Reise nach Laredo
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Book Information
Author Description
Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wien. Sein Werk erscheint bei Hanser, zuletzt "Alles über Sally" (Roman, 2010), "Der alte König in seinem Exil" (2011), "Grenzgehen" (Drei Reden, 2011), "Selbstporträt mit Flusspferd" (Roman, 2015), "Unter der Drachenwand" (Roman, 2018), "Der Hahnenschrei" (Drei Reden, 2019) und "Das glückliche Geheimnis" (2023). Er erhielt u. a. den Deutschen Buchpreis (2005), den Johann-Peter-Hebel-Preis (2010), den Hölderlin-Preis (2011), den Literaturpreis der Adenauer-Stiftung (2011), den Joseph-Breitbach-Preis (2018), den Bremer Literaturpreis (2019), den in den Niederlanden vergebenen Europese Literatuurprijs (2019) und den Rheingau Literatur Preis (2023).
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" Das Leben ist ein Taumel"
Karl V., der alte und bereits abgedankte und todgeweihte Kaiser/König macht sich auf zu seiner letzten Reise nach Laredo in Nordspanien. Eigentlich möchte er nicht einmal, er hat sich in ein Kloster zum Sterben zurückgezogen, des Lebens überdrüssig, sein Körper kein behagliches Heim mehr, alles scheint Qual und Hinfälligkeit. Diesem alten, griesgrämigen Zeitgenossen stellt Arno Geiger den 11 jährigen, von Leben und Optimismus strotzenden Geronimo gegenüber, der mit seiner offenen, neugierigen und unbefangenen Art, die es fast nur noch bei Kindern gibt, alles überstrahlt und Karl eigentlich erst zu der Reise animiert. Da Karl schon alles egal ist, lässt er sich mitreissen. So entsteht eine Dualität, die der Geschichte die Bewegung gibt. Der stets sinnierende Karl und der spontane, auf der Suche nach Glück strebende Geronimo. Auch hier beweist Geiger wieder sein Talent für ausgefeilte Sprache, die er dem philosophierenden Karl in den Mund legt und das macht den eher langsamen Plot interessant und nach meiner Ansicht das Buch zu einem literarischen Meisterwerk. Die sehr gekonnte Figurenzeichnung verbindet optimal mit den Protagonisten, auch wenn man nicht immer gern mit allen verbunden sein möchte. Karl sinniert am Ende über das perfekte Ende, indem er die bildgebende Kunst aufführt und den „letzten Pinselstrich“ als unnötig erachtet. Tätigt der Künstler diesen letzten Strich im Streben nach Perfektion, wird er diese nie erreichen. Auch in diesem Roman scheint Geiger auf den letzten Pinselstrich verzichtet zu haben, was nach meiner Ansicht das Kunstwerk eher schmälert. Am Ende scheinen sich die Handlungsstränge zu verflüchtigen. So lebendig und atmosphärisch die Geschichte erzählt wird und so gern man die Reisebegleitung Karls bekommt, als Karl sein Ziel erreicht, scheinen diese übrigen Personen in Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Am Schluss bleibt Ernüchterung, was dieser sonst so grossartig gewebter Geschichte einen Dämpfer gibt
Spanien, 1558. König Karl ist fast 60 und es geht ihm gar nicht gut. Aufgrund seiner Fettleibigkeit und einer schweren Gicht ist er praktisch bewegungsunfähig. Er zieht sich zum Sterben in ein Kloster zurück, wo er seinen 11-jährigen illegitimen Sohn Geronimo kennen lernt. Gemeinsam brechen die beiden mit Pferd und Maultier auf eine Reise auf. Karl möchte nach Laredo ans Meer. Unterwegs treffen sie auf die Geschwister Honza und Angelita und helfen ihnen aus einer schrecklichen Situation, woraufhin sie die Reise zu viert fortsetzen. Eine sehr interessante, fast märchenhafte Geschichte, in einer wunderschönen Sprache erzählt, mit Sätzen, die mich teilweise tief berührt haben. Und dennoch empfand ich das Buch auch über weite Strecken als sehr langweilig und es hat mich immer wieder verloren. Vielleicht sollte ich dieses Buch in ein paar Jahren nochmal lesen. Ich rate dazu, von diesem Buch eine Leseprobe zu lesen, bevor man es sich zulegt. Arno Geiger ist ein sehr vielseitiger Autor, bei dem man nicht unbedingt sagen kann, wenn einem ein Buch gefällt, gefallen einem die anderen auch. Und wer einfach gerne historische Romane liest, dem kann man auch nicht generell zu diesem Buch raten. Man muss sich hier wirklich auf eine langsam erzählte, außergewöhnliche Geschichte einlassen.
„Also, das ist das Leben, das ist es, wozu man lebt.“
In dem Buch geht es um einen alten König, der am Ende seines Lebens noch einmal loszieht. Er denkt viel über sein Leben nach – über Fehler, Schuld und was wirklich wichtig ist. Es gibt schöne Passagen und ich mag den Schreibstil, aber es passiert auch oft recht wenig und es zieht sich etwas. „So war ich nie, so frei, so unabhängig. Vielleicht könnt ich’s jetzt, für einige Augenblicke, für drei Tage, das wäre immerhin etwas.“ „Vielleicht ist das Leben nur so auszuhalten, wenn man die Schatten betrachtet, die von den Dingen geworfen werden.“

Universelle Botschaften in poetischer Sprache
Wir schreiben das Jahr 1558, der schwerkranke 58-jährige König Karl hat abgedankt und sich zurückgezogen ins spanische Kloster Yuste, um dort den Tod zu erwarten. Als er eines Tages seinen nicht anerkannten 11-jährigen Sohn Geronimo kennenlernt, beschließt Karl mit diesem spontan und heimlich eine abenteuerliche Reise bis an die Küste nach Laredo zu unternehmen. Arno Geiger geht es nicht um das Schreiben eines historischen Romans, denn obwohl man viele Einzelheiten Kaiser Karl V. zuordnen kann, vermischt er hier bewusst Fakten und Fiktion, um sich mit universellen menschlichen Themen wie der Suche nach dem Sinn, dem Wert des eigenen Lebens und der Selbstfindung auseinanderzusetzen. Durch die gedankliche Teilhabe an Karls inneren Auseinandersetzungen mit sich selbst, seiner Beziehung zur Welt und den Mitmenschen, werden die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verwischt, so dass ein Eintauchen in sein Seelenleben möglich wird. Nun offenbart sich ein Mensch im Herrscher, der mit seinen Ängsten, Unzulänglichkeiten und Selbstzweifeln ringt und zu Selbsterkenntnis kommt. Dies ist kein Spannungstitel, sondern ein ruhiger, eher poetischer Roman der zeigt, dass existenzielle Fragen zeitlos sind und dessen versteckte Botschaften man nachklingen lassen darf.
Eine Geschichte über die letzten Tage Kaiser Karls, der abgedankt hat und nun einsam, und krank seine letzte Lebensspanne am Kloster bei Madrid mit dem Reflektierend seiner Vergangenheit verbringt. Er blickt zurück, auf Schuld, Versäumnisse und stellt fest wieviel ihm das Leben nicht gab. Ausdruckstark, anschaulich und kurzweilig wird seine aktuelle Situation beschrieben und die Reiseerlebnisse werden so gut dargestellt, dass man meint dabei zu sein. Leider wurde mir der Aufenthalt im Wirtshaus etwas lang, doch dann nimmt die Geschichte mich wieder gefangen. Das Ende macht manches nochmal verständlicher. Am Anfang habe ich kurz die tatsächliche Geschichte Karls gegoogelt, so konnte ich manches besser einordnen. Ich habe das Buch gern gelesen, auch wenn es mich nicht vollständig überzeugt hat, haben mich Wortgewalt und Schreibstil von Arno Geger erneut begeistert.
Ein Buch, das erobert werden muss
Ich hab so gar nicht in das Buch hineingefunden, zu verwirrend war alles: ein dicker, schwerkranker Mann, der als König abgedankt hat und nun auf sein Ende wartet. Doch vorher geht es mir seinem geheimen Sohn, dem 11jährigen Geronimo, auf Reisen. Doch je länger ich das Buch las, desto mehr hat es mich im seinen Bann gezogen. Keine leichte Kost, aber es lohnt sich!
Arno Geiger erzählt hier die Geschichte von Karl V., der vor seinem Tod abgedankt hat um die Gelegenheit zu bekommen, sich selbst als Mensch und nicht nur als König kennenzulernen. Auf seiner letzten Reise lernt er nicht nur seinen leiblichen Sohn erstmalig aus der Nähe kennen, sondern auch Menschen aus dem einfachen Volk, die sich teilweise ohne Rechte durchs Leben schlagen müssen. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und viel gelehrt. Als Hörbuch hervorragend von Matthias Brandt gelesen. Empfehlung!
Langsam schwebt Karl durch die milde Septemberluft. Der Körper eines todkranken, und auf sein unmittelbares Ende wartenden Königs, wird mit Hilfe eines Krans angehoben und zum Baden in einen Zuber befördert. Aus eigener Kraft ist Karl, selbst zu den geringsten Bewegungen nicht mehr im Stande. Wenige Tage später steigt er jedoch, von Lebensmüdigkeit angetrieben auf sein Pferd. Karl ist im Begriff das abgelegene Kloster, auf das er sich zurückgezogen hat, zu verlassen. Als der Schwung in den Sattel missglückt, versucht er es kurzerhand mit einem Maultier und begibt sich in sein letztes großes Abenteuer. Der Glaube an ein Gelingen versetzt bekanntlich Berge. Dennoch stutzt der Leser für einen Moment: Wie ist das möglich? Ist alles nur ein Traum? Unbeweglich und von Gicht geplagt aufs hohe Ross (oder Maultier) zu steigen, erscheint mir (und ich kann es als Reiter beurteilen) kein leichtes Unterfangen. Karl, der nach dem Niederlegen der Krone, im Kloster bemüht ist, die Vertrautheit mit sich selbst zurückzugewinnen, steht am Ende seines Lebens. Doch Gemeinsam mit Geronimo, der sein Sohn ist (was der Junge jedoch nicht weiß) reitet er Richtung Laredo. Ganz klar: Auf den ersten Seiten muss man an Don Quichote und Sancho Panza denken! Das ist also das Leben: ein alter Mann und ein Kind, die durch den Regen reiten. Die Geschichte ist magisch - ein Buch, das an die wichtigsten Dinge im Leben erinnert. Karl V, Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien, der das Land regiert, in dem die Sonne nie untergeht“, lernt die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen, was ihm erlaubt, die Schönheit und Bedeutung des Lebens klarer zu erkennen. Durch die weitreichenden Territorien war es immer irgendwo in seinem Reich Tag. Der Ausdruck, „ein Reich, indem die Sonne nie untergeht", betonte die Größe und Macht seines Herrschaftsbereichs, der durch die spanischen Kolonien und die europäischen Territorien zu einem der ersten globalen Imperien wurde. Doch was nutzt ihm sein Reich? Am Ende seines Lebens tritt er einer inneren Leere entgegen, aus der ihn letztendlich ein Kind befreit. Insgesamt vermittelt Arno Geiger eine altbekannte Botschaft von „Im Hier und Jetzt Leben", Freundschaft und der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens, jenseits von Reichtum und Macht. Eine Reise nach Laredo, oder eine Reise zu sich selbst. Ich durfte das Buch vorab lesen und habe es auf meiner Spanienreise sehr genossen. Klare Leseempfehlung. ,Am Ende seiner Reise spürt Karl die Vergagenheit an der äußersten Küste seines Lebens sich brechen und unter den Füßen zurückfluten, die Gegenwart mit sich reißend in das große Nichts. Er dankte Gott für die Schönheit der Welt und für die zerbrechliche Großartigkeit des Lebens..."

Eine besondere Road Novel mit reichlich Tiefgang und vielen kleinen Möglichkeiten zum Weiterdenken. Auch für jene, die (wie ich) noch nicht im todesnahen Alter des Kaisers von 58 sind.
„Karl wusste: Der Glaube an das Gelingen gehört zu den Schwierigkeiten eines jeden Vorgangs, eine erste, bedeutsame Voraussetzung, die in diesem Moment nicht gegeben war. Übergewichtig, ungelenk, kurzatmig lehnte er mit dem Rücken gegen die Mauer. Er stöhnte unter der eigenen Schwere, unter der Nachtluft und seiner Mutlosigkeit.“ Dies ist der Beginn einer späten Reise zu sich selbst, die zugleich eine „Reise nach Laredo“ ist. Und bei allen Härten dieses Weges ist die Lektüre des gleichnamigen Buches eine sehr angenehme. Arno Geiger erzählt darin die fiktive Geschichte des Kaisers Karl V., der sich nach seinem Rückzug aus der Politik ins Kloster von Yuste im Westen Spaniens (das ist historisch verbürgt) aufmacht nach Laredo, ans Meer (das ist Geigers Plot). Sein Leben lang wusste der alternde Regent nicht, wer er ohne die Krone ist. Nun reist er mit Geronimo und später außerdem mit einem Geschwisterpaar dorthin, wo er sich mehr erhofft - mehr Kenntnis seiner selbst, mehr Erlösung, mehr Leben: ans Meer. „Eigentlich schade, dass er zurückgetreten war. Dieser Körper hätte das Königtum besser repräsentiert, als ein schöner Körper es je könnte. Karl dachte: Ein König sollte immer hässlich sein, damit die Schönheit nicht ablenkt vom Eigentlichen.“ Zwischen solchen kleinen Weisheiten und sich entwickelnden freundschaftlichen Beziehungen schreitet die Handlung voran. Neue Einsichten eines alten Mannes, nie empfundene Gefühle, Erlebnisse, die es bislang nicht gab im kaiserlichen Leben - Stress mit einem Wirt, Geldsorgen, Freundschaft mit Ausgegrenzten, eine Reise mit ungewissem Ausgang. All das macht den Roman sehr ansprechend. Und gut zu lesen ist das außerdem. Kurz: Eine besondere Road Novel mit reichlich Tiefgang und vielen kleinen Möglichkeiten zum Weiterdenken. Auch für jene, die (wie ich) noch nicht im todesnahen Alter des Kaisers von 58 sind. Große Empfehlung!
Starker Anfang, dann nur noch zähe Wiederholungen – nach 186 Seiten fehlte mir jede Spannung.
Ich habe das Buch nach 186 von 272 Seiten abgebrochen. Die ersten etwa 80 Seiten fand ich wirklich interessant: atmosphärisch, ungewöhnlich und stellenweise sogar spannend erzählt. Die Figur von Karl V. und die Grundidee des Romans haben mich anfangs sehr neugierig gemacht. Danach verlor sich das Buch für mich jedoch immer mehr in Wiederholungen. Viele Gedanken, Motive und innere Klagen wirkten auf mich wie endlose Schleifen derselben Aussage. Ich hatte das Gefühl, bereits früh verstanden zu haben, worauf der Roman hinausmöchte — dennoch wurden die gleichen Stimmungen und Betrachtungen immer wieder neu durchgespielt. Dadurch kippte für mich der Spannungsbogen komplett. Die Erzählweise empfand ich zudem als sehr schwerfällig und wenig flüssig. Statt Tiefe entstand bei mir zunehmend Ermüdung. Vielleicht trifft das Buch einfach nicht den richtigen Zeitpunkt bei mir. Gerade in einer Zeit, in der einem vielerorts wieder sehr dominante, alte männliche Sichtweisen begegnen, fehlte mir hier eine Perspektive, die mich emotional wirklich erreicht oder überrascht. Trotzdem kann ich verstehen, warum andere Leser:innen den Roman mögen — besonders, wenn man ruhige, philosophische und entschleunigte Literatur schätzt. Für mich persönlich war es leider zu monoton.
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Arno Geiger, 1968 geboren, lebt in Wien. Sein Werk erscheint bei Hanser, zuletzt "Alles über Sally" (Roman, 2010), "Der alte König in seinem Exil" (2011), "Grenzgehen" (Drei Reden, 2011), "Selbstporträt mit Flusspferd" (Roman, 2015), "Unter der Drachenwand" (Roman, 2018), "Der Hahnenschrei" (Drei Reden, 2019) und "Das glückliche Geheimnis" (2023). Er erhielt u. a. den Deutschen Buchpreis (2005), den Johann-Peter-Hebel-Preis (2010), den Hölderlin-Preis (2011), den Literaturpreis der Adenauer-Stiftung (2011), den Joseph-Breitbach-Preis (2018), den Bremer Literaturpreis (2019), den in den Niederlanden vergebenen Europese Literatuurprijs (2019) und den Rheingau Literatur Preis (2023).
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" Das Leben ist ein Taumel"
Karl V., der alte und bereits abgedankte und todgeweihte Kaiser/König macht sich auf zu seiner letzten Reise nach Laredo in Nordspanien. Eigentlich möchte er nicht einmal, er hat sich in ein Kloster zum Sterben zurückgezogen, des Lebens überdrüssig, sein Körper kein behagliches Heim mehr, alles scheint Qual und Hinfälligkeit. Diesem alten, griesgrämigen Zeitgenossen stellt Arno Geiger den 11 jährigen, von Leben und Optimismus strotzenden Geronimo gegenüber, der mit seiner offenen, neugierigen und unbefangenen Art, die es fast nur noch bei Kindern gibt, alles überstrahlt und Karl eigentlich erst zu der Reise animiert. Da Karl schon alles egal ist, lässt er sich mitreissen. So entsteht eine Dualität, die der Geschichte die Bewegung gibt. Der stets sinnierende Karl und der spontane, auf der Suche nach Glück strebende Geronimo. Auch hier beweist Geiger wieder sein Talent für ausgefeilte Sprache, die er dem philosophierenden Karl in den Mund legt und das macht den eher langsamen Plot interessant und nach meiner Ansicht das Buch zu einem literarischen Meisterwerk. Die sehr gekonnte Figurenzeichnung verbindet optimal mit den Protagonisten, auch wenn man nicht immer gern mit allen verbunden sein möchte. Karl sinniert am Ende über das perfekte Ende, indem er die bildgebende Kunst aufführt und den „letzten Pinselstrich“ als unnötig erachtet. Tätigt der Künstler diesen letzten Strich im Streben nach Perfektion, wird er diese nie erreichen. Auch in diesem Roman scheint Geiger auf den letzten Pinselstrich verzichtet zu haben, was nach meiner Ansicht das Kunstwerk eher schmälert. Am Ende scheinen sich die Handlungsstränge zu verflüchtigen. So lebendig und atmosphärisch die Geschichte erzählt wird und so gern man die Reisebegleitung Karls bekommt, als Karl sein Ziel erreicht, scheinen diese übrigen Personen in Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Am Schluss bleibt Ernüchterung, was dieser sonst so grossartig gewebter Geschichte einen Dämpfer gibt
Spanien, 1558. König Karl ist fast 60 und es geht ihm gar nicht gut. Aufgrund seiner Fettleibigkeit und einer schweren Gicht ist er praktisch bewegungsunfähig. Er zieht sich zum Sterben in ein Kloster zurück, wo er seinen 11-jährigen illegitimen Sohn Geronimo kennen lernt. Gemeinsam brechen die beiden mit Pferd und Maultier auf eine Reise auf. Karl möchte nach Laredo ans Meer. Unterwegs treffen sie auf die Geschwister Honza und Angelita und helfen ihnen aus einer schrecklichen Situation, woraufhin sie die Reise zu viert fortsetzen. Eine sehr interessante, fast märchenhafte Geschichte, in einer wunderschönen Sprache erzählt, mit Sätzen, die mich teilweise tief berührt haben. Und dennoch empfand ich das Buch auch über weite Strecken als sehr langweilig und es hat mich immer wieder verloren. Vielleicht sollte ich dieses Buch in ein paar Jahren nochmal lesen. Ich rate dazu, von diesem Buch eine Leseprobe zu lesen, bevor man es sich zulegt. Arno Geiger ist ein sehr vielseitiger Autor, bei dem man nicht unbedingt sagen kann, wenn einem ein Buch gefällt, gefallen einem die anderen auch. Und wer einfach gerne historische Romane liest, dem kann man auch nicht generell zu diesem Buch raten. Man muss sich hier wirklich auf eine langsam erzählte, außergewöhnliche Geschichte einlassen.
„Also, das ist das Leben, das ist es, wozu man lebt.“
In dem Buch geht es um einen alten König, der am Ende seines Lebens noch einmal loszieht. Er denkt viel über sein Leben nach – über Fehler, Schuld und was wirklich wichtig ist. Es gibt schöne Passagen und ich mag den Schreibstil, aber es passiert auch oft recht wenig und es zieht sich etwas. „So war ich nie, so frei, so unabhängig. Vielleicht könnt ich’s jetzt, für einige Augenblicke, für drei Tage, das wäre immerhin etwas.“ „Vielleicht ist das Leben nur so auszuhalten, wenn man die Schatten betrachtet, die von den Dingen geworfen werden.“

Universelle Botschaften in poetischer Sprache
Wir schreiben das Jahr 1558, der schwerkranke 58-jährige König Karl hat abgedankt und sich zurückgezogen ins spanische Kloster Yuste, um dort den Tod zu erwarten. Als er eines Tages seinen nicht anerkannten 11-jährigen Sohn Geronimo kennenlernt, beschließt Karl mit diesem spontan und heimlich eine abenteuerliche Reise bis an die Küste nach Laredo zu unternehmen. Arno Geiger geht es nicht um das Schreiben eines historischen Romans, denn obwohl man viele Einzelheiten Kaiser Karl V. zuordnen kann, vermischt er hier bewusst Fakten und Fiktion, um sich mit universellen menschlichen Themen wie der Suche nach dem Sinn, dem Wert des eigenen Lebens und der Selbstfindung auseinanderzusetzen. Durch die gedankliche Teilhabe an Karls inneren Auseinandersetzungen mit sich selbst, seiner Beziehung zur Welt und den Mitmenschen, werden die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie verwischt, so dass ein Eintauchen in sein Seelenleben möglich wird. Nun offenbart sich ein Mensch im Herrscher, der mit seinen Ängsten, Unzulänglichkeiten und Selbstzweifeln ringt und zu Selbsterkenntnis kommt. Dies ist kein Spannungstitel, sondern ein ruhiger, eher poetischer Roman der zeigt, dass existenzielle Fragen zeitlos sind und dessen versteckte Botschaften man nachklingen lassen darf.
Eine Geschichte über die letzten Tage Kaiser Karls, der abgedankt hat und nun einsam, und krank seine letzte Lebensspanne am Kloster bei Madrid mit dem Reflektierend seiner Vergangenheit verbringt. Er blickt zurück, auf Schuld, Versäumnisse und stellt fest wieviel ihm das Leben nicht gab. Ausdruckstark, anschaulich und kurzweilig wird seine aktuelle Situation beschrieben und die Reiseerlebnisse werden so gut dargestellt, dass man meint dabei zu sein. Leider wurde mir der Aufenthalt im Wirtshaus etwas lang, doch dann nimmt die Geschichte mich wieder gefangen. Das Ende macht manches nochmal verständlicher. Am Anfang habe ich kurz die tatsächliche Geschichte Karls gegoogelt, so konnte ich manches besser einordnen. Ich habe das Buch gern gelesen, auch wenn es mich nicht vollständig überzeugt hat, haben mich Wortgewalt und Schreibstil von Arno Geger erneut begeistert.
Ein Buch, das erobert werden muss
Ich hab so gar nicht in das Buch hineingefunden, zu verwirrend war alles: ein dicker, schwerkranker Mann, der als König abgedankt hat und nun auf sein Ende wartet. Doch vorher geht es mir seinem geheimen Sohn, dem 11jährigen Geronimo, auf Reisen. Doch je länger ich das Buch las, desto mehr hat es mich im seinen Bann gezogen. Keine leichte Kost, aber es lohnt sich!
Arno Geiger erzählt hier die Geschichte von Karl V., der vor seinem Tod abgedankt hat um die Gelegenheit zu bekommen, sich selbst als Mensch und nicht nur als König kennenzulernen. Auf seiner letzten Reise lernt er nicht nur seinen leiblichen Sohn erstmalig aus der Nähe kennen, sondern auch Menschen aus dem einfachen Volk, die sich teilweise ohne Rechte durchs Leben schlagen müssen. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und viel gelehrt. Als Hörbuch hervorragend von Matthias Brandt gelesen. Empfehlung!
Langsam schwebt Karl durch die milde Septemberluft. Der Körper eines todkranken, und auf sein unmittelbares Ende wartenden Königs, wird mit Hilfe eines Krans angehoben und zum Baden in einen Zuber befördert. Aus eigener Kraft ist Karl, selbst zu den geringsten Bewegungen nicht mehr im Stande. Wenige Tage später steigt er jedoch, von Lebensmüdigkeit angetrieben auf sein Pferd. Karl ist im Begriff das abgelegene Kloster, auf das er sich zurückgezogen hat, zu verlassen. Als der Schwung in den Sattel missglückt, versucht er es kurzerhand mit einem Maultier und begibt sich in sein letztes großes Abenteuer. Der Glaube an ein Gelingen versetzt bekanntlich Berge. Dennoch stutzt der Leser für einen Moment: Wie ist das möglich? Ist alles nur ein Traum? Unbeweglich und von Gicht geplagt aufs hohe Ross (oder Maultier) zu steigen, erscheint mir (und ich kann es als Reiter beurteilen) kein leichtes Unterfangen. Karl, der nach dem Niederlegen der Krone, im Kloster bemüht ist, die Vertrautheit mit sich selbst zurückzugewinnen, steht am Ende seines Lebens. Doch Gemeinsam mit Geronimo, der sein Sohn ist (was der Junge jedoch nicht weiß) reitet er Richtung Laredo. Ganz klar: Auf den ersten Seiten muss man an Don Quichote und Sancho Panza denken! Das ist also das Leben: ein alter Mann und ein Kind, die durch den Regen reiten. Die Geschichte ist magisch - ein Buch, das an die wichtigsten Dinge im Leben erinnert. Karl V, Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien, der das Land regiert, in dem die Sonne nie untergeht“, lernt die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen, was ihm erlaubt, die Schönheit und Bedeutung des Lebens klarer zu erkennen. Durch die weitreichenden Territorien war es immer irgendwo in seinem Reich Tag. Der Ausdruck, „ein Reich, indem die Sonne nie untergeht", betonte die Größe und Macht seines Herrschaftsbereichs, der durch die spanischen Kolonien und die europäischen Territorien zu einem der ersten globalen Imperien wurde. Doch was nutzt ihm sein Reich? Am Ende seines Lebens tritt er einer inneren Leere entgegen, aus der ihn letztendlich ein Kind befreit. Insgesamt vermittelt Arno Geiger eine altbekannte Botschaft von „Im Hier und Jetzt Leben", Freundschaft und der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens, jenseits von Reichtum und Macht. Eine Reise nach Laredo, oder eine Reise zu sich selbst. Ich durfte das Buch vorab lesen und habe es auf meiner Spanienreise sehr genossen. Klare Leseempfehlung. ,Am Ende seiner Reise spürt Karl die Vergagenheit an der äußersten Küste seines Lebens sich brechen und unter den Füßen zurückfluten, die Gegenwart mit sich reißend in das große Nichts. Er dankte Gott für die Schönheit der Welt und für die zerbrechliche Großartigkeit des Lebens..."

Eine besondere Road Novel mit reichlich Tiefgang und vielen kleinen Möglichkeiten zum Weiterdenken. Auch für jene, die (wie ich) noch nicht im todesnahen Alter des Kaisers von 58 sind.
„Karl wusste: Der Glaube an das Gelingen gehört zu den Schwierigkeiten eines jeden Vorgangs, eine erste, bedeutsame Voraussetzung, die in diesem Moment nicht gegeben war. Übergewichtig, ungelenk, kurzatmig lehnte er mit dem Rücken gegen die Mauer. Er stöhnte unter der eigenen Schwere, unter der Nachtluft und seiner Mutlosigkeit.“ Dies ist der Beginn einer späten Reise zu sich selbst, die zugleich eine „Reise nach Laredo“ ist. Und bei allen Härten dieses Weges ist die Lektüre des gleichnamigen Buches eine sehr angenehme. Arno Geiger erzählt darin die fiktive Geschichte des Kaisers Karl V., der sich nach seinem Rückzug aus der Politik ins Kloster von Yuste im Westen Spaniens (das ist historisch verbürgt) aufmacht nach Laredo, ans Meer (das ist Geigers Plot). Sein Leben lang wusste der alternde Regent nicht, wer er ohne die Krone ist. Nun reist er mit Geronimo und später außerdem mit einem Geschwisterpaar dorthin, wo er sich mehr erhofft - mehr Kenntnis seiner selbst, mehr Erlösung, mehr Leben: ans Meer. „Eigentlich schade, dass er zurückgetreten war. Dieser Körper hätte das Königtum besser repräsentiert, als ein schöner Körper es je könnte. Karl dachte: Ein König sollte immer hässlich sein, damit die Schönheit nicht ablenkt vom Eigentlichen.“ Zwischen solchen kleinen Weisheiten und sich entwickelnden freundschaftlichen Beziehungen schreitet die Handlung voran. Neue Einsichten eines alten Mannes, nie empfundene Gefühle, Erlebnisse, die es bislang nicht gab im kaiserlichen Leben - Stress mit einem Wirt, Geldsorgen, Freundschaft mit Ausgegrenzten, eine Reise mit ungewissem Ausgang. All das macht den Roman sehr ansprechend. Und gut zu lesen ist das außerdem. Kurz: Eine besondere Road Novel mit reichlich Tiefgang und vielen kleinen Möglichkeiten zum Weiterdenken. Auch für jene, die (wie ich) noch nicht im todesnahen Alter des Kaisers von 58 sind. Große Empfehlung!
Starker Anfang, dann nur noch zähe Wiederholungen – nach 186 Seiten fehlte mir jede Spannung.
Ich habe das Buch nach 186 von 272 Seiten abgebrochen. Die ersten etwa 80 Seiten fand ich wirklich interessant: atmosphärisch, ungewöhnlich und stellenweise sogar spannend erzählt. Die Figur von Karl V. und die Grundidee des Romans haben mich anfangs sehr neugierig gemacht. Danach verlor sich das Buch für mich jedoch immer mehr in Wiederholungen. Viele Gedanken, Motive und innere Klagen wirkten auf mich wie endlose Schleifen derselben Aussage. Ich hatte das Gefühl, bereits früh verstanden zu haben, worauf der Roman hinausmöchte — dennoch wurden die gleichen Stimmungen und Betrachtungen immer wieder neu durchgespielt. Dadurch kippte für mich der Spannungsbogen komplett. Die Erzählweise empfand ich zudem als sehr schwerfällig und wenig flüssig. Statt Tiefe entstand bei mir zunehmend Ermüdung. Vielleicht trifft das Buch einfach nicht den richtigen Zeitpunkt bei mir. Gerade in einer Zeit, in der einem vielerorts wieder sehr dominante, alte männliche Sichtweisen begegnen, fehlte mir hier eine Perspektive, die mich emotional wirklich erreicht oder überrascht. Trotzdem kann ich verstehen, warum andere Leser:innen den Roman mögen — besonders, wenn man ruhige, philosophische und entschleunigte Literatur schätzt. Für mich persönlich war es leider zu monoton.



















