Ausradiert

Ausradiert

Softcover
4.119

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Description

Percival Everett – Autor des Pulitzer-Preis-prämierten Bestsellers »James« Thelonious »Monk« Ellison ist Schriftsteller – und verzweifelt: Seine anspruchsvollen Bücher finden kaum Beachtung, während klischeebeladene »Ghettoromane« über Schwarze gefeiert werden. Aus Wut schreibt er selbst unter Pseudonym einen solch stereotypen, provokanten Roman mit dem Titel »Fuck«. Der Erfolg ist überwältigend. Doch mit dem Ruhm wächst auch das Chaos in Monks Leben. »Ausradiert« ist eine bissige, kluge Satire auf den Literaturbetrieb, kulturelle Erwartungen und die Frage, wer erzählen darf – und wie.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
352
Price
14.40 €

Author Description

Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California in Los Angeles. Er hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrikbände veröffentlicht. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane »Erschütterung« (2022), »Die Bäume« (2023) sein Roman »James« (2024), für den er den National Book Award und den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt, sowie seine brillante Satire »Dr. No« (2025). Im Hanser-Taschenbuch ist »Ausradiert« (2026) erschienen.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
63%
56%
N/A
26%
21%
N/A
57%
68%
16%
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
54%
55%
77%
77%

Pace

Fast0%
Slow0%
Moderate100%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Poetisch (100%)

Posts

4
All
3

Klug geschrieben, aber schwer zugänglich

Ausradiert war für mich ein Buch, bei dem ich etwas zwiegespalten zurückbleibe. Einerseits merkt man deutlich, wie klug, literarisch und pointiert Percival Everett schreibt. Andererseits fiel mir der Zugang zu dem Roman nicht leicht. Der Schreibstil liest sich grundsätzlich flüssig, ist aber dennoch anspruchsvoll und stellenweise etwas sperrig. Inhaltlich steckt viel im Buch. Es geht um Monks ambivalentes Verhältnis zu seinem Leben als Schriftsteller, um die Dynamiken in seiner Familie, um seine Mutter, die zunehmend Hilfe braucht, um verdrängte Familiengeheimnisse und um seine eigene Identität. Gleichzeitig ist Ausradiert auch eine bissige Satire auf den Literaturbetrieb und darauf, welche Geschichten Aufmerksamkeit bekommen – und welche nicht. Viele Themen wirken auch heute noch aktuell, vielleicht sogar mehr denn je. Trotzdem blieb für mich einiges eher auf einer gedanklichen Ebene. Ich habe verstanden, was der Autor sagen wollte, emotional hat es mich aber nicht wirklich erreicht. Schwierig fand ich zudem die längere Passage aus Monks eigenem Roman, in der sehr häufig das N-Wort verwendet wird. Mir ist bewusst, dass das satirisch gemeint ist, trotzdem war dieser Teil für mich unangenehm zu lesen. Insgesamt ist Ausradiert für mich kein schlechtes Buch. Es ist klug, bissig und literarisch stark. Persönlich habe ich jedoch keinen richtigen Zugang dazu gefunden. *unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar

3

Eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Erwartungen an Identität und Authentizität

Muss ein Autor über die Lebenswelt seiner „eigenen“ Ethnie schreiben? Gibt es diese überhaupt? Percival Everett setzt sich in seinem Roman mit gesellschaftlichen Erwartungen an Afroamerikanern auseinander und beleuchtet Fragen von Identität und Authentizität. Thelonius ‚Monk‘ Ellison ist ein gebildeter, aber unerfolgreicher Autor. Er schreibt über europäische Klassiker, die er als seine Lebenswelt betrachtet – aufgewachsen in einen wohlhabenden Elternhaus. Das Problem: Alle seine Werke werden immer im Kontext seiner Hautfarbe eingeordnet. Als dann das stereotype Buch „Ghettoleben“ herauskommt, in dem die Protagonist:innen allesamt POC und ungebildet sind, schreibt Monk aus Frust ebenso ein solches Buch. Über 80 scheußliche Seiten lesen wir einen Auszug aus dem Werk, in denen das N-Wort massiv verwendet wird, sexuelle Handlungen dargestellt werden und Gewalt und Slang das Leben bestimmen. Anonym publiziert Monk sein Buch – und es wird ein Erfolg. Doch ist Monk als Jury-Mitglied eines renommierten Buchpreises damit konfrontiert, dass dieses Buch auf der Shortlist landet. Die anderen Juror:innen sind begeistert: „Dieser Roman muss unter seinen eigenen Bedingungen betrachtet werden; das is’n schwarzes Ding.“ (S. 340) Everett bereitet ein spannendes Fundament über die Frage, worüber geschrieben werden darf und welche Rolle Identität spielt – ähnlich wie Kuangs „Yellowface“. Leider beschränkt sich Everett vor allem auf die subjektive Abscheu des Protagonisten, der zu sehr im Selbstmitleid badet. Ein kritischer Blick auf das Verlagssystem, Hypekurven und Cancel Culture erfolgt nicht. Stattdessen schweift der Text zu oft ab und ist ein Mosaik aus literarischen Zitaten, Exkursen zu Monks Holzarbeit (ein Symbol für einen Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen) und zu seinen anderen Werken. Auch spielt die Familiengeschichte eine große Rolle. Zwar ist es durchaus interessant zu verfolgen, wie Monks Identität immer stärker ausradiert wird (besonders eindrücklich am Beispiel seiner an Alzheimer erkrankten Mutter). Doch als Leser:in verliert man dabei zu sehr den roten Faden. Man muss berücksichtigen, dass das Buch bereits 2001 geschrieben wurde und in der heutigen Zeit kraftvoller gewesen wäre. So bleibt das Buch eher eine persönliche (vielleicht autofiktionale?) Abrechnung mit der Autor:innenwelt, ohne die Mechanismen dahinter zu beleuchten. Die oscarprämierte Verfilmung, American Fiction, macht da einiges besser.

Eine Abrechnung mit gesellschaftlichen Erwartungen an Identität und Authentizität
4.5

Provakation und bissige Satire, die zum Nachdenken anregt💯👍💯 Der Roman Ausradiert von Percival Everett ist eine bissige, satirische und zugleich vielschichtige Auseinandersetzung mit Rassismus, Identitätsfragen und den Erwartungen des Literaturmarkts. Im Mittelpunkt steht Thelonious „Monk“ Ellison, ein intellektueller Autor, dessen anspruchsvolle, kluge Werke kaum Beachtung finden, weil sie nicht den gängigen Vorstellungen von „schwarzer Literatur“ entsprechen. Aus Frustration heraus verfasst er schließlich unter falschem Namen einen bewusst stereotypen Roman – und erzielt damit genau den Erfolg, der ihm zuvor verwehrt blieb. Diese Roman findet quasi im Roman Ausradiert sein Platz, und der Leser hat eine Kostprobe davon, was vom Literaturmarkt gewünscht wird. Mir persönlich ging dieser Roman, der die gefragte und gefeierte Literatur darstellen sollte, gehörig auf die Nerven. Solche Ausdrucksweise begegnet einem zu selten in der Literatur und ich muss gestehen, für mich waren die ganzen "f..." Wörter und "ni...er" schwer zu ertragen. Everett nutzt diese Ausgangslage für eine bissige Satire, die besonders dort überzeugt, wo sie die Widersprüche eines Systems offenlegt, das Authentizität fordert, tatsächlich aber klischeehafte Bilder belohnt. Diese Kritik ist treffend. Gleichzeitig wird Monks persönliche Situation – geprägt von familiären Spannungen und innerer Zerrissenheit – in die Handlung eingebunden, was dem Roman eine zusätzliche emotionale Dimension verleiht, denn er muss den Tod seiner Schwester, Probleme seines Bruders und Demenz seiner Mutter zusätzlich zu seinem Doppelleben verarbeiten. Dennoch zeigt sich auch eine gewisse Schwäche: Die starke Fokussierung auf die satirische Idee führt dazu, dass Figuren teilweise blass bleiben. Monk selbst erscheint trotz seiner Konflikte stellenweise distanziert. Insgesamt ist „Ausradiert“ ein intelligenter und bewusst provozierender Roman, der mit Erwartungen spielt und gängige Denkmuster infrage stellt. Seine Stärke liegt in der Schärfe und Originalität, auch wenn dies gelegentlich zulasten der erzählerischen Nähe geht. Gerade dieses Spannungsverhältnis macht das Buch jedoch bemerkenswert und anregend. Eins kann man dem Autor sicher lassen, wenn provozieren das Ziel war, ich wurde provoziert. Alles in allem eine gelungene, böse Satire. Lesenswert. Das Buch wurde erfolgreich verfilmt und erschien bei Hanser Verlag. Der Film Anerican Fiction wurde Oscar prämiert.

5

Kein einfach zu lesender Roman, aber jede Minute und Seite wert

Werbung, Rezensionsexemplar von netgalley.de Thelonious »Monk« Ellison ist Schriftsteller – und verzweifelt: Seine anspruchsvollen Bücher finden kaum Beachtung, niemand scheint auch nur annähernd zu verstehen, worüber er schreibt. Ein endgültiger Tiefpunkt für ihn ist die Entdeckung eines Romans, der vor sprachlicher Einfachheit und Klischees nur so strotzt. Kurzerhand schreibt er unter einem Pseudonym selbst einen solchen Roman - und hat Erfolg. Dabei verliert er sich selbst immer mehr in den Verstrickungen, denn niemand soll herausfinden, von wem der Roman „Fuck“ tatsächlich geschrieben wurde. Dazu kommen noch Tiefschläge im Bereich seiner Familie, die er irgendwie versucht zu managen. „Ausradiert“ ist kein Roman für zwischendurch. Es gibt viele Einschübe zum Beispiel über Holz und Forellen, dazu immer wieder Rückblicke in seine Kindheit. Zunächst wirkt es ein wenig konfus, aber wer bis zum Ende durchhält, dem erschließt sich auch deren Bedeutungen zum eigentlichen Roman. Es ist eine tragische Satire auf die Konsumgesellschaft, die nur noch etwas Seichtes braucht, egal wie klischeehaft es ist. Die nicht mehr hinterfragt, nicht mehr nachdenken möchte, die zu viel Reizüberflutung ausgesetzt ist, um noch innezuhalten. Es ist auch ein Hinterfragen des eigenen Selbst als Künstler (Maler, Autor, Bildhauer…). Wie weit ist man bereit zu gehen für den Erfolg, wenn dabei das eigene Ich auf der Strecke bleibt, hinter dem schnellen und Geld und Ruhm verschwindet. Oder inwieweit bleibt man sich selbst treu auch wenn dadurch der Erfolg auf der Strecke bleibt? Sprachlich ist es sehr gut zu lesen, selbst die Einschübe sind einfach gehalten. Außer sein Vortrag, der im Prinzip widerspiegelt, wie sich die eigentlichen Romane des Protagonistenlesen. Die Erzählperspektive erinnert mich ein wenig an Margaret Atwood, vieles wirkt banal, wie aus dem Nähkästchen geplaudert - aber man hört trotzdem nicht auf. Der Roman „Ausradiert“ von Percival Everett erscheint am 17.03.2026 im Hanser-Verlag

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