Miroloi
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Description
Eine junge Frau, die infrage stellt, was ist
Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt ›Miroloi‹ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.
Book Information
Author Description
Karen Köhler, geboren 1974 in Hamburg, studierte Schauspiel in Bern. Nach einigen Jahren in Festengagements als Schauspielerin lebt sie seit 2008 wieder in Hamburg, wo sie als Theaterautorin, Performance-Künstlerin und Illustratorin arbeitet. Sie wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hamburger Literaturförderpreis 2011, dem Schubart-Literaturförderpreis sowie dem Rauriser Literaturpreis (beide 2015). Ihr Prosa-Debüt ›Wir haben Raketen geangelt‹ wurde von Lesern wie Kritikern begeistert aufgenommen.
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Wunderschöne Sprache, ganz besonders!
Es hat etwas gedauert, bis ich das Buch durch hatte. Ich habe jedes einzelne Wort genossen und die schöne Sprache auf mich wirken lassen. Eine schöne und zu gleich traurige Geschichte über ein Mädchen ohne Namen, die um Freiheit kämpft. Das Buch macht auch stellenweise sehr wütend und zeigt, dass nicht nur ein paar über ganze viele zu entscheiden haben. Absurde Gesetze gegen die Frauen, bösartige Männer in Freiheit und nur eine versucht sich zu befreien. Ein tolles Buch, das bestimmt lange im Gedächtnis bleibt. Und die schöne Schreibweise 😍 hab ich das schon erwähnt? 😁 Absolute Leseempfehlung 💯!

„Wie wir leben, entscheidet der Ältestenrat, das sind die dreizehn Ältestenmänner im Dorf, die noch richtig denken können.“
„Miroloi“ von Karen Köhler hat mich sehr beeindruckt und berührt. Langsam und detailreich entsteht eine glaubwürdige Lebensrealität: die Insel, ihre Landschaft, ihre Regeln, ihre Kultur und ihre Enge. Man wird Schritt für Schritt in diese Welt hineingezogen und spürt ihre Schönheit ebenso wie ihre Grausamkeit. Zwar erinnern Setting und Thema an andere Romane über abgeschottete Gesellschaften und Unterdrückung, doch die besondere Sprache und die eigenwillige Kultur wirken erfrischend anders und verleihen der Geschichte eine eigene Stimme. Die scheinbar naive, ruhige Sprache ist zugleich oft erschreckend brutal. So werden Misogynie, strukturelle Unterdrückung und Ausgrenzung eindringlich und aktuell dargestellt – teils so schockierend, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Auch die Figuren sind sehr gelungen. Mit der Protagonistin, Mariah, Sofia und den anderen fühlt und leidet man mit, hofft mit ihnen und sie wachsen einem schnell ans Herz. Ein eindringlicher, kluger und literarisch starker Roman. Klare Empfehlung.
Sprachgewaltig, ungewöhnlich und beeindruckend
Miroloi ist mehr oder weniger eine Dystopie, aber ganz sicher keine gewöhnliche. Im Mittelpunkt steht ein namenloses Mädchen, das als Findelkind in einem abgeschotteten Inselstaat mit extrem strengen, patriarchalen Strukturen aufwächst. Frauen dürfen nicht lesen, haben keine politische Stimme, keinen Einfluss auf das öffentliche Leben, alles ist durch harte Regeln und Traditionen festgelegt. Das Buch erzählt, wie das Mädchen in diesem System groß wird, es hinterfragt und sich dagegen auflehnt. Das absolut Herausragende an Miroloi ist definitiv die Sprache. Karen Köhler hat hier ein unglaublich sprachgewaltiges Werk geschaffen. Die Art, wie das namenlose Mädchen heimlich lesen lernt, wie Sprache für sie zu Freiheit, Widerstand und Identität wird, ist einfach großartig. Auch formal ist das Buch etwas Besonderes: der Aufbau der Kapitel, die Wortwahl, der Rhythmus der Sätze, all das zeigt, wie bewusst und kreativ mit der deutschen Sprache gearbeitet wird. Man merkt auf jeder Seite, wie viel Bedeutung Sprache in dieser Geschichte hat. Miroloi ist kein leichtes Buch, aber ein extrem lohnendes. Es fordert, es berührt und es bleibt im Kopf. Für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis und ein Buch, das sich deutlich abhebt.
Für mich gehört dieses Buch in mein Schmuckkästchen, fein behütet und für besondere Momente. Es geht um ein Findelmädchen auf einer Insel , die von einem patriarchalen Ältestenrat beherrscht wird. Es geht um Erwachsenwerden, die Finesse Regeln zu umgehen, um Verliebt sein, und vor allem um Freiheit. Ganz besonders verzaubert hat mich die Sprachgewalt und das Tempo des Erzählens. Ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz feinen Sprache! Absolute Empfehlung:)
Eine Insel und eine seltsame Gesellschaft Die Ich-Erzählerin, wird im Dorf beschimpft, drangsaliert und ausgeschlossen. Sie wurde in einer Bananenkiste ausgesetzt und keiner kennt ihre Eltern. Sie wurde vom Bethaus - Vater aufgenommen und aufgezogen, auch beschützt. Maria die im Bethaus lange den Haushalt gemacht und sich um das Mädchen gekümmert und wurde eine enge Bezugsperson. Das Mädchen hinkt, da sie einmal versucht hat zu fliehen. Ihre Strafe war es am Pfahl zu stehen, allen Leuten ausgeliefert. Bei der Strafe würde auch beim verletzt. Das Mädchen hat keinen Namen, keine Familie, kein Namen. Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen, müssen aber alles machen. Die Männer versorgen, die Feldarbeit machen usw. usw. Ehen werden arrangiert. Wie zu erwarten gibt es Ehen die gut laufen, aber auch brutale und schlagende Männer. Niemand kann von der Insel. Es kommt regelmäßig ein Schiff, ein Händler bringt Waren von "drüben". Es gibt große Diskussionen zum Thema Strom und sogar Feuerzeugen. Es gibt eine Siedelei, dort werden die Söhne hingebracht, die Drittgeborenen. Das Mädchen ist auf dem Weg dort hin und wird von Yael gesehen. Sie verliebt sich und bekommt eine Nachricht von ihm. Sie treffen sich regelmäßig und haben Sex. Ihr Zieh-Vater bringt ihr heimlich lesen bei uns sie darf in einem alten Lexikon lernen. Das Mädchen schließt noch weitere Kontakte im Dorf und wird sogar zum monatlichen Brotbacken eingeladen. Sie reden miteinander, aus einer Naivität heraus stellt sie "Warum-Fragen" und scheint damit etwas wachzurütteln. Bei der nächsten Versammlung lehnen sich die Frauen auf. Der Bethaus-Vater stirbt überraschend und mit seinem Nachfolger kommen neue Regeln. Die Frauen sollen ihre Haare und Münder bedecken. Sie dürfen sobald es dunkel ist, nicht mehr draußen sein. Alkohol wird verboten, somit sind die Männer auch unzufriedener. Das Mädchen ist von Yael schwanger. Sie möchte jetzt nur noch fliehen... Ein aufwühlendes Buch und leider Recht aktuell. Da Frauenrechte weiterhin bzw. wieder beschnitten werden und zwar von Männern. Die Entwicklung des Mädchens wird sehr gut dargestellt, es passiert langsam, aber stetig. Sie wird dadurch mutiger und hat mehr Unterstützer, als sie denkt.
Dieses Buch hat mich absolut überrascht! Es gibt ja einige Bücher über Frauen, die nicht so recht in die Gesellschaft passen, aber dieses ist etwas Besonderes. Wir lernen ein Mädchen ohne Namen kennen, was auf einer abgeschotteten Insel beim Betvater lebt. Sie bekam nie einen Namen, weil man nicht weiß, wer ihre Eltern sind. Deswegen darf sie auch keinen Besitz haben und eine Familie gründen. Doch als sie heimlich lesen lernt, kommt der Stein ins Rollen. Sie beginnt die Gesellschaft, in der sie lebt, zu hinterfragen und reift zur Frau, die die Insel für ein besseres Leben verlassen möchte. In diesem Buch geht es um so viele Dinge: die Macht über Bildung, den Missbrauch von Religion, die Unterdrückung der Frau, Gewalt an Frauen, Ausgrenzung von Andersartigkeit… an so vielen Stellen wird man wütend, was auf dieser Insel vor sich geht. Aber so weit weg von der Realität in unserer Welt ist es nicht und umso dankbarer bin ich, in einem Land zu leben, wo man nicht aufgrund seines Geschlechts von der schulischen Bildung ausgeschlossen wird. Besonders an diesem Buch ist auch der Schreibstil. Ich finde, durch das Hörbuch kommt er gut zu Geltung. Ich kann das Buch sehr empfehlen!
Mir fehlen noch die Worte für dieses Buch. So hat mich ein Buch schon lange nicht mehr mitgenommen. Ich habe geschmunzelt, geweint und hatte einfach nur Gänsehaut. Die Geschichte über ein Mädchen bzw. jungen Frau, die in einer von Männern und Religion dominierten Gemeinschaft aufwächst. Durch das Lesen- und Schreibenlernen öffnet sich ihr ein Türspalt, der sich nicht mehr schließen lässt und eine unbändige Neugier entfesselt. Das Setting ist bewusst zeit-und ortlos und könnte dadurch überall sein. Diese Geschichte ist roh und schonungslos, ehrlich, zärtlich und liebevoll. Sie erzählt von so vielen Gegensätzen: Einsamkeit und Gemeinschaft, Feindseligkeit und Freundschaft, Neugier und Resignation. Sprachlich so voller Wucht. Die Entwicklung von Naivität zu einer unbändigen Wut ist so mitreißend. Ich musste erst reinkommen aber bin so froh, dass ich dran geblieben bin. Ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte.
Nach fast einem Jahr voller Fantasie- und Liebesromanen hab ich jetzt doch mal was fürs Gehirn gebraucht. Miroloi ist zwar ein zeitgenössischer Roman, hat mich aber vom Aufbau dann doch wieder an ein Fantasy Roman erinnert. Der Roman ist ein sprachliches Meisterwerk, ich habe es sehr genossen und werde dieses Jahr auch mal wieder mehr zeitgenössische Romane lesen.
Zäher Einstieg, imposantes Ende
Ich muss zugeben, dass ich bis zur Hälfte des Buches zwar die Geschichte durchaus interessant fand, mir aber eine größere Spannungskurve gewünscht habe. Es war wichtig, in alle Informationen und Gegebenheiten der Gesellschaft, des schönen Dorfes, eingeführt zu werden, aber für mich war es etwas zu langatmig. Der empowernde Moment hätte für mich aber noch etwas stärker ausfallen dürfen, die Frauen waren für mich noch viel zu sehr Mitläuferinnen, z.T. sogar Mittäterinnen. Vielleicht ist aber auch die Realität so. Ich habe mir das Hörbuch angehört, was ich durchaus weiterempfehlen kann, da es sehr angenehm gelesen wurde.
Dieses Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste und es hat mich nicht enttäuscht. Auch wenn man am Anfang vielleicht etwas braucht, um sich einzulesen, da die Sprache und Art des Erzählens eine besondere ist - spätestens nach dem ersten Drittel zieht einen das Buch in seinen Bann. Und man durchlebt mit der Protagonistin eine wichtige Entwicklung: von einer namenlosen Figur hin zu einer wissbegierigen und kritisch hinterfragenden jungen Frau, die sogar das Glück der Liebe erfahren darf. Es wäre schön, wenn es mehr Menschen mit solchen Mut geben würde...

Ich habe das Hörbuch gehört, das von der Autorin selbst gesprochen wird und kann dies nur empfehlen. Auch inhaltlich und vor allem sprachlich konnte mich die Geschichte überzeugen. Das "Schöne Dorf ", welches mit seinen Bewohnern in tiefster Tradition gefangen ist und es keinen Wunsch nach Fortschritt oder Ausbruch gibt bzw. dieser durch Androhung von Strafen im Keim erstickt wird, ist das Zentrum der Handlung. Niemand hat die Insel je verlassen und es gibt kaum Kontakt zur Außenwelt. Dadurch wird ein Mikrokosmos gezeichnet, der das gesellschaftliche Zusammenleben mit starren Gesetzen und in Isolation abbildet. Das kommt den machthabenden Männern zu Gute. Der Wunsch nach Fortschritt wird unmittelbar unterbunden, weil das fragile gesellschaftliche Gefüge dadurch bröckeln und einstürzen könnte. Und sei es nur eine Waschmaschine, die den Frauen verweigert wird. Das Mädchen ohne Namen, eine Außenseiterin, sucht ihren Platz in der Gemeinschaft. Sie hat bei den meisten Bewohnern einen schweren Stand und wird bestenfalls geduldet. Nur sehr wenige Menschen stehen ihr zur Seite. Sie ist sehr naiv, was aufgrund ihrer mangelnden Bildung jedoch gut nachvollziehbar ist. Sie ist aber dennoch sehr neugierig und wissbebierig. So entwickelt sie sich auch im Laufe der Zeit. Die Geschichte ist in weiten Teilen sehr deprimierend. Nur an wenigen Stellen keimt etwas Hoffnung und Zuversicht auf. Diese Lichtblicke geben auch dem Mädchen Kraft sich nicht aufzugeben und trotz ihres Schicksals ihr Leben zu leben. Die Sprache in diesem Buch ist ganz besonders. Das Mädchen erzählt die Geschichte mit ihren Worten und Gedanken. Für Dinge, die sie nicht benennen kann, denkt sie sich eigene Wörter aus. Somit ist die Geschichte gespickt von Wortneuschöpfungen. Mir hat die Sprache in ihrer Besonderheit sehr gefallen und ich empfand es weder als nervig noch als kitschig. Ich kann das Buch auf jeden Fall sowohl jugendlichen Lesern als auch Erwachsenen weiterempfehlen. Für mich war es ein Jahreshighlight.
Ich kann mich der Begeisterung so vieler leider nicht anschließen
Ich verstehe, warum es so viele begeisterte Stimmen zu diesem Buch gibt. Das zentrale Thema Selbstbestimmung und die weibliche Wut, die auf massiver Unterdrückung basiert ist sehr gut in einer ergreifenden Geschichte umgesetzt. Ich kann aber mit dem Schreibstil selbst einfach nicht warm werden. Dadurch verpufft viel vom Inhalt für mich. Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen.
>Ich lese beim lesen. < Genau dies schafft Karen Köhler. Ein Sog in die Geschichte, ein Gefühl von Teilhabe und Mitgefühl. Ein anderes Buch über Ausgrenzung, Willensstärke und weibliche Kraft. Dieses Buch leuchtet.
"Im schönen Dorf haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert an einem solchen Ort, wenn sich eine Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn sie heimlich lesen lernt, den Konjunktiv versteht, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt?" - Dieses Buch ist voller Empathie, auch wenn diese im schönen Dorf häufig vergeblich gesucht wird. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, sodass eine Verbindung mit ihnen absolut möglich wird. "Das schöne Dorf" ist "nur" ein Fantasiegebilde und doch hat es es vermutlich jeder von uns schon einmal besucht, oder lebt -leider- mittendrin. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, weil es sich unterscheidet, in Erzählstruktur, Geschwindigkeit und Wortwärme. Es wird aufgenommen in die Riege meiner Lieblingsbücher. Wer sich zu Anfang an den etwas -zunächst- außergewöhnlichen Schreibstil gewöhnen kann, wird in jedem Fall mit einer herausragenden Geschichte belohnt werden. "Mein Miroloi muss ich mir selber singen damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nicht gegeben haben.”

Was für ein Buch!
Miroloi ist ein ganz besonderes Buch und tendenziell schwere Kost, wenn man sich darauf einlässt. Es erzählt die außergewöhnliche Geschichte einer außergewöhnlichen Protagonistin aus ihrer Sicht und in ihrer Sprache. Ich musste mich etwas an den Stil gewöhnen, der wie alles an diesem Buch außergewöhnlich ist. Ich habe gelacht und geweint, war schockiert und angeekelt und letztendlich aber vor allem eins: tief berührt.
Unerwartet wundervoll
Ich hatte an das Buch von Karen Köhler keinerlei Erwartungen und war nach den ersten 40 Seiten eher skeptisch. Der ungewohnte Erzählstil und das zunächst schwer greifbare Setting – eine abgeschottete Inselgesellschaft, in der Frauen kaum Rechte haben und strenge religiöse Regeln das Leben bestimmen – ließen mich vermuten, dass Miroloi eine mühsame Lektüre werden könnte. Doch bereits nach kurzer Zeit wurde meine Skepsis von Faszination abgelöst. Die namenlose Erzählerin, ein Findelkind, das langsam zu sich selbst findet und den Mut aufbringt, die Regeln ihrer Welt zu hinterfragen, hat mich tief berührt. Karen Köhler schafft es, die Enge und Härte dieser Gesellschaft eindringlich zu vermitteln und hat mich damit in den Bann dieser Geschichte gezogen. Aus meiner anfänglicher Skepsis wurde Begeisterung – für diese schreckliche, zugleich wunderschöne Insel und für die starke, mutige Protagonistin. Der poetische Stil hat mich gefesselt und am Ende habe ich das Buch in nur zwei Tagen verschlungen. Miroloi ist kein leichtes Buch, aber eines, das im Kopf bleibt – rau, zärtlich, wütend und von großer sprachlicher Kraft.

"Miroloi" hat mich in seinen Bann gezogen. Ich war sofort drin in dem rigiden System eines Dorfes, das sich auf einer Insel befindet, abgeschottet und aus der Zeit gefallen. Dieser erste Roman von Karen Köhler ist meiner Ansicht nach ein tolles Buch. Die Hauptfigur ohne Namen, die ein Findelkind ohne Rechte ist, versucht, sich an die Gesetze des Dorfes anzupassen und die Anfeindungen der Menschen irgendwie zu überstehen. Als Ich-Erzählerin beschreibt sie alles mit einer eindrücklichen Sprache, welche mal brutal, mal rhythmisch und leicht ist. Insgesamt gelingt es Köhler, eine märchenhaft-gruselige Stimmung zu erschaffen, durch die man direkt in die Handlung hineingezogen wird und mit der Ich-Erzählerin mitleidet und mitfiebert. Leider habe ich mir Literaturkritiken zu diesem Roman durchgelesen. Hier werden sehr unterschiedliche Aussagen getroffen. Ich gebe eine klare Leseempfehlung. Mich haben die Geschichte, die Sprache und die Stimmung überzeugt, wodurch ich mich jedes Mal aufs Weiterlesen gefreut habe.
Wunderbare Geschichte mit toller Protagonistin
„Miroloi“ ist ein ganz besonderes Buch. Die Geschichte rund um das Mädchen (ohne Namen) erinnerte mich an „Klara und die Sonne“ von Kazuo Ishiguro. Die Sicht einer Außenseiterin auf den Rest der Welt, im Fall von „Miroloi“ auf das Dorf, sind beeindruckend und vielschichtig. Im Vergleich zu „Klara und die Sonne“ gab is in „Miroloi“ eine Weiterentwicklung der Protagonistin. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Karen Köhler legt in ihrem Debüt richtig los. Die Gefühle des Mädchens werden perfekt in Einklang gebracht mit den Regeln und Menschen des Dorfs. Man fiebert und fühlt mit der Hauptprotagonistin durch die Geschichte, welche wunderbar lyrisch und spannend geschrieben ist. Tolle Story, tolle Protagonistin und ein schöner Schreibstil 5 von 5

Tolle fiktive Geschichte
Eine Insel ist die ganze Welt. Eine junge Frau die als Findelkind dort aufwächst und sich als einzige Frau das lesen beibringt, was nur den Männern erlaubt ist. Wo nur die Männer das sagen haben… Das Buch hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht, weil er schmerzlich erkennen lässt, dass es in manchen Ländern diese Zustände in ähnlicher Form immer noch gibt. Auch wenn es eine fiktive Welt ist hält uns Karen Köhler dennoch den Spiegel für unsere Gesellschaft vor die Augen. Dieses Buch ist sehr gut aufgebaut und durchaus lesenswert.
Das Buch liest man nicht, das fühlt man
Ist schon länger her, dass ich das Buch gelesen hab. Die Handlung ist mir nicht mehr in allen Details präsent, aber das GEFÜHL! Man riecht, fühlt, schmeckt dieses Buch. Die Autorin hat eine unglaubliche Gabe, das ist wirklich selten, das Geschriebenes so sehr die Sinne anspricht und kommt sonst wohl eher in Lyrik vor.
Highlight!
Eine Außenseiterin, die Gerechtigkeit sucht, wo es keine gibt. Abgrenzung, Unterdrückung, Gewalt - aber auch Zusammenhalt, Freundschaft und die niemals endende Hoffnung. Dieses Buch hat mich so so positiv überrascht. Jede Seite habe ich genossen. Ich habe mitgefühlt, mitgeweint, mich mitgeärgert und dabei so sehr auf ein gutes Ende gehofft, dass ich das Gefühl hatte, ich war selbst die Protagonistin. Gesellschaftskritisch, grausam, aber auch stark und mutig - Das ist genau das, was es für mich zu einem wirklich richtig Buch gemacht hat.

Man braucht Zeit um reinzukommen - aber wow!
Das Buch war eher ein Zufallsfund - bin ich froh, es gelesen zu haben! Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich auf den Schreibstil einzulassen, aber das war es wert. Durch die Erzählweise konnte ich wirklich mitfühlen und den Verlauf der Geschichte fand ich tragisch, spannend und es hat mich mitgenommen.
Ich wollte das Buch auf Seite 70 bereits aus der Hand legen, als es geschah: Es packte mich, fing mich ein und ließ mich bis zum Ende nicht mehr los. 571 Seiten in 2 Tagen (ok, ich bin für 15 Tage in Thailands Quarantäne weggeschlossen, aber ich hätte auch draußen jede Minute lesen müssen…) Das Mädchen ohne Namen, die Protagonistin des Buches, wurde als Baby auf die Treppe des Bethauses auf der fiktiven Insel „im schönen Dorf“ (vermutlich in Griechenland) ausgesetzt. Seitdem ist sie verantwortlich für alles Schlechte, was im Dorf passiert. Sie wird von den abergläubischen Dorfbewohnern gemoppt und beschimpft, die Dorfkinder laufen ihr hinterher: „Eselshure, Schlitzi, Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten“ (S.9). Sie gehört nicht zur Gemeinschaft, darf keinen Namen haben, nicht heiraten und auch später keine Kinder kriegen. Aber sie darf arbeiten: Auf dem Feld, im Stall, in der Küche, Wäsche waschen und nähen.. Jeder darf sich das Mädchen für Arbeiten ausleihen. Das Dorf ist hinterwäldlerisch: Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Es gibt keinen Strom und wer nicht gehorcht, wird an den Pfahl gebunden und bestraft. Es ist die Geschichte einer männerdominierten Dorf-Gesellschaft, wo ein Mädchen Mut aufbringt und sich widersetzt. Die Sprache des Romans ist poetisch, aber naiv doch interessant. Mir hat gefallen, wie Karen Köhler es geschafft hat, verschieden Kulturen und Religionen zu verknüpfen: So heisst das Gebetbuch des Dorfes Khorabel, die 3 Götter kommen aus dem Hinduismus, wobei die Gemeinschaft eher an die Sekte Colonia Dignidad erinnert. Das Buch hat mich ein wenig traurig zurückgelassen: so weiß man, dass es diese Art von Unterdrückung noch in der heutigen Zeit gibt und Religionen als Machtmittel benutzt werden. Ein großartiges Romandebüt, ein Buch was nicht so schnell vergessen wird, ein Buchhighlight für mich!
Wow 👏🏻
Vor einer gefühlten Ewigkeit wanderte "Miroloi" von Karen Köhler auf meinen SuB, weil mein Freund meinte, dass ich dieses Buch unbedingt lesen müsse, da es einfach unglaublich beeindruckend sei. Lange habe ich mich davor gedrückt, weil mein Freund meistens eher Bücher liest, die mir zu anspruchsvoll für mich scheinen 😂 Ich habe "Miroloi" also im Zuge meiner "12 für 2024" Challenge endlich angepackt und ich ärgere mich, dass ich das Buch nicht schon früher gelesen habe. Ich hatte es in 2 Tagen fertig und bin immer noch schwer beeindruckt von dem Aufbau, der Geschichte und dem Schreibstil. Der Klappentext sagt inhaltlich alles, was man vor dem Lesen wissen "darf" ohne zu viel vorwegzunehmen. Eine patriarchalische, grausame Gesellschaft, die in der heutigen Zeit ohne jeglichen Fortschritt auf einer abgeschiedenen Insel lebt ohne Rechte für Menschen, die von der Norm abweichen und eine ausgegrenzte Protagonistin, die nach und nach alles Bekannte in Frage stellt. Karen Köhler schafft es jegliche Emotionen auf eine besondere Art und Weise uu erzeugen. Ich war durchwegs gefesselt von dem Schreibstil und der Entwicklung der Geschichte. Mich hinterlässt das Buch insgesamt ziemlich sprachlos, aber im positiven Sinne, wenn auch zu einem unglaublich negativen, aufwühlenden und leider immer noch sehr aktuellen Thema. Das Einzige, was ich sagen kann: LEST DAS BUCH! Es ist einzigartig, beeindruckend und regt so sehr zum Nachdenken an. Ich würde es gerne nochmals zum ersten Mal lesen wollen. Ein Jahreshighlight und ein Buch, das man wirklich gelesen haben sollte 👏🏻

Oh wow! Dieses Buch lässt nicht nach. Der Druck baut sich nach und nach auf bis man sich am Schluß wie an die Wand gedrückt fühlt. Das Buch hat mir so gut gefallen, obwohl die Geschichte eigentlich so schlimm ist. Das lag sicher an dem einmaligen Schreibstil und an der unglaublich klugen Protagonistin, die ohne viel zu wissen trotzdem immer alles in Frage gestellt hat.
Starkes Buch mit starken Persönlichkeiten
Miroloi von Karen Köhler ist ein eindringlicher, poetischer Roman über Unterdrückung, Selbstermächtigung und Freiheit. In einer streng patriarchalen Inselgesellschaft erzählt eine namenlose Frau von ihrem Aufwachsen und ihrem stillen Widerstand gegen festgefügte Regeln.
Ein kraftvolles und schmerzendes Buch
Ich fand das Buch wirklich sehr gut zu lesen, sehr kraftvoll und schmerzhaft zugleich. Viel Mitgefühl der Protagonistin sowie allen anderen Frauen in diesem Dorf. Kurze Momente an Schwesternschaft, die immer wieder von der Angst und Unwissenheit/Abhängigkeit unterbrochen wird. Aber zum Glück auch ein Aufschrei an Wut zum Schluss. Ich finde es empfehlenswert!
Auf einer Insel – wohl in griechischen Gewässern – lebt eine Sechzehnjährige in einer Gesellschaft, in der Frauen rigoros unterdrückt werden. Frauen dürfen nicht einmal lesen lernen, die Männer, insbesondere der Ältestenrat, haben das Sagen. Es ist eine rückständige Gesellschaft, zwar kommt manchmal ein Händler und bringt moderne Waren von „Drüben“, doch verkaufen darf er nur, was der Ältestenrat billigt, Dinge wie Feuerzeuge stellen schon ein Problem dar. Die Gebote der Gemeinschaft, die eine eigene Religion hat, sind in einer „Khorabel“ festgelegt. Die Sechzehnjährige ist als Findelkind eine Außenseiterin, sie darf keinen Namen haben, wird wie eine Hexe für jedes Unglück verantwortlich gemacht, als Kind hat ihr der „Angstmann“ ein Knie zertrümmert, weil sie weglaufen wollte. So lebt sie beim Betvater, der sie damals gefunden hat und sie so gut vor den Dorfbewohnern schützt, wie er kann. Doch die junge Frau gibt sich nicht mit ihrer Rolle zufrieden, sie will lesen lernen, will wissen, wie die Welt beschaffen ist. Und verlieben wird sie sich auch. Ich muss vorab sagen, dass ich mich nicht noch einmal für das Hörbuch entscheiden würde. Wenn ich andere Rezensionen lese, gewinne ich den Eindruck, dass mir bestimmte Aspekte vielleicht entgangen sind. So fiel mir nicht auf, dass sich die Sprache der Protagonistin im Verlauf des Buches großartig verändert. Auch muss ich feststellen, dass Karen Köhlers Lesung mir bei diesem Buch nicht gefallen hat. Bei „Wir haben Raketen geangelt“ war das anders, doch für diesen Roman gefiel mir ihre montone Sprechweise nicht. Das klang für mich teilweise runtergeleiert. Nun ist Karen Köhler ausgebildete Schauspielerin und hat sich bei ihrer Performance sicher etwas gedacht. Es hat sich mir jedoch nicht erschlossen. Ähnlich ging es mir mit dem Sprachstil in bestimmten Passagen, etwa den endlosen Aufzählungen. Auch hier vermute ich durchaus, dass ein Sinn dahinter steht, aber ich war ehrlich gesagt nur genervt. Was die Geschichte angeht, habe ich lange gebraucht, um echtes Interesse an der Protagonistin und ihrem Schicksal zu entwickeln. Wie auch andere Blogger kritisierten, wirkt das ganze Setting schon arg konstruiert. Ähnliches liest man in vielen Romanen, eine Gesellschaft, meistens dystopisch, in der Frauen unterdrückt werden. Das ganze Genre scheint etwas überstrapaziert und Karen Köhler erfindet nun wirklich nicht das Rad neu. Andererseits: So viel auch über Feminismus und patriarchale Strukturen in unseren Gesellschaften diskutiert wird – es reicht immer noch nicht, um wirkliche Fortschritte zu erkennen. Im Gegenteil, in vielen Ländern ist die Entwicklung gerade rückläufig. Von daher sollte man Karen Köhler nicht den Vorwurf machen, ein gängiges Thema auschzuschlachten. Doch ihr Buch lässt mich etwas ratlos zurück, einen echten Beitrag zur Debatte liefert es nicht, die Aussage war absehbar. Auch scheint mir einiges eher unglaubwürdig, es stellt sich u. a. die Frage, ob die Existenz eines solchen Dorfes innerhalb eines modernen Staates realistisch ist. Dennoch will ich das Buch nicht gänzlich schlecht bewerten. Dem Vorwurf, der Roman sei eigentlich ein Jugendbuch und tauge nicht für die Belletristik-Kategorie, kann ich nicht zustimmen, auch wenn die Protagonistin erst sechzehn ist. Die Idee, dass sie ihr eigenes Totenlied, ihr „Miroloi“ singt, weshalb es auch keine Kapitel, sondern Strophen gibt, ist interessant, und wenn man sich erst einmal mit der Ich-Erzählerin angefreundet hat, ist auch die Geschichte durchaus lesenswert.
Wie kann ich noch an das Gute im Menschen glauben, nachdem die Autorin hier alles Schlechte konzentriert und in diese Geschichte gegossen hat?
Ich habe vor einigen Wochen diesen Roman gelesen und er beschäftigt mich immer noch. Die Dystopie liest sich wie eine Antwort auf Margret Atwood. Wie auch im "Report der Magd" liefert eine entfremdete Sicht auf eine Gesellschaft, die nicht die unsere ist, aber so viel von ihr enthält, einen Anlass mit einem feministischen Blick auf unsere reale Welt zu sehen. Sind wir, die freie Welt auf der anderen Seite des Ozeans wirklich so fortschrittlich? Passieren diese misogynen Geschehnisse wirklich nur außerhalb unserer Lebenswirklichkeit? Ein starkes Stück Literatur hat Karen Köhler hier abgeliefert. Hoffentlich werden wir noch viel von ihr zu lesen bekommen. Ich empfehle solange die Lektüre dieses Werks, es lohnt sich. Auch wenn danach sie Abscheu vor menschlichen Abgründen verstärkt wird, so wird der Blick auch frei auf die Möglichkeiten, diese zu verändern.
Wo sind wir? Wann sind wir? Dieses Buch ist schwer zu verorten, noch schwerer zeitlich festzulegen. Anfangs war ich mir sogar unschlüssig: sind wir überhaupt in unserer Welt oder hat Karen Köhler eine dystopische Parallelwelt entworfen? Aber im Laufe der Lektüre stößt man hier und dort auf Versatzstücke, die erahnen lassen, dass der Schauplatz gleichzeitig eine vollkommen in sich geschlossene, quasi zeitlose Gesellschaft beherbergt – und doch nur einen Wimpernschlag von unserer Realität entfernt ist. Ein Geniestreich, der eine starke Grundlage für eine Geschichte bietet, in der das Wort „Emanzipation“ niemals fällt, weil diese Benennung überflüssig ist. Wir sind auf einer Insel, wo die Dinge keine Namen haben. So heißt die Insel nur „die Schöne Insel“, das Dorf nur „das Schöne Dorf“, was sich schnell als geradezu lachhafter, perverser Euphemismus herausstellt. Hier werden Frauen so gründlich entmachtet, als habe es so etwas wie Emanzipation nie gegeben. Sie schuften den ganzen Tag, arbeiten auf dem Feld, kochen, putzen, nähen für ihre Männer und haben dabei keinerlei Rechte. Ab und an werden sie als Zahlungsmittel eingesetzt – der Händler tauscht besonders begehrte Waren gegen Sex, wobei die Frauen natürlich nicht mitreden dürfen – oder grün und blau geschlagen. Sie erhalten keine Bildung, die über Hauswirtschaft hinausgeht; das bleibt den Jungen vorbehalten, denen umgekehrt verboten ist, zu singen, kochen oder sich künstlerisch zu betätigen. Auch autonom dürfen die Dorffrauen sich keine Bildung aneignen. Wird eine von ihnen dabei ertappt, sich gar das LESEN (!!) beizubringen, steht darauf der Schandpfahl. Und genau da setzt die Geschichte ein. Denn die Heldin der Erzählung wünscht sich schon seit ihrer frühsten Kindheit sehnlichst, diese magische Gabe zu besitzen – diese rätselhaften Zeichen zu verstehen, weil sie ahnt, dass sich dahinter ganz neue Welten verbergen. Aber sie, ein Findelkind, hat noch nicht mal einen eigenen Namen: sie ist die „Eselshure“, die „Nachgeburt der Hölle“ oder einfach nur „Schlitzi“, ein abwertendes Wort für eine Frau. Der Schreibstil spiegelt perfekt wieder, wie eingeschränkt sie in ihrem Leben bisher war, wie unterdrückt und klein gehalten. Ihre Sprache ist anfangs geradezu schmerzhaft einfach und unbeholfen, und doch spürt man in jedem Satz: da steckt jemand drin, der kreativ und intelligent ist. Sie stellt sich dumm, „macht sich weg“, hat einen blödsinnigen Gesichtsausdruck perfektioniert, weil das sicherer für sie ist, und doch kratzt sie von innen an den Wänden ihres mentalen Gefängnisses. Als ihr Findelvater, der „Betvater“ des Dorfes und damit eine Autoritätsperson, damit beginnt, sie heimlich im Lesen zu unterrichten, erweitert ihre Welt sich so rasant, dass einem beim Lesen schwindlig werden kann. Es ändert nichts an ihrem Status im Dorf, es gibt ihr keine Rechte, es ist sogar nur eine weitere Sache, die sie in sich verschließen und vor dem Dorf verstecken muss. Aber es zeigt ihr: es gibt mehr als das hier. Ihre Sprache verändert sich, erweitert sich, gewinnt eine ganz eigene Art von Poesie. „Das müde Meer mit nichts obendrauf als einer Silberspiegelfläche, die ist zum Erkennen da, ist ein Fenster, ist eine Tür, ist eine Sehnsucht aus Blei.“ (Zitat) Der Autorin gelingt es, der ohnehin schon ausdrucksstarken Geschichte über Klang und Struktur der Sprache eine zusätzliche Dimension zu verleihen. Sie, die Erzählerin, die Namenlose, singt sich ihr eigenes Miroloi, ihr eigenes Totenlied. Wenn sie das auch nur innerlich tut, ist es doch ein Akt der Rebellion und Befreiung. „Mein Miroloi muss ich mir selber singen damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nicht gegeben haben.“ (Zitat) Ihr Findelvater lässt sie die Khorabel lesen, das heilige Buch der Gemeinschaft, und zeigt ihr, wie die Obrigen es im Laufe der Zeit immer weiter zensiert und umgeschrieben haben, um die Entmachtung der Frauen zu rechtfertigen. Die Wechselwirkung von Religion und Gesellschaft bildet eine weitere Dimension der Geschichte, insbesondere der Einsatz beziehungsweise Missbrauch von Religon als Werkzeug und Waffe. Nach und nach schleicht sich auch die Außenwelt in das beinahe hermetisch abgeriegelte Dorf ein, nicht nur über die Händler vom Festland. Es gibt Interessenten, die das Dorf in die Moderne führen wollen (wenn auch aus eigennützigen Gründen), doch die männliche Dorfgemeinschaft verweigert sich zunehmend panisch, während die Frauen aufhorchen. Hier geht es nicht nur um Frauenrechte, sondern genauso um die Ängste der Männer, die zur Unterdrückung der Frauen führen. Hier geht es auch um Tradition und Gemeinschaft. um Fortschrittsverweigerung und Fremdenhass und Ausgrenzung. Doch das Miroloi der Erzählerin erklingt nach und nach in weiteren Tonarten der Rebellion. Zu Bildung und Religionskritik gesellen sich Sex und Liebe. Erstens: sie gewinnt eine Freundin, von der sie aufklärt wird (was bisher niemand für nötig gehalten hat) und mit der sie lernt, ihre eigene Sexualität zu erkunden. Hier ist Sex mehr als nur Sex, er ist Befreiung, Selbstbestimmung und Rebellion, wenn auch nur im Geheimen. Zweitens: sie, die keine Rechte hat, verliebt sich in einen Betschüler, der nicht lieben darf. Yael schläft nicht nur mit, sondern gibt ihr einen eigenen Namen. Ein doppeltes, ein dreifaches Tabu, womit sich der Einsatz erhöht – jetzt geht es nicht nur darum, dass der Schandpfahl droht, jetzt ist es eine Frage von Leben oder Tod. Die Liebesgeschichte ist in meinen Augen so symbolisch wie alles, was die Erzählerin erlebt, und dadurch fernab jeden Kitsches. Letztlich geht es hier immer wieder darum, wie ihr Schicksal die Gesellschaft und insbesondere die Frauenrechte wiederspiegelt. Meines Erachtens funktioniert das, weil Karen Köhler es erscheinen lässt wie eine natürliche Entwicklung, ein organisches und nicht erzwungenes Gesamtbild. Und ihre Heldin ist glaubhaft, stark und einnehmend genug, um diese Geschichte zu tragen. Manche Rezensenten bemängeln, „Miroloi“ sei eigentlich ein Jugendbuch. Zu naiv sei die Hauptfigur, zu erzwungen und platt die Botschaft. Ich habe das nicht so empfunden, obwohl das Buch sicher auch für Jugendliche geeignet ist. Ja, manche Szenen holpern, klingen nicht ganz stimmig, manchmal ist die Botschaft sehr LAUT UND ÜBERDEUTLICH. Aber die Einfachheit der Sprache und der Botschaft war für mich ein klares Resultat der gezielten Unterdrückung und Unbildung der Protagonistin – und damit eher ein Stilmittel als ein Mangel. Das Ende mag polarisieren. Es ist konsequent, mehr möchte ich dazu hier nicht sagen. Fazit Hier auf der Insel gibt es nur das schöne Dorf. Hier sind die Rollen klar verteilt: die Männer haben alle Rechte, die Frauen keine. Die Erzählerin ist sogar noch machtloser als ihre Geschlechtsgenossinnen, denn als Findelkind hat sie keinen Namen, darf daher keinen Besitz ihr eigen nennen und wird irgendwann sterben, ohne dass jemand das Miroloi, ihr Totenlied, für sie singt. Daher singt sie es im Kopf schon mal für sich selber. Doch das ist nicht das ganze Ausmaß ihrer Rebellion. Sie lernt Lesen, sie versteckt Gegenstände, die sie als ihre betrachtet, sie verliebt sich in einen Betschüler, dem die Religion Keuschheit vorschreibt. Und sie entdeckt, wie die Obrigen das heilige Buch einsetzen, um Menschen zu kontrollieren. Für mich ist „Miroloi“ ein ganz starkes Buch, über das ich sicher noch öfter nachdenken werde. Es geht nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um Bildung und Religion und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-karen-koehler-miroloi/
gar nicht so einfach zu bewerten, vor allem, wenn man davor viele rezensionen von mittelalten männern gelesen hat, die sich über den literaturbetrieb aufregen. und darüber, dass feminismus anscheinend jetzt ein trend-thema ist und das buch nur deswegen überhaupt so viel aufmerksamkeit bekommen hat :) ändert aber nichts; miroloi ist ein gutes buch. nicht alles hat mir gefallen, vieles hat mich aber nachdenken lassen und fragen aufgeworfen, und mich vielleicht auch verwirrt. auf den ersten blick scheint alles einfach, erzählt in einfacher sprache. aber so einfach ist es dann gar nicht, und die sprache ist ganz besonders. es war mitreißend und wird mir noch lange im gedächtnis bleiben, sagt viel über kultur, sprache und geschichte, über religion und klar auch über feminismus. und wer sagt eigentlich, dass anspruchsvolle literatur nicht auch angenehm zu lesen sein darf?
Meinen ersten Buddyread überhaupt hatte ich im Januar mit der lieben Elvira und nun endlich habe ich geschafft es zu rezensieren. Über den Titel „Miroloi“ bin ich zunächst gestolpert und habe erst nach meiner Lektüre nachgeschaut, was er eigentlich bedeutet: Ein von Frauen gesungenes und gedichtetes Klagelied für einen Verstorbenen (was vor allem in der griechisch-orthodoxen Kirche gesungen wird). Ein Miroloi, ein Totenlied, singt die Protagonistin in diesem Buch in 128 Strophen, vielleicht für sich selbst oder vielleicht doch auch für ihr nächstes Leben, dass für sie hoffentlich lebenswerter wird als das Gegenwärtige. Denn diese Geschichte fängt ausgesprochen düster an. Die (vorerst namenlose) Protagonistin wird als Baby mitten im Regen in einem Karton vor die Tür eines Priesters gelegt. Kein Mensch weiß, wo sie herkommt oder wer ihre Eltern sind und sie ist von Anfang an ein Nichts, daher bekommt sie auch keinen Namen - höchstens Schimpfnamen wie Eselshure oder Nachgeburt der Hölle. Die Dorfbewohner, in dem Dorf wo sie wohnt sind fest überzeugt: Sie wird Unglück bringen. Das kleine Mädchen wächst dann bei diesem Priester auf, der sie liebevoll wie eine Tochter erzieht, aber alles daran setzt, dass die Dorfbewohner die Nähe, die zwischen ihm und dem Mädchen herrscht, nicht mitkriegen. Das könnte sowohl ihm, als auch ihr schaden, denn schließlich bringt er ihr auch das Lesen und Schreiben bei, was für Frauen in diesem Dorf strengstens verboten ist. Das Dorf heißt zwar „Schönes Dorf“ - aber nichts ist schön in diesem Dorf, wenn man mal von der traumhaften Lage absieht auf einer einsamen Insel, irgendwo im Mittelmeer, angeschnitten von der Zivilisation. Kein Strom, kein fließend Wasser, kein Radio, kein Fernsehen - ziemlich weit weg von unserer eigenen Realität. Die Männer haben das Sagen, die Frauen fügen sich. Ein Ältestenrat bestimmt alle Angelegenheiten der Menschen und wer dagegen verstößt oder sich ihnen widersetzt, wird an einen Pfahl gebunden auf dem Dorfplatz. Einmal hat sich das Mädchen einem Jungen widersetzt, der sie sexuell belästigt hat und hat ihn geohrfeigt - zur Strafe wurde sie einen ganzen Tag und eine Nacht an diesen Pfahl gebunden. Danach, auch das gehört zur Strafe, wird ihr mit einem dicken Olivenast das Bein zertrümmert. Fortan hinkt sie - eine von vielen körperlichen und seelischen Narben, die das Leben in der barbarischen Dorfgemeinschaft bei ihr hinterlassen wird. Dieses Mädchen wird irgendwann Alina heißen, ein Name, den ihr ein junger Priester gibt. Die beiden verlieben sich ineinander, was natürlich keiner erfahren darf. Und dass das nicht gut ausgehen kann, wird schnell klar. Das war die Stelle, an der ich überlegt habe, das Buch abzubrechen, da ich mich der Brutalität der Vorkommnisse ausgeliefert gefühlt habe. Aber meine liebe Buddyreadpartnerin Elvira war schon weiter als ich und hat mich motiviert, es doch zu tun (allein deswegen sind Buddyreads Gold wert!). Ich hatte so viel Mitgefühl für Alina und Bewunderung für das, was sie alles erreicht hatte und wie sich den Gepflogenheiten widersetzt hat, dass ich einfach nicht wollte, dass ihr noch etwas schlimmes zustößt. Was sie alles hingenommen hat, war schier unglaublich - ich habe fast schon mitgelitten. Und es wäre sowas von schade gewesen, hätte ich es an dieser Stelle abgebrochen, denn es lohnt sich das ganze Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Vor allem das Ende lohnt sich, trotz aller Grausamkeit und Düsternis. Ein Buch, das von Mut erzählt, mit dem eine Frau es schafft, ihre Ängste zu überwinden. Sie findet Hoffnung, trotz all der Zweifel, die ihr innewohnen. Karen Köhler erzählt von den wertvollen Menschen im Leben, die sich um uns sorgen, sich kümmern - einfach für uns da sind. Und sie erzählt auch von Menschen, die sich gegen das Unrecht stellen und damit andere beschützen. Ein paar Menschen gibt es in „Miroloi“, die sich auflehnen gegen diese herrische, barbarische Dorfgemeinschaft, Menschen die dem Mädchen Alina helfen. Wie zum Beispiel der Müller, der in kurzen Passagen auftaucht, die mir unglaublich viel Trost und Hoffnung für Alina gegeben haben, denn wenn alle Stricke reißen, kann sie auf den Müller zählen. Wir alle brauchen einen Menschen wie den Müller in unserem Leben. „Miroloi“ ist keine leichte Lektüre, aufgrund all der Düsternis, die das Buch bereithält, aber ich habe es für die hellen Momente gelesen, den immer wieder aufblitzenden Lichtern in all der Finsternis. Ich brauchte zunächst etwas, um mich an den Ton des Buches und Karen Köhlers Erzählstimme zu gewöhnen, aber als ich den roten Faden erstmal gefunden hatte, habe ich ihn nicht mehr losgelassen und (bis auf meinen Mitgefühl-Fast-Abbruch). Karen Köhler hat eine ganz besondere Art und Weise mit Sprache umzugehen. Ich habe selten ein Buch gelesen mit so vielen mir unbekannten Begriffen (die ich sogar nachschlagen musste). Sie führt uns anhand einer naiven 16Jährigen in ebensolcher naiven Sprache durch den Text. Sie nennt zum Beispiel den Priester, der sie gefunden hat, ihren „Finder“ - was für ein schöner Ausdruck! Auf eine smarte Weise (durch Sprache in z.B. einem Kapitel, das nur aus einzelnen Worten besteht) ordnet sie das zeitliche Geschehen ein, ohne konkret zu werden. Sie trifft mit „Miroloi“ den Nerv unserer Zeit, indem sie viele Probleme, wie Feminismus, Patriarchat, Ausgrenzung, Religion, Glaube oder Revolution anspricht und sie auf diese Insel verfrachtet, eine abgeschiedene Welt für sich mit ihren eigenen Regeln. Karen Köhler hat mit „Miroloi“ ein literarisches Puzzle erschaffen, dass sich - Teil für Teil - in unseren Köpfen zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Wir erfahren nicht, wo und wann die Geschichte spielt, aber es gibt zahlreiche Indizien. „Das Dorf ist ein Ort, der nur in der Literatur existiert und dennoch allgegenwärtig ist.“ Ich habe zahlreiche Verrisse des Buches gelesen (viele von Männern) und kann keinen einzigen davon nachvollziehen. Lest es, denn ich würde mich über Eure Gedanken dazu und einen Austausch sehr freuen!
Description
Eine junge Frau, die infrage stellt, was ist
Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt ›Miroloi‹ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.
Book Information
Author Description
Karen Köhler, geboren 1974 in Hamburg, studierte Schauspiel in Bern. Nach einigen Jahren in Festengagements als Schauspielerin lebt sie seit 2008 wieder in Hamburg, wo sie als Theaterautorin, Performance-Künstlerin und Illustratorin arbeitet. Sie wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hamburger Literaturförderpreis 2011, dem Schubart-Literaturförderpreis sowie dem Rauriser Literaturpreis (beide 2015). Ihr Prosa-Debüt ›Wir haben Raketen geangelt‹ wurde von Lesern wie Kritikern begeistert aufgenommen.
Posts
Wunderschöne Sprache, ganz besonders!
Es hat etwas gedauert, bis ich das Buch durch hatte. Ich habe jedes einzelne Wort genossen und die schöne Sprache auf mich wirken lassen. Eine schöne und zu gleich traurige Geschichte über ein Mädchen ohne Namen, die um Freiheit kämpft. Das Buch macht auch stellenweise sehr wütend und zeigt, dass nicht nur ein paar über ganze viele zu entscheiden haben. Absurde Gesetze gegen die Frauen, bösartige Männer in Freiheit und nur eine versucht sich zu befreien. Ein tolles Buch, das bestimmt lange im Gedächtnis bleibt. Und die schöne Schreibweise 😍 hab ich das schon erwähnt? 😁 Absolute Leseempfehlung 💯!

„Wie wir leben, entscheidet der Ältestenrat, das sind die dreizehn Ältestenmänner im Dorf, die noch richtig denken können.“
„Miroloi“ von Karen Köhler hat mich sehr beeindruckt und berührt. Langsam und detailreich entsteht eine glaubwürdige Lebensrealität: die Insel, ihre Landschaft, ihre Regeln, ihre Kultur und ihre Enge. Man wird Schritt für Schritt in diese Welt hineingezogen und spürt ihre Schönheit ebenso wie ihre Grausamkeit. Zwar erinnern Setting und Thema an andere Romane über abgeschottete Gesellschaften und Unterdrückung, doch die besondere Sprache und die eigenwillige Kultur wirken erfrischend anders und verleihen der Geschichte eine eigene Stimme. Die scheinbar naive, ruhige Sprache ist zugleich oft erschreckend brutal. So werden Misogynie, strukturelle Unterdrückung und Ausgrenzung eindringlich und aktuell dargestellt – teils so schockierend, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Auch die Figuren sind sehr gelungen. Mit der Protagonistin, Mariah, Sofia und den anderen fühlt und leidet man mit, hofft mit ihnen und sie wachsen einem schnell ans Herz. Ein eindringlicher, kluger und literarisch starker Roman. Klare Empfehlung.
Sprachgewaltig, ungewöhnlich und beeindruckend
Miroloi ist mehr oder weniger eine Dystopie, aber ganz sicher keine gewöhnliche. Im Mittelpunkt steht ein namenloses Mädchen, das als Findelkind in einem abgeschotteten Inselstaat mit extrem strengen, patriarchalen Strukturen aufwächst. Frauen dürfen nicht lesen, haben keine politische Stimme, keinen Einfluss auf das öffentliche Leben, alles ist durch harte Regeln und Traditionen festgelegt. Das Buch erzählt, wie das Mädchen in diesem System groß wird, es hinterfragt und sich dagegen auflehnt. Das absolut Herausragende an Miroloi ist definitiv die Sprache. Karen Köhler hat hier ein unglaublich sprachgewaltiges Werk geschaffen. Die Art, wie das namenlose Mädchen heimlich lesen lernt, wie Sprache für sie zu Freiheit, Widerstand und Identität wird, ist einfach großartig. Auch formal ist das Buch etwas Besonderes: der Aufbau der Kapitel, die Wortwahl, der Rhythmus der Sätze, all das zeigt, wie bewusst und kreativ mit der deutschen Sprache gearbeitet wird. Man merkt auf jeder Seite, wie viel Bedeutung Sprache in dieser Geschichte hat. Miroloi ist kein leichtes Buch, aber ein extrem lohnendes. Es fordert, es berührt und es bleibt im Kopf. Für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis und ein Buch, das sich deutlich abhebt.
Für mich gehört dieses Buch in mein Schmuckkästchen, fein behütet und für besondere Momente. Es geht um ein Findelmädchen auf einer Insel , die von einem patriarchalen Ältestenrat beherrscht wird. Es geht um Erwachsenwerden, die Finesse Regeln zu umgehen, um Verliebt sein, und vor allem um Freiheit. Ganz besonders verzaubert hat mich die Sprachgewalt und das Tempo des Erzählens. Ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz feinen Sprache! Absolute Empfehlung:)
Eine Insel und eine seltsame Gesellschaft Die Ich-Erzählerin, wird im Dorf beschimpft, drangsaliert und ausgeschlossen. Sie wurde in einer Bananenkiste ausgesetzt und keiner kennt ihre Eltern. Sie wurde vom Bethaus - Vater aufgenommen und aufgezogen, auch beschützt. Maria die im Bethaus lange den Haushalt gemacht und sich um das Mädchen gekümmert und wurde eine enge Bezugsperson. Das Mädchen hinkt, da sie einmal versucht hat zu fliehen. Ihre Strafe war es am Pfahl zu stehen, allen Leuten ausgeliefert. Bei der Strafe würde auch beim verletzt. Das Mädchen hat keinen Namen, keine Familie, kein Namen. Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen, müssen aber alles machen. Die Männer versorgen, die Feldarbeit machen usw. usw. Ehen werden arrangiert. Wie zu erwarten gibt es Ehen die gut laufen, aber auch brutale und schlagende Männer. Niemand kann von der Insel. Es kommt regelmäßig ein Schiff, ein Händler bringt Waren von "drüben". Es gibt große Diskussionen zum Thema Strom und sogar Feuerzeugen. Es gibt eine Siedelei, dort werden die Söhne hingebracht, die Drittgeborenen. Das Mädchen ist auf dem Weg dort hin und wird von Yael gesehen. Sie verliebt sich und bekommt eine Nachricht von ihm. Sie treffen sich regelmäßig und haben Sex. Ihr Zieh-Vater bringt ihr heimlich lesen bei uns sie darf in einem alten Lexikon lernen. Das Mädchen schließt noch weitere Kontakte im Dorf und wird sogar zum monatlichen Brotbacken eingeladen. Sie reden miteinander, aus einer Naivität heraus stellt sie "Warum-Fragen" und scheint damit etwas wachzurütteln. Bei der nächsten Versammlung lehnen sich die Frauen auf. Der Bethaus-Vater stirbt überraschend und mit seinem Nachfolger kommen neue Regeln. Die Frauen sollen ihre Haare und Münder bedecken. Sie dürfen sobald es dunkel ist, nicht mehr draußen sein. Alkohol wird verboten, somit sind die Männer auch unzufriedener. Das Mädchen ist von Yael schwanger. Sie möchte jetzt nur noch fliehen... Ein aufwühlendes Buch und leider Recht aktuell. Da Frauenrechte weiterhin bzw. wieder beschnitten werden und zwar von Männern. Die Entwicklung des Mädchens wird sehr gut dargestellt, es passiert langsam, aber stetig. Sie wird dadurch mutiger und hat mehr Unterstützer, als sie denkt.
Dieses Buch hat mich absolut überrascht! Es gibt ja einige Bücher über Frauen, die nicht so recht in die Gesellschaft passen, aber dieses ist etwas Besonderes. Wir lernen ein Mädchen ohne Namen kennen, was auf einer abgeschotteten Insel beim Betvater lebt. Sie bekam nie einen Namen, weil man nicht weiß, wer ihre Eltern sind. Deswegen darf sie auch keinen Besitz haben und eine Familie gründen. Doch als sie heimlich lesen lernt, kommt der Stein ins Rollen. Sie beginnt die Gesellschaft, in der sie lebt, zu hinterfragen und reift zur Frau, die die Insel für ein besseres Leben verlassen möchte. In diesem Buch geht es um so viele Dinge: die Macht über Bildung, den Missbrauch von Religion, die Unterdrückung der Frau, Gewalt an Frauen, Ausgrenzung von Andersartigkeit… an so vielen Stellen wird man wütend, was auf dieser Insel vor sich geht. Aber so weit weg von der Realität in unserer Welt ist es nicht und umso dankbarer bin ich, in einem Land zu leben, wo man nicht aufgrund seines Geschlechts von der schulischen Bildung ausgeschlossen wird. Besonders an diesem Buch ist auch der Schreibstil. Ich finde, durch das Hörbuch kommt er gut zu Geltung. Ich kann das Buch sehr empfehlen!
Mir fehlen noch die Worte für dieses Buch. So hat mich ein Buch schon lange nicht mehr mitgenommen. Ich habe geschmunzelt, geweint und hatte einfach nur Gänsehaut. Die Geschichte über ein Mädchen bzw. jungen Frau, die in einer von Männern und Religion dominierten Gemeinschaft aufwächst. Durch das Lesen- und Schreibenlernen öffnet sich ihr ein Türspalt, der sich nicht mehr schließen lässt und eine unbändige Neugier entfesselt. Das Setting ist bewusst zeit-und ortlos und könnte dadurch überall sein. Diese Geschichte ist roh und schonungslos, ehrlich, zärtlich und liebevoll. Sie erzählt von so vielen Gegensätzen: Einsamkeit und Gemeinschaft, Feindseligkeit und Freundschaft, Neugier und Resignation. Sprachlich so voller Wucht. Die Entwicklung von Naivität zu einer unbändigen Wut ist so mitreißend. Ich musste erst reinkommen aber bin so froh, dass ich dran geblieben bin. Ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte.
Nach fast einem Jahr voller Fantasie- und Liebesromanen hab ich jetzt doch mal was fürs Gehirn gebraucht. Miroloi ist zwar ein zeitgenössischer Roman, hat mich aber vom Aufbau dann doch wieder an ein Fantasy Roman erinnert. Der Roman ist ein sprachliches Meisterwerk, ich habe es sehr genossen und werde dieses Jahr auch mal wieder mehr zeitgenössische Romane lesen.
Zäher Einstieg, imposantes Ende
Ich muss zugeben, dass ich bis zur Hälfte des Buches zwar die Geschichte durchaus interessant fand, mir aber eine größere Spannungskurve gewünscht habe. Es war wichtig, in alle Informationen und Gegebenheiten der Gesellschaft, des schönen Dorfes, eingeführt zu werden, aber für mich war es etwas zu langatmig. Der empowernde Moment hätte für mich aber noch etwas stärker ausfallen dürfen, die Frauen waren für mich noch viel zu sehr Mitläuferinnen, z.T. sogar Mittäterinnen. Vielleicht ist aber auch die Realität so. Ich habe mir das Hörbuch angehört, was ich durchaus weiterempfehlen kann, da es sehr angenehm gelesen wurde.
Dieses Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste und es hat mich nicht enttäuscht. Auch wenn man am Anfang vielleicht etwas braucht, um sich einzulesen, da die Sprache und Art des Erzählens eine besondere ist - spätestens nach dem ersten Drittel zieht einen das Buch in seinen Bann. Und man durchlebt mit der Protagonistin eine wichtige Entwicklung: von einer namenlosen Figur hin zu einer wissbegierigen und kritisch hinterfragenden jungen Frau, die sogar das Glück der Liebe erfahren darf. Es wäre schön, wenn es mehr Menschen mit solchen Mut geben würde...

Ich habe das Hörbuch gehört, das von der Autorin selbst gesprochen wird und kann dies nur empfehlen. Auch inhaltlich und vor allem sprachlich konnte mich die Geschichte überzeugen. Das "Schöne Dorf ", welches mit seinen Bewohnern in tiefster Tradition gefangen ist und es keinen Wunsch nach Fortschritt oder Ausbruch gibt bzw. dieser durch Androhung von Strafen im Keim erstickt wird, ist das Zentrum der Handlung. Niemand hat die Insel je verlassen und es gibt kaum Kontakt zur Außenwelt. Dadurch wird ein Mikrokosmos gezeichnet, der das gesellschaftliche Zusammenleben mit starren Gesetzen und in Isolation abbildet. Das kommt den machthabenden Männern zu Gute. Der Wunsch nach Fortschritt wird unmittelbar unterbunden, weil das fragile gesellschaftliche Gefüge dadurch bröckeln und einstürzen könnte. Und sei es nur eine Waschmaschine, die den Frauen verweigert wird. Das Mädchen ohne Namen, eine Außenseiterin, sucht ihren Platz in der Gemeinschaft. Sie hat bei den meisten Bewohnern einen schweren Stand und wird bestenfalls geduldet. Nur sehr wenige Menschen stehen ihr zur Seite. Sie ist sehr naiv, was aufgrund ihrer mangelnden Bildung jedoch gut nachvollziehbar ist. Sie ist aber dennoch sehr neugierig und wissbebierig. So entwickelt sie sich auch im Laufe der Zeit. Die Geschichte ist in weiten Teilen sehr deprimierend. Nur an wenigen Stellen keimt etwas Hoffnung und Zuversicht auf. Diese Lichtblicke geben auch dem Mädchen Kraft sich nicht aufzugeben und trotz ihres Schicksals ihr Leben zu leben. Die Sprache in diesem Buch ist ganz besonders. Das Mädchen erzählt die Geschichte mit ihren Worten und Gedanken. Für Dinge, die sie nicht benennen kann, denkt sie sich eigene Wörter aus. Somit ist die Geschichte gespickt von Wortneuschöpfungen. Mir hat die Sprache in ihrer Besonderheit sehr gefallen und ich empfand es weder als nervig noch als kitschig. Ich kann das Buch auf jeden Fall sowohl jugendlichen Lesern als auch Erwachsenen weiterempfehlen. Für mich war es ein Jahreshighlight.
Ich kann mich der Begeisterung so vieler leider nicht anschließen
Ich verstehe, warum es so viele begeisterte Stimmen zu diesem Buch gibt. Das zentrale Thema Selbstbestimmung und die weibliche Wut, die auf massiver Unterdrückung basiert ist sehr gut in einer ergreifenden Geschichte umgesetzt. Ich kann aber mit dem Schreibstil selbst einfach nicht warm werden. Dadurch verpufft viel vom Inhalt für mich. Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen.
>Ich lese beim lesen. < Genau dies schafft Karen Köhler. Ein Sog in die Geschichte, ein Gefühl von Teilhabe und Mitgefühl. Ein anderes Buch über Ausgrenzung, Willensstärke und weibliche Kraft. Dieses Buch leuchtet.
"Im schönen Dorf haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert an einem solchen Ort, wenn sich eine Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn sie heimlich lesen lernt, den Konjunktiv versteht, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt?" - Dieses Buch ist voller Empathie, auch wenn diese im schönen Dorf häufig vergeblich gesucht wird. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, sodass eine Verbindung mit ihnen absolut möglich wird. "Das schöne Dorf" ist "nur" ein Fantasiegebilde und doch hat es es vermutlich jeder von uns schon einmal besucht, oder lebt -leider- mittendrin. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, weil es sich unterscheidet, in Erzählstruktur, Geschwindigkeit und Wortwärme. Es wird aufgenommen in die Riege meiner Lieblingsbücher. Wer sich zu Anfang an den etwas -zunächst- außergewöhnlichen Schreibstil gewöhnen kann, wird in jedem Fall mit einer herausragenden Geschichte belohnt werden. "Mein Miroloi muss ich mir selber singen damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nicht gegeben haben.”

Was für ein Buch!
Miroloi ist ein ganz besonderes Buch und tendenziell schwere Kost, wenn man sich darauf einlässt. Es erzählt die außergewöhnliche Geschichte einer außergewöhnlichen Protagonistin aus ihrer Sicht und in ihrer Sprache. Ich musste mich etwas an den Stil gewöhnen, der wie alles an diesem Buch außergewöhnlich ist. Ich habe gelacht und geweint, war schockiert und angeekelt und letztendlich aber vor allem eins: tief berührt.
Unerwartet wundervoll
Ich hatte an das Buch von Karen Köhler keinerlei Erwartungen und war nach den ersten 40 Seiten eher skeptisch. Der ungewohnte Erzählstil und das zunächst schwer greifbare Setting – eine abgeschottete Inselgesellschaft, in der Frauen kaum Rechte haben und strenge religiöse Regeln das Leben bestimmen – ließen mich vermuten, dass Miroloi eine mühsame Lektüre werden könnte. Doch bereits nach kurzer Zeit wurde meine Skepsis von Faszination abgelöst. Die namenlose Erzählerin, ein Findelkind, das langsam zu sich selbst findet und den Mut aufbringt, die Regeln ihrer Welt zu hinterfragen, hat mich tief berührt. Karen Köhler schafft es, die Enge und Härte dieser Gesellschaft eindringlich zu vermitteln und hat mich damit in den Bann dieser Geschichte gezogen. Aus meiner anfänglicher Skepsis wurde Begeisterung – für diese schreckliche, zugleich wunderschöne Insel und für die starke, mutige Protagonistin. Der poetische Stil hat mich gefesselt und am Ende habe ich das Buch in nur zwei Tagen verschlungen. Miroloi ist kein leichtes Buch, aber eines, das im Kopf bleibt – rau, zärtlich, wütend und von großer sprachlicher Kraft.

"Miroloi" hat mich in seinen Bann gezogen. Ich war sofort drin in dem rigiden System eines Dorfes, das sich auf einer Insel befindet, abgeschottet und aus der Zeit gefallen. Dieser erste Roman von Karen Köhler ist meiner Ansicht nach ein tolles Buch. Die Hauptfigur ohne Namen, die ein Findelkind ohne Rechte ist, versucht, sich an die Gesetze des Dorfes anzupassen und die Anfeindungen der Menschen irgendwie zu überstehen. Als Ich-Erzählerin beschreibt sie alles mit einer eindrücklichen Sprache, welche mal brutal, mal rhythmisch und leicht ist. Insgesamt gelingt es Köhler, eine märchenhaft-gruselige Stimmung zu erschaffen, durch die man direkt in die Handlung hineingezogen wird und mit der Ich-Erzählerin mitleidet und mitfiebert. Leider habe ich mir Literaturkritiken zu diesem Roman durchgelesen. Hier werden sehr unterschiedliche Aussagen getroffen. Ich gebe eine klare Leseempfehlung. Mich haben die Geschichte, die Sprache und die Stimmung überzeugt, wodurch ich mich jedes Mal aufs Weiterlesen gefreut habe.
Wunderbare Geschichte mit toller Protagonistin
„Miroloi“ ist ein ganz besonderes Buch. Die Geschichte rund um das Mädchen (ohne Namen) erinnerte mich an „Klara und die Sonne“ von Kazuo Ishiguro. Die Sicht einer Außenseiterin auf den Rest der Welt, im Fall von „Miroloi“ auf das Dorf, sind beeindruckend und vielschichtig. Im Vergleich zu „Klara und die Sonne“ gab is in „Miroloi“ eine Weiterentwicklung der Protagonistin. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Karen Köhler legt in ihrem Debüt richtig los. Die Gefühle des Mädchens werden perfekt in Einklang gebracht mit den Regeln und Menschen des Dorfs. Man fiebert und fühlt mit der Hauptprotagonistin durch die Geschichte, welche wunderbar lyrisch und spannend geschrieben ist. Tolle Story, tolle Protagonistin und ein schöner Schreibstil 5 von 5

Tolle fiktive Geschichte
Eine Insel ist die ganze Welt. Eine junge Frau die als Findelkind dort aufwächst und sich als einzige Frau das lesen beibringt, was nur den Männern erlaubt ist. Wo nur die Männer das sagen haben… Das Buch hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht, weil er schmerzlich erkennen lässt, dass es in manchen Ländern diese Zustände in ähnlicher Form immer noch gibt. Auch wenn es eine fiktive Welt ist hält uns Karen Köhler dennoch den Spiegel für unsere Gesellschaft vor die Augen. Dieses Buch ist sehr gut aufgebaut und durchaus lesenswert.
Das Buch liest man nicht, das fühlt man
Ist schon länger her, dass ich das Buch gelesen hab. Die Handlung ist mir nicht mehr in allen Details präsent, aber das GEFÜHL! Man riecht, fühlt, schmeckt dieses Buch. Die Autorin hat eine unglaubliche Gabe, das ist wirklich selten, das Geschriebenes so sehr die Sinne anspricht und kommt sonst wohl eher in Lyrik vor.
Highlight!
Eine Außenseiterin, die Gerechtigkeit sucht, wo es keine gibt. Abgrenzung, Unterdrückung, Gewalt - aber auch Zusammenhalt, Freundschaft und die niemals endende Hoffnung. Dieses Buch hat mich so so positiv überrascht. Jede Seite habe ich genossen. Ich habe mitgefühlt, mitgeweint, mich mitgeärgert und dabei so sehr auf ein gutes Ende gehofft, dass ich das Gefühl hatte, ich war selbst die Protagonistin. Gesellschaftskritisch, grausam, aber auch stark und mutig - Das ist genau das, was es für mich zu einem wirklich richtig Buch gemacht hat.

Man braucht Zeit um reinzukommen - aber wow!
Das Buch war eher ein Zufallsfund - bin ich froh, es gelesen zu haben! Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich auf den Schreibstil einzulassen, aber das war es wert. Durch die Erzählweise konnte ich wirklich mitfühlen und den Verlauf der Geschichte fand ich tragisch, spannend und es hat mich mitgenommen.
Ich wollte das Buch auf Seite 70 bereits aus der Hand legen, als es geschah: Es packte mich, fing mich ein und ließ mich bis zum Ende nicht mehr los. 571 Seiten in 2 Tagen (ok, ich bin für 15 Tage in Thailands Quarantäne weggeschlossen, aber ich hätte auch draußen jede Minute lesen müssen…) Das Mädchen ohne Namen, die Protagonistin des Buches, wurde als Baby auf die Treppe des Bethauses auf der fiktiven Insel „im schönen Dorf“ (vermutlich in Griechenland) ausgesetzt. Seitdem ist sie verantwortlich für alles Schlechte, was im Dorf passiert. Sie wird von den abergläubischen Dorfbewohnern gemoppt und beschimpft, die Dorfkinder laufen ihr hinterher: „Eselshure, Schlitzi, Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten“ (S.9). Sie gehört nicht zur Gemeinschaft, darf keinen Namen haben, nicht heiraten und auch später keine Kinder kriegen. Aber sie darf arbeiten: Auf dem Feld, im Stall, in der Küche, Wäsche waschen und nähen.. Jeder darf sich das Mädchen für Arbeiten ausleihen. Das Dorf ist hinterwäldlerisch: Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Es gibt keinen Strom und wer nicht gehorcht, wird an den Pfahl gebunden und bestraft. Es ist die Geschichte einer männerdominierten Dorf-Gesellschaft, wo ein Mädchen Mut aufbringt und sich widersetzt. Die Sprache des Romans ist poetisch, aber naiv doch interessant. Mir hat gefallen, wie Karen Köhler es geschafft hat, verschieden Kulturen und Religionen zu verknüpfen: So heisst das Gebetbuch des Dorfes Khorabel, die 3 Götter kommen aus dem Hinduismus, wobei die Gemeinschaft eher an die Sekte Colonia Dignidad erinnert. Das Buch hat mich ein wenig traurig zurückgelassen: so weiß man, dass es diese Art von Unterdrückung noch in der heutigen Zeit gibt und Religionen als Machtmittel benutzt werden. Ein großartiges Romandebüt, ein Buch was nicht so schnell vergessen wird, ein Buchhighlight für mich!
Wow 👏🏻
Vor einer gefühlten Ewigkeit wanderte "Miroloi" von Karen Köhler auf meinen SuB, weil mein Freund meinte, dass ich dieses Buch unbedingt lesen müsse, da es einfach unglaublich beeindruckend sei. Lange habe ich mich davor gedrückt, weil mein Freund meistens eher Bücher liest, die mir zu anspruchsvoll für mich scheinen 😂 Ich habe "Miroloi" also im Zuge meiner "12 für 2024" Challenge endlich angepackt und ich ärgere mich, dass ich das Buch nicht schon früher gelesen habe. Ich hatte es in 2 Tagen fertig und bin immer noch schwer beeindruckt von dem Aufbau, der Geschichte und dem Schreibstil. Der Klappentext sagt inhaltlich alles, was man vor dem Lesen wissen "darf" ohne zu viel vorwegzunehmen. Eine patriarchalische, grausame Gesellschaft, die in der heutigen Zeit ohne jeglichen Fortschritt auf einer abgeschiedenen Insel lebt ohne Rechte für Menschen, die von der Norm abweichen und eine ausgegrenzte Protagonistin, die nach und nach alles Bekannte in Frage stellt. Karen Köhler schafft es jegliche Emotionen auf eine besondere Art und Weise uu erzeugen. Ich war durchwegs gefesselt von dem Schreibstil und der Entwicklung der Geschichte. Mich hinterlässt das Buch insgesamt ziemlich sprachlos, aber im positiven Sinne, wenn auch zu einem unglaublich negativen, aufwühlenden und leider immer noch sehr aktuellen Thema. Das Einzige, was ich sagen kann: LEST DAS BUCH! Es ist einzigartig, beeindruckend und regt so sehr zum Nachdenken an. Ich würde es gerne nochmals zum ersten Mal lesen wollen. Ein Jahreshighlight und ein Buch, das man wirklich gelesen haben sollte 👏🏻

Oh wow! Dieses Buch lässt nicht nach. Der Druck baut sich nach und nach auf bis man sich am Schluß wie an die Wand gedrückt fühlt. Das Buch hat mir so gut gefallen, obwohl die Geschichte eigentlich so schlimm ist. Das lag sicher an dem einmaligen Schreibstil und an der unglaublich klugen Protagonistin, die ohne viel zu wissen trotzdem immer alles in Frage gestellt hat.
Starkes Buch mit starken Persönlichkeiten
Miroloi von Karen Köhler ist ein eindringlicher, poetischer Roman über Unterdrückung, Selbstermächtigung und Freiheit. In einer streng patriarchalen Inselgesellschaft erzählt eine namenlose Frau von ihrem Aufwachsen und ihrem stillen Widerstand gegen festgefügte Regeln.
Ein kraftvolles und schmerzendes Buch
Ich fand das Buch wirklich sehr gut zu lesen, sehr kraftvoll und schmerzhaft zugleich. Viel Mitgefühl der Protagonistin sowie allen anderen Frauen in diesem Dorf. Kurze Momente an Schwesternschaft, die immer wieder von der Angst und Unwissenheit/Abhängigkeit unterbrochen wird. Aber zum Glück auch ein Aufschrei an Wut zum Schluss. Ich finde es empfehlenswert!
Auf einer Insel – wohl in griechischen Gewässern – lebt eine Sechzehnjährige in einer Gesellschaft, in der Frauen rigoros unterdrückt werden. Frauen dürfen nicht einmal lesen lernen, die Männer, insbesondere der Ältestenrat, haben das Sagen. Es ist eine rückständige Gesellschaft, zwar kommt manchmal ein Händler und bringt moderne Waren von „Drüben“, doch verkaufen darf er nur, was der Ältestenrat billigt, Dinge wie Feuerzeuge stellen schon ein Problem dar. Die Gebote der Gemeinschaft, die eine eigene Religion hat, sind in einer „Khorabel“ festgelegt. Die Sechzehnjährige ist als Findelkind eine Außenseiterin, sie darf keinen Namen haben, wird wie eine Hexe für jedes Unglück verantwortlich gemacht, als Kind hat ihr der „Angstmann“ ein Knie zertrümmert, weil sie weglaufen wollte. So lebt sie beim Betvater, der sie damals gefunden hat und sie so gut vor den Dorfbewohnern schützt, wie er kann. Doch die junge Frau gibt sich nicht mit ihrer Rolle zufrieden, sie will lesen lernen, will wissen, wie die Welt beschaffen ist. Und verlieben wird sie sich auch. Ich muss vorab sagen, dass ich mich nicht noch einmal für das Hörbuch entscheiden würde. Wenn ich andere Rezensionen lese, gewinne ich den Eindruck, dass mir bestimmte Aspekte vielleicht entgangen sind. So fiel mir nicht auf, dass sich die Sprache der Protagonistin im Verlauf des Buches großartig verändert. Auch muss ich feststellen, dass Karen Köhlers Lesung mir bei diesem Buch nicht gefallen hat. Bei „Wir haben Raketen geangelt“ war das anders, doch für diesen Roman gefiel mir ihre montone Sprechweise nicht. Das klang für mich teilweise runtergeleiert. Nun ist Karen Köhler ausgebildete Schauspielerin und hat sich bei ihrer Performance sicher etwas gedacht. Es hat sich mir jedoch nicht erschlossen. Ähnlich ging es mir mit dem Sprachstil in bestimmten Passagen, etwa den endlosen Aufzählungen. Auch hier vermute ich durchaus, dass ein Sinn dahinter steht, aber ich war ehrlich gesagt nur genervt. Was die Geschichte angeht, habe ich lange gebraucht, um echtes Interesse an der Protagonistin und ihrem Schicksal zu entwickeln. Wie auch andere Blogger kritisierten, wirkt das ganze Setting schon arg konstruiert. Ähnliches liest man in vielen Romanen, eine Gesellschaft, meistens dystopisch, in der Frauen unterdrückt werden. Das ganze Genre scheint etwas überstrapaziert und Karen Köhler erfindet nun wirklich nicht das Rad neu. Andererseits: So viel auch über Feminismus und patriarchale Strukturen in unseren Gesellschaften diskutiert wird – es reicht immer noch nicht, um wirkliche Fortschritte zu erkennen. Im Gegenteil, in vielen Ländern ist die Entwicklung gerade rückläufig. Von daher sollte man Karen Köhler nicht den Vorwurf machen, ein gängiges Thema auschzuschlachten. Doch ihr Buch lässt mich etwas ratlos zurück, einen echten Beitrag zur Debatte liefert es nicht, die Aussage war absehbar. Auch scheint mir einiges eher unglaubwürdig, es stellt sich u. a. die Frage, ob die Existenz eines solchen Dorfes innerhalb eines modernen Staates realistisch ist. Dennoch will ich das Buch nicht gänzlich schlecht bewerten. Dem Vorwurf, der Roman sei eigentlich ein Jugendbuch und tauge nicht für die Belletristik-Kategorie, kann ich nicht zustimmen, auch wenn die Protagonistin erst sechzehn ist. Die Idee, dass sie ihr eigenes Totenlied, ihr „Miroloi“ singt, weshalb es auch keine Kapitel, sondern Strophen gibt, ist interessant, und wenn man sich erst einmal mit der Ich-Erzählerin angefreundet hat, ist auch die Geschichte durchaus lesenswert.
Wie kann ich noch an das Gute im Menschen glauben, nachdem die Autorin hier alles Schlechte konzentriert und in diese Geschichte gegossen hat?
Ich habe vor einigen Wochen diesen Roman gelesen und er beschäftigt mich immer noch. Die Dystopie liest sich wie eine Antwort auf Margret Atwood. Wie auch im "Report der Magd" liefert eine entfremdete Sicht auf eine Gesellschaft, die nicht die unsere ist, aber so viel von ihr enthält, einen Anlass mit einem feministischen Blick auf unsere reale Welt zu sehen. Sind wir, die freie Welt auf der anderen Seite des Ozeans wirklich so fortschrittlich? Passieren diese misogynen Geschehnisse wirklich nur außerhalb unserer Lebenswirklichkeit? Ein starkes Stück Literatur hat Karen Köhler hier abgeliefert. Hoffentlich werden wir noch viel von ihr zu lesen bekommen. Ich empfehle solange die Lektüre dieses Werks, es lohnt sich. Auch wenn danach sie Abscheu vor menschlichen Abgründen verstärkt wird, so wird der Blick auch frei auf die Möglichkeiten, diese zu verändern.
Wo sind wir? Wann sind wir? Dieses Buch ist schwer zu verorten, noch schwerer zeitlich festzulegen. Anfangs war ich mir sogar unschlüssig: sind wir überhaupt in unserer Welt oder hat Karen Köhler eine dystopische Parallelwelt entworfen? Aber im Laufe der Lektüre stößt man hier und dort auf Versatzstücke, die erahnen lassen, dass der Schauplatz gleichzeitig eine vollkommen in sich geschlossene, quasi zeitlose Gesellschaft beherbergt – und doch nur einen Wimpernschlag von unserer Realität entfernt ist. Ein Geniestreich, der eine starke Grundlage für eine Geschichte bietet, in der das Wort „Emanzipation“ niemals fällt, weil diese Benennung überflüssig ist. Wir sind auf einer Insel, wo die Dinge keine Namen haben. So heißt die Insel nur „die Schöne Insel“, das Dorf nur „das Schöne Dorf“, was sich schnell als geradezu lachhafter, perverser Euphemismus herausstellt. Hier werden Frauen so gründlich entmachtet, als habe es so etwas wie Emanzipation nie gegeben. Sie schuften den ganzen Tag, arbeiten auf dem Feld, kochen, putzen, nähen für ihre Männer und haben dabei keinerlei Rechte. Ab und an werden sie als Zahlungsmittel eingesetzt – der Händler tauscht besonders begehrte Waren gegen Sex, wobei die Frauen natürlich nicht mitreden dürfen – oder grün und blau geschlagen. Sie erhalten keine Bildung, die über Hauswirtschaft hinausgeht; das bleibt den Jungen vorbehalten, denen umgekehrt verboten ist, zu singen, kochen oder sich künstlerisch zu betätigen. Auch autonom dürfen die Dorffrauen sich keine Bildung aneignen. Wird eine von ihnen dabei ertappt, sich gar das LESEN (!!) beizubringen, steht darauf der Schandpfahl. Und genau da setzt die Geschichte ein. Denn die Heldin der Erzählung wünscht sich schon seit ihrer frühsten Kindheit sehnlichst, diese magische Gabe zu besitzen – diese rätselhaften Zeichen zu verstehen, weil sie ahnt, dass sich dahinter ganz neue Welten verbergen. Aber sie, ein Findelkind, hat noch nicht mal einen eigenen Namen: sie ist die „Eselshure“, die „Nachgeburt der Hölle“ oder einfach nur „Schlitzi“, ein abwertendes Wort für eine Frau. Der Schreibstil spiegelt perfekt wieder, wie eingeschränkt sie in ihrem Leben bisher war, wie unterdrückt und klein gehalten. Ihre Sprache ist anfangs geradezu schmerzhaft einfach und unbeholfen, und doch spürt man in jedem Satz: da steckt jemand drin, der kreativ und intelligent ist. Sie stellt sich dumm, „macht sich weg“, hat einen blödsinnigen Gesichtsausdruck perfektioniert, weil das sicherer für sie ist, und doch kratzt sie von innen an den Wänden ihres mentalen Gefängnisses. Als ihr Findelvater, der „Betvater“ des Dorfes und damit eine Autoritätsperson, damit beginnt, sie heimlich im Lesen zu unterrichten, erweitert ihre Welt sich so rasant, dass einem beim Lesen schwindlig werden kann. Es ändert nichts an ihrem Status im Dorf, es gibt ihr keine Rechte, es ist sogar nur eine weitere Sache, die sie in sich verschließen und vor dem Dorf verstecken muss. Aber es zeigt ihr: es gibt mehr als das hier. Ihre Sprache verändert sich, erweitert sich, gewinnt eine ganz eigene Art von Poesie. „Das müde Meer mit nichts obendrauf als einer Silberspiegelfläche, die ist zum Erkennen da, ist ein Fenster, ist eine Tür, ist eine Sehnsucht aus Blei.“ (Zitat) Der Autorin gelingt es, der ohnehin schon ausdrucksstarken Geschichte über Klang und Struktur der Sprache eine zusätzliche Dimension zu verleihen. Sie, die Erzählerin, die Namenlose, singt sich ihr eigenes Miroloi, ihr eigenes Totenlied. Wenn sie das auch nur innerlich tut, ist es doch ein Akt der Rebellion und Befreiung. „Mein Miroloi muss ich mir selber singen damit kann ich nicht warten, bis ich gestorben bin, sonst wird es mich nicht gegeben haben.“ (Zitat) Ihr Findelvater lässt sie die Khorabel lesen, das heilige Buch der Gemeinschaft, und zeigt ihr, wie die Obrigen es im Laufe der Zeit immer weiter zensiert und umgeschrieben haben, um die Entmachtung der Frauen zu rechtfertigen. Die Wechselwirkung von Religion und Gesellschaft bildet eine weitere Dimension der Geschichte, insbesondere der Einsatz beziehungsweise Missbrauch von Religon als Werkzeug und Waffe. Nach und nach schleicht sich auch die Außenwelt in das beinahe hermetisch abgeriegelte Dorf ein, nicht nur über die Händler vom Festland. Es gibt Interessenten, die das Dorf in die Moderne führen wollen (wenn auch aus eigennützigen Gründen), doch die männliche Dorfgemeinschaft verweigert sich zunehmend panisch, während die Frauen aufhorchen. Hier geht es nicht nur um Frauenrechte, sondern genauso um die Ängste der Männer, die zur Unterdrückung der Frauen führen. Hier geht es auch um Tradition und Gemeinschaft. um Fortschrittsverweigerung und Fremdenhass und Ausgrenzung. Doch das Miroloi der Erzählerin erklingt nach und nach in weiteren Tonarten der Rebellion. Zu Bildung und Religionskritik gesellen sich Sex und Liebe. Erstens: sie gewinnt eine Freundin, von der sie aufklärt wird (was bisher niemand für nötig gehalten hat) und mit der sie lernt, ihre eigene Sexualität zu erkunden. Hier ist Sex mehr als nur Sex, er ist Befreiung, Selbstbestimmung und Rebellion, wenn auch nur im Geheimen. Zweitens: sie, die keine Rechte hat, verliebt sich in einen Betschüler, der nicht lieben darf. Yael schläft nicht nur mit, sondern gibt ihr einen eigenen Namen. Ein doppeltes, ein dreifaches Tabu, womit sich der Einsatz erhöht – jetzt geht es nicht nur darum, dass der Schandpfahl droht, jetzt ist es eine Frage von Leben oder Tod. Die Liebesgeschichte ist in meinen Augen so symbolisch wie alles, was die Erzählerin erlebt, und dadurch fernab jeden Kitsches. Letztlich geht es hier immer wieder darum, wie ihr Schicksal die Gesellschaft und insbesondere die Frauenrechte wiederspiegelt. Meines Erachtens funktioniert das, weil Karen Köhler es erscheinen lässt wie eine natürliche Entwicklung, ein organisches und nicht erzwungenes Gesamtbild. Und ihre Heldin ist glaubhaft, stark und einnehmend genug, um diese Geschichte zu tragen. Manche Rezensenten bemängeln, „Miroloi“ sei eigentlich ein Jugendbuch. Zu naiv sei die Hauptfigur, zu erzwungen und platt die Botschaft. Ich habe das nicht so empfunden, obwohl das Buch sicher auch für Jugendliche geeignet ist. Ja, manche Szenen holpern, klingen nicht ganz stimmig, manchmal ist die Botschaft sehr LAUT UND ÜBERDEUTLICH. Aber die Einfachheit der Sprache und der Botschaft war für mich ein klares Resultat der gezielten Unterdrückung und Unbildung der Protagonistin – und damit eher ein Stilmittel als ein Mangel. Das Ende mag polarisieren. Es ist konsequent, mehr möchte ich dazu hier nicht sagen. Fazit Hier auf der Insel gibt es nur das schöne Dorf. Hier sind die Rollen klar verteilt: die Männer haben alle Rechte, die Frauen keine. Die Erzählerin ist sogar noch machtloser als ihre Geschlechtsgenossinnen, denn als Findelkind hat sie keinen Namen, darf daher keinen Besitz ihr eigen nennen und wird irgendwann sterben, ohne dass jemand das Miroloi, ihr Totenlied, für sie singt. Daher singt sie es im Kopf schon mal für sich selber. Doch das ist nicht das ganze Ausmaß ihrer Rebellion. Sie lernt Lesen, sie versteckt Gegenstände, die sie als ihre betrachtet, sie verliebt sich in einen Betschüler, dem die Religion Keuschheit vorschreibt. Und sie entdeckt, wie die Obrigen das heilige Buch einsetzen, um Menschen zu kontrollieren. Für mich ist „Miroloi“ ein ganz starkes Buch, über das ich sicher noch öfter nachdenken werde. Es geht nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um Bildung und Religion und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-karen-koehler-miroloi/
gar nicht so einfach zu bewerten, vor allem, wenn man davor viele rezensionen von mittelalten männern gelesen hat, die sich über den literaturbetrieb aufregen. und darüber, dass feminismus anscheinend jetzt ein trend-thema ist und das buch nur deswegen überhaupt so viel aufmerksamkeit bekommen hat :) ändert aber nichts; miroloi ist ein gutes buch. nicht alles hat mir gefallen, vieles hat mich aber nachdenken lassen und fragen aufgeworfen, und mich vielleicht auch verwirrt. auf den ersten blick scheint alles einfach, erzählt in einfacher sprache. aber so einfach ist es dann gar nicht, und die sprache ist ganz besonders. es war mitreißend und wird mir noch lange im gedächtnis bleiben, sagt viel über kultur, sprache und geschichte, über religion und klar auch über feminismus. und wer sagt eigentlich, dass anspruchsvolle literatur nicht auch angenehm zu lesen sein darf?
Meinen ersten Buddyread überhaupt hatte ich im Januar mit der lieben Elvira und nun endlich habe ich geschafft es zu rezensieren. Über den Titel „Miroloi“ bin ich zunächst gestolpert und habe erst nach meiner Lektüre nachgeschaut, was er eigentlich bedeutet: Ein von Frauen gesungenes und gedichtetes Klagelied für einen Verstorbenen (was vor allem in der griechisch-orthodoxen Kirche gesungen wird). Ein Miroloi, ein Totenlied, singt die Protagonistin in diesem Buch in 128 Strophen, vielleicht für sich selbst oder vielleicht doch auch für ihr nächstes Leben, dass für sie hoffentlich lebenswerter wird als das Gegenwärtige. Denn diese Geschichte fängt ausgesprochen düster an. Die (vorerst namenlose) Protagonistin wird als Baby mitten im Regen in einem Karton vor die Tür eines Priesters gelegt. Kein Mensch weiß, wo sie herkommt oder wer ihre Eltern sind und sie ist von Anfang an ein Nichts, daher bekommt sie auch keinen Namen - höchstens Schimpfnamen wie Eselshure oder Nachgeburt der Hölle. Die Dorfbewohner, in dem Dorf wo sie wohnt sind fest überzeugt: Sie wird Unglück bringen. Das kleine Mädchen wächst dann bei diesem Priester auf, der sie liebevoll wie eine Tochter erzieht, aber alles daran setzt, dass die Dorfbewohner die Nähe, die zwischen ihm und dem Mädchen herrscht, nicht mitkriegen. Das könnte sowohl ihm, als auch ihr schaden, denn schließlich bringt er ihr auch das Lesen und Schreiben bei, was für Frauen in diesem Dorf strengstens verboten ist. Das Dorf heißt zwar „Schönes Dorf“ - aber nichts ist schön in diesem Dorf, wenn man mal von der traumhaften Lage absieht auf einer einsamen Insel, irgendwo im Mittelmeer, angeschnitten von der Zivilisation. Kein Strom, kein fließend Wasser, kein Radio, kein Fernsehen - ziemlich weit weg von unserer eigenen Realität. Die Männer haben das Sagen, die Frauen fügen sich. Ein Ältestenrat bestimmt alle Angelegenheiten der Menschen und wer dagegen verstößt oder sich ihnen widersetzt, wird an einen Pfahl gebunden auf dem Dorfplatz. Einmal hat sich das Mädchen einem Jungen widersetzt, der sie sexuell belästigt hat und hat ihn geohrfeigt - zur Strafe wurde sie einen ganzen Tag und eine Nacht an diesen Pfahl gebunden. Danach, auch das gehört zur Strafe, wird ihr mit einem dicken Olivenast das Bein zertrümmert. Fortan hinkt sie - eine von vielen körperlichen und seelischen Narben, die das Leben in der barbarischen Dorfgemeinschaft bei ihr hinterlassen wird. Dieses Mädchen wird irgendwann Alina heißen, ein Name, den ihr ein junger Priester gibt. Die beiden verlieben sich ineinander, was natürlich keiner erfahren darf. Und dass das nicht gut ausgehen kann, wird schnell klar. Das war die Stelle, an der ich überlegt habe, das Buch abzubrechen, da ich mich der Brutalität der Vorkommnisse ausgeliefert gefühlt habe. Aber meine liebe Buddyreadpartnerin Elvira war schon weiter als ich und hat mich motiviert, es doch zu tun (allein deswegen sind Buddyreads Gold wert!). Ich hatte so viel Mitgefühl für Alina und Bewunderung für das, was sie alles erreicht hatte und wie sich den Gepflogenheiten widersetzt hat, dass ich einfach nicht wollte, dass ihr noch etwas schlimmes zustößt. Was sie alles hingenommen hat, war schier unglaublich - ich habe fast schon mitgelitten. Und es wäre sowas von schade gewesen, hätte ich es an dieser Stelle abgebrochen, denn es lohnt sich das ganze Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Vor allem das Ende lohnt sich, trotz aller Grausamkeit und Düsternis. Ein Buch, das von Mut erzählt, mit dem eine Frau es schafft, ihre Ängste zu überwinden. Sie findet Hoffnung, trotz all der Zweifel, die ihr innewohnen. Karen Köhler erzählt von den wertvollen Menschen im Leben, die sich um uns sorgen, sich kümmern - einfach für uns da sind. Und sie erzählt auch von Menschen, die sich gegen das Unrecht stellen und damit andere beschützen. Ein paar Menschen gibt es in „Miroloi“, die sich auflehnen gegen diese herrische, barbarische Dorfgemeinschaft, Menschen die dem Mädchen Alina helfen. Wie zum Beispiel der Müller, der in kurzen Passagen auftaucht, die mir unglaublich viel Trost und Hoffnung für Alina gegeben haben, denn wenn alle Stricke reißen, kann sie auf den Müller zählen. Wir alle brauchen einen Menschen wie den Müller in unserem Leben. „Miroloi“ ist keine leichte Lektüre, aufgrund all der Düsternis, die das Buch bereithält, aber ich habe es für die hellen Momente gelesen, den immer wieder aufblitzenden Lichtern in all der Finsternis. Ich brauchte zunächst etwas, um mich an den Ton des Buches und Karen Köhlers Erzählstimme zu gewöhnen, aber als ich den roten Faden erstmal gefunden hatte, habe ich ihn nicht mehr losgelassen und (bis auf meinen Mitgefühl-Fast-Abbruch). Karen Köhler hat eine ganz besondere Art und Weise mit Sprache umzugehen. Ich habe selten ein Buch gelesen mit so vielen mir unbekannten Begriffen (die ich sogar nachschlagen musste). Sie führt uns anhand einer naiven 16Jährigen in ebensolcher naiven Sprache durch den Text. Sie nennt zum Beispiel den Priester, der sie gefunden hat, ihren „Finder“ - was für ein schöner Ausdruck! Auf eine smarte Weise (durch Sprache in z.B. einem Kapitel, das nur aus einzelnen Worten besteht) ordnet sie das zeitliche Geschehen ein, ohne konkret zu werden. Sie trifft mit „Miroloi“ den Nerv unserer Zeit, indem sie viele Probleme, wie Feminismus, Patriarchat, Ausgrenzung, Religion, Glaube oder Revolution anspricht und sie auf diese Insel verfrachtet, eine abgeschiedene Welt für sich mit ihren eigenen Regeln. Karen Köhler hat mit „Miroloi“ ein literarisches Puzzle erschaffen, dass sich - Teil für Teil - in unseren Köpfen zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Wir erfahren nicht, wo und wann die Geschichte spielt, aber es gibt zahlreiche Indizien. „Das Dorf ist ein Ort, der nur in der Literatur existiert und dennoch allgegenwärtig ist.“ Ich habe zahlreiche Verrisse des Buches gelesen (viele von Männern) und kann keinen einzigen davon nachvollziehen. Lest es, denn ich würde mich über Eure Gedanken dazu und einen Austausch sehr freuen!






















































