Mit beiden Händen den Himmel stützen

Mit beiden Händen den Himmel stützen

Hardback
4.2203

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Description

Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.

Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.

Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.

»Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt – und gerade deshalb lesen muss.« Mareike Fallwickl

»Nach der ersten Seite war ich erschüttert, nach dem ersten Kapitel gefesselt. Ein Roman von unwahrscheinlicher Gravitation, ein seltenes Juwel.« Edgar Rai

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
255
Price
24.70 €

Author Description

Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.

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"...im dunklen Wasser der Nacht, fische ich nach dem nächsten großen Traum." Lale wächst in einer WG zwischen lauter Männern, wechselnden Freundinnen dieser, Alkohol und Drogen auf. Regeln gibt es keine, auch keine Regelmässigkeiten, denn niemand kümmert sich wirklich um sie. Auch nicht um missbräuchliche Begebenheiten, war doch schließlich nicht so dramatisch. Als Jugendliche und junge Frau ist Lale immernoch zerrissen. Auf der Suche nach Geborgenheit und Sicherheit, findet sie nur den vermeintlichen Trost in Alkohol, Drogen, Sex und toxischen Beziehungen. "Draußen atme ich die feuchte Luft ein und renne los, renne um mein Leben, nicht ahnend, dass ich in den nächsten Jahren nirgendwo ankommen, immer weiterrennen werde." Dieser autofiktionale Roman ist hart. Mich hat er zurück katapultiert in die Welt der 80iger Jahre, als Lale ein Kind und ich ein Teenager war. Die Musik konnte ich hören und quasi mitsingen und immer dachte ich nur, warum lässt man ein Kind so leben. Leseempfehlung für alle die von den Themen nicht getriggert werden.

3

Kindheit überleben

Es schockiert und berührt mich gleichermaßen, was das Mädchen Lale erlebt (und erleben muss), die in Berlin einer Männer WG aufwächst. Allerdings verhinderte die lakonische Sprache, dass ich eine Beziehung zu der Protagonistin aufbauen konnte. Das Buch wirkt auf mich etwas unfertig.

4

Eindringliches Buch, authentisch erzählt...

Lale hat einen schweren Start ins Leben. Von Anfang an wird sie zu einer Kämpferin! Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand entwickelt sich Lales Leben in den 80 er Jahren in Berlin. Mit Höhen und Tiefen, oft allein gelassen geht sie ihren Weg. Leider kenne ich auch solche Geschichten im persönlichen Umfeld aus meiner Kindheit! Wenn ich heute darüber nachdenke war es teilweise bei einigen meinen Freunden wirklich schlimm und ich bin dankbar für meine behütete Kindheit. Dieses Buch wird jedes Mutterherz erschüttert zurück lassen. Trotzdem oder grade deswegen ist dieses Buch absolut lesenswert!

Eindringliches Buch, authentisch erzählt...
5

Dieses Buch wird garantiert eines meiner Highlights in diesem Jahr!!

"Ich halte deine Hand mit beiden Händen und drücke sie an meine Brust wie ein Plüschtier. Er entzieht sie mir, legt sie auf meinen Kopf, ein warmes Dach. Wie er "jetzt schlafen aber gut" sagt, "ich geh mal rüber in die Kneipe". Und wie ich darunter wohnen möchte, unter den Händen meines Vaters". Lale geboren und aufgewachsen in Berlin. Ihre Mutter ist hochgradig süchtig. Aufgrund eines fahrlässig verursachten Unfalls wird ihr schließlich das Sorgerecht entzogen. Von da an wächst Lale in einer Männer-Kommune auf, in der unter anderen auch ihr leiblicher Vater wohnt. In diesem Umfeld, einem sozialen absolut niederen Brennpunkt, erfährt sie nahezu keine Grenzen. In der WG existieren kaum Tabus, wodurch Lale dieser Zustand zunehmend als Normalität suggeriert wird. "Aber ich trage zu viel Wut in mir. Alles was glänzt, mache ich kaputt" Selbst meistert sie ihr Leben auf eher wackeligen Beinen, schafft es dennoch bis zum Abitur. Sie ist kontinuierlich auf der Suche nach sich selbst, nach Sicherheit und Geborgenheit und zugleich auf der Flucht vor ihren inneren Dämonen. Der Zerfall ihrer Bezugspersonen wird dabei erschreckend, fast schon bildhaft dargestellt. Schnell wird klar,- so grausam die Tage in Lales Leben auch waren, bilden sie vermutlich nur einen Bruchteil ihrer erlebten Realität ab. Das Gehirn vermag es, durch sein eigenes Schutzprogramm - die Dissoziation oder das Verdrängen,- Dinge zum bloßen Überleben grandios zu umgehen. ​Die Frage, was aus Kindern suchtkranker Eltern wird, lässt sich dennoch nur schwer pauschalieren. Sicher ist jedoch, bestätigt durch die Forschung zur Epigenetik, dass die körpereigene Regulation von zb. Dopamin, Endorphinen und Serotonin von Anbeginn gestört ist. Dies legt oft den Grundstein für eine tief sitzende Leere, die ein Leben lang nach Kompensation verlangt. „Der Wunsch, einen Namen zu bekommen für das, was mich aushöhlt, ist so groß, dass ich beginne, die Symptome der anderen nachzuahmen. Als gäbe es etwas zu gewinnen, sammle ich Symptome und Diagnosen wie Sticker für ein Bonusheft. Ich frage mich, ob das Problem im Kopf liegt, hinter meiner Stirn.“ Es schockiert, es resigniert, verletzt und lässt einen trotz allem stellenweise hoffnungsvoll zurück. Dieses Buch wird garantiert eines meiner Highlights in diesem Jahr!!

Dieses Buch wird garantiert eines meiner Highlights in diesem Jahr!!
5

„Ich sage nicht, dass ich seit dem Einbruch in meinen Körper keine Türen mehr habe. Dass ich mich nicht sicher fühle.“

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist für mich bisher das beste Buch, das ich 2026 gelesen habe und das, obwohl es noch gar nicht erschienen ist. Ich hatte das Glück, es vorab durch eine Verlosung lesen zu dürfen, und ich bin immer noch völlig überwältigt. Der Schreibstil ist kaum zu beschreiben: gewaltig, eindringlich, roh und gleichzeitig unglaublich poetisch. Wirklich niemand schreibt so wie Lilli Tolkien. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wie ein Mensch solche Worte finden kann. Jede Seite hat eine Wucht, die einen nicht loslässt. Die Themen sind hart und alles andere als leichte Kost. Um nichts zu Spoilern gehe ich darauf nicht weiter ein. Aber was der Protagonistin Lale widerfährt, ist erschütternd und doch wird nichts sensationsheischend erzählt, sondern literarisch stark und schonungslos ehrlich. Ein sprachlich außergewöhnlicher, mutiger Roman, der mich tief beeindruckt hat. Keine leichte Lektüre ,aber definitiv eine, die man so schnell nicht vergisst.

„Ich sage nicht, dass ich seit dem Einbruch in meinen Körper keine Türen mehr habe. Dass ich mich nicht sicher fühle.“
4.5

Erschütternd und kaum auszuhalten

Mit beiden Händen den Himmel stützen ist ein richtig krasses, aufwühlendes Buch. Es geht um Lale, die durch ihre drogenabhängigen Mutter ihr Leben direkt mal mit einem Entzug startet und schließlich in einer Männerkommune der 80er landet, ohne Struktur, ohne Regeln, umgeben von Drogen und Chaos. Was sie dort erlebt, ist teilweise einfach nur schrecklich. Man begleitet sie bis ins Erwachsenenalter und sieht, wie sehr diese Kindheit sie geprägt hat und wie sie mit ihren Traumata lebt. Das Ganze ist unglaublich intensiv und oft schwer zu ertragen. Mich hat das Buch total erschüttert und auch wütend gemacht, weil es zeigt, dass solche Geschichten auch hier Realität sind. Es erinnert ein bisschen an Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, aber fühlt sich trotzdem eigen an. Ein sehr bewegendes, wichtiges Buch, auch wenn ich nicht genau sagen kann, warum es keine vollen 5 Sterne sind. Trotzdem starke 4,5 Sterne.

2.5

"Ich bin in ihrem Bauch als sie mit meinem Vater in dem alten Mercedes nach Spanien fährt, um dort einen Entzug zu machen und ich erlebe ihren Rausch über die Plazenta, als der Entzug scheitert..." 🖤💔

Zwischen Heroin, Alkohol, Vernachlässigung und frühem sexuellen Missbrauch wächst Lale in einer Männerkommune auf. Ein Umfeld, das von Unsicherheit, fehlenden Grenzen und emotionaler Kälte geprägt ist. Halt, Struktur oder Geborgenheit sucht man hier vergeblich. Stattdessen ist Lale auf sich allein gestellt und klammert sich verzweifelt an jeden Funken Aufmerksamkeit, in der Hoffnung, irgendwo die Liebe zu finden, die ihr so sehr fehlt. 💔 Dieses Buch hat mich aufgewühlt, aber gleichzeitig auf eine seltsame Weise auf Distanz gehalten. Die Sprache empfand ich als sehr schlicht. Kurze, knappe Sätze, die oft kaum Raum für Emotionen lassen. Die zahlreichen Ereignisse und Schicksalsschläge rauschen beinahe wie ein Sturm vorbei, ohne dass ich als Leserin wirklich innehalten und mit Lale mitfühlen konnte. Es reiht sich ein dramatischer Moment an den nächsten, wodurch vieles überladen wirkt. 🌪️ Die Autorin schildert all diese Erlebnisse zudem sehr neutral. Auf das Innenleben von Lale wird kaum eingegangen, was mich leider extrem gestört hat. Gerade weil es so erschreckend ist, was Lale alles widerfährt, hätte ich mir gewünscht, dass stärker beleuchtet wird, wie es ihr dabei wirklich geht und dass auch ihr Umfeld genauer hinschaut. Besonders das Jugendamt erschien mir über weite Strecken erstaunlich passiv. Ob dies die Realität der 80er Jahre widerspiegelt, kann ich nicht beurteilen, aber es hat bei mir Fragen und ein gewisses Unverständnis hinterlassen. 🤔 Richtig überzeugen konnte mich das Buch daher nicht. Für die Schwere der Thematik deutlich zu kurz und zu emotionslos.

"Ich bin in ihrem Bauch als sie mit meinem Vater in dem alten Mercedes nach Spanien fährt, um dort einen Entzug zu machen und ich erlebe ihren Rausch über die Plazenta, als der Entzug scheitert..." 🖤💔
5

MIT BEIDEN HÄNDEN DEN HIMMEL STÜTZEN Lilli Tollkien ET: 11.03.26 „Das Fruchtwasser, von dem ich täglich einen halben Liter trinke, schmeckt süß, denn meine Mutter ernährt sich von Haribo Colorado. Sie klammert sich an den Zucker, braucht ihn als Ersatz für das Heroin, auf das sie zu verzichten versucht, jetzt da sie mit mir schwanger ist. […] Ich werde nicht auf die Brust meiner Mutter gelegt. Unter kontrollierten Außenbedingungen, im Mikroklima des Inkubators, mache ich den Entzug, den meine Mutter nicht geschafft hat. Es ist Winter 1980 …“ Direkt nach der Geburt wird Lales Mutter das Sorgerecht entzogen. Auch ihr leiblicher Vater, der ausgerechnet an diesem Tag einen Geldtransporter überfällt und verhaftet wird, kommt als Erziehungsberechtigter nicht infrage. Doch Lale scheint zunächst Glück zu haben: Ein Freund des Vaters übernimmt die Rolle des Pflegevaters und nimmt sie in seiner Berliner WG auf – einer Wohngemeinschaft, die ausschließlich aus Männern besteht. Geborgenheit findet Lale dort jedoch nicht. Sie wächst in einem Umfeld auf, das von Vernachlässigung geprägt ist. Freundinnen der Männer gehen ein und aus, Alkohol und Drogen gehören zum Alltag und liegen frei herum. Während die Männer ausschlafen, ist das kleine Mädchen morgens oft auf sich allein gestellt. Das Jugendamt schaut nur selten und angekündigt vorbei. Erst als Lale in die Schule kommt, begegnet sie zum ersten Mal festen Regeln und klaren Grenzen. Ausgerechnet diese Einschränkungen geben ihr ein Gefühl von Halt und Struktur. Doch wie sehr die ersten Jahre ihres Lebens sie geprägt haben und welchen Weg sie später einschlägt, müsst ihr selbst herausfinden. Uff. Dieses Buch hat mich gleich zu Beginn hart getroffen. Nach dem ersten Kapitel musste ich es erst einmal zur Seite legen. Was Lale in ihrer Kindheit erlebt, ist schwer auszuhalten und sollte kein Kind erfahren müssen. Viel zu oft werden Warnsignale übersehen, und auch das Jugendamt wirkt hier erschreckend passiv. Ich habe beim Lesen stark mit Lale mitgefühlt und mich über die Verantwortungslosigkeit der Erwachsenen geärgert. Manchmal wurde es mir zu viel – und trotzdem wollte ich unbedingt wissen, ob Lale irgendwann ein kleines bisschen Glück findet. Genau diese Hoffnung hat mich durch die Seiten getragen. Besonders mochte ich die vielen kleinen Flashbacks in die 80er-Jahre: Musik, Süßigkeiten und Alltagsgegenstände wie der Walkman rufen Erinnerungen wach und verankern die Geschichte stark in ihrer Zeit. Fazit: Ein schmerzhaftes und eindringliches Debüt über eine Kindheit ohne Halt, das lange nachwirkt. 5/5

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5

Authentisch, schonungslos, tolle Sprache

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien ist ein Roman, der sich durch seinen außergewöhnlichen Schreibstil deutlich hervorhebt. Und gleichzeitig einer, der mich sprachlich so beeindruckt hat, dass ich jetzt schon weiß: Ich werde alles lesen, was diese Autorin noch schreibt. Tollkien erzählt Lales Geschichte in einer erstaunlich klaren, fast nüchternen Sprache – und genau darin liegt ihre Wucht. Kein Pathos, keine übertriebene Emotionalisierung. Stattdessen eine sachliche Distanz, die die Geschehnisse nur noch eindringlicher macht. Es ist dieses kunstvolle Spiel mit Sprache, das mich durch das gesamte Buch getragen hat: reduziert, präzise, und doch voller Zwischentöne. Jeder Satz wirkt gesetzt, jede Formulierung durchdacht. Dabei ist inhaltlich das, was erzählt wird, kaum auszuhalten. Lale wächst in einer Männer-WG auf, geprägt von Alkohol, Drogen, Vernachlässigung und Grenzlosigkeit. Besonders die Passagen aus ihrer Kindheit haben mich tief erschüttert – diese Schutzlosigkeit, dieses Ausgeliefertsein, das niemand erkennt oder stoppen will. Es sind Szenen, die schockieren, weil sie so ruhig und unbewertet aus der kindlichen Perspektive erzählt werden. Lale selbst bleibt dabei lange auf der Suche – nach Halt, nach Identität, nach einem Weg aus dem Kreislauf. Erst durch das Schreiben findet sie so etwas wie eine eigene Stimme. Und vielleicht ist es genau das, was auch diesen Roman so besonders macht. Ein Debüt, das sprachlich herausragt und thematisch tief trifft – aber definitiv kein Buch für zwischendurch. Ich habe es sehr gemocht.

Authentisch, schonungslos, tolle Sprache
5

Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen nachklingt und definitiv einen festen Platz im Herzen seiner Leser verdient

Dieses Buch hat mich tief berührt. Mit beiden Händen den Himmel stützen ist eines dieser seltenen Bücher, das man nicht einfach nur liest, sondern wirklich fühlt. Es erzählt mit großer Sensibilität von menschlichen Abgründen, von Verlust, Hoffnung und der unglaublichen Kraft, wieder aufzustehen. Besonders beeindruckt hat mich die Art, wie die Autorin schwere Themen mit einer leisen, fast poetischen Sprache verbindet. Jede Seite trägt eine emotionale Tiefe, ohne dabei erdrückend zu wirken. Stattdessen entsteht ein Raum zum Innehalten, Nachdenken und Mitfühlen. Die Figuren sind so authentisch gezeichnet, dass man schnell das Gefühl bekommt, sie persönlich zu kennen. Ihre Gedanken, Zweifel und kleinen Momente der Stärke wirken ehrlich und nahbar. Genau das macht die Geschichte so intensiv: Sie erinnert daran, wie viel Mut es braucht, das eigene Leben weiterzutragen, selbst wenn es manchmal zu schwer erscheint. Für mich ist dieses Buch eine wunderschöne Erinnerung daran, dass selbst in den dunkelsten Zeiten etwas Licht verborgen liegt. Ein stilles, kraftvolles Werk über Resilienz, Menschlichkeit und die Fähigkeit, den Himmel wieder ein Stück weit anzuheben. Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen nachklingt und definitiv einen festen Platz im Herzen seiner Leser verdient. 📖✨

5

MIT BEIDEN HÄNDEN DEN HIMMEL STÜTZEN - Lilli Tollkien - Aufbau - ET 11.03.26 - 255 Seiten ✨Leseempfehlung!✨ Zwischen Freiheit und Vernachlässigung Stimmen zum Buch: »Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt – und gerade deshalb lesen muss.« Mareike Fallwickl Worum geht’s? Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird Fakten zur Autorin: LILLI TOLLKIEN, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman. Mein Leseeindruck: “Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist in meinen Augen ein wirklich beachtenswertes Debüt, denn man merkt nicht, dass es eines ist. Nach den ersten Seiten war ich erschüttert, nach den ersten Kapiteln und der Leseprobe gefesselt und angezogen. Lilli Tollkien ist es gelungen Geschichte und Text exakt auszutarieren, sprachlich präzise, intelligent konstruiert, spannend, echt. Trotz der Themen, denen Lale ausgesetzt war, ist das Buch sehr gut lesbar, es gibt einen guten Einblick in die wilden 80-ziger Jahre, eine Zeit von Aufbruch, gelebter Freiheit und Übertreibung. - Mir hat das Buch gut gefallen, aber bitte unbedingt den Klappentext und die Biografie der Autorin lesen, es gibt Auskunft darüber, ob das Buch etwas für einen ist oder nicht. Fazit: Authentisch, erschütternd, spannend

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4

Eine Kindheit ohne Grenzen

Lale wächst, nachdem ihre Mutter im Gefängnis landet, bei ihrem Vater in einer Männer-WG auf. Schon früh kommt sie mit Drogen und übergriffigem Verhalten in Kontakt. Nach außen wirkt ihr Leben fast wie ein Kindertraum: Sie darf essen, was sie will, lange wach bleiben und bekommt von ihrem Vater oder seinen Freunden oft alles, was sie sich wünscht. Aber das, was für Lale normal ist, weil sie nichts anderes kennt, ist für uns als Leser schwer auszuhalten. In dieser WG gibt es kaum Grenzen -weder körperlich noch emotional -und niemand achtet wirklich darauf, dass sie noch ein Kind ist. Sie wächst zwischen sehr problematischen Beziehungen auf und erlebt viel Gleichgültigkeit. Da sie außer ihrem Vater und seinen wechselnden Partnerinnen keine echte Konstante hat, folgt sie lange dem, was ihr vorgelebt wird. Erst als sie älter wird, schafft sie es, sich Stück für Stück daraus zu lösen. Trotzdem merkt man, wie sehr sie ihre Kindheit geprägt hat. Die Geschichte zeigt sehr eindrücklich, welchen Einfluss so ein Aufwachsen haben kann – vor allem, weil sie aus einer Perspektive erzählt ist, die anfangs gar nicht versteht, dass hier Grenzen überschritten werden. Besonders stark fand ich, wie ihr Körper zwar reagiert und warnt, sie das aber nicht richtig einordnen kann. Dass Lale autistische Züge hat und ein sehr sensibles Empfinden für Berührungen, macht das Ganze noch intensiver. Ich habe beim Lesen sehr mit Lale mitgefühlt. Meiner Meinung nach bringt die Autorin die Realität dieser Situation gut rüber, genauso wie das Lebensgefühl der 80er-Jahre. Was ich auch wichtig fand: Trotz allem wird verständlich, warum Lale ihre Eltern liebt -ihre Mutter, die kaum da ist, und ihren Vater, der auf seine Art für sie sorgt. Genau dieser innere Konflikt ist, glaube ich, für viele Kinder in solchen Verhältnissen der größte Struggle, und das wurde hier gut dargestellt. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es ist keine leichte Lektüre, aber es behandelt eine wichtige Thematik und bleibt im Kopf. Für mich ein wirklich starkes Debüt. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar

4

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch an nur einem einzigen Tag durchgelesen. Das allein spricht schon für die Qualität der Geschichte und die Relevanz des Themas. Lilli Tollkien greift hier etwas auf, das zweifellos wichtig ist und zum Nachdenken anregt.

Zwischen Distanz und Mitgefühl Der Schreibstil lässt sich am besten als kühl und trocken beschreiben. Das ist einerseits sehr präzise, andererseits fehlte mir persönlich dadurch manchmal ein wenig die Wärme. Diese Sachlichkeit überträgt sich auch auf die Bindung zur Protagonistin: • Lale ist eine Figur, die ich definitiv ins Herz geschlossen habe. • Dennoch blieb durch die Art der Erzählung immer eine gewisse Distanz bestehen. • Ich mochte sie sehr, aber die ganz große, emotionale Verbundenheit – dieses „unendlich tiefe“ Gefühl – wollte sich aufgrund der kühlen Art nicht ganz einstellen. Fazit Ein absolut lesenswertes Buch, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Wer eine schnörkellose, eher nüchterne Sprache mag und sich für tiefgreifende Themen interessiert, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Für die volle Punktzahl hätte ich mir jedoch einen Funken mehr emotionale Nähe gewünscht. Ein starker Roman, der nachwirkt!

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch an nur einem einzigen Tag durchgelesen. Das allein spricht schon für die Qualität der Geschichte und die Relevanz des Themas. Lilli Tollkien greift hier etwas auf, das zweifellos wichtig ist und zum Nachdenken anregt.
5

Nach dem ersten Kapitel musste ich "Mit beiden Händen den Himmel stützen" erstmal zur Seite legen, um tief durchzuatmen. Lilli Tollkien beschreibt darin ihre Geburt und die ersten Tage im Inkubator, wo das Frühchen einen Entzug durchstehen muss. Ich fand diese Beschreibung - ruhig und sachlich geschrieben - so dermassen krass und schrecklich, es ging mir sehr, sehr nahe. Ein Baby, die Unschuld in Person, durch dessen Körper bereits Alkohol und Drogen geflossen sind und das unter Schmerzen davon loskommen muss - ich komme nicht darauf klar. Lilli Tollkiens Buch ist autobiografisch. Sie erzählt vom Aufwachsen in einer chaotischen Westberliner Aussteiger-WG mit ihrem Vater und dessen Sauf- und Drogenkumpels, vom Verlorengehen einer Kinderseele, die es lange nicht schafft, ihren Weg zu finden und zu wachsen, von der Suche nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, vom schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung, von exzessivem Yoga und Selbstverletzungen, von manischen Momenten und Klinikaufenthalten, von falschen Freundschaften und Missbrauch. Am Schluss musste ich tatsächlich ein paar Tränen vergießen. Ein sehr, sehr krasser Lebensbericht. Bewegend, nachvollziehbar, ehrlich. Erscheint im März.

4

Überleben im Chaos

Der Roman Mit beiden Händen den Himmel stützen ist kein Buch, das man beendet und einfach ins Regal stellt. Er bleibt. Wie ein Echo, das nicht verklingt. In klaren, fast schon nüchternen Sätzen erzählt er Lales Geschichte – und gerade diese sprachliche Zurückhaltung macht das Erzählte so unerträglich intensiv. Lale wächst auf zwischen einer drogensüchtigen Mutter, einem Vater im Gefängnis und einer Männer-WG, in der es keine Regeln, keinen Schutz und keine Grenzen gibt. Die 80er flackern durch die Seiten wie Neonlicht: laut, exzessiv, zügellos. Zigarettenrauch, Alkohol, wechselnde Gestalten, eine Atmosphäre von „alles darf, nichts muss“. Doch für ein Kind bedeutet diese vermeintliche Freiheit vor allem eines: Haltlosigkeit. Missbrauch und Vernachlässigung werden nicht dramatisch inszeniert, sondern beinahe sachlich benannt. Und genau das erschüttert. Man begreift, was es mit einem Kind macht, wenn Liebe ausbleibt, wie sich Scham, Angst und das Gefühl der Wertlosigkeit tief eingraben und bleiben. Auch Lales Jugend ist turbulent, unberechenbar, wild. Zwischen Rebellion und Selbstzerstörung sucht sie nach Nähe und stößt sie doch immer wieder von sich. Das Lebensgefühl der 80er – dieses „no future“, dieses hemmungslose Ausprobieren, wirkt hier weniger wie Aufbruch, mehr wie ein Überlebensmodus. Als müsste Lale ständig mit beiden Händen den Himmel stützen, damit nicht alles endgültig über ihr zusammenbricht. Besonders eindringlich zeigt der Roman die Langzeitfolgen solcher Kindheit. Die Wunden verschwinden nicht. Sie wandern mit, schleichen sich in Beziehungen, in Selbstbilder, in jede Entscheidung. Erschütternd, beängstigend und lange nachhallend – ein Buch, das weh tut, weil es so klar hinsieht.

4

Mit beiden Händen den Himmel stützen...

oder auch mit beiden Händen der Hölle entgegen. Wo Systeme versagen und Leid im Kindesalter entsteht und sich durchs restliche Leben zieht, bis die lebensrettende Wendung kommt. Sehr emotionale Geschichte, man leidet mit. Die Lebensgeschichte von Lale wird nüchtern und trocken erzählt und nichts rührt einen mehr. Manchmal kann man sich nur selber retten, wenn's sonst keiner für einen tut!

Authentisch und schonungslos - eine Kindheit bei der das Wort antiautoritär eine neue Bedeutung bekommt

Es gibt diese Bücher, die einen bereits mit den ersten Worten sofort vollkommen im Griff haben. Dieses Buch ist so eins. Dieser Einstieg. Aus dem Bauch der Mutter. Diese Beschreibung. Sozusagen die Gedanken eines Embryos. ich war sofort bei diesem Kind und bin es einfach geblieben. Eine Kindheit in Kreuzberg (Berlin) in einer Art Männerkommune, die Mutter im Drogenrausch nicht fähig sich um ihre Kind zu kümmern, der Vater erst einmal im Knast. Lale wird so nebenbei groß. Auch wenn es nicht unbedingt an Liebe und Zuwendung mangelt. Die gibt es, in anderer Form und manchmal auch in nicht akzeptabler Form. Mir blieb beim Lesen oft der Mund stehen, so fassungslos ließ mich das zurück, was ich gerade las. Dann musste ich aber auch wieder sehr viel schmunzeln bis lachen, manchmal aus Verzweiflung, man hnal weil es einfach in so einer nüchternen Trockenheit geschrieben ist, dass es lustig ist, obwohl vieles so gar nicht lustig ist. Als Erzieherin in der Jugendhilfe kam ich nicht drumrum, Lales Situation in der heutigen Zeit zu betrachten. Die Männerkommune als Pflegschaft wäre vielleicht so heute nicht mehr möglich, aber die Situation, die zur Jugendamtsintervention führt, ist mir nicht fremd, zumindest was meinen beruflichen Kontext betrifft. Privat bin ich zwar in einer ähnlichen Zeit aufgewachsen. Aber auf der anderen Seite der Mauer und unter völlig anderen Umständen. Ich durfte Lilli Tollkien im Rahmen der Leipziger Lesenächte erleben und sie hat mich dort schon überzeugt. Nun habe ich ihr Buch wie im Rausch gelesen. An einem Tag bin ich durch die Seiten geflogen. Wollte wissen, was Lale noch erleben muss und ob es einen Weg da raus gibt. Ich bin eingetaucht in die Nostalgie der 80er Jahre, habe mich zurückversetzt gefühlt in die 90er inklusive blauer Glitzer Zahnspange, Interrailtour und wandeln auf Kurt Cobains Spuren. Wer eine authentische Geschichte haben möchte, die sich leicht (stilistisch nicht inhaltlich) lesen lässt, dem kann ich 'Mir beiden Händen den Himmel stützen ' wärmstens empfehlen. Für mich wird es sich in die Riege der Jahreshighlights einreihen.

4.5

Bedrückendes Schicksal

Der Roman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" von Lilli Tollkien hat mich sehr berührt. Wir lernen in diesem Roman Lale kennen, die in einer Männer-WG in den 80ern aufwächst. Sie hat dort alle Freiheiten, der Fernseher läuft dauernd, es gibt Süßigkeiten zum satt essen. Aber das ist nicht alles: Lale erlebt auch viel negatives in dieser Gemeinschaft, was ihr am Anfang als normal erscheint. Tollkien lässt uns an Lales Leben seit ihrer Geburt aus der Ich-Perspektive teilhaben. Wir erleben mit Lale Situationen, die uns entsetzen, wütend machen und unglaublich traurig. Immer wieder habe ich mich bei der Lektüre des Buches gefragt "Wieviel kann ein Mensch ertragen, ohne daran zu zerbrechen. Wir erfahren von Drogenabhängigkeit, Missbrauch, Alkohol . Lale wünscht sich, dass ihr mal jemand etwas verbietet, vermisst Grenzen. Die Autorin schreibt sprachgewaltig, Sie versteht es, Dinge oder Handlungen zu beschreiben, zwischen den Zeilen. Das hat mich fasziniert. Zu sagen, ich hätte den Roman gerne gelesen, wäre falsch. Aufgrund der Thematik ist gerne lesen nicht der passende Ausdruck. Trotzdem hat die Autorin es geschafft, mich in den Roman hineinzuziehen. Ich hatte das Gefühl, bei Lale bleiben zu müssen und sie zu beschützen. Lale, die ihre Geschichte verarbeitet, indem sie sie erzählt. Es ist ein Roman, der ruhig ist und trotzdem viel vermittelt über ein Kinder- und Jugendschicksal , das ich niemanden wünsche. Sehr gute 4 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

4.5

Bewegend, fesselnd, schonungslos und emotional!

. Suchst du nach einem Roman, der dich schon mit der ersten Zeile in seinen Bann zieht und dich noch lange nach der letzten nicht mehr freigibt? Dann solltest du „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ unbedingt lesen oder hören. Eine Geschichte, die nicht nur durch ihre Erzählkunst besticht, sondern durch ihre Tiefe lange nachhallt. . Aber was erwartet dich genau… Lale wächst in den 80er Jahren bei ihrem Vater in einer Männerkommune auf. Grenzen oder Regeln gibt es nicht. Ihre Mutter kann sich aufgrund ihrer Drogensucht nicht kümmern. Lale sehnt sich nach Geborgenheit und Zuverlässigkeit, doch genau das Gegenteil ist der Fall. . In „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ begleiten wir Lale als Ich-Erzählerin und tauchen tief ein in die Schichten ihres Lebens. Vor allem sind es die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, die den Erzählraum prägen und doch öffnen sich immer wieder Fenster in ihr Erwachsenenleben, in denen sichtbar wird, wie unauslöschlich die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt. Schon bald begreifen wir, wie sehr ihre frühen Jahre von Traumata durchzogen sind. Besonders die Kapitel aus kindlicher Perspektive gehen unter die Haut, leise und doch mit umso größerer Wucht. . In meinem Fall wurde diese Wirkung noch verstärkt! Als Hörbuch entfaltet der Text eine zusätzliche Intensität, nicht zuletzt durch die eindringliche Interpretation von Aileen Wrozyna, die Lale mit einer Stimme versieht, die zugleich verletzlich und standhaft klingt. Ihre Erzählweise erzeugt eine beinahe intime Nähe, als säße man selbst mit Lale am Tisch, eine Tasse Kaffee zwischen den Händen, und lauschte ihren Erinnerungen. . Lale ist ein vernachlässigtes Kind, das früh lernt, auf sich allein gestellt zu sein, und dennoch unbeirrt nach Licht sucht. Was uns als Leserinnen und Lesern erschreckend klar erscheint, bleibt ihr selbst lange verborgen…die Abgründe ihrer eigenen Kindheit. Und doch wird sie zur stillen Heldin ihres Lebens, die nicht aufgibt, die Strategien des Überlebens entwickelt und sich auf einer rastlosen Suche nach sich selbst immer wieder in fremden Identitäten verliert. . Die erzählte Wirklichkeit wirkt beklemmend realistisch und ist es wohl auch für viel zu viele Kinder. Wo Fürsorge fehlt, öffnen sich Räume, in denen alles ins Wanken gerät. Diese Dynamik beschreibt Tollkien eindringlich, emotional und ohne Beschönigung. Sie legt schonungslos offen, was geschieht, wenn ein von patriarchalen Strukturen geprägtes System versagt, wenn weggesehen wird bei Sucht, Missbrauch und Vernachlässigung. . Lales Vergangenheit durchzieht ihre Gegenwart wie ein unsichtbares Gewebe und wird unweigerlich auch ihre Zukunft formen. Tollkien zwingt uns, hinzusehen, auszuhalten, nicht wegzublicken. Es ist eine unangenehme, aber notwendige Erfahrung. . Gerade darin liegt die Stärke dieses Romans! Er ist ein schonungsloses Zeugnis einer zerstörten Kindheit und Jugend, ein Leben im Ausnahmezustand, das zugleich verstörend, beklemmend und von einer stillen, poetischen Kraft durchzogen ist. . Eine eindringliche Lese- und mehr noch – Hörempfehlung.

Bewegend, fesselnd, schonungslos und emotional!
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Der Titel „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien hat in mir sofort ein starkes, kaum greifbares Gefühl ausgelöst. Wie soll das gehen – den Himmel stützen? ☁️ Er erzeugt eine Atmosphäre, ohne preiszugeben, wohin die Reise führt oder wie dieses Bild zu verstehen ist. Noch bevor ich die erste Seite gelesen hatte, lag etwas Schweres und zugleich Hoffnungsvolles in der Luft. Gleich im ersten Kapitel überrascht die Autorin mit einer außergewöhnlichen Erzählperspektive, die mich als Leserin hellwach werden ließ – und tief berührte. Lale erzählt von ihrem Dasein im Bauch ihrer drogenabhängigen Mutter, von ihrem Weg auf die Welt und vom Entzug im Inkubator, den ihre Mutter nicht bewältigt hat. Dieses Bild war für mich kaum auszuhalten. Es markiert den Beginn eines Lebens, das von Vernachlässigung, Grenzüberschreitungen und dem ständigen Kampf um Daseinsberechtigung geprägt ist. Kurz nach ihrer Geburt wächst Lale in einer Berliner Männer-WG der 1980er-Jahre auf – zwischen vermeintlicher Freiheit und tatsächlicher Verwahrlosung. „Es gab keine Verbote, ich durfte wach bleiben, solange ich wollte, durfte auf Matratzen springen, Nutella-Brote essen und Fernsehen und Fanta, so viel ich konnte.“ (S. 16) Die schrille Erwachsenenwelt prasselt ungefiltert auf sie ein. Lale ist maßlos überfordert – nichts in ihrer Welt ist kindgerecht, nirgendwo wird sie aufgefangen oder beschützt. Unbeschwert Kind sein kann sie nie. „Wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem ich vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein.“ (S. 77) Ihrem kindlichen Drang folgend, den Erwachsenen zu gefallen, beginnt Lale, Erwartungen aufzuspüren, Schuld auf sich zu laden und das Verhalten ihrer „Vorbilder“ nachzuahmen. Nähe und Halt, die sie so dringend braucht, sucht sie an anderen Orten. Es beginnt eine Suche nach etwas, das sie im Außen nicht finden wird. „Ich will eine feine Dame sein, so wie die Frauen im Fernsehen, mit sauberen Fingernägeln und einem apricotfarbenen Lächeln auf meinen Lippen, in einer Küche aus Edelstahl. Aber ich trage zu viel Wut in mir. Alles was glänzt, mache ich kaputt.“ (S. 31) Wir begleiten Lale durch ihre Jugendjahre bis hinein ins Erwachsenenalter der Gegenwart. Eindrücklich beschreibt sie ihre Erlebnisse und deren Auswirkungen auf ihr psychisches wie körperliches Wohlbefinden. Immer wieder fügt die Autorin Passagen aus dem Heute ein. Diese Einschübe setzen behutsame Hoffnungszeichen: Die Erzählerin blickt aus der Gegenwart auf ihre Vergangenheit zurück – und allein dieser reflektierende Blick ist ein Ausdruck von Überleben und Selbstermächtigung. Sprachlich steht der Roman in einem spannungsvollen Kontrast zu Lales roher Kindheit. Die poetische, zugleich präzise Sprache erzeugt eine dichte Atmosphäre, die mich immer tiefer in die Geschichte – ja, in Lales Leben – hineingezogen hat. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist damit nicht nur eine Geschichte von Verlust und Gewalt, sondern auch von Rückeroberung: von der langsamen, schmerzhaften Aneignung des eigenen Körpers und von dem Versuch, sich selbst wiederzufinden und die eigene Geschichte nicht länger zu verdrängen. Dieses Buch ist schwer auszuhalten – aber es ist wichtig. Es zwingt dazu hinzusehen, wo andere wegsehen möchten. Und es zeigt, dass man selbst nach einem schweren Start ins Leben lernen kann, mit beiden Händen den Himmel zu stützen. 🎧 Eine besondere Ergänzung ist die Playlist zum Buch, die den emotionalen Resonanzraum erweitert und Lales Geschichte über die Seiten hinaus hörbar macht. ❓ Es entsteht dabei auch die Frage nach der Autofiktion: Wie viel von dem Erzählten basiert auf realen Erinnerungen, wie viel auf erzählerischer Gestaltung? Die Autorin selbst geht in einem Interview darauf ein. Die Antwort könnt ihr unter folgendem Link nachlesen: https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/im-gespraech/lilli-tollkien-mit-beiden-haenden-den-himmel-stuetzen

5

Intensiv, erschütternd, verstören und voller Wut über eine kaputte Kindheit ….. Fantastisch gelesen. Sehr fesselnd

5

Bewertung fiktiv

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tolkien ist kein Buch, das man einfach liest und wieder weglegt. Es tut weh. Die Geschichte von Lale beginnt nicht mit Geborgenheit, sondern mit Entzug, Abhängigkeit und einer Mutter, die selbst so verloren ist, dass sie ihrem eigenen Kind keinen Halt geben kann. Hier geht es nicht um eine schwierige Kindheit, hier geht es um Überleben. Lale wächst in einer Männerkommune auf, geprägt von Drogen, Alkohol, wechselnden Beziehungen und einem Umfeld, das keinerlei Schutz bietet. Grenzen verschwimmen. Kindheit existiert eigentlich nicht. Und genau das hat mich so getroffen. Der Ton, so nüchtern. So betäubt. Fast so, als wäre all das „normal“.Ich habe beim Lesen oft innehalten müssen. Es ist schmerzhaft, verstörend, teilweise kaum auszuhalten. Was das Buch bei mir ausgelöst hat, ging aber noch weiter. Je älter man wird, desto anders blickt man auf die eigene Kindheit. Ich bin ein Kind der 80er. Für mich war vieles „normal“, allein sein, früh selbstständig sein, eine Mutter, die einfach funktionieren musste. Drei Kinder, Mitte 30 und Witwe. Heute weiß ich, auch das hat seine Spuren hinterlassen. Wenn man andere erzählen hört. Und trotzdem: Im Vergleich zu Lale war das ein sicheres Leben. Dieser Gedanke hat mich ehrlich getroffen. Dieses Buch zerreißt. Es fordert emotional. Es bleibt im Kopf und manchmal auch im Körper, wie kleine Flashbacks. Für mich ein Roman, der sich einbrennt. Auch wenn mich das Ende nicht komplett abgeholt hat, ändert das nichts daran, wie stark diese Geschichte ist.

Bewertung fiktiv
5

Ganz klare Leseempfehlung!

In dem Roman begleitet man die junge Protagonistin Lale, deren Geschichte einen mit voller Wucht trifft. ⚡️ Stück für Stück entfaltet sich ein Leben voller erschütternder Erfahrungen, emotionaler Abgründe und Momente, die unter die Haut gehen. Lales Weg ist intensiv, schmerzhaft und gleichzeitig unglaublich eindringlich erzählt. 📖 Mich hat dieses Buch einfach umgehauen. Die Geschichte um Lale ist heftig – so sehr, dass mir beim Lesen teilweise wirklich die Luft weggeblieben ist. Lilli Tollkiens Schreibstil trifft einen direkt ins Herz und lässt einen kaum Zeit zum Durchatmen. 😮‍💨 Ich war beim Lesen gleichermaßen erschüttert und begeistert. Für mich ganz klar eine Leseempfehlung! 👌🏻 Vielen lieben Dank an @netgalleyde und die @aufbau_verlage für das digitale Rezensionsexemplar und die Möglichkeit, das Buch vorab zu lesen. 💛

4.5

,,Mit beiden Händen den Himmel stützen” von Lilli Tollkienist ein beeindruckendes Debüt, das mich von der ersten Seite an berührt und in seinen Bann gezogen hat. Alleine das Cover hat mich sofort begeistert und der Klappentext hat mich dann vollends überzeugt diesen Roman lesen zu wollen. Wir begleiten Lale dabei wie sie in schier grenzenloser Freiheit, die sich jedoch schnell als Vernachlässigung entpuppt, in den 80er Jahren in einer Berliner Männerkommune aufwächst. Lale muss viel ertragen und durchmachen in ihrem Leben und findet nur schwer ihren Platz in der Welt, da sowohl feste Strukturen, als auch verlässliche Bezugspersonen fehlen. Durch die Ich-Perspektive begleiten wir Lale hautnah durch verschiedene Episoden ihres Erwachsenwerdens und erleben mit wie sie scheinbar ohne Grenzen aufwächst während ihre eigenen persönlichen Grenzen immer wieder überschritten werden. Diese erzählerische Nähe lässt sich teilweise nur schwer aushalten, dennoch konnte und wollte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Lilli Tollkien schafft es den richtigen Ton zu treffen um Dinge wie sexuellen Missbrauch oder Drogen zu thematisieren. Sie kombiniert sowohl sehr poetische Sprache als auch eher roh und locker formulierte Passagen miteinander und verleiht den Ängsten und Sorgen Lales damit gekonnt Ausdruck. Auch das Thema Neurodivergenz wird von ihr authentisch behandelt und gut umgesetzt. ,,Mit beiden Händen den Himmel stützen” zeigt uns Lesenden wie sehr man durch Erlebnisse und das Umfeld geprägt wird und wie schwer es sein kann daraus auszubrechen. Ich wurde beim Lesen des Öfteren an ,,Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken” von Sarah Lorenz erinnert, welches mich im vergangenen Jahr unfassbar begeistern konnte und auch dieser Roman hat das bei mir geschafft. Für mich ein absolut gelungenes und berührendes Debüt nach dem ich gespannt auf weitere Bücher der Autorin hinfiebere.

5

Für mich ein süchtig machendes und verstörendes Buch

Schon auf den ersten Seiten war ich von »Mit beiden Händen den Himmel stützen« teilweise mitgerissen und abgestoßen. Lale, sie erzählt aus ihrem Leben, kam mir immer wieder so verletzlich vor. Sie wächst in den 80er Jahren in Berlin Kreuzberg auf. Bei ihrem Vater, der mit anderen Männern in einer WG wohnt. Ihre Mutter war nicht in der Lage das Mädchen großzuziehen und als Lale als Kleinkind eine ordentliche Portion von den Drogen ihrer Mutter geschluckt hatte, wurde das Mädchen in ein Kinderheim gesteckt. Ihr Vater, bzw. ein Freund des Vaters, holte das Mädchen dann dort wieder heraus. Es machte dabei wohl nichts aus, dass der Vater wegen eines Geldtransporterüberfalles gerade erst aus dem Knast entlassen worden war. Lilli Tollkien erzählt von einem Mädchen, dass ich damals gerne gewesen wäre. Sie darf alles, was sie sich zutraut. Sie darf so lange aufbleiben, wie sie möchte. Lale darf Fernsehen, was sie auch immer möchte, sie kann und darf alles Essen, dabei wird nicht darauf Wert gelegt, dass es gesund ist. Das Mädchen stromert zwischen den vollgedröhnten „Freunden“ oder Kunden ihres Vaters durch die versiffte Wohnung, oder verzieht sich in ihr Zimmer. Ich hätte Lale damals bewundert und wäre gerne ihre Freundin gewesen, hätte gerne ein bisschen von ihrem unkonventionellen, aufmüpfigen Leben abhaben wollen. Doch so toll ist das Leben des Mädchens gar nicht. Jedes Kind wünscht sich ein bisschen Geborgenheit und Sicherheit. In ihrem eigenen Zimmer, in einem vermeintlich sicheren Ort, ist das Kind nicht sicher. Spielerisch wird sie verführt, kommt mit Drogen und betrunkenen Männern zusammen. Manchmal versuchen die Freundinnen der WG-Männer dem Kind ein bisschen Normalität zu geben, aber die meisten Frauen bleiben nicht lange. »Tatsächlich hatte ich nichts gemein mit den starken Mädchen aus meinen Büchern, weder mit der roten Zora noch mit Pipi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter. Ich hatte Mühe mit meinem unbeständigen Leben.« Seite 62 Die 255 Seiten waren schnell gelesen, obwohl ich öfter das Buch mal weglegen musste, damit ich wieder zu Atem kommen konnte. Lale hatte eine verrückte Kindheit. Eine ungestüme und verletzte Kindheit. Man könnte meinen, dass eine solche Umgebung das Kind stark macht, aber stattdessen hat sie oft Angst, ist unsicher und vorsichtig. Die Autorin Lilli Tollkien schreibt einfach toll. Sie reißt den Leser in ihre Welt und „beschmeißt“ ihn mit fast prosaischen Texten. Man kann einfach nicht aufhören, zu lesen. Für mich ist dieses Buch ein Highlight des Jahres. 🐭🐭🐭🐭 hat dieser Roman sicherlich verdient, so finden jedenfalls Rubi und ich. »Ich stütze den Himmel mit beiden Händen. Während die Sonne zwischen den Wipfeln der Kastanien im Garten der Klinik aufgeht, heben wir die Arme nach oben, …« Seite 179 Wer ist die Autorin? Von der Verlagsseite: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ihr erster Roman. In ihrem Instagram Account findet man die passende Musik und Ausschnitte aus ihrem Buch, schau einfach mal hier …

Für mich ein süchtig machendes und verstörendes Buch

Lilli Tollkiens Romandebüt „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ erzählt die erschütternde Geschichte von Lale, die in den 1980er-Jahren in Berlin unter außergewöhnlichen und schwierigen Umständen aufwächst. Schon vor ihrer Geburt beginnt ihr Kampf: Da ihre Mutter während der Schwangerschaft Drogen konsumiert, muss Lale direkt nach der Geburt einen Entzug durchstehen. Weil ihre Mutter nicht für sie sorgen kann, kommt sie zunächst in eine Pflegefamilie, bevor ihr Vater sie zu sich holt – in eine Männer-WG, die mehr von politischen Idealen, Partys und wechselnden Beziehungen geprägt ist als von Verantwortung gegenüber einem Kind. Als einziges Mädchen und einziges Kind in dieser Kommune wächst Lale in einer Welt auf, die äußerlich nach Freiheit aussieht: Sie darf lange wach bleiben, so viele Süßigkeiten essen und fernsehen, wie sie möchte. Doch diese scheinbare Freiheit entpuppt sich schnell als Vernachlässigung. Es fehlt an festen Strukturen, an Schutz und an verlässlichen Bezugspersonen. Lale ist oft auf sich allein gestellt und muss früh lernen, ihren Platz in einer chaotischen Umgebung zu finden. Der Roman ist in der Ich-Perspektive erzählt, wodurch die Leserinnen und Leser Lales Gefühle, Ängste und Sehnsüchte besonders intensiv miterleben. Gerade diese Nähe macht das Buch so eindringlich. Immer wieder möchte man das Mädchen am liebsten in den Arm nehmen und beschützen. Gleichzeitig ist es schwer auszuhalten, wie häufig ihre Grenzen überschritten werden und wie wenig Erwachsene wirklich Verantwortung übernehmen. Besonders eindrucksvoll ist, wie authentisch die Figuren und Situationen geschildert werden. Die Männer der Kommune wirken nicht wie einfache „Bösewichte“, sondern wie Menschen, die in ihren eigenen Idealen und Problemen gefangen sind – und dabei übersehen, dass ein Kind Stabilität braucht. Das Buch zeigt eindringlich, dass eine Kindheit ohne Grenzen oft auch eine Kindheit ohne Schutz bedeutet. Die antiautoritären Erziehungsideale jener Zeit werden hier nicht pauschal verurteilt, aber ihre Schattenseiten werden sehr deutlich. Zwischen all den belastenden Erfahrungen gibt es jedoch auch Hoffnung: Immer wieder gibt die Autorin kleine Ausblicke auf Lales Zukunft. Diese kurzen Blicke nach vorn wirken wie ein Rettungsanker für die Leserinnen und Leser – sie zeigen, dass Lale überlebt, dass sie ihren Weg findet und irgendwann Halt im Erzählen selbst entdeckt. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein emotional intensiver Roman, der noch lange nachwirkt und mich unheimlich berührt hat. Er bewegt, erschüttert und regt zum Nachdenken über Verantwortung, Kindheit und die Grenzen von Freiheit an. Trotz der schweren Themen ist das Buch poetisch und sensibel geschrieben. Gerade diese Mischung aus Verletzlichkeit und sprachlicher Kraft macht den Roman so besonders. Ein sehr berührendes Buch, das zeigt, wie schwierig Lebenswege sein können – und wie viel Stärke es braucht, die eigene Geschichte dennoch zu tragen. Lilli Tollkiens Worte treffen mit einer solchen Kraft, dass sie manchmal schwer zu ertragen sind – und dennoch unbedingt gelesen werden sollten!

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5

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien Verlag: Aufbau Ein Roman, der sich trotz der schweren Thematik schnell wegliest. Lale wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG auf. Die drogenabhängige Mutter hat das Sorgerecht verloren, der Vater sitzt im Gefängnis und sein Freund Karlheinz holt aus schlechtem Gewissen und wegen 700 € Pflegegeld die kleine Lale aus dem Heim und gibt ihr ein Zuhause. Falls man eine Männer-WG mit Alkohol, Drogen und wechselnden Frauen als Zuhause gelten lassen mag. Lale sehnt sich nach Sicherheit, Wärme, Umarmung und einer Brotdose für die Schule. Sie bekommt Freiheiten, aber keine Regeln und keine Grenzen, keine Erziehung. Die Autorin schreibt in einer etwas distanzierten, sachlichen, aber eindringlichen Art über die schweren Themen wie se*uellen Missbrauch, Abhängigkeiten und Vernachlässigung. Beginnend mit Lales Zeugung bis zur Entbindung ihres Kindes wird chronologisch ihr schwerer Weg erzählt. Ein Buch, das mich aufwühlt, wütend macht und mich doch voller Mitgefühl und Empathie weiterlesen lässt. Die Autorin gibt uns Einblicke in die anti-autoritäre Erziehung. Lale bekommt schon als kleines Kind eine verkehrte Art von Beziehung aufgezeigt. Frauen werden benutzt, für verrückt erklärt, wenn sie sich auflehnen und so bekommt Lale ein verquertes Bild von Beziehungen. Auch ihr Selbstbild wird stark durch die Männer und deren verzerrtes Denken über Frauen, Alkohol und Drogen geprägt. Ihr Vater, der nach dem Gefängnis in der Kommune lebt, nimmt Lale und ihre Ängste nicht ernst. Niemand beschützt das kleine Kind auf dem Weg zur Erwachsenen und das lässt mich beim Lesen voller Unverständnis den Kopf schütteln. Weder Jugendamt noch Lehrer oder Freunde der Männerkommune helfen, auch Lales Oma und ihre ältere Schwester greifen nicht ein. Hoffen wir, dass das System heute besser organisiert ist. Lale ist eine kleine Streberin in der Schule, die Regeln dort gefallen ihr und sie geht gerne dorthin. Bis sie abrutscht und sich in Kreisen bewegt, in denen Alkohol und Drogen dazugehören. Lale versucht immer wieder, aus diesem Kreislauf auszubrechen, doch sie kann nichts zu Ende bringen. Ihr Versuch, zu werden wie andere Personen, lässt sie scheitern, und sie findet sich erst wieder, als sie zu schreiben beginnt. Der Missbrauch durch einen der Männer aus der Kommune wird erst Jahre später zugelassen. Ihre Scham über die Erregung währenddessen, obwohl sie sich ekelt, ist so groß, dass sie versucht, das Thema zu ignorieren. Was nicht ausgesprochen wird, existiert nicht. Der Debütroman von Tollkien ist kein Buch für Zwischendurch, es ist eine klare Empfehlung für alle, die sich mit diesem schweren Thema auseinandersetzen können. Bitte die Triggerwarnung beachten.

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4

Das Buch hat es wirklich in sich! Es ist erschütternd und man möchte die Protagonistin Lale am liebsten beschützen und aus ihrer Not herausreißen. Man ist mitten im Geschehen durch die Erzählweise, die die Gefühle und Situationen so intensiv vermittelt, dass man regelrecht miterlebt, was Lale durchmacht. An manchen Stellen musste ich regelrecht schlucken, teilweise war mir sogar richtig übel – gleichzeitig empfand ich tiefes Mitleid. Lilli Tolkien zeigt eindrücklich, wie sehr eine Kindheit zerstört werden kann und wie privilegiert andere Menschen sein können. Gleichzeitig macht das Buch deutlich, wie prägend diese frühen Erfahrungen für das ganze Leben sind und wie schwer es ist, die Fehler der Eltern nicht unbewusst zu wiederholen. Einziger kleiner Kritikpunkt: Am Ende hätte ich mir noch mehr Einblicke in das „Jetzt“ der Figuren gewünscht. Dennoch ist das Buch eine intensive und nachdenklich machende Lektüre, die lange nachhallt.

4.5

"Lilli Tollkien schreibt mir einer Wucht, die man kaum ertragen kann- und gerade deshalb lesen muss" -- wie wahr🤩📚👍🏼

Was für ein häftiger Roman . Er ist nichts für schwache Nerven. ( Bitte Trigger beachten) Ich bin vollkommen gefesselt von diesem Roman gewesen. Hab das in einem Tag durch gesuchtet. Es ist in einer geradezu einfachen und irgendwie gefühllosen Schreibweise erzählt. Als würde man wirklich eine Erzählung eines Kindes lesen. Aber gerade diese trockene Aufzählung von so vielen schrecklichen und erschütterten Ereignissen, geht so tief ins Herz . Die nüchterne Normalität in so einem Furchtbaren Leben zu entdecken, berührt einen bis ins Mark. Beschreibungen (Spoilerwarnung) Lale ist das Kind einer drogenabhängigen Mutter. Als sie im Heim landet ist ihr Vater gerade im Gefängnis. Ein Freund des Vaters nimmt sie in seine Obhut und so landet das Kind in einer Männer-Kommune im Berlin der 80er Jahre. Es gibt keine Regeln, jeden Abend steigen Partys mit Alkohol Frauen und Drogen. Lale darf Fernsehen so lange sie will , Süßigkeiten essen, spielt zwischen Bierflachen, Wäschebergen und dreckigem Geschirr. Es ist ein schmaler Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung. Lale sehnt sich nach Aufmerksamkeit, Geborgenheit und Verlässlichkeit...vergebens. Auch innerhalb der WG werden ihre Grenzen überschritten. Sie versucht ihren Weg zu finden,doch taumelt sie im Erwachsen werden. Rutscht selbst ab. Immer am Rand , zwischen Legalität, Absturz und Aufrappeln. Sie findet wenig Halt auf Grund fehlender Wurzeln aber irgendwann erlebt sie Festigkeit im Erzählen. Es ist hart, es ist schrecklich , authentisch und geht mit jedem Satz direkt unter die Haut. Was für ein tolles Buch 👍🏼 Habt ihr das schon gelesen? Wie hat es euch gefallen? Schreibt mir gerne in die Kommentare 🤗👋🏼🤩📚

"Lilli Tollkien schreibt mir einer Wucht, die man kaum ertragen kann- und gerade deshalb lesen muss" -- wie wahr🤩📚👍🏼
5

Was ein wildes Buch voller Gleichzeitigkeiten: Liebe und Vernachlässigung, Fürsorge und Missbrauch, Identitätssuche und Neurodivergenz. Ich hab den Schmerz auf jeder Seite gefühlt, die Sprache dabei ein perfekter Mix aus fast sachlicher Beschreibung der schlimmen Zustände und poetischen Bildern, dabei immer angepasst ans jeweilige Alter der Protagonistin.

3

Mir fehlten die Emotionen und der Tiefgang

Rezi folgt

5

„Keiner wollte dir etwas Böses….“

Lilli Tollkiens Buch welches autobiografisch Züge hat kommt mit einer wortgewaltigkeit die mich erschaudern lässt. Weg legen und Luft holen , einatmen und ausatmen und verstehen , aufnehmen und akzeptieren ihrer Worte und damit ihrer Geschichte. Das Wissen um das Geschehen macht es nicht leicht und lässt mich inne halten denn dieses Buch ist eine Urgewalt mit all den Dingen die Lilli `s leben prägten und zu dem machten was es ist. Die Dramatik der Geschichte ist einnehmend . Das Buch ist schlecht zu beschreiben wenn man nicht Spoilern möchte . Es ist die Geschichte eines Lebens welches nicht geradlinig lief. Aufgewachsen in Berlin mitten in einer Zeit wo man sich keine Gedanken um Alkohol und Zigaretten machte und viele Dinge nicht so waren wie wir sie in einem kinderfreundlichen Familienalltag sehen möchten. Es ist die Geschichte die einschlägt mit all dem was nicht böse gemeint doch eben Dinge anrichtet die man als böse bezeichnet.

5

Ein intensives, aufwühlendes Buch, das lange nachhallt. 🤍

Wir begleiten Lale von ihrer Geburt bis zur Geburt ihres eigenen Kindes und erleben, wie sie in einer Umgebung aufwächst, die nach außen nach Freiheit klingt und aussieht, sich aber oft eher wie Haltlosigkeit anfühlt. Lale wächst als Pflegekind in einer Männer-WG im Berlin der 80er-Jahre auf. Zwischen Alkohol, Drogen, ständig wechselnden Frauen sowie fehlenden Regeln und Grenzen wird schnell klar, dass ihr etwas ganz Entscheidendes fehlt: Sicherheit, Struktur, Wärme und Geborgenheit. Dinge, die selbstverständlich sein sollten, wie Brote für die Schule oder ein warmes Mittagessen, bleiben aus. Sie bekommt viele „Freiheiten“, aber keine Orientierung. Dadurch entwickelt sie früh ein verzerrtes Bild vom Leben und von Beziehungen, geprägt von der Vorstellung, dass Frauen benutzt werden dürfen und als „verrückt“ gelten, wenn sie für sich einstehen. Besonders schwer fand ich zu lesen, wie sehr sich diese Erfahrungen auf ihr späteres Selbstbild und ihre Beziehungen auswirken. Man merkt, wie stark sie von ihrem Umfeld geprägt wird, von Menschen, die ihre Ängste nicht ernst nehmen und sie viel zu oft sich selbst überlassen. Beim Lesen war ich oft wütend und gleichzeitig voller Mitgefühl für Lale. Vor allem, weil immer wieder Situationen entstehen, in denen niemand der Erwachsenen wirklich hinschaut oder eingreift. Trotz der Schwere liegt in der Geschichte auch etwas Kraftvolles: Lales Weg, sich selbst zu finden und ihre eigene Geschichte zu erzählen. *Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, meine Meinung bleibt davon unberührt*

Ein intensives, aufwühlendes Buch, das lange nachhallt. 🤍
4.5

Als Lales drogenabhängige Mutter ihre Tabletten offen herumliegen lässt und sie als Kleinkind ins Krankenhaus muss, um den Magen ausgepumpt zu bekommen, landet sie in einem Kinderheim. Mit drei Jahren holt sie Karlheinz, ein Freund ihres Vaters, der gerade eine Gefängnisstrafe absitzt, aus dem Heim und nimmt sie zur Pflege in seine Männer-WG. Lale wächst in der WG ohne Regeln auf, sie kann ins Bett, wann sie möchte und so viele Süßigkeiten essen, wie sie will. Neben den Freiräumen ist ihre Kindheit aber auch geprägt von Vernachlässigung und Missbrauch. Lilli Tolkiens Debütroman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ging mir sehr unter die Haut. Einerseits lässt sich das Buch durch seine kurzen Kapitel und die poetische Sprache leicht lesen, andererseits ist es inhaltlich aber alles andere als leicht: Die Protagonistin Lale wächst auf, wie kein Kind aufwachsen sollte. Die Erwachsenen in ihrer Umgebung stehen permanent unter Alkohol- und Drogeneinfluss, sie verletzen ihre Fürsorgepflicht und ein Mitglied der Männer-WG missbraucht sie als kleines Mädchen mehrfach, während alle anderen wegsehen. Trotzdem hat auch diese Kindheit ihre schönen Seiten, der Glanz verblasst nur mit jeder gelesenen Zeile etwas mehr. Es ist heftig zu lesen, dass ein Kind so durchs Raster fallen und was eine solche Kindheit für Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben kann. Für mich ist "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ein sehr, sehr starkes Debüt, ich konnte es kaum aus der Hand legen und empfehle es gerne weiter, jedoch nur, wenn man sich mit den beschriebenen Themen gerade auseinander setzen kann.

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4

„Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand“

... treffender lässt sich der Debütroman von Lilli Tollkien kaum zusammenfassen. Schon auf den ersten Seiten wird klar: Dieser Roman ist keine leichte Kost. ​Die Protagonistin Lale beschreibt ihre Geschichte bereits aus dem Mutterleib heraus. Schon zu diesem Zeitpunkt scheint ihr Schicksal besiegelt: Die Mutter ist drogenabhängig, der Vater landet später im Gefängnis. Ihre Kindheit verbringt Lale in den 80er-Jahren in einer Berliner Männer-Kommune – eine Welt ohne Regeln, ohne Geborgenheit und ohne jede Verlässlichkeit. ​Obwohl der Inhalt erschütternd und hochdramatisch ist, lässt sich das Buch recht flüssig lesen. Das liegt vor allem an dem sachlichen Schreibstil der Autorin, der einen fast schon nüchternen Kontrast zu den harten Erlebnissen bildet, die Lale durchstehen muss. ​Mich hat Lales Geschichte tief berührt, auch wenn mich das Ende mit einigen offenen Fragen zurücklässt. Ein intensives Debüt, das einen so schnell nicht wieder loslässt.

3

Bedrückendes Buch

Mir persönlich hat der schreibstil nicht so zu gesagt. Das Thema ist krass und definitiv wichtig! Die Umsetzung ist auch spannend und besonders, aber hat leider nicht ganz meinen Geschmack getroffen.

5

Was ein wildes Buch voller Gleichzeitigkeiten: Liebe und Vernachlässigung, Fürsorge und Missbrauch, Identitätssuche und Neurodivergenz. Ich hab den Schmerz auf jeder Seite gefühlt, die Sprache dabei ein perfekter Mix aus fast sachlicher Beschreibung der schlimmen Zustände und poetischen Bildern, dabei immer angepasst ans jeweilige Alter der Protagonistin.

5

Tolles berührendes Buch

Dieses Buch hat mich sehr berührt, aufgewühlt und zugleich wütend und traurig gemacht. Es erzählt die Geschichte von Lale, die in den 1980er Jahren als Tochter einer drogenabhängigen Mutter geboren wird und bereits bei ihrer Geburt einen Entzug durchmachen muss. Aufgrund schlimmer Umstände wächst sie in einer Männer-Kommune in Berlin-Neukölln auf. Dort gibt es keine Regeln und keine Grenzen – dafür aber viel Party, Alkohol und Drogen. Lale kämpft sich durchs Leben, immer auf der Suche nach Halt und Geborgenheit. Dabei geschehen Dinge, die schockieren und einen zu Tränen rühren. Man kann sich kaum vorstellen, wie es gewesen sein muss, so aufzuwachsen. Ein sehr ergreifendes Buch, geschrieben in der Ich-Perspektive, das sich flüssig lesen lässt und einen tief bewegt. Auch das Cover gefällt mir sehr gut. Klare Leseempfehlung! 👍🏻

5

Ein Buch, das für mich Erinnerungen im Schlaglicht einer Bühne aneinander reiht. Kurze Episoden, die beleuchtet werden und zusammen ein Ganzes ergeben. Sprachlich so gut, schonungslos und das aus einer so kindlichen Perspektive. Immer wieder fand ich mich in den Erinnerungen der Protagonistin Lale wieder. Immer wieder tauchten da Bilder auf, die geschildert wurden und die doch meine sind. So viele Sätze, die ich unterstreichen möchte und die ausdrücken, was ich bis heute fühle. Für mich auf vielen Ebenen ein Highlight.

5

Uff, was für ein Buch. TRIGGER-WARNUNG

Wieder ein Buch mit einer TRIGGER-WARNUNG! Kinderladen=Freiheit? Wohngemeinschaft. Keine Grenzen, keine Regeln. Essen was man will, machen was man will. Das hatte ich mir auch öfter als Kind gewünscht. Doch so ein Schlaraffenland, so eine Freiheit ist sehr oft schlecht für die Kinderseelen. Dies berichtete schon Gretchen Dutschke auf einer Lesung. Ihre Kinder berichteten ihr später oft, wie sehr sie unter dieser "Freiheit" gelitten haben. So auch Lale. Gross geworden in den 80ern. In einer reinen Männer-WG. Umgeben von Zigaretten, Alkohol und Drogen. Alt-68er, die stehen geblieben sind. Mir blieb sehr oft der Atem stehen. Was das Kind alles erlebt hat, was dies mit ihrer Kinderseele angestellt hat, ist für uns Außenstehende nicht wirklich fassbar. Beim Lesen fragte ich mich sehr oft, ist dies die Geschichte der Autorin? Es ist ihr absolut gelungen mich tief in diesen Bann zu ziehen. Kleine Augenblicke der Hoffnung blinken zum Glück immer wieder auf.

3.5

Ganz in Ordnung

Das Cover des Romans ist sehr schön und passend zur Geschichte. Dieses recht kurze Buch handelt von einem Leben einer frau, in schwierige Verhältnissen. Der Roman beschreibt hier nach und nach in verschiedenen Kapiteln einzelne Abschnitte im Leben der Protagonistin, beginnend mit der Geburt. Die Geschichte zeigt dann das Leben, in einer Männerkommune, in den 80er Jahren. Die Beschreibung der Zeit gefiel mir sehr gut, jedoch kann ich nicht sagen wie authentisch das ist, denn die Zeit habe ich nie erlebt. Einige Kapitel sind sehr interessant, andere hingegen sind weniger interessant und tragen nichts zur Entwicklung unserer Protagonistin bei. Der Sprachstil ist sehr schön und hat einige, schon fast poetische, Sätze und Bemerkungen. Alles in allem ist das Buch ok und für eine schnelle Lektüre durchaus empfehlenswert, auch wenns mich nicht vollständig in den Bann ziehen konnte.

3

Zwischen Aufwühlung und Distanz ein Schicksal das nachhallt

Lale wird in den 80er Jahren geboren, durch ihre drogenabhängigen Eltern kommt sie in eine Männer-WG, doch auch dort fehlen ihr Fürsorge, Halt und echte Geborgenheit etwas, wonach sie sich ihr ganzes Leben lang sehnt. Mich hat dieses Buch aufgewühlt und gleichzeitig seltsam auf Distanz gehalten. Die Sprache ist eindringlich, doch die Ereignisse rauschen wie ein Sturm an mir vorbei. Ich hatte kaum Zeit, wirklich mit Lale zu fühlen, weil sich ein Schicksalsschlag an den nächsten reiht. Vieles wirkte überladen, als wollte die Geschichte zu viel auf einmal erzählen. Gerade bei so sensiblen Themen hätte ich mir mehr Tiefe und Raum gewünscht. Einige Aspekte erschienen mir zudem schwer greifbar. Trotzdem bleibt ein Eindruck zurück, der nachhallt. Ein Buch, das ich trotz allem weiterempfehlen würde.

Zwischen Aufwühlung und Distanz ein Schicksal das nachhallt

Interessant & verstörend

Eine außergewöhnliche, interessante, aber zwischenzeitlich verstörende und emotional ergreifende Geschichte über eine junge Frau, die umringt von Männern in einer Kommune aufwächst. Wie hier mit sensiblen und strafrechtlich relevanten Themen umgegangen wird, ist mir jedoch negativ aufgestoßen: dass das bis zum Ende nicht als richtig problematisch oder übergriffig dargestellt wird, fand ich erschreckend. In den Rückblicken aus Kindersicht mag das zwar akkurat sein (also dass Kinder nicht alles richtig einordnen und verstehen können), aber spätestens aus der Erwachsenensicht hätte ich mir eine bessere Einordnung und Reflektion gewünscht. Insgesamt fand ich das Buch auch leider zur fragmentarisch: manche Sprünge in der Geschichte wirkten sehr schnell und es fehlte einiges an Kontext, sodass es zwischenzeitlich schwer nachvollziehbar war, wo genau die Protagonistin sich jetzt zeitlich, örtlich und seelisch befindet. Letztendlich lässt mich das Buch mit der Frage zurück, was es mir sagen will. Die Moral/Message erschließt sich mir nicht: sich keine Hilfe suchen? So viele Sachen ungeklärt lassen? Trotz dieser Problematik kam ich leicht durch das Hörbuch und habe es recht gerne gehört.

4

Ein sehr authentischer Roman .

In Lilli Tollkiens Roman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ begleiten wir Lale, die in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männerkommune aufwächst. Der Roman begleitet Sie von der Geburt bis ins junge Erwachsenenalter- eine Kindheit, die von Anfang an im Ausnahmezustand steht. Lales Mutter ist drogenabhängig und immer wieder wegen kleinerer Delikte im Gefängnis. Auch ihr Vater ist Zeitweise hinter Gittern. So wohnt sie zunächst bei einem Freund ihrer Eltern mit in einer Männer-Kommune. Später wohnt auch ihr Vater mit dort. Zwischen Freiheit und Verwahrlosung pendelt ihr Alltag: Sie darf aufbleiben, so lange sie möchte, essen, was sie will – und erlebt gleichzeitig Alkohol, Drogen, Kriminalität und Missbrauch aus nächster Nähe. Ihre Sehnsucht nach Nähe, Schutz und Aufmerksamkeit bleibt dabei ungestillt. Die Sprache des Romans ist bewusst nüchtern und wirkt teilweise wie ein Bericht. Aus der Ich-Perspektive erzählt fühlte es sich für mich so an, als würde Lale ihre Geschichte in einer Therapiesitzung erzählen –  mit einer Distanz, die zeigt, wie sehr sie gelernt hat, ihre Gefühle wegzuschließen. Besonders eindrucksvoll fand ich die kurzen Sprünge in ihr späteres Leben. Sie machen deutlich, wie tief die Erlebnisse ihrer Kindheit in ihr nachhallen und wie sehr sie ihr Erwachsensein prägen. In diesen Momenten spürt man ihre Verletzlichkeit, ihre Sehnsucht nach Normalität, nach Zugehörigkeit, nach einer Kindheit, die sie nie hatte. Die Geschichte wirkt beim Lesen unglaublich authentisch. Trotz der teilweise schockierenden Geschehnisse erscheint nichts übertrieben, alles könnte genau so passiert sein. Auch wenn der Roman nicht autobiografisch ist, spürt man die berufliche Erfahrung der Autorin, die unter anderem als Suchtberaterin in einer JVA gearbeitet hat. Für mich war besonders erschütternd, wie viele Erwachsene um Lale herum sind – und wie wenig diese wirklich hinsehen. In der Schule bleibt ihre Situation unentdeckt, weil sie trotz aller Widrigkeiten gute Leistungen zeigt. Auch die Nachbarn greifen nicht ein. Mit beiden Händen den Himmel stützen ist ein eindringlicher, oft verstörender Roman, der lange nachhallt und zum Nachdenken bringt. Ich empfehle den Roman gerne weiter.

Ein sehr authentischer Roman .
4.5

Hart, laut und trotzdem so intim...

Mit beiden Händen den Himmel stützen ist ein hartes und zugleich zutiefst poetisches Buch. Es erzählt laut und schonungslos, aber auch mit einer leisen Intimität, die lange nachwirkt. Vieles darin ist erschreckend realistisch – stellenweise hatte ich das Gefühl, Bekanntes wiederzuerkennen, als würde das Erzählte nah an gelebten Erfahrungen entlangstreifen. Gerade diese Mischung aus Wucht und Verletzlichkeit macht das Buch so berührend. Ein starkes, eindringliches Werk, das nicht leicht loslässt.

5

Das Buch ist so schön. Schon das Cover ist ein Knaller.

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Absolut nicht meins...

In "Mit beiden Händen den Himmel stützen" erzählt die Protagonistin Lale von ihrem Leben und das von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Alkohol und Drogen sind schon von Anfang an ein großes Thema, genau wie die Männer-WG, wo die Charaktere bei mir allerdings irgendwie ineinander übergegangen sind. Sowohl die Frauen, die ständig wechselten, als auch die Männer waren bei mir ein verschwommener Mix. Leider sieht das bei der Story ganz ähnlich aus, denn einen roten Faden habe ich nicht erkennen können. Während am Anfang noch eine gewisse Spannung da war, habe ich ab der Hälfte nicht mehr mitfühlen können. Natürlich kann das auch an mir liegen, da die Themen jetzt nicht unbedingt meins waren mit dem Alkohol, den Drogen und so vielen unzuverlässigen, schlechtem Menschen um sie herum. Für mich war das Buch leider nicht sehr angenehm zu lesen, alles war sehr verworren und irgendwann fehlte mir der Reiz am weiterlesen.

Absolut nicht meins...
4.5

Nachdem Lales suchtkranke Mutter nicht in der Lage ist, sich um sie zu kümmern, kommt sie zunächst in staatliche Obhut. Ihr Vater sitzt kurzzeitig wegen eines Überfalls im Gefängnis, doch ein Freund von ihm holt sie wenig später in seine linke Kreuzberger Männer-WG. Dort wächst Lale nahezu gänzlich sich selbst überlassen auf; ohne Regeln, ohne Halt, in endloser Freiheit, mit vielen Drogen und RAF-Sympathien. Ingesamt herrscht an diesem Ort für sie ein Klima der Vernachlässigung, des Missbrauchs und der Angst. Doch für Lale ist all dies Normalität und Alltag, hat sie doch nie etwas anderes kennengelernt. Aus der Perspektive der 8-Jährigen und stellenweise der reflektierenden, zurückblickenden erwachsenen Lale, tauchen wir Lesenden ein in den für sie erst rückblickend alles andere als normalen Alltag. Dass all ihre Erlebnisse und Empfindungen ihrer Kindheit sie insbesondere in ihrer Jugend und oft auch noch ins Erwachsenenalter hinein prägen und begleiten, wird eindrücklich beschrieben. Teilweise werden die Ereignisse und Erlebnisse der 8-jährigen Lale aus der Erwachsenen-Perspektive heraus bewertet und eingeordnet. An manchen Stellen bleibt dies aber (vermutlich sehr bewusst) aus. So ist man als Leser*in gefordert, diese Instanz zu übernehmen; zu reflektieren und dadurch umso ungläubiger, wütender und trauriger zurückzubleiben. Doch liegt die Stärke der Erwachsenen-Perspektive ebenso in der Eröffnung von Perspektiven durch Blicke in eine zwar nicht leichte, aber irgendwie doch hoffnungsvolle Zukunft. Ein Buch, das mich durch seine Authentizität und seinen ganz eigenen Erzählstil und Sound sehr berührt hat. Nicht leicht zu verdauen, aber absolut lesenswert!

4

Was bitte war das für eine krasse Geschichte? Meine Augen sind durch das Buch geflogen. Ungläubig was ich da lese 😱 Niemand hat so eine Kindheit verdient und ich fühle so stark mit bei ihren Erzählungen. Bitte lass das keine Realität sein 🥺

5

Ich bin noch zu traurig für viele Worte…. Aufwühlend und bewegend. Hätte mir noch viel mehr von ihr als Erwachsene gewünscht. Möchte gerne wissen wie es ihr heute geht….

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