Die Bäume
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Description
Book Information
Author Description
Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California in Los Angeles. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrikbände veröffentlicht. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane »Erschütterung« (2022), »Die Bäume« (2023) sein Roman »James« (2024), für den er den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt, sowie seine brillante Satire »Dr. No« (2025). Im Hanser-Taschenbuch ist »Ausradiert« (2026) erschienen.
Posts
Ein bitterböses, scharfzüngiges Meisterwerk, das zugleich verstört und zum Lachen bringt – ein Must-Read, das nach einer Spike-Lee-Verfilmung schreit!
“Die Bäume” von Percival Everett ist ein außergewöhnliches Werk, das auf beeindruckende Weise bitterböse Satire mit scharfem Humor vereint. Mit meisterhafter Balance zwischen Parodie und tiefem Grauen zieht Everett die Leser*innen in eine Geschichte hinein, die zugleich verstört und fasziniert. Im Fokus steht ein kleines Städtchen im Süden der USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Hier werden mehrere Männer brutal ermordet. Neben jeder Leiche findet sich ein Körper, der die Züge des 1955 gelynchten Emmett Till trägt – ein Detail, das der Handlung eine tiefere historische und emotionale Dimension verleiht. Zwei afroamerikanische Detektive übernehmen die Ermittlungen und stoßen auf erbitterten Widerstand seitens der örtlichen Behörden und der hartnäckigen Rednecks. Was sie schließlich entdecken, ist eine schockierende Wahrheit, die tief in der Geschichte des Rassismus und der Lynchjustiz verwurzelt ist. Everett schafft es, Elemente des Hardboiled-Thrillers mit scharfzüngiger Satire zu einem fesselnden und erschreckenden Ganzen zu verweben. Die Protagonist*innen sind dabei so lebendig und komplex, dass sie lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben. Trotz des harten Themas ist das Buch unfassbar lustig – ich habe selten so viel gelacht. Ich bin überzeugt: Dieses Buch muss einfach verfilmt werden. Und mal ehrlich: Wenn jemand diesen Stoff auf die große Leinwand bringen sollte, dann ist es Spike Lee! Er ist der Einzige, der die Schärfe, die Wut und den Humor dieses Romans perfekt einfangen könnte. Eine Verfilmung durch Lee wäre ein cineastisches Meisterwerk – explosiv, radikal und genau das, was diese Geschichte verdient. Schon der Gedanke daran macht mich absolut euphorisch! “Die Bäume” ist eine grandiose Parodie, die intelligent, bitterböse und erschreckend zugleich ist. Ein Buch, das seine 5 Sterne ohne Zweifel verdient.
Krasses Thema, guter Everett Roman 👍
Ich habe das Buch empfohlen bekommen und es gelesen ohne Vorinformationen. Dadurch hab ich ganz schön gestaunt als ich die Tragweite der Thematik begriffen habe. Rassismus und Lynchmorde und das mit Bezug auf die jetzige Zeit in Amerika, krass! Ich mag die Themenwahl und den Schreibstil des Autors! Sehr spannend fand ich, dass es hier um einen Krimi geht und dieser gespickt mit Sarkasmus und Humor wirklich gut zu lesen ist. Ich habe ab Mitte des Buches leider das Interesse etwas verloren, weil es auf einmal sehr viele Wiederholungen der Geschehnisse gab. Das diente sicherlich zur Verdeutlichung des Ausmaßes der Geschehnisse im Buch, allerdings hätte es das so in diesem Ausmaß nicht für mich gebraucht. Es wurde, für mich, dadurch etwas grotesk und langatmig, sorry. Ich hab dann auf ein krass aufgeschlüsseltes Aha!-Ende gehofft und wurde auch da enttäuscht. Hätte ich geahnt, dass es zu keinem aufschlussreichen Ende mit ggf. nochmal einem spannenden Plott kommt, hätte ich wohl dann bei der Hälfte aufgehört zu lesen... Dennoch ein Thema das unter die Haut geht und definitiv unter die Leute gebracht werden muss!
Thriller, Humor und Gesellschaftskritik
Diese drei Aspekte in einem gelungenenRoman unterzubringen, klingt erstmal ziemlich unmöglich. Percival Everett hat es aber geschafft und ein echtes Highlight zusammengeschrieben. In dem abgewrackten Nest Money in Mississippi wird die ziemlich brutal zugerichtete Leiche eines weißen Mannes gefunden. Neben ihm liegt ein schwarzer Mann, ebenfalls leblos. Und dass der zweite Tote zunächst aus der Leichenhalle verschwindet und bei einem weiteren Tatort wieder auftaucht, ist noch das gewöhnlichste Ereignis in diesem Roman. Denn Everett hat sich, so merkt man schnell, bewusst gegen einen klassischen Thriller und für eine Gesellschaftskritik mit Krimi-Elementen entschieden. Auch wenn die Todesfälle die spannungstreibende Kraft in dem Roman darstellen, sind sie nicht nur Mittel zum Zweck, sondern lenken den Blick auf politisch und gesellschaftlich kritische Zustände in den USA. Alle Protagonisten leuchten eine besondere Perspektive aus, haben symbolischen und auch metaphorischen Charakter und passen wunderbar in das sinnvoll konstruierte Netz aus Fremdenfeindlichkeit, Polizeigewalt, Armut, Fanatismus und Rachsucht. Insbesondere die erste Hälfte des Romans hatte echten Sucht-Charakter. Im zweiten Teil wird der Bogen der Verbrechen weiter gespannt, es wird mysteriös und irgendwie abgefahren. Und auch wenn (leider) nicht alle Fragen beantwortet werden, kann ich nicht behaupten, dass Percival Everett nicht auch zuletzt alle roten Fäden in der Hand behalten hätte. Besonders gut hat mir der feine, oft auch derbe Humor gefallen, den fast alle Figuren mal mehr mal weniger freiwillig an den Tag legen. Ich bin zwar über die häufige Verwendung des N-Wortes gestolpert, welche für meinen Geschmack nicht hätte sein müssen - auch das ist aber wohl gestalterische Freiheit des Autoren, dessen Sprache mich ansonsten positiv beeindruckt hat. Erst durch diese ungewöhnliche Mischung wird die Nachricht, die durch den Roman gesendet wird, unmissverständlich klar: Steht auf.
Durch dieses Buch bin ich zum Everett-Ultra geworden. Die krasse Geschichte der Lynchmorde der USA, die Rassisten in der heutigen Zeit einholt. Die beiden Ermittler sorgen zwischendurch für ein bisschen comedic relief, ohne dass es an irgendeiner Stelle albern wird. Sehr spannend, super stark! Das Gehirn das Percival Everett hat ey...
Zuerst in Money, Mississipi, später in den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika tauchen übel zugerichtete Leichen weißer Männer auf und direkt neben ihnen jeweils die Leiche eines schwarzen Mannes. Der Schluss für die örtliche Polizei scheint klar und sicher: Der Schwarze war's. Wer sonst? Aber wieso ist er dann auch tot? Und zwar wie es scheint schon länger als das andere Opfer? Schwer zu beschreiben ist es, dieses Buch. Ist es ein Krimi? Eine Parodie? Ich las irgendwo, es sei wie ein Coen Film als Buch. Und ich denke, das trifft es ziemlich genau. Und wenn man die Filme mag - wie ich - wird man auch das Buch mögen - wie ich.
Eine gut geschriebene, gesellschaftskritische Geschichte, die zu Anfang als Krimi daherkommt und in Laufe der Zeit Fahrt aufnimmt und zu einer interessanten Umkehr der heutigen Machtverhältnisse führt. Wurde mir am Ende ehrlich gesagt aber etwas zu wirr und zu sehr gewollt. Trotzdem absolut lesenswert.
Was für ein Brett! Ein in mehrfacher Hinsicht gruseliger Rache-Thriller um eine brutale Mordserie vor dem Hintergrund von Rassismus und Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Basierend auf wahren Ereignissen werden diese aufgegriffen, weitergesponnen und zu einem exzessiven Ende gebracht. Gewalt und Horror werden von zynischem Humor und pointierten Dialogen aufgebrochen, wodurch das Grauen erträglicher wird. Das mag nicht jedermanns Sache sein, also sagen wir es so: Wer Tarantino nicht mag, wird auch an diesem Roman keinen Gefallen finden. Manches wirkt karikiert und arg überzeichnet, aber spätestens wenn ein gewisser Mr. Trump auftritt und mit seiner typischen Art treffend zitiert wird, dann erkennt man plötzlich, dass auch die tumben Rednecks hier wohl leider erschreckend glaubwürdig und realistisch dargestellt sind. Das Ende wird vermutlich nicht allen gefallen – ist aber ebenso konsequent wie das gesamte Buch. Ein Hammer!
Percival Everett gelingt das Kunststück, rassistische Menschen in einer bitterbösen und dabei urkomischen Satire an den Pranger zu stellen, das Thema aber dennoch nicht zu trivialisieren. Es ist die Art von Humor, die dir im Halse stecken bleibt, weil er in so einem perfekten Kontrast zum eigentlich Grauenhafen steht. Denn so originell und unterhaltsam Everett die Handlung des Romans auch gestaltet, lässt er Leser:innen dessen realen Hintergrund doch niemals vergessen. Emmett Till war erst 14 Jahre alt, als er im Jahr 1955 auf brutalste Art gelyncht wurde, weil eine weiße Frau namens Carolyn Bryant behauptete, er habe sie unsittlich berührt und verbal belästigt. Seine grauenhaft entstellte Leiche wurde wenige Tage später gefunden. Der Prozess verstieg sich zu absurden Verschwörungstheorien: So sei der gefundene Tote gar nicht Emmett Till gewesen, sondern eine von schwarzen Aktivisten hergerichtete Leiche. Die beiden Mörder, Carolyns Ehemann Roy Bryant und dessen Halbbruder John William Milam, wurden nach einer nur 67-minütigen Abstimmung von einer ausschließlich weißen Jury freigesprochen. Zwei Monate später gaben sie dem Look Magazine für ein Honorar von $4.000 (entspricht etwa $44.464 im Jahr 2023) ein Interview, in dem sie den Mord zugaben und detailliert beschrieben. Nach dem amerikanischen Rechtssystem konnten sie dafür jedoch nicht mehr belangt werden. 2017 gab die inzwischen 72-jährige Carolyn Bryant zu, Till habe sie weder ergriffen, wie ausgesagt, noch verbal belästigt. »Nothing that boy did could ever justify what happened to him.« Eine schale, Jahrzehnte zu späte Reue. Percival Everett stellt Carolyn und die Nachfahren der Mörder in den Fokus einer vielschichtigen Thriller-Groteske, die Genregrenzen überschreitet und dabei deutlich macht: Der Rassenhass ist beileibe nicht Geschichte. Die Charaktere werden überspitzt dargestellt, bis ins Äußerste karikiert, und wirken dennoch wie ein real existierender Menschenschlag. Es ist ein echtes Kunststück, Figuren so nahe am Absurden anzulegen und sie dennoch glaubhaft darzustellen. Mit Ed Morgan und Jim Davis lässt Everett zwei schwarze MBI-Beamten in einer Gegend ermitteln, in der das N-Wort immer noch zum guten Ton gehört. Die beiden lassen die Rednecks, denen sie begegnen, mit genüsslicher Höflichkeit schwitzen, und das ist wahnsinnig witzig – bis dir das Lachen mal wieder gefriert. Der eigentliche Kriminalfall ist zwar spannend, doch nur der Rahmen für eine blutige Tour de Force der Rache, die literarisch die Täter-Opfer-Rolle umkehrt. Ach, jetzt kommt erst der Aufschrei? Jetzt, wo weiße Menschen auf ähnliche grauenvolle Weise sterben? Die Geschichte steigert sich zu einem Finale, das jeglichen Realismus über Bord schmeißt und tötet, tötet, tötet. Und dich dabei zwingt, die eigenen Ansichten zu hinterfragen. Und nun zu meinem einzigen Kritikpunkt: Ich habe das Buch sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung gelesen, und das ist ein himmelweiter Unterschied. Wörter und Phrasen wurden nach meinem Empfinden oft zu wörtlich übersetzt, der typische Südstaaten-Slangs findet keine passende umgangssprachliche Entsprechung im Deutschen. Der Sprachfluss ist über lange Passagen hinweg sehr holprig, viele Ausdrücke wirken hölzern. Fazit: Mit Horror, Klamauk und gnadenlosen Fakten entblättert Everett die Leser:innenseele, und das muss ein Autor erstmal so souverän und gekonnt hinkriegen. Dies ist definitiv ein neues Lieblingsbuch. Chapeau, Mr. Everett.
Den Humor und den Ton des Buches mochte ich und fand es zu Beginn richtig spannend. Auch die Idee der Geschichte fand ich gut. Für Leser*innen, die über die Lynchmorde in den Südstaaten Nordamerikas noch nicht viel wissen und denen zum Beispiel der Name Emmett Till nichts sagt, könnte das ein guter Einstieg in das Thema sein. Wirklich tiefergehend in die Biografie und die Hintergrundgeschichten der Charaktere taucht man dabei allerdings nicht ein. Gegen Ende reiht sich ein Mordfall an den nächsten, es treten die Detectives der unterschiedlichen Staaten auf und auch Donald Trump hat einen Cameo-Auftritt. Die Entwicklungen zum Ende à la The Walking Dead haben mich dann überrascht. Es wirkte auf mich aber wenig ausgearbeitet und ließ viele Fragen offen.
"Sie glauben, Weiße haben einfach Angst vor Schwarzen?" "Ich glaube, es ist ein Freizeitvergnügen."
* Krimi mit dem Hauptaugenmerk auf Rassismus und Lynchjustiz in den Südstaaten Amerikas. Anteile von Horror und Übernatürlichem. * Rache als zentrales Motiv. * karikatierte Charaktere, weiße Kleinstadt-Polizisten die dick, dumm und rassistisch sind. Die sich zum spionieren hinter Zeitungen verstecken, sich zu blöd anstellen ein Kreuz für den Ku-Klux-Klan zu verbrennen und sich gegenseitig am Kopf kratzen um das Denkvermögen anzuregen. * erzählerisch leicht, satirisch, pointenreich, Everett baut Situationskomik ein und auch viele Kraftausdrücke, beklemmend, morbide, kraftvoll, atmosphärisch und ernst. * Gänsehaut-Momente waren ganz klar die Stelle in der "Strange Fruit" von Billie Holiday zitiert wird sowie die vielen Seiten mit Namen von Opfern von Lynchsmorden. Rührt zu Tränen, bewegt und verfolgt einen. * Schält man die krimihafte und blutige Schale vom Buch, so bleibt eine knallharte Tatsache übrig, für die das Werk sich einsetzt: Rassismus, Folgen von Rassismus und damit in Zusammenhang stehende Gewalt und Traumata. Sowie die auch Jahrzehnte später immernoch weitestgehendst dafür vorhandene Tolearnz, Verbreitung und auf ekelhafte Weise Akzeptanz. * Das Buch regt zum Überlegen an, machte mich wahnsinnig wütend und traurig. Denn es ist herzzerreißend und für mich unverständlich, dass Menschen andere Menschen nicht als genau das wahrnehmen können: als jemanden der genau so ist wie man selbst; mit dem Recht auf Freiheit, Gleichheit und Leben.

Der Roman schafft hier eine perfekte Satire auf den modernen, tief verwurzelten Rassismus gegen BPOC. Die Brutalität und Härte des Romans wird durch die Karikatur dieses Rassismus aufgefangen, denn die Spur Humor lockert das Geschehen auf, das ansonsten auf Grund seiner Grausamkeit schwer zu ertragen wäre. Ein unglaublich starker Roman, ich würde ihn liebend gerne zur Pflichtlektüre ausrufen lassen.
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Author Description
Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California in Los Angeles. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrikbände veröffentlicht. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane »Erschütterung« (2022), »Die Bäume« (2023) sein Roman »James« (2024), für den er den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt, sowie seine brillante Satire »Dr. No« (2025). Im Hanser-Taschenbuch ist »Ausradiert« (2026) erschienen.
Posts
Ein bitterböses, scharfzüngiges Meisterwerk, das zugleich verstört und zum Lachen bringt – ein Must-Read, das nach einer Spike-Lee-Verfilmung schreit!
“Die Bäume” von Percival Everett ist ein außergewöhnliches Werk, das auf beeindruckende Weise bitterböse Satire mit scharfem Humor vereint. Mit meisterhafter Balance zwischen Parodie und tiefem Grauen zieht Everett die Leser*innen in eine Geschichte hinein, die zugleich verstört und fasziniert. Im Fokus steht ein kleines Städtchen im Süden der USA zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Hier werden mehrere Männer brutal ermordet. Neben jeder Leiche findet sich ein Körper, der die Züge des 1955 gelynchten Emmett Till trägt – ein Detail, das der Handlung eine tiefere historische und emotionale Dimension verleiht. Zwei afroamerikanische Detektive übernehmen die Ermittlungen und stoßen auf erbitterten Widerstand seitens der örtlichen Behörden und der hartnäckigen Rednecks. Was sie schließlich entdecken, ist eine schockierende Wahrheit, die tief in der Geschichte des Rassismus und der Lynchjustiz verwurzelt ist. Everett schafft es, Elemente des Hardboiled-Thrillers mit scharfzüngiger Satire zu einem fesselnden und erschreckenden Ganzen zu verweben. Die Protagonist*innen sind dabei so lebendig und komplex, dass sie lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleiben. Trotz des harten Themas ist das Buch unfassbar lustig – ich habe selten so viel gelacht. Ich bin überzeugt: Dieses Buch muss einfach verfilmt werden. Und mal ehrlich: Wenn jemand diesen Stoff auf die große Leinwand bringen sollte, dann ist es Spike Lee! Er ist der Einzige, der die Schärfe, die Wut und den Humor dieses Romans perfekt einfangen könnte. Eine Verfilmung durch Lee wäre ein cineastisches Meisterwerk – explosiv, radikal und genau das, was diese Geschichte verdient. Schon der Gedanke daran macht mich absolut euphorisch! “Die Bäume” ist eine grandiose Parodie, die intelligent, bitterböse und erschreckend zugleich ist. Ein Buch, das seine 5 Sterne ohne Zweifel verdient.
Krasses Thema, guter Everett Roman 👍
Ich habe das Buch empfohlen bekommen und es gelesen ohne Vorinformationen. Dadurch hab ich ganz schön gestaunt als ich die Tragweite der Thematik begriffen habe. Rassismus und Lynchmorde und das mit Bezug auf die jetzige Zeit in Amerika, krass! Ich mag die Themenwahl und den Schreibstil des Autors! Sehr spannend fand ich, dass es hier um einen Krimi geht und dieser gespickt mit Sarkasmus und Humor wirklich gut zu lesen ist. Ich habe ab Mitte des Buches leider das Interesse etwas verloren, weil es auf einmal sehr viele Wiederholungen der Geschehnisse gab. Das diente sicherlich zur Verdeutlichung des Ausmaßes der Geschehnisse im Buch, allerdings hätte es das so in diesem Ausmaß nicht für mich gebraucht. Es wurde, für mich, dadurch etwas grotesk und langatmig, sorry. Ich hab dann auf ein krass aufgeschlüsseltes Aha!-Ende gehofft und wurde auch da enttäuscht. Hätte ich geahnt, dass es zu keinem aufschlussreichen Ende mit ggf. nochmal einem spannenden Plott kommt, hätte ich wohl dann bei der Hälfte aufgehört zu lesen... Dennoch ein Thema das unter die Haut geht und definitiv unter die Leute gebracht werden muss!
Thriller, Humor und Gesellschaftskritik
Diese drei Aspekte in einem gelungenenRoman unterzubringen, klingt erstmal ziemlich unmöglich. Percival Everett hat es aber geschafft und ein echtes Highlight zusammengeschrieben. In dem abgewrackten Nest Money in Mississippi wird die ziemlich brutal zugerichtete Leiche eines weißen Mannes gefunden. Neben ihm liegt ein schwarzer Mann, ebenfalls leblos. Und dass der zweite Tote zunächst aus der Leichenhalle verschwindet und bei einem weiteren Tatort wieder auftaucht, ist noch das gewöhnlichste Ereignis in diesem Roman. Denn Everett hat sich, so merkt man schnell, bewusst gegen einen klassischen Thriller und für eine Gesellschaftskritik mit Krimi-Elementen entschieden. Auch wenn die Todesfälle die spannungstreibende Kraft in dem Roman darstellen, sind sie nicht nur Mittel zum Zweck, sondern lenken den Blick auf politisch und gesellschaftlich kritische Zustände in den USA. Alle Protagonisten leuchten eine besondere Perspektive aus, haben symbolischen und auch metaphorischen Charakter und passen wunderbar in das sinnvoll konstruierte Netz aus Fremdenfeindlichkeit, Polizeigewalt, Armut, Fanatismus und Rachsucht. Insbesondere die erste Hälfte des Romans hatte echten Sucht-Charakter. Im zweiten Teil wird der Bogen der Verbrechen weiter gespannt, es wird mysteriös und irgendwie abgefahren. Und auch wenn (leider) nicht alle Fragen beantwortet werden, kann ich nicht behaupten, dass Percival Everett nicht auch zuletzt alle roten Fäden in der Hand behalten hätte. Besonders gut hat mir der feine, oft auch derbe Humor gefallen, den fast alle Figuren mal mehr mal weniger freiwillig an den Tag legen. Ich bin zwar über die häufige Verwendung des N-Wortes gestolpert, welche für meinen Geschmack nicht hätte sein müssen - auch das ist aber wohl gestalterische Freiheit des Autoren, dessen Sprache mich ansonsten positiv beeindruckt hat. Erst durch diese ungewöhnliche Mischung wird die Nachricht, die durch den Roman gesendet wird, unmissverständlich klar: Steht auf.
Durch dieses Buch bin ich zum Everett-Ultra geworden. Die krasse Geschichte der Lynchmorde der USA, die Rassisten in der heutigen Zeit einholt. Die beiden Ermittler sorgen zwischendurch für ein bisschen comedic relief, ohne dass es an irgendeiner Stelle albern wird. Sehr spannend, super stark! Das Gehirn das Percival Everett hat ey...
Zuerst in Money, Mississipi, später in den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika tauchen übel zugerichtete Leichen weißer Männer auf und direkt neben ihnen jeweils die Leiche eines schwarzen Mannes. Der Schluss für die örtliche Polizei scheint klar und sicher: Der Schwarze war's. Wer sonst? Aber wieso ist er dann auch tot? Und zwar wie es scheint schon länger als das andere Opfer? Schwer zu beschreiben ist es, dieses Buch. Ist es ein Krimi? Eine Parodie? Ich las irgendwo, es sei wie ein Coen Film als Buch. Und ich denke, das trifft es ziemlich genau. Und wenn man die Filme mag - wie ich - wird man auch das Buch mögen - wie ich.
Eine gut geschriebene, gesellschaftskritische Geschichte, die zu Anfang als Krimi daherkommt und in Laufe der Zeit Fahrt aufnimmt und zu einer interessanten Umkehr der heutigen Machtverhältnisse führt. Wurde mir am Ende ehrlich gesagt aber etwas zu wirr und zu sehr gewollt. Trotzdem absolut lesenswert.
Was für ein Brett! Ein in mehrfacher Hinsicht gruseliger Rache-Thriller um eine brutale Mordserie vor dem Hintergrund von Rassismus und Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Basierend auf wahren Ereignissen werden diese aufgegriffen, weitergesponnen und zu einem exzessiven Ende gebracht. Gewalt und Horror werden von zynischem Humor und pointierten Dialogen aufgebrochen, wodurch das Grauen erträglicher wird. Das mag nicht jedermanns Sache sein, also sagen wir es so: Wer Tarantino nicht mag, wird auch an diesem Roman keinen Gefallen finden. Manches wirkt karikiert und arg überzeichnet, aber spätestens wenn ein gewisser Mr. Trump auftritt und mit seiner typischen Art treffend zitiert wird, dann erkennt man plötzlich, dass auch die tumben Rednecks hier wohl leider erschreckend glaubwürdig und realistisch dargestellt sind. Das Ende wird vermutlich nicht allen gefallen – ist aber ebenso konsequent wie das gesamte Buch. Ein Hammer!
Percival Everett gelingt das Kunststück, rassistische Menschen in einer bitterbösen und dabei urkomischen Satire an den Pranger zu stellen, das Thema aber dennoch nicht zu trivialisieren. Es ist die Art von Humor, die dir im Halse stecken bleibt, weil er in so einem perfekten Kontrast zum eigentlich Grauenhafen steht. Denn so originell und unterhaltsam Everett die Handlung des Romans auch gestaltet, lässt er Leser:innen dessen realen Hintergrund doch niemals vergessen. Emmett Till war erst 14 Jahre alt, als er im Jahr 1955 auf brutalste Art gelyncht wurde, weil eine weiße Frau namens Carolyn Bryant behauptete, er habe sie unsittlich berührt und verbal belästigt. Seine grauenhaft entstellte Leiche wurde wenige Tage später gefunden. Der Prozess verstieg sich zu absurden Verschwörungstheorien: So sei der gefundene Tote gar nicht Emmett Till gewesen, sondern eine von schwarzen Aktivisten hergerichtete Leiche. Die beiden Mörder, Carolyns Ehemann Roy Bryant und dessen Halbbruder John William Milam, wurden nach einer nur 67-minütigen Abstimmung von einer ausschließlich weißen Jury freigesprochen. Zwei Monate später gaben sie dem Look Magazine für ein Honorar von $4.000 (entspricht etwa $44.464 im Jahr 2023) ein Interview, in dem sie den Mord zugaben und detailliert beschrieben. Nach dem amerikanischen Rechtssystem konnten sie dafür jedoch nicht mehr belangt werden. 2017 gab die inzwischen 72-jährige Carolyn Bryant zu, Till habe sie weder ergriffen, wie ausgesagt, noch verbal belästigt. »Nothing that boy did could ever justify what happened to him.« Eine schale, Jahrzehnte zu späte Reue. Percival Everett stellt Carolyn und die Nachfahren der Mörder in den Fokus einer vielschichtigen Thriller-Groteske, die Genregrenzen überschreitet und dabei deutlich macht: Der Rassenhass ist beileibe nicht Geschichte. Die Charaktere werden überspitzt dargestellt, bis ins Äußerste karikiert, und wirken dennoch wie ein real existierender Menschenschlag. Es ist ein echtes Kunststück, Figuren so nahe am Absurden anzulegen und sie dennoch glaubhaft darzustellen. Mit Ed Morgan und Jim Davis lässt Everett zwei schwarze MBI-Beamten in einer Gegend ermitteln, in der das N-Wort immer noch zum guten Ton gehört. Die beiden lassen die Rednecks, denen sie begegnen, mit genüsslicher Höflichkeit schwitzen, und das ist wahnsinnig witzig – bis dir das Lachen mal wieder gefriert. Der eigentliche Kriminalfall ist zwar spannend, doch nur der Rahmen für eine blutige Tour de Force der Rache, die literarisch die Täter-Opfer-Rolle umkehrt. Ach, jetzt kommt erst der Aufschrei? Jetzt, wo weiße Menschen auf ähnliche grauenvolle Weise sterben? Die Geschichte steigert sich zu einem Finale, das jeglichen Realismus über Bord schmeißt und tötet, tötet, tötet. Und dich dabei zwingt, die eigenen Ansichten zu hinterfragen. Und nun zu meinem einzigen Kritikpunkt: Ich habe das Buch sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung gelesen, und das ist ein himmelweiter Unterschied. Wörter und Phrasen wurden nach meinem Empfinden oft zu wörtlich übersetzt, der typische Südstaaten-Slangs findet keine passende umgangssprachliche Entsprechung im Deutschen. Der Sprachfluss ist über lange Passagen hinweg sehr holprig, viele Ausdrücke wirken hölzern. Fazit: Mit Horror, Klamauk und gnadenlosen Fakten entblättert Everett die Leser:innenseele, und das muss ein Autor erstmal so souverän und gekonnt hinkriegen. Dies ist definitiv ein neues Lieblingsbuch. Chapeau, Mr. Everett.
Den Humor und den Ton des Buches mochte ich und fand es zu Beginn richtig spannend. Auch die Idee der Geschichte fand ich gut. Für Leser*innen, die über die Lynchmorde in den Südstaaten Nordamerikas noch nicht viel wissen und denen zum Beispiel der Name Emmett Till nichts sagt, könnte das ein guter Einstieg in das Thema sein. Wirklich tiefergehend in die Biografie und die Hintergrundgeschichten der Charaktere taucht man dabei allerdings nicht ein. Gegen Ende reiht sich ein Mordfall an den nächsten, es treten die Detectives der unterschiedlichen Staaten auf und auch Donald Trump hat einen Cameo-Auftritt. Die Entwicklungen zum Ende à la The Walking Dead haben mich dann überrascht. Es wirkte auf mich aber wenig ausgearbeitet und ließ viele Fragen offen.
"Sie glauben, Weiße haben einfach Angst vor Schwarzen?" "Ich glaube, es ist ein Freizeitvergnügen."
* Krimi mit dem Hauptaugenmerk auf Rassismus und Lynchjustiz in den Südstaaten Amerikas. Anteile von Horror und Übernatürlichem. * Rache als zentrales Motiv. * karikatierte Charaktere, weiße Kleinstadt-Polizisten die dick, dumm und rassistisch sind. Die sich zum spionieren hinter Zeitungen verstecken, sich zu blöd anstellen ein Kreuz für den Ku-Klux-Klan zu verbrennen und sich gegenseitig am Kopf kratzen um das Denkvermögen anzuregen. * erzählerisch leicht, satirisch, pointenreich, Everett baut Situationskomik ein und auch viele Kraftausdrücke, beklemmend, morbide, kraftvoll, atmosphärisch und ernst. * Gänsehaut-Momente waren ganz klar die Stelle in der "Strange Fruit" von Billie Holiday zitiert wird sowie die vielen Seiten mit Namen von Opfern von Lynchsmorden. Rührt zu Tränen, bewegt und verfolgt einen. * Schält man die krimihafte und blutige Schale vom Buch, so bleibt eine knallharte Tatsache übrig, für die das Werk sich einsetzt: Rassismus, Folgen von Rassismus und damit in Zusammenhang stehende Gewalt und Traumata. Sowie die auch Jahrzehnte später immernoch weitestgehendst dafür vorhandene Tolearnz, Verbreitung und auf ekelhafte Weise Akzeptanz. * Das Buch regt zum Überlegen an, machte mich wahnsinnig wütend und traurig. Denn es ist herzzerreißend und für mich unverständlich, dass Menschen andere Menschen nicht als genau das wahrnehmen können: als jemanden der genau so ist wie man selbst; mit dem Recht auf Freiheit, Gleichheit und Leben.

Der Roman schafft hier eine perfekte Satire auf den modernen, tief verwurzelten Rassismus gegen BPOC. Die Brutalität und Härte des Romans wird durch die Karikatur dieses Rassismus aufgefangen, denn die Spur Humor lockert das Geschehen auf, das ansonsten auf Grund seiner Grausamkeit schwer zu ertragen wäre. Ein unglaublich starker Roman, ich würde ihn liebend gerne zur Pflichtlektüre ausrufen lassen.

































