holt das Geld von den Konten und versorgt den vergessenen Hund. Und Monika? Sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.
Florian Illies erzählt von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis , von Trotz und Leidenschaft . Von Wehmut und vom Überlebenswillen, obwohl die alte Welt einzustürzen droht. Und er erzählt von der großen Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas.
»Ich glaube«, sagte Marcel Reich-Ranicki, »dass es in Deutschland im 20. Jahrhundert keine bedeutendere, originellere und interessantere Familie gegeben hat als die Manns.« In Sanary ist diese außergewöhnliche Familie in einem absoluten Ausnahmezustand – alle werden das erste Mal gezwungen, sich zu bekennen. Zueinander. Zu Deutschland. Oder auch, so traurig es ist: Dagegen.
Book Information
Author Description
Florian Illies, »der große Geschichtenerzähler« (»Süddeutsche Zeitung«) begründete mit seinem Welterfolg »1913« ein neues Genre. Ihm folgten bei S. FISCHER das inzwischen in über zwanzig Sprachen übersetzte Buch über die 1920er und 1930er Jahre »Liebe in Zeiten des Hasses« (2021) sowie der große Nr. 1-Bestseller über die Sehnsuchtsbilder Caspar David Friedrichs, »Zauber der Stille« (2023).Geboren 1971, studierte Florian Illies Kunstgeschichte und Neuere Geschichte in Bonn und Oxford. Er wurde 1996 Redakteur der »FAZ«, war Feuilletonchef der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« und leitete ein Kunst-Auktionshaus. Heute ist Illies einer der Herausgeber der »ZEIT« und lebt als Autor in Berlin. Sein Kunst-Podcast »Augen zu« (gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo) gehört zu den meistgehörten Podcasts deutscher Sprache.
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Biografischer Roman Der Autor beschreibt in einem schönen und sehr unterhaltsamen Stil die Nöte und Freuden der illustrieren Exilschriftsteller und ihrer Familien, die im Sommer 1933 gezwungenermaßen in Sanary sur mer in Südfrankreich strandeten. Dazu hat er in Tagebüchern und Briefen der Dichter, ihrer Frauen und Kinder recherchiert. Hochinteressant sind die verschiedenen Blickwinkel aufeinander und vor allen Dingen auf die Geschehnisse in Deutschland. Die Protagonisten sind Thomas und Heinrich Mann, Arnold Zweig, Leon Feuchtwanger, Bert Brecht und einige andere Schriftsteller Künstler und Fotografen. Wer wissen will, wie steif es in der Familie Mann zugegangen ist, wer einiges über die sexuelle Freizügigkeit von Heinrich Mann und von Brecht oder Feuchtwanger wissen will, wer Genaueres über die Ursache der Drogensucht von Manns Kindern erfahren will, wird in diesem Buch mit Sicherheit fündig. Sehr lesenswert
Da ich von den " Buddenbrooks" so begeistert war, und auch dieses Jahr von Thomas Mann lesen möchte, war dieses Buch ein sehr interessanter und unterhaltsamer Bericht über die Zeit der Manns im Exil. Der Schriftsteller beschreibt sehr anschaulich und lebendig die einzelnen Familienmitglieder und deren meist doch sehr schwierigen Beziehungen zueinander, vor allem zum Vater. Thomas Mann, zwar genialer Schriftsteller, emotional als Vater aber eher kühl und unnahbar. Gerade die Zeiten in denen das gemeinsame Essen beschrieben wird, ließen mich die beklemmende Stimmung und Hab-Acht-Stellung spüren, vor allem angesichts der ganzen unauffälligen Tricks die nötig waren, um auf die Befindlichkeiten des Vaters nur ja sofort zu reagieren. Leider muss man wohl auch hier beide Persönlichkeiten trennen, den begnadeten Schriftsteller und den familiär eher unterkühlten, sehr fordernden Familienvater. Eine Empfehlung von mir.
Sachbuch getarnt als Roman - oder Roman mit vielen Sidefacts?
Spannends Porträt der Familie Mann im Sommer von 1933. Ich mochte das Buch v.a. thematisch. Mit Illies Schreibstil kann ich mich allerdings nach wie vor nicht wirklich anfreunden (‚Zauber der Stille’ hatte ich deswegen abgebrochen). Dieser Mix aus Sachbuch und Roman wirkt auf mich, als möchte man einen leicht zugänglichen Roman schreiben, zwischendurch aber immer wieder Fakten einbauen ohne sie wirklich in die Geschichte verweben zu können. Ich persönlich lese dann lieber direkt ein Sachbuch. Wer aber genau die Mischung sucht, ist mit Illies sicher gut bedient. Er ist nicht umsonst so beliebt!
Heute möchte ich euch die Biografie 'Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary' von Florian Illies aus dem Jahr 2025 vorstellen. Das Buch schildert die Jahre, in denen die Familie von Thomas Mann im französischen Exil in Sanary-sur-Mer lebt, nachdem sie vor den Nationalsozialisten geflohen ist. Im Mittelpunkt stehen ihr Alltag, ihre innerfamiliären Spannungen und die Begegnungen mit anderen Exilierten. Dabei wird eindrücklich gezeigt, wie stark politische Umbrüche das private Leben prägen und verändern. So entsteht das vielschichtige Porträt einer berühmten Künstlerfamilie in einer Zeit zwischen Verlust, Anpassung und Hoffnung. Besonders überzeugt hat mich der klare und unaufgeregte Schreibstil, der dennoch eine bemerkenswerte Nähe zu den Figuren schafft. Anstelle großer Ausschmückungen setzt der Autor auf präzise Beobachtungen und fein gesetzte Details, die das Geschehen lebendig wirken lassen. Die Figuren, allen voran Thomas Mann und seine Familie, werden differenziert und greifbar dargestellt, ohne verklärt zu werden. Gerade die Dynamiken innerhalb der Familie sowie die Begegnungen mit anderen Exilierten verleihen dem Buch zusätzliche Tiefe. Inhaltlich konzentriert sich das Werk auf die Zeit im Exil und macht spürbar, wie sehr politische Entwicklungen in das Privatleben hineinwirken. Themen wie Identität, Anpassung und Verlust stehen im Zentrum und werden von einer ruhigen, nachdenklichen Atmosphäre getragen, in der jedoch stets eine unterschwellige Spannung mitschwingt. Besonders gelungen ist dabei, wie informativ das Buch ist, ohne jemals trocken zu wirken. Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Obwohl ich die großen Romane von Thomas Mann schätze, sie mir aber oft zu langatmig sind, konnte mich diese biografische Annäherung deutlich mehr fesseln. Die Einblicke in das Leben der Familie und die geschilderten Begegnungen sind nicht nur höchst informativ, sondern auch angenehm schlicht und zugänglich erzählt. Die Zielgruppe sind vor allem literarisch interessierte Lesende sowie alle, die sich für Exilliteratur oder die Familie Mann interessieren. Ich kann das Buch klar empfehlen, insbesondere Fans von Thomas Mann. Insgesamt vergebe ich 4,5 von 5 Sterne ✨️

Thomas Mann im Exil
worum geht es: Es ist das Jahr 1933 und Thomas Mann befindet sich gerade auf Lesereise mit Gattin Katia, als er eine Warnung aus der Heimat erhält. Seine Kinder Edith und Klaus bitten die Eltern, unbedingt Deutschland fern zu bleiben und tatsächlich ergreifen die Nazis kurz darauf die Macht. Die Familie inklusive sämtlicher Kinder und Bruder Heinrich Mann fliehen ins Exil nach Südfrankreich. Von dieser Zeit von Februar bis September 1933 handelt die Biographie von Thomas Mann, seiner Familie und dem Umgang mit Entwurzelung und Vertriebensein. Mein Leseeindruck: Ich wusste ehrlich gesagt nicht viel von Thomas Mann außer seinem Geburtsort und seinen Werken. Dass er homosexuell war, hatte ich auch schon irgendwo gelesen. Dass er aber verheiratet war und sechs Kinder bekommen hat um seine Vorlieben nach Außen zu maskieren, war mir nicht bekannt. Auch nicht, das er die offene Homosexualität einem Teil seiner Kinder zugebilligt hat. Die Manns sind eine interessante Familie, die sich in kein Schema pressen lassen. Thomas, von seinen Angehörigen als "der Zauberer " betitelt, hatte Lieblingskinder, besonders Tochter Elisabeth war sein ein und alles. Die ungeliebten Kinder hat er es deutlich spüren lassen, so dass diese noch bis ins Erwachsenalter um seine Gunst kämpfen. Diesen Kindern hat Florian Illies hier ein kleines Denkmal gesetzt. Immer wieder weist er darauf hin, dass Sohn Golo Gelder und literarischen Manuskripte des Vaters ins Exil transferiert hat. Ohne Dank und ohne Anerkennung. Tochter Monika wurde generell übersehen, Michael Mann geigte um sein Leben um den Übervater zu beeindrucken und der sensible und drogenabhängige Klaus Mann steht im Schatten des Vaters, literarisch und persönlich. Florian Illies schreibt mit humorvoller aber spitzer Feder über Thomas Mann, der große Nobelpreisträger, der im Exil beleidigt und ungesehen ist und keine klare Stellung gegen den Nationalsozialismus in Deutschland bezieht. So richtig kann sich Mann mit der neuen Situation nicht anfreunden und trauert dem alten Deutschland hinterher. Allerdings ist die Sprache auch das Fundament eines Schriftstellers. Es ist verständlich, dass Thomas ins Straucheln geraten ist, während Bruder Heinrich einfach weiter macht. Ich mochte diese Biographie, die mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, sehr. Ich kann mir vorstellen, wie Florian Illies, der sehr gut anhand Briefe, Tagebucheinträgen und weiterer Dokumente recherchiert hat, insgeheim Freude empfunden hat, dem großen Meister neben der Würdigung auch ein paar kleine Seitenhiebe zu verpassen. Daher hat mir das Lesen aus sehr viel Spaß gemacht!
Mal wieder sehr locker und flüssig geschrieben, witzig, unterhaltsam, bildhaft. Aus meiner Sicht aber nicht sein stärkstes Buch.
Nach dem großen Lesevergnügen „1913“ und „Liebe in Zeiten des Hasses“ hatte ich hohe Erwartungen. Dass die Familie Mann mir vielleicht noch einen Ticken näher, lebendiger und bildhafter erscheint, als sie es dann beim Lesen tatsächlich tat. Es ist schon eine illustre Familie und es ist sicherlich gut, etwas über sie und ihre Emigration 1933 zu erfahren und zu wissen. Sympathisch werden mir Thomas und Katia Mann aber nicht. Das mag auch nicht die Idee oder die Aufgabe des Buchs sein, aber ja. Florian Illies hat jedenfalls ganze Arbeit geleistet und toll recherchiert und erzählt. So einem Erzähler folge ich beinahe egal wohin! Bereichernd und unterhaltsam.
Florian Illies, (und) der Zauberer
1933- die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer mehr zu. Einer kann es noch nicht wahrhaben: Thomas Mann. Er und seine Familie können nicht mehr in die Heimat zurückkehren. Wie viele Künstler verbringen sie den Sommer in Sanary-sur-Mer. Illies erzählt in seinem Werk wieder sowohl unterhaltsam die skurrile Realität und die Schrullen des großen Autors als auch die tragischen Seiten der Flucht und Vertreibung. Hinzu kommt die ebenfalls tragische Familiendynamik der Manns, die alle um die Anerkennung des Vaters buhlen. An diesem Einzelschicksal wird gezeigt, wie verstörend die Flucht und der Heimatverlust sind - selbst wenn die Manns sicherlich ein sehr privilegiertes Beispiel darstellen. Der Vorzug von Illies Genre ist, dass man all die Details vor Augen geführt bekommt, die zu unbedeutend für die Geschichtsbücher sind, aber das Schicksal der Menschen maßgeblich bestimmen. Empfehlenswert ist das Buch „Marseille 1940“ von Uwe Wittstock als eine Art Fortsetzung zu lesen, das die Eindrücke noch vertieft und steigert.

Vertreibung ins Paradies
Florian Illies folgt in „Wenn die Sonne untergeht“ der Familie Mann nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ins französische Exil. In poetisch-zarter Sprache ist ihm dabei eine atmosphärische und auch amüsante Mischung aus Biografie und Fiktion gelungen. Man merkt jeder Seite die akribische Recherche an, für welche Illies zahlreiche Tagebücher – unter anderem bislang unbekannte von Golo Mann und Arnold Zweig – studiert hat. Genau zeichnet er jene wechselhaften und ereignisreichen Monate zwischen Februar und September 1933 nach und entwirft dabei das Bild einer berühmten Familie im Ausnahmezustand. Während im Deutschen Reich der nationalsozialistische Terror erodiert, wächst die Exilgemeinde im südfranzösischen Fischerdorf Sanary-sur-Mer kontinuierlich an. Lion Feuchtwanger, Aldous Huxley, Bertolt Brecht, René Schickele und Heinrich Mann vertreiben sich die Zeit mit nervösem Amüsement – irgendwo zwischen Existenzangst und Zerstreuung. Sie genießen ihr Idyll und versuchen, ihr aufgewühltes Inneres mit Badenachmittagen, Abendgesellschaften und frivolen Ausschweifungen zu verdrängen. Der Kontrast dieser kleinen Parallelgesellschaft zu dem Grauen, welches sich da gerade in Deutschland zusammenbraut, könnte nicht größer sein. Neben dem Umbruch in Deutschland vollzieht sich auch ein Umbruch innerhalb der Familie Mann. Zum einen in Thomas Mann selbst, der nicht nur nach einem geografischen Ort zum Weiterleben, sondern auch nach seinem eigenen moralischen Standpunkt sucht. Er verurteilt die Nazis zwar in seinen Tagebüchern, möchte aber seine Heimat Deutschland und vor allem seine deutsche Leserschaft nicht verlieren. Die Unsicherheit des Vaters führt dazu, dass seine Kinder, die immer unter seiner Dominanz gelitten haben, nun Freiräume erhalten: Erika und Klaus engagieren sich politisch, Golo kann einen Teil des Familienvermögens retten. Das schafft Erleichterung. Zwar kann der Sommer an der Côte d’Azur die familiären Spannungen nicht völlig auflösen, doch er zwingt alle Mitglieder der Familie Mann, sich existenziellen Fragen zur eigenen Zukunft zu stellen.

Ein Meisterwerk!
Wow, in weniger als 30 Stunden habe ich dieses Buch verschlungen, obwohl es alles andere als leichte Kost ist. Erzählt wird das Jahr 1933. Das Jahr, in dem Thomas Mann samt Ehefrau Katia auf Vortragsreise gehen und nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Die Nazis sind in Deutschland auf dem Vormarsch, auch wenn Thomas Mann meint, dieses Phänomen würde sich in wenigen Monaten erledigen, beginnt eine jahrelange Flucht. Florian Illies kann wunderbar erzählen, man fühlt sich, als säße man tagtäglich am Esstisch der Manns, als wäre man dabei, wenn Tagebucheinträge geschrieben werden und Briefe hin und hergeschickt werden. Einziger, kleiner Kritikpunkt: sehr oft wird auf Fotomaterial verwiesen, es werden Fotos beschrieben und die Entstehungsgeschichte erklärt, jedoch gibt es leider keinen Bilderteil. Auch Internetrecherche bringt nicht viel. Trotzdem ein wunderbares Buch, bisher das beste Buch, das ich von Florian Illies gelesen habe.
Das Leben einer intellektuellen Elite im Exil.
Florian Illies hat etwas geschafft: mit einen erfrischenden, einzigartigen und leichten Schreibstil bringt er dem Leser nicht nur Thomas Mann und seine faszinierende Familie, sondern auch das Leben und Leiden eines erhabenen Kreises von Literaten und Künstlern im französischen Exil näher. Das Buch handelt, zeitlich klar umrissen, von den ersten Jahren der Familie Mann im Exil, zur Zeit des Vorabends des 2. Weltkrieges. Die Atmosphäre ist düster, der nationalsozialistische Terror in der Heimat macht die Exilanten (und den Leser) fassungslos. Zum öffentlichen Bekenntnis gegen die Nationalsozialisten lässt sich der Schriftsteller Mann aber keinesfalls hinreißen, aus karrieretaktischen Gründen. Kurzum: das Buch beschreibt eine Familie im Ausnahmezustand in den schrecklichsten Jahren der deutschen Geschichte. Ein Buch über ein Denkmal der deutschen Kulturgeschichte, Thomas Mann, zu schreiben ist sicherlich eine Herausforderung. Gibt es wirklich noch Neues zu erzählen? Ja, ist die klare Antwort. Die Herangehensweise von Florian Illies konnte mich überzeugen. Er beschreibt sprachlich gewandt, kurzweilig und hervorragend verdichtet Altbekanntes mit neuartigen Aspekten. Manchmal erscheinen die Informationen über alle sechs Kinder, inklusive Onkel Mann und Gefolge, etwas klatschhaft, welches die teils schweren Themen jedoch auch auflockert. Die gelungene Mischung aus Sachverstand und humoristischer Prosa lässt den Leser durch die Seiten fliegen und erzeugt, neben der Entfaltung eines spannenden Plots, ganz nebenbei Wissen und Erkenntnisse. Was im Detail auf Tatsachen beruht und was Romanfiktion ist, ist fließend und nicht trennscharf, welches das Lesevergnügen jedoch nicht mildert. Thomas Mann erklärte der Welt einmal: … wo ich bin, da ist Deutschland. Ich möchte hinzufügen: wo Florian Illies schreibt, ist ein außergewöhnliches Sachbuch zu finden.

Wenn es dunkel wird
1933 kommen die Nazis an die Macht und Familie Mann verbringt den Sommer notgedrungen in Sanary. Das Buch bietet Einblick wie Thomas Mann, seine Frau Katia und seine Kinder mit der Niedertracht der Nazis umgehen ohne zu wissen, ob sie jemals nach Deutschland zurückkehren können.
Ein sehr spannender Einblick in die Irrungen und Wirrungen der Familie Mann in den 1930er Jahren. Dazu erfährt man noch kurzweilig viele Einblicke in die Affären und Lebenswege der vielen Emigranten aus Nazideutschland. Trotzdem werde ich bei diesem „Genre“ das Gefühl nicht los, dass es am Ende auch nur eine etwas wissenschaftlichere Fan Fiction ist. Oder sowas wie die intellektuelle Version vom Sommerhaus der Stars. Aber dem Voyeurismus konnte ich mich nicht verwehren.
Welt(literatur)geschichte beiläufig erzählt - Weihnachtsgeschenk-Empfehlung!
Auch in seinem neuen Epochenroman „Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary“ gefällt mir Florian Illies mit seinem unverkennbaren, illustren, manchmal ironischen und machmal melancholischen Schreibstil. Erzählt wird die Zeit der Familie Mann 1933 im Exil im französischem Sanary-sur-mer. Das kleine Örtchen an der französischen Mittelmeerküste, war in diesem Jahr ein Zufluchtsort vieler deutscher Literaten und Literatinnen, die sich auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus befanden. So auch für Thomas Mann und seine Familie. Illies erzählt auch hier, wie in seinen anderen Büchern, den aus Tagebucheinträgen überlieferten und mit fiktiven Ausschmückungen angereicherten Alltag der Protagonisten. Hierbei gelingt es Illies (wie üblich) unglaublich gut, mit den fiktiven Anreicherungen die Stimmung, Gemütslage und Gedankenwelt zu beschreiben, so dass man den Eindruck bekommt, es war wahrscheinlich wirklich so. Natürlich kommt auch die, wie soll man sagen, „Verkorkstheit“ der Familienmitglieder der Manns zum Vorschein - geht ja nicht anders. Immer wieder erstaunlich, wie Thomas Mann mit einem Familien- und Frauenbild aus dem 19 Jahrhundert aber auch mit seinen „Marotten“, Zwängen und Neurosen sein Umfeld an den Rande des Wahninns trieb - Nobelpreis hin oder her; Weltliterat hin oder her. Und wieder einmal wird deutlich, in welchem „Luxus“ das Ganze stattfindet, während andere um ihr Leben kämpften. Es ist aber auch sehr oft sehr köstlich, Tagebucheinträge Manns zu lesen, in dem er beispielsweise seine „Befindensminderung“ beschreibt, weil die Verpflegung auf der Reise ins Exil nicht den Ansprüchen genügt oder er eine Erkältung heranzunahen verspürt. Die Organisation der Exil-Reise und die Sicherung des Hausstandes aus München, der Transport des Ganzen und das Aufgeben der Heimat - sehr interessant zu erfahren und sehr schön zu lesen. Nebenbei erfährt man auch einiges über die anderen in Sanary Gestrandeten. Feuchtwangers, Huxleys und auch Brecht schaut mal vorbei. Insgesamt rundum gelungen und eine Leseempfehlung! Sehr schönes Weihnachtsgeschenk!

Überwältigend und informativ.
„Wenn die Sonne untergeht“ liefert einen sehr intensive, informative und nachdenkliche stimmende Begleitung der Familie Mann bei ihrer Auswanderung mit erster Station in Sanary in Südfrankreich. Dort verbringen die Manns mit anderen im Exil gestrandeten Intellektuellen, den Sommer 1933. Gerade mit Rückblick auf die deutsche Geschichte ab dem Jahr 1933 habe ich den Prozess des Begreifens, dass es wirklich kein Zurück mehr gibt, sehr überwältigend gefunden. Ich wusste zwar, dass Thomas Mann emigriert ist, aber das war für mich ein abstraktes Konstrukt. Was das wirklich bedeutet hat, hat Florian Illies gut auf den Punkt gebracht. Sehr bestürzt hat mich die Rolle von Monika in der Familie, aber auch generell, wie sich Thomas Manns Kinder nach seiner seiner Anerkennung und Liebe gesehnt haben, teilweise vergeblich. Und wie Thomas Mann doch von sich überzeugt war, eigentlich ist er mir nicht wirklich sympathisch, aber mal sehen, was sich bei weiterer Auseinandersetzung mit seiner Person noch für Erkenntnisse ergeben. Ich habe mir jetzt einige Sachbücher zur Thematik bestellt und bin neugierig, mehr zu erfahren. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, dass hat mit viel Humor die diversen Maröttchen der Familienmitglieder zum Besten geben. Wunderbar.
Wenn die Welt aus den Fugen ist
Illies kann es wie kein Zweiter. Bei ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Sachbuch und Erzählung, allerdings lediglich aufgrund des süffisanten Erzählstils. Genauer gesagt gelingt es ihm, historische Sachverhalte so ansprechend in Worte zu kleiden, dass er meines Erachtens quasi jede Begebenheit auf höchstem Niveau abbilden könnte. Das gelingt auch dieses Mal. Wir begleiten die bekanntermaßen charakterlich und von der schieren Personenzahl Raum greifende Familie Mann von der Verleugnung, dass in ihrer Heimat die Welt aus den Fugen ist, bis hin ins Exil und dem Umgang mit diesem neuen Leben. Dabei stellt dieses Werk aus meiner Sicht ebenso wie „Thomas Mann macht Ferien“ ein perfektes Einstiegwerk dar, um die komplexen Charakterzüge und teils verwunderlichen, teils nahbaren Dynamiken des Familienclans verstehen zu lernen. Es gelingt zudem, alle Seiten des großen Zauberers darzustellen und sie uns als Lesende abseits der Idolisierung aushalten zu lassen.
»Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder«, diagnostiziert Thomas Mann im Tagebuch ganz nüchtern.
Es ist der 11. Februar des Jahres 1933, mit dem dieses Buch beginnt. Der 28. Hochzeitstag von Katia und Thomas Mann und zugleich der letzte Tag, den sie im vertrauten München auf deutschem Boden verbringen, bevor sie auf eine Vortragsreise zum 50. Todestag – des vom Nobelpreisträgers so geschätzten – Komponisten Richard Wagners quer durch Europa aufbrechen und sich ausgehend davon direkt – ohne es geplant, erwartet oder hat gehofft zu haben – ins Exil begeben. Aber auch an Frankreichs exilantenträchtiger Küste in Sanary gestrandet und den Jetzt-Zustand akzeptierend, möchten die Manns nicht auf ihren gewohnten Anspruch verzichten, von dem andere jedoch nur träumen konnten. In diesen Wochen wird versucht, nicht die Nerven zu verlieren und zugleich immer wieder so gelebt, als wäre ihr Zustand eine freiwillige, zum Spaße ausgelegte Sache. Aber in diesem Buch sollen nicht nur die Geschehnisse Thomas Manns oder des Ehepaars erzählt werden, sondern auch die Geschichten der sechs Kinder sowie der Großeltern von Katia – ein Familienpanorama mit vielen Tragödien. Schließlich eint sie alle das gleiche Schicksal, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Aus unzähligen Briefen, Tagebucheinträgen und Werken der erwähnten Personen, schöpft Illies seine Informationen für dieses Buch und setzt sie gekonnt in einen Zusammenhang, der einen sonst, in dieser fast bildlichen Weise, nicht zugänglich wäre. Wie von Florian Illies schon von seinen bisherigen Büchern gewohnt, ist auch dieses, über ein eigentlich schweres und bedrückendes Thema – den Beginn des Exils der Familie Mann –, nicht nur wahnsinnig toll erzählt, sondern auch mit viel pointiertem Humor und Ironie versehen. Ich bin mir sicher, das hätte Thomas Mann gefallen – was sicher das größte Kompliment für dieses Buch sein kann –, auch wenn er manchmal nicht eben in gutem Licht oder beschönigt da steht, sondern einfach realistisch wie er war.

Der Schreibstil von Illies ist wie immer eingängig, der Vortrag des Hörbuchs gelungen. Mir ging es darum, mir einen Eindruck von der familiären Bande der Manns zu verschaffen. Dieses Ziel war nach gut einem Drittel erreicht. Dann wurde mir die Zahl der Nebendarsteller zu unübersichtlich und die Handlung verlor sich zu sehr in Details. Deshalb Abbruch.
Florian Illies hat mal wieder geschafft ein wirklich interessantes Buch in leichten Plauderton zu schreiben. Und auch wenn das Thema doch eigentlich ein düsteres ist, so schafft er es doch das man an der einen oder anderen Stelle schmunzeln muss, speziell wenn es um Thomas Manns Befindlichkeiten geht und seine doch sehr norddeutsche, zurückhaltende Art Gefühle auszudrücken.
Ich habe dieses Buch bei 55 % abgebrochen. Trotz der vielen positiven Bewertungen fand ich es aktuell einfach zu mühsam zu lesen. Die Geschichte dreht sich um die Familie on Thomas Mann, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Frankreich flieht. Thomas Mann wird als eingebildete und unsympathische Person dargestellt. Von seinen sechs Kindern bekommt nur eines seine Nähe, während die anderen verzweifelt versuchen, seine Wertschätzung und Liebe zu gewinnen. Besonders schockierend fand ich, dass alle älteren Kinder schwere Drogen konsumieren. Was es für mich endgültig schwierig gemacht hat, war die Vielzahl an Figuren – man verliert schnell den Überblick.
Familie Mann und andere Persönlichkeiten in Sanary.
Leicht und unfassbar schön geschrieben. Am Anfang dachte ich noch: "Mensch sind das viele verschiedene Personen und Namen." Aber man kommt doch mit der Zeit recht gut damit zurecht. Leider hab ich viel zu spät gesehen, dass hinten im Buch ein Stammbaum ist. Den hätte ich mal gerne gleich am Anfang gehabt. Es hätte einiges einfacher gemacht 🤣 Es war mein erster Einblick in das Leben der Mann's. Und es hat mich sehr überrascht, was da alles in dieser kurzen Zeit passiert ist. Es sind ja nicht nur die Mann's in Sanary, sondern auch Aldous Huxley und andere Persönlichkeiten. Ein Einblick in deren Leben bekommt man gleich dazu. Als Mensch finde ich Thomas Mann schwierig, wenn man bedenkt wie er zu seinen Kindern war. Die Einblicke, die dieses Buch gibt sind von unfassbar bis verstörend.

Ein Sommer mit Thomas Mann und seiner Familie
Florian Illies schafft es eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir die Hitze spüren und die schlechte Laune des ins Exil vetriebenen Thomas beinahe mitempfinden. Der Schreibstil ist flüssig und gut gelesen. Die Figur von Thomas Mann selbst ist mir im Buch aber irgendwie so unsympathisch gewesen, dass ich keine Verbindung zum Buch aufbauen konnte. Auch die Darstellung von anderen jüdischen Verfolgten zu dieser Zeit fehlt mir an dieser Stelle. Insgesamt ein Buch, was man gut nebenbei und auch mit Pausen hören kann. Interessant ist es auch, wie es den anderen Familienmitgliedern zu dieser Zeit ergangen ist. Es ist auch eine Familiengeschichte für mich.
Sommer mit den Manns
Als begeisterter Florian-Illies-Fan habe ich mich riesig auf das neue Buch gefreut. Mit Thomas Mann verband ich bislang nur dröge Schullektüre, die ich kaum verstanden habe. Umso gespannter ist war ich, ob der Schriftsteller mir mun näher sein könnte. Illies schafft es, das Leben der Manns plastisch vor Augen zu führen, was sie nach der Flucht aus Deutschland im herrlich Süden Frankreichs einen Sommer lang verbringen. Sein Stil ist manchmal lakonisch, immer wortgewandt und voller Sprachwitz. Die Tagebuchaufzeichnungen von vielen Manns und anderen Exilanten (Brecht, Feuchtwanger, Zweig) hat er akribisch studiert und flechtet sie passend ein, das ist schon beeindruckend. Es bleibt für mich ein Gefühl, die Familie Mann ein wenig besser kennengelernt zu haben. Trotzdem bleibt ein Stück Distanz aufgrund der „verstörenden Kältekammer“ dieser Familie.
Sehr hörenswert. Familie Mann geht ins Exil. Verschiedene Einblicke und Sichtweisen der Familie Mann und dem Nationalsozialismus. Die Familie ist so skurril, vor allem Thomas Mann. Was so in „seiner Welt“ wichtig ist, wo man echt den Kopf schüttelt. Sie waren sehr privilegiert in dieser Zeit und wie empathielos sie miteinander und anderen umgingen, fand ich sehr erschreckend und traurig. Den Sprecher fand ich ausgezeichnet und passte perfekt.
Absolut hörenswert. Und garantiert auch absolut lesenswert: 👍👍👍👍👍
Auch wenn die Rezensenten der grossen Feuilletons zum Teil hart kritisieren: Mir gefällt diese belletristische Biografie über ein Jahr im filmreifen Leben der Manns: Im Frühjahr 1933 spitzt sich die politische Lage in Deutschland zu, was Thomas Mann, sein Frau Katia («Frau Thomas Mann» 🙃) und die sechs Kinder ins Exil von Paris über Arosa nach Sanary-sur-Mer treibt. Florian Illies geizt nicht mit Ausschmückungen und Verkürzungen, aber gerade das und der feine Witz, der mich trotz all des Schreckens der Geschichte immer wieder zum Lachen brachte, macht die Erzählung so toll. Ein schöner Abschluss des Thomas-Mann-Jahres, der Lust macht, 2026 wenigstens einen Wälzer des Zauberers zu lesen.
Toll gelesenes Hörbuch über die faszinierende Familie Mann und ihre Zeit im Exil in Sanary. Sehr bewegen, informativ und aufwühlend vermittelt sehr gut, die innere Zerrissenheit der Exilanten. Mir gefällt besonders auch die Zerrissenheit, und den dargestellten Schmerz über den Verlust der Heimat, die Orientierungslosigkeit, die Fassungslosigkeit über die Hoheit, der Nazis, und den Verlust von würde und Anstand in ihrem ehemaligen zu Hause.
Gute Zusammenstellung
Für mich der beste Illies Man fängt an und kann nicht mehr aufhören. Ich hatte von Sanary sür Mer kurz bei Erika und Klaus Manns Reisebericht Rundherum gelesen und in Klaus Mann Wendepunkt. Das es doch ein wichtiger Ort und Treffpunkt für Emigranten war, war mir nicht klar. Es wird auch Monika Mann nicht vergessen.
Fand es toll. Ich bin seit vielen Jahren ein Familie Mann - Junkie, hab Filme und Dokus geschaut und jede Menge Bücher gelesen- von den Manns ebenso wie über sie. Golos Autobiografien sind sehr lesenswert, aber mein Lieblings- Mann wird immer Klaus sein. ❤❤ Kann seine Bücher nur wärmstens empfehlen. Florian Illies begleitet Thomas und Katia Mann auf ihrer ersten Station im Exil, das malerische Sanary sur Mer. Und er macht es wie gewohnt toll: leicht ironisch, liebevoll, mit kluger Umsicht schildert er die Geschehnisse und erweckt die handelnden Personen zu Leben. Die beginnende Schreckensherrschaft der Nazis, Thomas Manns Ringen mit sich selbst, Klaus und Erikas Kampf gegen das Hitler- Regime, Golos abenteuerliche Sicherung der Tagebücher, Wertgegenstände und Gelder und Monikas verträumtes, saumseliges Dahinleben...alles schildert Florian Illies ganz meisterlich. Ganz schrecklich zu lesen und aufgrund meiner eigenen Kindheit gut nachvollziehbar für mich: die Furcht der Kinder vor den gemeinsamen Mahlzeiten, bei denen Thomas Mann von ihnen erwartete, interessante Beiträge zu hören und gut unterhalten zu werden. Golo fürchtete sich so vor diesen Prüfungen, das er sich immer akribisch mit Zetteln, auf denen Stichpunkte und Sätze standen, vorbereitete. Es war definitiv nicht einfach, sich in dieser Familie zu behaupten.
Wie immer ein tolles Buch von Herrn Illies.
Verstörend, weil man so viel Ähnlichkeiten zu 1933 und heute entdeckt und anrührend wie Thomas Mann beschrieben wird. Als Leser wird die Person Thomas Mann irgendwie greifbarer. Der Charme von Illies Schreibstiel ist wie bei den Büchern zuvor… informativ aber auch etwas Boulevard…
Sehr interessant, auch wenn man nicht der größte Fan der Familie Mann ist. Durch den sehr erzählenden Schreibstil habe ich tatsächlich ein paar Mal vergessen, dass es sich um ein Sachbuch handelt. Die Geschichte wird so flüssig erzählt, dass ein richtig angenehmer Fluss entsteht. Natürlich erhält man einige neue und vielleicht auch überraschende Fakten. Dadurch, dass alle Mitglieder vorgestellt und näher beleuchtet werden, entsteht ein Vielseitigkeit, die keine Eintönigkeit aufkommen lässt. Hat mir gut gefallen!
Florian Illies ist einer DIESER Autor*innen, die einfach ihren ganz eigenen, besonderen Schreibstil besitzen und mit ihrer Erzählkunst alle in den Bann ziehen. Meisterhaft verbindet Florian Illies extrem fundierte Recherche mit seiner Kunst, Geschichten zu erzählen. »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« und »IM ZAUBER DER STILLE« zeigen dies großartig. Wenn Florian Illies also ein neues Buch veröffentlicht, will ich es unbedingt lesen. »Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary« beleuchtet intensiv und facettenreich das Leben der Familie Mann — im Fokus der unsympathische und egozentrische Familienpatriarch Thomas Mann — im Schicksalsjahr 1933. Interessant fand ich, wie unterschiedlich (und auch privilegiert) alle Familienmitglieder mit der Machtergreifung der Nazis umgegangen sind. Florian Illies zeigt einmal mehr, wie gut er Geschichten erzählen kann. Ich persönlich hätte nicht mehr Informationen zu Thomas Mann benötigt, aber wollte auch nicht das neue Buch verpassen. Ein spannendes Buch für alle, die bei »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« noch mehr von Familie Mann lesen wollte und natürlich alle Mann-Fans (und damit hoffe ich vor allem, dass es Fans von Klaus & Erika sind 😌). Mein Fazit: Ich werde auch weiterhin alles von Illies lesen, dieses hier gehört aber nicht zu meinen Favoriten.

Das Thomas Mann Jahr neigt sich dem Ende zu. Natürlich durfte neben einem Werk des Zauberers persönlich auch eine Lektüre über ihn nicht fehlen. Ging es in Thomas Mann macht Ferien trotz Krieg noch recht friedlich zu, schaut die Welt in Florian Illies‘ Wenn die Sonne untergeht schon etwas anders aus. Thomas Manns politische Einstellung hat sich grundlegend geändert, er ist nun glühender Verfechter der Demokratie. Dies macht ihn in den Augen der an die Macht kommenden Nationalsozialisten aufgrund seiner großen Prominenz zu einem gefährlichen Gegner. Eigentlich mehr durch Zufall befinden sich Thomas und seine Frau Erika zum Zeitpunkt der Machtübernahme im Ausland. Der Nobelpreisträger möchte nämlich zunächst nicht wahrhaben, was sich in seiner Heimat abspielt und wie schlimm die Dinge tatsächlich sind. Sein Bruder Heinrich ist in dieser Sicht schlauer, er schlägt gerade noch rechtzeitig die Flucht ein. Die sechs Kinder von Erika und Thomas sind teilweise bei ihnen, teilweise in Deutschland, teilweise anderweitig im Ausland. Erst nach mehreren Monaten versammeln sich alle in Südfrankreich. In dem kleinen Ort Sanary landen sie auch eher zufällig. Dort halten sich auch einige andere Intellektuelle auf, die meisten ebenfalls auf der Flucht. Ich habe schon einige Bücher von Florian Illies gelesen und mag seinen Stil sehr. Er schreibt sehr elegant, oft auch mit einer gewissen Prise Humor oder leichter Ironie. Er berichtet in kurzen, sorgfältig recherchierten Abschnitten. Bei ihm wird die Geschichte lebendig, die Personen erwachen zum Leben. Er beschönigt auch nichts. Thomas Mann kommt, um es etwas flapsig auszudrücken, nicht besonders sympathisch rüber, ganz besonders nicht, wenn man im Anhang vom Schicksal seines Sohnes Michael liest. Es mag der bessere Schriftsteller sein, sein Bruder Heinrich jedoch ist mir menschlich der liebere. Wer noch nichts über oder von Thomas Mann gelesen hat, für den oder die ist dieses Buch ein guter Einstieg. Gleiches gilt für alle, die Florian Illies noch nicht kennen. Hier ist das Personal begrenzter als beispielsweise in 1913. Neben der Familie Mann (die an sich schon recht umfangreich ist) gibt es zwar immer noch etwa zwei Dutzend Personen, trotzdem ist alles überschaubarer.
4.5 ⭐️Das reinste Lesevergnügen mit vielen interessanten Informationen. Florian Illies gelingt mit "Wenn die Sonne untergeht" ein faszinierendes, lebendiges Porträt der Familie Mann im Sommer 1933, unmittelbar nach ihrer Flucht ins Exil nach Sanary-sur-Mer.Anstatt eines staubtrockenen Geschichtsbuches erhält man einen poetischen, kurzweiligen und amüsanten Streifzug durch diese entscheidenden Monate. Illies montiert Anekdoten, Fakten und Zitate (oft aus unveröffentlichten Tagebüchern) zu einem packenden Erzählstrom.Schön war es auch, gedanklich nochmal zurück nach Litauen nach Nidden (Nida) an die Kurische Nehrung zu reisen. Dort kann man auch das Thomas Mann Haus besuchen. https://www.bpb.de/themen/europaeische-geschichte/geschichte-im-fluss/135669/das-thomas-mann-haus-in-nida/http://thomas-mann-haus.de/https://www.goethe.de/ins/lt/de/m/kul/sup/thm/pub/26716016.htmlBislang habe ich nur "Der Tod in Venedig"(3.5⭐️) und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"(5⭐️) von Thomas Mann gelesen. Als nächstes möchte ich nun "Der Zauberberg" und "Die Buddenbrooks" lesen. Von Heinrich Mann liegt schon ewig "Der Untertan" und "Professor Unrat" und von Klaus Mann "Mephisto" auf dem "Stapel ungelesener Bücher". Dank Florian Illies Werk bin ich nun wieder daran erinnert worden, diese Werke endlich mal zu lesen.
"Das Kindermädchen weint dicke Tränen und flüstert: 《Du kommst gewiss nie wieder.》 Doch wie immer wischt Medi solche Sorgen mit einem Lächeln weg und verspricht, dass man sich natürlich bald wiedersieht, sobald die Zeiten besser geworden sind." Es ist der 11.Feburar 1933 Thomas und und Katia Mann, denken dass sie nur auf eine kurze Lesereise nach Amsterdam und Paris fahren werden. Doch am Ende werden sie ihr geliebtes Haus in Poschingerstraße 1, in München nie wieder sehen. Es ist das Jahr als sich in Deutschland alles von heut auf morgen verändert. Hitler ist Kanzler, die Nazis streben nach immer Macht und versuchen alle Gegenspieler aus dem Weg zu räumen. Die ersten Bücher brennen und die jüdische Bevölkerung verliert immer mehr Rechte. Die Kinder der Manns erkennen und handeln sehr schnell und halten ihre Eltern davon ab zurück nach München zu gehen. Die ungewollte Emigration beginnt in der Schweiz, währt einen Sommer in Südfrankreich in Sanary - sur - Mer, um dann wieder zurück in die Schweiz, in die USA und in der Schweiz endgültig zu enden. Der Sommer in Sanary ist für die ganze Familie Mann auffühlend. Thomas kann sich schwer mit der Situation abfinden, kann die Sprache nicht, will zurück in sein geliebtes Deutschland. Als seine Tagebücher endlich in Frankreich ankommen, kann er sein Buch "Joseph und seine Brüder" beenden. Am Ende freundet er sich dennoch irgendwie mit dem Sommer an. Typisch für Florian Illies bleibt er wieder in einem Jahr hängen und zeigt ein echt detaillierten Einblick in das Leben der Familie Mann, mit allen seinem Freuden, Trauer, Verworrenheiten, Familienkonstellationen, Zuneigungen und Abneigungen. An manchen Stellen habe ich ein wenig den Überblick verloren, wer wie zu dem anderen, sprich zu Thomas Mann, steht. Aber es ist ein typischer Florian Illies - ob als Roman oder Sachbuch, sehr lesenswert.
Sommer, Exil, Mann Familienchaos am Mittelmeer
Dieser Sommer in Sanary fühlt sich an wie ein Roman, der erst harmlos beginnt und dann plötzlich die ganze Weltgeschichte in die kleine Küche einer völlig überforderten Familie stopft. Man sitzt quasi mit den Manns am Tisch, schwitzt mit ihnen und fragt sich leise, warum Thomas Mann eigentlich ständig so tut, als könne er jederzeit wieder in seine Münchner Villa zurückspazieren. Ein Teil von mir wollte ihm dauernd sagen: „Bruder, der Zug ist abgefahren.“ Illies erzählt das alles mit einer Gelassenheit, die einen fast irritiert. Einer spielt Geige, der andere schmuggelt Sachen über Grenzen, jemand vergisst den Hund — und trotzdem wirkt jeder Moment wie eine Mischung aus Drama, Urlaub und Familienwahnsinn. Das Exil fühlt sich hier nicht wie ein großes geschichtliches Konzept an, sondern wie ein chaotischer Sommer, in dem jeder versucht, irgendwie klarzukommen. Besonders stark sind die kleinen Mini-Szenen: ein Blick, ein trockener Kommentar, das Klirren eines Glases beim Abendessen. Man merkt, wie viel Wehmut zwischen den Zeilen hängt, aber gleichzeitig dieser Trotz, der einem sagt: „Okay, die Welt brennt, aber wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Und ja, manchmal musste ich sogar lachen — was bei dem Thema eigentlich unangebracht ist, aber Illies macht’s möglich. Einziger Punkt, der mich echt wurmt: Das Zerwürfnis zwischen Klaus und Erika hätte mehr Kante vertragen. Da steckt so viel Sprengstoff drin, aber an einigen Stellen bleibt es mir zu handzahm. Trotzdem: Das Buch packt einen. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern mit dieser leisen Intensität, die nachwirkt. Ein Sommer im Ausnahmezustand, der mehr sagt als so mancher politische Essay. Wenn man historische Stoffe mag, aber nicht einschlafen will — genau hier zugreifen.

"Wenn die Sonne untergeht, binden sie sich die Arme ab und spritzen sich Heroin." (S. 144)
"Wenn die Sonne untergeht – Familie Mann in Sanary" unterhält bestens, stimmt gleichzeitig nachdenklich, bildet nebenbei und macht froh, Thomas Manns Tagebücher nicht selbst lesen zu müssen – ein typischer Florian Illies eben. Leseempfehlung! "Es wäre nun übertrieben, zu sagen, dass sich Sanary über all die Deutschen freut, die da in diesem Frühsommer 1933 in Scharen in ihrem kleinen Örtchen stranden, aber sie sind so höflich, dass sich all die Vertriebenen sofort wohlfühlen. Und abends dann, wenn die Sonne untergeht, sitzen sie friedlich nebeneinander an den Tischen der Cafés und Bistros, und manchmal wechseln sie sogar ein erstes freundliches Wort miteinander." (S. 170) "Wenn die Sonne untergeht in Sanary, dann sieht man manchmal, ganz hinten am Horizont, da, wo der Balken des graublauen Wassers auf die Decke des blaugrauen Himmels trifft, große dunkle Schatten, die sich ganz langsam von rechts nach links bewegen und von links nach rechts. Es sind die großen Kriegsschiffe aus dem benachbarten Militärhafen von Toulon." (S. 171) Eine gekürzte Hörbuch-Fassung gibt es derzeit in der ARD-Audiothek.

Das (Hör)Buch erfordert viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn man wenig über die Familie Mann und deren Umfeld weiß. Das Buch bietet viele interessante und private Einblicke in die Familiendynamik und die unterschiedlichen Persönlichkeiten. Florian Illies berichtet hier über das Jahr 1933 der Familie Mann. Im Mittelpunkt stehen das erzwungene Exil, der Verlust der Heimat und die schwierigen Versuche, Besitz und Existenz ins Ausland zu retten. Das Buch macht auch sichtbar, dass Thomas Mann die politische Lage zunächst falsch einschätzte. Als gefeierter Schriftsteller und Nobelpreisträger glaubte er, das Exil sei für ihn nur vorübergehend und eine Rückkehr nach Deutschland bald wieder möglich. Eine Rückkehr war aber unmöglich, was die Unsicherheit und Zerrissenheit dieser Zeit deutlich macht. Ebenso wird deutlich, wie privilegiert die Familie Mann im Exil war. Trotz Flucht und Unsicherheiten konnten sie weiterhin ein vergleichsweise komfortables und abgesichertes Leben führen, was einen ziemlichen Kontrast zu den Erfahrungen vieler anderer Exilanten darstellt
Für mich schwierig zu lesen
Im Februar 1933 reisen die Manns in die Schweiz, um den Nazis aus dem Weg zu gehen. Ihnen ist nicht bewusst, dass dies der Anfang eines sehr langen Exils ist. Thomas Mann ist lange der Meinung, dass der Nationalsozialismus nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Nach einiger Zeit reisen Sie nach Sanary weiter, um dort den Sommer zu verbringen. Ich habe mir mit der Rezension zu diesem Buch sehr schwer getan, denn ich konnte mich an den Schreibstil nicht gewöhnen. Er ist im Stil eines Sachbuches, bzw. einer Dokumentation gehalten. Aufgrund dieses distanzierten Schreibstils blieb mir die Familie Mann fremd. Ich war ein Betrachter aus der Ferne. Interessant ist das Buch aber schon. Die Manns sind einfach eine besondere Familie und die gute Recherche von Florian Illies trägt dazu bei dies zu verdeutlichen. Alle, die gerne Dokumentation über interessante Persönlichkeiten lesen, sind bei diesem Buch genau richtig.
Mit den Manns auf der ersten Station ihres Exils
Dieses Buch verführt dazu, sich in die Familie Thomas Manns hineinzudenken. Man ist irgendwie immer hautnah dabei. Faktenreich und verspielt führt Florian Illies nach Sanary mit allen unterschiedlichen Charakteren im frühen Exil. Das fasziniert und lädt ein, weiter in die Familiengeschichte und in die Romane der diversen Autor*innen der Familie einzutauchen. Was kann ein literarisches Sachbuch mehr erreichen?
Lesende erhalten einen umfassenden Einblick in das Exilleben der Familie Mann und werden konfrontiert mit vielschichtigen inter- und intrapersonalen Konflikten. Besonders gelungen ist die Darstellung und Verflechtung vieler verschiedener Familienmitglieder, aber auch solche von Personen, die nicht zur Familie Mann gehören. Über allem schwebt der Zeitstrahl des Jahres 1933, der politisch und gesamtgesellschaftlich Grundlage der Handlung ist.
Description
Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück.
Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad – »Wenn die Sonne untergeht« ist eine große Familienaufstellung: Kaum im unsicheren südfranzösischen Exil angekommen, will Thomas Mann eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Sein Bruder Heinrich hingegen genießt die Freiheit des Südens. Dazwischen die sechs Kinder von Thomas und Katia: Der eine, Michael, spielt Tag und Nacht Geige, der zweite, Klaus, gründet eine Exil-Zeitschrift, die dritte, Elisabeth, badet und genießt die Zeit ohne Schule. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt den Besitz der Manns aus München über die Grenze, Golo holt das Geld von den Konten und versorgt den vergessenen Hund. Und Monika? Sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.
Florian Illies erzählt von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis , von Trotz und Leidenschaft . Von Wehmut und vom Überlebenswillen, obwohl die alte Welt einzustürzen droht. Und er erzählt von der großen Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas.
»Ich glaube«, sagte Marcel Reich-Ranicki, »dass es in Deutschland im 20. Jahrhundert keine bedeutendere, originellere und interessantere Familie gegeben hat als die Manns.« In Sanary ist diese außergewöhnliche Familie in einem absoluten Ausnahmezustand – alle werden das erste Mal gezwungen, sich zu bekennen. Zueinander. Zu Deutschland. Oder auch, so traurig es ist: Dagegen.
Book Information
Author Description
Florian Illies, »der große Geschichtenerzähler« (»Süddeutsche Zeitung«) begründete mit seinem Welterfolg »1913« ein neues Genre. Ihm folgten bei S. FISCHER das inzwischen in über zwanzig Sprachen übersetzte Buch über die 1920er und 1930er Jahre »Liebe in Zeiten des Hasses« (2021) sowie der große Nr. 1-Bestseller über die Sehnsuchtsbilder Caspar David Friedrichs, »Zauber der Stille« (2023).Geboren 1971, studierte Florian Illies Kunstgeschichte und Neuere Geschichte in Bonn und Oxford. Er wurde 1996 Redakteur der »FAZ«, war Feuilletonchef der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« und leitete ein Kunst-Auktionshaus. Heute ist Illies einer der Herausgeber der »ZEIT« und lebt als Autor in Berlin. Sein Kunst-Podcast »Augen zu« (gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo) gehört zu den meistgehörten Podcasts deutscher Sprache.
Posts
Biografischer Roman Der Autor beschreibt in einem schönen und sehr unterhaltsamen Stil die Nöte und Freuden der illustrieren Exilschriftsteller und ihrer Familien, die im Sommer 1933 gezwungenermaßen in Sanary sur mer in Südfrankreich strandeten. Dazu hat er in Tagebüchern und Briefen der Dichter, ihrer Frauen und Kinder recherchiert. Hochinteressant sind die verschiedenen Blickwinkel aufeinander und vor allen Dingen auf die Geschehnisse in Deutschland. Die Protagonisten sind Thomas und Heinrich Mann, Arnold Zweig, Leon Feuchtwanger, Bert Brecht und einige andere Schriftsteller Künstler und Fotografen. Wer wissen will, wie steif es in der Familie Mann zugegangen ist, wer einiges über die sexuelle Freizügigkeit von Heinrich Mann und von Brecht oder Feuchtwanger wissen will, wer Genaueres über die Ursache der Drogensucht von Manns Kindern erfahren will, wird in diesem Buch mit Sicherheit fündig. Sehr lesenswert
Da ich von den " Buddenbrooks" so begeistert war, und auch dieses Jahr von Thomas Mann lesen möchte, war dieses Buch ein sehr interessanter und unterhaltsamer Bericht über die Zeit der Manns im Exil. Der Schriftsteller beschreibt sehr anschaulich und lebendig die einzelnen Familienmitglieder und deren meist doch sehr schwierigen Beziehungen zueinander, vor allem zum Vater. Thomas Mann, zwar genialer Schriftsteller, emotional als Vater aber eher kühl und unnahbar. Gerade die Zeiten in denen das gemeinsame Essen beschrieben wird, ließen mich die beklemmende Stimmung und Hab-Acht-Stellung spüren, vor allem angesichts der ganzen unauffälligen Tricks die nötig waren, um auf die Befindlichkeiten des Vaters nur ja sofort zu reagieren. Leider muss man wohl auch hier beide Persönlichkeiten trennen, den begnadeten Schriftsteller und den familiär eher unterkühlten, sehr fordernden Familienvater. Eine Empfehlung von mir.
Sachbuch getarnt als Roman - oder Roman mit vielen Sidefacts?
Spannends Porträt der Familie Mann im Sommer von 1933. Ich mochte das Buch v.a. thematisch. Mit Illies Schreibstil kann ich mich allerdings nach wie vor nicht wirklich anfreunden (‚Zauber der Stille’ hatte ich deswegen abgebrochen). Dieser Mix aus Sachbuch und Roman wirkt auf mich, als möchte man einen leicht zugänglichen Roman schreiben, zwischendurch aber immer wieder Fakten einbauen ohne sie wirklich in die Geschichte verweben zu können. Ich persönlich lese dann lieber direkt ein Sachbuch. Wer aber genau die Mischung sucht, ist mit Illies sicher gut bedient. Er ist nicht umsonst so beliebt!
Heute möchte ich euch die Biografie 'Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary' von Florian Illies aus dem Jahr 2025 vorstellen. Das Buch schildert die Jahre, in denen die Familie von Thomas Mann im französischen Exil in Sanary-sur-Mer lebt, nachdem sie vor den Nationalsozialisten geflohen ist. Im Mittelpunkt stehen ihr Alltag, ihre innerfamiliären Spannungen und die Begegnungen mit anderen Exilierten. Dabei wird eindrücklich gezeigt, wie stark politische Umbrüche das private Leben prägen und verändern. So entsteht das vielschichtige Porträt einer berühmten Künstlerfamilie in einer Zeit zwischen Verlust, Anpassung und Hoffnung. Besonders überzeugt hat mich der klare und unaufgeregte Schreibstil, der dennoch eine bemerkenswerte Nähe zu den Figuren schafft. Anstelle großer Ausschmückungen setzt der Autor auf präzise Beobachtungen und fein gesetzte Details, die das Geschehen lebendig wirken lassen. Die Figuren, allen voran Thomas Mann und seine Familie, werden differenziert und greifbar dargestellt, ohne verklärt zu werden. Gerade die Dynamiken innerhalb der Familie sowie die Begegnungen mit anderen Exilierten verleihen dem Buch zusätzliche Tiefe. Inhaltlich konzentriert sich das Werk auf die Zeit im Exil und macht spürbar, wie sehr politische Entwicklungen in das Privatleben hineinwirken. Themen wie Identität, Anpassung und Verlust stehen im Zentrum und werden von einer ruhigen, nachdenklichen Atmosphäre getragen, in der jedoch stets eine unterschwellige Spannung mitschwingt. Besonders gelungen ist dabei, wie informativ das Buch ist, ohne jemals trocken zu wirken. Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Obwohl ich die großen Romane von Thomas Mann schätze, sie mir aber oft zu langatmig sind, konnte mich diese biografische Annäherung deutlich mehr fesseln. Die Einblicke in das Leben der Familie und die geschilderten Begegnungen sind nicht nur höchst informativ, sondern auch angenehm schlicht und zugänglich erzählt. Die Zielgruppe sind vor allem literarisch interessierte Lesende sowie alle, die sich für Exilliteratur oder die Familie Mann interessieren. Ich kann das Buch klar empfehlen, insbesondere Fans von Thomas Mann. Insgesamt vergebe ich 4,5 von 5 Sterne ✨️

Thomas Mann im Exil
worum geht es: Es ist das Jahr 1933 und Thomas Mann befindet sich gerade auf Lesereise mit Gattin Katia, als er eine Warnung aus der Heimat erhält. Seine Kinder Edith und Klaus bitten die Eltern, unbedingt Deutschland fern zu bleiben und tatsächlich ergreifen die Nazis kurz darauf die Macht. Die Familie inklusive sämtlicher Kinder und Bruder Heinrich Mann fliehen ins Exil nach Südfrankreich. Von dieser Zeit von Februar bis September 1933 handelt die Biographie von Thomas Mann, seiner Familie und dem Umgang mit Entwurzelung und Vertriebensein. Mein Leseeindruck: Ich wusste ehrlich gesagt nicht viel von Thomas Mann außer seinem Geburtsort und seinen Werken. Dass er homosexuell war, hatte ich auch schon irgendwo gelesen. Dass er aber verheiratet war und sechs Kinder bekommen hat um seine Vorlieben nach Außen zu maskieren, war mir nicht bekannt. Auch nicht, das er die offene Homosexualität einem Teil seiner Kinder zugebilligt hat. Die Manns sind eine interessante Familie, die sich in kein Schema pressen lassen. Thomas, von seinen Angehörigen als "der Zauberer " betitelt, hatte Lieblingskinder, besonders Tochter Elisabeth war sein ein und alles. Die ungeliebten Kinder hat er es deutlich spüren lassen, so dass diese noch bis ins Erwachsenalter um seine Gunst kämpfen. Diesen Kindern hat Florian Illies hier ein kleines Denkmal gesetzt. Immer wieder weist er darauf hin, dass Sohn Golo Gelder und literarischen Manuskripte des Vaters ins Exil transferiert hat. Ohne Dank und ohne Anerkennung. Tochter Monika wurde generell übersehen, Michael Mann geigte um sein Leben um den Übervater zu beeindrucken und der sensible und drogenabhängige Klaus Mann steht im Schatten des Vaters, literarisch und persönlich. Florian Illies schreibt mit humorvoller aber spitzer Feder über Thomas Mann, der große Nobelpreisträger, der im Exil beleidigt und ungesehen ist und keine klare Stellung gegen den Nationalsozialismus in Deutschland bezieht. So richtig kann sich Mann mit der neuen Situation nicht anfreunden und trauert dem alten Deutschland hinterher. Allerdings ist die Sprache auch das Fundament eines Schriftstellers. Es ist verständlich, dass Thomas ins Straucheln geraten ist, während Bruder Heinrich einfach weiter macht. Ich mochte diese Biographie, die mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde, sehr. Ich kann mir vorstellen, wie Florian Illies, der sehr gut anhand Briefe, Tagebucheinträgen und weiterer Dokumente recherchiert hat, insgeheim Freude empfunden hat, dem großen Meister neben der Würdigung auch ein paar kleine Seitenhiebe zu verpassen. Daher hat mir das Lesen aus sehr viel Spaß gemacht!
Mal wieder sehr locker und flüssig geschrieben, witzig, unterhaltsam, bildhaft. Aus meiner Sicht aber nicht sein stärkstes Buch.
Nach dem großen Lesevergnügen „1913“ und „Liebe in Zeiten des Hasses“ hatte ich hohe Erwartungen. Dass die Familie Mann mir vielleicht noch einen Ticken näher, lebendiger und bildhafter erscheint, als sie es dann beim Lesen tatsächlich tat. Es ist schon eine illustre Familie und es ist sicherlich gut, etwas über sie und ihre Emigration 1933 zu erfahren und zu wissen. Sympathisch werden mir Thomas und Katia Mann aber nicht. Das mag auch nicht die Idee oder die Aufgabe des Buchs sein, aber ja. Florian Illies hat jedenfalls ganze Arbeit geleistet und toll recherchiert und erzählt. So einem Erzähler folge ich beinahe egal wohin! Bereichernd und unterhaltsam.
Florian Illies, (und) der Zauberer
1933- die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer mehr zu. Einer kann es noch nicht wahrhaben: Thomas Mann. Er und seine Familie können nicht mehr in die Heimat zurückkehren. Wie viele Künstler verbringen sie den Sommer in Sanary-sur-Mer. Illies erzählt in seinem Werk wieder sowohl unterhaltsam die skurrile Realität und die Schrullen des großen Autors als auch die tragischen Seiten der Flucht und Vertreibung. Hinzu kommt die ebenfalls tragische Familiendynamik der Manns, die alle um die Anerkennung des Vaters buhlen. An diesem Einzelschicksal wird gezeigt, wie verstörend die Flucht und der Heimatverlust sind - selbst wenn die Manns sicherlich ein sehr privilegiertes Beispiel darstellen. Der Vorzug von Illies Genre ist, dass man all die Details vor Augen geführt bekommt, die zu unbedeutend für die Geschichtsbücher sind, aber das Schicksal der Menschen maßgeblich bestimmen. Empfehlenswert ist das Buch „Marseille 1940“ von Uwe Wittstock als eine Art Fortsetzung zu lesen, das die Eindrücke noch vertieft und steigert.

Vertreibung ins Paradies
Florian Illies folgt in „Wenn die Sonne untergeht“ der Familie Mann nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ins französische Exil. In poetisch-zarter Sprache ist ihm dabei eine atmosphärische und auch amüsante Mischung aus Biografie und Fiktion gelungen. Man merkt jeder Seite die akribische Recherche an, für welche Illies zahlreiche Tagebücher – unter anderem bislang unbekannte von Golo Mann und Arnold Zweig – studiert hat. Genau zeichnet er jene wechselhaften und ereignisreichen Monate zwischen Februar und September 1933 nach und entwirft dabei das Bild einer berühmten Familie im Ausnahmezustand. Während im Deutschen Reich der nationalsozialistische Terror erodiert, wächst die Exilgemeinde im südfranzösischen Fischerdorf Sanary-sur-Mer kontinuierlich an. Lion Feuchtwanger, Aldous Huxley, Bertolt Brecht, René Schickele und Heinrich Mann vertreiben sich die Zeit mit nervösem Amüsement – irgendwo zwischen Existenzangst und Zerstreuung. Sie genießen ihr Idyll und versuchen, ihr aufgewühltes Inneres mit Badenachmittagen, Abendgesellschaften und frivolen Ausschweifungen zu verdrängen. Der Kontrast dieser kleinen Parallelgesellschaft zu dem Grauen, welches sich da gerade in Deutschland zusammenbraut, könnte nicht größer sein. Neben dem Umbruch in Deutschland vollzieht sich auch ein Umbruch innerhalb der Familie Mann. Zum einen in Thomas Mann selbst, der nicht nur nach einem geografischen Ort zum Weiterleben, sondern auch nach seinem eigenen moralischen Standpunkt sucht. Er verurteilt die Nazis zwar in seinen Tagebüchern, möchte aber seine Heimat Deutschland und vor allem seine deutsche Leserschaft nicht verlieren. Die Unsicherheit des Vaters führt dazu, dass seine Kinder, die immer unter seiner Dominanz gelitten haben, nun Freiräume erhalten: Erika und Klaus engagieren sich politisch, Golo kann einen Teil des Familienvermögens retten. Das schafft Erleichterung. Zwar kann der Sommer an der Côte d’Azur die familiären Spannungen nicht völlig auflösen, doch er zwingt alle Mitglieder der Familie Mann, sich existenziellen Fragen zur eigenen Zukunft zu stellen.

Ein Meisterwerk!
Wow, in weniger als 30 Stunden habe ich dieses Buch verschlungen, obwohl es alles andere als leichte Kost ist. Erzählt wird das Jahr 1933. Das Jahr, in dem Thomas Mann samt Ehefrau Katia auf Vortragsreise gehen und nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Die Nazis sind in Deutschland auf dem Vormarsch, auch wenn Thomas Mann meint, dieses Phänomen würde sich in wenigen Monaten erledigen, beginnt eine jahrelange Flucht. Florian Illies kann wunderbar erzählen, man fühlt sich, als säße man tagtäglich am Esstisch der Manns, als wäre man dabei, wenn Tagebucheinträge geschrieben werden und Briefe hin und hergeschickt werden. Einziger, kleiner Kritikpunkt: sehr oft wird auf Fotomaterial verwiesen, es werden Fotos beschrieben und die Entstehungsgeschichte erklärt, jedoch gibt es leider keinen Bilderteil. Auch Internetrecherche bringt nicht viel. Trotzdem ein wunderbares Buch, bisher das beste Buch, das ich von Florian Illies gelesen habe.
Das Leben einer intellektuellen Elite im Exil.
Florian Illies hat etwas geschafft: mit einen erfrischenden, einzigartigen und leichten Schreibstil bringt er dem Leser nicht nur Thomas Mann und seine faszinierende Familie, sondern auch das Leben und Leiden eines erhabenen Kreises von Literaten und Künstlern im französischen Exil näher. Das Buch handelt, zeitlich klar umrissen, von den ersten Jahren der Familie Mann im Exil, zur Zeit des Vorabends des 2. Weltkrieges. Die Atmosphäre ist düster, der nationalsozialistische Terror in der Heimat macht die Exilanten (und den Leser) fassungslos. Zum öffentlichen Bekenntnis gegen die Nationalsozialisten lässt sich der Schriftsteller Mann aber keinesfalls hinreißen, aus karrieretaktischen Gründen. Kurzum: das Buch beschreibt eine Familie im Ausnahmezustand in den schrecklichsten Jahren der deutschen Geschichte. Ein Buch über ein Denkmal der deutschen Kulturgeschichte, Thomas Mann, zu schreiben ist sicherlich eine Herausforderung. Gibt es wirklich noch Neues zu erzählen? Ja, ist die klare Antwort. Die Herangehensweise von Florian Illies konnte mich überzeugen. Er beschreibt sprachlich gewandt, kurzweilig und hervorragend verdichtet Altbekanntes mit neuartigen Aspekten. Manchmal erscheinen die Informationen über alle sechs Kinder, inklusive Onkel Mann und Gefolge, etwas klatschhaft, welches die teils schweren Themen jedoch auch auflockert. Die gelungene Mischung aus Sachverstand und humoristischer Prosa lässt den Leser durch die Seiten fliegen und erzeugt, neben der Entfaltung eines spannenden Plots, ganz nebenbei Wissen und Erkenntnisse. Was im Detail auf Tatsachen beruht und was Romanfiktion ist, ist fließend und nicht trennscharf, welches das Lesevergnügen jedoch nicht mildert. Thomas Mann erklärte der Welt einmal: … wo ich bin, da ist Deutschland. Ich möchte hinzufügen: wo Florian Illies schreibt, ist ein außergewöhnliches Sachbuch zu finden.

Wenn es dunkel wird
1933 kommen die Nazis an die Macht und Familie Mann verbringt den Sommer notgedrungen in Sanary. Das Buch bietet Einblick wie Thomas Mann, seine Frau Katia und seine Kinder mit der Niedertracht der Nazis umgehen ohne zu wissen, ob sie jemals nach Deutschland zurückkehren können.
Ein sehr spannender Einblick in die Irrungen und Wirrungen der Familie Mann in den 1930er Jahren. Dazu erfährt man noch kurzweilig viele Einblicke in die Affären und Lebenswege der vielen Emigranten aus Nazideutschland. Trotzdem werde ich bei diesem „Genre“ das Gefühl nicht los, dass es am Ende auch nur eine etwas wissenschaftlichere Fan Fiction ist. Oder sowas wie die intellektuelle Version vom Sommerhaus der Stars. Aber dem Voyeurismus konnte ich mich nicht verwehren.
Welt(literatur)geschichte beiläufig erzählt - Weihnachtsgeschenk-Empfehlung!
Auch in seinem neuen Epochenroman „Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary“ gefällt mir Florian Illies mit seinem unverkennbaren, illustren, manchmal ironischen und machmal melancholischen Schreibstil. Erzählt wird die Zeit der Familie Mann 1933 im Exil im französischem Sanary-sur-mer. Das kleine Örtchen an der französischen Mittelmeerküste, war in diesem Jahr ein Zufluchtsort vieler deutscher Literaten und Literatinnen, die sich auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus befanden. So auch für Thomas Mann und seine Familie. Illies erzählt auch hier, wie in seinen anderen Büchern, den aus Tagebucheinträgen überlieferten und mit fiktiven Ausschmückungen angereicherten Alltag der Protagonisten. Hierbei gelingt es Illies (wie üblich) unglaublich gut, mit den fiktiven Anreicherungen die Stimmung, Gemütslage und Gedankenwelt zu beschreiben, so dass man den Eindruck bekommt, es war wahrscheinlich wirklich so. Natürlich kommt auch die, wie soll man sagen, „Verkorkstheit“ der Familienmitglieder der Manns zum Vorschein - geht ja nicht anders. Immer wieder erstaunlich, wie Thomas Mann mit einem Familien- und Frauenbild aus dem 19 Jahrhundert aber auch mit seinen „Marotten“, Zwängen und Neurosen sein Umfeld an den Rande des Wahninns trieb - Nobelpreis hin oder her; Weltliterat hin oder her. Und wieder einmal wird deutlich, in welchem „Luxus“ das Ganze stattfindet, während andere um ihr Leben kämpften. Es ist aber auch sehr oft sehr köstlich, Tagebucheinträge Manns zu lesen, in dem er beispielsweise seine „Befindensminderung“ beschreibt, weil die Verpflegung auf der Reise ins Exil nicht den Ansprüchen genügt oder er eine Erkältung heranzunahen verspürt. Die Organisation der Exil-Reise und die Sicherung des Hausstandes aus München, der Transport des Ganzen und das Aufgeben der Heimat - sehr interessant zu erfahren und sehr schön zu lesen. Nebenbei erfährt man auch einiges über die anderen in Sanary Gestrandeten. Feuchtwangers, Huxleys und auch Brecht schaut mal vorbei. Insgesamt rundum gelungen und eine Leseempfehlung! Sehr schönes Weihnachtsgeschenk!

Überwältigend und informativ.
„Wenn die Sonne untergeht“ liefert einen sehr intensive, informative und nachdenkliche stimmende Begleitung der Familie Mann bei ihrer Auswanderung mit erster Station in Sanary in Südfrankreich. Dort verbringen die Manns mit anderen im Exil gestrandeten Intellektuellen, den Sommer 1933. Gerade mit Rückblick auf die deutsche Geschichte ab dem Jahr 1933 habe ich den Prozess des Begreifens, dass es wirklich kein Zurück mehr gibt, sehr überwältigend gefunden. Ich wusste zwar, dass Thomas Mann emigriert ist, aber das war für mich ein abstraktes Konstrukt. Was das wirklich bedeutet hat, hat Florian Illies gut auf den Punkt gebracht. Sehr bestürzt hat mich die Rolle von Monika in der Familie, aber auch generell, wie sich Thomas Manns Kinder nach seiner seiner Anerkennung und Liebe gesehnt haben, teilweise vergeblich. Und wie Thomas Mann doch von sich überzeugt war, eigentlich ist er mir nicht wirklich sympathisch, aber mal sehen, was sich bei weiterer Auseinandersetzung mit seiner Person noch für Erkenntnisse ergeben. Ich habe mir jetzt einige Sachbücher zur Thematik bestellt und bin neugierig, mehr zu erfahren. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, dass hat mit viel Humor die diversen Maröttchen der Familienmitglieder zum Besten geben. Wunderbar.
Wenn die Welt aus den Fugen ist
Illies kann es wie kein Zweiter. Bei ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Sachbuch und Erzählung, allerdings lediglich aufgrund des süffisanten Erzählstils. Genauer gesagt gelingt es ihm, historische Sachverhalte so ansprechend in Worte zu kleiden, dass er meines Erachtens quasi jede Begebenheit auf höchstem Niveau abbilden könnte. Das gelingt auch dieses Mal. Wir begleiten die bekanntermaßen charakterlich und von der schieren Personenzahl Raum greifende Familie Mann von der Verleugnung, dass in ihrer Heimat die Welt aus den Fugen ist, bis hin ins Exil und dem Umgang mit diesem neuen Leben. Dabei stellt dieses Werk aus meiner Sicht ebenso wie „Thomas Mann macht Ferien“ ein perfektes Einstiegwerk dar, um die komplexen Charakterzüge und teils verwunderlichen, teils nahbaren Dynamiken des Familienclans verstehen zu lernen. Es gelingt zudem, alle Seiten des großen Zauberers darzustellen und sie uns als Lesende abseits der Idolisierung aushalten zu lassen.
»Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder«, diagnostiziert Thomas Mann im Tagebuch ganz nüchtern.
Es ist der 11. Februar des Jahres 1933, mit dem dieses Buch beginnt. Der 28. Hochzeitstag von Katia und Thomas Mann und zugleich der letzte Tag, den sie im vertrauten München auf deutschem Boden verbringen, bevor sie auf eine Vortragsreise zum 50. Todestag – des vom Nobelpreisträgers so geschätzten – Komponisten Richard Wagners quer durch Europa aufbrechen und sich ausgehend davon direkt – ohne es geplant, erwartet oder hat gehofft zu haben – ins Exil begeben. Aber auch an Frankreichs exilantenträchtiger Küste in Sanary gestrandet und den Jetzt-Zustand akzeptierend, möchten die Manns nicht auf ihren gewohnten Anspruch verzichten, von dem andere jedoch nur träumen konnten. In diesen Wochen wird versucht, nicht die Nerven zu verlieren und zugleich immer wieder so gelebt, als wäre ihr Zustand eine freiwillige, zum Spaße ausgelegte Sache. Aber in diesem Buch sollen nicht nur die Geschehnisse Thomas Manns oder des Ehepaars erzählt werden, sondern auch die Geschichten der sechs Kinder sowie der Großeltern von Katia – ein Familienpanorama mit vielen Tragödien. Schließlich eint sie alle das gleiche Schicksal, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Aus unzähligen Briefen, Tagebucheinträgen und Werken der erwähnten Personen, schöpft Illies seine Informationen für dieses Buch und setzt sie gekonnt in einen Zusammenhang, der einen sonst, in dieser fast bildlichen Weise, nicht zugänglich wäre. Wie von Florian Illies schon von seinen bisherigen Büchern gewohnt, ist auch dieses, über ein eigentlich schweres und bedrückendes Thema – den Beginn des Exils der Familie Mann –, nicht nur wahnsinnig toll erzählt, sondern auch mit viel pointiertem Humor und Ironie versehen. Ich bin mir sicher, das hätte Thomas Mann gefallen – was sicher das größte Kompliment für dieses Buch sein kann –, auch wenn er manchmal nicht eben in gutem Licht oder beschönigt da steht, sondern einfach realistisch wie er war.

Der Schreibstil von Illies ist wie immer eingängig, der Vortrag des Hörbuchs gelungen. Mir ging es darum, mir einen Eindruck von der familiären Bande der Manns zu verschaffen. Dieses Ziel war nach gut einem Drittel erreicht. Dann wurde mir die Zahl der Nebendarsteller zu unübersichtlich und die Handlung verlor sich zu sehr in Details. Deshalb Abbruch.
Florian Illies hat mal wieder geschafft ein wirklich interessantes Buch in leichten Plauderton zu schreiben. Und auch wenn das Thema doch eigentlich ein düsteres ist, so schafft er es doch das man an der einen oder anderen Stelle schmunzeln muss, speziell wenn es um Thomas Manns Befindlichkeiten geht und seine doch sehr norddeutsche, zurückhaltende Art Gefühle auszudrücken.
Ich habe dieses Buch bei 55 % abgebrochen. Trotz der vielen positiven Bewertungen fand ich es aktuell einfach zu mühsam zu lesen. Die Geschichte dreht sich um die Familie on Thomas Mann, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Frankreich flieht. Thomas Mann wird als eingebildete und unsympathische Person dargestellt. Von seinen sechs Kindern bekommt nur eines seine Nähe, während die anderen verzweifelt versuchen, seine Wertschätzung und Liebe zu gewinnen. Besonders schockierend fand ich, dass alle älteren Kinder schwere Drogen konsumieren. Was es für mich endgültig schwierig gemacht hat, war die Vielzahl an Figuren – man verliert schnell den Überblick.
Familie Mann und andere Persönlichkeiten in Sanary.
Leicht und unfassbar schön geschrieben. Am Anfang dachte ich noch: "Mensch sind das viele verschiedene Personen und Namen." Aber man kommt doch mit der Zeit recht gut damit zurecht. Leider hab ich viel zu spät gesehen, dass hinten im Buch ein Stammbaum ist. Den hätte ich mal gerne gleich am Anfang gehabt. Es hätte einiges einfacher gemacht 🤣 Es war mein erster Einblick in das Leben der Mann's. Und es hat mich sehr überrascht, was da alles in dieser kurzen Zeit passiert ist. Es sind ja nicht nur die Mann's in Sanary, sondern auch Aldous Huxley und andere Persönlichkeiten. Ein Einblick in deren Leben bekommt man gleich dazu. Als Mensch finde ich Thomas Mann schwierig, wenn man bedenkt wie er zu seinen Kindern war. Die Einblicke, die dieses Buch gibt sind von unfassbar bis verstörend.

Ein Sommer mit Thomas Mann und seiner Familie
Florian Illies schafft es eine Atmosphäre zu schaffen, in der wir die Hitze spüren und die schlechte Laune des ins Exil vetriebenen Thomas beinahe mitempfinden. Der Schreibstil ist flüssig und gut gelesen. Die Figur von Thomas Mann selbst ist mir im Buch aber irgendwie so unsympathisch gewesen, dass ich keine Verbindung zum Buch aufbauen konnte. Auch die Darstellung von anderen jüdischen Verfolgten zu dieser Zeit fehlt mir an dieser Stelle. Insgesamt ein Buch, was man gut nebenbei und auch mit Pausen hören kann. Interessant ist es auch, wie es den anderen Familienmitgliedern zu dieser Zeit ergangen ist. Es ist auch eine Familiengeschichte für mich.
Sommer mit den Manns
Als begeisterter Florian-Illies-Fan habe ich mich riesig auf das neue Buch gefreut. Mit Thomas Mann verband ich bislang nur dröge Schullektüre, die ich kaum verstanden habe. Umso gespannter ist war ich, ob der Schriftsteller mir mun näher sein könnte. Illies schafft es, das Leben der Manns plastisch vor Augen zu führen, was sie nach der Flucht aus Deutschland im herrlich Süden Frankreichs einen Sommer lang verbringen. Sein Stil ist manchmal lakonisch, immer wortgewandt und voller Sprachwitz. Die Tagebuchaufzeichnungen von vielen Manns und anderen Exilanten (Brecht, Feuchtwanger, Zweig) hat er akribisch studiert und flechtet sie passend ein, das ist schon beeindruckend. Es bleibt für mich ein Gefühl, die Familie Mann ein wenig besser kennengelernt zu haben. Trotzdem bleibt ein Stück Distanz aufgrund der „verstörenden Kältekammer“ dieser Familie.
Sehr hörenswert. Familie Mann geht ins Exil. Verschiedene Einblicke und Sichtweisen der Familie Mann und dem Nationalsozialismus. Die Familie ist so skurril, vor allem Thomas Mann. Was so in „seiner Welt“ wichtig ist, wo man echt den Kopf schüttelt. Sie waren sehr privilegiert in dieser Zeit und wie empathielos sie miteinander und anderen umgingen, fand ich sehr erschreckend und traurig. Den Sprecher fand ich ausgezeichnet und passte perfekt.
Absolut hörenswert. Und garantiert auch absolut lesenswert: 👍👍👍👍👍
Auch wenn die Rezensenten der grossen Feuilletons zum Teil hart kritisieren: Mir gefällt diese belletristische Biografie über ein Jahr im filmreifen Leben der Manns: Im Frühjahr 1933 spitzt sich die politische Lage in Deutschland zu, was Thomas Mann, sein Frau Katia («Frau Thomas Mann» 🙃) und die sechs Kinder ins Exil von Paris über Arosa nach Sanary-sur-Mer treibt. Florian Illies geizt nicht mit Ausschmückungen und Verkürzungen, aber gerade das und der feine Witz, der mich trotz all des Schreckens der Geschichte immer wieder zum Lachen brachte, macht die Erzählung so toll. Ein schöner Abschluss des Thomas-Mann-Jahres, der Lust macht, 2026 wenigstens einen Wälzer des Zauberers zu lesen.
Toll gelesenes Hörbuch über die faszinierende Familie Mann und ihre Zeit im Exil in Sanary. Sehr bewegen, informativ und aufwühlend vermittelt sehr gut, die innere Zerrissenheit der Exilanten. Mir gefällt besonders auch die Zerrissenheit, und den dargestellten Schmerz über den Verlust der Heimat, die Orientierungslosigkeit, die Fassungslosigkeit über die Hoheit, der Nazis, und den Verlust von würde und Anstand in ihrem ehemaligen zu Hause.
Gute Zusammenstellung
Für mich der beste Illies Man fängt an und kann nicht mehr aufhören. Ich hatte von Sanary sür Mer kurz bei Erika und Klaus Manns Reisebericht Rundherum gelesen und in Klaus Mann Wendepunkt. Das es doch ein wichtiger Ort und Treffpunkt für Emigranten war, war mir nicht klar. Es wird auch Monika Mann nicht vergessen.
Fand es toll. Ich bin seit vielen Jahren ein Familie Mann - Junkie, hab Filme und Dokus geschaut und jede Menge Bücher gelesen- von den Manns ebenso wie über sie. Golos Autobiografien sind sehr lesenswert, aber mein Lieblings- Mann wird immer Klaus sein. ❤❤ Kann seine Bücher nur wärmstens empfehlen. Florian Illies begleitet Thomas und Katia Mann auf ihrer ersten Station im Exil, das malerische Sanary sur Mer. Und er macht es wie gewohnt toll: leicht ironisch, liebevoll, mit kluger Umsicht schildert er die Geschehnisse und erweckt die handelnden Personen zu Leben. Die beginnende Schreckensherrschaft der Nazis, Thomas Manns Ringen mit sich selbst, Klaus und Erikas Kampf gegen das Hitler- Regime, Golos abenteuerliche Sicherung der Tagebücher, Wertgegenstände und Gelder und Monikas verträumtes, saumseliges Dahinleben...alles schildert Florian Illies ganz meisterlich. Ganz schrecklich zu lesen und aufgrund meiner eigenen Kindheit gut nachvollziehbar für mich: die Furcht der Kinder vor den gemeinsamen Mahlzeiten, bei denen Thomas Mann von ihnen erwartete, interessante Beiträge zu hören und gut unterhalten zu werden. Golo fürchtete sich so vor diesen Prüfungen, das er sich immer akribisch mit Zetteln, auf denen Stichpunkte und Sätze standen, vorbereitete. Es war definitiv nicht einfach, sich in dieser Familie zu behaupten.
Wie immer ein tolles Buch von Herrn Illies.
Verstörend, weil man so viel Ähnlichkeiten zu 1933 und heute entdeckt und anrührend wie Thomas Mann beschrieben wird. Als Leser wird die Person Thomas Mann irgendwie greifbarer. Der Charme von Illies Schreibstiel ist wie bei den Büchern zuvor… informativ aber auch etwas Boulevard…
Sehr interessant, auch wenn man nicht der größte Fan der Familie Mann ist. Durch den sehr erzählenden Schreibstil habe ich tatsächlich ein paar Mal vergessen, dass es sich um ein Sachbuch handelt. Die Geschichte wird so flüssig erzählt, dass ein richtig angenehmer Fluss entsteht. Natürlich erhält man einige neue und vielleicht auch überraschende Fakten. Dadurch, dass alle Mitglieder vorgestellt und näher beleuchtet werden, entsteht ein Vielseitigkeit, die keine Eintönigkeit aufkommen lässt. Hat mir gut gefallen!
Florian Illies ist einer DIESER Autor*innen, die einfach ihren ganz eigenen, besonderen Schreibstil besitzen und mit ihrer Erzählkunst alle in den Bann ziehen. Meisterhaft verbindet Florian Illies extrem fundierte Recherche mit seiner Kunst, Geschichten zu erzählen. »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« und »IM ZAUBER DER STILLE« zeigen dies großartig. Wenn Florian Illies also ein neues Buch veröffentlicht, will ich es unbedingt lesen. »Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary« beleuchtet intensiv und facettenreich das Leben der Familie Mann — im Fokus der unsympathische und egozentrische Familienpatriarch Thomas Mann — im Schicksalsjahr 1933. Interessant fand ich, wie unterschiedlich (und auch privilegiert) alle Familienmitglieder mit der Machtergreifung der Nazis umgegangen sind. Florian Illies zeigt einmal mehr, wie gut er Geschichten erzählen kann. Ich persönlich hätte nicht mehr Informationen zu Thomas Mann benötigt, aber wollte auch nicht das neue Buch verpassen. Ein spannendes Buch für alle, die bei »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« noch mehr von Familie Mann lesen wollte und natürlich alle Mann-Fans (und damit hoffe ich vor allem, dass es Fans von Klaus & Erika sind 😌). Mein Fazit: Ich werde auch weiterhin alles von Illies lesen, dieses hier gehört aber nicht zu meinen Favoriten.

Das Thomas Mann Jahr neigt sich dem Ende zu. Natürlich durfte neben einem Werk des Zauberers persönlich auch eine Lektüre über ihn nicht fehlen. Ging es in Thomas Mann macht Ferien trotz Krieg noch recht friedlich zu, schaut die Welt in Florian Illies‘ Wenn die Sonne untergeht schon etwas anders aus. Thomas Manns politische Einstellung hat sich grundlegend geändert, er ist nun glühender Verfechter der Demokratie. Dies macht ihn in den Augen der an die Macht kommenden Nationalsozialisten aufgrund seiner großen Prominenz zu einem gefährlichen Gegner. Eigentlich mehr durch Zufall befinden sich Thomas und seine Frau Erika zum Zeitpunkt der Machtübernahme im Ausland. Der Nobelpreisträger möchte nämlich zunächst nicht wahrhaben, was sich in seiner Heimat abspielt und wie schlimm die Dinge tatsächlich sind. Sein Bruder Heinrich ist in dieser Sicht schlauer, er schlägt gerade noch rechtzeitig die Flucht ein. Die sechs Kinder von Erika und Thomas sind teilweise bei ihnen, teilweise in Deutschland, teilweise anderweitig im Ausland. Erst nach mehreren Monaten versammeln sich alle in Südfrankreich. In dem kleinen Ort Sanary landen sie auch eher zufällig. Dort halten sich auch einige andere Intellektuelle auf, die meisten ebenfalls auf der Flucht. Ich habe schon einige Bücher von Florian Illies gelesen und mag seinen Stil sehr. Er schreibt sehr elegant, oft auch mit einer gewissen Prise Humor oder leichter Ironie. Er berichtet in kurzen, sorgfältig recherchierten Abschnitten. Bei ihm wird die Geschichte lebendig, die Personen erwachen zum Leben. Er beschönigt auch nichts. Thomas Mann kommt, um es etwas flapsig auszudrücken, nicht besonders sympathisch rüber, ganz besonders nicht, wenn man im Anhang vom Schicksal seines Sohnes Michael liest. Es mag der bessere Schriftsteller sein, sein Bruder Heinrich jedoch ist mir menschlich der liebere. Wer noch nichts über oder von Thomas Mann gelesen hat, für den oder die ist dieses Buch ein guter Einstieg. Gleiches gilt für alle, die Florian Illies noch nicht kennen. Hier ist das Personal begrenzter als beispielsweise in 1913. Neben der Familie Mann (die an sich schon recht umfangreich ist) gibt es zwar immer noch etwa zwei Dutzend Personen, trotzdem ist alles überschaubarer.
4.5 ⭐️Das reinste Lesevergnügen mit vielen interessanten Informationen. Florian Illies gelingt mit "Wenn die Sonne untergeht" ein faszinierendes, lebendiges Porträt der Familie Mann im Sommer 1933, unmittelbar nach ihrer Flucht ins Exil nach Sanary-sur-Mer.Anstatt eines staubtrockenen Geschichtsbuches erhält man einen poetischen, kurzweiligen und amüsanten Streifzug durch diese entscheidenden Monate. Illies montiert Anekdoten, Fakten und Zitate (oft aus unveröffentlichten Tagebüchern) zu einem packenden Erzählstrom.Schön war es auch, gedanklich nochmal zurück nach Litauen nach Nidden (Nida) an die Kurische Nehrung zu reisen. Dort kann man auch das Thomas Mann Haus besuchen. https://www.bpb.de/themen/europaeische-geschichte/geschichte-im-fluss/135669/das-thomas-mann-haus-in-nida/http://thomas-mann-haus.de/https://www.goethe.de/ins/lt/de/m/kul/sup/thm/pub/26716016.htmlBislang habe ich nur "Der Tod in Venedig"(3.5⭐️) und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"(5⭐️) von Thomas Mann gelesen. Als nächstes möchte ich nun "Der Zauberberg" und "Die Buddenbrooks" lesen. Von Heinrich Mann liegt schon ewig "Der Untertan" und "Professor Unrat" und von Klaus Mann "Mephisto" auf dem "Stapel ungelesener Bücher". Dank Florian Illies Werk bin ich nun wieder daran erinnert worden, diese Werke endlich mal zu lesen.
"Das Kindermädchen weint dicke Tränen und flüstert: 《Du kommst gewiss nie wieder.》 Doch wie immer wischt Medi solche Sorgen mit einem Lächeln weg und verspricht, dass man sich natürlich bald wiedersieht, sobald die Zeiten besser geworden sind." Es ist der 11.Feburar 1933 Thomas und und Katia Mann, denken dass sie nur auf eine kurze Lesereise nach Amsterdam und Paris fahren werden. Doch am Ende werden sie ihr geliebtes Haus in Poschingerstraße 1, in München nie wieder sehen. Es ist das Jahr als sich in Deutschland alles von heut auf morgen verändert. Hitler ist Kanzler, die Nazis streben nach immer Macht und versuchen alle Gegenspieler aus dem Weg zu räumen. Die ersten Bücher brennen und die jüdische Bevölkerung verliert immer mehr Rechte. Die Kinder der Manns erkennen und handeln sehr schnell und halten ihre Eltern davon ab zurück nach München zu gehen. Die ungewollte Emigration beginnt in der Schweiz, währt einen Sommer in Südfrankreich in Sanary - sur - Mer, um dann wieder zurück in die Schweiz, in die USA und in der Schweiz endgültig zu enden. Der Sommer in Sanary ist für die ganze Familie Mann auffühlend. Thomas kann sich schwer mit der Situation abfinden, kann die Sprache nicht, will zurück in sein geliebtes Deutschland. Als seine Tagebücher endlich in Frankreich ankommen, kann er sein Buch "Joseph und seine Brüder" beenden. Am Ende freundet er sich dennoch irgendwie mit dem Sommer an. Typisch für Florian Illies bleibt er wieder in einem Jahr hängen und zeigt ein echt detaillierten Einblick in das Leben der Familie Mann, mit allen seinem Freuden, Trauer, Verworrenheiten, Familienkonstellationen, Zuneigungen und Abneigungen. An manchen Stellen habe ich ein wenig den Überblick verloren, wer wie zu dem anderen, sprich zu Thomas Mann, steht. Aber es ist ein typischer Florian Illies - ob als Roman oder Sachbuch, sehr lesenswert.
Sommer, Exil, Mann Familienchaos am Mittelmeer
Dieser Sommer in Sanary fühlt sich an wie ein Roman, der erst harmlos beginnt und dann plötzlich die ganze Weltgeschichte in die kleine Küche einer völlig überforderten Familie stopft. Man sitzt quasi mit den Manns am Tisch, schwitzt mit ihnen und fragt sich leise, warum Thomas Mann eigentlich ständig so tut, als könne er jederzeit wieder in seine Münchner Villa zurückspazieren. Ein Teil von mir wollte ihm dauernd sagen: „Bruder, der Zug ist abgefahren.“ Illies erzählt das alles mit einer Gelassenheit, die einen fast irritiert. Einer spielt Geige, der andere schmuggelt Sachen über Grenzen, jemand vergisst den Hund — und trotzdem wirkt jeder Moment wie eine Mischung aus Drama, Urlaub und Familienwahnsinn. Das Exil fühlt sich hier nicht wie ein großes geschichtliches Konzept an, sondern wie ein chaotischer Sommer, in dem jeder versucht, irgendwie klarzukommen. Besonders stark sind die kleinen Mini-Szenen: ein Blick, ein trockener Kommentar, das Klirren eines Glases beim Abendessen. Man merkt, wie viel Wehmut zwischen den Zeilen hängt, aber gleichzeitig dieser Trotz, der einem sagt: „Okay, die Welt brennt, aber wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Und ja, manchmal musste ich sogar lachen — was bei dem Thema eigentlich unangebracht ist, aber Illies macht’s möglich. Einziger Punkt, der mich echt wurmt: Das Zerwürfnis zwischen Klaus und Erika hätte mehr Kante vertragen. Da steckt so viel Sprengstoff drin, aber an einigen Stellen bleibt es mir zu handzahm. Trotzdem: Das Buch packt einen. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern mit dieser leisen Intensität, die nachwirkt. Ein Sommer im Ausnahmezustand, der mehr sagt als so mancher politische Essay. Wenn man historische Stoffe mag, aber nicht einschlafen will — genau hier zugreifen.

"Wenn die Sonne untergeht, binden sie sich die Arme ab und spritzen sich Heroin." (S. 144)
"Wenn die Sonne untergeht – Familie Mann in Sanary" unterhält bestens, stimmt gleichzeitig nachdenklich, bildet nebenbei und macht froh, Thomas Manns Tagebücher nicht selbst lesen zu müssen – ein typischer Florian Illies eben. Leseempfehlung! "Es wäre nun übertrieben, zu sagen, dass sich Sanary über all die Deutschen freut, die da in diesem Frühsommer 1933 in Scharen in ihrem kleinen Örtchen stranden, aber sie sind so höflich, dass sich all die Vertriebenen sofort wohlfühlen. Und abends dann, wenn die Sonne untergeht, sitzen sie friedlich nebeneinander an den Tischen der Cafés und Bistros, und manchmal wechseln sie sogar ein erstes freundliches Wort miteinander." (S. 170) "Wenn die Sonne untergeht in Sanary, dann sieht man manchmal, ganz hinten am Horizont, da, wo der Balken des graublauen Wassers auf die Decke des blaugrauen Himmels trifft, große dunkle Schatten, die sich ganz langsam von rechts nach links bewegen und von links nach rechts. Es sind die großen Kriegsschiffe aus dem benachbarten Militärhafen von Toulon." (S. 171) Eine gekürzte Hörbuch-Fassung gibt es derzeit in der ARD-Audiothek.

Das (Hör)Buch erfordert viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn man wenig über die Familie Mann und deren Umfeld weiß. Das Buch bietet viele interessante und private Einblicke in die Familiendynamik und die unterschiedlichen Persönlichkeiten. Florian Illies berichtet hier über das Jahr 1933 der Familie Mann. Im Mittelpunkt stehen das erzwungene Exil, der Verlust der Heimat und die schwierigen Versuche, Besitz und Existenz ins Ausland zu retten. Das Buch macht auch sichtbar, dass Thomas Mann die politische Lage zunächst falsch einschätzte. Als gefeierter Schriftsteller und Nobelpreisträger glaubte er, das Exil sei für ihn nur vorübergehend und eine Rückkehr nach Deutschland bald wieder möglich. Eine Rückkehr war aber unmöglich, was die Unsicherheit und Zerrissenheit dieser Zeit deutlich macht. Ebenso wird deutlich, wie privilegiert die Familie Mann im Exil war. Trotz Flucht und Unsicherheiten konnten sie weiterhin ein vergleichsweise komfortables und abgesichertes Leben führen, was einen ziemlichen Kontrast zu den Erfahrungen vieler anderer Exilanten darstellt
Für mich schwierig zu lesen
Im Februar 1933 reisen die Manns in die Schweiz, um den Nazis aus dem Weg zu gehen. Ihnen ist nicht bewusst, dass dies der Anfang eines sehr langen Exils ist. Thomas Mann ist lange der Meinung, dass der Nationalsozialismus nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Nach einiger Zeit reisen Sie nach Sanary weiter, um dort den Sommer zu verbringen. Ich habe mir mit der Rezension zu diesem Buch sehr schwer getan, denn ich konnte mich an den Schreibstil nicht gewöhnen. Er ist im Stil eines Sachbuches, bzw. einer Dokumentation gehalten. Aufgrund dieses distanzierten Schreibstils blieb mir die Familie Mann fremd. Ich war ein Betrachter aus der Ferne. Interessant ist das Buch aber schon. Die Manns sind einfach eine besondere Familie und die gute Recherche von Florian Illies trägt dazu bei dies zu verdeutlichen. Alle, die gerne Dokumentation über interessante Persönlichkeiten lesen, sind bei diesem Buch genau richtig.
Mit den Manns auf der ersten Station ihres Exils
Dieses Buch verführt dazu, sich in die Familie Thomas Manns hineinzudenken. Man ist irgendwie immer hautnah dabei. Faktenreich und verspielt führt Florian Illies nach Sanary mit allen unterschiedlichen Charakteren im frühen Exil. Das fasziniert und lädt ein, weiter in die Familiengeschichte und in die Romane der diversen Autor*innen der Familie einzutauchen. Was kann ein literarisches Sachbuch mehr erreichen?





















































