Abgrund
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Description
In London hat die 26-jährige Venetia Stanley – aristokratisch, klug, unbekümmert – eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit.
Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente – und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.
Book Information
Author Description
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane »Vaterland«, »Enigma«, »Aurora«, »Pompeji«, »Imperium«, »Ghost«, »Titan«, »Angst«, »Intrige«, »Dictator«, »Konklave«, »München«, »Der zweite Schlaf«, »Vergeltung«, »Königsmörder« und zuletzt »Abgrund« wurden allesamt internationale Bestseller. Sein Werk wurde in 40 Sprachen übersetzt; neun seiner Bücher wurden für Kino und TV verfilmt, zuletzt der oscarprämierte Spielfilm »Konklave«. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Von einem traurigen alten Mann und fragilen Männeregos.
Ich bewerte das Buch relativ neutral und ohne Empfehlung, weil ich ganz offensichtlich nicht die Zielgruppe dafür und auch mit falschen Erwartungen rangegangen bin. Erwartet habe ich einen spannenden Spionagethriller mit Dan Brown Vibes, da lag ich aber extrem daneben. Thema ist die Beziehung des Britischen Premierministers zu Beginn des 1. Weltkrieges mit einer jungen Adligen. Teilweise in Briefform. Und auch wenn das so gar nicht mein Fall ist und auch keinerlei Spannung aufkommen wollte, fand ich das Buch zwischenzeitlich sehr interessant. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Briefe des Premierministers immer verzweifelter und unangenehmer werden. Dieser traurige alte Mann, der, obwohl er verheiratet ist, einer jungen Frau nachstellt, ist wie ein Verkehrsunfall - man will nicht hingucken, aber weggucken geht auch nicht.
Klassischer Harris
Also man muss sagen, dass es historisch gut eingeordnet ist. Es is wirklich intensiv erklärt worden, was politisch ab ging, aber das muss man halt auch mögen und vor allem verstehen. Ich habe aber nach und nach den „Prime“ als unfassbar trübselig und nervig empfunden. Mir fehlte leider zum Ende hin das gewisse etwas. Im Großen und Ganzen überhaupt nicht schlecht geschrieben, aber ich hab mehr Spannung erwartet und das Ende ist mehr als spannungslos und entsprechend enttäuschend für mich gewesen. Trotzdem: Ein klassischer Harris und ich würde es auch historischen Interesse einfach erneut lesen.
Zu Anfang etwas verwirrend, aber dann wird es deutlich besser.
Da ich mich vorher noch selten mit dem Beginn des 1. Weltkriegs beschäftigt habe, waren mir anfangs einige der handelnden Personen nicht bekannt, und die vielen Namen dann doch eher verwirrend. Aber nach ca. 80 Seiten wird die Geschichte zunehmend interessanter und auch durchaus spannend. Und die eingeflochtene Spionagegeschichte rundum den Polizisten Deemer trägt noch einiges dazu bei. Tatsächlich sehnt man irgendwann das Ende der Affäre herbei, aber ich war durchaus neugierig darauf wie sich das alles auflöst und habe mich trotz einiger Längen gut unterhalten gefühlt.
Robert Harris hat es wieder getan: Mit "Abgrund" entführt er uns in die düsteren Sphären der britischen Politik unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Und glaubt es mir, selten war historische Fiktion so fesselnd und beunruhigend zugleich. Im Zentrum steht kein Geringerer als der britische Premierminister Herbert Henry Asquith. Ein Mann, der, anstatt sich voll und ganz den drohenden politischen Unruhen zu widmen, in einer obsessiven Affäre mit der jungen Aristokratin Venetia Stanley versinkt. Über 500 Briefe schreibt er ihr—ja, ihr haben richtig gehört—und das oft während wichtiger Kabinettssitzungen. Dabei gibt er nicht nur sein Herz preis, sondern auch streng geheime Informationen. Man könnte meinen, Harris habe hier die Fantasie mit ihm durchgehen lassen, doch die Realität ist noch schockierender. Harris versteht es meisterhaft, die Grenze zwischen historischem Fakt und erzählerischer Fiktion nahezu unsichtbar zu machen. Er greift auf die tatsächlichen Briefe Asquiths zurück und webt daraus ein narratives Geflecht, das ebenso faszinierend wie verstörend ist. Asquith erscheint zunächst als verliebter älterer Herr, doch mit jedem Kapitel offenbart sich das Ausmaß seiner Besessenheit und die verheerenden Auswirkungen auf seine politische Urteilsfähigkeit. Venetia Stanley ist keine bloße Statistin in diesem Drama. Harris zeichnet sie als komplexe junge Frau, gefangen zwischen den Erwartungen der Oberschicht und ihrem eigenen Streben nach Sinn und Identität. Ihre Beziehung zu Asquith ist sowohl Fluch als auch Segen, ein Spiel mit dem Feuer, das sie gleichermaßen stärkt und zerstört. Die politische Kulisse ist nicht minder beeindruckend. Harris lässt historische Giganten wie Winston Churchill, David Lloyd George und Lord Kitchener auftreten, ohne dass es jemals erzwungen wirkt. Die internen Machtkämpfe, die irischen Unruhen, das heraufziehende Unheil des Krieges—all das bildet einen authentischen Hintergrund, vor dem sich die persönliche Tragödie entfaltet. Stilistisch bewegt sich Harris auf höchstem Niveau. Seine präzise und elegante Sprache zieht den Leser unweigerlich in den Bann. Die Einbindung der Originalbriefe verleiht dem Werk eine zusätzliche Tiefe und Glaubwürdigkeit. Die fiktive Figur des Paul Deemer, eines jungen Geheimdienstoffiziers, bietet zudem einen frischen Blickwinkel und bereichert die Erzählung um eine weitere Dimension. Die zentralen Themen—Macht und Machtlosigkeit, Liebe und Obsession, Verantwortung und Verrat—werden mit einer Subtilität behandelt, die unter die Haut geht. Harris zeigt auf eindringliche Weise, wie persönliche Schwächen den Lauf der Geschichte beeinflussen können. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der damaligen Kommunikationskultur: Die mehrmaligen täglichen Postzustellungen, die Briefe als "SMS" ihrer Zeit, unterstreichen die Intensität und Dringlichkeit der Beziehung zwischen Asquith und Venetia. "Abgrund" ist weit mehr als ein historischer Roman. Es ist eine tiefgründige Exploration menschlicher Begierden und politischer Verantwortung, ein Spiegel, der uns zeigt, wie eng persönliche und gesellschaftliche Schicksale miteinander verwoben sind. Robert Harris liefert hier ein Werk ab, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Meine Empfehlung: Lest dieses Buch. Es ist ein absolutes Muss für alle, die anspruchsvolle Literatur und gut recherchierte historische Fiktion zu schätzen wissen. Ihr werden es nicht bereuen.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
In London hat die 26-jährige Venetia Stanley – aristokratisch, klug, unbekümmert – eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit.
Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente – und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.
Book Information
Author Description
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane »Vaterland«, »Enigma«, »Aurora«, »Pompeji«, »Imperium«, »Ghost«, »Titan«, »Angst«, »Intrige«, »Dictator«, »Konklave«, »München«, »Der zweite Schlaf«, »Vergeltung«, »Königsmörder« und zuletzt »Abgrund« wurden allesamt internationale Bestseller. Sein Werk wurde in 40 Sprachen übersetzt; neun seiner Bücher wurden für Kino und TV verfilmt, zuletzt der oscarprämierte Spielfilm »Konklave«. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.
Posts
Von einem traurigen alten Mann und fragilen Männeregos.
Ich bewerte das Buch relativ neutral und ohne Empfehlung, weil ich ganz offensichtlich nicht die Zielgruppe dafür und auch mit falschen Erwartungen rangegangen bin. Erwartet habe ich einen spannenden Spionagethriller mit Dan Brown Vibes, da lag ich aber extrem daneben. Thema ist die Beziehung des Britischen Premierministers zu Beginn des 1. Weltkrieges mit einer jungen Adligen. Teilweise in Briefform. Und auch wenn das so gar nicht mein Fall ist und auch keinerlei Spannung aufkommen wollte, fand ich das Buch zwischenzeitlich sehr interessant. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Briefe des Premierministers immer verzweifelter und unangenehmer werden. Dieser traurige alte Mann, der, obwohl er verheiratet ist, einer jungen Frau nachstellt, ist wie ein Verkehrsunfall - man will nicht hingucken, aber weggucken geht auch nicht.
Klassischer Harris
Also man muss sagen, dass es historisch gut eingeordnet ist. Es is wirklich intensiv erklärt worden, was politisch ab ging, aber das muss man halt auch mögen und vor allem verstehen. Ich habe aber nach und nach den „Prime“ als unfassbar trübselig und nervig empfunden. Mir fehlte leider zum Ende hin das gewisse etwas. Im Großen und Ganzen überhaupt nicht schlecht geschrieben, aber ich hab mehr Spannung erwartet und das Ende ist mehr als spannungslos und entsprechend enttäuschend für mich gewesen. Trotzdem: Ein klassischer Harris und ich würde es auch historischen Interesse einfach erneut lesen.
Zu Anfang etwas verwirrend, aber dann wird es deutlich besser.
Da ich mich vorher noch selten mit dem Beginn des 1. Weltkriegs beschäftigt habe, waren mir anfangs einige der handelnden Personen nicht bekannt, und die vielen Namen dann doch eher verwirrend. Aber nach ca. 80 Seiten wird die Geschichte zunehmend interessanter und auch durchaus spannend. Und die eingeflochtene Spionagegeschichte rundum den Polizisten Deemer trägt noch einiges dazu bei. Tatsächlich sehnt man irgendwann das Ende der Affäre herbei, aber ich war durchaus neugierig darauf wie sich das alles auflöst und habe mich trotz einiger Längen gut unterhalten gefühlt.
Robert Harris hat es wieder getan: Mit "Abgrund" entführt er uns in die düsteren Sphären der britischen Politik unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Und glaubt es mir, selten war historische Fiktion so fesselnd und beunruhigend zugleich. Im Zentrum steht kein Geringerer als der britische Premierminister Herbert Henry Asquith. Ein Mann, der, anstatt sich voll und ganz den drohenden politischen Unruhen zu widmen, in einer obsessiven Affäre mit der jungen Aristokratin Venetia Stanley versinkt. Über 500 Briefe schreibt er ihr—ja, ihr haben richtig gehört—und das oft während wichtiger Kabinettssitzungen. Dabei gibt er nicht nur sein Herz preis, sondern auch streng geheime Informationen. Man könnte meinen, Harris habe hier die Fantasie mit ihm durchgehen lassen, doch die Realität ist noch schockierender. Harris versteht es meisterhaft, die Grenze zwischen historischem Fakt und erzählerischer Fiktion nahezu unsichtbar zu machen. Er greift auf die tatsächlichen Briefe Asquiths zurück und webt daraus ein narratives Geflecht, das ebenso faszinierend wie verstörend ist. Asquith erscheint zunächst als verliebter älterer Herr, doch mit jedem Kapitel offenbart sich das Ausmaß seiner Besessenheit und die verheerenden Auswirkungen auf seine politische Urteilsfähigkeit. Venetia Stanley ist keine bloße Statistin in diesem Drama. Harris zeichnet sie als komplexe junge Frau, gefangen zwischen den Erwartungen der Oberschicht und ihrem eigenen Streben nach Sinn und Identität. Ihre Beziehung zu Asquith ist sowohl Fluch als auch Segen, ein Spiel mit dem Feuer, das sie gleichermaßen stärkt und zerstört. Die politische Kulisse ist nicht minder beeindruckend. Harris lässt historische Giganten wie Winston Churchill, David Lloyd George und Lord Kitchener auftreten, ohne dass es jemals erzwungen wirkt. Die internen Machtkämpfe, die irischen Unruhen, das heraufziehende Unheil des Krieges—all das bildet einen authentischen Hintergrund, vor dem sich die persönliche Tragödie entfaltet. Stilistisch bewegt sich Harris auf höchstem Niveau. Seine präzise und elegante Sprache zieht den Leser unweigerlich in den Bann. Die Einbindung der Originalbriefe verleiht dem Werk eine zusätzliche Tiefe und Glaubwürdigkeit. Die fiktive Figur des Paul Deemer, eines jungen Geheimdienstoffiziers, bietet zudem einen frischen Blickwinkel und bereichert die Erzählung um eine weitere Dimension. Die zentralen Themen—Macht und Machtlosigkeit, Liebe und Obsession, Verantwortung und Verrat—werden mit einer Subtilität behandelt, die unter die Haut geht. Harris zeigt auf eindringliche Weise, wie persönliche Schwächen den Lauf der Geschichte beeinflussen können. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der damaligen Kommunikationskultur: Die mehrmaligen täglichen Postzustellungen, die Briefe als "SMS" ihrer Zeit, unterstreichen die Intensität und Dringlichkeit der Beziehung zwischen Asquith und Venetia. "Abgrund" ist weit mehr als ein historischer Roman. Es ist eine tiefgründige Exploration menschlicher Begierden und politischer Verantwortung, ein Spiegel, der uns zeigt, wie eng persönliche und gesellschaftliche Schicksale miteinander verwoben sind. Robert Harris liefert hier ein Werk ab, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Meine Empfehlung: Lest dieses Buch. Es ist ein absolutes Muss für alle, die anspruchsvolle Literatur und gut recherchierte historische Fiktion zu schätzen wissen. Ihr werden es nicht bereuen.









