Erschütterung
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Description
Book Information
Author Description
Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California in Los Angeles. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrikbände veröffentlicht. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane »Erschütterung« (2022), »Die Bäume« (2023) sein Roman »James« (2024), für den er den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt, sowie seine brillante Satire »Dr. No« (2025).
Posts
Eiskalt erwischt hat mich das Buch. Absolut nichts für schwache Nerven…
Ich habe „James“ von Percival Everett so gern gelesen, ein Highlight für mich. Die Buchhändlerin in der Lieblingsbuchhandlung drückte mir dann „Erschütterung“ in die Hand und sagte, der Titel sei Programm. Aber dass es mich so erwischen würde, hätte ich nicht gedacht. Ich möchte und kann keine Rezension verfassen. Nur soviel: Das geht tief, ist kaum auszuhalten und gleichzeitig seltsam distanziert geschrieben. Ich habe beim Lesen körperlich gelitten und Ängste ausgestanden… was ist, wenn meine eigenen Kinder so ein Schicksal erleiden. In jedem Fall ist dieser Roman komplett anders als „James“. Nicht auf schlechte Art, einfach anders. Bitte checkt die Content Notes bevor ihr es lest… Ich brauche jetzt in jedem Falle was sehr Seichtes, um mich zu erholen!
Ich hatte etwas Probleme in die Geschichte rein zu kommen und auch das Ende ist sehr eigen. Der Autor wählt hier einen ungewöhnlichen Erzählstil aus der Sicht eines Vaters ( Zach) , der erfährt, dass seine geliebte Tochter durch eine Erkrankung nach und nach alles vergessen, körperlich verfallen und in absehbarer Zeit sterben wird. Die zweite Erzählebene handelt von einer Rettungsaktion des Vaters nahe der mexikanischen Grenze . Das Weggehen des Vaters, während seine Frau mit der sterbenden Tochter zurück bleibt, kann psychologisch sicher auf vielfältige Weise interpretiert werden. Für mich war es durchaus nachvollziehbar, dass er dort Etwas tun konnte, jemand retten und damit selbst gerettet werden, aus der Hilf- und Machtlosigkeit und des bloßen Zuschauens heraustreten und etwas bewirken. Sehr interessanter, aufwühlender und vielschichtiger Roman, der am Rande viele Themen anschneidet und der mich stilistisch und inhaltlich herausgefordert hat. Der Titel des Buches wurde sehr treffend gewählt.
46/2026 Erschütterung
Ich habe das Buch gestern beendet und es wird noch lange nachklingen. Es ist eins von den Büchern, die man schwer bewerten kann. Ich wusste gar nicht so genau, was mich erwartet, weil ich keine intensive Klappentextleserin bin. Es kam also auch für mich wie ein Schlag, was der Familie widerfährt. Die Eltern erhalten für ihre Tochter eine unfassbar niederschmetternde Diagnose. Vermutlich eine der schlimmsten die man bekommen kann. Auch auf anderer Ebene geschehen dramatische Dinge. Und trotzdem ist das Buch eher ruhig, langsam und stellenweise distanziert erzählt. Gerade das macht es aber seltsamerweise intensiver und regt noch stärker dazu an sich mit damit auseinandersetzen. Der Protagonist ist kein Held und macht es einem nicht immer leicht ihn zu mögen - auch weil er selbst keine hohe Meinung von sich hat. Trotzdem ist das menschlich und macht ihn gerade deshalb interessant. eBook (Onleihe)

Leider nicht so meins
Ich konnte mit der Geschichte leider nicht warm werden, obgleich sie viel Potential hat. Ich bin mit Zach überhaupt nicht warm geworden. Ihn erwartet das schlimmste Schicksal, das man sich als Eltern vorstellen kann, aber seinen Umgang damit, konnte ich einfach überhaupt nicht nachempfinden. Ich habe ihn nicht verstanden. ich fand, er hat seine Familie komplett im Stich gelassen- von seinem Verhalten war ich schwer enttäuscht. Ein Verhalten, das sehr männlich und rational ist, hat mich leider nicht abgeholt… Seine Flucht und ‚Rettung‘ habe ich nicht wirklich verstanden- ja, man kann hier viel interpretieren, aber die Mühe mag ich mir nicht machen.
Die Gefühle, die dieses Buch in mir ausgelöst haben, sind Wut, Ekel und Unverständnis. Ich habe in einer anderen Rezension gelesen, dass das Buch eher männlich ist und ich finde das trifft es irgendwie ganz gut. Ich kann in manchen Passagen den Schmerz und die Verzweiflung über die Erkrankung der Tochter verstehen, ABER warum verschwindet man dann einfach und lässt Frau und Kind alleine, wenn man wenig Zeit noch zusammen hat, warum flirtet man dann lieber mit anderen Frauen, warum rennt man komischen Nachrichten hinterher??? Das Ende fand ich auch total random und zu abrupt. Irgendwie triggert mich das voll und ich habe wirklich oft den Kopf geschüttelt. Würde gerne aber auch andere Meinung zu dem Buch hören 😅
Der Paläontologie-Professor Zach Wells lebt ein geruhsames, völlig normales Leben mit Frau und Tochter in Kalifornien. Dem Universitätsbetrieb steht er fast zynisch gegenüber, die Ehe ist mehr von Gewohnheit als von großer Leidenschaft geprägt. Einzig die Liebe zu Tochter Sarah erfüllt Zach absolut. Da geschehen zwei Dinge, die sein Leben erschüttern … Dieses Buch ist wirklich keine einfache Geschichte. Schon allein wegen der Handlung, aber vor allem wegen Everetts prägnantem, schnörkellosem und zugleich liebevoll-zarten Schreibstil, der einen Zachs Verzweiflung, seine Hilflosigkeit, Angst und Trauer auf jeder Seite spürbar macht. Ich habe Zach und Sarah zutiefst in mein Herz geschlossen und auch mich hat das langsame Sterben des Mädchens sehr mitgenommen und erschüttert. Vor allem, weil auch immer so viel wundervoller, feiner Humor in den Vater-Tochter-Gesprächen durchscheint und man sich beim Lesen einfach nur wünscht, dass Sarah zu der außergewöhnlichen Frau hätte heranwachsen können, die sie im werden begriffen war. Auch die quasi zweite Geschichte des Buches (ebenso wie die kleine Nebengeschichte mit Hilary) bewegt sehr und macht den Roman am Ende fast noch spannender als so manchen Krimi. Geht es doch nicht weniger als um eine Rettung in mehrfacher Hinsicht, die man Zach aus tiefstem Herzen wünscht. Für mich war ‚Erschütterung‘ das erste Werk des Autors und ich freue mich schon auf seine anderen Romane und bin froh, diesen großartigen Literaten für mich entdeckt zu haben.
Ich muss zugeben, ich hatte keine besonderen Erwartungen an das Buch, da der Klappentext eher unscheinbar auf mich wirkte. Aber irgendwie habe ich gespürt (ein bisschen vielleicht auch wegen des wunderschönen Covers), dass da etwas Besonderes auf mich wartet. Grob zum Inhalt: ein Vater erfährt, dass seine Tochter unheilbar krank ist und sterben wird. In einem zweiten Handlungsstrang unternimmt er den Versuch, eine Gruppe mexikanischer Frauen, welche als Arbeitssklaven gefangen gehalten werden, aus ihrer misslichen Lage zu befreien. In beiden Handlungssträngen versucht unser Protagonist das Richtige zu tun, was nicht immer einfach ist und wobei auch nicht immer offensichtlich ist, was denn überhaupt das Richtige ist. Der Leser wird hier zum Teil vor Fragen gestellt, die einen nicht mehr loslassen. Zum Beispiel die Frage, ob man seinem Kind sagt, wie ernst es um es steht oder ob man die Wahrheit zurückhält und so die Situation für das Kind vielleicht erträglicher macht. Der Roman hat mich wirklich aufgewühlt und der Autor hat es irgendwie geschafft, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin, obwohl die Geschichte ganz ruhig und unaufgeregt erzählt wird. Es ist für mich schwer in Worte zu fassen, warum genau, aber dies war ein sehr besonderes Buch für mich.
„Ein zartes, gewaltiges Kunststück“, schreibt gem. Klappentext die New York Times und umschreibt es sehr gut! Percival Everett versteht es, auf wenigen Seiten viel und auf den Punkt zu erzählen. Story, Umfeld und die Personen werden klar und mit Tiefe dargestellt - und das alles auf weniger als 300 Seiten. Ohne gehetzt oder knapp zu klingen, ist her einfach kein Wort Zuviel geschrieben wurden. Das Buch heißt „Erschütterung“ - und die ist tatsächlich auch da. Aber das Erschütternde in der Geschichte wird nicht rührselig erzählt, die Tränendrüse nicht gezielt angesprochen und doch bewegte mich das Buch und die Reise des Protagonisten sehr. Das zweite nach „James“, was ich von ihm las und ich werde noch mehr von ihm lesen!
Percival Everett erzählt eine Geschichte voller feiner Nuancen und tiefsinniger Bedeutungsebenen, und das in einer wunderbaren klaren Sprache, die ohne Pathos mitreißt und bewegt.
Paläontologe Zach Wells hat sich in einem Leben ohne Höhepunkte und Besonderheiten eingerichtet; er wird es nicht müde, die Leser:innen darauf hinzuweisen, dass er nichts Besonderes ist. In seinem Beruf ist er zwar durchaus erfolgreich, innerhalb seines Forschungsgebiets eine Koryphäe – jedoch, so betont er, sind andere Menschen in vielerlei Hinsicht doch deutlich intelligenter, aufregender, interessanter als er. So ganz kaufe ich ihm das ja nicht ab, dieses Gegenteil von Selbstbeweihräucherung, das sich dennoch anfühlt wie Prahlerei … Zack suhlt sich förmlich in seiner vermeintlichen Gewöhnlichkeit, aber da ist immer auch eine Spur staubtrockener Humor. Ein Augenzwinkern, das sagt, dass er sicher seiner eigenen Intelligenz dann doch bewusst ist. Ein kleiner Funke Licht, der die Melancholie durchbricht. Übrigens dauerte es eine Weile, bis ich begriff, dass Zach schwarz ist. Es wird weder ausdrücklich gesagt, noch angedeutet, bis es im Rahmen der Geschichte tatsächlich eine Rolle spielt. Percival Everett sagte einmal in einem Interview mit NBC News: »Unless there’s a reason to specify race in a scene, why should I feel compelled to do so? I don’t think I have to have my character cross 125th Street and Lenox Avenue and comb his afro in the first 10 pages.« (»Wenn es keinen Grund gibt, in einer Szene Rasse zu erwähnen, warum sollte ich mich gezwungen fühlen, dies zu tun? Ich glaube nicht, dass ich meine Figur auf den ersten zehn Seiten über die 125th Street und Lenox Avenue laufen lassen und ihren Afro kämmen lassen muss.«) In seiner Ehe zelebriert Zach ebenfalls die zufriedene Gewöhnlichkeit, das emotionale Understatement. Er mag seine Frau, aber er liebt sie nicht, und er glaubt, dass ihr das umgekehrt genauso geht. Warum sollte er etwas daran ändern? Es funktioniert doch, er vermisst da nichts; es gibt keine Höhen, aber auch keine sonderlichen Tiefen. Zugegeben, manchmal sitzt er in seinem Auto und erwägt, sich umzubringen. Aber das sind nur kurze Episoden, kein Grund zur Beunruhigung. In der Stasis fühlt sich Zach in seinem Element. Nur die Liebe zu seiner Tochter überwindet das Mittelmaß, durchbricht Zachs Lethargie. Er liebt sie ohne jede Zurückhaltung; die intelligente 12-Jährige ist sein Stern, sein Lebenssinn. Daher erschüttert es seine Welt in den Grundfesten, als sie zunehmend schlechter sieht, auf einmal böse Patzer beim Schach macht und letztendlich eine Diagnose erhält, die auf schrecklichste Art außergewöhnlich ist. Schon vor der unvermeidlichen Tragödie zerreißt Zach die Trauer, als habe er Sarah bereits verloren. Als er in einem gebraucht gekauften Hemd einen versteckten Hilferuf findet, stürzt er sich auf die neue Aufgabe wie auf einen Rettungsring. Er kann seine Tochter nicht retten, daher muss er stellvertretend irgendjemanden retten. Hier wird das Drama manchmal geradezu zum Krimi, was auch Leser:innen kleine Fluchten erlaubt. Geht es hier um Trauer? Ja und nein und indirekt dann doch. Das offensichtliche Grundthema des Romans ist die wortwörtlich zum frühen Tode verurteilte Vater-Tochter-Beziehung, aber dahinter stehen allgemeingültigere Leitmotive: Immer wieder geht es um die Dichotomie von Stillstand und Wandel – wobei anklingt, dass wir auch im Wandel nicht vollkommen frei sind. Herkunft, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung und finanzielle Situation unserer Eltern, all das bestimmt die Möglichkeiten, die uns tatsächlich zur Verfügung stehen. Zach stünden alle Wegen offen, um sich neu zu erfinden, ein Leben des steten inneren Wachstums zu führen, aber er wählt immer und immer wieder die Stasis, mal bewusst, mal unbewusst. Seine gewählte Stasis spiegelt sicher nicht zufällig die ihm aufgezwungene Stasis: Sein Vater setzte seinem eigenen Leben ein Ende, seine Tochter verliert ihre Persönlichkeit schon vor ihrem drohenden Tod. Zwei Beziehungen, durch den Tod bis in alle Ewigkeit eingefroren. Es geht um Trauer, ja. Es geht um Schuld und Erlösung. Es geht darum, wie wir irgendwo zwischen Absicht und Aktion die Kontrolle über unsere Leben verlieren können. Es geht um emotionale Wahrheiten, die auch im Angesicht kalter Fakten nicht weniger wahr werden. Und immer wieder ist da so ein Gefühl, dass die Geschichten, die wir uns selber erzählen, nicht weniger wichtig sind als das tatsächliche Geschehen. Der Schreibstil lässt aufhorchen, überzeugt mit feiner Selbstironie und psychologischer Prägnanz. Das Ungesagte spricht klar und deutlich aus den Pausen, den Brüchen; es sind gerade die Leerstellen, in denen die Charaktere einen ungeahnten Tiefgang entwickeln. Trauer, Schmerz, Angst, Verzweiflung, das alles springt dich als Leser:in aus den Seiten geradezu an, ohne jegliches Pathos, ohne Betroffenheitskitsch. Der feine Humor ist Balsam für die geschundene Leser:innenseele. Everetts Prosa ist oft distanziert, manchmal schmerzlich roh, immer zum Niederknien schön.
Percival Everetts Roman beschreibt das Leben eines Universitätsprofessors und Paläontologen, dessen Leben von einem auf den anderen Moment "erschüttert" wird, als bei seiner einzigen Tochter eine seltene, unheilbare Krankheit diagnostiziert wird. Beim Lesen des Buches wird klar, dass der Titel des Buches perfekt gewählt wird, weil das, was Zach Wells und seine Frau erleben sich nicht anders beschreiben lässt. Zu Beginn des Romans musste ich mich erst an den Schreibstil von Everett gewöhnen, der oft aus langen, schachteligen Sätzen besteht. Das erlaubt ihm jedoch Situationen und Gefühle sehr detailliert und treffend zu beschreiben. Mit einer großen Emotionalität entführt Everett die Leser in Zach Wells Gefühlswelt, der sich mit der ständig schlechter werdenden Gesundheit seiner Tochter auseinanersetzen muss. Was mir auch gefallen hat, sind die drei verschiendenen Storylines, die von Everett beschrieben werden. So wird neben dem Familienleben auch Zach Wells Unialltag aufgegriffen, sowie eine weitere Story, die schon fast einem Thriller anmutet. Erschütterung ist ein ergreifender, emotionaler Roman, der mich vor allem durch die detaillierte und gefühlvolle Sprache des Autoren beeindruckt hat.
Hörbuch. Mein erstes Buch von Percival Everett, der schon lange auf meiner Leseliste stand. Die Liebe von Zach Wells zu seiner Tochter berührte mich zutiefst, und seinen Schmerz spürte ich eindringlich. Ein Buch über Ängste, Verlust, Trauer – und doch auch über Hoffnung. Klare Leseempfehlung! Ich freue mich auf weitere Bücher von ihm.
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Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California in Los Angeles. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrikbände veröffentlicht. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane »Erschütterung« (2022), »Die Bäume« (2023) sein Roman »James« (2024), für den er den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt, sowie seine brillante Satire »Dr. No« (2025).
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Eiskalt erwischt hat mich das Buch. Absolut nichts für schwache Nerven…
Ich habe „James“ von Percival Everett so gern gelesen, ein Highlight für mich. Die Buchhändlerin in der Lieblingsbuchhandlung drückte mir dann „Erschütterung“ in die Hand und sagte, der Titel sei Programm. Aber dass es mich so erwischen würde, hätte ich nicht gedacht. Ich möchte und kann keine Rezension verfassen. Nur soviel: Das geht tief, ist kaum auszuhalten und gleichzeitig seltsam distanziert geschrieben. Ich habe beim Lesen körperlich gelitten und Ängste ausgestanden… was ist, wenn meine eigenen Kinder so ein Schicksal erleiden. In jedem Fall ist dieser Roman komplett anders als „James“. Nicht auf schlechte Art, einfach anders. Bitte checkt die Content Notes bevor ihr es lest… Ich brauche jetzt in jedem Falle was sehr Seichtes, um mich zu erholen!
Ich hatte etwas Probleme in die Geschichte rein zu kommen und auch das Ende ist sehr eigen. Der Autor wählt hier einen ungewöhnlichen Erzählstil aus der Sicht eines Vaters ( Zach) , der erfährt, dass seine geliebte Tochter durch eine Erkrankung nach und nach alles vergessen, körperlich verfallen und in absehbarer Zeit sterben wird. Die zweite Erzählebene handelt von einer Rettungsaktion des Vaters nahe der mexikanischen Grenze . Das Weggehen des Vaters, während seine Frau mit der sterbenden Tochter zurück bleibt, kann psychologisch sicher auf vielfältige Weise interpretiert werden. Für mich war es durchaus nachvollziehbar, dass er dort Etwas tun konnte, jemand retten und damit selbst gerettet werden, aus der Hilf- und Machtlosigkeit und des bloßen Zuschauens heraustreten und etwas bewirken. Sehr interessanter, aufwühlender und vielschichtiger Roman, der am Rande viele Themen anschneidet und der mich stilistisch und inhaltlich herausgefordert hat. Der Titel des Buches wurde sehr treffend gewählt.
46/2026 Erschütterung
Ich habe das Buch gestern beendet und es wird noch lange nachklingen. Es ist eins von den Büchern, die man schwer bewerten kann. Ich wusste gar nicht so genau, was mich erwartet, weil ich keine intensive Klappentextleserin bin. Es kam also auch für mich wie ein Schlag, was der Familie widerfährt. Die Eltern erhalten für ihre Tochter eine unfassbar niederschmetternde Diagnose. Vermutlich eine der schlimmsten die man bekommen kann. Auch auf anderer Ebene geschehen dramatische Dinge. Und trotzdem ist das Buch eher ruhig, langsam und stellenweise distanziert erzählt. Gerade das macht es aber seltsamerweise intensiver und regt noch stärker dazu an sich mit damit auseinandersetzen. Der Protagonist ist kein Held und macht es einem nicht immer leicht ihn zu mögen - auch weil er selbst keine hohe Meinung von sich hat. Trotzdem ist das menschlich und macht ihn gerade deshalb interessant. eBook (Onleihe)

Leider nicht so meins
Ich konnte mit der Geschichte leider nicht warm werden, obgleich sie viel Potential hat. Ich bin mit Zach überhaupt nicht warm geworden. Ihn erwartet das schlimmste Schicksal, das man sich als Eltern vorstellen kann, aber seinen Umgang damit, konnte ich einfach überhaupt nicht nachempfinden. Ich habe ihn nicht verstanden. ich fand, er hat seine Familie komplett im Stich gelassen- von seinem Verhalten war ich schwer enttäuscht. Ein Verhalten, das sehr männlich und rational ist, hat mich leider nicht abgeholt… Seine Flucht und ‚Rettung‘ habe ich nicht wirklich verstanden- ja, man kann hier viel interpretieren, aber die Mühe mag ich mir nicht machen.
Die Gefühle, die dieses Buch in mir ausgelöst haben, sind Wut, Ekel und Unverständnis. Ich habe in einer anderen Rezension gelesen, dass das Buch eher männlich ist und ich finde das trifft es irgendwie ganz gut. Ich kann in manchen Passagen den Schmerz und die Verzweiflung über die Erkrankung der Tochter verstehen, ABER warum verschwindet man dann einfach und lässt Frau und Kind alleine, wenn man wenig Zeit noch zusammen hat, warum flirtet man dann lieber mit anderen Frauen, warum rennt man komischen Nachrichten hinterher??? Das Ende fand ich auch total random und zu abrupt. Irgendwie triggert mich das voll und ich habe wirklich oft den Kopf geschüttelt. Würde gerne aber auch andere Meinung zu dem Buch hören 😅
Der Paläontologie-Professor Zach Wells lebt ein geruhsames, völlig normales Leben mit Frau und Tochter in Kalifornien. Dem Universitätsbetrieb steht er fast zynisch gegenüber, die Ehe ist mehr von Gewohnheit als von großer Leidenschaft geprägt. Einzig die Liebe zu Tochter Sarah erfüllt Zach absolut. Da geschehen zwei Dinge, die sein Leben erschüttern … Dieses Buch ist wirklich keine einfache Geschichte. Schon allein wegen der Handlung, aber vor allem wegen Everetts prägnantem, schnörkellosem und zugleich liebevoll-zarten Schreibstil, der einen Zachs Verzweiflung, seine Hilflosigkeit, Angst und Trauer auf jeder Seite spürbar macht. Ich habe Zach und Sarah zutiefst in mein Herz geschlossen und auch mich hat das langsame Sterben des Mädchens sehr mitgenommen und erschüttert. Vor allem, weil auch immer so viel wundervoller, feiner Humor in den Vater-Tochter-Gesprächen durchscheint und man sich beim Lesen einfach nur wünscht, dass Sarah zu der außergewöhnlichen Frau hätte heranwachsen können, die sie im werden begriffen war. Auch die quasi zweite Geschichte des Buches (ebenso wie die kleine Nebengeschichte mit Hilary) bewegt sehr und macht den Roman am Ende fast noch spannender als so manchen Krimi. Geht es doch nicht weniger als um eine Rettung in mehrfacher Hinsicht, die man Zach aus tiefstem Herzen wünscht. Für mich war ‚Erschütterung‘ das erste Werk des Autors und ich freue mich schon auf seine anderen Romane und bin froh, diesen großartigen Literaten für mich entdeckt zu haben.
Ich muss zugeben, ich hatte keine besonderen Erwartungen an das Buch, da der Klappentext eher unscheinbar auf mich wirkte. Aber irgendwie habe ich gespürt (ein bisschen vielleicht auch wegen des wunderschönen Covers), dass da etwas Besonderes auf mich wartet. Grob zum Inhalt: ein Vater erfährt, dass seine Tochter unheilbar krank ist und sterben wird. In einem zweiten Handlungsstrang unternimmt er den Versuch, eine Gruppe mexikanischer Frauen, welche als Arbeitssklaven gefangen gehalten werden, aus ihrer misslichen Lage zu befreien. In beiden Handlungssträngen versucht unser Protagonist das Richtige zu tun, was nicht immer einfach ist und wobei auch nicht immer offensichtlich ist, was denn überhaupt das Richtige ist. Der Leser wird hier zum Teil vor Fragen gestellt, die einen nicht mehr loslassen. Zum Beispiel die Frage, ob man seinem Kind sagt, wie ernst es um es steht oder ob man die Wahrheit zurückhält und so die Situation für das Kind vielleicht erträglicher macht. Der Roman hat mich wirklich aufgewühlt und der Autor hat es irgendwie geschafft, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin, obwohl die Geschichte ganz ruhig und unaufgeregt erzählt wird. Es ist für mich schwer in Worte zu fassen, warum genau, aber dies war ein sehr besonderes Buch für mich.
„Ein zartes, gewaltiges Kunststück“, schreibt gem. Klappentext die New York Times und umschreibt es sehr gut! Percival Everett versteht es, auf wenigen Seiten viel und auf den Punkt zu erzählen. Story, Umfeld und die Personen werden klar und mit Tiefe dargestellt - und das alles auf weniger als 300 Seiten. Ohne gehetzt oder knapp zu klingen, ist her einfach kein Wort Zuviel geschrieben wurden. Das Buch heißt „Erschütterung“ - und die ist tatsächlich auch da. Aber das Erschütternde in der Geschichte wird nicht rührselig erzählt, die Tränendrüse nicht gezielt angesprochen und doch bewegte mich das Buch und die Reise des Protagonisten sehr. Das zweite nach „James“, was ich von ihm las und ich werde noch mehr von ihm lesen!
Percival Everett erzählt eine Geschichte voller feiner Nuancen und tiefsinniger Bedeutungsebenen, und das in einer wunderbaren klaren Sprache, die ohne Pathos mitreißt und bewegt.
Paläontologe Zach Wells hat sich in einem Leben ohne Höhepunkte und Besonderheiten eingerichtet; er wird es nicht müde, die Leser:innen darauf hinzuweisen, dass er nichts Besonderes ist. In seinem Beruf ist er zwar durchaus erfolgreich, innerhalb seines Forschungsgebiets eine Koryphäe – jedoch, so betont er, sind andere Menschen in vielerlei Hinsicht doch deutlich intelligenter, aufregender, interessanter als er. So ganz kaufe ich ihm das ja nicht ab, dieses Gegenteil von Selbstbeweihräucherung, das sich dennoch anfühlt wie Prahlerei … Zack suhlt sich förmlich in seiner vermeintlichen Gewöhnlichkeit, aber da ist immer auch eine Spur staubtrockener Humor. Ein Augenzwinkern, das sagt, dass er sicher seiner eigenen Intelligenz dann doch bewusst ist. Ein kleiner Funke Licht, der die Melancholie durchbricht. Übrigens dauerte es eine Weile, bis ich begriff, dass Zach schwarz ist. Es wird weder ausdrücklich gesagt, noch angedeutet, bis es im Rahmen der Geschichte tatsächlich eine Rolle spielt. Percival Everett sagte einmal in einem Interview mit NBC News: »Unless there’s a reason to specify race in a scene, why should I feel compelled to do so? I don’t think I have to have my character cross 125th Street and Lenox Avenue and comb his afro in the first 10 pages.« (»Wenn es keinen Grund gibt, in einer Szene Rasse zu erwähnen, warum sollte ich mich gezwungen fühlen, dies zu tun? Ich glaube nicht, dass ich meine Figur auf den ersten zehn Seiten über die 125th Street und Lenox Avenue laufen lassen und ihren Afro kämmen lassen muss.«) In seiner Ehe zelebriert Zach ebenfalls die zufriedene Gewöhnlichkeit, das emotionale Understatement. Er mag seine Frau, aber er liebt sie nicht, und er glaubt, dass ihr das umgekehrt genauso geht. Warum sollte er etwas daran ändern? Es funktioniert doch, er vermisst da nichts; es gibt keine Höhen, aber auch keine sonderlichen Tiefen. Zugegeben, manchmal sitzt er in seinem Auto und erwägt, sich umzubringen. Aber das sind nur kurze Episoden, kein Grund zur Beunruhigung. In der Stasis fühlt sich Zach in seinem Element. Nur die Liebe zu seiner Tochter überwindet das Mittelmaß, durchbricht Zachs Lethargie. Er liebt sie ohne jede Zurückhaltung; die intelligente 12-Jährige ist sein Stern, sein Lebenssinn. Daher erschüttert es seine Welt in den Grundfesten, als sie zunehmend schlechter sieht, auf einmal böse Patzer beim Schach macht und letztendlich eine Diagnose erhält, die auf schrecklichste Art außergewöhnlich ist. Schon vor der unvermeidlichen Tragödie zerreißt Zach die Trauer, als habe er Sarah bereits verloren. Als er in einem gebraucht gekauften Hemd einen versteckten Hilferuf findet, stürzt er sich auf die neue Aufgabe wie auf einen Rettungsring. Er kann seine Tochter nicht retten, daher muss er stellvertretend irgendjemanden retten. Hier wird das Drama manchmal geradezu zum Krimi, was auch Leser:innen kleine Fluchten erlaubt. Geht es hier um Trauer? Ja und nein und indirekt dann doch. Das offensichtliche Grundthema des Romans ist die wortwörtlich zum frühen Tode verurteilte Vater-Tochter-Beziehung, aber dahinter stehen allgemeingültigere Leitmotive: Immer wieder geht es um die Dichotomie von Stillstand und Wandel – wobei anklingt, dass wir auch im Wandel nicht vollkommen frei sind. Herkunft, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung und finanzielle Situation unserer Eltern, all das bestimmt die Möglichkeiten, die uns tatsächlich zur Verfügung stehen. Zach stünden alle Wegen offen, um sich neu zu erfinden, ein Leben des steten inneren Wachstums zu führen, aber er wählt immer und immer wieder die Stasis, mal bewusst, mal unbewusst. Seine gewählte Stasis spiegelt sicher nicht zufällig die ihm aufgezwungene Stasis: Sein Vater setzte seinem eigenen Leben ein Ende, seine Tochter verliert ihre Persönlichkeit schon vor ihrem drohenden Tod. Zwei Beziehungen, durch den Tod bis in alle Ewigkeit eingefroren. Es geht um Trauer, ja. Es geht um Schuld und Erlösung. Es geht darum, wie wir irgendwo zwischen Absicht und Aktion die Kontrolle über unsere Leben verlieren können. Es geht um emotionale Wahrheiten, die auch im Angesicht kalter Fakten nicht weniger wahr werden. Und immer wieder ist da so ein Gefühl, dass die Geschichten, die wir uns selber erzählen, nicht weniger wichtig sind als das tatsächliche Geschehen. Der Schreibstil lässt aufhorchen, überzeugt mit feiner Selbstironie und psychologischer Prägnanz. Das Ungesagte spricht klar und deutlich aus den Pausen, den Brüchen; es sind gerade die Leerstellen, in denen die Charaktere einen ungeahnten Tiefgang entwickeln. Trauer, Schmerz, Angst, Verzweiflung, das alles springt dich als Leser:in aus den Seiten geradezu an, ohne jegliches Pathos, ohne Betroffenheitskitsch. Der feine Humor ist Balsam für die geschundene Leser:innenseele. Everetts Prosa ist oft distanziert, manchmal schmerzlich roh, immer zum Niederknien schön.
Percival Everetts Roman beschreibt das Leben eines Universitätsprofessors und Paläontologen, dessen Leben von einem auf den anderen Moment "erschüttert" wird, als bei seiner einzigen Tochter eine seltene, unheilbare Krankheit diagnostiziert wird. Beim Lesen des Buches wird klar, dass der Titel des Buches perfekt gewählt wird, weil das, was Zach Wells und seine Frau erleben sich nicht anders beschreiben lässt. Zu Beginn des Romans musste ich mich erst an den Schreibstil von Everett gewöhnen, der oft aus langen, schachteligen Sätzen besteht. Das erlaubt ihm jedoch Situationen und Gefühle sehr detailliert und treffend zu beschreiben. Mit einer großen Emotionalität entführt Everett die Leser in Zach Wells Gefühlswelt, der sich mit der ständig schlechter werdenden Gesundheit seiner Tochter auseinanersetzen muss. Was mir auch gefallen hat, sind die drei verschiendenen Storylines, die von Everett beschrieben werden. So wird neben dem Familienleben auch Zach Wells Unialltag aufgegriffen, sowie eine weitere Story, die schon fast einem Thriller anmutet. Erschütterung ist ein ergreifender, emotionaler Roman, der mich vor allem durch die detaillierte und gefühlvolle Sprache des Autoren beeindruckt hat.
Hörbuch. Mein erstes Buch von Percival Everett, der schon lange auf meiner Leseliste stand. Die Liebe von Zach Wells zu seiner Tochter berührte mich zutiefst, und seinen Schmerz spürte ich eindringlich. Ein Buch über Ängste, Verlust, Trauer – und doch auch über Hoffnung. Klare Leseempfehlung! Ich freue mich auf weitere Bücher von ihm.














