Maschinen wie ich
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Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller, viele sind verfilmt, zuletzt ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson). Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts, der American Academy of Arts and Sciences und Träger der Goethe-Medaille.
Posts
Ian McEwan entwirft in Maschinen wie ich eine faszinierende, aber auch überfordernde Vision einer alternativen Realität: Eine Welt, in der künstliche Menschen mit Bewusstsein, Gefühlen und moralischer Integrität existieren – und uns damit den Spiegel vorhalten. Im Mittelpunkt steht Charlie, der mit seiner Partnerin Miranda den Androiden Adam kauft. Zwischen Liebe, Schuld, Lüge und technischer Perfektion entspinnt sich ein moralisches Geflecht, das die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen lässt. Die Idee ist großartig, die Themen gewichtig – Künstliche Intelligenz, Ethik, Verantwortung, Wahrheit und die Frage, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet. Doch McEwan verwebt so viele Ebenen – von Vergewaltigung über Justiz, Liebe und Adoption bis hin zu politisch-historischen Exkursen –, dass die Erzählung streckenweise ermüdet. Für mich wirkte vieles eher wie gedanklicher Füllstoff anstatt notwendiger Teil der Geschichte. Ein anspruchsvoller Roman, der intellektuell reizt und zum Nachdenken über Moral, Bewusstsein und Menschlichkeit anregt, aber erzählerisch überfrachtet wirkt.
Ein Roman, der unsere ethischen Grundsätze ins Wanken bringt.
„Wenn wir unser eigenes Innerstes nicht begreifen, wie sollten wir da ihres gestalten und erwarten, dass sie mit uns glücklich werden?“ Kann eine lebensechte Maschine den Menschen ersetzen? Nicht nur das, sondern vielmehr eine verbesserte Version des Menschen bilden? Bei McEwans Roman „Maschinen wie ich“ handelt es sich nicht nur um eine verhängnisvolle Dreiecksdynamik zwischen den Figuren Charlie, Miranda und dem Androiden Adam. Wir Leser:innen stehen inmitten von grundsätzlichsten Fragestellungen rund ums „Menschsein“. Was ist Gerechtigkeit? Und kann ein Mensch wirklich gerecht und selbstbestimmt agieren? Oder ist er das bloße Resultat eigener Emotionen und Gesellschaftsstrukturen? Mit „Maschinen wie ich“ ermöglicht McEwan uns nicht nur einen faszinierenden Einblick in eine mögliche Realität mit menschenähnlichen Maschinen an unserer Seite. Er konfrontiert uns mit unseren innersten Grundsätzen und appelliert in diesem Zuge an die unvollkommene Menschlichkeit in allen von uns. Ich kann McEwans Roman all denjenigen empfehlen, die gerne Geschichten rund um Künstliche Intelligenz lesen und sich mit ihrer moralischen Verantwortung befassen möchten.
Hat mir gut gefallen. Hab es in 3 Tagen durchgelesen. Die Thematik ist philosophisch unterstrichen und regt auch zum Nachdenken an. Die Geschichte spielt in einer alternativen Realität/Parallelwelt der 80er Jahre in England. Die Technik ist fortgeschritten und Alan Turing lebt. Politisch ist das Land unstabil. Die gelegentlich beschriebene politische Lage war bezugnehmend auf die Geschichte unrelevant und für mich uninteressant. Das hat mich etwas gestört. Daher hab ich diese Seiten überflogen.
Hat mir gut gefallen. Manche Passagen sind aber etwas langatmig. Den großen Bogen den er da spannt mit den eskalierenden Konflikten in der britischen Politik konnte ich nicht wirklich mit der Geschichte von Charlie und Miranda verbinden. Scheinbar ist der Autor recht vernarrt in Alan Turing. Um so lustiger, dass er Turing seinen hauptcharakter dann aber so zum Hund machen lässt. Nachdem ich von dem Autor auch ‚Nussschale‘ gelesen habe, bin ich auch davon überzeugt, dass der Mann mal mit nem Therapeuten über sein Verhältnis zu Frauen sprechen sollte. Da blitzt merkwürdiges durch. Trotzdem war der Text interessant und hat zumindest für mich weitere Perspektiven im KI Diskurs eröffnet. Und Adam war irgendwie lustig.
Das Buch spielt in den fiktiven 80er Jahren, in denen die Briten unter Thatcher den Falkland-Krieg verloren haben, Alan Turing noch lebt und Handies und das Internet bereits existieren. Genauso wie Androiden. An sich eine sehr spannende Prämisse. Leider fand ich die Hauptfiguren alle sterbenslangweilig und konnte keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen. Von daher hat mich das Buch leider nicht so gepackt wie erwartet.
Teils gut, jedoch schwierig zu lesen und zu verstehen
„Schwieriges“ Buch, wobei es um einen Roboter geht, der wie ein Mensch in einen Haushalt eingekauft wird. Er redet wie ein Mensch, sieht wie ein Mensch aus und verhält sich auch so. Den Teil der Geschichte finde ich echt interessant, weil das gut unsere Zukunft beschreibt, wie es mal aussehen könnte. Allerdings sind Politik- und Kriegsthemen oft ein Begriff, wobei ich persönlich den Zusammenhang nicht ganz verstanden habe und auch mühsam fand, diesen Teil zu lesen.
Interessante Geschichte mit kleinen Schwächen.
In der Geschichte geht es um Gerechtigkeit, Recht, Moral, Vergebung und Vergeltung. Anfangs hat es sich etwas gezogen, da der Autor dem Beschreiben der Welt und bestimmter Erkenntnisse viel Zeit widmet. Danach fesselt einen der Schreibstil jedoch wieder und die Idee, eine zukünftige Science-Fiction Welt zu beschreiben, welche aber in unserer heutigen Vergangenheit spielt, hat mir auch sehr gefallen.
“Die Phantasie, so viel schneller als jede Historie, als jeder technologische Fortschritt, hatte diese Zukunft bereits in Büchern durchgespielt.” (Zitat) McEwan greift zu einem interessanten Schachzug: Er verlegt die Handlung seines Romans nicht etwa in die Zukunft, sondern in das Jahr 1982 einer alternativen Geschichte, die fast die unsere ist – nur verlaufen bestimmte Schlüsselelemente anders. Das Attentat auf Kennedy misslingt. England verliert den Falkland-Krieg. Alan Turing, der geniale Mathematiker, Kryptoanalytiker und Informatiker, bringt sich nicht um. Letzteres führt dazu, dass Computer und künstliche Intelligenzen sich wesentlich früher wesentlich weitreichender entwickeln als in unserer Realität. Und so ergibt es Sinn, dass schon im Jahr 1982 die ersten Roboter ausgeliefert werden, die so lebensecht sind, dass man sie nicht mehr vom Menschen unterscheiden kann, wenn man nicht weiß, dass man einer Maschine gegenüber steht. Womit sie passenderweise die Forderung des sogenannten Turing-Tests erfüllen, der folgendes besagt: einer künstlichen Intelligenz, die ein Fragesteller in einer intensiven Befragung nicht vom Menschen unterscheiden kann, muss ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt werden. Aber warum wählt McEwan eine alternative Historie als Hintergrund seiner Geschichte? Zum Teil liegt es sicher an seiner Bewunderung für Alan Turing und seinem Wunsch, Turing wäre nicht von den bigotten Gesetzen seiner Zeit in den Selbstmord getrieben worden. Turing war homosexuell, was damals strafbar war, und wurde gezwungen, sich mit Hormongaben chemisch kastrieren zu lassen, was zu einer schweren Depression führte. In einem Interview für den Calgary Herald sprach McEwan über seine Vorstellungen, was in einer anderen Gesellschaft aus Turing hätte werden können, und über sein tiefes Bedauern bezüglich Turings tragischen Schicksals. “Es [ das Buch ] ist fast so, als würde ich ihm einen Brief in die Vergangenheit schicken, in dem ich sage: wie ich mir wünsche, du hättest überlebt. Wie ich mir wünsche, du hättest an einem Ort gelebt, der dir erlaubt hätte, offen schwul zu sein und stolz darauf und nützlich für andere.” (Ian McEwan, Zitat von mir ins Deutsche übersetzt) Was aus diesem Gedanken entstanden ist, ist ein Buch, das sich Genregrenzen entzieht. Das Thema – Roboter und Künstliche Intelligenz – klingt nach klassischer Science-Fiction, doch es liest sich auch wie ein gesellschaftskritisches Kammerspiel, manchmal gar wie eine Humoreske. Drei Charaktere stehen im Mittelpunkt: Charlie ist eine verkrachte Existenz, kann sich zu nichts so richtig aufraffen – nicht wirklich. Er ist ein Mann der einfachen Lösungen, der Schleichwege und Ausreden. Dass er sich einen Adam anschafft, ist anfangs wenig mehr als der Wunsch nach dem neusten, coolsten Spielzeug. Schnell kommt ihm jedoch der Gedanke, die Fürsorge für Adam mit seiner Nachbarin Miranda zu teilen, indem er es ihr überlässt, bestimmte Parameter einzustellen, die Adams Charakter formen sollen. Charlie und Miranda werden so quasi zu Adams Eltern. Charlie, der heimlich in Miranda verliebt ist, verspricht sich davon, sie dauerhaft in sein Leben einbinden zu können. An Adam ist jedoch nichts Kindliches, so dass dieses Konstrukt auf Dauer nicht funktionieren kann – dass auch Adam sich in Miranda verliebt, schürt diesen Konflikt beträchtlich. Charlie schwankt schon bald zwischen väterlicher Zuneigung und bitterer Eifersucht. Außerdem wird immer deutlicher, dass Miranda ein Geheimnis hat – das Adam kennt, nicht aber Charlie, was den Androiden in Gewissensbisse stürzt… Sie bleibt bis zum Schluss auf gewisse Weise ein Rätsel, quasi eine Projektionsfläche für Charlies Wünsche und Adams Gefühle. Denn ja, Adam hat Gefühle und moralische Prinzipien und Wünsche und Ängste. Manches, wie die Verantwortbarkeit von Notlügen, geht indes über seinen Horizont, da moralische Regeln für ihn absolut und nicht diskutabel sind. Er schreibt Haiku und liebt Shakespeare, ganz im Gegensatz zu Charlie, der mit Literatur wenig anfangen kann – zu Adams ungläubigem Unverständnis. “Shakespeare, dein kulturelles Erbe! Wie hältst du es nur aus, ohne einige seiner Zeilen durch die Welt zu gehen?” (Zitat) Die Geschichte verläuft nicht so, wie man erwarten könnte, denn der Autor verzichtet auf das bekannte Grundmodell ‘Mensch erschafft Maschine, Maschine lehnt sich auf und versucht, die Menschheit zu zerstören’. Was man als Leser stattdessen bekommt, ist eine Vielzahl an interessanten ethischen Fragen, anhand derer Charlie und Miranda ihre eigene Menschlichkeit kritisch beleuchten müssen. Für mich war die wichtigste davon: kann der Mensch es verantworten, künstliches Leben zu erschaffen, mit eigenständigen Gedanken und Gefühlen, ohne ihm auch Grundrechte zuzugestehen? Ab welcher Schwelle wird aus einem hochtechnologischen Werkzeug (oder Spielzeug) ein Sklave? Am Schluss des Buches stellt der Autor Mensch und Maschine vor ein hochdramatisches moralisches Dilemma, das auch bei Lesern zu gemischten Meinungen führen wird. FAZIT Lebemann Charlie steckt ein kleines Vermögen in die Anschaffung des Androiden Adam und erlaubt seiner Nachbarin Miranda, in die er heimlich verliebt ist, an dessen Programmierung mitzuwirken. Adam ist jedoch überzeugender als erwartet, und vor allem scheint er schon bald echte Gefühle zu entwickeln – für Miranda. Ich fand das Buch scharfsinnig, vielschichtig und hochinteressant, gerade weil es den Leser aus seiner Komfortzone holt. Adam, die Maschine, und Charlie und Miranda, die Menschen, zeigen in ihrer Interaktion deutlich die Schwächen und auch die Scheinheiligkeit des Homo Sapiens. Letztendlich sind es die Maschinen, die an der menschgemachten Schlechtigkeit der Welt verzweifeln. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/2019/06/26/rezension-ian-mcewan-menschen-wie-ich/
Liest sich an sich ganz gut. Mich störte die veränderte Realität (Parallelwelt). Die Handlung spielt im England der 80er Jahre, nur ist der technische Fortschritt ein anderer und auch die politischen Konflikte. Mir wäre es tatsächlich lieber gewesen, der Roman wäre einfach in der näheren Zukunft angesiedelt worden. So war ich immer abgelenkt vom Gedanken "und wie war es wirklich mit M. Thatcher..." usw. Außerdem blieb die Handlung insgesamt hinter meinen Erwartungen zurück. Ich hatte das Gefühl man hätte mehr aus der Story holen können, wobei mir nicht einfällt was gefehlt hat.
Content notification: sexual assault, rape Holy hell - thank you for another 'why you shouldnt believe woman who say they were raped' this is problematic af. Tragic backstory rape, the broken woman, then adopting a child against his will? What?! Somebody really has to work on his way of looking at women. Awful. Also the described voyeurism was nasty.
maybe i'm biased because i'm a computer science major interested in artificial intelligence, but this book is not as bad as some reviews make it seem. the first 100 pages were rather slow-paced, perhaps too slow. but as adam became more important in the story, it got more interesting. i guess it's typical for [a:Ian McEwan|2408|Ian McEwan|https://images.gr-assets.com/authors/1404240951p2/2408.jpg] to grasp the mere unpredictability of life in his work, just like how little mark just appeared in their life. also, i thought it was very nice to incorporate alan turing, the "godfather" of theoretical computer science. the way that the a&e's seemed to be overwhelmed with the human condition is just a portrayal of ai in pop culture, just like in marvel's "avengers age of ultron". i recommend this novel to fellow comp sci majors, people interested in artificial intelligence and everyone who enjoys the tech in marvel and dc movies as well as comics. trigger warnings: suicide, imprisonment, rape, alzheimer's disease
I thought this book would never end. It was boring from beginning to end. Miranda, Charlie, Adam weren't likeable characters. There was no twist, no new thing, nothing interesting about the way Ian described robots living amongst humans. For a book with a science fiction core it had little to no new ideas. I read through the boring history parts as fast as I could. Who cares about that??? Less history talk, more story... PLEASE
Ian McEwan erfindet in „Maschinen wie ich“ die Vergangenheit neu: Großbritannien hat 1982 gerade den Falkland-Krieg verloren, die Beatles musizieren vereint und dank der Forschung von Alan Turing gibt es bereits Internet, Handys und selbstfahrende Autos – und die ersten täuschend echten künstlichen Menschen, namens Adam oder Eve. 27_Maschinen wie ich Auch wenn es ihn ein kleines Vermögen kostet, kauft Charly, ein Lebenskünstler Anfang dreißig, sich sofort einen der ersten Androiden, die auf den Markt kommen. Charlie wünscht sich einen Freund, einen Helfer, einen interessanten Gesprächspartner. „Die Wärme der Haut, darunter die festen, doch elastischen Muskeln – mein Verstand sagte Plastik oder Ähnliches, meine Hand aber reagierte auf Haut und Fleisch.“ (S. 19) Doch Charlie erhält mit dem Androiden Adam viel mehr als das: einen Rivalen um die Liebe der schönen Miranda , einer cleveren Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss – und eine moralische Herausforderung, die ihn bis zum Äußersten reizt. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen. „Wie schon Schopenhauer über den freien Willen sagte, kann man wohl tun, was man will, aber man kann nicht wollen, was man will. Außerdem weiß ich, es war deine Idee, dass sie mithilft, dass ihr mich gemeinsam zu dem macht, was ich bin. Letzten Endes bist du also selbst für diese Situation verantwortlich.“ (S. 163) Ian McEwan hält uns in diesem so philosophischen wie fesselnden Roman einen doppelten Spiegel vor – als Menschen und als Zeitgenossen sehen wir uns darin zuweilen klarer, als uns lieb ist. „Wir erschaffen Maschinen mit Intelligenz und Bewusstsein und stoßen sie hinaus in unsere unvollkommene Welt. Sie sind nach rein rationalen Grundsätzen geschaffen, anderen Menschen gegenüber positiv eingestellt, und nun wird ihr Verstand von einem Hurrikan von Widersprüchen erfasst. Wir selbst haben damit zu leben gelernt, und die Liste ödet uns an: Millionen sterben an Krankheiten, die wir heilen können. Millionen leben in Armut, obwohl es genug für alle gibt. Wir zerstören unsere Biosphäre, obwohl wir wissen, dass sie unsere einzige Heimat ist. Wir bedrohen uns gegenseitig mit Atomwaffen, auch wenn wir wissen, wohin das führen kann. Wir lieben Lebendiges, lassen aber massenhaftes Artensterben zu. Und dann der ganze Rest – Genozid, Folter, Versklavung, häusliche Gewalt bis hin zum Mord, Kindesmissbrauch, Schießereien in Schulen, Vergewaltigungen, tagtäglich eine schier endlose Zahl skandalöser Greueltaten. Wir leben mit all diesen Grausamkeiten und sind nicht mal erstaunt, wenn wir trotzdem unser Glück, sogar die Liebe finden. Künstliche Intelligenzen sind da weniger gut geschützt.“ (S. 242) Und genau auf diesen mangelnden Schutz reagieren die Androiden auf ihre eigene tragische Weise, so dass man sich als Leser die Frage stellen darf, ob künstliche Intelligenzen mit eigenem Bewusstsein überhaupt überlebensfähig in einer menschlichen Gesellschaft sein können und ab welchem Zeitpunkt es sich bei den Androiden um schützenswertes Leben handeln könnte, selbst wenn diese hochkomplexe mit Intelligenz und Moral ausgestattete vielschichtige Lebensform sich regelmäßig über ein im Bauchnabel eingestöpseltes Ladekabel mit dem Stromnetz verbindet. Ich fand es großartig und zugleich befremdlich, wie der Autor den Androiden Leben einhaucht und sie agieren lässt. Und diese Zerrissenheit zwischen Bewunderung, Abscheu und manchmal auch ein wenig Mitleid sorgt beim Lesen für eine besondere Art der Spannung, die nicht von rasantem Geschehen sondern vielmehr von der unheilvollen Stimmung des Romans lebt und nachdenklich macht. Auch wenn mich Ian McEwans Umkehrung der Zeitgeschichte beim Lesen oft verwirrte und mich aus meinem Lesefluss herausriss oder aufgrund von mangelhaftem Wissen in englischer Geschichte und englischer Politik sogar langweilte, hat sie doch im nachhinein betrachtet durchaus ihre Berechtigung um die entsprechenden Voraussetzungen dieses Romans zu schaffen. Insgesamt war dies für mich jedoch zu viel Drumherum, auch wenn der Autor sicherlich stellenweise seine helle Freude am Umschreiben der Geschichte gehabt haben muss. Lieber las ich hingegen die Passagen über Charlie, Miranda und vor allem Adam, weshalb ich diesen Roman Lesern empfehlen kann, die interessanten und grenzwertigen Gedankengängen über künstliche Intelligenz folgen möchten. „Ich wünschte, ich könnte Ihnen die wahre Herrlichkeit des Denkens zeigen, die exquisite Logik, Schönheit und Eleganz der Lösung des P-NP-Problems und die inspirierende Arbeit von vielen tausend guten, klugen, engagierten Männern und Frauen, die diese neuartige Intelligenz erst ermöglich hat. Das würde Sie mit Hoffnung für die Menschheit erfüllen. Aber in all ihren tollen Programmcodes gibt es nichts, was Adam und Eve auf Auschwitz vorbereiten könnte.“ (S. 243)
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Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller, viele sind verfilmt, zuletzt ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson). Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts, der American Academy of Arts and Sciences und Träger der Goethe-Medaille.
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Ian McEwan entwirft in Maschinen wie ich eine faszinierende, aber auch überfordernde Vision einer alternativen Realität: Eine Welt, in der künstliche Menschen mit Bewusstsein, Gefühlen und moralischer Integrität existieren – und uns damit den Spiegel vorhalten. Im Mittelpunkt steht Charlie, der mit seiner Partnerin Miranda den Androiden Adam kauft. Zwischen Liebe, Schuld, Lüge und technischer Perfektion entspinnt sich ein moralisches Geflecht, das die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen lässt. Die Idee ist großartig, die Themen gewichtig – Künstliche Intelligenz, Ethik, Verantwortung, Wahrheit und die Frage, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet. Doch McEwan verwebt so viele Ebenen – von Vergewaltigung über Justiz, Liebe und Adoption bis hin zu politisch-historischen Exkursen –, dass die Erzählung streckenweise ermüdet. Für mich wirkte vieles eher wie gedanklicher Füllstoff anstatt notwendiger Teil der Geschichte. Ein anspruchsvoller Roman, der intellektuell reizt und zum Nachdenken über Moral, Bewusstsein und Menschlichkeit anregt, aber erzählerisch überfrachtet wirkt.
Ein Roman, der unsere ethischen Grundsätze ins Wanken bringt.
„Wenn wir unser eigenes Innerstes nicht begreifen, wie sollten wir da ihres gestalten und erwarten, dass sie mit uns glücklich werden?“ Kann eine lebensechte Maschine den Menschen ersetzen? Nicht nur das, sondern vielmehr eine verbesserte Version des Menschen bilden? Bei McEwans Roman „Maschinen wie ich“ handelt es sich nicht nur um eine verhängnisvolle Dreiecksdynamik zwischen den Figuren Charlie, Miranda und dem Androiden Adam. Wir Leser:innen stehen inmitten von grundsätzlichsten Fragestellungen rund ums „Menschsein“. Was ist Gerechtigkeit? Und kann ein Mensch wirklich gerecht und selbstbestimmt agieren? Oder ist er das bloße Resultat eigener Emotionen und Gesellschaftsstrukturen? Mit „Maschinen wie ich“ ermöglicht McEwan uns nicht nur einen faszinierenden Einblick in eine mögliche Realität mit menschenähnlichen Maschinen an unserer Seite. Er konfrontiert uns mit unseren innersten Grundsätzen und appelliert in diesem Zuge an die unvollkommene Menschlichkeit in allen von uns. Ich kann McEwans Roman all denjenigen empfehlen, die gerne Geschichten rund um Künstliche Intelligenz lesen und sich mit ihrer moralischen Verantwortung befassen möchten.
Hat mir gut gefallen. Hab es in 3 Tagen durchgelesen. Die Thematik ist philosophisch unterstrichen und regt auch zum Nachdenken an. Die Geschichte spielt in einer alternativen Realität/Parallelwelt der 80er Jahre in England. Die Technik ist fortgeschritten und Alan Turing lebt. Politisch ist das Land unstabil. Die gelegentlich beschriebene politische Lage war bezugnehmend auf die Geschichte unrelevant und für mich uninteressant. Das hat mich etwas gestört. Daher hab ich diese Seiten überflogen.
Hat mir gut gefallen. Manche Passagen sind aber etwas langatmig. Den großen Bogen den er da spannt mit den eskalierenden Konflikten in der britischen Politik konnte ich nicht wirklich mit der Geschichte von Charlie und Miranda verbinden. Scheinbar ist der Autor recht vernarrt in Alan Turing. Um so lustiger, dass er Turing seinen hauptcharakter dann aber so zum Hund machen lässt. Nachdem ich von dem Autor auch ‚Nussschale‘ gelesen habe, bin ich auch davon überzeugt, dass der Mann mal mit nem Therapeuten über sein Verhältnis zu Frauen sprechen sollte. Da blitzt merkwürdiges durch. Trotzdem war der Text interessant und hat zumindest für mich weitere Perspektiven im KI Diskurs eröffnet. Und Adam war irgendwie lustig.
Das Buch spielt in den fiktiven 80er Jahren, in denen die Briten unter Thatcher den Falkland-Krieg verloren haben, Alan Turing noch lebt und Handies und das Internet bereits existieren. Genauso wie Androiden. An sich eine sehr spannende Prämisse. Leider fand ich die Hauptfiguren alle sterbenslangweilig und konnte keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen. Von daher hat mich das Buch leider nicht so gepackt wie erwartet.
Teils gut, jedoch schwierig zu lesen und zu verstehen
„Schwieriges“ Buch, wobei es um einen Roboter geht, der wie ein Mensch in einen Haushalt eingekauft wird. Er redet wie ein Mensch, sieht wie ein Mensch aus und verhält sich auch so. Den Teil der Geschichte finde ich echt interessant, weil das gut unsere Zukunft beschreibt, wie es mal aussehen könnte. Allerdings sind Politik- und Kriegsthemen oft ein Begriff, wobei ich persönlich den Zusammenhang nicht ganz verstanden habe und auch mühsam fand, diesen Teil zu lesen.
Interessante Geschichte mit kleinen Schwächen.
In der Geschichte geht es um Gerechtigkeit, Recht, Moral, Vergebung und Vergeltung. Anfangs hat es sich etwas gezogen, da der Autor dem Beschreiben der Welt und bestimmter Erkenntnisse viel Zeit widmet. Danach fesselt einen der Schreibstil jedoch wieder und die Idee, eine zukünftige Science-Fiction Welt zu beschreiben, welche aber in unserer heutigen Vergangenheit spielt, hat mir auch sehr gefallen.
“Die Phantasie, so viel schneller als jede Historie, als jeder technologische Fortschritt, hatte diese Zukunft bereits in Büchern durchgespielt.” (Zitat) McEwan greift zu einem interessanten Schachzug: Er verlegt die Handlung seines Romans nicht etwa in die Zukunft, sondern in das Jahr 1982 einer alternativen Geschichte, die fast die unsere ist – nur verlaufen bestimmte Schlüsselelemente anders. Das Attentat auf Kennedy misslingt. England verliert den Falkland-Krieg. Alan Turing, der geniale Mathematiker, Kryptoanalytiker und Informatiker, bringt sich nicht um. Letzteres führt dazu, dass Computer und künstliche Intelligenzen sich wesentlich früher wesentlich weitreichender entwickeln als in unserer Realität. Und so ergibt es Sinn, dass schon im Jahr 1982 die ersten Roboter ausgeliefert werden, die so lebensecht sind, dass man sie nicht mehr vom Menschen unterscheiden kann, wenn man nicht weiß, dass man einer Maschine gegenüber steht. Womit sie passenderweise die Forderung des sogenannten Turing-Tests erfüllen, der folgendes besagt: einer künstlichen Intelligenz, die ein Fragesteller in einer intensiven Befragung nicht vom Menschen unterscheiden kann, muss ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt werden. Aber warum wählt McEwan eine alternative Historie als Hintergrund seiner Geschichte? Zum Teil liegt es sicher an seiner Bewunderung für Alan Turing und seinem Wunsch, Turing wäre nicht von den bigotten Gesetzen seiner Zeit in den Selbstmord getrieben worden. Turing war homosexuell, was damals strafbar war, und wurde gezwungen, sich mit Hormongaben chemisch kastrieren zu lassen, was zu einer schweren Depression führte. In einem Interview für den Calgary Herald sprach McEwan über seine Vorstellungen, was in einer anderen Gesellschaft aus Turing hätte werden können, und über sein tiefes Bedauern bezüglich Turings tragischen Schicksals. “Es [ das Buch ] ist fast so, als würde ich ihm einen Brief in die Vergangenheit schicken, in dem ich sage: wie ich mir wünsche, du hättest überlebt. Wie ich mir wünsche, du hättest an einem Ort gelebt, der dir erlaubt hätte, offen schwul zu sein und stolz darauf und nützlich für andere.” (Ian McEwan, Zitat von mir ins Deutsche übersetzt) Was aus diesem Gedanken entstanden ist, ist ein Buch, das sich Genregrenzen entzieht. Das Thema – Roboter und Künstliche Intelligenz – klingt nach klassischer Science-Fiction, doch es liest sich auch wie ein gesellschaftskritisches Kammerspiel, manchmal gar wie eine Humoreske. Drei Charaktere stehen im Mittelpunkt: Charlie ist eine verkrachte Existenz, kann sich zu nichts so richtig aufraffen – nicht wirklich. Er ist ein Mann der einfachen Lösungen, der Schleichwege und Ausreden. Dass er sich einen Adam anschafft, ist anfangs wenig mehr als der Wunsch nach dem neusten, coolsten Spielzeug. Schnell kommt ihm jedoch der Gedanke, die Fürsorge für Adam mit seiner Nachbarin Miranda zu teilen, indem er es ihr überlässt, bestimmte Parameter einzustellen, die Adams Charakter formen sollen. Charlie und Miranda werden so quasi zu Adams Eltern. Charlie, der heimlich in Miranda verliebt ist, verspricht sich davon, sie dauerhaft in sein Leben einbinden zu können. An Adam ist jedoch nichts Kindliches, so dass dieses Konstrukt auf Dauer nicht funktionieren kann – dass auch Adam sich in Miranda verliebt, schürt diesen Konflikt beträchtlich. Charlie schwankt schon bald zwischen väterlicher Zuneigung und bitterer Eifersucht. Außerdem wird immer deutlicher, dass Miranda ein Geheimnis hat – das Adam kennt, nicht aber Charlie, was den Androiden in Gewissensbisse stürzt… Sie bleibt bis zum Schluss auf gewisse Weise ein Rätsel, quasi eine Projektionsfläche für Charlies Wünsche und Adams Gefühle. Denn ja, Adam hat Gefühle und moralische Prinzipien und Wünsche und Ängste. Manches, wie die Verantwortbarkeit von Notlügen, geht indes über seinen Horizont, da moralische Regeln für ihn absolut und nicht diskutabel sind. Er schreibt Haiku und liebt Shakespeare, ganz im Gegensatz zu Charlie, der mit Literatur wenig anfangen kann – zu Adams ungläubigem Unverständnis. “Shakespeare, dein kulturelles Erbe! Wie hältst du es nur aus, ohne einige seiner Zeilen durch die Welt zu gehen?” (Zitat) Die Geschichte verläuft nicht so, wie man erwarten könnte, denn der Autor verzichtet auf das bekannte Grundmodell ‘Mensch erschafft Maschine, Maschine lehnt sich auf und versucht, die Menschheit zu zerstören’. Was man als Leser stattdessen bekommt, ist eine Vielzahl an interessanten ethischen Fragen, anhand derer Charlie und Miranda ihre eigene Menschlichkeit kritisch beleuchten müssen. Für mich war die wichtigste davon: kann der Mensch es verantworten, künstliches Leben zu erschaffen, mit eigenständigen Gedanken und Gefühlen, ohne ihm auch Grundrechte zuzugestehen? Ab welcher Schwelle wird aus einem hochtechnologischen Werkzeug (oder Spielzeug) ein Sklave? Am Schluss des Buches stellt der Autor Mensch und Maschine vor ein hochdramatisches moralisches Dilemma, das auch bei Lesern zu gemischten Meinungen führen wird. FAZIT Lebemann Charlie steckt ein kleines Vermögen in die Anschaffung des Androiden Adam und erlaubt seiner Nachbarin Miranda, in die er heimlich verliebt ist, an dessen Programmierung mitzuwirken. Adam ist jedoch überzeugender als erwartet, und vor allem scheint er schon bald echte Gefühle zu entwickeln – für Miranda. Ich fand das Buch scharfsinnig, vielschichtig und hochinteressant, gerade weil es den Leser aus seiner Komfortzone holt. Adam, die Maschine, und Charlie und Miranda, die Menschen, zeigen in ihrer Interaktion deutlich die Schwächen und auch die Scheinheiligkeit des Homo Sapiens. Letztendlich sind es die Maschinen, die an der menschgemachten Schlechtigkeit der Welt verzweifeln. Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog: https://wordpress.mikkaliest.de/2019/06/26/rezension-ian-mcewan-menschen-wie-ich/
Liest sich an sich ganz gut. Mich störte die veränderte Realität (Parallelwelt). Die Handlung spielt im England der 80er Jahre, nur ist der technische Fortschritt ein anderer und auch die politischen Konflikte. Mir wäre es tatsächlich lieber gewesen, der Roman wäre einfach in der näheren Zukunft angesiedelt worden. So war ich immer abgelenkt vom Gedanken "und wie war es wirklich mit M. Thatcher..." usw. Außerdem blieb die Handlung insgesamt hinter meinen Erwartungen zurück. Ich hatte das Gefühl man hätte mehr aus der Story holen können, wobei mir nicht einfällt was gefehlt hat.
Content notification: sexual assault, rape Holy hell - thank you for another 'why you shouldnt believe woman who say they were raped' this is problematic af. Tragic backstory rape, the broken woman, then adopting a child against his will? What?! Somebody really has to work on his way of looking at women. Awful. Also the described voyeurism was nasty.
maybe i'm biased because i'm a computer science major interested in artificial intelligence, but this book is not as bad as some reviews make it seem. the first 100 pages were rather slow-paced, perhaps too slow. but as adam became more important in the story, it got more interesting. i guess it's typical for [a:Ian McEwan|2408|Ian McEwan|https://images.gr-assets.com/authors/1404240951p2/2408.jpg] to grasp the mere unpredictability of life in his work, just like how little mark just appeared in their life. also, i thought it was very nice to incorporate alan turing, the "godfather" of theoretical computer science. the way that the a&e's seemed to be overwhelmed with the human condition is just a portrayal of ai in pop culture, just like in marvel's "avengers age of ultron". i recommend this novel to fellow comp sci majors, people interested in artificial intelligence and everyone who enjoys the tech in marvel and dc movies as well as comics. trigger warnings: suicide, imprisonment, rape, alzheimer's disease
I thought this book would never end. It was boring from beginning to end. Miranda, Charlie, Adam weren't likeable characters. There was no twist, no new thing, nothing interesting about the way Ian described robots living amongst humans. For a book with a science fiction core it had little to no new ideas. I read through the boring history parts as fast as I could. Who cares about that??? Less history talk, more story... PLEASE
Ian McEwan erfindet in „Maschinen wie ich“ die Vergangenheit neu: Großbritannien hat 1982 gerade den Falkland-Krieg verloren, die Beatles musizieren vereint und dank der Forschung von Alan Turing gibt es bereits Internet, Handys und selbstfahrende Autos – und die ersten täuschend echten künstlichen Menschen, namens Adam oder Eve. 27_Maschinen wie ich Auch wenn es ihn ein kleines Vermögen kostet, kauft Charly, ein Lebenskünstler Anfang dreißig, sich sofort einen der ersten Androiden, die auf den Markt kommen. Charlie wünscht sich einen Freund, einen Helfer, einen interessanten Gesprächspartner. „Die Wärme der Haut, darunter die festen, doch elastischen Muskeln – mein Verstand sagte Plastik oder Ähnliches, meine Hand aber reagierte auf Haut und Fleisch.“ (S. 19) Doch Charlie erhält mit dem Androiden Adam viel mehr als das: einen Rivalen um die Liebe der schönen Miranda , einer cleveren Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss – und eine moralische Herausforderung, die ihn bis zum Äußersten reizt. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen. „Wie schon Schopenhauer über den freien Willen sagte, kann man wohl tun, was man will, aber man kann nicht wollen, was man will. Außerdem weiß ich, es war deine Idee, dass sie mithilft, dass ihr mich gemeinsam zu dem macht, was ich bin. Letzten Endes bist du also selbst für diese Situation verantwortlich.“ (S. 163) Ian McEwan hält uns in diesem so philosophischen wie fesselnden Roman einen doppelten Spiegel vor – als Menschen und als Zeitgenossen sehen wir uns darin zuweilen klarer, als uns lieb ist. „Wir erschaffen Maschinen mit Intelligenz und Bewusstsein und stoßen sie hinaus in unsere unvollkommene Welt. Sie sind nach rein rationalen Grundsätzen geschaffen, anderen Menschen gegenüber positiv eingestellt, und nun wird ihr Verstand von einem Hurrikan von Widersprüchen erfasst. Wir selbst haben damit zu leben gelernt, und die Liste ödet uns an: Millionen sterben an Krankheiten, die wir heilen können. Millionen leben in Armut, obwohl es genug für alle gibt. Wir zerstören unsere Biosphäre, obwohl wir wissen, dass sie unsere einzige Heimat ist. Wir bedrohen uns gegenseitig mit Atomwaffen, auch wenn wir wissen, wohin das führen kann. Wir lieben Lebendiges, lassen aber massenhaftes Artensterben zu. Und dann der ganze Rest – Genozid, Folter, Versklavung, häusliche Gewalt bis hin zum Mord, Kindesmissbrauch, Schießereien in Schulen, Vergewaltigungen, tagtäglich eine schier endlose Zahl skandalöser Greueltaten. Wir leben mit all diesen Grausamkeiten und sind nicht mal erstaunt, wenn wir trotzdem unser Glück, sogar die Liebe finden. Künstliche Intelligenzen sind da weniger gut geschützt.“ (S. 242) Und genau auf diesen mangelnden Schutz reagieren die Androiden auf ihre eigene tragische Weise, so dass man sich als Leser die Frage stellen darf, ob künstliche Intelligenzen mit eigenem Bewusstsein überhaupt überlebensfähig in einer menschlichen Gesellschaft sein können und ab welchem Zeitpunkt es sich bei den Androiden um schützenswertes Leben handeln könnte, selbst wenn diese hochkomplexe mit Intelligenz und Moral ausgestattete vielschichtige Lebensform sich regelmäßig über ein im Bauchnabel eingestöpseltes Ladekabel mit dem Stromnetz verbindet. Ich fand es großartig und zugleich befremdlich, wie der Autor den Androiden Leben einhaucht und sie agieren lässt. Und diese Zerrissenheit zwischen Bewunderung, Abscheu und manchmal auch ein wenig Mitleid sorgt beim Lesen für eine besondere Art der Spannung, die nicht von rasantem Geschehen sondern vielmehr von der unheilvollen Stimmung des Romans lebt und nachdenklich macht. Auch wenn mich Ian McEwans Umkehrung der Zeitgeschichte beim Lesen oft verwirrte und mich aus meinem Lesefluss herausriss oder aufgrund von mangelhaftem Wissen in englischer Geschichte und englischer Politik sogar langweilte, hat sie doch im nachhinein betrachtet durchaus ihre Berechtigung um die entsprechenden Voraussetzungen dieses Romans zu schaffen. Insgesamt war dies für mich jedoch zu viel Drumherum, auch wenn der Autor sicherlich stellenweise seine helle Freude am Umschreiben der Geschichte gehabt haben muss. Lieber las ich hingegen die Passagen über Charlie, Miranda und vor allem Adam, weshalb ich diesen Roman Lesern empfehlen kann, die interessanten und grenzwertigen Gedankengängen über künstliche Intelligenz folgen möchten. „Ich wünschte, ich könnte Ihnen die wahre Herrlichkeit des Denkens zeigen, die exquisite Logik, Schönheit und Eleganz der Lösung des P-NP-Problems und die inspirierende Arbeit von vielen tausend guten, klugen, engagierten Männern und Frauen, die diese neuartige Intelligenz erst ermöglich hat. Das würde Sie mit Hoffnung für die Menschheit erfüllen. Aber in all ihren tollen Programmcodes gibt es nichts, was Adam und Eve auf Auschwitz vorbereiten könnte.“ (S. 243)




















