Vaters Meer

Vaters Meer

Hardback
4.054

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Description

Vaters Meer erzählt von einem Schicksalsschlag, der eine ganze Familie trifft, von einer Vater-Sohn-Beziehung, die abrupt endet, von Migration und Zugehörigkeit. Deniz Utlu zeichnet die unerwarteten Wege des Lebens wie der Erinnerung nach. Sein Roman zeugt von der Kraft des Erzählens – die dann am deutlichsten wird, wenn die Sprache das Letzte ist, was einem bleibt.

Yunus ist dreizehn Jahre alt, da erleidet sein Vater zwei Schlaganfälle und ist fortan nahezu vollständig gelähmt. Er kann nur noch über Augenbewegungen kommunizieren. Zehn Jahre wird er von Yunus’ Mutter gepflegt, erst in einem Heim, dann zu Hause, bevor er stirbt. Und Yunus, der zum Studium ausgezogen ist aus der elterlichen Wohnung, ruft sich immer wieder Bilder aus seiner Kindheit wach: Erlebnisse und Gespräche mit dem Vater, von denen er manchmal gar nicht mehr wusste, dass er sie noch in sich trägt. Sie fügen sich zu dem warmherzigen Porträt eines Mannes, der mit lauter Stimme lachte oder auf Arabisch fluchte, der häufig abwesend und leicht reizbar war und der einst aus Mardin nahe der türkisch-syrischen Grenze nach Istanbul ging, dort den Militärputsch miterlebte und schließlich mit einem Frachtschiff nach Deutschland kam.

»Dieses Buch hat mein Herz gebrochen und wieder zusammengeflickt. Die Figuren und die Sprache, sie werden mich für immer begleiten.« Fatma Aydemir

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
384
Price
25.70 €

Author Description

Deniz Utlu, geboren 1983 in Hannover, studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Paris. Von 2003 bis 2014 gab er das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext heraus. Sein Debütroman, Die Ungehaltenen, erschien 2014 und wurde 2015 im Maxim Gorki Theater für die Bühne adaptiert. Von 2017 bis 2019 schrieb er für den Tagesspiegel die Kolumne Einträge ins Logbuch. 2019 erschien sein zweiter Roman Gegen Morgen. Außerdem hat er Theaterstücke, Lyrik und Essays verfasst (u. a. für Tagesspiegel, Der Freitag und weitere überregionale Tageszeitungen). Er forscht am Deutschen Institut für Menschenrechte und veranstaltet am Maxim Gorki Theater die Literaturreihe Prosa der Verhältnisse. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover.

Posts

9
All
3.5

Melancholische Aufarbeitung der Lebensgeschichte des Vaters zur Selbstfindung "Erinnern bedeutet am Leben erhalten".

"Ich versuche damit zurechtzukommen, dass es ein absolutes Erinnern nicht gibt. Erinnern bedeutet am Leben erhalten. Ein Detail, das das Gedächtnis scheinbar willkürlich abgespeichert hat, enthält eine ganze Geschichte". Yunus, Sohn türkischstämmiger Eltern, versucht in diesem Roman die Lebensgeschichte seines Vaters zu porträtieren, immer auf der Suche nach sich selbst und der Bindung zu seinem Vater. Bereits als Zehnjähriger muss Yunus lernen, mit der "Nichterreichbarkeit" des Vaters umzugehen. Nach zwei Schlaganfällen ( die er "Fallen" nennt) leidet dieser am Locked-in-Syndrom- eine Verständigung ist nur völlig eingeschränkt per Augenlid möglich. Nach zehn Jahren intensiver häuslicher Pflege verdirbt der Vater. Yunus Anker wird die Fülle der Erinnerungen an seinen Vater, die Aufarbeitung des aus der südtürkischen Stadt Mardin stammenden hitzigen Mannes, der in den 60er Jahren nach Deutschland Immigrierte. "Was geschieht, wenn ich alle Erinnerungen an meinen Vater, die in mir snd, gefunden und herbeigerufen und wieder und wieder gedacht habe ? Wäre das der Punkt an dem er mich endgültig verlassen würde ? Der Augenblick , an dem das Buch der Erinnrerung, meine Vaterlosigkeit vollendet wäre ? Wie oft könnte ich oder würde ich die Erinnrerungen erneut aufrufen ? (S.316 /317). Ich habe mich ein wenig schwer getan mit diesem Buch, manchmal driftete die Sprache mir zu sehr ins Poetische ab und bestimmte Gedankengänge (das 'Bild' einer unsichtbaren Katze als Vaterersatz hat sich mir nicht erschlossen) und Erinnerungen wiederholten sich, was einige Längen mit sich brachte. Möglicherweise war auch das aus Zeitgründen "in Etappen lesen" dafür verantwortlich, dass mich das Buch nicht vollends gefesselt hat.

3

Zu viel Metaebene, zu wenig Roman

Mich konnte das Buch trotz großer Vorfreude leider nicht abholen :/ Ich war kein besonders großer Fan des Schreibstils, der wirkte mir manchmal zu aufgesetzt-gewollt poetisch. Vor allem aber habe ich mich daran gestört, alle drei bis fünf Seiten so etwas wie "ja keine Ahnung, ob das wirklich so passiert ist aber ich denke es war so und vielleicht ja auch nicht sber ich erzähle mal" zu lesen. Mir ist schon klar, dass das in gewisser Weise das Kernthema ist - wie sehr kann man den eigenen Erinnerungen trauen? Aber wie gesagt, den Hinweis dazu brauche ich nicht in der Frequenz. Und dann ging mir das Buch auch leider zu lange und hatte den Fokus leider weniger auf den Punkten, die ich spannender gefunden hätte. Es ist gut, es ist vielleicht sogar sehr gut. Aber jetzt gerade aktuell war es einfach nicht das richtige für mich :c

4

"...ob etwas verletzend ist oder nicht, entscheiden diejenigen, die die Wunden tragen, und nicht jene, die sie erzeugen..." (S. 92) Ein junger Mann (13J.), eine starke Mutter und ein starker Vater der durch zwei Schlaganfälle aus dem "normalen" Leben gerissen wird. Er leidet unter dem "Locked-in-Syndrom" und kann nur noch über seine Augen kommunizieren. Die Mutter pflegt ihn die nächsten 10 Jahre und gibt niemals auf, die besten Therapien für ihren Mann zu finden. Yunus, ihr Sohn, muss oft zwischen den Behörden und Ärzten vermitteln, da es seiner Mutter oft an den richtigen Worten mangelt, ansonsten zieht Yunus sich zurück, scheint überfordert mir der Situation (wer wäre es nicht in dem Alter?!) Doch Yunus versucht zu erfahren, wer sein Vater wirklich war. Dieser Mann, der einen ganzen Raum ausfüllen konnte, viele Freunde und Bekannte hatte, der mitunter leicht reizbar war und dann mit arabischen Flüchen um sich schmiss, der aber auch eine sanfte Seite hatte und der Poesie und der Musik sehr verfallen war, wie viel steckt davon in ihm? Deniz Utlu hat einen leisen Roman geschrieben, für den man sich Zeit nehmen sollte. Definitiv kein Buch um es Mal eben wegzulesen. Jetzt ein paar Wochen später, bin ich von diesem Buch noch mehr berührt und verstehe seinen ganzen Zauber. Eine große Liebeserklärung an die Menschen, die uns großziehen, ihnen Fehler zugesteht und uns aufzeigt, das auch Eltern Menschen sind und es sich lohnen kann, ihre Wurzeln aufzuspüren. Lesen! 💙

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5

Ich habe den Roman auf Grund einer Lesung von Deniz Utlu gelesen. Es war sehr bewegend die Parallelen seines Lebens und des Lebens von Yunus zu sehen. Eine wundervolle Geschichte über eine Familie, Länder und Kulturen, die mich sehr bewegt hat.

4

Eine berührende Geschichte, für die man sich Zeit nehmen sollte!

2.5

Netter Roman - hat mich aber nicht gecatched

Vaters Meer ist ein sanfter Roman, der die Charaktere schön aufzeichnet, entwickelt und auch mitnimmt. Mir persönlich zieht sich alles viel zu arg und es nimmt einen damit nicht mit. Wenn man es mit viel Pausen liest geht's noch.

3.5

Ein poetischer, berührender Roman über das Erinnern, über Schmerz und über Liebe, die eine Familie zusammenhält

Ich will mich nur an das erinnern, was mir mein Vater mitgegeben hat, wenn ich über ihn nachdenke. Mein Vater, als der Erzähler, der er war, beschrieb die Dinge, wie sie sich angefühlt hatten, und nicht zwingend, wie sie geschehen waren - gerade darin fühle ich mich ihm nah, im Erzählen und im Erinnern. (S.248) Je mehr ich nach meinem Vater suche, wird eine Angst in mir größer, dass es eine letzte Seite des Erinnerns geben könnte, einen Augenblick, an dem jeder gemeinsame Moment einmal im Gedächtnis aufgerufen wurde. Was geschieht, wenn ich alle Erinnerungen an meinen Vater, die in mir sind, gefunden und herbeigeruten und wieder und wieder gedacht habe? (S. 316) Zugegeben, es war ein bisschen Liebe auf den zweiten Blick.. die ersten 100-150 Seiten habe ich gebraucht, um reinzukommen, weil doch häufig in den Zeiten bzw. Perspektiven gesprungen wird. Die poetische Sprache und die Wortwahl des Autors trugen mich da aber durch. Es gibt Seiten, die lesen sich etwas mühsam, andere dafür sind so berührend, dass ich weinen musste. Es fühlte sich trotz des ganzen Kummers, der beschrieben wurde, wie eine sanfte und tröstende Umarmung an.

Ein poetischer, berührender Roman über das Erinnern, über Schmerz und über Liebe, die eine Familie zusammenhält
5

Mich haben die Erinnerungen eines Sohnes an seinen Vater und dessen Geschichte ehr berührt.

5

Toll erzählt. Sehr poëtisch.

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