Ansichten eines Clowns
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Description
»Heinrich Böll zeigt, was so selten gezeigt wird: den Alltag einer Liebe.« Marcel Reich-Ranicki
»Ich bin ein Clown, im Augenblick besser als mein Ruf.« Hans Schnier, einst ein gefragter Pantomime und Spaßmacher, sitzt, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, zum Bettler degradiert auf den Stufen des Bonner Bahnhofs.
Weitere Informationen zu Heinrich Böll gibt es unter:
www.heinrich-boell.de
Book Information
Author Description
Heinrich Böll, geboren am 21. Dezember 1917 in Köln, nahm nach dem Abitur eine Lehre im Buchhandel auf, die er bald abbrach. Nach einem gerade begonnenen Studium der Germanistik und klassischen Philosophie wurde Böll 1939 zur Wehrmacht eingezogen.1945 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Köln zurück, wo er sein Studium wieder aufnahm und in der Schreinerei seines Bruders arbeitete. Ab 1947 publizierte er in Zeitschriften und wurde 1951 für die Satire ›Die schwarzen Schafe‹ mit dem Preis der Gruppe 47 ausgezeichnet. Fortan war er als freier Schriftsteller tätig und veröffentlichte Romane, Erzählungen, Hör- und Fernsehspiele sowie Theaterstücke. Außerdem übersetzte er, gemeinsam mit seiner Frau Annemarie, englische und amerikanische Literatur (u. a. George Bernard Shaw und Jerome D. Salinger).Als Publizist und Autor führte Heinrich Böll Klage gegen die Grauen des Krieges und seine Folgen, polemisierte gegen die Restauration der Nachkriegszeit und wandte sich gegen den Klerikalismus der katholischen Kirche, aus der er 1976 austrat. In den sechziger und siebziger Jahren unterstützte er die Außerparlamentarische Opposition. 1983 protestierte er gegen die atomare Nachrüstung. Insbesondere engagierte sich Böll für verfolgte Schriftsteller im Ostblock. Der 1974 aus der UdSSR ausgewiesene Alexander Solschenizyn war zunächst Bölls Gast. Ab 1976 gab er, gemeinsam mit Günter Grass und Carola Stern, die Zeitschrift ›L’76. Demokratie und Sozialismus‹ heraus. Der Verband deutscher Schriftsteller wurde 1969 von ihm mitbegründet, und er war Präsident des Internationalen PEN-Clubs (1971 bis 1974).Böll erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis (1967), den Nobelpreis für Literatur (1972) und die Carl-von-Ossietzky-Medaille (1974).Heinrich Böll starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich/Eifel. Sein gesamtes Werk liegt im Taschenbuch bei dtv vor.
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Puh, das war eine schwierige Geburt. Der Klassiker von Heinrich Böll hat mir nur so mäßig gefallen. Und das lag ausschließlich am Protagonisten. Hans Schnier von Beruf Clown lebt in den 60er Jahren in „Wilder Ehe“ mit Marie. Diese trennt sich und heiratet einen Katholiken. Hans fällt in ein tiefes Loch und trauert. Grundsätzlich gelungen fand ich die Kritik am Nationalsozialismus vergangener Zeit und vor allem daran, wie ehemalige Nationalsozialisten in der BRD wieder Fuß gefasst haben und hohe Posten inne hatten. Auch viele kritische Anmerkungen über den Katholizismus und deren Bigotterie fand ich durchaus richtig und wichtig. Aber die Person des Hans Schnier war einfach nur nervig. Er ist so in seinem Selbstmitleid gefangen, sucht die Fehler bei anderen, gibt anderen die Schuld und bekommt einfach „den Arsch nicht hoch“. Auch dieses Gebettel um Geld bei allen die er kennt. Auch fand ich das Hinterher Schmachten zu seiner Verflossenen total unverständlich. Mir ist klar, was den Roman damals ausgemacht hat und man muss ja auch Literatur immer in seiner Zeit sehen. Trotzdem hat er mir nicht gefallen.
Zynisch und zeitlos.➕
Ein zeitloser Klassiker mit einem Protagonisten, der zynischer und voller Selbstmitleid kaum hätte sein können. Hans Schnier ist ein erfolgloser Clown, Alkoholiker und wurde von seiner ewigen Liebe Marie des Christenstums wegens verlassen. Deshalb hegt er einen ewigen Groll gegen den Katholizismus und lässt keine Gelegenheit aus, um die Institution zu kritisieren. Das ist ihm auch mal mehr, mal weniger gelungen. Noch besser gelungen ist Bölls Zeichnung der Nachkriegsgesellschaft Deutschlands, in der das Meiste totgeschwiegen wurde. Von dem Verlust der Schwester bis hin zum überzeugten Nazi-Lehrer, der danach Karriere machte, erzählt Böll anekdotenhafte Geschichten, die zeigen, wie mit den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs umgegangen wurde. Das Buch ist gut, aber meiner persönlichen Meinung nach nicht überragend.
Heute möchte ich euch das Buch „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll, erschienen im Jahre 1963, vorstellen. Es handelt sich hierbei um einen „Modernen Roman“, der die katholische Kirche und die Gesellschaft kritisiert. Hans Schnier ist ein erfolgloser Clown, der nach einer gescheiterten Beziehung in eine tiefe Lebenskrise stürzt. Er reflektiert über seine gescheiterte Liebe zu Marie, seine Kindheit in einer wohlhabenden Familie und seine Ablehnung der Heuchelei der Gesellschaft, insbesondere der katholischen Kirche. Es treten soziale und religiöse Konflikte im Nachkriegsdeutschland auf, die Schnier durch seine Isolation aus der Welt nicht versteht. Das Buch ist geprägt von einer Mischung aus klarer, nüchterner Sprache und tiefen, introspektiven Passagen. Der Autor erzählt die Geschichte in der Ich-Perspektive und verwendet oft Monologe, durch die die Lesenden direkte Einblicke in die Gedanken und Gefühle des Protagonisten erhalten. Dabei wird der Roman von ironischen, teils sarkastischen Untertönen durchzogen, was die gesellschaftskritischen Aussagen verstärkt. Der Stil ist gleichzeitig schlicht und eindringlich, wodurch Böll den inneren Konflikt und die emotionale Zerrissenheit Hans Schnier’s vermittelt. Im Roman greift der Protagonist immer wieder auf bestimmte Themen und Erinnerungen zurück, wie seine Beziehung zu Marie. Diese Wiederholungen können auf Dauer jedoch auch langatmig wirken. Obwohl dieser Roman als eines der bedeutendsten Werke der Nachkriegszeit gilt, gibt es einige Schwächen. Beispielsweise konnte ich keinerlei emotionale Bindung zu dem Protagonisten aufbauen, obwohl ich mich intensiv mit seinen Gefühlen und Gedanken auseinandergesetzt habe. Es blieb ständig eine gewisse Distanz, trotz der tragischen Figur, denn seine zynische und depressive Art war nicht immer leicht zugänglich und eine Sympathie meinerseits war leider nicht wirklich vorhanden. Durch diesen Aspekt gebe ich dem Buch 3 von 5 Sternen.

Unglaublich tiefgehende Ansichten über das Leben in der Nachkriegszeit, die Gedanken und Gefühle eines Clowns nach dem Verlust der Liebe und ohne Mittel. Sehr kritisch der Kirche und der Heuchelei verschiedener Milieus, Klassen und Menschen gegenüber. Intelligent geschrieben und definitiv lesenswert.
Also ich muss sagen, ich war/bin positiv überrascht. In der Schule hatte man Böll durchgenommen und als langweilig hatte ich ihn im Hinterkopf gespeichert. In diesem Roman geht es um einen Clown (Happy Clown/Sad Clown), der als Außenseiter auf die Unmenschlichkeit der Gesellschaft deutet und recht obsessiv was gegen die römisch Katholische Kirche, Anhänger sowie deren Scheinheiliges Bild was hat. Er jagt recht vernarrt seiner verflossenen Liebe Marie hinterher und sieht sie mehr oder weniger als Absolution. Im Endeffekt ist der Clown ein Überbleibsel aus der (Nach-)Kriegszeit der sich seinem selbst bis aufs letzte Treu bleibt.
Buchrezension: „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll. Heinrich Bölls Roman „Ansichten eines Clowns“ ist ein interessantes und literarisches Zeitdokument, das verschiedene gesellschaftliche Schichten im Nachkriegsdeutschland in den Blick nimmt. Im Zentrum steht Hans Schnier, ein melancholisch-zerbrechlicher Clown, der stellvertretend für eine desillusionierte, gesellschaftlich abgehängte Schicht steht. Seine Perspektive ist geprägt von Einsamkeit, bitterem Humor und einer tiefen Enttäuschung über die kleinbürgerliche Moral seiner Umwelt. Trotz (oder gerade wegen) seiner Verzweiflung bleibt Hans Schnier eine durchweg sympathische Figur. Seine Sehnsucht nach der zurückgekehrten Ex-Freundin Marie zieht sich wie ein melancholischer Faden durch den Roman und verleiht der Handlung emotionale Tiefe. Besonders eindrucksvoll ist, wie Böll durch innere Monologe und Telefongespräche Schniers Seelenleben offenlegt, auch wenn manche dieser Passagen durch ihre Länge und Inhalte das Tempo der Handlung spürbar drosseln. Gleichzeitig entwickelt sich aus eben diesen Telefonszenen immer wieder eine absurde Situationskomik: Wenn Hans seinen Gesprächspartnern, oft Vertreter der Kirche oder des Bürgertums, unverblümt und „frei Schnauze“ seine Meinung sagt, blitzen seine Schärfe, sein Witz und sein Widerstand gegen gesellschaftliche Heuchelei auf. Was dem Roman jedoch ein Stück weit fehlt, ist ein klarer erzählerischer roter Faden. Die Handlung wirkt streckenweise fragmentiert und verliert sich gelegentlich in Anekdoten und Reflexionen, die eher dem inneren Zustand der Figur als einer stringenten Erzählstruktur folgen. Das kann mitunter den Eindruck erwecken, das Buch plätschere ganz wie der von Alltag und Depressionen durchzogene Lebensrhythmus seines Protagonisten ziellos dahin. Insgesamt ist „Ansichten eines Clowns“ ein bewegendes, stellenweise aufrüttelndes Buch, das weniger durch äußere Handlung als durch psychologische Tiefe und gesellschaftliche Kritik überzeugt. Ein Roman, der nicht leicht zugänglich ist, aber durchaus seine großen Momente hat, gerade wegen seiner unbequemen Fragen an Moral, Glaube und Gesellschaft.
Ein Roman aus der Sicht eines depressiven Clowns, der seine große Liebe an einen Katholiken verloren hat. Er hegt einen tiefen Groll gegen den Katholizismus und scheut auch nicht das zum Ausdruck zu bringen. Er schwelgt oft in Selbstmitleid und macht andere für sein Scheitern verantwortlich. Die Ausdrucksweise und auch die Ansichten des Protagonisten haben mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. Alles in allem finde ich dieses Buch sehr gelungen und empfehle es definitiv weiter.
Für mich ist der Klassiker Heinrich Bölls weit mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Mit einem Protagonisten, der als Clown, eher randständig ist, seziert Böll hier unsere Gesellschaft. Und zwar keineswegs nur die der 50er und 60 er Jahre, sondern auch unsere Gesellschaft heute. Ausführliche Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.
Mir gefällt das Buch. Man sieht, wie Böll Themen wie Kirche, Gesellschaft und persönliche Freiheit mit seiner eigenen, oft sarkastischen und ehrlichen Art angeht. Sätze wie: „Man darf nicht immer nach dem Warum fragen, sonst hält man das Leben nicht aus.“ oder „Die Leute haben in ihrem Leben nie gelacht, aber sie wissen, wie man es macht.“ — zeigen wie er die Menschen und ihre Heuchelei gut in Worte fasst. Außerdem mochte ich, dass Böll nicht drumrum redet. Er spricht die Scheinheiligkeit und den Druck, immer in ein bestimmtes Bild passen zu müssen, ganz offen an. In den Roman dreht sich ja auch viel um die Liebe. Hans seine Liebe zu Marie war größer als alle andere aber Maries Naivität gegenüber der Religion war wohl größer.
wenn man die offensichtliche misogynie beiseite lässt und ignoriert, dass hans auf unangenehme und ungesunde art und weise von seiner exfreundin, die mindestens eine Abtreibung durchgeführt hat, ohne dass er das erkannt hat, und im gesamten buch mehr den anschein macht, zu der beziehung mit hans gezwungen worden zu sein, besessen ist, und seine probleme zu den problemen der menschen in seinem umfeld macht, ist das ein ganz gutes buch. geschrieben 1967 thematisiert es das dritte reich und den umgang mit den erlebnissen sowie antisemitismus und rassismus auf eine art und weise, die Gegebenheiten hinterfragt ohne zu extrem 'on the nose' zu sein. ich hab das buch gelesen, weil es in bonn spielt und mir empfohlen wurde. da es jedoch nichts ist, was ich wirklich gerne lese, kann ich ihm nicht mehr als 3 sterne geben
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.
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»Heinrich Böll zeigt, was so selten gezeigt wird: den Alltag einer Liebe.« Marcel Reich-Ranicki
»Ich bin ein Clown, im Augenblick besser als mein Ruf.« Hans Schnier, einst ein gefragter Pantomime und Spaßmacher, sitzt, nachdem ihn seine Frau verlassen hat, zum Bettler degradiert auf den Stufen des Bonner Bahnhofs.
Weitere Informationen zu Heinrich Böll gibt es unter:
www.heinrich-boell.de
Book Information
Author Description
Heinrich Böll, geboren am 21. Dezember 1917 in Köln, nahm nach dem Abitur eine Lehre im Buchhandel auf, die er bald abbrach. Nach einem gerade begonnenen Studium der Germanistik und klassischen Philosophie wurde Böll 1939 zur Wehrmacht eingezogen.1945 kehrte er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Köln zurück, wo er sein Studium wieder aufnahm und in der Schreinerei seines Bruders arbeitete. Ab 1947 publizierte er in Zeitschriften und wurde 1951 für die Satire ›Die schwarzen Schafe‹ mit dem Preis der Gruppe 47 ausgezeichnet. Fortan war er als freier Schriftsteller tätig und veröffentlichte Romane, Erzählungen, Hör- und Fernsehspiele sowie Theaterstücke. Außerdem übersetzte er, gemeinsam mit seiner Frau Annemarie, englische und amerikanische Literatur (u. a. George Bernard Shaw und Jerome D. Salinger).Als Publizist und Autor führte Heinrich Böll Klage gegen die Grauen des Krieges und seine Folgen, polemisierte gegen die Restauration der Nachkriegszeit und wandte sich gegen den Klerikalismus der katholischen Kirche, aus der er 1976 austrat. In den sechziger und siebziger Jahren unterstützte er die Außerparlamentarische Opposition. 1983 protestierte er gegen die atomare Nachrüstung. Insbesondere engagierte sich Böll für verfolgte Schriftsteller im Ostblock. Der 1974 aus der UdSSR ausgewiesene Alexander Solschenizyn war zunächst Bölls Gast. Ab 1976 gab er, gemeinsam mit Günter Grass und Carola Stern, die Zeitschrift ›L’76. Demokratie und Sozialismus‹ heraus. Der Verband deutscher Schriftsteller wurde 1969 von ihm mitbegründet, und er war Präsident des Internationalen PEN-Clubs (1971 bis 1974).Böll erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis (1967), den Nobelpreis für Literatur (1972) und die Carl-von-Ossietzky-Medaille (1974).Heinrich Böll starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich/Eifel. Sein gesamtes Werk liegt im Taschenbuch bei dtv vor.
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Puh, das war eine schwierige Geburt. Der Klassiker von Heinrich Böll hat mir nur so mäßig gefallen. Und das lag ausschließlich am Protagonisten. Hans Schnier von Beruf Clown lebt in den 60er Jahren in „Wilder Ehe“ mit Marie. Diese trennt sich und heiratet einen Katholiken. Hans fällt in ein tiefes Loch und trauert. Grundsätzlich gelungen fand ich die Kritik am Nationalsozialismus vergangener Zeit und vor allem daran, wie ehemalige Nationalsozialisten in der BRD wieder Fuß gefasst haben und hohe Posten inne hatten. Auch viele kritische Anmerkungen über den Katholizismus und deren Bigotterie fand ich durchaus richtig und wichtig. Aber die Person des Hans Schnier war einfach nur nervig. Er ist so in seinem Selbstmitleid gefangen, sucht die Fehler bei anderen, gibt anderen die Schuld und bekommt einfach „den Arsch nicht hoch“. Auch dieses Gebettel um Geld bei allen die er kennt. Auch fand ich das Hinterher Schmachten zu seiner Verflossenen total unverständlich. Mir ist klar, was den Roman damals ausgemacht hat und man muss ja auch Literatur immer in seiner Zeit sehen. Trotzdem hat er mir nicht gefallen.
Zynisch und zeitlos.➕
Ein zeitloser Klassiker mit einem Protagonisten, der zynischer und voller Selbstmitleid kaum hätte sein können. Hans Schnier ist ein erfolgloser Clown, Alkoholiker und wurde von seiner ewigen Liebe Marie des Christenstums wegens verlassen. Deshalb hegt er einen ewigen Groll gegen den Katholizismus und lässt keine Gelegenheit aus, um die Institution zu kritisieren. Das ist ihm auch mal mehr, mal weniger gelungen. Noch besser gelungen ist Bölls Zeichnung der Nachkriegsgesellschaft Deutschlands, in der das Meiste totgeschwiegen wurde. Von dem Verlust der Schwester bis hin zum überzeugten Nazi-Lehrer, der danach Karriere machte, erzählt Böll anekdotenhafte Geschichten, die zeigen, wie mit den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs umgegangen wurde. Das Buch ist gut, aber meiner persönlichen Meinung nach nicht überragend.
Heute möchte ich euch das Buch „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll, erschienen im Jahre 1963, vorstellen. Es handelt sich hierbei um einen „Modernen Roman“, der die katholische Kirche und die Gesellschaft kritisiert. Hans Schnier ist ein erfolgloser Clown, der nach einer gescheiterten Beziehung in eine tiefe Lebenskrise stürzt. Er reflektiert über seine gescheiterte Liebe zu Marie, seine Kindheit in einer wohlhabenden Familie und seine Ablehnung der Heuchelei der Gesellschaft, insbesondere der katholischen Kirche. Es treten soziale und religiöse Konflikte im Nachkriegsdeutschland auf, die Schnier durch seine Isolation aus der Welt nicht versteht. Das Buch ist geprägt von einer Mischung aus klarer, nüchterner Sprache und tiefen, introspektiven Passagen. Der Autor erzählt die Geschichte in der Ich-Perspektive und verwendet oft Monologe, durch die die Lesenden direkte Einblicke in die Gedanken und Gefühle des Protagonisten erhalten. Dabei wird der Roman von ironischen, teils sarkastischen Untertönen durchzogen, was die gesellschaftskritischen Aussagen verstärkt. Der Stil ist gleichzeitig schlicht und eindringlich, wodurch Böll den inneren Konflikt und die emotionale Zerrissenheit Hans Schnier’s vermittelt. Im Roman greift der Protagonist immer wieder auf bestimmte Themen und Erinnerungen zurück, wie seine Beziehung zu Marie. Diese Wiederholungen können auf Dauer jedoch auch langatmig wirken. Obwohl dieser Roman als eines der bedeutendsten Werke der Nachkriegszeit gilt, gibt es einige Schwächen. Beispielsweise konnte ich keinerlei emotionale Bindung zu dem Protagonisten aufbauen, obwohl ich mich intensiv mit seinen Gefühlen und Gedanken auseinandergesetzt habe. Es blieb ständig eine gewisse Distanz, trotz der tragischen Figur, denn seine zynische und depressive Art war nicht immer leicht zugänglich und eine Sympathie meinerseits war leider nicht wirklich vorhanden. Durch diesen Aspekt gebe ich dem Buch 3 von 5 Sternen.

Unglaublich tiefgehende Ansichten über das Leben in der Nachkriegszeit, die Gedanken und Gefühle eines Clowns nach dem Verlust der Liebe und ohne Mittel. Sehr kritisch der Kirche und der Heuchelei verschiedener Milieus, Klassen und Menschen gegenüber. Intelligent geschrieben und definitiv lesenswert.
Also ich muss sagen, ich war/bin positiv überrascht. In der Schule hatte man Böll durchgenommen und als langweilig hatte ich ihn im Hinterkopf gespeichert. In diesem Roman geht es um einen Clown (Happy Clown/Sad Clown), der als Außenseiter auf die Unmenschlichkeit der Gesellschaft deutet und recht obsessiv was gegen die römisch Katholische Kirche, Anhänger sowie deren Scheinheiliges Bild was hat. Er jagt recht vernarrt seiner verflossenen Liebe Marie hinterher und sieht sie mehr oder weniger als Absolution. Im Endeffekt ist der Clown ein Überbleibsel aus der (Nach-)Kriegszeit der sich seinem selbst bis aufs letzte Treu bleibt.
Buchrezension: „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll. Heinrich Bölls Roman „Ansichten eines Clowns“ ist ein interessantes und literarisches Zeitdokument, das verschiedene gesellschaftliche Schichten im Nachkriegsdeutschland in den Blick nimmt. Im Zentrum steht Hans Schnier, ein melancholisch-zerbrechlicher Clown, der stellvertretend für eine desillusionierte, gesellschaftlich abgehängte Schicht steht. Seine Perspektive ist geprägt von Einsamkeit, bitterem Humor und einer tiefen Enttäuschung über die kleinbürgerliche Moral seiner Umwelt. Trotz (oder gerade wegen) seiner Verzweiflung bleibt Hans Schnier eine durchweg sympathische Figur. Seine Sehnsucht nach der zurückgekehrten Ex-Freundin Marie zieht sich wie ein melancholischer Faden durch den Roman und verleiht der Handlung emotionale Tiefe. Besonders eindrucksvoll ist, wie Böll durch innere Monologe und Telefongespräche Schniers Seelenleben offenlegt, auch wenn manche dieser Passagen durch ihre Länge und Inhalte das Tempo der Handlung spürbar drosseln. Gleichzeitig entwickelt sich aus eben diesen Telefonszenen immer wieder eine absurde Situationskomik: Wenn Hans seinen Gesprächspartnern, oft Vertreter der Kirche oder des Bürgertums, unverblümt und „frei Schnauze“ seine Meinung sagt, blitzen seine Schärfe, sein Witz und sein Widerstand gegen gesellschaftliche Heuchelei auf. Was dem Roman jedoch ein Stück weit fehlt, ist ein klarer erzählerischer roter Faden. Die Handlung wirkt streckenweise fragmentiert und verliert sich gelegentlich in Anekdoten und Reflexionen, die eher dem inneren Zustand der Figur als einer stringenten Erzählstruktur folgen. Das kann mitunter den Eindruck erwecken, das Buch plätschere ganz wie der von Alltag und Depressionen durchzogene Lebensrhythmus seines Protagonisten ziellos dahin. Insgesamt ist „Ansichten eines Clowns“ ein bewegendes, stellenweise aufrüttelndes Buch, das weniger durch äußere Handlung als durch psychologische Tiefe und gesellschaftliche Kritik überzeugt. Ein Roman, der nicht leicht zugänglich ist, aber durchaus seine großen Momente hat, gerade wegen seiner unbequemen Fragen an Moral, Glaube und Gesellschaft.
Ein Roman aus der Sicht eines depressiven Clowns, der seine große Liebe an einen Katholiken verloren hat. Er hegt einen tiefen Groll gegen den Katholizismus und scheut auch nicht das zum Ausdruck zu bringen. Er schwelgt oft in Selbstmitleid und macht andere für sein Scheitern verantwortlich. Die Ausdrucksweise und auch die Ansichten des Protagonisten haben mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. Alles in allem finde ich dieses Buch sehr gelungen und empfehle es definitiv weiter.
Für mich ist der Klassiker Heinrich Bölls weit mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Mit einem Protagonisten, der als Clown, eher randständig ist, seziert Böll hier unsere Gesellschaft. Und zwar keineswegs nur die der 50er und 60 er Jahre, sondern auch unsere Gesellschaft heute. Ausführliche Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.
Mir gefällt das Buch. Man sieht, wie Böll Themen wie Kirche, Gesellschaft und persönliche Freiheit mit seiner eigenen, oft sarkastischen und ehrlichen Art angeht. Sätze wie: „Man darf nicht immer nach dem Warum fragen, sonst hält man das Leben nicht aus.“ oder „Die Leute haben in ihrem Leben nie gelacht, aber sie wissen, wie man es macht.“ — zeigen wie er die Menschen und ihre Heuchelei gut in Worte fasst. Außerdem mochte ich, dass Böll nicht drumrum redet. Er spricht die Scheinheiligkeit und den Druck, immer in ein bestimmtes Bild passen zu müssen, ganz offen an. In den Roman dreht sich ja auch viel um die Liebe. Hans seine Liebe zu Marie war größer als alle andere aber Maries Naivität gegenüber der Religion war wohl größer.
wenn man die offensichtliche misogynie beiseite lässt und ignoriert, dass hans auf unangenehme und ungesunde art und weise von seiner exfreundin, die mindestens eine Abtreibung durchgeführt hat, ohne dass er das erkannt hat, und im gesamten buch mehr den anschein macht, zu der beziehung mit hans gezwungen worden zu sein, besessen ist, und seine probleme zu den problemen der menschen in seinem umfeld macht, ist das ein ganz gutes buch. geschrieben 1967 thematisiert es das dritte reich und den umgang mit den erlebnissen sowie antisemitismus und rassismus auf eine art und weise, die Gegebenheiten hinterfragt ohne zu extrem 'on the nose' zu sein. ich hab das buch gelesen, weil es in bonn spielt und mir empfohlen wurde. da es jedoch nichts ist, was ich wirklich gerne lese, kann ich ihm nicht mehr als 3 sterne geben
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.
Ich hatte Bedenken, dieses geliebte Buch aus Jugendzeiten nach über 30 Jahren wieder in die Hand zu nehmen. Heinrich Böll gesammelte Werke haben in meinem Regal eine besondere Ecke. Die Bedenken waren aber unbegründet, denn schon nach wenigen Seiten stellte sich das alte Lesegefühl wieder ein. Diese Rebellion des Außenseiters gegen die Übermacht der Erwartungshaltung einer konservativen Gesellschaft, in dem einer wer er, nur schwer einen Platz finden kann, spricht mich nach wie vor sehr an. Bölls Sprache ist nicht verschnörkelt oder besonders eloquent, sie ist dagegen sehr pointiert und durchaus humorvoll, oft auch sarkastisch. Es ist keine typische Arbeitergeschichte, wie man sie oft bei Böll antrifft. Die Familie Schnier zählt zu den angesehenen Unternehmern des Landes, Braunkohle, schwer reich, geizig, katholisch und stets auf Etikette achtend. Was mögen, denn die Leute denken, von so guten Deutschen wie ihnen, wenn sie nicht mit stolz voranschreiten. Typisch der zentrale Satz der Mutter über die Versendung der 17jährigen Tochter an die Front, wo sie später das Leben verliert: "Erst beim Nachtisch fragte ich meine Mutter, wohin denn Henriettes Schulausflug führe. Sie lachte ein bißchen und sagte: ,Ausflug. Unsinn. Sie ist nach Bonn gefahren, um sich bei der Flak zu melden. Schäle den Apfel nicht so dick. Junge, sieh mal her'." Wie sie fast in einer Beläufigkeit erwähnt, dass die Tochter als Kanonenfutter nach Bonn geschickt wurde. Und dass die Sparsamkeit beim Essen eine höhere Priorität hat, als das Wohlergehen der eigenen Kinder. Das sind so Passagen, an denen ich innerlich schreien könnte, weil da Menschen unter einem Dach leben, die völlig verschiedene Ansicht vom Leben haben. Und trotzallem ist der Sohn Hans Schnier, aus dessen Sicht als 27jähriger mittelloser Clown die Geschichte erzählt wird, nicht als Held oder gar Sympath dargestellt. Böll gibt einem keine Identifikationsfigur an die Hand. Hans Schnier sieht die Schuld an seiner Krise nur bei den Anderen. Da ist nur selten ein Hauch von Selbstreflexion zu finden. Der Clown ist eine traurige Gestalt, fast schon mitleiderregend, in seinen Ansichten sehr wertend und abfällig über andere Menschen, seine Ex-Freundin, seinem Konkurrenten oder den Katholiken im Allgemeinen. Als ich das Buch in den 80er Jahren las, war es noch so etwas wie ein zeitgenössischer Roman im Endstadium seiner Bedeutsamkeit. Heute ist es ein Klassiker, eher ein historischer Roman. Kritiker sagen, dass Böll in Vergessenheit gerät, da seine Themen keine Zeitlosigkeit oder Allgemeingültigkeit mehr besitzen. Natürlich spielt die Kirche heute nicht mehr die Rolle wie in den 60er Jahren in erzkatholischen Gebieten. Aber trotzdem ist Heinrich Böll nicht nur lesenswert, sondern auch weiter empfehlenswert für mich, wenn man sich mit der deutschen Gesellschaft im Wiederaufbau befassen möchte. Und dabei wollte Böll gar keine besonders zu deutende Geschichte schreiben, sondern für ihn war es einfach nur eine Liebesgeschichte, die im Kummer über den Verlust des Partners traurig endet.






















