Lázár
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Description
Ausgezeichnet als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2025 | Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2025
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen.
Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.
Book Information
Author Description
Nelio Biedermann, geboren 2003, ist am Zürichsee aufgewachsen. Seine Familie stammt väterlicherseits aus ungarischem Adel, seine Großeltern flohen in den 1950er Jahren in die Schweiz. Biedermann studiert Germanistik und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Sein Roman «Lázár» wird in mehr als zwanzig Ländern erscheinen.
Characteristics
23 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Ungarische Familiengeschichte und geschichtliche Hintergründe
Der 22-jährige Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann erzählt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie in den Fängen des katastrophalen 20. Jahrhunderts - die Geschichte seiner eigenen Familie. Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen. Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.

Ein schöner Roman mit viel geschichtlichen Hintergrund ♡
• Lazar • Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den 20er-Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen. Rezension: Lázár ist eine eindrucksvolle und zugleich gut lesbare Familiensaga. Der Roman beginnt mit der Geburt von Lajos von Lázár auf dem abgelegenen Waldschloss seiner Familie in Ungarn. Mit ihm beginnt nicht nur ein neues Leben, sondern auch ein neues Jahrhundert, das vieles verändern wird. Schon früh spürt man, dass zwischen Lajos und seinem Vater eine seltsame Distanz besteht. Es scheint als leihe ein unausgesprochenes Geheimnis über der Familie. Im Mittelpunkt steht das Leben der Familie Lázár, das von Tradition, Stolz und alten Werten geprägt ist. Doch die politischen Veränderungen in Europa machen auch vor dem Schloss und der Familie nicht halt. Besonders deutlich wird das in der nächsten Generation. Eva und Pista müssen erleben, wie unsicher und bedrohlich ihre Zeit ist, und lernen, ihren eigenen Weg zu finden. Nelio Biedermann erzählt die Geschichte in einer klaren und schönen Sprache. Der Schreibstil ist leicht verständlich, aber dennoch poetisch. Die Figuren sind lebendig beschrieben, ihre Gefühle und Konflikte wirken echt und berührend. Gleichzeitig vermittelt der Roman viel über geschichtliche Hintergründe. Lázár ist mehr als nur die Geschichte einer Familie. Es ist ein Roman über Liebe, Verlust, Hoffnung und die Frage, wie man in schwierigen Zeiten richtig lebt. Eine bewegende Lektüre, die noch lange im Gedächtnis bleibt.
Was bin ich lesend?
Habe wirklich ein paar Tage gebraucht, um mir eine Meinung darüber zu bilden. Ich versuche, meine Gedanken und vorallem Fragen zusammen zu fassen: - War der Schreibstil wirklich schön und beeindruckend? Definitiv. - Was hat es mit diesem doofen Wald auf sich? Warum wurde hier nichts geklärt? - Wieso wurde generell so gut wie nichts geklärt/ aufgelöst in diesem Buch? Das meiste wurde innerhalb weniger Seiten angeschnitten und dann nie wieder erwähnt - Wie kann es sein, dass ein 330-seitiger Familienepos, welcher sich über ca. 60 Jahre erstreckt, Längen hat? - Finde ich es anmaßend, einer historischen Figur (einem echten Menschen) in ihren letzten Momenten kurz vor der Hinrichtung Gefühle und Gedanken anzudichten? Auf jeden Fall. - Ich habe das gesamte Buch über ein konstantes Gefühl von leichtem Ekel, welcher mal mehr und mal weniger wurde, empfunden - War das Ende eins der laschesten und unspektakulärsten, die ich je gelesen habe? Oh ja. - Möchte ich lesen, wie sich eine MINDERJÄHRIGE mit einer Kerze selbstbefriedigt? Hell nah. (Nelio, was zur Hölle ging in deinem Kopf ab, als du das bzw. generell das gesamte Buch geschrieben hast? 👀)
Ungarischer Familienepos
Die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie und ihr Ende wird auf knapp 330 Seiten dem Leser näher gebracht. Die Erzählweise ist sehr dicht, sehr poetisch, teilweise sehr schwülstig. Mir waren es insgesamt zu wenig Seiten. Es wurden viele Phasen ins Lebensabschnitte nur kurz angeschnitten, manches wurde schnell abgehandelt.
Ganz viel Geschichte auf ganz wenig Seiten
Erzählt wird die Geschichte einer Adelsfamilie über mehrere Generation. Dabei passiert gefühlt auf jeder Seite etwas Neues und eine Entwicklung jagt die nächste. Mit dem historischen Hintergrund der Österreich-Ungarischen Monarchie, über die Weltkriege und die Sowjetische Besatzung Ungarns lässt sich das Geschehen und das Handeln der Generationen immer wieder einordnen. Es ist deutlich kein Buch zum entspannen, da die behandelten Themen dafür einfach viel zu ernst sind. Aber das Buch lässt sich trotzdem nicht aus der Hand legen und fesselt einen immer noch ein (meist sehr kurzes) Kapitel zu lesen. Definitiv ein Buch welches man guten Gewissens empfehlen kann. Dennoch wird es wahrscheinlich keines meiner Lieblings Bücher.
Überhyped
Schon wieder so ein Roman, den ich ziemlich überhyped finde. Mir fehlt hier eine konsistente Handlung und eine Charakterentwicklung. Die Story hätte sicherlich das Potenzial gehabt, ein richtiger Familienepos zu werden, wenn man sich drauf einlässt aber dafür reichen eben keine 300-400 Seiten. Ich hätte es besser gefunden, wenn man sich 2-3 Hauptcharaktere aus der Familie aussucht und dann wirklich tiefgehend deren Geschichte erzählt, stattdessen wirkt es auf mich wie ein Stammbaum, der schnell über zahlreiche Generationen runtergerattert wird. Vor allem das Ende war super langweilig und nichtssagend. Nichtsdestotrotz finde ich den Schreibstil sehr stark und bin gespannt, was von Nelio noch kommt.
Lazar“ von Nelio Biedermann ist definitiv kein Buch, in das man sofort leicht hineinfindet. Der Schreibstil und die Erzählweise sind sehr ungewöhnlich – man wird direkt mitten ins Geschehen geworfen, ohne große Erklärungen zu den Figuren oder Zusammenhängen. Gerade am Anfang hat mich das eher überfordert, weil die Geschichte über mehrere Generationen hinweg erzählt wird und vieles erst nach und nach Sinn ergibt. Trotzdem hat mich das Buch irgendwann gepackt. Entweder gewöhnt man sich an diese besondere Art zu erzählen oder man beginnt, genau darin den Reiz zu entdecken. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker entfaltet sie ihre Wirkung. Besonders beeindruckend finde ich, wie originell das Ganze geschrieben ist. Es hebt sich deutlich von der typischen Masse an Familiengeschichten ab und traut sich sprachlich und erzählerisch wirklich etwas Eigenes. „Lazar“ ist sicher kein einfaches Buch und wahrscheinlich auch nicht für jeden Leser geeignet. Aber gerade weil es so anders ist, bleibt es im Kopf. Wer offen für außergewöhnliche Literatur ist und sich auf eine ungewohnte Erzählweise einlassen kann, bekommt hier ein sehr besonderes und mutiges Buch. Für mich am Ende definitiv eine Empfehlung.

Frühreif
Ich kann den Rummel um dieses Buch gut nachvollziehen. Eigensinnig und mutig schafft Nelio Biedermann es tatsächlich auf etwas mehr als 300 Seiten einen Generationenroman zu schaffen, allerdings mit Abstrichen. Das rasante Tempo, in dem der Autor das Publikum durch 3 Generationen schleust, ist eine Herausforderung, macht aber auch den Reiz des Buches aus. Stakkatoartig werden Figuren und Themen eingeführt. Hier ist vollste Aufmerksamkeit gefordert. Das hat mir gefallen. Die Verknüpfung der Fragmente gelingt gut. Ein Großteil der losen Enden werden früher oder später wieder aufgenommen. Schnell ist klar, dass man sich in keiner Geschichte zu sehr einrichten sollte. Trotzdem hätte ich gern etwas länger bei dem ein oder anderen Charakter verweilt. Insbesondere die Schloss Szenen sind atmosphärisch beschrieben und es werden spannende Bilder geschaffen - das Kind mit transparenter Haut, der Junge im Schatten, das blaue Zimmer, der verwunschene Wald. Leider wird kein Motiv vertieft. Besonders zu Beginn habe ich keinen passenden Zugang zur Sprache finden können. Dies lag weniger daran, dass das Buch kompliziert geschrieben ist, aber einige Passagen erscheinen mir wie aus einer Schreibwerkstatt, wieder und wieder überarbeitet, verschoben und künstlich verdichtet. Im Vergleich dazu plätschern andere Stellen ‚normal‘ dahin. So entsteht ein unruhiger Duktus. Im letzten Drittel klingen diese Unstimmigkeiten etwas ab und der Stil wird flüssiger und harmonischer. ‚Lázár‘ zeigt das große Potential des Autors. In diesem Roman ist jedoch alles zu gewollt. Die Bezüge zu namenhaften Schriften von z.B. Proust, E.T.A. Hoffmann oder Virgina Woolf unterstreichen diesen Eindruck, wirken sie vielmehr altklug als inhaltlich fördernd. Ich empfehle das Buch allen, die sich gern mal auf ein bisschen was anderes einlassen wollen und Spaß an Diskussionen zu aktuellen Literaturhypes haben.

Lazar hat mich überrascht und begeistert. Vor allem die Sprache des jungen Autors ist bemerkenswert – sie wirkt fast aus der Zeit gefallen, erinnert an klassische Autoren und große Romane vergangener Jahrhunderte. Dass jemand in der heutigen modernen Welt einen solch ernsthaften und kunstvollen Schreibstil wählt und damit überzeugt, ist für mich ein großer Gewinn. Die Geschichte selbst ist interessant und fesselnd, auch wenn der Zugang zu den Figuren anfangs etwas distanziert bleibt. Gerade dieser Aspekt hat mich zu Beginn eher auf Abstand gehalten – man schaut wie von außen auf die Handlung. Doch mit dem Auftreten von Pista und der Schwester öffnet sich die Geschichte, man tritt näher an die Figuren heran, und plötzlich ist man mittendrin. Diese Entwicklung empfinde ich als eine Stärke des Buches: Es entfaltet sich, je länger man liest. Besonders beeindruckt hat mich, wie reif und bedacht der Autor schreibt. Es ist, als würde man ein Werk in den Händen halten, das nicht von einem jungen Menschen, sondern von einem erfahrenen Literaten stammt. Ein gelungenes, atmosphärisch dichtes Debüt, das Lust macht, mehr von diesem Autor zu lesen.
Das Gefühl, das ihn beim Lesen überkommen hatte, war wie jenes, das ihn nach dem Tod seiner Mutter jahrelang begleitet hatte. Es war das Gefühl, die ihm bekannte Welt sei wie eine versunkene Stadt, deren Denkmäler und Gebäude, Kirchtürme und Paläste man zwar unter der Wasseroberfläche noch sehen kann, deren Zeit aber nie mehr zurückkehren wird. - Zitat, Seite 191 Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Nelio Biedermann ganz sicher nicht, was sein aktueller Roman eindrücklich beweist. Mit dieser Familiengeschichte setzt er sich ein Stück weit mit seiner eigenen Vergangenheit bzw der seiner Vorangegangenen auseinander, denn seine adeligen Großeltern väterlicherseits flohen in den 1950er Jahren aus Ungarn in die Schweiz. Aber gleichzeitig ist diese Geschichte auch ein Rückblick auf ein vergangenes Jahrhundert in Europa. Ein Jahrtausend in seinen letzten Zügen, geschildert von einem jungen Mann, geboren 2003, der vielleicht wie eine Figur im Roman das Gefühl hatte, "als müsse er alles Wichtige aufschreiben, als würden ihm die Dinge sonst entgleiten, als würden sie erst durch die von ihm vollführte Materialisierung ihre Gültigkeit erhalten." (Zitat, Seite 40). Geradezu märchenhaft ist der Anfang des Romans, in welchem von der Geburt eines "Glaskindes" (und kurz blitzt das Werk von Salman Rushdie mit seinem magischen Realismus in unseren Köpfen auf) berichtet wird. Allerdings ein eher düsterer Stoff, wozu auch die Lage des Schlosses passt, welches an ein Waldgebiet grenzt und an dessen Rändern an diesem Drei-Königstag noch "der Schnee des verendeten Jahrhunderts" liegt. Lajos von Lázár erblickt in einem beginnenden Jahrhundert das Gesicht der Welt, einer Welt, die im Niedergang begriffen und von Jahren voller Krieg und Krisen, im persönlichen, aber vielmehr auch im öffentlichen Raum, gezeichnet werden wird. Der Autor verknüpft jedoch nicht nur historische Ereignisse mit der Vita seiner Figuren, er ordnet ihren Geschichten auch Elemente aus der Literatur zu. Und plötzlich lesen wir auf Seite 162 den Satz: "Lange Zeit war er früh schlafen gegangen." - Hoppla, aber was ist das denn? Vorangegangene Anspielungen dürften vielleicht noch als Hommage an klassische Texte begriffen werden, aber ist dieser schon fast provokant erscheinende Raub an Prousts legendären Anfangszeile einfach nur ein Novum? Darf sich der Schriftsteller an der Literatur des 20. Jahrhunderts schadlos halten? Zweifellos kann er es und schlägt mit dieser gewagten Methode Brücken zwischen Text und Leserschaft. Lesende, die sich der sogenannten Weltliteratur verbunden fühlen, werden hier abgeholt, weil ihr erworbenes Verständnis für Menschen der beschriebenen Zeit mit den Figuren im Roman in den Kontext gerückt wird. Und Lesende, die in dieser literarischen Zeit eher nicht zu Hause sind, werden durch die Benennung großartiger Werke vielleicht dazu motiviert, sich mit dem einen oder anderem Klassiker auseinander zu setzen. Gelungen ist auch die Perspektive durch einen allwissenden Erzähler. Denn Nelio Biedermann ist ein Kind des 21. Jahrhunderts und aus dieser Position heraus erzählt er die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ob beabsichtigt oder nicht: manche Wörter oder Formulierungen passen nicht zum historischen Thema, aber können wie Stolpersteine oder als Gedankenanstoß wirken. Außerdem ist er mutig genug, die Lücken im Fotoalbum einer Familie mit weniger angenehmen, aber sehr realistisch wirkenden Bildern zu ergänzen. Seine Protagonisten sind dabei keine strahlenden Helden, sondern ambivalent und authentisch gestaltet. Es sind Menschen, die sich weg ducken, wenn unangenehme Situationen auftreten. Menschen, die sich anpassen und es nicht wagen, für andere einzutreten. Die ihre Ideale verkaufen für ein Linsengericht. Lázár bietet ein unglaublich temporeiches Leseabenteuer an, der Roman erschüttert und entzaubert, doch lässt er doch am Ende mit ganz viel Hoffnung zurück. Denn endlich bleiben diese drei: die Liebe, das Leben und zuletzt - die Literatur! FAZIT "Während ich las, sang ich innerlich seine Prosa ..." Es war ein Zufall, dass ich vor dieser Lektüre "Combray" bzw den ersten Teil von Prousts "Recherche" las. Sicherlich wurde Nelio Biedermann von diesem Text inspiriert zu einer frühlingshaften Liebesszene, gesäumt von Büschen und Bäumen, in der ein blütenzarter Kuss geschenkt wird. Auf jeden Fall ist es dieser Textausschnitt, den der junge Schriftsteller auf der FBM 25 vorträgt, nach dem wirklich katastrophalen Interview der ZEIT Redaktion (was nicht dem Schriftsteller geschuldet ist), und der mein Interesse für den Roman geweckt hat. Drei Fragen hätte ich dann noch an den Schriftsteller: Wie viel Glück verträgt eine gute Geschichte? Was braucht der Mensch nötiger: Fiktion oder Fakten? Und zuletzt noch eine persönliche Frage: Hast Du selbst eine Schwester, Nelio Biedermann? Am 16. November wird der Schweizer Buchpreis im Foyer des Theaters Basel verliehen. Beide Daumen meiner Hände sind gedrückt. Unbedingt lesenswert.
Puh schwierig. Hat mir nicht gut gefallen. Viele Dinge wurden nur angeschnitten, wenig wurde zu Ende besprochen, manches kam einmal vor und dann nie wieder. Trotz nur wenigen Seiten und einer langen behandelten Zeitspanne gab es deutliche Längen. Zwischenzeitlich auch einfach abstoßende Beschreibungen. Echt nicht mein Buch!
Ein Untergang in Zeitlupe
Der Roman Lázár von Nelio Biedermann erzählt vom Niedergang einer ungarischen Adelsfamilie über mehrere Generationen. Im Zentrum steht Lajos von Lázár, ein rätselhaftes Kind, das in eine Welt hineingeboren wird, die bereits im Zerfall begriffen ist. Während politische Umbrüche und Kriege das 20. Jahrhundert prägen, verliert die Familie nach und nach ihren Besitz, ihren Status und ihren Halt. Persönliche Schicksale und große Geschichte greifen dabei eng ineinander. Die Atmosphäre kippt von märchenhaft zu düster und zeigt, wie die Familie dem Lauf der Zeit nicht standhalten kann. Mich hat das Buch nicht richtig reingezogen, obwohl die Grundidee stark ist. Es bleibt über weite Strecken distanziert – ich war eher Beobachterin als Teil der Geschichte. Die Figuren sind für mich nicht richtig greifbar geworden, auch Lajos nicht, obwohl er im Zentrum steht. Dadurch hatte ich emotional wenig Anknüpfung, vieles blieb kühl und auf Abstand. Außerdem hat mich die Erzählweise nicht immer getragen. Die Zeitsprünge und Wechsel wirken stellenweise sprunghaft, sodass ich immer wieder neu einsteigen musste. Die Atmosphäre ist zwar besonders und gut aufgebaut, aber sie ersetzt für mich keine echte Bindung zur Handlung.
Atmosphärische Familiengeschichte mit magical realism
Der Roman erzählt die Geschichte von Lajos und seinem Sohn Pista vor dem Hintergrund Ungarns während der beiden Weltkriege. Dabei entsteht ein eindrückliches Bild einer Zeit, die geprägt ist von Umbrüchen, Verlust und gesellschaftlichen Spannungen. Was mich besonders überzeugt hat, war die Stimmung: durchgehend intensiv, fast greifbar. Eine gewisse Schwere zieht sich durch die Handlung, ohne erdrückend zu werden und immer wieder durchzogen von Momenten, die Hoffnung aufscheinen lassen. Auch die Elemente des Magical Realism sind unglaublich stimmig eingesetzt. Sie wirken nie aufgesetzt, sondern fügen sich ganz selbstverständlich in die Erzählung ein und verstärken die besondere Atmosphäre noch einmal. Die Figuren sind vielschichtig, lebendig und bleiben im Kopf. Unterschiedliche Perspektiven machen die Geschichte komplex und geben ihr Tiefe. Jede Figur bringt ihre eigene Realität und ihre eigenen Konflikte mit. Mein Fazit: Ein intensiver, atmosphärisch sehr dichter Roman mit starken Figuren und einem besonderen erzählerischen Ton. Für mich ein echtes Highlight.
Lajos von Lázár kommt um die Wende zum 20. Jahrhundert im Waldschloss seiner ungarischen Adelsfamilie zur Welt. Er wird in eine düstere Stimmung geboren, geprägt vom Verschwinden des Großvaters im ebenso düsteren, das Schloss umgebenden Wald, und vom scheinbaren Wahnsinn seines Onkels Imre, der den Stücken von E. T. A. Hoffmann verfallen ist. Wir verfolgen Lajos Lebensweg und den seines Sohnes und Enkelsohnes durch die folgenden Jahrzehnte, durch die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg, bis in den kalten Krieg und von Ungarn in die Schweiz. Ja, es ist ein Hype-Buch, ausgezeichnet als Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen 2025 und in zig Sprachen übersetzt. Andererseits kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Buch wegen dieses Hypes auch ganz besonders unter die Lupe genommen wird und zahlreiche sehr negative Reaktionen hervorruft. Inwiefern diese gerechtfertigt sind, kann ich nur mit meiner absolut laienhaften, subjektiven Meinung beurteilen. Der Stil ist tatsächlich zunächst sehr blumig und gelinde gesagt ungewöhnlich für einen so jungen Mann im 21. Jahrhundert. Ich persönlich mag ihn. Doch genauso wie die Stimmung im Buch ändert sich auch die Sprache im Verlauf der Geschichte, denn andere Teile des Buches orientieren sich an anderen sprachlichen Vorbildern, etwa Marcel Proust oder Thomas Mann. Ich habe mir sagen lassen, dass von Proust einiges übernommen wird, dazu kann ich nichts sagen, ich habe Proust nicht gelesen. Mir gefällt die Anpassung der Sprache an die Zeit und an verschiedene, diese prägende literarische Vorbilder, ausgesprochen gut und meiner Meinung nach liest sie sich auch sehr gut. Die Geschichte basiert locker auf Biedermanns eigener Familiengeschichte und veranlasst zum Recherchieren und Nachlesen von Stammbäumen und politischen Sachverhalten, ein weiterer Aspekt, den ich an einem Buch sehr schätze und der mir darüber hinaus klargemacht hat, wie wenig ich über Ungarn weiß und dass ich, wenn ich mich recht erinnere, noch nie ein Buch ungarischer Herkunft gelesen habe (was sich unbedingt ändern soll). Zusammenfassend stelle ich fest, dass mir dieses Buch wirklich gefallen hat. Als Meisterwerk würde ich es jedoch nicht bezeichnen. Ich möchte abschließend noch kurz auf zwei Vorwürfe eingehen, die ich in Bezug auf das Buch oft lese. Erstens, die vielen ach so schrecklichen Sexszenen. Davon hatte ich so oft gehört, dass ich schon mit Pornografie gerechnet hatte. Zu meiner Überraschung kamen dann zwar durchaus häufige, aber kurz gehaltene und in meinen Augen harmlose Schilderungen sexueller Handlungen. Auch Andeutungen von Missbrauch sind vorhanden, hierfür wendet Biedermann interessant eingesetzte Stilmittel an. Diesen ersten Vorwurf kann ich schon einmal gar nicht nachvollziehen. Der andere ist der, das Buch sei mit KI geschrieben. Ich bin keine Expertin, nutze KI selbst so gut wie gar nicht. Natürlich will ich meine Kunst KI-frei. Aber auch wenn ich nicht weiß, was KI beim Schreiben schon leisten kann, das Buch stellt Bezüge her, die sicher über einen Großteil der Geschichte spannen, und die Sprache ist wie schon festgestellt variantenreich, sodass ich nicht daran glaube. Sollte es doch so sein, ziehe ich es vor, darauf hereinzufallen, als dem jungen Autoren so etwas zu unterstellen. Ich bin gespannt, was von Nelio Biedermann als Nächstes kommt.
Ein Leserausch
Mich hat das Buch magisch angezogen und genauso magisch hat es sich gelesen. Magischer Realismus. Kaum zu glauben wie viel Geschichte in eine eher übersichtliche Seitenanzahl passt. Gerade die Familiengeschichte überzeugt mich auf ganzer Linie. Die Charakter sind skurril, die Sprache blumig bis derb und die Erlebnisse in meinem Kopf waren ein einziges Feuerwerk. Ich kritisiere ausdrücklich, dass dieses Buch ein erhebliches Maß an Vorwissen über Geschichte und Literaturgeschichte voraussetzt. Den Preis der Unabhängigen wird es nicht zuletzt wegen seiner häufigen Anspielungen und Formulierungshommagen an bekannte und weniger bekannte Literat:innen erhalten haben. Erstaunlich wuchtiges Buch, dass so viel Raum zur Interpretation der Charakter lässt, dass es süchtig macht - über den letzten Punkt hinaus. Sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen.
Familiengeschichte über ein Jahrhundert im Habsburgerreich und dem späteren Ungarn
Nelio Biedermann hat mich mit seiner sehr bildhaften Sprache gefesselt und beeindruckt. Manchmal haben mich die langen Sätze aber auch sehr gefordert, um seinen Ausführungen folgen zu können. Worum geht's? Wir begleiten die adlige Familie Lázár durch die ereignisreiche Zeit von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre. Dabei lernen wir die Familie über viele Generationen vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse in Österreich-Ungarn kennen. Zu Beginn schreitet die Handlung sehr zügig voran (mir schon fast ein wenig zu schnell). Vieles dreht sich um Liebesbeziehungen zwischen Männern und Frauen sowie gesellschaftlichen Konventionen. Ab den 1930er Jahren verliert die Handlung an Geschwindigkeit und man hat Gelegenheit etwas tiefer in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere kennenzulernen. Insbesondere die politischen Verhältnisse in Ungarn nach dem Ende des 2. Weltkriegs, der Einfluss der Sowjetunion und die Deportation von Aristokrat*innen durch die Kommunist*innen waren mir so nicht bekannt und haben einmal mehr meine geschichtlichen Wissenslücken gezeigt, die ich jetzt gerne schließen möchte. Manche Personen werden anfangs detaillierter eingeführt, später werden sie nur noch am Rande erwähnt. So hätte ich bspw. gerne mehr von Ilonas Flucht und späteres Leben in den USA erfahren. Die Sprache von Nelio Biedermann sehr poetisch, grausame Ereignisse schildert er sehr plastisch und können evtl. verstörend wirken, wie folgendes Zitat von S. 206 zeigt: "Mitte Juni hatte ein Soldat einen älteren Mann mit seinem Gewehrkolben totgeprügelt, weil dieser ihn angeblich schief angesehen hätte. Das aus der Höhle gesprungene Glasauge des Alten hatte er als Souvenir eingesteckt."

Sprachliche Hommage an die Düsternis und den Wahnsinn
"Lázar" ist zeitgeschichtlich interessant, weist eine gute Charakterisierung von Familiendynamiken und Persönlichkeiten auf und ist sprachlich beeindruckend. Nichtsdestotrotz hat es mir persönlich keine Freude gemacht, das Buch zu lesen. Ich hatte insgesamt nicht das Gefühl, dass ich interessante Gedanken oder Anregungen aus der Lektüre mitnehmen konnte. Im Gesamtkontext haben die teils verstörenden Szenen für mich persönlich keinen Sinn ergeben, außer dass sie außergewöhnlich und gut beschrieben wurden. Ich habe mir oft einfach nur gewünscht, dass jemand in die Familie geboren wird, der eine gesunde Lebenseinstellung entwickelt und die Chance auf ein zufriedenes Leben hat. Vielleicht war das Ende insofern ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Abbruch nach 69 Seiten
Das mochten doch alle, also was stimmt mit mir nicht? Vielleicht bin ich zu simpel gestrickt, für so viel lyrische Sprache und all die rhetorischen Figuren, zwischen denen mir offensichtlich entgangen ist, was da überhaupt Interessantes in dem Buch passieren soll, weswegen ich mich leider etwas langweilte. Und am Ende wurden mir dann doch zu viele Kissen zwischen zu viele unterschiedliche Frauengenerationsbeine geschoben, um der nicht erfüllten Lust zu begegnen.
Trotz erzählerischer Unübersichtlichkeit und kleiner Schwächen in der Figurenzeichnung finde ich das Buch insgesamt großartig. Es ist anspruchsvoll, manchmal anstrengend, aber sprachlich so stark und gedanklich so reich, dass es nachhaltig beeindruckt.
Der Roman überzeugt vor allem durch seine bildgewaltige, wunderschöne Sprache. Die Sätze sind jedoch oft so sprunghaft und metaphorisch, dass man der Handlung nicht immer mühelos folgen kann – man muss viel zwischen den Zeilen lesen. Doch genau dort liegt die Stärke: In einer scheinbar einfachen Geschichte verdichtet der Autor bemerkenswerte Lebensweisheiten wie: „Vielleicht ist man gar nicht sein Leben lang derselbe Mensch, hatte sie gedacht. Vielleicht ist man verschiedene Menschen, die anders denken, fühlen und aussehen und nur durch denselben Namen zusammengehalten werden.“ Stilistisch erinnert vieles deutlich an Thomas Mann – ein Vergleich, der für mich absolut berechtigt ist. Selbstironische Momente und zahlreiche zitierwürdige Passagen machen die Lektüre immer wieder zum Vergnügen. Gleichzeitig erschweren die sehr schnellen Figurenwechsel und die plötzliche Einführung neuer Personen den Zugang. Manche Charaktere bleiben dadurch skizzenhaft, besonders weibliche Figuren wirken stellenweise klischeehaft (etwa definiert durch die Lektüre von Simone de Beauvoir oder Virginia Woolf). Auch die vielen, bewusst unerotischen Sexszenen können mitunter ermüden – erfüllen aber klar ihre Funktion als Mittel, um Macht sowie Nähe und Distanz darzustellen.
Die Familie Lazar, Baron Sandor mit Frau Maria, Tochter Ilona und Sohn Lajos, lebt im düsteren Schloss am Waldrand in Ungarn. Ihr eintöniges Leben wird von den Kurwochen in Heviz unterbrochen. Innerhalb der Familue bleibt man sich fremd und wir erleben mit, wie alles zerbricht. Lügen Betrug, Unverständnis und Lieblosigkeit prägen den Alltag bis sich alles ändert. Das Ende der Habsburger Monarchie mit dem Ende des 1. Weltkriegs wird symbolisch dem Untergang der Familie gleichgesetzt. Doch es geht weiter. Wir begleiten die Nachkommen bis in die Zeit des Kommunismus und erleben den Wandel in Gesellschaft und Familie. Der Schreibstil ist blumig, ausschweifend, detailverliebt. Und gleichzeitig kann man sich gut in die Situationen und Gegenden hineinfühlen. Die Worte strömen leicht und flüssig dahin und es bereitet Vergnügen, sich hinein fallen zu lassen. Gleichzeitig steht dagegen die Schwere und Melancholie im Waldschloss. Fast greifbar ist hier die Düsternis und depressive Stimmung. Andere Situationen werden knapp und nüchtern beschrieben und bleiben der Fantasie des Lesenden überlassen. Der geschichtliche Verlauf wird nur punktuell angerissen. Hier geht der Autor nicht in die Tiefe, was auch nicht nötig ist, da die Auswirkungen der politischen Veränderungen die Änderungen im Leben der einzelnen zeigen sollen. Wobei mir der Zusammenhang zwischen der Tätigkeit eines Protagonisten und seiner charakterlichen Veränderung zu oberflächlich blieb. Die Charaktere sind unterschiedlich gut gelungen. Während die Kinder in ihrer Gefühlswelt und Entwicklung gut und nachvollziehbar beschrieben sind, gelingt dies bei den älter werdenden Menschen nicht mehr so mühelos und tiefgründig. Die äußeren und gesellschaftlichen Veränderungen bleiben in der Gefühlswelt der alt geworden Familienmitglieder oberflächlicher, dafür wendet sich der Autor wieder verstärkt der nachrückenden Generation zu. Das ist nicht schlecht gemacht, aber plötzlich wurde ein Charakter blass. Das ist schwer erklärbar und hängt wahrscheinlich mit dem jugendlichen Alter des Autors zusammen, der uns zukünftig hoffentlich mit weiteren Werken überraschen wird. Der blumige Schreibstil macht das Lesen anschaulich und die Entwicklung der Familie ist spannend. Bis auf ein paar kleinere Längen und o.g. Anmerkungen ist es eine gute, nachhaltige Geschichte, die mal in einer nicht so häufig beleuchten Gegend spielt und in die bewegte Zeit der Weltkriege einen anderen Fokus setzt. Das hat mir gefallen.
Was für ein Rausch! Auf gerade einmal 331(!) Seiten treten auf: die ungarischen Buddenbrooks. Und sie feiern ein literarisches Fest. Nelio Biedermann gelingt hier etwas, das selten ist, nämlich ein unglaublich rasanter und gleichzeitig emotioal bewegender Ritt durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Familienepos zwischen Realismus und Mystik, gespickt mit zahlreichen literarischen Bezügen und voller sprachlicher Schönheit. Zauberhaft.
eine Familiengeschichte über mehrere Generationen
Lajos von Lázár wird geboren und somit beginnt diese Familiengeschichte über mehrere Generationen im Waldschloss im südlichen Ungarn mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Mutter ist die schöne Baronin Mária, welche mit der Geburt ein Geheimnis mit sich trägt. Seinem Vater Sándor, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein. Früh erkennt Lajos, dass es klüger ist, sich unsichtbar zu machen – und so verbringt er seine Kindheit in stiller Zurückgezogenheit. Doch mit dem Zerfall des Habsburgerreichs gerät nicht nur die ungarische Adelsfamilie ins Wanken; das Beben der Zeit erfasst eine ganze Epoche. Lajos wird älter und tritt in den zwanziger Jahren sein Erbe an - er heiratet, wird Vater und versucht den alten Glanz noch einmal neu in die Familie zu integrieren. Es folgt die Zeit des Zweiten Weltkrieges, die Zeit der Enteignung und Stalinisierung bis hin zur Flucht in die Schweiz der Kinder Eva und Pista. Der historische Kontext des Romans ließ mich stellenweise innehalten – die Inhalte waren fordernd und keine leichte Kost. Doch genau das hat mir gefallen und macht für mich einen "lesenswerten" Roman aus. Besonders die Gestaltung der Hauptfiguren empfand ich als äußerst gelungen. Ihre Persönlichkeiten waren authentisch beschrieben, sodass in meinem Kopf ganz eigene Bilder entstanden. Auch der Schreibstil hat mich überzeugt. Anfangs erschien er eher konservativ, doch im Verlauf wandelte er sich und gewann an Modernität – ganz im Einklang mit dem jeweiligen historischen Kontext. Manche Passagen wirkten auf mich beinahe poetisch und verliehen dem Text eine besondere Note. Ein Roman über Existenzen, Träume, Schicksalsschläge, Geheimnisse und den Kampf ums Überleben, der mich persönlich überzeugt hat. Ich durfte ein kleines LeseHighLight entdecken.
Nelio Biedermann baut eine dichte Atmosphäre um den Adelssitz auf und stellt sein schriftstellerisches Können mit einem schönen Schreibstil unter Beweis.
Die erste Enttäuschung des Jahres 2026. Ich hatte mich so auf Lazar gefreut. Eine Familiengeschichte über den Aufstieg und Fall einer ungarischen Adelsfamilie, mehrere Jahrzehnte und Generationen umfassend. Nelio Biedermann baut eine dichte Atmosphäre um den Adelssitz auf und stellt sein schriftstellerisches Können mit einem schönen Schreibstil unter Beweis. Leider trieft dieses Buch geradezu von Sexszenen. Auf jeder vierten Seite toben die Figuren durch die Betten. Mir erschloss sich der Sinn dieser Szenen absolut nicht und ich fand sie nur nervig und überflüssig. Richtig schade, denn dieses Buch hätte wirklich Potenzial gehabt. Besonders wenn der Wald zur Sprache kam, der den Adelssitz umgibt. Der Wald, der manche Familienmitglieder schon verschluckt und nie wieder gehen ließ und andere Mitglieder schier in den Wahnsinn trieb. Es gibt so viele interessante Andeutungen, Kinder, die sich mit Schatten unterhalten, Brüder die wahnsinnig wurden nach der Lektüre E.T.A Hoffmanns und ein einsames Dasein eingesperrt in einem Zimmer fristen müssen. Ich hab dem Buch 150 Seiten gegeben aber die vielen Sexszenen haben mir das Buch leider ganz schön vermiest...
Nelio Biedermann verarbeitet in "Lázár" die Erfahrungen seiner eigenen Familie - einer ungarischen Adelsfamilie, die im sozialistischen Ungarn ihre Güter verlor und in der letzten Generation, die er uns vorstellt, in die Schweiz fliehen musste.
Der Roman beginnt mit dem Leben des Grossvaters Sándor und seiner feinsinnigen Frau Maria, die in einem abgelegenen Schloss wohnen, das von einem mystischen Wald umgeben ist. So mancher scheint schon im dichten Wald verschwunden zu sein, und beinahe passiert das auch der Tochter der beiden. Ihr Sohn übertrifft seine Mutter in Zartheit und Feinsinnigkeit und tut sich schwer mit dem Weg, der für ihn vorherbestimmt ist. Die historischen Ereignisse, insbesondere die beiden Weltkriege und die sich anschliessende Sowjetdiktatur, führen zu zahlreichen Veränderungen für die Familie. In der Zwischenkriegszeit ist es vor allem die nächste Generation, die das Familienleben prägt - Lajos und seine Frau Lilly. Lajos rettet den Familienbesitz durch die Zeiten. Aber er kommt auch, trotz innerer Distanz zum faschistischen System, seinen gesellschaftlichten Pflichten nach und wird damit zum Täter. Die dritte Generation, Pista und seine Schwester Eva, werden durch den zweiten Weltkrieg und das stalinistische Ungarn geprägt. Dieser Teil hat mich besonders berührt, weil sich mir hier ein Stück Historie eröffnet hat, über das ich bisher noch wenig mehr wusste als die Jahreszahl 1953 für den Volksaufstand in Ungarn. Nelio Biedermann verbindet in seinem Buch immer wieder das private Erleben in der Familie mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen und erzählt von den Entwicklungen, aber auch von den Grenzen seiner Protagonisten, die zu Affären, Alkoholismus, Depression oder Suizid führen. So bleibt das Glück der Familie trotz Besitz, Status und Bildung fragil. Interessant ist auch, dass der Autor vielfach auf literarische Vorlieben seiner Protagonisten verweist, sei es auf Tolstoi, Dostojewski, Sándor Márai oder auch auf Simone de Beauvoir und Virginia Woolf. Aber nicht nur das Lesen, auch der Drang zu Schreiben wird thematisiert. Beeindruckend sind auch Nelio Biedermanns Vielfalt der Stilmittel, seine poetische Sprache, seine Pointen, seine psychologische Tiefe und seine präzise Verdichtung. Sein Roman ist eine Geschichte von Verlust und Neuanfang, die für sich einzigartig ist, die aber auch stellvertretend für viele Familiengeschichten im letzten Jahrhundert stehen kann, selbst wenn nicht Schlösser und Juwelen verloren gingen, aber doch Sicherheit und Freiheit. Auch in diesem Sinne habe ich das Buch mit grossem Gewinn gelesen.

Ich habe Lázár innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Der Schreibstil ist zwar gewöhnungsbedürftig und etwas schwülstig, hat mich aber irgendwie in seinen Bann gezogen. Die Geschichte selbst war interessant. Es blieb allerdings alles ein bisschen an der Oberfläche, weil das Buch für eine Familiengeschichte verhältnismäßig kurz ist. Kenner haben sicher ihre Freude an dem eingestreuten Hinweisen auf Klassiker der Literatur. Ich selbst habe nicht genug Kenntnis und kenne höchstens die Namen der Schriftsteller, nicht jedoch die Werke. Alles in allem hat mich das Buch einerseits gefesselt, blieb andererseits für meinen Geschmack etwas zu sehr an der Oberfläche.
Blüte und Fall einer aristokratischen Familie in Ungarn
Selbst nach 120 gelesenen Seiten hat mich Lazar noch immer nicht „gepackt“. Ich hab‘s zu Ende gelesen, wahrscheinlich aber nur, weil es Lesekreis-Lektüre war. Die Geschichte bleibt für mein Empfinden belanglos, eher eine lose Abfolge von Ereignissen als ein fesselnder Roman. Entsprechend ertappte ich mich zunehmend dabei, gelangweilt „drüberzulesen“. Die zahlreichen Zeit- und Erzählsprünge wirken für mich weniger weniger spannend als konstruiert – etwa wenn Lajos beim Psychologen „zum ersten Mal darüber spricht“, ohne dass klar wird, worüber eigentlich? Mir wird auch die Aufteilung der Kapitel nicht klar. Stilistisch schwächelt das Buch an einigen Stellen: die erzählten Sexszenen geraten seltsam plump „sie nahm ihn bis zum Anschlag auf“, andere Stellen wirken seltsam metaphorisch, wenn etwa die Apfelbäume viele Birnen tragen… Zudem tauchen zwischendurch kurze Episoden auf, bei denen ich nicht einmal sicher war, um welche Figur es gerade geht (erst fünf Seiten weiter wird klar: ach, es geht um Stalin - warum auch immer…). Positiv finde ich die klare Darstellung, dass politische Extreme – egal ob Nazis oder Kommunisten – erschreckend ähnliche Muster bei der Umsetzung von Diktatur verfolgen. Diese Beobachtung ist stark und bleibt hängen - wie insgesamt die Erzählung stärker wird, wenn sie näher an die Gegenwart rückt. Ich kann leider nicht nachvollziehen, warum dieses Buch den Preis der unabhängigen Buchhandlungen gewonnen hat.

•Famose Geschichte •Famos erzählt •Famoses Cover
Lázár hat mich sofort mit seinem märchenhaften, schwebenden Stil gepackt. Diese Leichtigkeit macht den Roman schnell lesbar und verleiht ihm eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig gibt es Passagen, die deutlich sachbuchhafter wirken – nüchtern, fast protokollierend –, was interessante Kontraste schafft, auch wenn es den Fluss kurz unterbricht. Der offene Schluss hat mir besonders gefallen. Vieles bleibt bewusst im Ungefähren, und obwohl inzwischen klar ist, dass der Roman autobiografisch grundiert ist, legt Biedermann nicht offen, welche Figuren tatsächlich seine Vorfahren sind. Dieses Schweigen passt perfekt zur Mischung aus Erinnerung, Legende und Fiktion. Beeindruckend ist zudem, wie jung der Autor ist. Mit gerade einmal 19 Jahren stellt sich die spannende Frage, ob er es schafft, sich langfristig als Autor zu etablieren – das Talent dafür zeigt sich hier deutlich. Im literarischen Feld, in dem etwa Kim de l’Horizon aus der Schweiz mit Blutbuch für eine radikal innovative, nonbinäre Erzählweise ausgezeichnet wurde, wirkt Biedermanns Ansatz traditioneller, aber nicht weniger eigenständig. Er sucht nicht die sprachliche Grenzüberschreitung, sondern die atmosphärische Verdichtung – und das gelingt ihm erstaunlich gut. P.S. Die Episode mit der Gurke und der schwangeren Frau am Ende haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Ich verstehe nicht ganz, warum sie im Roman Platz gefunden haben – vielleicht als symbolische Brechung, vielleicht als biografischer Splitter –, aber für mich bleiben diese Motive eher rätselhaft als erzählerisch notwendig.

Das Buch hat mich richtig gecatcht! Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen, sobald ich einmal angefangen hatte. Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürfrig und auch etwas unerwartet aber er hat mir sehr gefallen, das Buch wäre auch ohne diesen Schreibstil nur halb so interessant. Die Geschichte an sich ist auch total fesselnd, etwas verstörend aber unglaublich interessant. Die Themen sind natürlich keine leichte Kost und ein paar Szenen sind auch sehr explizit, aber alles in allem ein top Buch. 🪴

Ich bin einfach nicht richtig warm geworden mit diesem Buch. Alle Figuren wirkten so entrückt, wie in einem Traumkarussell, das sich schnell dreht. Das allerdings hat mir gefallen, wenn darunter eben auch die Bindung zu den Figuren gelitten hat. Allein der jüngsten Generation bin ich näher gekommen, jetzt wüsste ich gerne, wie es ihnen ergangen sein wird.
Sprachlich beeindruckend und atmosphärisch dicht!
In einem Seminar zu historischen Dramen habe ich mich vor kurzem intensiv mit dem Habsburgerreich und seinem Zerfall beschäftigt. Auch Nelio Biedermanns Roman »Lázár« setzt in dieser Umbruchszeit an und erzählt von einer Familie, deren Geschichte untrennbar mit dem Ende dieser alten Ordnung verbunden ist. Im Zentrum steht die ungarische Adelsfamilie von Lázár, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem abgelegenen Waldschloss lebt – einerseits noch getragen von adeliger Selbstverständlichkeit, andererseits bereits überschattet vom politischen Zusammenbruch der Monarchie. Mit der Geburt von Lajos wächst ein Kind in eine Welt hinein, die im Verschwinden begriffen ist. Über mehrere Jahrzehnte begleitet der Roman die Familie durch Krieg, Enteignung und Vertreibung und zeigt, wie sich mit jeder Generation ihr Verhältnis zu Herkunft und Zugehörigkeit verschiebt. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte des Autors entsteht so das Porträt einer Familie, deren privaten Brüche die politischen Erschütterungen des Jahrhunderts spiegeln. Seine eigentliche Kraft entfaltet »Lázár« in der Sprache. Schon der erste Satz erzeugt eine eigentümliche Sogwirkung und etabliert einen Ton, der sich bewusst von gegenwärtigen Erzählweisen absetzt. Lajos wird als „durchsichtiges Kind mit den wasserblauen Augen“ in die Geschichte eingeführt. In diesem Bild liegt bereits eine Vorahnung des Fragilen, das die folgenden Generationen prägt. Die angedeutete Durchlässigkeit setzt sich im Verlauf des Romans fort und spiegelt den inneren Zustand der Figuren: ihre Verletzlichkeit, ihre Fremdheit in der eigenen Herkunft und ihre Unsicherheit in einer Welt, die sich zunehmend auflöst. Biedermanns Stil wirkt wie aus einer anderen Zeit, ohne dabei zu anspruchsvoll oder distanziert zu erscheinen. Seine Sprache ist ruhig und von präziser Bildlichkeit getragen. Immer wieder durchziehen Naturmotive den Text und verdichten die Atmosphäre. Besonders gelungen sind die literarischen Verweise, die immer wieder in die Handlung einfließen. So verliert sich etwa eine der Figuren immer tiefer in den Nachtstücken von E.T.A. Hoffmann, bis die Grenze zwischen Imagination und Wirklichkeit zunehmend zu verschwimmen beginnt. Eine spätere Generation kommt durch Autorinnen wie Simone de Beauvoir und Virginia Woolf mit neuen Vorstellungen von Selbstbestimmung in Berührung. Für mich als Literaturwissenschaftlerin waren diese Momente eine große Freude, weil sie zeigen, wie sehr Literatur hier das Denken, Fühlen und Selbstverständnis der Figuren prägt. Gleichzeitig bleibt »Lázár« trotz dieser intertextuellen Bezüge ein sehr zugänglicher Roman. Die historischen Umbrüche werden nicht abstrakt erzählt, sondern in ihren Auswirkungen auf die Figuren spürbar. Über Generationen hinweg begleitet man sie durch Verlust, Anpassung und Aufbruch und erlebt, wie eng persönliches Schicksal und politische Realität ineinandergreifen. Es ist vor allem die Atmosphäre, die einen beim Lesen von »Lázár« in seinen Bann zieht. Das abgelegene Waldschloss, die ständige Präsenz von Vergangenheit und die stellenweise fast gothic anmutende Stimmung verleihen dem Roman einen ganz eigenen Ton. Im Zusammenspiel mit dem besonderen Schreibstil entsteht so das Bild einer Welt, die zwar im Verschwinden begriffen ist, aber in den Erinnerungen der Figuren weiterlebt. »Lázár« ist damit nicht nur ein Roman über den Niedergang einer Familie, sondern auch über die Spuren, die Herkunft und Geschichte in einzelnen Leben hinterlassen. Ein Roman, der in seiner ruhigen, beharrlichen Erzählweise eine eindringliche Wirkung entfaltet und lange nachhallt.

Ich wollte es so gern mögen!
Ich glaube, bei Lazar ist es wie mit Lakritz - Hass oder Liebe. Mich hat das Buch leider überhaupt nicht abgeholt. Ich habe immer ewig gebraucht, um die Charaktere zuordnen zu können und dann sind sie auch schon gestorben. Die eeeeewig langen Beschreibungen von dann doch gar nicht so relevanten Ereignissen haben dafür gesorgt, dass ich viele Teile nur überflogen habe. Der Sprachstil war mir insgesamt viel zu lang und verschachtelt. Der Autor hat mich immer wieder verloren. Ich wollte es wirklich so gerne mögen und es gab auch hier und da Absätze die mich tief berührt haben und ich kann grundsätzlich auch verstehen, warum man dieses Buch lieben könnte (anders als bei Lakritz ;)). ABER ich bin offensichtlich nicht die Zielgruppe und ich hätte das Buch vermutlich abgebrochen, wenn's nicht im Lesegrüppli gelesen worden wäre. Schade.
Da mich große Familiengeschichten und Sagas solcher Art normalerweise eher kalt lassen, hat mich diese nur umso mehr überrascht. Die turbulenten Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts, zwei Weltkriege und der Kommunismus bieten selbstverständlich einiges an Action-Potenzial, was aber gar nicht als Stärke oder Fokus hervorsticht. Es ist vielmehr die simple Tragik und schamlose Direktheit und oftmals auch ernüchternde Enttäuschung der einzelnen Schicksale, die mich am ehesten bewegten. Eine depressive Mutter, ein Vater so besessen und fixiert auf Rolle und Status, dass er Ersteres gar nicht bemerkt. Wir sich diese Eltern auf ihre Kinder auswirken. Auch das Waldschloss ist hervorragend in Szene gesetzt. Nostalgie und Schwermut triefen nur so aus den Seiten, und ich konnte genau fühlen, weshalb diese prachtvoll geschmückten Hallen und Korridore bei den Figuren erst noch Befremdlichkeit und Einsamkeit hervorrufen, später dann aber Nostalgie und Heimweh. Allerdings geht es nicht nur um die Gefühlswelt der Protagonisten, sondern auch primär um die rücksichtslose Grausamkeit der Welt gegenüber jedem Menschen, ob Blaublüter oder Bauer. Dieser Aspekt zeigt sich oft vor Allem in Gewalt. Auch Sex spielt eine große Rolle, auch in Kombination mit Gewalt. An dieser Stelle kann ich die Kritik verstehen, dass derartige Szenen überflüssig und abstoßend seien, ich für meinen Teil hingegen empfand sie stets als harmonisch in den Handlungsrahmen passend. Sei es die Gewalt oder auch das Liebesleben der Eltern, das Feuer der Jugend und deren geheime Sehnsüchte. Ersteres zeichnet ein unangenehm ehrliches Bild der Verhältnisse, und die anderen beiden Punkte veranschaulichen unsere Figuren besser und lassen sie menschlicher erscheinen, eben genau weil sie unangenehm sind. Das ist natürlich reine Ansichtssache, und daher kann ich gut verstehen, wenn dieser Roman dem ein oder anderen vor Ekel aus den Händen rutscht. Kurzum, eine Geschichte zum Mitfühlen und Verstehen, auch wenn sie, wie in meinem Fall, so fern meiner eigenen Geschichte ist.
Gutes Buch mit teilweise fragwürdigem Frauenbild
„Lázár“ ist ein spannender und atmosphärisch dichter Roman, der vor allem durch seine Sprache und die psychologische Tiefe überzeugt. Die Geschichte zieht einen schnell hinein, sie ist geheimnisvoll, düster und gleichzeitig fein beobachtet. Der Autor hat ein gutes Gespür für Stimmungen und dafür, wie widersprüchlich Menschen sein können. Trotz all dieser Stärken hat mich beim Lesen etwas gestört: das Frauenbild in dem Buch. Manche Szenen wirken überholt oder einfach unreflektiert. Besonders schwierig fand ich, dass ein Mann fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt wird. So etwas ist ein heikles Thema, das hier ohne wirkliche Notwendigkeit eingebaut wurde und leicht falsche Vorstellungen bestärken kann. Für die Handlung wäre das gar nicht nötig gewesen. Vielleicht liegt das daran, dass der Autor noch sehr jung ist und manche Dinge unbewusst übernimmt. Dabei merkt man eigentlich, wie klug und sprachlich stark er ist. „Lázár“ zeigt viel Talent und Tiefe, aber auch, dass zu einem wirklich reifen Roman mehr gehört als eine gute Sprache, nämlich auch Verantwortung für das, was man erzählt. 3,5/5 Sterne
Vermutlich mein Buch des Jahres 2026
Der Roman „Lázár“ von Nelio Biedermann hat mich tiefer berührt, als ich es zu Beginn erwartet hätte. „Ich muss erstmal gucken, was meine Familie Lázár macht“, sagte ich mehr als einmal zu meinem Mann, bevor ich das Buch in die Hand nahm. So nah fühlte ich mich dieser Familie – als stünde ich neben ihnen im Salon oder säße mit am Tisch. Biedermanns Sprache ist von einer bemerkenswerten Eleganz und Poesie getragen. Seine bildhaften Darstellungen verleihen dem Text eine sinnliche Dichte. Die Figuren werden weniger durch nüchterne Beschreibungen als vielmehr durch ihre Verhaltensweisen lebendig. In Gesten, Blicken, in dem, was gesagt – und vor allem in dem, was verschwiegen wird, entfalten sie ihre Konturen. Die Folgen des Unausgesprochenen ziehen sich wie ein feiner Riss durch Generationen. Der Roman spannt einen großen historischen Bogen: von etwa 1900 über die Weltkriege bis zur Flucht der Familie in den 1950er Jahren. Die Familie Lázár ist dabei nicht nur eine private Gemeinschaft, sondern Spiegel ihrer Epoche. Selbst eine Adelsfamilie, so wird deutlich, ist letztlich nur eine Schachfigur im globalen Machtgefüge. Was bleibt von einem Leben, wenn einem Besitz, Heimat und Gewissheiten genommen werden? Die hohe Erzähldichte hat mich beeindruckt. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne dass die Figuren an Tiefe verlieren. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Charakteren und Ereignissen ist so groß, dass man das Bedürfnis verspürt, sich Notizen zu machen – man möchte alles begreifen, alles ordnen. Doch genau darin liegt vielleicht eine der zentralen Aussagen des Romans: Das Leben folgt keinem klaren Plan. Es geschieht uns. Ereignisse kippen ohne Vorwarnung. Positive und negative Entwicklungen folgen in engem Wechsel, sodass man als Leser:in kaum zur Ruhe kommt. Gerade noch befindet man sich in einer politischen, realistisch geschilderten Szene – im nächsten Satz wird sie durch eine humorvolle, fast absurde Passage gebrochen, die das Geschehen auflockert und zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt. Dieses stilistische Spiel verleiht dem Text eine Mehrschichtigkeit, die ihn über das rein Historische hinaushebt. Anfangs erwartete ich eine vor allem unterhaltsame Familiengeschichte – und tatsächlich gibt es diese komischen, beinahe heiteren Momente. Doch im Verlauf des Romans wird deutlich, wie stark die Familiengeschichte in politische Umbrüche eingebettet ist. Szenen werden geschildert, die ich selbst zum Glück nie erleben musste, die mir aber aus Erzählungen älterer Generationen vertraut sind. Gerade diese Verbindung von persönlichem Schicksal und Weltgeschichte macht „Lázár“ so eindringlich. Biedermann gelingt ein Roman über das Hineingleiten ins Leben und das allmähliche Ausscheiden aus ihm, über Verlust und Erinnerung, über das Weitertragen von Schuld und Schmerz. Dem Urteil von Daniel Kehlmann kann ich mich nur anschließen: „[…] Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeit.“ Nach der Lektüre von „Lázár“ steht für mich fest: Das nächste Buch von Nelio Biedermann werde ich kaufen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen. Leseempfehlung „Lázár“ ist eine klare Empfehlung für alle, die literarisch anspruchsvolle Romane lieben, die Geschichte fühlbar machen. Wer poetische Sprache, vielschichtige Figuren und die Verwebung von persönlichem Schicksal mit politischer Realität schätzt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Es ist ein intensiver Roman, der Aufmerksamkeit fordert.
Hat mich tatsächlich nicht so richtig überzeugen können. Ja, der Autor ist ultra jung und wie crazy ist es, diese ganze Lebensgeschichte über mehrere Generationen auf gut 300 Seiten zu packen aber irgendwie hat‘s mich emotional null berührt. Vielleicht war das alles zu schnell, zu wenig Text für zu viele Personen? Stilistisch war das jetzt auch nicht so meins 🤷🏻♀️
Ein müdes ungarisches Adelsgeschlecht erlebt den Untergang des 20. Jahrhunderts. Der Autor arbeitet seine eigene Familiengeschichte wie einen langatmigen Diavortrag ab. Nur vereinzelt mal ein gutes Bild. Insgesamt bleibt der Text aber seltsam distanziert und dröge. Eher was für Liebhaber langatmiger Texte
Einin großen Teilen extrem gut erzähltes Buch, mit Stärken und Schwächen. Ein Buch, das (hoffentlivh) bewusst so geschrieben wurde, über das man sich im Leserunden oder Buchclubs super austauschen, über das man streiten, diskutieren kann. Ein Buch, das auch mich zwigespalten zurücklässt, weil ich das Erzähltalent des Autors sehe, das ich aber auch mehrfach abbrechen wollte. Ein Bucj, das evtl. besser wird, je länger/ intrnsivrr man darüber nachdenkt. Ich schwanke noch zwischen 3,5 und 4 Sternen.
Ungarische Familiengeschichte mit Tiefgang
Nelio Biedermann hat mit seinem Debütroman Lázár eine opulente Familiengeschichte über die ungarische Adelsfamilie Lázár geschrieben, die wir durch die großen Kriege und Umbrüche des 20. Jahrhunderts begleiten. Von den letzten Jahren der habsburgischen Monarchie, über den ersten Weltkrieg und letztendlich Stalinisierung nach vorheriger Enteignung, ist der Untergang der ungarischen Aristokratie besiegelt. Die drei Generationen wachsen auf im fast mystisch anmutenden, ländlich gelegenen Waldschloß der Familie einerseits und einer Stadtresidenz in Budapest andererseits, eingebunden in die unerschütterlich scheinenden alten Traditionen. Die Väter und jeweiligen Söhne sind gefangen in den teilweise verkorksten Familienverhältnissen aus Alkoholismus, Traumata, Suizid… und versuchen sich jeweils aus diesen Verstrickungen zu befreien. Dem Autor gelingt es wunderbar, einen Eindruck der Figuren in ihrer jeweiligen Zeit zu vermitteln, aber auch ihre individuelle Psyche zu beleuchten. Dabei spricht viel Lebensweisheit aus den (zugegebenermaßen teilweise verschachtelten, aber trotzdem gut verständlichen) Sätzen. Mich hat der bildhafte, dichte, geradezu kompakte Erzählstil gefesselt und beeindruckt zugleich, mit dem Biedermann die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit seiner Protagonisten eindrucksvoll herausarbeitet. Ein außergewöhnliches Buch mit meiner unbedingten Leseempfehlung.
In “Lázár” von Nelio Biedermann geht es um die gleichnamige ungarische Adelsfamilie und ihren Aufbruch in ein neues Jahrhundert voller Umbrüche. Verhandelt werden außerdem Themen wie Krieg und Vertreibung und Findung der eigenen Identität. Ausgehend von der Geschichte des Barons um die Wende ins 20. Jahrhundert erzählt das Buch die Geschichte seines Sohnes Lajos und Enkels Pista, im größeren historischen Kontext bis in die 1950er Jahre. Biedermanns Werk ist ohne Frage sprachgewaltig und poetisch (vor allem im ersten Drittel) und schön erzählt, die Handlung schleppt sich jedoch auch ziemlich und mir ist es bis zum Schluss nicht gelungen, eine emotionale Verbindung zu den Protagonist*innen und der Erzählung aufzubauen. Was mich richtig gestört haben, waren die meist abstoßenden Liebesszenen und insgesamt ein Wording, was eher sperrig anmutet. Ich kann verstehen, warum dieses Buch so viele Lesende begeistert, es hat jedoch bei mir nicht “geklickt” und ich werde einen Großteil der Handlung wohl sehr schnell vergessen, weil nichts haften bleibt. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Dieses Buch ist ein wilder Ritt durch die ungarische Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts – bevölkert von skurrilen Figuren, die mal sympathisch, mal schwer erträglich sind. Dabei bleibt die Sprache durchgehend poetisch und trägt einen fast traumwandlerisch durch die Episoden. Für mich war es ein großartiges Leseerlebnis, an das ich sicher noch lange und oft zurückdenken werde.
Characteristics
23 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Ausgezeichnet als Lieblingsbuch der Unabhängigen 2025 | Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2025
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen.
Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.
Book Information
Author Description
Nelio Biedermann, geboren 2003, ist am Zürichsee aufgewachsen. Seine Familie stammt väterlicherseits aus ungarischem Adel, seine Großeltern flohen in den 1950er Jahren in die Schweiz. Biedermann studiert Germanistik und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Sein Roman «Lázár» wird in mehr als zwanzig Ländern erscheinen.
Posts
Ungarische Familiengeschichte und geschichtliche Hintergründe
Der 22-jährige Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann erzählt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie in den Fängen des katastrophalen 20. Jahrhunderts - die Geschichte seiner eigenen Familie. Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen. Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.

Ein schöner Roman mit viel geschichtlichen Hintergrund ♡
• Lazar • Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den 20er-Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen. Rezension: Lázár ist eine eindrucksvolle und zugleich gut lesbare Familiensaga. Der Roman beginnt mit der Geburt von Lajos von Lázár auf dem abgelegenen Waldschloss seiner Familie in Ungarn. Mit ihm beginnt nicht nur ein neues Leben, sondern auch ein neues Jahrhundert, das vieles verändern wird. Schon früh spürt man, dass zwischen Lajos und seinem Vater eine seltsame Distanz besteht. Es scheint als leihe ein unausgesprochenes Geheimnis über der Familie. Im Mittelpunkt steht das Leben der Familie Lázár, das von Tradition, Stolz und alten Werten geprägt ist. Doch die politischen Veränderungen in Europa machen auch vor dem Schloss und der Familie nicht halt. Besonders deutlich wird das in der nächsten Generation. Eva und Pista müssen erleben, wie unsicher und bedrohlich ihre Zeit ist, und lernen, ihren eigenen Weg zu finden. Nelio Biedermann erzählt die Geschichte in einer klaren und schönen Sprache. Der Schreibstil ist leicht verständlich, aber dennoch poetisch. Die Figuren sind lebendig beschrieben, ihre Gefühle und Konflikte wirken echt und berührend. Gleichzeitig vermittelt der Roman viel über geschichtliche Hintergründe. Lázár ist mehr als nur die Geschichte einer Familie. Es ist ein Roman über Liebe, Verlust, Hoffnung und die Frage, wie man in schwierigen Zeiten richtig lebt. Eine bewegende Lektüre, die noch lange im Gedächtnis bleibt.
Was bin ich lesend?
Habe wirklich ein paar Tage gebraucht, um mir eine Meinung darüber zu bilden. Ich versuche, meine Gedanken und vorallem Fragen zusammen zu fassen: - War der Schreibstil wirklich schön und beeindruckend? Definitiv. - Was hat es mit diesem doofen Wald auf sich? Warum wurde hier nichts geklärt? - Wieso wurde generell so gut wie nichts geklärt/ aufgelöst in diesem Buch? Das meiste wurde innerhalb weniger Seiten angeschnitten und dann nie wieder erwähnt - Wie kann es sein, dass ein 330-seitiger Familienepos, welcher sich über ca. 60 Jahre erstreckt, Längen hat? - Finde ich es anmaßend, einer historischen Figur (einem echten Menschen) in ihren letzten Momenten kurz vor der Hinrichtung Gefühle und Gedanken anzudichten? Auf jeden Fall. - Ich habe das gesamte Buch über ein konstantes Gefühl von leichtem Ekel, welcher mal mehr und mal weniger wurde, empfunden - War das Ende eins der laschesten und unspektakulärsten, die ich je gelesen habe? Oh ja. - Möchte ich lesen, wie sich eine MINDERJÄHRIGE mit einer Kerze selbstbefriedigt? Hell nah. (Nelio, was zur Hölle ging in deinem Kopf ab, als du das bzw. generell das gesamte Buch geschrieben hast? 👀)
Ungarischer Familienepos
Die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie und ihr Ende wird auf knapp 330 Seiten dem Leser näher gebracht. Die Erzählweise ist sehr dicht, sehr poetisch, teilweise sehr schwülstig. Mir waren es insgesamt zu wenig Seiten. Es wurden viele Phasen ins Lebensabschnitte nur kurz angeschnitten, manches wurde schnell abgehandelt.
Ganz viel Geschichte auf ganz wenig Seiten
Erzählt wird die Geschichte einer Adelsfamilie über mehrere Generation. Dabei passiert gefühlt auf jeder Seite etwas Neues und eine Entwicklung jagt die nächste. Mit dem historischen Hintergrund der Österreich-Ungarischen Monarchie, über die Weltkriege und die Sowjetische Besatzung Ungarns lässt sich das Geschehen und das Handeln der Generationen immer wieder einordnen. Es ist deutlich kein Buch zum entspannen, da die behandelten Themen dafür einfach viel zu ernst sind. Aber das Buch lässt sich trotzdem nicht aus der Hand legen und fesselt einen immer noch ein (meist sehr kurzes) Kapitel zu lesen. Definitiv ein Buch welches man guten Gewissens empfehlen kann. Dennoch wird es wahrscheinlich keines meiner Lieblings Bücher.
Überhyped
Schon wieder so ein Roman, den ich ziemlich überhyped finde. Mir fehlt hier eine konsistente Handlung und eine Charakterentwicklung. Die Story hätte sicherlich das Potenzial gehabt, ein richtiger Familienepos zu werden, wenn man sich drauf einlässt aber dafür reichen eben keine 300-400 Seiten. Ich hätte es besser gefunden, wenn man sich 2-3 Hauptcharaktere aus der Familie aussucht und dann wirklich tiefgehend deren Geschichte erzählt, stattdessen wirkt es auf mich wie ein Stammbaum, der schnell über zahlreiche Generationen runtergerattert wird. Vor allem das Ende war super langweilig und nichtssagend. Nichtsdestotrotz finde ich den Schreibstil sehr stark und bin gespannt, was von Nelio noch kommt.
Lazar“ von Nelio Biedermann ist definitiv kein Buch, in das man sofort leicht hineinfindet. Der Schreibstil und die Erzählweise sind sehr ungewöhnlich – man wird direkt mitten ins Geschehen geworfen, ohne große Erklärungen zu den Figuren oder Zusammenhängen. Gerade am Anfang hat mich das eher überfordert, weil die Geschichte über mehrere Generationen hinweg erzählt wird und vieles erst nach und nach Sinn ergibt. Trotzdem hat mich das Buch irgendwann gepackt. Entweder gewöhnt man sich an diese besondere Art zu erzählen oder man beginnt, genau darin den Reiz zu entdecken. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker entfaltet sie ihre Wirkung. Besonders beeindruckend finde ich, wie originell das Ganze geschrieben ist. Es hebt sich deutlich von der typischen Masse an Familiengeschichten ab und traut sich sprachlich und erzählerisch wirklich etwas Eigenes. „Lazar“ ist sicher kein einfaches Buch und wahrscheinlich auch nicht für jeden Leser geeignet. Aber gerade weil es so anders ist, bleibt es im Kopf. Wer offen für außergewöhnliche Literatur ist und sich auf eine ungewohnte Erzählweise einlassen kann, bekommt hier ein sehr besonderes und mutiges Buch. Für mich am Ende definitiv eine Empfehlung.

Frühreif
Ich kann den Rummel um dieses Buch gut nachvollziehen. Eigensinnig und mutig schafft Nelio Biedermann es tatsächlich auf etwas mehr als 300 Seiten einen Generationenroman zu schaffen, allerdings mit Abstrichen. Das rasante Tempo, in dem der Autor das Publikum durch 3 Generationen schleust, ist eine Herausforderung, macht aber auch den Reiz des Buches aus. Stakkatoartig werden Figuren und Themen eingeführt. Hier ist vollste Aufmerksamkeit gefordert. Das hat mir gefallen. Die Verknüpfung der Fragmente gelingt gut. Ein Großteil der losen Enden werden früher oder später wieder aufgenommen. Schnell ist klar, dass man sich in keiner Geschichte zu sehr einrichten sollte. Trotzdem hätte ich gern etwas länger bei dem ein oder anderen Charakter verweilt. Insbesondere die Schloss Szenen sind atmosphärisch beschrieben und es werden spannende Bilder geschaffen - das Kind mit transparenter Haut, der Junge im Schatten, das blaue Zimmer, der verwunschene Wald. Leider wird kein Motiv vertieft. Besonders zu Beginn habe ich keinen passenden Zugang zur Sprache finden können. Dies lag weniger daran, dass das Buch kompliziert geschrieben ist, aber einige Passagen erscheinen mir wie aus einer Schreibwerkstatt, wieder und wieder überarbeitet, verschoben und künstlich verdichtet. Im Vergleich dazu plätschern andere Stellen ‚normal‘ dahin. So entsteht ein unruhiger Duktus. Im letzten Drittel klingen diese Unstimmigkeiten etwas ab und der Stil wird flüssiger und harmonischer. ‚Lázár‘ zeigt das große Potential des Autors. In diesem Roman ist jedoch alles zu gewollt. Die Bezüge zu namenhaften Schriften von z.B. Proust, E.T.A. Hoffmann oder Virgina Woolf unterstreichen diesen Eindruck, wirken sie vielmehr altklug als inhaltlich fördernd. Ich empfehle das Buch allen, die sich gern mal auf ein bisschen was anderes einlassen wollen und Spaß an Diskussionen zu aktuellen Literaturhypes haben.

Lazar hat mich überrascht und begeistert. Vor allem die Sprache des jungen Autors ist bemerkenswert – sie wirkt fast aus der Zeit gefallen, erinnert an klassische Autoren und große Romane vergangener Jahrhunderte. Dass jemand in der heutigen modernen Welt einen solch ernsthaften und kunstvollen Schreibstil wählt und damit überzeugt, ist für mich ein großer Gewinn. Die Geschichte selbst ist interessant und fesselnd, auch wenn der Zugang zu den Figuren anfangs etwas distanziert bleibt. Gerade dieser Aspekt hat mich zu Beginn eher auf Abstand gehalten – man schaut wie von außen auf die Handlung. Doch mit dem Auftreten von Pista und der Schwester öffnet sich die Geschichte, man tritt näher an die Figuren heran, und plötzlich ist man mittendrin. Diese Entwicklung empfinde ich als eine Stärke des Buches: Es entfaltet sich, je länger man liest. Besonders beeindruckt hat mich, wie reif und bedacht der Autor schreibt. Es ist, als würde man ein Werk in den Händen halten, das nicht von einem jungen Menschen, sondern von einem erfahrenen Literaten stammt. Ein gelungenes, atmosphärisch dichtes Debüt, das Lust macht, mehr von diesem Autor zu lesen.
Das Gefühl, das ihn beim Lesen überkommen hatte, war wie jenes, das ihn nach dem Tod seiner Mutter jahrelang begleitet hatte. Es war das Gefühl, die ihm bekannte Welt sei wie eine versunkene Stadt, deren Denkmäler und Gebäude, Kirchtürme und Paläste man zwar unter der Wasseroberfläche noch sehen kann, deren Zeit aber nie mehr zurückkehren wird. - Zitat, Seite 191 Wer hat Angst vor Virginia Woolf? - Nelio Biedermann ganz sicher nicht, was sein aktueller Roman eindrücklich beweist. Mit dieser Familiengeschichte setzt er sich ein Stück weit mit seiner eigenen Vergangenheit bzw der seiner Vorangegangenen auseinander, denn seine adeligen Großeltern väterlicherseits flohen in den 1950er Jahren aus Ungarn in die Schweiz. Aber gleichzeitig ist diese Geschichte auch ein Rückblick auf ein vergangenes Jahrhundert in Europa. Ein Jahrtausend in seinen letzten Zügen, geschildert von einem jungen Mann, geboren 2003, der vielleicht wie eine Figur im Roman das Gefühl hatte, "als müsse er alles Wichtige aufschreiben, als würden ihm die Dinge sonst entgleiten, als würden sie erst durch die von ihm vollführte Materialisierung ihre Gültigkeit erhalten." (Zitat, Seite 40). Geradezu märchenhaft ist der Anfang des Romans, in welchem von der Geburt eines "Glaskindes" (und kurz blitzt das Werk von Salman Rushdie mit seinem magischen Realismus in unseren Köpfen auf) berichtet wird. Allerdings ein eher düsterer Stoff, wozu auch die Lage des Schlosses passt, welches an ein Waldgebiet grenzt und an dessen Rändern an diesem Drei-Königstag noch "der Schnee des verendeten Jahrhunderts" liegt. Lajos von Lázár erblickt in einem beginnenden Jahrhundert das Gesicht der Welt, einer Welt, die im Niedergang begriffen und von Jahren voller Krieg und Krisen, im persönlichen, aber vielmehr auch im öffentlichen Raum, gezeichnet werden wird. Der Autor verknüpft jedoch nicht nur historische Ereignisse mit der Vita seiner Figuren, er ordnet ihren Geschichten auch Elemente aus der Literatur zu. Und plötzlich lesen wir auf Seite 162 den Satz: "Lange Zeit war er früh schlafen gegangen." - Hoppla, aber was ist das denn? Vorangegangene Anspielungen dürften vielleicht noch als Hommage an klassische Texte begriffen werden, aber ist dieser schon fast provokant erscheinende Raub an Prousts legendären Anfangszeile einfach nur ein Novum? Darf sich der Schriftsteller an der Literatur des 20. Jahrhunderts schadlos halten? Zweifellos kann er es und schlägt mit dieser gewagten Methode Brücken zwischen Text und Leserschaft. Lesende, die sich der sogenannten Weltliteratur verbunden fühlen, werden hier abgeholt, weil ihr erworbenes Verständnis für Menschen der beschriebenen Zeit mit den Figuren im Roman in den Kontext gerückt wird. Und Lesende, die in dieser literarischen Zeit eher nicht zu Hause sind, werden durch die Benennung großartiger Werke vielleicht dazu motiviert, sich mit dem einen oder anderem Klassiker auseinander zu setzen. Gelungen ist auch die Perspektive durch einen allwissenden Erzähler. Denn Nelio Biedermann ist ein Kind des 21. Jahrhunderts und aus dieser Position heraus erzählt er die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ob beabsichtigt oder nicht: manche Wörter oder Formulierungen passen nicht zum historischen Thema, aber können wie Stolpersteine oder als Gedankenanstoß wirken. Außerdem ist er mutig genug, die Lücken im Fotoalbum einer Familie mit weniger angenehmen, aber sehr realistisch wirkenden Bildern zu ergänzen. Seine Protagonisten sind dabei keine strahlenden Helden, sondern ambivalent und authentisch gestaltet. Es sind Menschen, die sich weg ducken, wenn unangenehme Situationen auftreten. Menschen, die sich anpassen und es nicht wagen, für andere einzutreten. Die ihre Ideale verkaufen für ein Linsengericht. Lázár bietet ein unglaublich temporeiches Leseabenteuer an, der Roman erschüttert und entzaubert, doch lässt er doch am Ende mit ganz viel Hoffnung zurück. Denn endlich bleiben diese drei: die Liebe, das Leben und zuletzt - die Literatur! FAZIT "Während ich las, sang ich innerlich seine Prosa ..." Es war ein Zufall, dass ich vor dieser Lektüre "Combray" bzw den ersten Teil von Prousts "Recherche" las. Sicherlich wurde Nelio Biedermann von diesem Text inspiriert zu einer frühlingshaften Liebesszene, gesäumt von Büschen und Bäumen, in der ein blütenzarter Kuss geschenkt wird. Auf jeden Fall ist es dieser Textausschnitt, den der junge Schriftsteller auf der FBM 25 vorträgt, nach dem wirklich katastrophalen Interview der ZEIT Redaktion (was nicht dem Schriftsteller geschuldet ist), und der mein Interesse für den Roman geweckt hat. Drei Fragen hätte ich dann noch an den Schriftsteller: Wie viel Glück verträgt eine gute Geschichte? Was braucht der Mensch nötiger: Fiktion oder Fakten? Und zuletzt noch eine persönliche Frage: Hast Du selbst eine Schwester, Nelio Biedermann? Am 16. November wird der Schweizer Buchpreis im Foyer des Theaters Basel verliehen. Beide Daumen meiner Hände sind gedrückt. Unbedingt lesenswert.
Puh schwierig. Hat mir nicht gut gefallen. Viele Dinge wurden nur angeschnitten, wenig wurde zu Ende besprochen, manches kam einmal vor und dann nie wieder. Trotz nur wenigen Seiten und einer langen behandelten Zeitspanne gab es deutliche Längen. Zwischenzeitlich auch einfach abstoßende Beschreibungen. Echt nicht mein Buch!
Ein Untergang in Zeitlupe
Der Roman Lázár von Nelio Biedermann erzählt vom Niedergang einer ungarischen Adelsfamilie über mehrere Generationen. Im Zentrum steht Lajos von Lázár, ein rätselhaftes Kind, das in eine Welt hineingeboren wird, die bereits im Zerfall begriffen ist. Während politische Umbrüche und Kriege das 20. Jahrhundert prägen, verliert die Familie nach und nach ihren Besitz, ihren Status und ihren Halt. Persönliche Schicksale und große Geschichte greifen dabei eng ineinander. Die Atmosphäre kippt von märchenhaft zu düster und zeigt, wie die Familie dem Lauf der Zeit nicht standhalten kann. Mich hat das Buch nicht richtig reingezogen, obwohl die Grundidee stark ist. Es bleibt über weite Strecken distanziert – ich war eher Beobachterin als Teil der Geschichte. Die Figuren sind für mich nicht richtig greifbar geworden, auch Lajos nicht, obwohl er im Zentrum steht. Dadurch hatte ich emotional wenig Anknüpfung, vieles blieb kühl und auf Abstand. Außerdem hat mich die Erzählweise nicht immer getragen. Die Zeitsprünge und Wechsel wirken stellenweise sprunghaft, sodass ich immer wieder neu einsteigen musste. Die Atmosphäre ist zwar besonders und gut aufgebaut, aber sie ersetzt für mich keine echte Bindung zur Handlung.
Atmosphärische Familiengeschichte mit magical realism
Der Roman erzählt die Geschichte von Lajos und seinem Sohn Pista vor dem Hintergrund Ungarns während der beiden Weltkriege. Dabei entsteht ein eindrückliches Bild einer Zeit, die geprägt ist von Umbrüchen, Verlust und gesellschaftlichen Spannungen. Was mich besonders überzeugt hat, war die Stimmung: durchgehend intensiv, fast greifbar. Eine gewisse Schwere zieht sich durch die Handlung, ohne erdrückend zu werden und immer wieder durchzogen von Momenten, die Hoffnung aufscheinen lassen. Auch die Elemente des Magical Realism sind unglaublich stimmig eingesetzt. Sie wirken nie aufgesetzt, sondern fügen sich ganz selbstverständlich in die Erzählung ein und verstärken die besondere Atmosphäre noch einmal. Die Figuren sind vielschichtig, lebendig und bleiben im Kopf. Unterschiedliche Perspektiven machen die Geschichte komplex und geben ihr Tiefe. Jede Figur bringt ihre eigene Realität und ihre eigenen Konflikte mit. Mein Fazit: Ein intensiver, atmosphärisch sehr dichter Roman mit starken Figuren und einem besonderen erzählerischen Ton. Für mich ein echtes Highlight.
Lajos von Lázár kommt um die Wende zum 20. Jahrhundert im Waldschloss seiner ungarischen Adelsfamilie zur Welt. Er wird in eine düstere Stimmung geboren, geprägt vom Verschwinden des Großvaters im ebenso düsteren, das Schloss umgebenden Wald, und vom scheinbaren Wahnsinn seines Onkels Imre, der den Stücken von E. T. A. Hoffmann verfallen ist. Wir verfolgen Lajos Lebensweg und den seines Sohnes und Enkelsohnes durch die folgenden Jahrzehnte, durch die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg, bis in den kalten Krieg und von Ungarn in die Schweiz. Ja, es ist ein Hype-Buch, ausgezeichnet als Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen 2025 und in zig Sprachen übersetzt. Andererseits kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Buch wegen dieses Hypes auch ganz besonders unter die Lupe genommen wird und zahlreiche sehr negative Reaktionen hervorruft. Inwiefern diese gerechtfertigt sind, kann ich nur mit meiner absolut laienhaften, subjektiven Meinung beurteilen. Der Stil ist tatsächlich zunächst sehr blumig und gelinde gesagt ungewöhnlich für einen so jungen Mann im 21. Jahrhundert. Ich persönlich mag ihn. Doch genauso wie die Stimmung im Buch ändert sich auch die Sprache im Verlauf der Geschichte, denn andere Teile des Buches orientieren sich an anderen sprachlichen Vorbildern, etwa Marcel Proust oder Thomas Mann. Ich habe mir sagen lassen, dass von Proust einiges übernommen wird, dazu kann ich nichts sagen, ich habe Proust nicht gelesen. Mir gefällt die Anpassung der Sprache an die Zeit und an verschiedene, diese prägende literarische Vorbilder, ausgesprochen gut und meiner Meinung nach liest sie sich auch sehr gut. Die Geschichte basiert locker auf Biedermanns eigener Familiengeschichte und veranlasst zum Recherchieren und Nachlesen von Stammbäumen und politischen Sachverhalten, ein weiterer Aspekt, den ich an einem Buch sehr schätze und der mir darüber hinaus klargemacht hat, wie wenig ich über Ungarn weiß und dass ich, wenn ich mich recht erinnere, noch nie ein Buch ungarischer Herkunft gelesen habe (was sich unbedingt ändern soll). Zusammenfassend stelle ich fest, dass mir dieses Buch wirklich gefallen hat. Als Meisterwerk würde ich es jedoch nicht bezeichnen. Ich möchte abschließend noch kurz auf zwei Vorwürfe eingehen, die ich in Bezug auf das Buch oft lese. Erstens, die vielen ach so schrecklichen Sexszenen. Davon hatte ich so oft gehört, dass ich schon mit Pornografie gerechnet hatte. Zu meiner Überraschung kamen dann zwar durchaus häufige, aber kurz gehaltene und in meinen Augen harmlose Schilderungen sexueller Handlungen. Auch Andeutungen von Missbrauch sind vorhanden, hierfür wendet Biedermann interessant eingesetzte Stilmittel an. Diesen ersten Vorwurf kann ich schon einmal gar nicht nachvollziehen. Der andere ist der, das Buch sei mit KI geschrieben. Ich bin keine Expertin, nutze KI selbst so gut wie gar nicht. Natürlich will ich meine Kunst KI-frei. Aber auch wenn ich nicht weiß, was KI beim Schreiben schon leisten kann, das Buch stellt Bezüge her, die sicher über einen Großteil der Geschichte spannen, und die Sprache ist wie schon festgestellt variantenreich, sodass ich nicht daran glaube. Sollte es doch so sein, ziehe ich es vor, darauf hereinzufallen, als dem jungen Autoren so etwas zu unterstellen. Ich bin gespannt, was von Nelio Biedermann als Nächstes kommt.
Ein Leserausch
Mich hat das Buch magisch angezogen und genauso magisch hat es sich gelesen. Magischer Realismus. Kaum zu glauben wie viel Geschichte in eine eher übersichtliche Seitenanzahl passt. Gerade die Familiengeschichte überzeugt mich auf ganzer Linie. Die Charakter sind skurril, die Sprache blumig bis derb und die Erlebnisse in meinem Kopf waren ein einziges Feuerwerk. Ich kritisiere ausdrücklich, dass dieses Buch ein erhebliches Maß an Vorwissen über Geschichte und Literaturgeschichte voraussetzt. Den Preis der Unabhängigen wird es nicht zuletzt wegen seiner häufigen Anspielungen und Formulierungshommagen an bekannte und weniger bekannte Literat:innen erhalten haben. Erstaunlich wuchtiges Buch, dass so viel Raum zur Interpretation der Charakter lässt, dass es süchtig macht - über den letzten Punkt hinaus. Sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen.
Familiengeschichte über ein Jahrhundert im Habsburgerreich und dem späteren Ungarn
Nelio Biedermann hat mich mit seiner sehr bildhaften Sprache gefesselt und beeindruckt. Manchmal haben mich die langen Sätze aber auch sehr gefordert, um seinen Ausführungen folgen zu können. Worum geht's? Wir begleiten die adlige Familie Lázár durch die ereignisreiche Zeit von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre. Dabei lernen wir die Familie über viele Generationen vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse in Österreich-Ungarn kennen. Zu Beginn schreitet die Handlung sehr zügig voran (mir schon fast ein wenig zu schnell). Vieles dreht sich um Liebesbeziehungen zwischen Männern und Frauen sowie gesellschaftlichen Konventionen. Ab den 1930er Jahren verliert die Handlung an Geschwindigkeit und man hat Gelegenheit etwas tiefer in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere kennenzulernen. Insbesondere die politischen Verhältnisse in Ungarn nach dem Ende des 2. Weltkriegs, der Einfluss der Sowjetunion und die Deportation von Aristokrat*innen durch die Kommunist*innen waren mir so nicht bekannt und haben einmal mehr meine geschichtlichen Wissenslücken gezeigt, die ich jetzt gerne schließen möchte. Manche Personen werden anfangs detaillierter eingeführt, später werden sie nur noch am Rande erwähnt. So hätte ich bspw. gerne mehr von Ilonas Flucht und späteres Leben in den USA erfahren. Die Sprache von Nelio Biedermann sehr poetisch, grausame Ereignisse schildert er sehr plastisch und können evtl. verstörend wirken, wie folgendes Zitat von S. 206 zeigt: "Mitte Juni hatte ein Soldat einen älteren Mann mit seinem Gewehrkolben totgeprügelt, weil dieser ihn angeblich schief angesehen hätte. Das aus der Höhle gesprungene Glasauge des Alten hatte er als Souvenir eingesteckt."

Sprachliche Hommage an die Düsternis und den Wahnsinn
"Lázar" ist zeitgeschichtlich interessant, weist eine gute Charakterisierung von Familiendynamiken und Persönlichkeiten auf und ist sprachlich beeindruckend. Nichtsdestotrotz hat es mir persönlich keine Freude gemacht, das Buch zu lesen. Ich hatte insgesamt nicht das Gefühl, dass ich interessante Gedanken oder Anregungen aus der Lektüre mitnehmen konnte. Im Gesamtkontext haben die teils verstörenden Szenen für mich persönlich keinen Sinn ergeben, außer dass sie außergewöhnlich und gut beschrieben wurden. Ich habe mir oft einfach nur gewünscht, dass jemand in die Familie geboren wird, der eine gesunde Lebenseinstellung entwickelt und die Chance auf ein zufriedenes Leben hat. Vielleicht war das Ende insofern ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Abbruch nach 69 Seiten
Das mochten doch alle, also was stimmt mit mir nicht? Vielleicht bin ich zu simpel gestrickt, für so viel lyrische Sprache und all die rhetorischen Figuren, zwischen denen mir offensichtlich entgangen ist, was da überhaupt Interessantes in dem Buch passieren soll, weswegen ich mich leider etwas langweilte. Und am Ende wurden mir dann doch zu viele Kissen zwischen zu viele unterschiedliche Frauengenerationsbeine geschoben, um der nicht erfüllten Lust zu begegnen.
Trotz erzählerischer Unübersichtlichkeit und kleiner Schwächen in der Figurenzeichnung finde ich das Buch insgesamt großartig. Es ist anspruchsvoll, manchmal anstrengend, aber sprachlich so stark und gedanklich so reich, dass es nachhaltig beeindruckt.
Der Roman überzeugt vor allem durch seine bildgewaltige, wunderschöne Sprache. Die Sätze sind jedoch oft so sprunghaft und metaphorisch, dass man der Handlung nicht immer mühelos folgen kann – man muss viel zwischen den Zeilen lesen. Doch genau dort liegt die Stärke: In einer scheinbar einfachen Geschichte verdichtet der Autor bemerkenswerte Lebensweisheiten wie: „Vielleicht ist man gar nicht sein Leben lang derselbe Mensch, hatte sie gedacht. Vielleicht ist man verschiedene Menschen, die anders denken, fühlen und aussehen und nur durch denselben Namen zusammengehalten werden.“ Stilistisch erinnert vieles deutlich an Thomas Mann – ein Vergleich, der für mich absolut berechtigt ist. Selbstironische Momente und zahlreiche zitierwürdige Passagen machen die Lektüre immer wieder zum Vergnügen. Gleichzeitig erschweren die sehr schnellen Figurenwechsel und die plötzliche Einführung neuer Personen den Zugang. Manche Charaktere bleiben dadurch skizzenhaft, besonders weibliche Figuren wirken stellenweise klischeehaft (etwa definiert durch die Lektüre von Simone de Beauvoir oder Virginia Woolf). Auch die vielen, bewusst unerotischen Sexszenen können mitunter ermüden – erfüllen aber klar ihre Funktion als Mittel, um Macht sowie Nähe und Distanz darzustellen.
Die Familie Lazar, Baron Sandor mit Frau Maria, Tochter Ilona und Sohn Lajos, lebt im düsteren Schloss am Waldrand in Ungarn. Ihr eintöniges Leben wird von den Kurwochen in Heviz unterbrochen. Innerhalb der Familue bleibt man sich fremd und wir erleben mit, wie alles zerbricht. Lügen Betrug, Unverständnis und Lieblosigkeit prägen den Alltag bis sich alles ändert. Das Ende der Habsburger Monarchie mit dem Ende des 1. Weltkriegs wird symbolisch dem Untergang der Familie gleichgesetzt. Doch es geht weiter. Wir begleiten die Nachkommen bis in die Zeit des Kommunismus und erleben den Wandel in Gesellschaft und Familie. Der Schreibstil ist blumig, ausschweifend, detailverliebt. Und gleichzeitig kann man sich gut in die Situationen und Gegenden hineinfühlen. Die Worte strömen leicht und flüssig dahin und es bereitet Vergnügen, sich hinein fallen zu lassen. Gleichzeitig steht dagegen die Schwere und Melancholie im Waldschloss. Fast greifbar ist hier die Düsternis und depressive Stimmung. Andere Situationen werden knapp und nüchtern beschrieben und bleiben der Fantasie des Lesenden überlassen. Der geschichtliche Verlauf wird nur punktuell angerissen. Hier geht der Autor nicht in die Tiefe, was auch nicht nötig ist, da die Auswirkungen der politischen Veränderungen die Änderungen im Leben der einzelnen zeigen sollen. Wobei mir der Zusammenhang zwischen der Tätigkeit eines Protagonisten und seiner charakterlichen Veränderung zu oberflächlich blieb. Die Charaktere sind unterschiedlich gut gelungen. Während die Kinder in ihrer Gefühlswelt und Entwicklung gut und nachvollziehbar beschrieben sind, gelingt dies bei den älter werdenden Menschen nicht mehr so mühelos und tiefgründig. Die äußeren und gesellschaftlichen Veränderungen bleiben in der Gefühlswelt der alt geworden Familienmitglieder oberflächlicher, dafür wendet sich der Autor wieder verstärkt der nachrückenden Generation zu. Das ist nicht schlecht gemacht, aber plötzlich wurde ein Charakter blass. Das ist schwer erklärbar und hängt wahrscheinlich mit dem jugendlichen Alter des Autors zusammen, der uns zukünftig hoffentlich mit weiteren Werken überraschen wird. Der blumige Schreibstil macht das Lesen anschaulich und die Entwicklung der Familie ist spannend. Bis auf ein paar kleinere Längen und o.g. Anmerkungen ist es eine gute, nachhaltige Geschichte, die mal in einer nicht so häufig beleuchten Gegend spielt und in die bewegte Zeit der Weltkriege einen anderen Fokus setzt. Das hat mir gefallen.
Was für ein Rausch! Auf gerade einmal 331(!) Seiten treten auf: die ungarischen Buddenbrooks. Und sie feiern ein literarisches Fest. Nelio Biedermann gelingt hier etwas, das selten ist, nämlich ein unglaublich rasanter und gleichzeitig emotioal bewegender Ritt durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Familienepos zwischen Realismus und Mystik, gespickt mit zahlreichen literarischen Bezügen und voller sprachlicher Schönheit. Zauberhaft.
eine Familiengeschichte über mehrere Generationen
Lajos von Lázár wird geboren und somit beginnt diese Familiengeschichte über mehrere Generationen im Waldschloss im südlichen Ungarn mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Mutter ist die schöne Baronin Mária, welche mit der Geburt ein Geheimnis mit sich trägt. Seinem Vater Sándor, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein. Früh erkennt Lajos, dass es klüger ist, sich unsichtbar zu machen – und so verbringt er seine Kindheit in stiller Zurückgezogenheit. Doch mit dem Zerfall des Habsburgerreichs gerät nicht nur die ungarische Adelsfamilie ins Wanken; das Beben der Zeit erfasst eine ganze Epoche. Lajos wird älter und tritt in den zwanziger Jahren sein Erbe an - er heiratet, wird Vater und versucht den alten Glanz noch einmal neu in die Familie zu integrieren. Es folgt die Zeit des Zweiten Weltkrieges, die Zeit der Enteignung und Stalinisierung bis hin zur Flucht in die Schweiz der Kinder Eva und Pista. Der historische Kontext des Romans ließ mich stellenweise innehalten – die Inhalte waren fordernd und keine leichte Kost. Doch genau das hat mir gefallen und macht für mich einen "lesenswerten" Roman aus. Besonders die Gestaltung der Hauptfiguren empfand ich als äußerst gelungen. Ihre Persönlichkeiten waren authentisch beschrieben, sodass in meinem Kopf ganz eigene Bilder entstanden. Auch der Schreibstil hat mich überzeugt. Anfangs erschien er eher konservativ, doch im Verlauf wandelte er sich und gewann an Modernität – ganz im Einklang mit dem jeweiligen historischen Kontext. Manche Passagen wirkten auf mich beinahe poetisch und verliehen dem Text eine besondere Note. Ein Roman über Existenzen, Träume, Schicksalsschläge, Geheimnisse und den Kampf ums Überleben, der mich persönlich überzeugt hat. Ich durfte ein kleines LeseHighLight entdecken.
Nelio Biedermann baut eine dichte Atmosphäre um den Adelssitz auf und stellt sein schriftstellerisches Können mit einem schönen Schreibstil unter Beweis.
Die erste Enttäuschung des Jahres 2026. Ich hatte mich so auf Lazar gefreut. Eine Familiengeschichte über den Aufstieg und Fall einer ungarischen Adelsfamilie, mehrere Jahrzehnte und Generationen umfassend. Nelio Biedermann baut eine dichte Atmosphäre um den Adelssitz auf und stellt sein schriftstellerisches Können mit einem schönen Schreibstil unter Beweis. Leider trieft dieses Buch geradezu von Sexszenen. Auf jeder vierten Seite toben die Figuren durch die Betten. Mir erschloss sich der Sinn dieser Szenen absolut nicht und ich fand sie nur nervig und überflüssig. Richtig schade, denn dieses Buch hätte wirklich Potenzial gehabt. Besonders wenn der Wald zur Sprache kam, der den Adelssitz umgibt. Der Wald, der manche Familienmitglieder schon verschluckt und nie wieder gehen ließ und andere Mitglieder schier in den Wahnsinn trieb. Es gibt so viele interessante Andeutungen, Kinder, die sich mit Schatten unterhalten, Brüder die wahnsinnig wurden nach der Lektüre E.T.A Hoffmanns und ein einsames Dasein eingesperrt in einem Zimmer fristen müssen. Ich hab dem Buch 150 Seiten gegeben aber die vielen Sexszenen haben mir das Buch leider ganz schön vermiest...
Nelio Biedermann verarbeitet in "Lázár" die Erfahrungen seiner eigenen Familie - einer ungarischen Adelsfamilie, die im sozialistischen Ungarn ihre Güter verlor und in der letzten Generation, die er uns vorstellt, in die Schweiz fliehen musste.
Der Roman beginnt mit dem Leben des Grossvaters Sándor und seiner feinsinnigen Frau Maria, die in einem abgelegenen Schloss wohnen, das von einem mystischen Wald umgeben ist. So mancher scheint schon im dichten Wald verschwunden zu sein, und beinahe passiert das auch der Tochter der beiden. Ihr Sohn übertrifft seine Mutter in Zartheit und Feinsinnigkeit und tut sich schwer mit dem Weg, der für ihn vorherbestimmt ist. Die historischen Ereignisse, insbesondere die beiden Weltkriege und die sich anschliessende Sowjetdiktatur, führen zu zahlreichen Veränderungen für die Familie. In der Zwischenkriegszeit ist es vor allem die nächste Generation, die das Familienleben prägt - Lajos und seine Frau Lilly. Lajos rettet den Familienbesitz durch die Zeiten. Aber er kommt auch, trotz innerer Distanz zum faschistischen System, seinen gesellschaftlichten Pflichten nach und wird damit zum Täter. Die dritte Generation, Pista und seine Schwester Eva, werden durch den zweiten Weltkrieg und das stalinistische Ungarn geprägt. Dieser Teil hat mich besonders berührt, weil sich mir hier ein Stück Historie eröffnet hat, über das ich bisher noch wenig mehr wusste als die Jahreszahl 1953 für den Volksaufstand in Ungarn. Nelio Biedermann verbindet in seinem Buch immer wieder das private Erleben in der Familie mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen und erzählt von den Entwicklungen, aber auch von den Grenzen seiner Protagonisten, die zu Affären, Alkoholismus, Depression oder Suizid führen. So bleibt das Glück der Familie trotz Besitz, Status und Bildung fragil. Interessant ist auch, dass der Autor vielfach auf literarische Vorlieben seiner Protagonisten verweist, sei es auf Tolstoi, Dostojewski, Sándor Márai oder auch auf Simone de Beauvoir und Virginia Woolf. Aber nicht nur das Lesen, auch der Drang zu Schreiben wird thematisiert. Beeindruckend sind auch Nelio Biedermanns Vielfalt der Stilmittel, seine poetische Sprache, seine Pointen, seine psychologische Tiefe und seine präzise Verdichtung. Sein Roman ist eine Geschichte von Verlust und Neuanfang, die für sich einzigartig ist, die aber auch stellvertretend für viele Familiengeschichten im letzten Jahrhundert stehen kann, selbst wenn nicht Schlösser und Juwelen verloren gingen, aber doch Sicherheit und Freiheit. Auch in diesem Sinne habe ich das Buch mit grossem Gewinn gelesen.

Ich habe Lázár innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Der Schreibstil ist zwar gewöhnungsbedürftig und etwas schwülstig, hat mich aber irgendwie in seinen Bann gezogen. Die Geschichte selbst war interessant. Es blieb allerdings alles ein bisschen an der Oberfläche, weil das Buch für eine Familiengeschichte verhältnismäßig kurz ist. Kenner haben sicher ihre Freude an dem eingestreuten Hinweisen auf Klassiker der Literatur. Ich selbst habe nicht genug Kenntnis und kenne höchstens die Namen der Schriftsteller, nicht jedoch die Werke. Alles in allem hat mich das Buch einerseits gefesselt, blieb andererseits für meinen Geschmack etwas zu sehr an der Oberfläche.
Blüte und Fall einer aristokratischen Familie in Ungarn
Selbst nach 120 gelesenen Seiten hat mich Lazar noch immer nicht „gepackt“. Ich hab‘s zu Ende gelesen, wahrscheinlich aber nur, weil es Lesekreis-Lektüre war. Die Geschichte bleibt für mein Empfinden belanglos, eher eine lose Abfolge von Ereignissen als ein fesselnder Roman. Entsprechend ertappte ich mich zunehmend dabei, gelangweilt „drüberzulesen“. Die zahlreichen Zeit- und Erzählsprünge wirken für mich weniger weniger spannend als konstruiert – etwa wenn Lajos beim Psychologen „zum ersten Mal darüber spricht“, ohne dass klar wird, worüber eigentlich? Mir wird auch die Aufteilung der Kapitel nicht klar. Stilistisch schwächelt das Buch an einigen Stellen: die erzählten Sexszenen geraten seltsam plump „sie nahm ihn bis zum Anschlag auf“, andere Stellen wirken seltsam metaphorisch, wenn etwa die Apfelbäume viele Birnen tragen… Zudem tauchen zwischendurch kurze Episoden auf, bei denen ich nicht einmal sicher war, um welche Figur es gerade geht (erst fünf Seiten weiter wird klar: ach, es geht um Stalin - warum auch immer…). Positiv finde ich die klare Darstellung, dass politische Extreme – egal ob Nazis oder Kommunisten – erschreckend ähnliche Muster bei der Umsetzung von Diktatur verfolgen. Diese Beobachtung ist stark und bleibt hängen - wie insgesamt die Erzählung stärker wird, wenn sie näher an die Gegenwart rückt. Ich kann leider nicht nachvollziehen, warum dieses Buch den Preis der unabhängigen Buchhandlungen gewonnen hat.

•Famose Geschichte •Famos erzählt •Famoses Cover
Lázár hat mich sofort mit seinem märchenhaften, schwebenden Stil gepackt. Diese Leichtigkeit macht den Roman schnell lesbar und verleiht ihm eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig gibt es Passagen, die deutlich sachbuchhafter wirken – nüchtern, fast protokollierend –, was interessante Kontraste schafft, auch wenn es den Fluss kurz unterbricht. Der offene Schluss hat mir besonders gefallen. Vieles bleibt bewusst im Ungefähren, und obwohl inzwischen klar ist, dass der Roman autobiografisch grundiert ist, legt Biedermann nicht offen, welche Figuren tatsächlich seine Vorfahren sind. Dieses Schweigen passt perfekt zur Mischung aus Erinnerung, Legende und Fiktion. Beeindruckend ist zudem, wie jung der Autor ist. Mit gerade einmal 19 Jahren stellt sich die spannende Frage, ob er es schafft, sich langfristig als Autor zu etablieren – das Talent dafür zeigt sich hier deutlich. Im literarischen Feld, in dem etwa Kim de l’Horizon aus der Schweiz mit Blutbuch für eine radikal innovative, nonbinäre Erzählweise ausgezeichnet wurde, wirkt Biedermanns Ansatz traditioneller, aber nicht weniger eigenständig. Er sucht nicht die sprachliche Grenzüberschreitung, sondern die atmosphärische Verdichtung – und das gelingt ihm erstaunlich gut. P.S. Die Episode mit der Gurke und der schwangeren Frau am Ende haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Ich verstehe nicht ganz, warum sie im Roman Platz gefunden haben – vielleicht als symbolische Brechung, vielleicht als biografischer Splitter –, aber für mich bleiben diese Motive eher rätselhaft als erzählerisch notwendig.

Das Buch hat mich richtig gecatcht! Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen, sobald ich einmal angefangen hatte. Der Schreibstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürfrig und auch etwas unerwartet aber er hat mir sehr gefallen, das Buch wäre auch ohne diesen Schreibstil nur halb so interessant. Die Geschichte an sich ist auch total fesselnd, etwas verstörend aber unglaublich interessant. Die Themen sind natürlich keine leichte Kost und ein paar Szenen sind auch sehr explizit, aber alles in allem ein top Buch. 🪴

Ich bin einfach nicht richtig warm geworden mit diesem Buch. Alle Figuren wirkten so entrückt, wie in einem Traumkarussell, das sich schnell dreht. Das allerdings hat mir gefallen, wenn darunter eben auch die Bindung zu den Figuren gelitten hat. Allein der jüngsten Generation bin ich näher gekommen, jetzt wüsste ich gerne, wie es ihnen ergangen sein wird.
Sprachlich beeindruckend und atmosphärisch dicht!
In einem Seminar zu historischen Dramen habe ich mich vor kurzem intensiv mit dem Habsburgerreich und seinem Zerfall beschäftigt. Auch Nelio Biedermanns Roman »Lázár« setzt in dieser Umbruchszeit an und erzählt von einer Familie, deren Geschichte untrennbar mit dem Ende dieser alten Ordnung verbunden ist. Im Zentrum steht die ungarische Adelsfamilie von Lázár, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem abgelegenen Waldschloss lebt – einerseits noch getragen von adeliger Selbstverständlichkeit, andererseits bereits überschattet vom politischen Zusammenbruch der Monarchie. Mit der Geburt von Lajos wächst ein Kind in eine Welt hinein, die im Verschwinden begriffen ist. Über mehrere Jahrzehnte begleitet der Roman die Familie durch Krieg, Enteignung und Vertreibung und zeigt, wie sich mit jeder Generation ihr Verhältnis zu Herkunft und Zugehörigkeit verschiebt. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte des Autors entsteht so das Porträt einer Familie, deren privaten Brüche die politischen Erschütterungen des Jahrhunderts spiegeln. Seine eigentliche Kraft entfaltet »Lázár« in der Sprache. Schon der erste Satz erzeugt eine eigentümliche Sogwirkung und etabliert einen Ton, der sich bewusst von gegenwärtigen Erzählweisen absetzt. Lajos wird als „durchsichtiges Kind mit den wasserblauen Augen“ in die Geschichte eingeführt. In diesem Bild liegt bereits eine Vorahnung des Fragilen, das die folgenden Generationen prägt. Die angedeutete Durchlässigkeit setzt sich im Verlauf des Romans fort und spiegelt den inneren Zustand der Figuren: ihre Verletzlichkeit, ihre Fremdheit in der eigenen Herkunft und ihre Unsicherheit in einer Welt, die sich zunehmend auflöst. Biedermanns Stil wirkt wie aus einer anderen Zeit, ohne dabei zu anspruchsvoll oder distanziert zu erscheinen. Seine Sprache ist ruhig und von präziser Bildlichkeit getragen. Immer wieder durchziehen Naturmotive den Text und verdichten die Atmosphäre. Besonders gelungen sind die literarischen Verweise, die immer wieder in die Handlung einfließen. So verliert sich etwa eine der Figuren immer tiefer in den Nachtstücken von E.T.A. Hoffmann, bis die Grenze zwischen Imagination und Wirklichkeit zunehmend zu verschwimmen beginnt. Eine spätere Generation kommt durch Autorinnen wie Simone de Beauvoir und Virginia Woolf mit neuen Vorstellungen von Selbstbestimmung in Berührung. Für mich als Literaturwissenschaftlerin waren diese Momente eine große Freude, weil sie zeigen, wie sehr Literatur hier das Denken, Fühlen und Selbstverständnis der Figuren prägt. Gleichzeitig bleibt »Lázár« trotz dieser intertextuellen Bezüge ein sehr zugänglicher Roman. Die historischen Umbrüche werden nicht abstrakt erzählt, sondern in ihren Auswirkungen auf die Figuren spürbar. Über Generationen hinweg begleitet man sie durch Verlust, Anpassung und Aufbruch und erlebt, wie eng persönliches Schicksal und politische Realität ineinandergreifen. Es ist vor allem die Atmosphäre, die einen beim Lesen von »Lázár« in seinen Bann zieht. Das abgelegene Waldschloss, die ständige Präsenz von Vergangenheit und die stellenweise fast gothic anmutende Stimmung verleihen dem Roman einen ganz eigenen Ton. Im Zusammenspiel mit dem besonderen Schreibstil entsteht so das Bild einer Welt, die zwar im Verschwinden begriffen ist, aber in den Erinnerungen der Figuren weiterlebt. »Lázár« ist damit nicht nur ein Roman über den Niedergang einer Familie, sondern auch über die Spuren, die Herkunft und Geschichte in einzelnen Leben hinterlassen. Ein Roman, der in seiner ruhigen, beharrlichen Erzählweise eine eindringliche Wirkung entfaltet und lange nachhallt.

Ich wollte es so gern mögen!
Ich glaube, bei Lazar ist es wie mit Lakritz - Hass oder Liebe. Mich hat das Buch leider überhaupt nicht abgeholt. Ich habe immer ewig gebraucht, um die Charaktere zuordnen zu können und dann sind sie auch schon gestorben. Die eeeeewig langen Beschreibungen von dann doch gar nicht so relevanten Ereignissen haben dafür gesorgt, dass ich viele Teile nur überflogen habe. Der Sprachstil war mir insgesamt viel zu lang und verschachtelt. Der Autor hat mich immer wieder verloren. Ich wollte es wirklich so gerne mögen und es gab auch hier und da Absätze die mich tief berührt haben und ich kann grundsätzlich auch verstehen, warum man dieses Buch lieben könnte (anders als bei Lakritz ;)). ABER ich bin offensichtlich nicht die Zielgruppe und ich hätte das Buch vermutlich abgebrochen, wenn's nicht im Lesegrüppli gelesen worden wäre. Schade.
Da mich große Familiengeschichten und Sagas solcher Art normalerweise eher kalt lassen, hat mich diese nur umso mehr überrascht. Die turbulenten Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts, zwei Weltkriege und der Kommunismus bieten selbstverständlich einiges an Action-Potenzial, was aber gar nicht als Stärke oder Fokus hervorsticht. Es ist vielmehr die simple Tragik und schamlose Direktheit und oftmals auch ernüchternde Enttäuschung der einzelnen Schicksale, die mich am ehesten bewegten. Eine depressive Mutter, ein Vater so besessen und fixiert auf Rolle und Status, dass er Ersteres gar nicht bemerkt. Wir sich diese Eltern auf ihre Kinder auswirken. Auch das Waldschloss ist hervorragend in Szene gesetzt. Nostalgie und Schwermut triefen nur so aus den Seiten, und ich konnte genau fühlen, weshalb diese prachtvoll geschmückten Hallen und Korridore bei den Figuren erst noch Befremdlichkeit und Einsamkeit hervorrufen, später dann aber Nostalgie und Heimweh. Allerdings geht es nicht nur um die Gefühlswelt der Protagonisten, sondern auch primär um die rücksichtslose Grausamkeit der Welt gegenüber jedem Menschen, ob Blaublüter oder Bauer. Dieser Aspekt zeigt sich oft vor Allem in Gewalt. Auch Sex spielt eine große Rolle, auch in Kombination mit Gewalt. An dieser Stelle kann ich die Kritik verstehen, dass derartige Szenen überflüssig und abstoßend seien, ich für meinen Teil hingegen empfand sie stets als harmonisch in den Handlungsrahmen passend. Sei es die Gewalt oder auch das Liebesleben der Eltern, das Feuer der Jugend und deren geheime Sehnsüchte. Ersteres zeichnet ein unangenehm ehrliches Bild der Verhältnisse, und die anderen beiden Punkte veranschaulichen unsere Figuren besser und lassen sie menschlicher erscheinen, eben genau weil sie unangenehm sind. Das ist natürlich reine Ansichtssache, und daher kann ich gut verstehen, wenn dieser Roman dem ein oder anderen vor Ekel aus den Händen rutscht. Kurzum, eine Geschichte zum Mitfühlen und Verstehen, auch wenn sie, wie in meinem Fall, so fern meiner eigenen Geschichte ist.
Gutes Buch mit teilweise fragwürdigem Frauenbild
„Lázár“ ist ein spannender und atmosphärisch dichter Roman, der vor allem durch seine Sprache und die psychologische Tiefe überzeugt. Die Geschichte zieht einen schnell hinein, sie ist geheimnisvoll, düster und gleichzeitig fein beobachtet. Der Autor hat ein gutes Gespür für Stimmungen und dafür, wie widersprüchlich Menschen sein können. Trotz all dieser Stärken hat mich beim Lesen etwas gestört: das Frauenbild in dem Buch. Manche Szenen wirken überholt oder einfach unreflektiert. Besonders schwierig fand ich, dass ein Mann fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt wird. So etwas ist ein heikles Thema, das hier ohne wirkliche Notwendigkeit eingebaut wurde und leicht falsche Vorstellungen bestärken kann. Für die Handlung wäre das gar nicht nötig gewesen. Vielleicht liegt das daran, dass der Autor noch sehr jung ist und manche Dinge unbewusst übernimmt. Dabei merkt man eigentlich, wie klug und sprachlich stark er ist. „Lázár“ zeigt viel Talent und Tiefe, aber auch, dass zu einem wirklich reifen Roman mehr gehört als eine gute Sprache, nämlich auch Verantwortung für das, was man erzählt. 3,5/5 Sterne
Vermutlich mein Buch des Jahres 2026
Der Roman „Lázár“ von Nelio Biedermann hat mich tiefer berührt, als ich es zu Beginn erwartet hätte. „Ich muss erstmal gucken, was meine Familie Lázár macht“, sagte ich mehr als einmal zu meinem Mann, bevor ich das Buch in die Hand nahm. So nah fühlte ich mich dieser Familie – als stünde ich neben ihnen im Salon oder säße mit am Tisch. Biedermanns Sprache ist von einer bemerkenswerten Eleganz und Poesie getragen. Seine bildhaften Darstellungen verleihen dem Text eine sinnliche Dichte. Die Figuren werden weniger durch nüchterne Beschreibungen als vielmehr durch ihre Verhaltensweisen lebendig. In Gesten, Blicken, in dem, was gesagt – und vor allem in dem, was verschwiegen wird, entfalten sie ihre Konturen. Die Folgen des Unausgesprochenen ziehen sich wie ein feiner Riss durch Generationen. Der Roman spannt einen großen historischen Bogen: von etwa 1900 über die Weltkriege bis zur Flucht der Familie in den 1950er Jahren. Die Familie Lázár ist dabei nicht nur eine private Gemeinschaft, sondern Spiegel ihrer Epoche. Selbst eine Adelsfamilie, so wird deutlich, ist letztlich nur eine Schachfigur im globalen Machtgefüge. Was bleibt von einem Leben, wenn einem Besitz, Heimat und Gewissheiten genommen werden? Die hohe Erzähldichte hat mich beeindruckt. Die Handlung schreitet schnell voran, ohne dass die Figuren an Tiefe verlieren. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Charakteren und Ereignissen ist so groß, dass man das Bedürfnis verspürt, sich Notizen zu machen – man möchte alles begreifen, alles ordnen. Doch genau darin liegt vielleicht eine der zentralen Aussagen des Romans: Das Leben folgt keinem klaren Plan. Es geschieht uns. Ereignisse kippen ohne Vorwarnung. Positive und negative Entwicklungen folgen in engem Wechsel, sodass man als Leser:in kaum zur Ruhe kommt. Gerade noch befindet man sich in einer politischen, realistisch geschilderten Szene – im nächsten Satz wird sie durch eine humorvolle, fast absurde Passage gebrochen, die das Geschehen auflockert und zugleich die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen lässt. Dieses stilistische Spiel verleiht dem Text eine Mehrschichtigkeit, die ihn über das rein Historische hinaushebt. Anfangs erwartete ich eine vor allem unterhaltsame Familiengeschichte – und tatsächlich gibt es diese komischen, beinahe heiteren Momente. Doch im Verlauf des Romans wird deutlich, wie stark die Familiengeschichte in politische Umbrüche eingebettet ist. Szenen werden geschildert, die ich selbst zum Glück nie erleben musste, die mir aber aus Erzählungen älterer Generationen vertraut sind. Gerade diese Verbindung von persönlichem Schicksal und Weltgeschichte macht „Lázár“ so eindringlich. Biedermann gelingt ein Roman über das Hineingleiten ins Leben und das allmähliche Ausscheiden aus ihm, über Verlust und Erinnerung, über das Weitertragen von Schuld und Schmerz. Dem Urteil von Daniel Kehlmann kann ich mich nur anschließen: „[…] Ein wirklich großer Schriftsteller betritt die Bühne, im Vollbesitz seiner Fähigkeit.“ Nach der Lektüre von „Lázár“ steht für mich fest: Das nächste Buch von Nelio Biedermann werde ich kaufen, ohne auch nur einen Blick auf den Klappentext zu werfen. Leseempfehlung „Lázár“ ist eine klare Empfehlung für alle, die literarisch anspruchsvolle Romane lieben, die Geschichte fühlbar machen. Wer poetische Sprache, vielschichtige Figuren und die Verwebung von persönlichem Schicksal mit politischer Realität schätzt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen. Es ist ein intensiver Roman, der Aufmerksamkeit fordert.
Hat mich tatsächlich nicht so richtig überzeugen können. Ja, der Autor ist ultra jung und wie crazy ist es, diese ganze Lebensgeschichte über mehrere Generationen auf gut 300 Seiten zu packen aber irgendwie hat‘s mich emotional null berührt. Vielleicht war das alles zu schnell, zu wenig Text für zu viele Personen? Stilistisch war das jetzt auch nicht so meins 🤷🏻♀️
Ein müdes ungarisches Adelsgeschlecht erlebt den Untergang des 20. Jahrhunderts. Der Autor arbeitet seine eigene Familiengeschichte wie einen langatmigen Diavortrag ab. Nur vereinzelt mal ein gutes Bild. Insgesamt bleibt der Text aber seltsam distanziert und dröge. Eher was für Liebhaber langatmiger Texte
Einin großen Teilen extrem gut erzähltes Buch, mit Stärken und Schwächen. Ein Buch, das (hoffentlivh) bewusst so geschrieben wurde, über das man sich im Leserunden oder Buchclubs super austauschen, über das man streiten, diskutieren kann. Ein Buch, das auch mich zwigespalten zurücklässt, weil ich das Erzähltalent des Autors sehe, das ich aber auch mehrfach abbrechen wollte. Ein Bucj, das evtl. besser wird, je länger/ intrnsivrr man darüber nachdenkt. Ich schwanke noch zwischen 3,5 und 4 Sternen.
Ungarische Familiengeschichte mit Tiefgang
Nelio Biedermann hat mit seinem Debütroman Lázár eine opulente Familiengeschichte über die ungarische Adelsfamilie Lázár geschrieben, die wir durch die großen Kriege und Umbrüche des 20. Jahrhunderts begleiten. Von den letzten Jahren der habsburgischen Monarchie, über den ersten Weltkrieg und letztendlich Stalinisierung nach vorheriger Enteignung, ist der Untergang der ungarischen Aristokratie besiegelt. Die drei Generationen wachsen auf im fast mystisch anmutenden, ländlich gelegenen Waldschloß der Familie einerseits und einer Stadtresidenz in Budapest andererseits, eingebunden in die unerschütterlich scheinenden alten Traditionen. Die Väter und jeweiligen Söhne sind gefangen in den teilweise verkorksten Familienverhältnissen aus Alkoholismus, Traumata, Suizid… und versuchen sich jeweils aus diesen Verstrickungen zu befreien. Dem Autor gelingt es wunderbar, einen Eindruck der Figuren in ihrer jeweiligen Zeit zu vermitteln, aber auch ihre individuelle Psyche zu beleuchten. Dabei spricht viel Lebensweisheit aus den (zugegebenermaßen teilweise verschachtelten, aber trotzdem gut verständlichen) Sätzen. Mich hat der bildhafte, dichte, geradezu kompakte Erzählstil gefesselt und beeindruckt zugleich, mit dem Biedermann die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit seiner Protagonisten eindrucksvoll herausarbeitet. Ein außergewöhnliches Buch mit meiner unbedingten Leseempfehlung.
In “Lázár” von Nelio Biedermann geht es um die gleichnamige ungarische Adelsfamilie und ihren Aufbruch in ein neues Jahrhundert voller Umbrüche. Verhandelt werden außerdem Themen wie Krieg und Vertreibung und Findung der eigenen Identität. Ausgehend von der Geschichte des Barons um die Wende ins 20. Jahrhundert erzählt das Buch die Geschichte seines Sohnes Lajos und Enkels Pista, im größeren historischen Kontext bis in die 1950er Jahre. Biedermanns Werk ist ohne Frage sprachgewaltig und poetisch (vor allem im ersten Drittel) und schön erzählt, die Handlung schleppt sich jedoch auch ziemlich und mir ist es bis zum Schluss nicht gelungen, eine emotionale Verbindung zu den Protagonist*innen und der Erzählung aufzubauen. Was mich richtig gestört haben, waren die meist abstoßenden Liebesszenen und insgesamt ein Wording, was eher sperrig anmutet. Ich kann verstehen, warum dieses Buch so viele Lesende begeistert, es hat jedoch bei mir nicht “geklickt” und ich werde einen Großteil der Handlung wohl sehr schnell vergessen, weil nichts haften bleibt. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.





















































