Gute Beschreibungen. Mir fehlt die Handlung. Aber Einblicke in Psychiatrie, historische Entwicklung, Krankheiten.

Die Angst vor den eigenen Genen
Vorweg: Ich habe das Hörbuch gehört und der Sprecher hat mich mit seiner unaufgeregten (manchmal leicht ironischen) Art zu sprechen gut abgeholt. Ein ernstes Thema, dass durchaus spannend erzählt wird: Leons Leben steht im Schatten der zahlreichen psychischen Störungen und Diagnosen naher Verwandter (Mutter, Vater, Großeltern) – mehr, als er sich manchmal eingestehen will. Bei dem Buch handelt es sich um eine teils fiktionale Autobiographie des Autors, der hier Wahrheit und Fiktion zu einer fesselnden Geschichte vermengt.
Selten hat mich ein Autor so beeindruckt. Brillianter Mix aus Tragik, Ironie und Familie
"Es gibt keine Erlösung, keine Vergebung, nur die Akzeptanz dessen, was ist. Ich muss mich geschlagen geben. Es ist nicht mein Kampf, den ich verliere, aber ich verliere dennoch, ich verliere meine Eltern. Endlich gebe ich die Hoffnung auf. Ich bin nicht imstande, sie zu trösten, nicht so gut wie der Wein und die Einsamkeit." Eine Familiengeschichte auf 200 Seiten. Nein, eher eine Familienanamnese auf 200 Seiten. 200 Seiten Wahnsinn, Einsamkeit, Sucht, Schizophrenie, Depressionen, Hilfe, Entzug, Umkehr und Verlust. Eigentlich sollte der Junge Noel heißen, da sie Weihnachten liebten, aber es war zu modern, sie drehten die Buchstaben und nannten ihn Leon. Leon der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner Familie, alle waren sie verfallen entweder der Sucht, der Einsamkeit oder dem Wahn. Er versucht dem Theater zu entfliehen, schafft es nur halb. Am Ende wird er seine Eltern gehen lassen... Eine wunderbare Geschichte über die Außergewöhnlichkeit einer Familie. Keiner kann sich seine aussuchen. Ich bin positive überrascht. Kritik war viel zu hören, aber ich finde es ein super Debütroman.
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Nach dem Tod der Mutter unseres Protagonisten blickt er zurück auf seine Familiengeschichte die geprägt ist von verschiedensten psychischen Erkrankungen. Schon als Kind, als er in der Schule Vererbungslehre durchnimmt, wird ihm bewusst, wie schlecht seine Chancen stehen dem ganzen " Wahnsinn " zu entkommen, so ist es doch auch seinen Eltern, die sich der Gefahr ebenfalls bewusst waren, letztendlich nicht gelungen ein gesundes Leben zu führen. Er beschließt dem Thema 'psychisch krank' nicht als Patient, sondern als Psychologe näher zu kommen, und hofft so, dem ' Verrückt werden' zu entkommen, und mehr über die Krankheiten zu erfahren die ihn und seine Familie so verfolgen. Wir erfahren die Lebens- und Krankheitsgeschichten Eltern und Großeltern, darin eingewoben die zu der Zeit gerade aktuellen Behandlungsmethoden und - ansätze. Hier auch viele Zitate bekannter Psychologen u. Ä. Während seines Studiums arbeitet er in der Psychiatrie und beobachtet, wie individuell jede Krankheit ist, auch wenn sie diesen oder jenen Namen trägt, kann sie doch völlig verschieden verlaufen. Und behandelt werden, kann nur, wer auch behandelt werden will. Besonders haben mich hier die differenzierten Beschreibungen des Autors beeindruckt, und wie reflektiert er hier erzählt. Es gibt viele Zeitsprünge die aber immer gut nachvollziehbar sind. Toller Schreibstil, nüchtern und doch emotional, sehr tiefgehend und berührend. Hier ein kleines von vielen wunderbaren Zitaten: " Die Mutter meiner Mutter war wie Wasser. Heute Dampf, morgen Eis. " Ganz tolle, sehr eindrückliche Geschichte.

Genial! Ich hab’s total gerne gelesen!
💭 M E I N U N G Das Buch vereint Einblicke in das Innenleben einer Psychiatrie mit einer Familiengeschichte, welche geprägt ist von psychischen Krankheiten und Abhängigkeiten, weshalb der Protagonist selbst befürchtet, diesem Wahnsinn irgendwann zu verfallen. Die Erzählweise ist teils nüchtern und witzig, andererseits aber auch poetisch und verschnörkelt. Mir hat es sehr gut gefallen, wie der Autor diese beklemmende Thematik rüberbringt, ohne zu dramatisieren. Und auch wenn das Buch harte Themen aufgreift, wurde es distanziert erzählt, durch humorvolle Passagen aufgelockert und dadurch erträglich. Das Buch lebt zwar nicht von Spannung, trotzdem konnte ich das Buch nur schwer aus den Händen legen und war gefesselt von der Erzählung. Pluspunkte gibts für: -das wunderschöne Cover 🪴 -das Lesebändchen -die zarte und zugleich brutale Sprache -die kurzen Kapitel -den Unterhaltungsfaktor, den das Buch trotz harter Themen mitgebracht hat Leider hat mich das Ende nicht ganz überzeugen können, auch wenn’s zur Geschichte gepasst hat. ⭐️ F A Z I T Eine Erzählung über psychische Krankheiten und die Missstände unseres Gesundheitssystems - verpackt in eine humorvolle und zugleich beklemmende Familiengeschichte, die ganz wunderbar erzählt wird und mich einerseits nachdenklich, andererseits begeistert, zurücklässt. 💭 Ein Buch, das ich gerne weiterempfehlen werde! 🥰 Für mich fast unvorstellbar, dass das ein Debüt war! Ich hoffe, wir bekommen bald Nachschub von Leon Engler!

Was ist Realität? Und was ist Fiktion?
Botanik des Wahnsinns hat mich vor allem durch seine Atmosphäre und Sprache beeindruckt. Der Roman ist düster, intensiv und stellenweise fast beklemmend, gleichzeitig aber unglaublich poetisch geschrieben. Besonders gelungen fand ich, wie Erinnerungen, Trauma und Wahnsinn miteinander verwoben werden, sodass man als Leser:in selbst manchmal nicht mehr sicher ist, was Realität und was verzerrte Wahrnehmung ist. Die Figuren wirken verletzlich und authentisch, vor allem die familiären Dynamiken und der Umgang mit Verlust haben mich berührt. Manche Passagen waren sprachlich wirklich wunderschön und haben lange nachgewirkt. Einen Stern ziehe ich ab, weil die Handlung zwischendurch etwas schwer zugänglich und fragmentarisch war. Teilweise hätte ich mir mehr Klarheit oder einen stärkeren roten Faden gewünscht. Trotzdem ist es ein besonderes Buch, das sich deutlich von typischen Romanen abhebt und vor allem durch Stimmung und Sprache überzeugt
Tolle Sprache, verwirrende Geschichte
Das Thema dieses Buches hat mich sehr interessiert und ich war sehr gespannt. Die Sprache war sehr toll und viele Sätze sind mir hängen geblieben. Die Geschichte fand ich aber sehr verwirrend und es war schwer, den verschiedenen Familienkonstellationen zu folgen. Es gab leider wenig Bilder und Situationen in der Geschichte, die herausstachen. Trotzdem ein gutes Buch über psychische Krankheiten.
Die Sprache ist erstmal irritierend nüchtern und zurückhaltend, aber entwickelt doch im Laufe des Romans eine gewisse Wärme. Trotzdem fand ich „Botanik des Wahnsinns“ insgesamt nur okay. Leider blieben mir die Beobachtungen in der Psychiatrie und auch die Figuren im Leben des Protagonisten zu oberflächlich. Die biografische Aufarbeitung des Lebens seiner Eltern ist dagegen sehr berührend.
Anspruchsvoll und anstrengend.
Botanik des Wahnsinns handelt von einem Mann, dessen Familie über Generationen von psychischen Erkrankungen geprägt ist. Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter versucht er mithilfe alter Briefe und Unterlagen, die Familiengeschichte zu rekonstruieren. Gleichzeitig hat er Angst, selbst psychisch zu erkranken. Der Roman begleitet ihn durch verschiedene Lebensstationen und zeigt seinen Umgang mit Trauma, Sucht, Depression und der Frage, was überhaupt „normal“ ist. Später arbeitet er selbst in einer psychiatrischen Klinik und beginnt, psychische Erkrankungen differenzierter zu sehen. Botanik des Wahnsinns war für mich ein eher anstrengendes Buch. Das Thema rund um psychische Erkrankungen, Familiengeschichte und Trauma fand ich zwar interessant, aber der Schreibstil hat es mir schwer gemacht, richtig in die Geschichte hineinzukommen. Vieles wirkte auf mich sehr sprunghaft und teilweise fast schon wirr, wodurch ich oft den Faden verloren habe. Die Grundidee fand ich stark und manche Gedanken über Vererbung, Angst und „Normalität“ waren wirklich spannend. Trotzdem blieb für mich emotional zu viel Distanz. Insgesamt ein literarisch anspruchsvolles Buch mit wichtigen Themen, aber für mich persönlich eher mühsam zu lesen. Am Ende ist das Buch weniger eine klassische Handlung als eine intensive Suche nach Verständnis, Identität und Versöhnung mit der eigenen Herkunft.
Der Spaziergang durch den verwilderten Garten im Kopf zeigt, dass „Wahnsinn“ und Menschlichkeit ganz nah beinander liegen - klug und aufblühend erzählt!
Ja. Nein. Ich weiß es nicht.
Das Buch hat es mir echt nicht leicht gemacht und ich wollte es oft zur Zeite legen. Es kam mir vor wie eine Aneinanderreihung von Situationen aus dem Leben des Erzählers. Keine fließende Erzählung, sondern immer nur ein kurzer Ausschnitt - Cut - Nächste Szene. Das hat es schwierig gemacht, passt aber gleichzeitig zum Autor (Theater). Was mich hat dranbleiben lassen, war die Sprache oder genauer - die Beschreibung der verschiedenen psychischen Erkrankungen. Depression, Biploarität, Abhängigkeit, Schizophrenie (oder auch nicht? 👀), Einsamkeit, Schmerz. Nach so manchem Satz musste ich es erstmal zuklappen und einmal durchatmen, weil dieser Schmerz so heftig war. Ich würde das Buch nur dann empfehlen, wenn es auch mal nur die Sprache und das Gefühl beim Lesen sein darf ohne dass es eine große Handlung gibt. Und man muss für die Heftigkeit von Abhängigkeit und Biploarität bereit sein. Sprache: ⭐️⭐️⭐️⭐️ Handlung: ⭐️⭐️
Brilliant und mitten rein ins Wesentliche
Als Psychologin mit verrückter Familie und beruflicher Vergangenheit an der Bar, in der Suchtklinik, im Lagerhaus und in der Psychiatrie hat Leon Engler mich ohne Umweg umgehauen. Endlich hat mal jemand mein Gefühl in Worte gefasst, warum ich im Lagerhaus mindestens so viel über die Psyche gelernt habe wie an der Uni. Mir wars streckenweise etwas zu viel Sachbuch, aber das mag daran gelegen haben, dass ich das allermeiste schon kannte. Auch fachlich wirklich fundiert (leider nicht selbstverständlich!), brilliert der Text für mich besonders durch unheimlich nuancierte Beobachtungen. Es hat mir in der Tat so gut gefallen, dass ich es mir eingeteilt habe, um nicht zu schnell fertig zu sein. Jetzt bin ich es leider doch :(
Hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen.
Ich hatte es mir vor ein paar Wochen gekauft durch eine Empfehlung und ich wurde so gar nicht enttäuscht… es taucht etwas ein in meinen Beruf, was ich eigentlich dann nicht so mag, aber hier war es aus der Perspektive des Protagonisten so gut geschrieben, dass ich ihm einfach weiter folgen wollte, ihm und der Geschichte seiner Familie.
Ich habe noch nie etwas besseres gelesen, etwas so nachvollziehbares, etwas das go gut alles beschreiben kann..
Anspruchsvoll, aber schwer zugänglich
„Botanik des Wahnsinns“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt, das sich intensiv mit psychischer Krankheit und familiären Prägungen auseinandersetzt. Der Roman ist klug und ungewöhnlich, aber definitiv keine leichte Lektüre. Leider bin ich persönlich nur schwer in die Handlung hineingekommen, da sie eher fragmentarisch und essayhaft erzählt ist. Wer sich für Psychologie interessiert, tiefgehende Familiengeschichten schätzt und offen für literarische Experimente ist, könnte hier viel mitnehmen. Wer hingegen eine klare, spannende Handlung erwartet, wird sich vermutlich schwerer tun.
Kurzweilig, intensiv, nachvollziehbar!
Schonungsloses Buch über psychische Störungen
Vorab: man merkt dass der Autor sehr tief im Thema ist, und es verwundert auch nicht, dass er selbst Psychologe ist. Ob etwas autobiographischen dabei ist? Es geht um psychische Erkrankungen, deren Vererbarkeit, um Muster des Leides, die sich durch Familien fressen. Um Sprachlosigkeit. Um den Kampf der Familiegeschichte zu entfliehen, um den Wechsel auf die andere Seite der Psychatrie um zu verstehen. Um zu lernen dass die Vermessbarkeit und Klassifizierbarkeit, eben die Botanik des Wahnsinns auch nichts anderes ist als eine Illusion. Ein gutes Buch, aber sicher kein easy read.
Wahnsinn.
Ich hatte mich in das Cover verliebt. Der Klappentext klang interessant, trotzdem dauerte es etwas, bis ich dieses Buch in den Händen hielt. Nachdem ich es angefangen hatte zu lesen, hielt ich es immer seltener in den Händen, denn ich konnte den Einstieg einfach nicht finden. Es wird rezitiert auf Teufel komm raus, der Schreibstil schwangt zwischen faszinierend und unfreiwillig einschläfernd. Dabei hat der Kern so viel Potential. Die Natur, Vernunft, Sucht, eigentlich bekommt jeder etwas ab, was er verdient, doch wirkt alles ein bisschen wie im Fiebertraum geschrieben. Und nicht auf die positive Art. Leider. Ich habe mehrmals überlegt abzubrechen, aber man merkt die Mühe, die hier hineingesteckt wurde und fairerweise haben zumindest die letzten 30 Seiten bei mir nochmal ein versöhnliches Gefühl hervorgerufen. Keine Rettung per se, aber doch noch atmosphärisch und dicht. Ein langer Spaziergang durch einen überdüngten Irrgarten.
zwischen anspruch und erschöpfung
botanik des wahnsinns klang für mich im vorfeld sehr vielversprechend. der klappentext hat sofort mein interesse geweckt und ich habe eine tiefgründige, bewegende geschichte erwartet. an einigen stellen blitzt dieses potenzial auch auf: einzelne formulierungen sind gelungen, regen zum nachdenken an und zeigen sprachliches feingefühl. auch die wortspiele haben mir stellenweise gut gefallen. das buch bewegt sich zwischen autobiografischen elementen und fiktion. eine mischung, die grundsätzlich sehr spannend sein kann. in diesem fall hat sie für mich jedoch nicht richtig funktioniert. schon zu beginn hatte ich das gefühl, keinen richtigen zugang zur geschichte zu finden. der schreibstil wirkte oft sehr nüchtern und distanziert, fast wie ein sachtext, wodurch mir die emotionale nähe gefehlt hat. viele passagen zogen sich in die länge und machten das lesen eher anstrengend als fesselnd. auch inhaltlich blieb für mich vieles hinter den erwartungen zurück. gerade weil diese kombination aus persönlicher erfahrung und fiktion viel raum für tiefe und emotion bietet, hätte ich mir mehr verbindung zur geschichte gewünscht. stattdessen blieb vieles auf distanz, sodass ich kaum mitfühlen konnte. insgesamt hinterlässt botanik des wahnsinns bei mir vor allem enttäuschung. nicht, weil es keine guten ansätze gibt, sondern weil diese ihr potenzial für mich nicht entfalten konnten.
Ein unglaublich persönlicher, offensichtlich autobiographischer, und sehr ehrlicher Roman. Ich habe viel über Psychiatrie und deren Geschichte gelernt, die Hybris der Wissenschaft mit ihrem von vorneherein zum Scheitern verurteilten Hang zum Klassifizieren. Jeder Mensch ist einzigartig, und eben auch seine Geschichte. Die Ursachen von Schizophrenie, Depression, Suchterkrankung usw. sind darum immer im Persönlichen zu suchen. Besonders einleuchtend fand ich Englers Gedanken zur Drogensucht, die für den Süchtigen im Grunde nicht das zu bekämpfende Problem, sondern aktuell in seiner Situation die Lösung darzustellen scheint. Die Psychiatrie kann nur dabei helfen, diese Situation bzw. wie es dazu kam, zu beleuchten, was für den Patienten nur persönlich gelingen kann. Engler hat sich intensiv mit den Krankheitsgeschichten seiner Eltern und Großeltern beschäftigt, hat sich empathisch in sie hineinversetzt, immer mit der Angst, selbst verrückt zu werden. Besonders interessant fand ich seine Überlegungen darüber, wie psychische Krankheiten innerhalb einer Familie von Generation zu Generation regelrecht "weitervererbt" werden: Seite 145: "Meine Mutter trank mit unbeirrbarem Durst, als hätte sie seit ihrer Kindheit darauf gewartet. Ich glaube nicht an Vorbestimmung, aber wenn ich daran glauben würde, würde ich sagen, das war es. Der Rausch hellt das Leben für einen Moment wieder auf. Das Belohnungszentrum wird aktiviert, das Gehirn geflutet von Dopamin und Endorphinen, die Lachmuskeln, beginnen zu zucken. Warum trank sie? Seit wann trank sie? Wie lange würde sie noch trinken? Ich wusste es nicht genau. Ein Jahr noch oder für immer? Kaum jemand beginnt damit, weil es ihm schmeckt. Auch sie musste es sich antrainieren. Sie hatte früher nur gelegentlich getrunken; musste sich hocharbeiten. Schluck für Schluck. Sie musste das Trinken lieben lernen. So wie ihre Mutter. So wie ihr Vater. So wie ihr Großvater. Am Ende war es ihr Liebstes. Der letzte Grund, morgens noch aufzustehen. Als ihr das Lachen zu vergehen drohte, konterte sie mit Alkohol. Das älteste Mittel zur Stimmungsaufhellung und Weltflucht. Als Noah von der Arche ging, betrank er sich." Seite 195: "Mit der Zeit wurde mein Vater seinem immer ähnlicher. Beide lebten allein. Beide vergaßen ihre Söhne. Nachempfinden, das bedeutet in unserer Familie nicht nur, sich hineinzuversetzen in die Lage des anderen, sondern eine ähnliche Lage herzustellen." Ein nachdenklicher, teils bis zur Schmerzgrenze melancholischer Roman, aber nicht ohne Ironie und besonders mit Sprachwitz.
Ein kluges Büchlein voller wundervoll geschriebener Sätze mit Wortwitz und Verstand.
Super geschrieben, viel Wissen enthalten, regt zum Nachdenken an

Wenn Rückfälle das Leben bestimmen
"Botanik des Wahnsinns" von Leon Engler hat mich auf eine sehr eindringliche Weise beeindruckt. Besonders die Geschichte der Eltern des Protagonisten ist mir im Kopf geblieben – die vielen Rückfälle, die Ortswechsel, die festgefahrenen Verhaltensmuster und vor allem, wie schwer es ist, sich aus einer solchen Krankheit zu befreien. Sehr intensiv fand ich auch, in was sich Betroffene flüchten – neben dem Alkohol vor allem dieses Fernweh des Vaters, verbunden mit der Hoffnung auf einen Neuanfang. Diese Mischung aus Realität und innerem Ausbruch war durchgehend spürbar. Gleichzeitig bekommt man einen sehr direkten Einblick in das Leben eines psychisch kranken Menschen: sein Verhalten, die Symptome und auch die verschiedenen Behandlungsansätze und Medikation. Gerade die Abläufe und Methoden innerhalb einer Psychiatrie waren für mich als Laien besonders interessant und informativ. Ebenso wie viele verschiedene Arten von psychischen Erkrankungen es gibt: Schizophrenie, Manie ... Der Stil ist dabei durchgehend nüchtern und faktenorientiert, was die Wirkung eher noch verstärkt. Nichts wird dramatisiert – und genau das macht es so bedrückend. Am Ende bleibt vor allem eine sehr schwere, beklemmende Stimmung zurück. Ein Buch, das nicht leicht zu verdauen ist und definitiv noch lange nachwirkt. Jedem der interessiert an diesem Thema ist, kann ich das Buch empfehlen.

Eine Familiengeschichte der anderen Art
Jedem, der sich für verschiedene psychische Erkrankungen bzw. deren Entstehung interessiert, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Der Autor, dessen Familienmitglieder von verschiedenen Erkrankungen Zeit ihres Lebens begleitet wurden, schildert sein Erleben mit diesen Menschen und das spätere Verstehen dadurch dass er Psychologe wird und zeitweise in einer Psychiatrie arbeitet, mit viel Verständnis und Mitgefühl.
Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Einfach genial.
Botanik des Wahnsinns ist mein absolutes Jahreshighlight und das im April. Der Schreibstil ist schlichtweg traumhaft und trägt einen behutsam durch eine tiefgründige Geschichte. Besonders beeindruckt hat mich, wie psychische Erkrankungen hier greifbar und verständlich erklärt werden, ohne an Leichtigkeit zu verlieren. Ein stimmiges Gesamtwerk, das lange nachhallt und zum Nachdenken anregt – eine ganz große Empfehlung!
Die Schreibweise war beeindruckend und echt philosophisch.
„Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler erzählt nüchtern und eindringlich von einem transgenerationalen Familientrauma und einer schweren Familiengeschichte. Gerade der klare, unaufgeregte Schreibstil war für mich besonders wirkungsvoll. Das Buch hat mich stark zum Nachdenken angeregt, vor allem darüber, wie sich solche Prägungen über Generationen hinweg fortsetzen und ob man sich daraus lösen kann. Es ist ein Werk, das Meinungen teilen könnte, aber besonders für Leser wie mich mit Interesse an Psychologie sehr überzeugend war.
Geht unter die Haut und wirkt noch lange nach.
Schreibstil anfangs gewöhnungsbedürftig, viele Zeitsprünge. Dann aber gut zu lesen

Tragisch und morbide humorvoll! Exzellenter Schreibstil und kluge, wohlklingende Sprache!
Lieber verrückt als einer von euch Zunächst ist es bei diesem Roman sicherlich das psychedelische Cover, das einen wortwörtlich sofort ins Auge sticht. Es verbindet den Titel und den Inhalt des Buchs sehr anschaulich und sorgt für Unruhe beim Betrachten. Aus der Ich-Perspektive wird die gesamte Familiengeschichte erzählt, das Aufwachsen der Mutter, die Vergangenheit des Vaters, Einblicke in die Welt der Großmutter und der Entstehungs-/Schaffensweg des Erwachsenen Erzählers. Sowohl die Figur im Roman als auch der Autor Leon Engler haben einige Parallelen, zumindest in Ausbildung und Beruflicher Laufbahn (Theaterwissenschaften und Psychologie), sowie Lebensorte, wodurch wohl ein autobiografischer Aspekt vorhanden ist. Ich finde gerade den Aufbau zu Beginn mit Rückblick auf die Familiengeschichte und ihre "Biografie des Wahnsinns" und den folgenden Eintritt des Erzählers in die Psychiatrie, aber als Psychologe, äußerst gelungen. In seiner anschließenden Arbeitszeit dort, wechselt er mehrmals die Stationen: Ein grausamer Blick in die (wahrhaftige) Realität von Schizophrenen und ihre eigentliche Einsamkeit, die tiefste Traurigkeit und die für sie anders vergehende Zeit der Depressiven und in der Entzugsabteilung das ständige Problem nicht abzustumpfen, dem Zynismus und der Verbitterung zu verfallen, aufgrund der unumgänglichen Rückfälle der Patienten. Der Titel des Romans erschließt sich im Laufe der Handlung, da Pflanzen ständige Begleiter des Hauptprotagonisten sind und die ersten Einteilungen der psychischen Erkrankungen sollen nach dem gleichen Prinzip wie die, der Präzision der Botanik von Pflanzen erfolgt sein(Thomas Sydenham). Der Schreibstil hat definitiv einen sehr zynischen, vielleicht sarkastischen Touch mit ein wenig Wiener "Schmäh" und Insidern, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man einige Zeit in Wien gelebt hat (z.B. die viele Nackte auf der Bühne des Burgtheater oder der Narrenturm). In kursiver Schrift sind zahlreiche Zitate von verschiedenen Werken von etwa Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud oder Arthur Schopenhauer eingebaut, die am Ende des Buchs im "Notizbuch des Nachbarn" als Literaturnachweis aufgelistet sind. Zudem stellen sich zahlreiche rhetorische Fragen, die zur Selbstreflexion anregen und das Mensch-sein an sich hinterfragen ("Was war ein richtiger Mann? Was ist ein richtiger Vater? War es das Nichts-tun, das sie so lähmte? Weil die Sucht ein Destillat einer unstillbaten Sehnsucht ist?"). Eine besondere Eigenheit ist der morbide Humor, bei dem das Sprichwort "zu lachen um nicht weinen zu müssen" wie die Faust aufs Auge passt, so beschreibt er z.B. Liebe auf den ersten Blick als Lobotomie. Aber es ist genau dies und die ausgewählte, schöne deutsche Sprache, die diesen Roman zu etwas sehr Besonderem machen. Fazit: Empfehlenswert ist dieser Roman in meinen Augen vorallem, wenn man selbst aus dem Fach Psychologie kommt.
Wie viele Kisten braucht das Leben?
Ich habe die ersten Seiten dieses Buches in der Buchhandlung gelesen, um Wartezeit zu überbrücken. Und konnte es kaum aus den Händen legen. Habe es mir dann Wochen später gekauft, nochmal von vorn gestartet und dann relativ schnell ausgelesen. Eine wunderbare berührende Geschichte über das Leben, die Psyche und die Hassliebe zur Familie, die mich in eine sehr melancholische Stimmung versetzt hat. Mir hat die Sprache gut gefallen, irgendwie liest es sich auch sehr zeitlos.
Biografische Aufarbeitung einer traumareichen Familiengeschichte
Eine deprimierende Geschichte mit einem Anflug von Humor und etwas Hoffnung. Die erste Hälfte des Buches habe ich sehr genossen. Humorvoll und interessant bot sich mir diese von Tragik und Krankheit gespickte Familiengeschichte dar. Ich weiß nicht was passiert ist, aber ab ca 65% war mein Interesse weg und ich wollte eigentlich nur noch wissen, wie es endet. Ich fand die Familiendynamik spannend und den Zwiespalt mit Angst und Sehnsucht als Kind von Eltern, die sich irgendwie ganz und gar verloren haben, aber dann ging es viel um die Arbeit in der Klinik und einige Zitate von berühmten anderen Psychologen und Ärzten und da war ich dann etwas raus. Zum Ende hin, war ich wieder etwas dabei als die Eltern wieder auftauchten, aber so ganz und gar war ich nicht mehr dabei. Unterhaltend, alle Male, aber ein Buch mit großen Spannungsbogen ist es nicht.
Als Hörbuch gekauft. Fand es ein sehr interessantes Thema. Der Autor hat es sehr gut geschafft die verschiedenen Krankheitsgeschichten der ganzen Familienangehörigen des Protagonisten aufzuzeigen. Es ist sehr flüssig geschrieben, was man auch sehr gut beim Hörbuch heraushört. Der Sprecher macht ebenfalls einen sehr guten Job. Ein Buch dass möglicherweise aber nicht für jeden etwas ist, da die ganzen Krankheiten wirklich gut beschrieben sind und es für manche Lesende zu nah gehen kann. Dennoch ein empfehlenswerter Roman.
Eher nüchtern geschrieben. Es macht sehr betroffen, wie trist viele Leben gelebt werden. Leider hat mich die Geschichte nicht wirklich abgeholt, obwohl das Thema sehr wichtig ist und Titel und Cover mehr als gelungen sind.
Die Vielfältigkeit der psychischen Krankheiten
Die Story scheint wie eine Autobiografie, ist sicherlich jedoch mit Fiktion verbunden. Beschrieben wird das schwierige familiäre Umfeld des Protagonisten, in welcher etliche psychische Krankheiten Einzug hielten. Aus diesem Grund besteht beim Autoren/Protagonisten eine extreme Angst vor eigener Erkrankung und des eigenen „Wahnsinns“. Durch sein dadurch begründetes Psychologiestudium werden vielerlei Erkrankungen, Diagnosen und Therapiemaßnahmen erläutert. Insgesamt waren die Themen sehr interessant, da sie mich auch regelmäßig beruflich betreffen. Der Schreibstil wirkte für mich jedoch schon fast klinisch und es herrschte eine trübsinnige Stimmung, was mir langfristig die Freude am lesen genommen hat. 🌻🌸🌷💧🍷💤
Leon Englers Botanik des Wahnsinns entfaltet eine leise, aber eindringliche Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. In einer Sprache, die klar und zugleich poetisch wirkt, erinnert der Roman stellenweise an die beklemmende Innensicht aus Die Glasglocke von Sylvia Plath oder an die existenzielle Schwere von Veronika beschließt zu sterben. Besonders beeindruckend ist der Ich-Erzähler: Er bewegt sich nah am Abgrund, ohne ihm vollständig zu verfallen. Gerade diese fragile Balance verleiht dem Text seine Spannung und Tiefe. Engler verzichtet dabei bewusst auf einfache Erklärungen – auch die familiären Hintergründe bleiben skizzenhaft, fast distanziert, was die Wirkung eher verstärkt als mindert. Am Ende bleibt kein lauter Knall, sondern eine stille Traurigkeit, die nachhallt. Ein Buch, das weniger erklärt als fühlen lässt – und gerade darin seine Stärke hat.

Als bei der Zwangsräumung der Münchner Wohnung seiner Mutter versehentlich alles von Wert in der Verbrennungsanlage landet, bleibt dem Erzähler buchstäblich nichts als der Müll der Familie. Doch daraus folgt eine Auseinandersetzung mit seiner Familiengeschichte, ein Zurückblicken und die große Frage, ob Wahnsinn vererbbar ist. Sein Vater ist depressiv und einsam, seine Mutter Alkoholikerin, seine Großmutter versuchte mehrmals, sich umzubringen - niemand seiner Angehörigen hatte es leicht. Und letztlich landet der Erzähler selbst in der Psychiatrie, allerdings nicht als Patient, sondern als Psychologe. Leon Englers autofiktionales Romandebüt "Botanik des Wahnsinns" hat mich ganz oft berührt, ich mochte seine Art zu erzählen und habe mich sehr in seine Sprache verliebt. Obwohl die Familiengeschichte, die er über drei Generationen hinweg erforscht, sehr tragisch ist, hat der Roman eine durchaus humorvolle Seite, die den Erzählstoff erträglicher macht. Immer wieder stellt sich die Frage, was eigentlich ein "normaler" Mensch ist. Abwechselnd blickt Leon Engler in die Vergangenheit der Angehörigen und den Werdegang des Erzählers, von München über Wien bis nach New York. "Botanik des Wahnsinns" ist ein feinfühliges und gelungenes Debüt, das ich gerne empfehle - es ist traurig und lustig zugleich.

In sachten und unspektakulären Erzählungen führt uns Leon Engler in die fragile Welt der psychisch Erkrankten und die damit verbundenen Herausforderungen ihrer Angehörigen. Zugegeben - due Erzählweise wirkt monoton und langatmig. Doch hinter dieser Monotonie verbergen sich sachte Andeutungen und ausdrucksstarke Sätze mit viel Tiefgang. Sowie das Leben mit psychisch Erkrankten Personen einen langen Atem braucht, so ähnlich erging es mir mit diesem Buch. Und trotzdem finde ich, es verdient vollen 4 Sterne! Die wortgewalt und die Tiefe Bedeutung vieler Sätze haben einen großen Nährwert und werden noch lange in meinem inneren nach hallen. Vielleicht kein Buch für jede Person, trotzdem eine klare Leseempfehlung für all Jene die in dieser Szenerie zu Hause sind.
Ein langsames, sprachlich schönes und unaufgeregtes Buch über transgenerationelles Trauma.

Das Buch „Botanik des Wahnsinns“ verkörpert die Geschichte einer Familie, in der sich psychische Erkrankungen, traumatische Erfahrungen und ihre Auswirkungen über mehrere Generationen hinweg entfalten und miteinander verwoben sind.
„Botanik des Wahnsinns“ hat mir wirklich sehr gut gefallen. Wirklich schön fand ich, wie der Titel immer wieder im Buch aufgegriffen wird und sich durch viele Gedanken und Geschichten zieht. Die Aufarbeitung von Generationstraumata fand ich sehr stark, vieles wird klar benannt und verständlich miteinander verbunden. Durch meine Zeit als Pflegekraft in der Psychiatrie konnte ich unglaublich viele Situationen und Dynamiken wiedererkennen. Das hat das Buch für mich noch einmal viel greifbarer gemacht. Der Schreibstil ist sehr fließend und angenehm zu lesen. Wie bei vielen Büchern braucht man kurz, um hineinzufinden, aber dann hat es mich wirklich abgeholt. Zwischendurch wird es etwas klinischer, besonders bei diagnostischen Themen... das muss man mögen. Für mich war es aber genau das Richtige. Insgesamt ein sehr ehrliches Buch mit einem respektvollen Blick auf Psyche und Psychiatrie. Ich habe es wirklich gern gelesen. Danke an meinen Mann der mir dieses Buch geschenkt hat 💚

Was bedeutet es überhaupt, "normal" zu sein?
In "Botanik des Wahnsinns" ist das eine zentrale Frage, die wir mit vielen anderen versuchen, beantworten zu können. Dabei spielen psychische Erkrankungen und schwierige Beziehungen (auch zwischen Familienmitgliedern) eine große Rolle. Ein sehr offenes, ehrliches Buch, das diese Themen zeigt, ohne sie zu vereinfachen/ zu dramatisieren etc. . Schön fand ich, dass der Erzähler dabei auf zwei Seiten steht, einmal ist er jemand, der Familie mit psychischen Erkrankungen hat und versucht, mit der Angst umzugehen, selbst betroffen/erkrankt zu sein und auf der anderen Seite ist er jemand, der in einem psychologischen Umfeld arbeitet. - Sehr spannend, diese beiden Bereiche kennenzulernen. Die Storyline mit dem Nachbarn hat mir sehr gut gefallen, dabei kam ich wirklich ins Nachdenken! Leider war mir auf Dauer die Erzählweise zu durcheinander und die Spannung ließ irgendwann nach. Ich persönlich habe gerne eine klare Struktur in Büchern, die es hier eher weniger gab. Was aber natürlich nur meine Vorliebe ist, da geht es sicherlich vielen anders.🫣 Außerdem kam es mir manchmal so vor, als würden viel zu viele Informationen gegeben werden, die so nicht nötig waren. Es wurden vielen Szenen ausschweifend erzählt, wo mir die kurze Version auch gereicht hätte. Mehrere Zeitliche Ebenen, viele Standorte, sehr sprunghafte Übergänge - das hat es mir schwer gemacht, dem Roman zu folgen. Sehr schade! Ein schöner Roman, der wirklich sehr eigen und einzigartig ist, gerade weil der Schwerpunkt hier auf den Gedanken und Fragen liegt. Nicht immer leicht zu lesen, aber sehr eindrucksvoll. 🙃
Der Erzähler, in dessen Familie so ziemlich alle psychische Krankheiten vorkommen fürchtet sich davor selbst krank zu werden. Schließlich studiert er Psychologie und arbeitet in der Psychiatrie, in der auch Familienmitglieder behandelt wurden. Er beschreibt die einzelnen Krankheitsbilder sehr ausführlich und verknüpft damit die Erinnerungen aus seiner Kindheit mit den einzelnen Familienmitgliedern. Stellenweise fand ich die Beschreibungen etwas zu lang, dennoch gibt es immer wieder interessante philosophische Gedanken.
„Aber wenn ich eines in meinem Studium gelernt habe, dann, dass die Seele eine vage Idee ist. Sie entwischt dem menschlichen Wunsch nach Eindeutigkeit immerzu.“ Das ist nur eine von vielen Passagen aus Leon Englers Buch, die mich beim Lesen dazu gebracht haben, innezuhalten, nachzudenken und nachzufühlen. In Botanik des Wahnsinns begleiten wir den Erzähler, einen jungen Mann, der bei der Wohnungsauflösung seiner Mutter feststellt, dass keinerlei Erinnerungen, Dokumente oder Fotos mehr geblieben sind, die die Geschichte seiner Familie dokumentieren. Der Urgroßvater war Suchtkrank, die Großmutter ebenfalls und dazu bipolar, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Welche Diagnose wird ihn also ereilen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, taucht er tief in die Familiengeschichte ein und entscheidet sich schließlich selbst für die Psychiatrie- allerdings als Psychiater. Er arbeitet dort auf verschiedenen Stationen und begegnet dort vielen Krankheitsbildern, die auch in seiner Familie vorkommen. Dabei lernt er viel, was weit über das hinausgeht, was man aus Lehrbüchern über psychische Erkrankungen lernt. Die Angst vor dem eigenen Verrücktwerden ist dabei immer präsent. Doch was ist das eigentlich- verrückt sein? Wo fängt Wahnsinn an und hört er wirklich bei demjenigen auf, der ihn diagnostiziert? Und wie definiert sich der Zustand „geheilt“? Botanik des Wahnsinns hatte mich von der ersten Seite an. Auch, weil ich die Angst des Erzählers davor, selbst krank oder „verrückt“ zu werden irgendwie nachfühlen kann. Und auch, weil hier die Geschichte einer Arbeiterfamilie erzählt wird und ich finde, das mehr Geschichten aus dieser Bevölkerungsschicht erzählt werden müssen. Obwohl man beim Lesen oft in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche blickt, hat mich das Buch nicht runtergezogen. Leon Engler schreibt in der ersten Person, was Nähe schafft. Allerdings ist sein Erzähler wenig emotional, was wiederum Distanz bringt und ich denke, damit wird hier für mich genau der richtige Ton getroffen, der dazu führt, dass einem die Story nicht runterzieht. Bei der Darstellung des Psychiatrie-Alltags wurden die Missstände und unser unzureichendes Gesundheitssystem deutlich hervorgehoben. Ich denke, wir müssen mehr über psychische Gesundheit und Krankheit sprechen, mehr darüber lesen und kann Botanik des Wahnsinns daher nur empfehlen!
Interessantes Thema, literarisch jedoch für mich nicht überzeugend.
Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch – Titel, Cover und Klappentext versprechen eine intensive, literarisch anspruchsvolle Auseinandersetzung mit psychischer Krankheit und familiären Dynamiken. Leider konnte das Buch diese Erwartungen für mich nicht erfüllen. Der Roman ist in sehr kurzen, teilweise fragmentarischen Abschnitten geschrieben. Dadurch entsteht eine gewisse Unruhe im Lesefluss. Besonders als Hörbuch verstärkt sich dieser Effekt: Gedanken, Fakten, Erinnerungen und Beobachtungen wechseln sehr schnell, oft ohne klare Struktur oder erzählerische Entwicklung. Für mich wirkte vieles eher aufgezählt als wirklich erzählt. Hinzu kommt, dass der Autor häufig sehr fachlich über psychologische Diagnosen und Therapieansätze schreibt. Dadurch tritt zeitweise weniger der Schriftsteller als vielmehr der Psychologe in den Vordergrund. Die vielen Informationen und Einschübe wirken teilweise zusammenhangslos und nehmen der Geschichte erzählerische Tiefe. Sehr detailliert wird dagegen das Leiden der Figuren beschrieben. Die immer wiederkehrenden Darstellungen von Depression und psychischer Verzweiflung erzeugen eine sehr schwere, bedrückende Stimmung. Das Buch wird teilweise als „tröstend“ beschrieben – diesen Eindruck konnte ich persönlich jedoch nicht teilen. Thematisch ist der Roman durchaus interessant und kann einen Einblick in die Lebensrealität psychischer Erkrankungen geben. Aus literarischer Sicht hat mich die Umsetzung jedoch nicht überzeugt. Schade – gerade aufgrund von Titel, Cover und Thema hatte ich mir deutlich mehr von diesem Buch versprochen.
Sprachlich brillant, und immer wieder blitzt die Ironie auf, mit der der Ich-Erzähler die Geschichte seiner Familie begleitet. Beides ganz großartige Schreibkunst! Und trotzdem ist mir dieser Roman - zumindest bei der Erstlektüre - weitgehend fremd geblieben und bin ich leider zu keinem Zeitpunkt im Sog der Geschichte gelandet. Finde ich für mich ebenso wie für dieses besondere Buch (und das ganz besonders schöne Cover!!!) wirklich schade!
Wie wird man verrückt? Was ist das überhaupt, der Wahnsinn? Auf sehr gekonnte Art und Weise, die sich nur manchmal überspitzt anfühlt, beleuchtet Leon Engler die vielen Facetten und Gründe für diesen von den Normalen als "Verrücktheit" betitelten Zustand. Überspitzt kam es mir wohl nur vor, weil das Glück hatte, solche Dinge nicht selbst erfahren zu haben. Die Schattierungen und verwandten Formen dürften aber den meisten von uns bekannt sein. Der Schmerz, die Unfähigkeit damit umzugehen und die Betäubung, der wir uns willig hingeben, auch wenn sie uns zerstört. Vom Leben gebrochen zu werden, und unsere Liebsten mit uns zu zerren. Wie eine Familie am Schmerz der Eltern zerbricht, und die Kinder unfreiwillig in deren Fußstapfen treten. Dieses Buch ist nicht erbaulich, aber es öffnet die Augen gegenüber dem Verrufenen, dem Bemitleidenswerten und Geächteten, das uns alle in der ein oder anderen Form umgibt, über das wir nicht gerne sprechen, wofür wir uns schämen.
Manchmal beendet man ein Buch und denkt: War gut – aber das Ende… hm. 😅 So ging es mir hier auch. Irgendwie hat mich das Ende ein bisschen enttäuscht, gleichzeitig hatte ich genau so etwas schon geahnt. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt wirklich gut gefallen. Die Geschichte war anders als vieles, was ich sonst lese. Besonders mochte ich den eher nüchternen, fast emotionslosen Stil. Ich glaube, wäre das emotionaler geschrieben gewesen, hätte mich das Ganze deutlich mehr runtergezogen. Die Beschreibungen und Erzählungen über Depressionen fand ich treffend und haben mich sehr berührt. Zwischendurch blitzte immer wieder ein trockener Humor auf – den habe ich sehr genossen. Davon hätte ich mir ehrlich gesagt noch etwas mehr gewünscht.
Zwischen der Sorge und dem Umgang mit psychischen Erkrankungen -
Das Buch erzählt die Geschichte von generationenübergreifenden psychischen Erkrankungen und der Sorge, die der Erzähler hat selbst hiervon betroffen zu sein. Er versucht die Leben seiner Eltern und Großeltern aufzuarbeiten und erkundet hierbei die verschiedenen Schichten von "Wahnsinn". Der Erzählstil ist eher kurz und prägnant, was eigentlich dazu führt, dass es sich fast poetisch anhört. Dadurch ist es aber auch teilweise etwas abgehackt, was besonders beim Hörbuch zeitweise schwierig war, obwohl der Sprecher eigentlich einen guten Job macht. Die Stimmung, die im Buch kreiert wird, wirkt bedrückend und passt somit zur Geschichte. Ein wirklich interessantes Buch, mit einer besonderen Art des Erzählens.
Psychische Erkrankungen und transgenerationales Trauma anhand einer Familiengeschichte Der nüchterne, distanzierte Schreibstil ist gut gewählt, bzw. spiegelt den Protagonisten sehr gut wieder, gehört aber nicht zu meiner bevorzugten Perspektive. Es ist schon fast kunstvoll, wie sehr die drückende Stimmung, uns die Symptome einer Depression spüren lassen. Es gab einige tiefgründige, zum Nachdenken anregende Sätze, einige Zitate haben mir ebenfalls gut gefallen. Auch die authentische Darstellung von psychischen Erkrankungen und der Psychiatrie sind gut gelungen. Ihr ahnt es schon, ABER… Ich hatte wohl einfach andere Erwartungen, neue Erkenntnisse vielleicht zu, etwas mehr absurd-komische Psychiatriedetails hätten mir gefallen. Davon leben wir in der Psychiatrie, nur so lässt sich der Negativismus, das ganze Leid aushalten. Die Stimmung ist mir insgesamt zu destruktiv, ich habe nichts Neues gelernt oder neue Erfahrungen gesammelt. Ich finde bei diesem Buch Triggerwarnungen sinnvoll, es sollte nur in einer stabilen psychoemotionalen Situation gelesen werden. Mag sein, dass es auch Betroffene geben mag, die es hilfreich finden, dass ihr Leiden so spürbar gemacht wurde, aber ich sehe auch Gefährdungspotenzial! Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber ebenfalls, dass es jetzt vorbei ist.

















































