Blick ins Buch

Romane

1000 Serpentinen Angst

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Über das Buch

»Ich habe mehr Privilegien, als es je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann. Am Tag der Bundestagswahl versuche ich ihr mit dieser Behauptung 20 Minuten lang auszureden, eine rechte Partei zu wählen.«

Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps in einem fremden Hotelzimmer. Wütend und leidenschaftlich schaut sie auf unsere sich rasant verändernde Zeit und erzählt dabei auch die Geschichte ihrer Familie: von ihrer Mutter, die Punkerin in der DDR war und nie die Freiheit hatte, von der sie geträumt hat. Von ihrer Großmutter, deren linientreues Leben ihr Wohlstand und Sicherheit brachte. Und von ihrem Zwillingsbruder, der mit siebzehn ums Leben kam. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden.

Editionen (2)

ISBN9783596703807
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum27.04.22
Seitenzahl352

Rezensionen & Bewertungen

173 Bewertungen

22 Rezensionen

3,7

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  • vanessi1501
    vanessi1501

    17 Follower

    5,0

    Ich tu mir ein bisschen schwer hier einen Anfang zu finden. „1000 serpentinen angst“ ist wie nichts, das ich bis dato gelesen habe. Auf 352 Seiten nimmt die namenlose Erzählerin den Leser mit auf eine holperige Reise in ihr Hirn. Nur so kann ich annähernd beschreiben, wie diese Lektüre für mich war. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, wobei der erste, wie auch der dritte Teil aus Dialog besteht. In Großbuchstaben werden der Erzählerin Fragen gestellt, die sie beantwortet, später werden die Rollen getauscht und die Erzählerin stellt die Fragen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Teil anfangs befremdlich war zu lesen, einfach weil man als Leser einfach ins kalte Wasser geworfen wird. Hier stellt sich niemand vor, man ist einfach mittendrin und auch nachher wird nicht aufgeklärt wer hier die Fragen stellt und wieso. Vor dem Hintergrund, dass Frau Wenzel auch Theaterautorin ist, verständlicher, beim Lesen aber zu Anfang befremdlich. Ich hab einigermaßen langsam verstanden, dass man vielleicht selber nicht so dringend alles zerdenken sollte, als ich die Gegebenheiten einfach als „ist“ und „gegeben“ angenommen habe, hab ich mich auch einfacher im Schreibstil festgelesen. „1000 serpentinen angst“ erzählt die Geschichte einer Frau die es im Leben nicht immer leicht hatte: Tochter einer Altpunkerin und eines Angolaners in Ostdeutschland geboren, von der latent rassistischen Großmutter großgezogen, queer.. Darüber hinaus hat sie ihren Bruder an Suizid verloren, wenig bis keinen familiären Rückhalt und leidet an einer Angsterkrankung. Ach ja – schwanger ist sie auch noch. Trotzdem und das ist das bewundernswerte an der Erzählerin – sie weigert sich, sich in ihrem Elend zu suhlen, sich auf das Klischee reduziert in der Opferrolle auszuruhen, spricht zwar Erfahrungen mit Rassismus an, will sich aber nicht auf das Thema reduzieren lassen und spricht sehr reflektiert über ihre Probleme. Die Sprache die sie benutzt, ist auf der einen Seite sehr angenehm, ich mag diese schnodderige, lapidare Art, die mich trotz des manchmal schweren Themas doch auch zum schmunzeln bringt. Auf der anderen Seite ist sie manchmal sehr krass, nackt und direkt, so sehr dass es manchmal fast unangenehm ist weiterzulesen. Insgesamt eines der interessanteren Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, ein Buch das ich in seiner Gänze nicht komplett habe greifen können, das einem aber, wenn man sich einmal auf den unkonventionellen Erzählstil eingelassen hat, jede Menge wichtige Denkanstöße mit auf den Weg gibt und das es schafft, das man sich selbst in vielerlei Hinsicht beginnt zu hinterfragen. Auf eine sehr gute Art und Weise. Leseempfehlung!

    17. Sept. 2024

  • taunusleserin
    taunusleserin

    300 Follower

    5,0

    Außergewöhnliche Leseerfahrung

    Das Buch erzählt in einem Frage-Antwort-Stil vom Leben der namenlosen Ich-Erzählerin, die Mitte der 1980er Jahre als Tochter einer Punkerin und eines angolischen Gastarbeiters in einer Kleinstadt in der DDR geboren wird. Die Mutter hadert mit dem DDR-Regime, die Großeltern sind latent rassistisch, und ihr Vater geht kurz nach der Geburt nach Angola zurück. Mir persönlich hat der Schreibstil sehr zugesagt und ich kam auch mit dem wilden Hin-und Hergehüpfe zwischen allen Zeitebenen und allen Gedanken der Erzählerin gut klar. Ein ungewöhnliches Buch, absolute Leseempfehlung.

    27. Feb. 2024

  • xgrinsekatzex
    xgrinsekatzex

    62 Follower

    4,5

    Thematisch und inhaltlich ein sehr gutes und wichtiges Buch. Ich hatte Schwierigkeiten reinzukommen, da ich mich die ganze Zeit gefragt habe, mit wem sie sich unterhält. Polizei? Therapeut:in? Und auch die Auflösung machte für mich nicht richtig Sinn. Dennoch war es erfrischend anders. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass zeitlich besser eingeordnet wären. Dennoch eine große Empfehlung!

    23. Okt. 2025

3 von 22 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Olivia Wenzel

Olivia Wenzel, 1985 in Weimar geboren, Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Uni Hildesheim, lebt in Berlin. Sie schreibt Theatertexte und Prosa, machte zuletzt Musik als Otis Foulie. Wenzels Stücke wurden u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Hamburger Thalia Theater, am Deutschen Theater Berlin und am Ballhaus Naunynstrasse aufgeführt. Neben dem Schreiben arbeitet sie in Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der freien Theaterszene kollaboriert sie als Performerin mit Kollektiven wie vorschlag:hammer. »1000 Serpentinen Angst« ist ihr erster Roman.Literaturpreise:Literaturpreis der Stadt Fulda 2020Mörike-Förderpreis der Stadt Fellbach 2021Hugo-Ball-Förderpreis 2023

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