Die Blechtrommel

Die Blechtrommel

Softcover
3.8124
Deutsche LiterraturLiteraturklassikerDanziger TrilogieNationalsozialismus

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Vom Beginn des Jahrhunderts bis zu Adenauer

Mit dem Erscheinen der ›Blechtrommel‹ 1959 gewann der deutsche Nachkriegsroman Anschluß an die Weltliteratur und Oskar der Trommler seinen festen Platz in der modernen Mythologie.

Anfang der 50er Jahre trommelt und schreibt in einer Heil- und Pflegeanstalt ein Buckliger des Jahrgangs 1924 die Geschichte seines Lebens und seiner Familie vom Begin des Jahrhunderts bis in das Deutschland Adenauers. Oskar Matzerath hat alles gesehen und gehört, nichts ist ihm entgangen, denn er war ein hellhöriger Säugling, dessen geistige Entwicklung bereits bei der Geburt abgeschlossen war. Der Außenseiter, der Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen kann, erweist sich dabei als der einzige Gesunde in einer Welt des Scheins, der Lüge und des Verbrechens.

Am Ende seiner phantastischen Autobiographie, die Oskar vom Vorkriegs-Danzig bis ins Düsseldorf der Nachkriegszeit führt, »entdeckt man, daß man über Deutschland und Mitteleuropa – sowohl in der Zeit des Völkermordes als auch im Biedermeier der Restauration – mehr weiß als je zuvor«. Lars Gustafsson

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Softcover
Pages
816
Price
18.50 €

Author Description

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin.1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman, Die Blechtrommel. 1999 wurde Günter Grass der Nobelpreis für Literatur verliehen. Bis zu seinem Tod am 13. April 2015 lebte Günter Grass in der Nähe von Lübeck. Sein gesamtes literarisches Werk ist auch bei dtv erschienen.

Characteristics

3 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
47%
32%
32%
84%
68%
3%
66%
86%
61%
40%

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
39%
55%
92%
70%

Pace

Fast0%
Slow33%
Moderate67%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex100%
Moderate0%
Bildhaft (67%)Poetisch (67%)Außergewöhnlich (67%)

Posts

21
All
3.5

Geschafft! Bin ein wenig ratlos. Es gab sehr viele Passagen, die habe ich geliebt und dann wieder Passagen, die mich eher genervt haben. Nun: ich bin froh diesen Klassiker gelesen zu haben, würde ich ihn nochmals lesen? Ich denke eher nicht!

Ein Werk, dass man gelesen haben muss.

Sehr geehrter Günter Grass, würden Sie noch leben, könnte ich diese Zeilen direkt an Sie richten. Seit der zwölften Klasse begleiten mich Ihre Werke. Das erste Mal kam ich mit „Im Krebsgang“ in Berührung. Bereits zu dieser Zeit faszinierte mich Ihre Sprache. Es folgten „Katz und Maus“ sowie diverse Gedichte. Nach vielen Jahren habe ich mich endlich an „Die Blechtrommel“ getraut. Respekt hatte ich vor diesem Werk. Der Umfang und die Sprache haben mich lange Zeit abgeschreckt. Viele Jahre lang wartete „Die Blechtrommel“ in meinen Bücherregal darauf, endlich in die Hände genommen und studiert zu werden. Jetzt habe ich sie gelesen und diese bildgewaltige Sprache auf mich einwirken lassen; mich einmal wieder - um in Ihrem Sprachgebrauch zu bleiben - im grass’schen Literaturkosmos kundig zu machen. Bei Ihrer Blechtrommel handelt es sich um ein Werk, das man nicht einfach so nebenbei konsumieren kann. Man muss es langsam genießen; Zeile für Zeile, Satz für Satz, Wort für Wort aufsaugen und genießen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich beim ersten Lesen wirklich alles verstanden hätte. Manche Passagen waren verwirrend und laden zum Nachdenken ein. Ich bin froh, mich mit Oskar und seiner Blechtrommel durch Danzig, Oskars Geschichte, seine Familie und Düsseldorf getrommelt zu haben. Hätte ich den Roman eher gelesen, hätte ich damals auf der Fähre den Mut gehabt, Sie anzusprechen und ein paar Fragen zu stellen. Bewertung: Auf Anregung von kapitelweise.lesen verzichte ich zukünftig auf eine Bewertung mit Sternen. Autorin: Günter Grass Verlag: dtv Seiten: 708 Genre: Roman Übersetzung: Ersterscheinung: 1993 Meine Version: Taschenbuch

Ein Werk, dass man gelesen haben muss.
3.5

Wow, ich muss schon sagen, ohne Leserunde hätte ich nicht durchgehalten. Auch nach Beenden der Lektüre kann ich zugeben, dass ich bzgl. der Story mit einigen Fragezeichen im Kopf zurückgelassen wurde, vor allem gegen Ende. Was ich aber als großes Highlight bezeichnen muss, ist der Schreibstil von Günther Grass, denn der ist wirklich außergewöhnlich, mal witzig, mal klug, aber immer anspruchsvoll. Jetzt muss ich noch den Film schauen, um zu erfahren, ob ich Oskar und seiner Trommel dadurch noch ein bisschen besser auf die Schliche komme/einschätzen kann.

4

Ein Klassiker, den man gelesen haben muss

Es hat mich drei Anläufe gekostet, um dieses Buch endlich zu lesen. Am Anfang kämpft man sich noch durch die Schreibweise und den Stil, dann freundet man sich damit an und taucht in die Grass-Welt ein. Das Buch hat Humor und an manchen Stellen musste ich grinsen. Am besten, man hört auch nebenbei das Hörbuch, gelesen vom Meister selber. Das wird wohl nicht mein letzter Grass gewesen sein!

4

Ein enormes Stück empörender literarischer Kunst. Leider etwas anstrengend zu lesen, teils durch die Längen, teils durch die nicht ganz sympathischen Gedankengänge der Hauptfigur.

Einfach verrückt. Ich habe einen recht schonungslosen, rebellischen Roman mit sehr bitterer und scharfer Kritik erwartet. Aber Grass ist viel subtiler und dadurch umso trickreicher vorgegangen. Ich dachte lange, dass Oskar ein wenig verrückt wäre, doch in Wahrheit sind es alle anderen. Oskar schleicht sich in der Tarnung eines Kleinkindes überall ein und beobachtet mit absurd scharfem Verstand alles und übernimmt die abstrus-fiesen Eigenheiten seiner Zeit. Die pointierte bissig-humorvolle Erzählweise überrascht einen hin und wieder aber doch. @lese_phia und ich wussten lange nicht wen wir wie einordnen mussten und haben immer wieder verschiedene Handlungen so mancher Figuren verurteilt. Die Diagnose: Verantwortungslosigkeit wohin das Auge reicht. Dabei konnte ich keine Figur so richtig lieben oder hassen. Alle hatten eine Lebendigkeit und Ambivalenz, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen will! Es ist wunderbar ausgearbeitet und das Leben von Oskar zu verfolgen ist schlicht beeindruckend! Ich habe es sehr gemocht, aber es war auch nicht immer einfach am Ball zu bleiben. Dafür lohnt sich ein Buddyread wirklich ausgezeichnet!

Ein enormes Stück empörender literarischer Kunst.
Leider etwas anstrengend zu lesen, teils durch die Längen, teils durch die nicht ganz sympathischen Gedankengänge der Hauptfigur.
5

Eines der Besten Bücher in diesem Jahr für mich. Ein schöner Klassiker und ich muss zugeben, dass der Schreibstil mich sowohl beeindruckt, gefordert als auch inspiriert hat! Kann ich echt weiterempfehlen!

3

Wie soll ich sagen ein echter Klassiker und sehr interessantes Buch. Allerdings hatte ich oft Schwierigkeiten den Autor zu verstehen bzw . zu verstehen was er mlt sagen wollte. Auch war das Buch unglaublich verstörend...

3.5

Günter Grass bewegt sich in "Die Blechtrommel" irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn.

Die Handlung lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Während sich einige Kapitel wie ein buchgewordener Fiebertraum anfühlen und einen völlig verstört zurücklassen, dadurch aber äußerst interessant und lesenswert werden, wünscht man sich nach anderen bloß die aufgewendete Lebenszeit zurück, da sie für die Handlung völlig irrelevant und schlicht, zumindest für mich persönlich, langweilig sind. Im großen Ganzen finde ich die Handlung jedoch nicht sonderlich überzeugend und interessant, oft sogar recht belanglos. Aus meiner Sicht hätten es auch 200 Seiten weniger sein können. Dagegen besticht Grass durch seinen, zugegeben nicht ganz einfachen, Schreibstil. Nicht nur der dauernde Wechsel zwischen ich- und er-Erzähler, sondern auch die Nutzung von Metaphern und Symbolen sowie die Art zu beschreiben wissen zu überzeugen. Ich kann jeden verstehen den die Blechtrommel nicht überzeugt oder sogar abschreckt. Ich persönlich bin aber froh sie endlich gelesen zu haben, da es einfach ein wichtiges Buch der deutschen Literatur darstellt und insgesamt auch recht überzeugend war.

3

Vergebens :Zweiter Versuch

Liebe Leser:innen. ich habe den Film zweimal gesehen. Das Buch zweimal abgebrochen. Schon der Anfang gefiel mir nicht. Dann habe ich das Hörbuch hören wollen, von Günter Grass gelesen, aber es hatte schlechte Tonqualität. Ich komme sowieso mit dem kleinen Trommler Oskar nicht klar.... Kehre heim zu Heinrich Böll und Max Frisch seinen Zeitgenossen. Katz und Maus habe ich gelesen, war aber danach eher ratlos. Drei Sterne für den Film

4

Verstörende Weltliteratur mit viel Platz für Interpretationen

Ich hab für das Buch eine ganze Weile gebraucht. Anfangs haben mich die doch sehr verschachtelten Sätze ein wenig abgeschreckt, doch hat mich die Geschichte so interessiert, dass ich mich zum dranbleiben gezwungen habe. Dies hat sich auch gelohnt, einmal an den Schreibstil gewohnt bleibt man dran. Die Geschichte ist aber doch sehr verstörend. Viele Situationen muss man erst einmal sacken lassen und für sich selbst interpretieren. Was will der Autor damit sagen? Jedoch möchte man die Geschichte um Oskar jederzeit weiterverfolgen. Das Buch hat zurecht die deutsche Nachkriegsliteratur geprägt und komplett verändert. Ich denke das Buch ist nicht für jeden etwas. Man muss es schon mögen. Ich bin jedoch sehr motiviert nun auch die weiteren Teile der Danzig-Trilogie zu lesen. Aber benötige dennoch erstmal etwas leichtere Kost :-)

3

Ich habe lange überlegt, wie ich dieses Buch bewerten soll. Ich war sehr froh, als ich es durch hatte, trotzdem hat es mich fasziniert und es ist auf jeden Fall sehr außergewöhnlich und hat zeitweise auch wirklich Spaß gemacht. Ich habe recht lange gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, der Wechsel zwischen erster und dritter Person, der sehr ausschweifende Erzählstil, das alles macht es nicht leicht dran zu bleiben. Doch die Geschichte zieht an und auch wenn sich am Stil nichts ändert, gewöhnt man sich dran. An wen ich mich tatsächlich nicht gewöhnen konnte, war der Hauptcharakter Oskar. Er ist durchtrieben, egozentrisch und hart gesagt einfach gestört. Zwar ist es gerade das, was die Geschichte so interessant und außergewöhnlich macht, jedoch war ich wieder und wieder schockiert und angeekelt von ihm. Das Buch ist sicher nicht für jeden was, aber trotzdem würde ich jedem empfehlen, es mal zu versuchen.

2

Irgendwie ätzend

Wollte das Buch unbedingt lesen. Es ist von der Schreibart wirklich schwer zu lesen, da es viele lange Schachtelsätze enthält. Anfangs war das Buch auch echt spannend, aber ab der Mitte ist es nur noch langweilig. Hab mich aber durchgequält. Kann es wirklich nicht empfehlen!

3

Ich glaube das Buch spaltet die Leserschaft ein wenig, oder? Entweder man mag es oder hasst es. Nennt es "Brechtrommel". Davon darf man sich aber nicht abschrecken lassen. Ich hatte zuerst "Katz und Maus" gelesen und fands sehr merkwürdig. Lag vielleicht an Grass Schreibart, mit welchem Auge er beschreibt. Fakt ist: Die Blechtrommel gefiel mir irgendwie. Ich weiß nicht richtig, es hat mich sehr viel Zeit gekostet, das Buch zu lesen. Nur 40 Seiten in einer Stunde sind für mich wenig. Es ist vielleicht ein wenig langatmig und manche Kapitel hätte es bestimmt nicht gebraucht, aber an sich find ich das Buch sehr gut gelungen. Man erfährt immer mehr, wieso Oskar in der Heilanstalt ist (obwohl mir seine Schuld nicht richtig herausgearbeitet vorkommt, weil so richtig begriffen hab ich die auch nicht). Sein Schreibstil ist aber eigentlich doch recht interessant, gut geschrieben. Der stetige Wechsel zwischen "Ich" und "Er"-Erzähler verläuft so flüssig und ohne Verwirrung (außer am Anfang), dass ich wirklich sehr begeistert und fasziniert davon bin. Man soll es auch nicht glauben, aber irgendwie fühlt man mit Oskar mit, auch, wenn eine Distanz irgendwie immer bleibt, weil er einem nicht ganz erschließbar scheint. Mir zumindest. Ich schweife zu sehr ab...ich bin mit keinen hohen Erwartungen reingegangen, bin sehr froh, es endlich gelesen (und aus) zu haben, finde es jedoch recht gelungen und kann auch verstehen, wieso Grass dafür geehrt wurde. Es ist keine leichte Lektüre, entweder man wird damit warm oder nicht. Wenn man schon vornherein eine Abneigung gegen das Buch hat, muss man es nicht lesen, aber derjenige, der sich immer mal dafür interessierte und nie wusste, ob er es nun doch lesen soll, dem kann ich nur sagen: Tu es! Ob du es später bereust, wirst du dann herausfinden, aber schaden tut es nicht, diesen Klassiker der dt. Literatur gelesen zu haben.

4

Wie gerne hätte ich diesem Klassiker die volle Sternenzahl gegeben und ihn zu einem meiner Lieblingsbüchern erklärt. Nach zwei Dritteln sah es noch absolut danach aus, doch der dritte und letzte Teil ließ einen Schatten über das ganze Werk fallen. Ich bewerte daher die Teile einzeln: 1. und 2. Teil in Danzig: jeweils 5 Sterne. Der 3. Teil in Düsseldorf: 2 Sterne. Ergibt die mathematischen 4 Sterne. Ich will in meiner Rezension gar nicht groß auf den letzten Teil eingehen. Meiner Ansicht nach hätte Grass diese Vertreibung aus Polen und die Erlebnisse in der jungen Bundesrepublik eher in einen neuen Roman packen sollen. Das ganze Buch hat viele autobiografische Tendenzen und im Grunde erleben wir die ganze Lebensgeschichte Grass von der Kindheit in Danzig bis hin zu seinen Künstlerjahren im Rheinland. Der Film von Schlöndorff aus den 70er Jahren behandelt auch nur die ersten beiden Teile. Hatte die filmische Umsetzung mich so sehr geprägt, dass ich nach den Abspann gar nicht an weiteren abstrusen Geschichten über Oskar als Model, Steinmetz oder Jazzmusiker interessiert war? Das Besondere an diesem Buch ist für mich Stil und Sprache, die Handlung tritt fast in den Hintergrund bei der Beurteilung. Allerdings ist die Geschichte des Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschloss, das Wachsen einzustellen und die Welt zu betrommeln, gespickt von Metaphern, Symbolen und Synonymen. Schon alleine die Erzählweise aus dem Blickwinkel von unten und nicht aus der Vogelperspektive, wie man sie so oft liest, ist sehr spannend. Abwechslungsreich wird das Buch durch die ständig wechselnden Erzähler, was teilweise sogar von Satz zu Satz der Fall ist. Da ist diese freche, zynische Stimme Oskars, der die Welt sich macht, wie sie ihm gefällt (obwohl er beim Geschlechtsakt seines Vaters mit Maria auf ihm sitzt und so das Unglück der Schwangerschaft herbeiführt, ist er der Auffassung, dass dann gezeugte Kurt nicht sein Bruder, sondern sein Sohn ist). Und wenn Oskar nicht mehr weiter erzählen will, tritt ein auktorialer Erzähler ins Spiel, der das Handeln und Denken Oskars süffisant kommentiert. Die Sprache des Autors ist kraftvoll, obszön, lyrisch, bildhaft und auch oft sinnlich. Was gibt es für viele versteckte erotische Anspielungen. Ich kann gut verstehen, dass es die Gesellschaft der 50er Jahre geschockt hatte. So harmlose Worte wie Moos, Vanille, Gieskanne oder Trommelstock bekommen von Grass oft auch immer noch eine frivole Doppelbedeutung. Faszinierender als die offensichtliche Beschreibung der Sexualität fand ich dagegen die versteckten Anspielungen. Zum Beispiel in dieser grandiosen Eingangsszene mit dem weiten Rock der Großmutter, die auf dem Kartoffelfeld sitzend, der späteren Großvater Asyl unter ihren Röcken bot auf der Flucht vor den Gendarmen. Da heißt es: Sie pfiff, ohne ein Lied zu meinen, und scharrte mit dem Haselstock die erste gare Kartoffel aus der Asche. Weit genug schob sie die Bulve neben den schwelenden Krautberg, damit der Wind sie streifte und abkühlte. Ein spitzer Ast spießte dann die angekohlte und krustig geplatzte Knolle, hielt diese vor ihren Mund, der nicht mehr pfiff, sondern zwischen windtrockenen, gesprungenen Lippen Asche und Erde von der Pelle blies. Beim Blasen schloß meine Großmutter die Augen. Als sie meinte, genug geblasen zu haben, öffnete sie die Augen nacheinander und biß mit Durchblick gewährenden, sonst fehlerlosen Schneidezähnen zu, gab das Gebiss sogleich wieder frei, hielt die halbe, noch zu heiße Kartoffel mehlig und dampfend in offener Mundhöhle [...] Wie kann man nur diesen simplen Akt eines Kartoffelfeuers in so poetischen Worten fassen? Wenn man sich in die Blechtrommel eingelesen hat und die Sprache Grass versteht, dann fällt einem auf, dass hier gepfiffen und geblasen wird, ein spitzer Stock spießt und führt zu den Lippen, zum Mund, die warme Frucht. Diese Worte sind ganz bewusst gewählt, um die Sinnlichkeit dieses Akts des Essens zu verdeutlichen. Ich bin wirklich kein Kenner oder ausgesprochener Liebhaber von Lyrik, aber diese Art der Schilderung sprach mich sehr an. Das ist ganz große Literatur für mich. Schade, dass sich dieses Niveau nicht bis zum Ende aufrecht erhielt und ähnliche Beschreibungen im 3. Teil (Auf dem Kokosteppich) nur noch enttäuschend waren. Die Blechtrommel ist eine unbedingte Leseempfehlung. Vom 3. Teil sollte man sich nicht beeindrucken oder abhalten lassen. Man kann das Buch auch ohne weiteres nach der Danziger Zeit beenden. Aber diese ersten beiden Teile muss man gelesen haben.

2

Abbruch nach 36 %. Ich konnte sprachlich und inhaltlich beispielsweise mit "Katz und Maus" oder "Im Krebsgang" mehr anfangen.

4

Wie gerne hätte ich diesem Klassiker die volle Sternenzahl gegeben und ihn zu einem meiner Lieblingsbüchern erklärt. Nach zwei Dritteln sah es noch absolut danach aus, doch der dritte und letzte Teil ließ einen Schatten über das ganze Werk fallen. Ich bewerte daher die Teile einzeln: 1. und 2. Teil in Danzig: jeweils 5 Sterne. Der 3. Teil in Düsseldorf: 2 Sterne. Ergibt die mathematischen 4 Sterne. Ich will in meiner Rezension gar nicht groß auf den letzten Teil eingehen. Meiner Ansicht nach hätte Grass diese Vertreibung aus Polen und die Erlebnisse in der jungen Bundesrepublik eher in einen neuen Roman packen sollen. Das ganze Buch hat viele autobiografische Tendenzen und im Grunde erleben wir die ganze Lebensgeschichte Grass von der Kindheit in Danzig bis hin zu seinen Künstlerjahren im Rheinland. Der Film von Schlöndorff aus den 70er Jahren behandelt auch nur die ersten beiden Teile. Hatte die filmische Umsetzung mich so sehr geprägt, dass ich nach den Abspann gar nicht an weiteren abstrusen Geschichten über Oskar als Model, Steinmetz oder Jazzmusiker interessiert war? Das Besondere an diesem Buch ist für mich Stil und Sprache, die Handlung tritt fast in den Hintergrund bei der Beurteilung. Allerdings ist die Geschichte des Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschloss, das Wachsen einzustellen und die Welt zu betrommeln, gespickt von Metaphern, Symbolen und Synonymen. Schon alleine die Erzählweise aus dem Blickwinkel von unten und nicht aus der Vogelperspektive, wie man sie so oft liest, ist sehr spannend. Abwechslungsreich wird das Buch durch die ständig wechselnden Erzähler, was teilweise sogar von Satz zu Satz der Fall ist. Da ist diese freche, zynische Stimme Oskars, der die Welt sich macht, wie sie ihm gefällt (obwohl er beim Geschlechtsakt seines Vaters mit Maria auf ihm sitzt und so das Unglück der Schwangerschaft herbeiführt, ist er der Auffassung, dass dann gezeugte Kurt nicht sein Bruder, sondern sein Sohn ist). Und wenn Oskar nicht mehr weiter erzählen will, tritt ein auktorialer Erzähler ins Spiel, der das Handeln und Denken Oskars süffisant kommentiert. Die Sprache des Autors ist kraftvoll, obszön, lyrisch, bildhaft und auch oft sinnlich. Was gibt es für viele versteckte erotische Anspielungen. Ich kann gut verstehen, dass es die Gesellschaft der 50er Jahre geschockt hatte. So harmlose Worte wie Moos, Vanille, Gieskanne oder Trommelstock bekommen von Grass oft auch immer noch eine frivole Doppelbedeutung. Faszinierender als die offensichtliche Beschreibung der Sexualität fand ich dagegen die versteckten Anspielungen. Zum Beispiel in dieser grandiosen Eingangsszene mit dem weiten Rock der Großmutter, die auf dem Kartoffelfeld sitzend, der späteren Großvater Asyl unter ihren Röcken bot auf der Flucht vor den Gendarmen. Da heißt es: Sie pfiff, ohne ein Lied zu meinen, und scharrte mit dem Haselstock die erste gare Kartoffel aus der Asche. Weit genug schob sie die Bulve neben den schwelenden Krautberg, damit der Wind sie streifte und abkühlte. Ein spitzer Ast spießte dann die angekohlte und krustig geplatzte Knolle, hielt diese vor ihren Mund, der nicht mehr pfiff, sondern zwischen windtrockenen, gesprungenen Lippen Asche und Erde von der Pelle blies. Beim Blasen schloß meine Großmutter die Augen. Als sie meinte, genug geblasen zu haben, öffnete sie die Augen nacheinander und biß mit Durchblick gewährenden, sonst fehlerlosen Schneidezähnen zu, gab das Gebiss sogleich wieder frei, hielt die halbe, noch zu heiße Kartoffel mehlig und dampfend in offener Mundhöhle [...] Wie kann man nur diesen simplen Akt eines Kartoffelfeuers in so poetischen Worten fassen? Wenn man sich in die Blechtrommel eingelesen hat und die Sprache Grass versteht, dann fällt einem auf, dass hier gepfiffen und geblasen wird, ein spitzer Stock spießt und führt zu den Lippen, zum Mund, die warme Frucht. Diese Worte sind ganz bewusst gewählt, um die Sinnlichkeit dieses Akts des Essens zu verdeutlichen. Ich bin wirklich kein Kenner oder ausgesprochener Liebhaber von Lyrik, aber diese Art der Schilderung sprach mich sehr an. Das ist ganz große Literatur für mich. Schade, dass sich dieses Niveau nicht bis zum Ende aufrecht erhielt und ähnliche Beschreibungen im 3. Teil (Auf dem Kokosteppich) nur noch enttäuschend waren. Die Blechtrommel ist eine unbedingte Leseempfehlung. Vom 3. Teil sollte man sich nicht beeindrucken oder abhalten lassen. Man kann das Buch auch ohne weiteres nach der Danziger Zeit beenden. Aber diese ersten beiden Teile muss man gelesen haben.

4

Wie gerne hätte ich diesem Klassiker die volle Sternenzahl gegeben und ihn zu einem meiner Lieblingsbüchern erklärt. Nach zwei Dritteln sah es noch absolut danach aus, doch der dritte und letzte Teil ließ einen Schatten über das ganze Werk fallen. Ich bewerte daher die Teile einzeln: 1. und 2. Teil in Danzig: jeweils 5 Sterne. Der 3. Teil in Düsseldorf: 2 Sterne. Ergibt die mathematischen 4 Sterne. Ich will in meiner Rezension gar nicht groß auf den letzten Teil eingehen. Meiner Ansicht nach hätte Grass diese Vertreibung aus Polen und die Erlebnisse in der jungen Bundesrepublik eher in einen neuen Roman packen sollen. Das ganze Buch hat viele autobiografische Tendenzen und im Grunde erleben wir die ganze Lebensgeschichte Grass von der Kindheit in Danzig bis hin zu seinen Künstlerjahren im Rheinland. Der Film von Schlöndorff aus den 70er Jahren behandelt auch nur die ersten beiden Teile. Hatte die filmische Umsetzung mich so sehr geprägt, dass ich nach den Abspann gar nicht an weiteren abstrusen Geschichten über Oskar als Model, Steinmetz oder Jazzmusiker interessiert war? Das Besondere an diesem Buch ist für mich Stil und Sprache, die Handlung tritt fast in den Hintergrund bei der Beurteilung. Allerdings ist die Geschichte des Oskar Matzerath, der mit drei Jahren beschloss, das Wachsen einzustellen und die Welt zu betrommeln, gespickt von Metaphern, Symbolen und Synonymen. Schon alleine die Erzählweise aus dem Blickwinkel von unten und nicht aus der Vogelperspektive, wie man sie so oft liest, ist sehr spannend. Abwechslungsreich wird das Buch durch die ständig wechselnden Erzähler, was teilweise sogar von Satz zu Satz der Fall ist. Da ist diese freche, zynische Stimme Oskars, der die Welt sich macht, wie sie ihm gefällt (obwohl er beim Geschlechtsakt seines Vaters mit Maria auf ihm sitzt und so das Unglück der Schwangerschaft herbeiführt, ist er der Auffassung, dass dann gezeugte Kurt nicht sein Bruder, sondern sein Sohn ist). Und wenn Oskar nicht mehr weiter erzählen will, tritt ein auktorialer Erzähler ins Spiel, der das Handeln und Denken Oskars süffisant kommentiert. Die Sprache des Autors ist kraftvoll, obszön, lyrisch, bildhaft und auch oft sinnlich. Was gibt es für viele versteckte erotische Anspielungen. Ich kann gut verstehen, dass es die Gesellschaft der 50er Jahre geschockt hatte. So harmlose Worte wie Moos, Vanille, Gieskanne oder Trommelstock bekommen von Grass oft auch immer noch eine frivole Doppelbedeutung. Faszinierender als die offensichtliche Beschreibung der Sexualität fand ich dagegen die versteckten Anspielungen. Zum Beispiel in dieser grandiosen Eingangsszene mit dem weiten Rock der Großmutter, die auf dem Kartoffelfeld sitzend, der späteren Großvater Asyl unter ihren Röcken bot auf der Flucht vor den Gendarmen. Da heißt es: Sie pfiff, ohne ein Lied zu meinen, und scharrte mit dem Haselstock die erste gare Kartoffel aus der Asche. Weit genug schob sie die Bulve neben den schwelenden Krautberg, damit der Wind sie streifte und abkühlte. Ein spitzer Ast spießte dann die angekohlte und krustig geplatzte Knolle, hielt diese vor ihren Mund, der nicht mehr pfiff, sondern zwischen windtrockenen, gesprungenen Lippen Asche und Erde von der Pelle blies. Beim Blasen schloß meine Großmutter die Augen. Als sie meinte, genug geblasen zu haben, öffnete sie die Augen nacheinander und biß mit Durchblick gewährenden, sonst fehlerlosen Schneidezähnen zu, gab das Gebiss sogleich wieder frei, hielt die halbe, noch zu heiße Kartoffel mehlig und dampfend in offener Mundhöhle [...] Wie kann man nur diesen simplen Akt eines Kartoffelfeuers in so poetischen Worten fassen? Wenn man sich in die Blechtrommel eingelesen hat und die Sprache Grass versteht, dann fällt einem auf, dass hier gepfiffen und geblasen wird, ein spitzer Stock spießt und führt zu den Lippen, zum Mund, die warme Frucht. Diese Worte sind ganz bewusst gewählt, um die Sinnlichkeit dieses Akts des Essens zu verdeutlichen. Ich bin wirklich kein Kenner oder ausgesprochener Liebhaber von Lyrik, aber diese Art der Schilderung sprach mich sehr an. Das ist ganz große Literatur für mich. Schade, dass sich dieses Niveau nicht bis zum Ende aufrecht erhielt und ähnliche Beschreibungen im 3. Teil (Auf dem Kokosteppich) nur noch enttäuschend waren. Die Blechtrommel ist eine unbedingte Leseempfehlung. Vom 3. Teil sollte man sich nicht beeindrucken oder abhalten lassen. Man kann das Buch auch ohne weiteres nach der Danziger Zeit beenden. Aber diese ersten beiden Teile muss man gelesen haben.

3

I hate this fucking book (i was forced to write a 15 page essay about it)

5

What Glass did was create a novel as wonderful as it is bizarre and jarring. There is no shortage of scenes that will shock, delight, and morbidly intrigue. Breon Mitchell handled the translating of this beast of a novel exceptionally well. Oskar's refusal to grow is perhaps more heroic than his eventual growth. But even then, he is still the same (un)lovable and (un)likeable character that I have come to root for and become discouraged by at the same time. He disgusts me, he intrigues me, he fascinates me, and sometimes, he manages to make me feel bad for him. Oskar Matzerath is perhaps the most well-crafted character I've ever read. I can't wait to finish the rest of this trilogy. Elizabeth Ellen needs to read this book, if she hasn't already.

2

Grass hat zu viel gewollt. Jedenfalls beschreibt das meiner Meinung nach sein Debüt am besten. Sowohl der Schauplatz Danzig als auch die Rahmenhandlung rund um den 2.Weltkrieg sind gut gewählt, der Rest jedoch weniger überzeugend. Seine Figuren zu fantastisch, fast surreal verzerrt. Die Sexszenen nicht nur unnötig, sondern auch anwidernd. Die Hauptfigur und gleichzeitig der Erzähler Oskar bleibt bis zum Ende fragwürdig. Was zurückbleibt, ist ein monumentales Werk im Grass'chen Stil, das in sich nicht ganz schlüssig ist aber dennoch mit den großen Fragen der Nachkriegszeit jongliert.

Create Post