Das siebte Kreuz

Das siebte Kreuz

Softcover
3.8102
SolidaritätGerechtigkeitNationalsozialismusFlucht

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Description

»Ein Roman gegen Diktatur schlechthin.« Marcel Reich-Ranicki.

»Das siebte Kreuz« machte Anna Seghers mit einem Schlag berühmt und wurde zu einem bis heute anhaltenden Welterfolg. Die dramatische Geschichte einer Flucht vor den Nazis ist durchdrungen von Seghers’ eigenen Fluchterfahrungen. Aus sieben gekappten Platanen werden im Konzentrationslager Westhofen Folterkreuze für sieben geflohene Häftlinge vorbereitet. Sechs der Männer müssen ihren Ausbruchsversuch mit dem Leben bezahlen. Das siebte Kreuz aber bleibt frei.

»Der Stoff, aus dem dieses Buch gemacht ist, ist dauerhaft und unzerstörbar, wie weniges, was es auf der Welt gibt. Er heißt: Gerechtigkeit.« Christa Wolf.

Sieben Gefangene sind aus dem Konzentrationslager Westhofen geflohen, aber nur einer erreicht das rettende Ufer. Auf seinem Fluchtweg trifft Georg Heisler auf Männer und Frauen, die sich entscheiden müssen zwischen Verrat und Treue, egoistischer Abkehr und Mitmenschlichkeit, Denunziation und Solidarität. Anna Seghers schrieb ihren berühmten Roman in Paris, einer Zwischenstation auf ihrer lebensgefährlichen Flucht vor den Nazis ins Exil, mit der Souveränität einer Schriftstellerin von Weltrang und einer Klarsicht, die die Lektüre bis heute zur tief berührenden existenziellen Erfahrung macht. Der Text ist durchdrungen von Seghers’ eigenen Erfahrungen und dem inneren Bild ihrer rheinhessischen Heimat.

Die vorliegende Ausgabe folgt dem Wortlaut der Erstausgabe von 1942 unter Berücksichtigung der heute gültigen Rechtschreibung und Interpunktion.

Mit einem Nachwort von Thomas von Steinaecker.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Softcover
Pages
448
Price
12.40 €

Author Description

Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren. (Den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928.) 1920-1924 Studium in Heidelberg und Köln: Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und Sinologie. Erste Veröffentlichung 1924: „Die Toten auf der Insel Djal“. 1925 Heirat mit dem Ungarn Laszlo Radvanyi. Umzug nach Berlin. Kleist-Preis. Eintritt in die KPD. 1929 Beitritt zum Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller. 1933 Flucht über die Schweiz nach Paris, 1940 in den unbesetzten Teil Frankreichs. 1941 Flucht der Familie auf einem Dampfer von Marseille nach Mexiko. Dort Präsidentin des Heinrich-Heine-Klubs. Mitarbeit an der Zeitschrift „Freies Deutschland“. 1943 schwerer Verkehrsunfall. 1947 Rückkehr nach Berlin. Georg-Büchner-Preis. 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Von 1952 bis 1978 Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR. Ehrenbürgerin von Berlin und Mainz. 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. 1983 in Berlin gestorben.Romane: Die Gefährten (1932); Der Kopflohn (1933); Der Weg durch den Februar (1935); Die Rettung (1937); Das siebte Kreuz (1942); Transit (1944); Die Toten bleiben jung (1949); Die Entscheidung (1959); Das Vertrauen (1968). Zahlreiche Erzählungen und Essayistik.

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Anna Seghers’ Das siebte Kreuz schildert die Flucht von sieben Häftlingen aus dem Konzentrationslager Westhofen am Rhein zur Zeit des Nationalsozialismus. Als Vergeltung lässt der Lagerkommandant sieben Kreuze errichten, an denen die Geflohenen nach ihrer Ergreifung öffentlich zur Schau gestellt werden sollen. Nach und nach werden sechs der Flüchtlinge gefasst oder getötet – nur Georg Heisler gelingt es, sich der Verfolgung zu entziehen. Seine Flucht führt durch verschiedene Orte und Begegnungen und eröffnet ein vielschichtiges Panorama des Lebens im Dritten Reich: von offener Denunziation und brutaler Gewalt bis hin zu leiser Solidarität und mutigem Widerstand. Besonders eindrücklich ist, wie Seghers die Perspektiven wechselt. Neben der grausamen Haft im KZ zeigt sie das Leben der Menschen außerhalb der Lager – jener, die mutmaßlich „nichts mitbekommen“, sich abducken oder aus Angst wegsehen, aber auch jener, die trotz der allgegenwärtigen Gefahr helfen. Die Flucht selbst wird nicht als heroisches Abenteuer erzählt, sondern als zutiefst menschlicher, körperlich wie seelisch erschöpfender Prozess, geprägt von Misstrauen, Hoffnung und der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Dabei wird deutlich, wie sehr das nationalsozialistische System in den Alltag eingedrungen ist und Beziehungen, Moral und Vertrauen zerstört. Thematisch kreist der Roman um Unterdrückung, Schuld und Mitverantwortung, aber auch um Zivilcourage und Menschlichkeit. Seghers macht sichtbar, dass Widerstand nicht nur in großen Taten besteht, sondern auch in kleinen, oft unscheinbaren Gesten: einem Versteck, einem Stück Brot, einem Moment des Schweigens. Gerade darin liegt die besondere Stärke des Romans. Ich fand es außerdem besonders ergreifend, da ich selbst ursprünglich aus einer Weinregion in Rheinland-Pfalz komme und die detaillierten Beschreibungen der Landschaft das Geschehen für mich noch greifbarer und nahbarer machen. Insgesamt ist Das siebte Kreuz ein gutes Buch, weil es verschiedene Perspektiven im Dritten Reich zusammenführt – die brutale Realität der Haft im KZ, das Wegsehen und Nicht-wissen-Wollen der Menschen außerhalb sowie die existenzielle Erfahrung der Flucht. Gerade die Verbindung aus Grausamkeit und Sensibilität macht den Roman so beklemmend und nachhaltig wirkungsvoll.

4

Heute möchte euch das Buch „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers, erschienen im Jahre 1942 im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre sowie in englischer Sprache in den Vereinigten Staaten vorstellen. Das erste Kapitel erschien bereits 1939 in der Moskauer Zeitschrift Internationale Literatur. Der Roman zeigt sowohl die Brutalität des Nazi-Regimes als auch die Menschlichkeit und den Mut Einzelner. Es ist ein Plädoyer für Widerstand und Zivilcourage. Das titelgebende siebte Kreuz steht sinnbildlich für die sieben Fluchtversuche - sechs Kreuze bleiben besetzt, das siebte bleibt leer. Der Roman spielt im nationalsozialistischen Deutschland und erzählt die Geschichte von sieben Häftlingen, die aus dem Konzentrationslager Westhofen fliehen. Einer von ihnen, Georg Heisler, gelingt es, sich trotz zahlreicher Gefahren und Verfolgungen durch das NS-Regime in Freiheit zu retten. Auf seiner Flucht trifft er auf verschiedene Menschen, von denen einige ihm helfen, andere ihn verraten. Der Schreibstil der Autorin ist anspruchsvoll und oft verschachtelt, was das Lesen gerade zu Beginn erschwert. Sie verwendet viele Perspektivwechsel und einen auktorialen Erzähler, der tief in die Gedanken- und Gefühlswelt verschiedener Figuren eindringt. Der Stil ist nüchtern, zugleich aber auch sehr detailliert und reflektierend. Stilmittel wie innere Monologe, Rückblenden und symbolische Elemente - etwa das titelgebende Kreuz - werden gezielt eingesetzt, um die psychologische Tiefe und die politische Dimension der Geschichte zu betonen. Durch die Vielzahl an Figuren und die komplexe Erzählweise kann der Einstieg in den Roman anstrengend wirken. Mit der Zeit entwickelt sich jedoch ein dichter Erzählfluss, der die beklemmende Atmosphäre der NS-Zeit eindringlich vermittelt. Besonders hervorheben möchte ich die Vielschichtigkeit der Figuren, die die Geschichte realistisch und berührend machen. Ein interessanter Fakt war für mich, dass das Buch in der DDR als Schullektüre und als Musterbeispiel für antifaschistische Literatur galt. Außerdem gibt es in meinem Kiez das Anna-Seghers-Museum, welches sich in der ehemaligen Wohnung der Schriftstellerin befindet und einen authentischen Einblick in ihr Leben und Werk bieten soll. Dieses Museum werde ich auf jeden Fall noch nachholen. Das siebte Kreuz hat mich besonders bewegt, weil es eine persönliche Verbindung zu meiner eigenen Familiengeschichte gibt. Einer der flüchtigen Häftlinge im Buch trägt den Namen Beutler - genau wie mein Urgroßvater Reinhold Beutler, der Spanienkämpfer war und später wegen Hochverrats im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert wurde. Als ich den Anfang des Romans las und von der Flucht aus dem Lager erfuhr, hat mich das tief getroffen. Die bedrückende Atmosphäre, die Angst, aber auch der Wille zum Widerstand erinnerten mich stark an das, was mein Vorfahre durchleben musste. Die Geschichte wurde für mich dadurch greifbarer und emotional noch intensiver. Es ist nicht nur ein historischer Roman - für mich ist es auch ein stilles Zeugnis von dem, was war und nie vergessen werden darf. Aus diesen Gründen vergebe ich dem Buch 4 von 5 Sternen. ✨️

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4.5

Keine einfache Lektüre, aber lohnt sich definitiv

Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, in das Buch rein zu kommen, was vor allem am Schreibstil lag und an der alten Sprache. Aber inhaltlich ein super Buch und ich bin wirklich froh, es gelesen zu haben

5

Sieben Häftlinge auf der Flucht vor den Nazis. Anna Seghers’ 1942 im Exil erschienener Roman ist ein eindringliches Plädoyer gegen Krieg und Diktatur. Mit großer Spannung und starken Bildern zieht er einen mitten hinein in diese dunkle Zeit – und zeigt zugleich, wie Mut, Menschlichkeit und Zusammenhalt selbst einem brutalen, menschenverachtenden Regime trotzen können.

5

Ein Buch über Hitlerdeutschland (wie es im Untertitel heißt), welches nicht zur Nachkriegsliteratur zählt, sondern von einer Deutschen noch vor dem Krieg geschrieben wurde. Schon alleine diese Tatsache, stellt den Roman besonders heraus. Anna Seghers schrieb ihn in Frankreich nach ihrer Flucht aus Mainz Ende der 30er Jahre und verarbeitete darin die Erlebnisse von Strafgefangenen aus Konzentrationslagern. Mir war gar nicht bewusst, das die ersten KZs schon 1933 errichtet wurden zur Inhaftierung von politische Andersdenkenden. Insofern spielt die Judenverfolgung in diesem Buch noch keine Rolle, da sie erst nach diesem Roman ins Rollen kam. Diese Review enthält Spoiler! In der Nähe von Worms gab es in Osthofen tatsächlich zu Beginn des Dritten Reiches ein KZ. Anna Seghers verlegt ihre Handlung ins KZ Westhofen, quasi der Nachbarort von Osthofen, den es wirklich gibt. Dort fliehen an einem Montag morgen im Jahr 1937 bei einem Außeneinsatz sieben Gefangene. Die Flucht der Hauptperson Georg Heisler dauert im Folgenden sieben Tage und so ist das Buch in sieben Kapitel aufgebaut. Der tobende Lagerleiter läßt daraufhin sieben Platanen am Rande des Lagers fällen und funktioniert die Baumstümpfe zu sieben Kreuze um. Man merkt bereits im ersten Kapitel, dass dieses Buch voller Symbolik steckt, nicht nur wegen der mystischen Zahl Sieben, sondern auch wegen der vielen christlichen Symbole, die Anna Seghers einfließen läßt. Und das hat mich wirklich gewundert, denn die Autorin als überzeugte Kommunisten und später eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der DDR, ist erstaunlich religiös, doch ihre Vorgehensweise ist nicht plakativ, sondern für mich irgendwie geheimnisvoll und interpretationsbedürftig. Denn statt der drei Kreuze auf Golgatha haben wir sieben Kreuze , wobei das letzte Kreuz leer bleibt, denn Georg gelingt als Einzigem die Flucht und am Ende hängen nur vier Geflohene an den Kreuzen. Ein Anderer stirbt eines natürlichen Todes kurz vor seinem Heimatdorf und ein Weiterer nimmt sich das Leben kurz vor seiner Ergreifung. Doch was bedeutet nun das leere Kreuz? Im Gegensatz zu Jesus kann Georg (der Name eines Heiligen) dem Kreuz entgehen. Ist seine Form der Flucht die Errettung oder die Erlösung? Man könnte es fast meinen. Auch auf dem Weg durch das Rhein-Main-Gebiet in den sieben Fluchttagen tauchen immer wieder christliche Symbole auf. Ein Mann begeht einen Verrat, ein Anderer stellt sich seinen Häschern und sogar der Sündenfall wird von Seghers eingeflochten, in dem der alte Schulfreund und Äpfelhändler Georgs Frau Äpfel anbietet, um konspirativ Informationen weiterzuleiten. Der geschenkte Apfel führt in die Freiheit und nicht in die Verdammnis. Mir haben diese Symbole unheimlich gut gefallen und ich bin sicher, dass es noch viel mehr zu entdecken gab. Manches blieb mir auch bis zum Schluss unklar, z.B. welche Rolle der Schäfer Ernst aus Georgs Heimatdorf hatte. Der Schäfer als Gottvater, der über alles wacht, aber nicht eingreift? Das war in der Tat ein Buch, welches die eigene Phantasie anregt. Der Schreibstil ist auch außergewöhnlich. Es ist keinesfalls so, dass Georg als strahlender Held dargestellt wird. Die Stimmung im Buch bleibt gedrückt, alle sind von Zweifel geplagt und schauen pessimistisch in die Zukunft, teilweise sogar resignierend. Vielleicht hat es deswegen manchen Funktionären der DDR nicht so recht gefallen. Umrahmt wird die Geschichte durch einen unbekannten Gefangenen als auktorialen Erzähler, während der überwiegende Teil der Geschichte eigentlich personelle Erzählung ist und dies meist in Form innerer Monologe, was wirklich eine große Konzentration für mich erforderte, da die Gedanken fließen und ich teilweise nicht mehr wusste, wer „er“ oder was „es“ ist. So musste ich immer mal wieder zurückblättern, um korrekt in die Gedanken einzutauchen. Allerdings weckte dieser Schreibstil auch ein sehr eindringliches Gefühl in mir. Erschwerend kam noch hinzu, dass auf der Flucht eine Vielzahl von Menschen den Weg des Geflohenen kreuzen. Ich bin sicher, dass ich bei einem nochmaligen Lesen weitere Symbole oder Interprerationsmöglichkeiten entdecken würde. Wirklich ein sehr beeindruckendes und spannendes Buch und für mich einer der besten Romane, die ich über das Leben im Dritten Reich mit seinen vielfältigen Charakteren gelesen habe.

0.5

7 Tage, die sich wie 7 Jahre anfühlten

Ich las dieses Buch in der Oberstufe im Deutsch LK. Ich hatte immer große Freude am Lesen und auch an Schullektüren. Doch dieses Buch brach mich. Es zog sich so gottlos lange hin. Privat würde ich es mir nie kaufen

5

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und ich fand es großartig. Zuerst hatte ich Schwierigkeiten mit der Sprache und habe dann das Hörbuch zur Hilfe genommen. Dadurch ist mir die Sprache zugänglich gemacht worden. Es ist ein Buch, das man langsam lesen muss - ein ruhiges, melancholisches Buch, das mich nachdenklich zurück gelassen hat. Die Geschichte spielt in Rheinhessen, zu dem ich ein besonderes Verhältnis habe, da mein Großvater von dort kommt. Mir war nicht bewusst, dass so viele politische Gefangene in den Konzentrationslagern waren. Einige Szenen sind so gut beschrieben (z.B. ein Verhör), dass ich ein Gefühl der Beklemmung bekommen habe. Auch die Gefühle und Unsicherheiten eines Flüchtlings waren so gut beschrieben. Ich konnte mir gut vorstellen, wie er sich gefühlt hat. Ein Buch über Menschen, grausamen Menschen sowie mitfühlende und mutige Menschen, die auch wenn sie Angst haben, bereit sind Risiken einzugehen, um Anderen zu helfen.

3.5

Es geht nicht nur um Georg, sondern auch, wie seine Mitmenschen Nazi-Deutschland erleben.

3

Leider konnte ich mich gar nicht auf das Buch konzentrieren, obwohl es so interessant ist. Zudem gab es zu viele Personenwechsel und dass auch mehrmals in den einzelnen Kapiteln und Unterkapiteln, sodass es schwierig war in einen Leseflusd zu kommen...

3

Leider konnte ich mich gar nicht auf das Buch konzentrieren, obwohl es so interessant ist. Zudem gab es zu viele Personenwechsel und dass auch mehrmals in den einzelnen Kapiteln und Unterkapiteln, sodass es schwierig war in einen Leseflusd zu kommen...

4

Wie hättest Du Dich entschieden? Wie hättest Du gehandelt? Wäre die Angst größer gewesen als Dein Gewissen? Die politische Neigung Anna Seghers wird zwar deutlich, aber bleibt im Hintergrund. Sie ist präsent, aber nicht aufdringlich. Weitaus mehr Augenmerk liegt auf den (moralischen) Entscheidungen der Figuren. Man gerät ins Grübeln über sich selbst und was man in so einer Situation gemacht hätte. Etwas gestört (aber wirklich nur minimal) haben mich die dauernden Verniedlichungen (Lädchen, Wägelchen, Holzklötzchen, usw.). Und ich bin unendlich dankbar für das "Happy End". Wäre das nicht so, hätte ich heulen müssen.

5

Ein Buch über Hitlerdeutschland (wie es im Untertitel heißt), welches nicht zur Nachkriegsliteratur zählt, sondern von einer Deutschen noch vor dem Krieg geschrieben wurde. Schon alleine diese Tatsache, stellt den Roman besonders heraus. Anna Seghers schrieb ihn in Frankreich nach ihrer Flucht aus Mainz Ende der 30er Jahre und verarbeitete darin die Erlebnisse von Strafgefangenen aus Konzentrationslagern. Mir war gar nicht bewusst, das die ersten KZs schon 1933 errichtet wurden zur Inhaftierung von politische Andersdenkenden. Insofern spielt die Judenverfolgung in diesem Buch noch keine Rolle, da sie erst nach diesem Roman ins Rollen kam. Diese Review enthält Spoiler! In der Nähe von Worms gab es in Osthofen tatsächlich zu Beginn des Dritten Reiches ein KZ. Anna Seghers verlegt ihre Handlung ins KZ Westhofen, quasi der Nachbarort von Osthofen, den es wirklich gibt. Dort fliehen an einem Montag morgen im Jahr 1937 bei einem Außeneinsatz sieben Gefangene. Die Flucht der Hauptperson Georg Heisler dauert im Folgenden sieben Tage und so ist das Buch in sieben Kapitel aufgebaut. Der tobende Lagerleiter läßt daraufhin sieben Platanen am Rande des Lagers fällen und funktioniert die Baumstümpfe zu sieben Kreuze um. Man merkt bereits im ersten Kapitel, dass dieses Buch voller Symbolik steckt, nicht nur wegen der mystischen Zahl Sieben, sondern auch wegen der vielen christlichen Symbole, die Anna Seghers einfließen läßt. Und das hat mich wirklich gewundert, denn die Autorin als überzeugte Kommunisten und später eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der DDR, ist erstaunlich religiös, doch ihre Vorgehensweise ist nicht plakativ, sondern für mich irgendwie geheimnisvoll und interpretationsbedürftig. Denn statt der drei Kreuze auf Golgatha haben wir sieben Kreuze , wobei das letzte Kreuz leer bleibt, denn Georg gelingt als Einzigem die Flucht und am Ende hängen nur vier Geflohene an den Kreuzen. Ein Anderer stirbt eines natürlichen Todes kurz vor seinem Heimatdorf und ein Weiterer nimmt sich das Leben kurz vor seiner Ergreifung. Doch was bedeutet nun das leere Kreuz? Im Gegensatz zu Jesus kann Georg (der Name eines Heiligen) dem Kreuz entgehen. Ist seine Form der Flucht die Errettung oder die Erlösung? Man könnte es fast meinen. Auch auf dem Weg durch das Rhein-Main-Gebiet in den sieben Fluchttagen tauchen immer wieder christliche Symbole auf. Ein Mann begeht einen Verrat, ein Anderer stellt sich seinen Häschern und sogar der Sündenfall wird von Seghers eingeflochten, in dem der alte Schulfreund und Äpfelhändler Georgs Frau Äpfel anbietet, um konspirativ Informationen weiterzuleiten. Der geschenkte Apfel führt in die Freiheit und nicht in die Verdammnis. Mir haben diese Symbole unheimlich gut gefallen und ich bin sicher, dass es noch viel mehr zu entdecken gab. Manches blieb mir auch bis zum Schluss unklar, z.B. welche Rolle der Schäfer Ernst aus Georgs Heimatdorf hatte. Der Schäfer als Gottvater, der über alles wacht, aber nicht eingreift? Das war in der Tat ein Buch, welches die eigene Phantasie anregt. Der Schreibstil ist auch außergewöhnlich. Es ist keinesfalls so, dass Georg als strahlender Held dargestellt wird. Die Stimmung im Buch bleibt gedrückt, alle sind von Zweifel geplagt und schauen pessimistisch in die Zukunft, teilweise sogar resignierend. Vielleicht hat es deswegen manchen Funktionären der DDR nicht so recht gefallen. Umrahmt wird die Geschichte durch einen unbekannten Gefangenen als auktorialen Erzähler, während der überwiegende Teil der Geschichte eigentlich personelle Erzählung ist und dies meist in Form innerer Monologe, was wirklich eine große Konzentration für mich erforderte, da die Gedanken fließen und ich teilweise nicht mehr wusste, wer „er“ oder was „es“ ist. So musste ich immer mal wieder zurückblättern, um korrekt in die Gedanken einzutauchen. Allerdings weckte dieser Schreibstil auch ein sehr eindringliches Gefühl in mir. Erschwerend kam noch hinzu, dass auf der Flucht eine Vielzahl von Menschen den Weg des Geflohenen kreuzen. Ich bin sicher, dass ich bei einem nochmaligen Lesen weitere Symbole oder Interprerationsmöglichkeiten entdecken würde. Wirklich ein sehr beeindruckendes und spannendes Buch und für mich einer der besten Romane, die ich über das Leben im Dritten Reich mit seinen vielfältigen Charakteren gelesen habe.

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Sieben Kreuze für sieben Flüchtige Die Geschichte ist schnell erzählt: Georg Heisler und sechs andere Häftlinge fliehen aus einem Konzentrationslager. Dabei begegnet man parallel zu Heislers Flucht seinen alten Bekannten, Freunden, seiner Ehefrau und ganzen Dörfern, deren Alltag, wie sein eigener, niemals unberührt bleibt vom Dritten Reich. Manches bleibt in der Schwebe, wird nur angedeutet, wie das Schicksal von Dr. Löwenstein. Trotzdem kommt man nicht umhin als Leser zu ängstigen: Die Bedrohung ist stets präsent. Keiner der Figuren kann sich dem Naziregime entziehen: Selbst ein Schüler, dessen Jacke Heisler auf seiner Flucht entwendet, wird vorgeladen. Das Figurenpersonal war beeindruckend: Ein Schnitt durch alle Schichten der Gesellschaft, Figuren, die stillen Widerstand leisteten, Mitläufer, Fluchthelfer, Alles-Hinnehmer. Es sind vor allem die Figuren, die diesen Roman zu etwas Besonderem machen und nicht allein die Geschichte. Seghers Stil bleibt etwas langatmig, ausholend, an wichtigen Stellen dann auch aussparend. Zurück bleibt man mit gemischten Gefühlen: Der Krieg hat noch nicht angefangen, noch sind es nur die politischen Gegner, die inhaftiert werden und als Leser denkt man viele Jahre weitere, viele schlimme Jahre und wird bedrückt. Trotzdem hinterlässt das Buch auf Hoffnung, Hoffnung, auf das Gute im Menschen: weil es immer Menschen geben wird, die Gewaltregimen Parole bieten werden, weil es immer Hilfe für Hilflose geben wird, weil das siebte Kreuz leer bleibt. Ein großartiger Roman über ein dunkles Kapitel der Menschheitsgeschichte.

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