Blick ins Buch

Romane

Vaters Meer

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Über das Buch

Vaters Meer erzählt von einem Schicksalsschlag, der eine ganze Familie trifft, von einer Vater-Sohn-Beziehung, die abrupt endet, von Migration und Zugehörigkeit. Deniz Utlu zeichnet die unerwarteten Wege des Lebens wie der Erinnerung nach. Sein Roman zeugt von der Kraft des Erzählens – die dann am deutlichsten wird, wenn die Sprache das Letzte ist, was einem bleibt.

Yunus ist dreizehn Jahre alt, da erleidet sein Vater zwei Schlaganfälle und ist fortan nahezu vollständig gelähmt. Er kann nur noch über Augenbewegungen kommunizieren. Zehn Jahre wird er von Yunus’ Mutter gepflegt, erst in einem Heim, dann zu Hause, bevor er stirbt. Und Yunus, der zum Studium ausgezogen ist aus der elterlichen Wohnung, ruft sich immer wieder Bilder aus seiner Kindheit wach: Erlebnisse und Gespräche mit dem Vater, von denen er manchmal gar nicht mehr wusste, dass er sie noch in sich trägt. Sie fügen sich zu dem warmherzigen Porträt eines Mannes, der mit lauter Stimme lachte oder auf Arabisch fluchte, der häufig abwesend und leicht reizbar war und der einst aus Mardin nahe der türkisch-syrischen Grenze nach Istanbul ging, dort den Militärputsch miterlebte und schließlich mit einem Frachtschiff nach Deutschland kam.

»Dieses Buch hat mein Herz gebrochen und wieder zusammengeflickt. Die Figuren und die Sprache, sie werden mich für immer begleiten.« Fatma Aydemir

Editionen (2)

ISBN9783518431443
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum22.08.23
Seitenzahl384

Rezensionen & Bewertungen

55 Bewertungen

9 Rezensionen

4,0

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  • ingeheydeck
    ingeheydeck

    147 Follower

    3,5

    Melancholische Aufarbeitung der Lebensgeschichte des Vaters zur Selbstfindung "Erinnern bedeutet am Leben erhalten".

    "Ich versuche damit zurechtzukommen, dass es ein absolutes Erinnern nicht gibt. Erinnern bedeutet am Leben erhalten. Ein Detail, das das Gedächtnis scheinbar willkürlich abgespeichert hat, enthält eine ganze Geschichte". Yunus, Sohn türkischstämmiger Eltern, versucht in diesem Roman die Lebensgeschichte seines Vaters zu porträtieren, immer auf der Suche nach sich selbst und der Bindung zu seinem Vater. Bereits als Zehnjähriger muss Yunus lernen, mit der "Nichterreichbarkeit" des Vaters umzugehen. Nach zwei Schlaganfällen ( die er "Fallen" nennt) leidet dieser am Locked-in-Syndrom- eine Verständigung ist nur völlig eingeschränkt per Augenlid möglich. Nach zehn Jahren intensiver häuslicher Pflege verdirbt der Vater. Yunus Anker wird die Fülle der Erinnerungen an seinen Vater, die Aufarbeitung des aus der südtürkischen Stadt Mardin stammenden hitzigen Mannes, der in den 60er Jahren nach Deutschland Immigrierte. "Was geschieht, wenn ich alle Erinnerungen an meinen Vater, die in mir snd, gefunden und herbeigerufen und wieder und wieder gedacht habe ? Wäre das der Punkt an dem er mich endgültig verlassen würde ? Der Augenblick , an dem das Buch der Erinnrerung, meine Vaterlosigkeit vollendet wäre ? Wie oft könnte ich oder würde ich die Erinnrerungen erneut aufrufen ? (S.316 /317). Ich habe mich ein wenig schwer getan mit diesem Buch, manchmal driftete die Sprache mir zu sehr ins Poetische ab und bestimmte Gedankengänge (das 'Bild' einer unsichtbaren Katze als Vaterersatz hat sich mir nicht erschlossen) und Erinnerungen wiederholten sich, was einige Längen mit sich brachte. Möglicherweise war auch das aus Zeitgründen "in Etappen lesen" dafür verantwortlich, dass mich das Buch nicht vollends gefesselt hat.

    25. Jan. 2026

  • saari84
    saari84

    55 Follower

    4,0

    "...ob etwas verletzend ist oder nicht, entscheiden diejenigen, die die Wunden tragen, und nicht jene, die sie erzeugen..." (S. 92) Ein junger Mann (13J.), eine starke Mutter und ein starker Vater der durch zwei Schlaganfälle aus dem "normalen" Leben gerissen wird. Er leidet unter dem "Locked-in-Syndrom" und kann nur noch über seine Augen kommunizieren. Die Mutter pflegt ihn die nächsten 10 Jahre und gibt niemals auf, die besten Therapien für ihren Mann zu finden. Yunus, ihr Sohn, muss oft zwischen den Behörden und Ärzten vermitteln, da es seiner Mutter oft an den richtigen Worten mangelt, ansonsten zieht Yunus sich zurück, scheint überfordert mir der Situation (wer wäre es nicht in dem Alter?!) Doch Yunus versucht zu erfahren, wer sein Vater wirklich war. Dieser Mann, der einen ganzen Raum ausfüllen konnte, viele Freunde und Bekannte hatte, der mitunter leicht reizbar war und dann mit arabischen Flüchen um sich schmiss, der aber auch eine sanfte Seite hatte und der Poesie und der Musik sehr verfallen war, wie viel steckt davon in ihm? Deniz Utlu hat einen leisen Roman geschrieben, für den man sich Zeit nehmen sollte. Definitiv kein Buch um es Mal eben wegzulesen. Jetzt ein paar Wochen später, bin ich von diesem Buch noch mehr berührt und verstehe seinen ganzen Zauber. Eine große Liebeserklärung an die Menschen, die uns großziehen, ihnen Fehler zugesteht und uns aufzeigt, das auch Eltern Menschen sind und es sich lohnen kann, ihre Wurzeln aufzuspüren. Lesen! 💙

    8. Feb. 2024

  • sadiehermine
    sadiehermine

    19 Follower

    5,0

    Ich habe den Roman auf Grund einer Lesung von Deniz Utlu gelesen. Es war sehr bewegend die Parallelen seines Lebens und des Lebens von Yunus zu sehen. Eine wundervolle Geschichte über eine Familie, Länder und Kulturen, die mich sehr bewegt hat.

    27. Jan. 2025

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Deniz Utlu

Deniz Utlu, geboren 1983 in Hannover, studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Paris. Von 2003 bis 2014 gab er das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext heraus. Sein Debütroman, Die Ungehaltenen, erschien 2014 und wurde 2015 im Maxim Gorki Theater für die Bühne adaptiert. Von 2017 bis 2019 schrieb er für den Tagesspiegel die Kolumne Einträge ins Logbuch. 2019 erschien sein zweiter Roman Gegen Morgen. Außerdem hat er Theaterstücke, Lyrik und Essays verfasst (u. a. für Tagesspiegel, Der Freitag und weitere überregionale Tageszeitungen). Er forscht am Deutschen Institut für Menschenrechte und veranstaltet am Maxim Gorki Theater die Literaturreihe Prosa der Verhältnisse. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover.

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