Ich möchte zurückgehen in der Zeit

Ich möchte zurückgehen in der Zeit

Hardback
3.562

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Judith Hermann folgt in »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.
In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.


Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
160
Price
23.70 €

Author Description

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt »Sommerhaus, später« (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der Erzählungsband »Nichts als Gespenster«. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. 2009 erschien »Alice«, fünf Erzählungen, die international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte Judith Hermann ihren ersten Roman, »Aller Liebe Anfang«. 2016 folgten die Erzählungen »Lettipark«, die mit dem dänischen Blixen-Preis für Kurzgeschichten ausgezeichnet wurden. Für ihr Werk wurde Judith Hermann mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. 2021 erschien der Roman »Daheim«, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, und für den Judith Hermann mit dem Bremer Literaturpreis 2022 ausgezeichnet wurde. 2023 erschien »Wir hätten uns alles gesagt«, basierend auf den Frankfurter Poetikvorlesungen, die Judith Hermann im Frühjahr 2022 hielt. Dafür erhielt sie den Wilhelm Raabe-Literaturpreis. Zuletzt erschien 2026 »Ich möchte zurückgehen in der Zeit«. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin. Literaturpreise:Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2023Preis der LiteraTour Nord 2022Bremer Literaturpreis 2022Rheingau Literatur Preis 2021Blixenprisen 2018 für »Lettipark«Erich-Fried-Preis 2014Friedrich-Hölderlin-Preis 2009Kleist-Preis 2001Hugo-Ball-Förderpreis 1999Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 1999

Posts

15
All
3.5

Klug und lapidar, 156 Seiten über eine Lücke. Staunen über etwas, dass nicht gefunden werden kann, nicht erinnert wird und dass nicht literarisiert werden kann. Dinge tauchen auf, die der tote Grossvater aus der SS geschenkt hat, aber haben sie darum Bedeutung? Erinnerungskapseln tauchen auf, in als geschlossene Form, aber kann man mehr als sachlich rekonstruieren. Muss man erschüttert sein? Klug ist das Buch sicherlich, aber sehr literarisch!

3.5

Familiengeschichte, Großvater, SS, Vergangenheit, Shoah, Kriegsverbrechen, Mutter-Töchter Beziehung, Familienbeziehung

Mein erstes Buch von Judith Hermann. Die Idee sprach mich an. Drei Teile, einmal Polen, Italien und ein dänischer Begriff. Familiengeschichte und Beziehungen, viele kurze, abgehackte Sätze. Stakkato. Guter interessanter Start, der dann etwas mäandert. Nicht schlecht, aber auch nicht super begeisternd. 3,5 Sterne

5

Der Versuch das Unbegreifliche, begreifbar zu machen. Nachvollziehbar und sehr nahbar...

2.5

ICH MÖCHTE ZURÜCKGEHEN IN DIE ZEIT Judith Hermann ET: 25.02.26 Judith Hermann nähert sich in diesem Text ihrer eigenen Familiengeschichte. In diesem Buch folgt sie den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs als SS-Angehöriger im polnischen Radom stationiert war. Über diese Vergangenheit wurde in der Familie nie gesprochen; das Thema blieb ausgespart und hinterließ eine Leerstelle. Auch ihre Mutter kann oder will keine Antworten geben. Ausgangspunkt ihrer Suche ist ein Foto ihres Großvaters aus jener Zeit, aufgenommen in Radom in Polen. Hermann reist nach Radom, streift durch die Stadt, besucht Orte, hält nach möglichen Spuren Ausschau und bleibt eine Weile dort. Später führt sie der Weg zu ihrer Schwester nach Italien. Dort tritt ein anderes Thema in den Vordergrund: der Tod. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Verhältnis der beiden Schwestern angespannt ist. Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen. Über weite Strecken beschreibt die Autorin sehr detailliert ihren Alltag und viele beiläufige Beobachtungen. Ich hatte erwartet, sie auf eine ernsthafte Spurensuche in die Zeit des Nationalsozialismus zu begleiten und mich intensiver mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Stattdessen bleibt der Text für mich erstaunlich oberflächlich. Vieles wirkt lose aneinandergereiht, ohne dass sich daraus eine wirkliche inhaltliche Tiefe entwickelt. Beim Lesen hatte ich häufig das Gefühl, dass sich die Autorin eher im Beschreiben von Momenten und Stimmungen verliert, anstatt den Fragen nachzugehen, die das Thema eigentlich aufwirft. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass der Text inhaltlich kaum vorankommt. Einzig die Sprache von Judith Hermann ist, wie so oft, sehr schön und literarisch. Sie schreibt ruhig, präzise und atmosphärisch. Fazit: Für mich bleibt ein sprachlich schönes, aber inhaltlich enttäuschend oberflächliches Buch, das die Möglichkeiten seines Themas kaum nutzt. Leseempfehlung für alle, die seichte Texte mögen und sich an einer sehr schönen, literarischen Sprache erfreuen.

Post image
2

»Mein Großvater ist keine literarische Figur. Er ist Leerstelle, zugleich ist er das Gegenteil, er ist ein schrecklich blinder Fleck, es will mir nicht gelingen, ihn zu stellen. Er hat keine Geschichte, also kann ich keine aus ihm machen.« (15) In ihrem neuesten Roman »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« thematisiert die Schriftstellerin Judith Hermann die Auseinandersetzung mit der eigenen familiären Herkunft, den Umgang mit historischer Schuld und Familiendynamiken. Ihr Großvater war in der Zeit des Nationalsozialismus für die SS im Ghetto im polnischen Radom stationiert und entsprechend involviert in die schrecklichen Verbrechen an der Menschheit. In der Familie wird über diesen Großvater nicht gesprochen und somit findet keine Auseinandersetzung statt. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, entsprechend der Orte der Auseinandersetzung der Autorin und es handelt sich um eine Innenschau auf den Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Großvater, Erinnerungen und Vergangenheit. Ich habe genau dies sehr vermisst: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Familienperson, die in der NS-Zeit eine aktive Rolle eingenommen hat. Dies ist sicherlich ein anspruchsvolles, literarisches und komplexes Vorhaben, aber es tritt immer weiter in den Hintergrund von familiären Themen und Familiendynamik (zB ungeklärte Schwestern-Konflikte). Damit wird natürlich deutlich, wie das Thema geleugnet wird, aber gerade von einem Roman, der sich dessen annähern will, hätte ich eine kritischere Reflexion erwartet und das ganz konkrete Aufgreifen dessen, was nicht funktioniert. »Möglicherweise entkommen wir unseren Prägungen nicht, wir landen immer in einem ähnlichen Umfeld, es sei denn, wir gehen entschieden, mit aller uns zur Verfügung stehenden Kraft, dagegen an.« (103) Zusammenfassend kann ich resümieren: Ich hätte mir hier eine intensivere Auseinandersetzung mit Familiengeschichte, transgenerationalen Weitergabe und der Auseinandersetzung mit den Nachfolgegenerationen gewünscht. Dies hat - aus meiner Perspektive - kaum stattgefunden. Es ist ein Roman, der wichtige Themen berührt, sie offen lässt und damit viel Potential verschenkt. Ich denke hier an die Kritik von z. B. Max Czollek ›Versöhnungstheater‹ und hatte auf Basis des Klappentexts (der Blurb ist übrigens nicht auf dieses Buch bezogen — finde ich auch irreführendes Marketing!) und der Leseprobe einen deutlich anderen Text erwartet.

Post image
4

Eine autofiktionale Spurensuche über die familiäre Schuld im Nationalsozialismus. Judith Hermann beschäftigt sich mit der Ss-Vergangenheit ihres Großvaters, reist nach Radom und zur ihrer Schwester nach Neapel. Ihrem Großvater kommt sie dabei nicht wirklich näher, dafür aber der Erblast ihrer Familie. In altbekannter lakonischer Erzählweise beschreibt Hermann ihre vielschichtige Spurensuche. Und wie immer bleibt es dem Leser überlassen, Ungesagtes zwischen den Zeilen zu finden.

3.5

Man entdeckt Dinge durch die Erinnerung, sich an etwas zu erinnern bedeutet, es zum ersten Mal zu sehen.

Ich habe Judith Hermanns „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ohne große Erwartungen gekauft, fand aber den Klappentext interessant. Das Buch erzählt von ihrer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihres Großvaters, der bei der SS war – ein Thema, über das in ihrer Familie weitgehend geschwiegen wird. Besonders ihre Mutter möchte sich damit nicht beschäftigen, was die Autorin sichtbar belastet. Sehr eindrucksvoll beschreibt Judith Hermann dieses große Schweigen, das wie eine schwere Haube über der Familiengeschichte liegt. Einerseits fragt man sich, wie man sich einer solchen Vergangenheit entziehen kann, andererseits erkennt man vielleicht auch eigene Verdrängungsmechanismen darin wieder. Besonders interessant fand ich auch die Rolle ihrer Schwester, die als Archäologin beruflich mit Vergangenheit arbeitet, der eigenen Familiengeschichte jedoch ebenfalls eher distanziert begegnet. Ein Satz aus dem Buch ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Man entdeckt Dinge durch die Erinnerung, sich an etwas zu erinnern bedeutet, es zum ersten Mal zu sehen.“ Das Buch ist ruhig erzählt und lebt weniger von Handlung als von Gedanken und Stimmungen. Gerade diese Zurückhaltung macht es besonders eindringlich und regt dazu an, über Erinnerung und den Umgang mit Vergangenheit nachzudenken.

2

Sprachlich wirklich schön. Aber leider blieb das Buch weit hinter meinen Erwartungen an das Thema zurück. Aus eigentlich Fragmenten über das Leben des ihres Großvaters während des zweiten Weltkrieges in der SS und über sein Leben danach, schreibt Hermann. Und genau dort bleibt es auch fragmentarisch, vage und leer. Lange Episoden über den Aufenthalt in Italien bei der Schwester füllen dies nicht. Auch nicht zwischen den Zeilen. Es bleibt unklar, wer der Großvater war, was seine Taten waren und was diese aus ihm und aus der Familie gemacht haben. Schade. Denn das Thema hätte so viel Potential gehabt.

2.5

Enttäuscht

Der Klappentext hat in mir andere Erwartungen geweckt. Ich freute mich auf eine Geschichte, die die „verleugnete Vergangenheit“ der Vorfahren aufdeckt, dies ist leider nicht rausgearbeitet worden. Hingegen wurde das Schweigen und „vergessen“ der nachfolgenden Generation für meinen Geschmack zu präsent beschrieben.

4

Judith Hermann hat eine wunderbare Art zu schreiben, da stimmt einfach jeder Satz, jedes Wort. Vom Inhalt habe ich mir ein wenig mehr erhofft, habe das Buch aber trotzdem sehr gerne gelesen.

3

Habe etwas anderes erwartet

In dem Buch ich möchte zurück gehen in der Zeit von Judith Hermann begibt sie sich auf eine Spurensuche der Vergangenheit. Ich habe leider etwas anderes erwartet, ich habe erwartet das es mehr um das Thema Zweiter Weltkrieg, SS und Nationalsozialismus geht. Das ganze wird thematisiert aber so richtig nur im ersten Abschnitt des Buches, danach kommen zwar immer wieder Zeilen vor wo der Großvater erwähnt wird aber so richtig auseinandergesetzt wird sich mit dem Thema dann nicht mehr. Der Schreibstil hat mich leider auch immer wieder rausgebracht aus dem Lesefluss. Trotzdem wären zwischendurch immer wieder mal Zeilen dabei die wirklich schön waren und toll geschrieben. Teilweise hat mich das Buch leider etwas gelangweilt, wahrscheinlich bin ich einfach die falsche Zielgruppe gewesen. Da das Buch nur 160 Seiten hat ist es relativ schnell durchgelesen. Das Ende und auch insgesamt der letze Abschnitt im Buch hat mir auch nicht so zugesagt.

3

"Du literarisierst. Das ist es, was du tust."

In Ich möchte in der Zeit zurückgehen setzt sich Judith Hermann mit Erinnerungen, Verlust und der Frage auseinander, wie sehr Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen. In ruhiger, konzentrierter Sprache nähert sie sich biografischen Momenten und existenziellen Themen, ohne klare Antworten zu geben. Inhaltlich hatte ich irgendwie mehr erwartet, und das offene Ende hat mich erst irritiert. Mit etwas Abstand ergibt diese Offenheit jedoch Sinn: Nicht alle Geschichten haben und können eine Auflösung oder ein befreiendes Ende haben – gerade bei diesem Thema. Das Buch hallt nach. Ich kann nicht eindeutig sagen, ob ich es gut oder schlecht fand, aber es hat etwas in mir bewegt – und genau das sollte Literatur doch tun.

3

Sprachlich konnte mich das Buch sehr abholen. Inhaltlich hatte ich andere Erwartungen.

4

Zwischen den Zeilen der Zeit: Eine Suche nach dem Unausgesprochenen

Das Cover des Buchs „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ von Judith Hermann hat direkt angesprochen: Das Bild der geöffneten Tür wirkt wie eine Einladung, in die Geschichte einzutreten und gemeinsam mit der Autorin die Schwellen der Vergangenheit zu überschreiten. Es passt symbolisch hervorragend zu dem Versuch, einen Zugang zu den eigenen Wurzeln zu finden. Inhaltlich gelingt es Hermann gut, eine ganz bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. Die Umsetzung der Thematik – das Nachspüren von familiären Echos – ist ihr handwerklich zweifellos gelungen. Dennoch muss ich gestehen, dass meine Erwartungshaltung eine andere war. Ich hatte gehofft, dass der Schwerpunkt deutlicher auf der Geschichte des Großvaters sowie der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs liegen würde. Statt einer greifbaren historischen Aufarbeitung bietet das Buch jedoch wenig äußere Handlung. Stattdessen dominieren tiefe Gedankengänge, feine Beobachtungen und ausgedehnte innere Monologe. Genau hier lag für mich die größte Hürde: der Schreibstil. Obwohl man merkt, dass Judith Hermann ihr Handwerk perfekt beherrscht und eine sehr präzise Sprache pflegt, habe ich mich mit den vielen „Leerstellen“ und der bewussten Reduktion schwergetan. Ich fand nur mühsam in die Erzählung hinein. Der Inhalt wirkte auf mich phasenweise etwas diffus, wodurch der rote Faden für mein Empfinden fast zu dünn wurde. Positiv hervorzuheben sind die Figuren, die durchweg authentisch gezeichnet sind und in ihren Regungen absolut glaubwürdig wirken. Wer Freude an melancholischer Reflexion und einem eher statischen, psychologischen Erzählstil hat, dem würde ich das Buch definitiv weiterempfehlen. Mich persönlich hat es emotional jedoch nicht so recht fesseln können.

5

Eine familiäre Spurensuche, bei der es mehr um Leben mit offenen Fragen als um das Finden von Antworten geht.

Kein Roman, eher ein persönlicher Essay ist Judith Hermanns neuestes Buch "Ich möchte zurückgehen in der Zeit". Der Text beginnt mit dem Großvater der Autorin, der bei der SS war und im Zweiten Weltkrieg in Polen, genauer gesagt in der Stadt Radom stationiert war. Dies ist eine der wenigen Informationen, die Hermann über ihren Großvater hat. Sie lernte den Mann nie persönlich kennen, und hat doch das starke Gefühl in sich, dass seine Geschichte etwas mit ihrer Gegenwart zu tun hat. Also fährt sie nach Radom und deckt dort zwar unbequeme Wahrheiten auf, ihrem Großvater kommt sie aber nicht näher. Und so dreht sich der Text vor allem darum, wie man mit all den offenen Fragen umgeht, die wohl nie beantwortet werden können. Einen interessanten Gegensatz bildet dabei auch die Reise nach Italien zu ihrer Schwester, von der im zweiten Teil des Buches erzählt wird. Denn die Schwester interessiert sich überhaupt nicht für die Geschichte des Großvaters, scheint sie nicht, wie Judith Hermann, als Teil der eigenen Geschichte zu verstehen. Mich konnte das Buch sehr überzeugen, da ich, wie die Autorin, mich oft frage, was die Leben meiner unbekannten Vorfahren mit meiner Gegenwart zu tun haben, wie sehr deren Entscheidungen und vielleicht auch Eigenarten noch heute Nachwirkungen haben. Hinzu kommt die besondere, poetische Sprache von Judith Hermann, die mich immer ein bisschen in eine Art Lese-Trance versetzen konnte. Insgesamt ein sehr besonderes Buch, das ich wirklich gern gelesen habe.

Create Post