Blick ins Buch

Romane

Nochmal von vorne

3,4(114)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Was hält eine Familie zusammen, in der es nur Fliehkräfte zu geben scheint und alles darauf hinausläuft, dass etwas zu Bruch geht? Am Ende nur die eigene Geschichte. Dana von Suffrin hat einen virtuosen Roman über modernes jüdisches Leben zwischen München und Tel Aviv geschrieben.

Der Tod ihres Vaters und die Auflösung seiner Wohnung bringen für Rosa vieles in Bewegung, bei dem sie eigentlich froh war, dass es geruht hatte. Denn die Geschichte der Familie Jeruscher ist ein einziges Durcheinander aus Streitereien, versuchten oder gelungenen Fluchten, aus Sehnsüchten und enttäuschten Hoffnungen und dem vergeblichen Wunsch, irgendwo heimisch zu werden. Nun ist alles wieder da: die Erinnerungen an ihre irrwitzige Kindheit in den 90ern, an das Scheitern der Ehe der Eltern und die Verwandtschaft in Israel, aber auch ihre verschwundene ältere Schwester, mit der sie aus gutem Grund gebrochen hatte.

Kraftvoll und mit großartigem schwarzen Humor erzählt Dana von Suffrin von einer deutsch-jüdischen Familie, in der ein ganzes Jahrhundert voller Gewalt und Vertreibung nachwirkt – und von zwei Schwestern, die sich entzweien und wieder versöhnen, weil es etwas gibt, das nur sie aneinander verstehen.

Editionen (2)

ISBN9783462002973
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum07.03.24
Seitenzahl240

Merkmale

1 Bewertungen

SchnellGlaubwürdigEinfachMinimalistischInformativSympathisch

Rezensionen & Bewertungen

114 Bewertungen

25 Rezensionen

3,4

Tippen zum Filtern

  • Mein Favoritenbuch für den Deutschen Buchpreis! 🤩

    Kann man eine die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie in der die Nachwirkungen eines ganzen Jahrhunderts voller Gewalt und Vertreibung zu spüren sind, humoristisch erzählen?! Dana von Suffrin beweist uns mit „Nochmal von vorne“: Man kann! Mordechai Jeruscher hatte ein ereignisreiches Leben. Geboren als Sohn rumänischer Juden in Israel, ist er Überlebender des Holocaust und wurde doch durch den Securitate-Terror aus seiner Heimat vertrieben. Nahezu sein ganzes Erwachsenenleben hat er in München gelebt und dort eine Familie gegründet mit einer bayrischen Frau christlichen Glaubens, eine Ehe aus der zwei Töchter entstanden sind: Nadja und Rosa. Eine Familie in der der jeder allein vor sich hin lebt. Die Mutter sitzt gerne vorm Fernseher und schaut Reportagen über den Holocaust, die die deutsche Schuldfrage erörtern. Vater Mordechai möchte davon nichts wissen, macht Dinge am liebsten mit sich selbst aus, auch seine seelischen Narben, die wahrscheinlich eher auf den Jom-Kippur-Krieg zurückzuführen sind, als auf den Nationalsozialismus. Die im Pflegeheim lebende Großmutter hält nicht viel von der Ignoranz der transgenerationellen Traumata des Holocausts und versucht sich an einer Konfrontation: „Ich beginne noch einmal von Anfang, nochmal von vorne, sagte sie, und dann trug sie Nadja, die an der Kommode saß, auf, in der Schublade nach Bildern zu suchen. Wisst Ihr, wie meine Eltern ausgesehen haben?“ Leider macht ihr ihre Demenz einen Strich durch die Rechnung, bzw. durch die Erzählung. Was Dana von Suffrin gekonnt durch Situationskomik aufgreift. Das Lachen ist auch ein ambivalentes Bindemittel für die zwei ungleichen Schwestern: Der Vater Mordechai ist verstorben und Mamakind Nadja hat sich von der Familie abgewandt, mimt die Unerreichbare. Somit ist die jüngere Rosa, Papakind, nun auf sich allein gestellt. ist nun ganz allein. Rosa versucht sich an einer gedanklichen Neuordnung der Geschehnisse um zu Verstehen und dadurch für sich selbst Versöhnen, „Nochmal von vorne“ wie der Romantitel schon so schön sagt. Sie sitzt in der Wohnung des verstorbenen Vaters, wartet auf die Entrümpler, und ergibt sich den sie einholenden Erinnerungen, die sie in Form von konzentrischen Kreisen heimsuchen. Rotatorisch ringt sie um Nähe und ist doch in ihrer gedanklichen Gegenwart gefangen. Stets bewunderte Rosa ihre Schwester und so ungleich wie sie auch waren, hielt der Humor sie zusammen: „Viel öfter aber als diese Momente, in denen uns unser Spott für die Welt und die Menschen zusammenhielt, waren andere, in denen ein schmerzhaftes Ungleichgewicht herrschte und ich immer um Nadjas Aufmerksamkeit und Gunst werben musste, denn nichts war mir kostbarer, und am liebsten wollte ich so sein wie sie (während sie selbst ganz anders sein wollte).“ Ich bewundere die Figur Rosa für ihre unglaubliche Empathie, trotz ihres schimpfenden Vaters, ihrer peinlichen Mutter und ihrer abtrünnigen Schwester, begegnet sie ihnen mit einem überbordenden Verständnis, das ich selbst wahrscheinlich in der Form nicht aufbringen könnte. Was für eine außerordentlich authentische Familiengeschichte! Der Romantitel „Nochmal von vorne“ deutet schon auf die ambivalenten Vorhaben Dana von Suffrins’ hin. Denn in ihm stecken widersprüchliche Intentionen, zum einen ein Korrekturwunsch und zum anderen das Versprechen einer Neuordnung. Dana von Suffrin ist es auf eine humoristische Art gelungen, aus vehementen Lücken und melancholischen Erinnerungen eine kohärente deutsch-jüdische Familiengeschichte zu stricken, trotz des omnipräsenten Schweigens innerhalb des Familienkonstrukts. Sie ist mit dieser Geschichte zu meinem absoluten Favoriten für den Deutschen Buchpreis geworden und ich drücke ihr alle Daumen dafür, sie hätte es mehr als verdient. Wenn ihr nur ein Buch der Longlist lesen wollt, lest dieses hier, ich verspreche: Es lohnt sich!

    15. Sept. 2024

  • marzipanhirsch
    marzipanhirsch

    122 Follower

    5,0

    Man nehme eine dysfunktionale deutsch/ jüdische Familie, 2 Eltern im Dauerstreit, 2 Schwestern, die sich komplett voneinander entfernt haben - und eine Autorin, die die Geschichte mit Humor, feiner Beobachtungsgabe und Liebe aufgeschrieben hat. Ich hatte sehr viel Lesefreude mit diesem Buch, das ich gerne empfehle

    21. Sept. 2024

  • leuchtturm
    leuchtturm

    38 Follower

    3,5

    Es hat etwas gedauert, bis ich mich an den Sprachstil gewöhnt habe, dann haben die langen Sätze aber eine regelrechte Sogwirkung gehabt. Die Autorin erzählt die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie zwischen München und Tel Aviv, vom Scheitern einer Ehe, von zwei Schwestern, die den Kontakt verloren haben und sich wieder finden, von Tod, Abschied und Vergebung.

    17. Sept. 2024

3 von 25 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Dana von Suffrin

Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Studium in München, Neapel und Jerusalem. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Klaus-Michael-Kühne-Preis (2019), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2020), dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (2020), dem Tukan-Preis (2024) und dem Chamisso-Preis (2025). Sie lebt in München.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick