Romane

Seinetwegen

3,7(116)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

SCHWEIZER BUCHPREIS 2024

"Heute vor sechzig Jahren geschah der Unfall. Buche das einzige Zimmer, das sich ad hoc finden lässt, in einem Seminarhaus mit Blick über den Walensee, in dem hoch gelegenen Dorf, das Vater und Onkel querten, bevor sie den Berg hinab und ins Verderben fuhren." Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall starb. Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie. Mutter und Tochter sprachen kaum über ihn. Wenn die Mutter ihn erwähnte, brach die Tochter mit klopfendem Herzen das Gespräch ab. Sie konnte den Schmerz der Mutter nicht ertragen. Jetzt, inzwischen sechzig geworden, fragt sie sich: Was ist aus dem damals erst 28-jährigen E.T. geworden, der den Unfall verursacht hat? Wie hat er die letzten sechzig Jahre gelebt mit dieser Schuld?

Seinetwegen ist der Roman einer Recherche: Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach E.T., um ihn mit der Geschichte ihrer Familie zu konfrontieren. Ihre Suche führt sie in abgründige Gegenden, in denen sie Antworten findet, die neue Fragen aufwerfen. Was macht es mit ihr, dass sie plötzlich mehr weiß über ihn, den Mann, der ihren Vater totgefahren hat, als über den Vater selbst? Und wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird?

Der viel zu frühe Unfalltod eines Vaters und was er für das Leben der Tochter bedeutet hat Roman einer Recherche: Detailgenau, raffiniert komponiert, so präzise wie poetisch Das neue Buch von Zora del Buono nach dem Bestseller Die Marschallin Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024

Editionen (3)

ISBN9783406822407
VerlagC.H.Beck
Erscheinungsdatum11.07.24
Seitenzahl204

Rezensionen & Bewertungen

116 Bewertungen

27 Rezensionen

3,7

Tippen zum Filtern

  • _butterblume_
    _butterblume_

    593 Follower

    5,0

    "Seit Jahren denke ich, wenn ich eines dieser Ortsschilder passiere: Ob E.T. wohl noch lebt? Er müsste Mitte achtzig sein. Wie hat er die letzten sechzig Jahre verbracht, mit seiner Schuld? Und dann der Gedanke: Ich muss ihn suchen, ihn aufsuchen. Den Töter meines Vaters." "Ich höre nur: Ein sehr sympathischer Mensch... Ein sehr sympathischer Mensch... Ein sehr sympathischer Mensch... Und merke, dieser Satz macht mich aggressiv. Ich antworte kühl: Er hat meinen Vater tot gefahren. " Zora del Buono nimmt uns in diesem autofiktionalen Roman mit auf die Reise in ihre Vergangenheit und auf die Suche nach dem Mann, der ihr den Vater genommen hat. "Seinetwegen" sie ihren Vater nie bewusst kennenlernen konnte, weil sie bei seinem Tod erst acht Monate alt war. Sie reist an die Orte ihrer Kindheit und möchte den "Töter" finden, ihn zur Rede stellen, ihm deutlich machen, was er ihrer Familie angetan hat. Während ihrer Recherche zeigt sich, dass E.T. wohl ein freundliches und sympathisches Wesen hatte, ein Hundefreund war und dass der Unfall auch sein Leben stark beeinflusst hat. Eine gelungene Mischung aus Kindheitserinnerungen, Gedanken und Gefühlen, die sie zum Teil in Kaffeehaus-Gesprächen mit Freunden teilt und bespricht. Auch die fortschreitende Demenz ihrer Mutter, durch die sie immer mehr verschwindet und sie eine "fundamentale Einsamkeit" spürt, taucht immer wieder in Episoden auf. Ein sehr persönliches, ehrliches und intensives Buch, das ohne Gefühlsduselei auskommt. Ich mochte den Aufbau des Buches sehr gerne und empfehle es auf jeden Fall weiter ⭐

    10. Nov. 2024

  • tante_tanja
    tante_tanja

    554 Follower

    3,0

    Sondern aus Mitleid mit diesem Menschen: "Du kannst einen Greis doch nicht mit dieser uralten Geschichte behelligen." Vielleicht unterstelle ich das meinen Gegenübern nur. Aber ich glaube nicht. Nachschlagen, ob es das Wort "Töter" eigentlich gibt (von Mörder zu reden ist schlicht falsch und Unfallverursacher klingt so technisch). Im Duden steht bei Häufigkeit: "selten". Selten bedeutet: "Das Wort ist durchschnittlich seltener als ein Mal in einer Million Wortformen des Dudenkorpus belegt." Der Online-Duden führt auch die fünf Wörter im Alphabet vor und nach dem Täter auf. Davor: "Totenvogel, Totenwache, Totenwäscher, Totenwäscherin, Toter." Danach: "Töterin, Toterklärter, Toterklärte, Totes Meer, totfahren." Noch nie am Toten Meer gewesen. Diese Weltgegend nicht bereist zu haben, ist eine arge Bildungslücke. - Zitat, Seite 58 Ist dieses Buch nun ein Roman, oder fühlt es sich nur phasenweise so an? Nachgestellt zur eigentlichen Geschichte lesen wir den Hinweis: Dieses Buch ist autofiktional. Hinsichtlich der nicht zum Familienkreis der Autorin gehörenden Personen wurden Namen, Ortschaften und Daten zu deren Schutz verfremdet. Für ein Sachbuch ist diese Geschichte also zu unsachlich und für ein Prosabuch vielleicht zu persönlich? Denn die Autorin Zora del Buono, geboren 1962 in Zürich, nimmt uns mit auf eine ganz spezielle Reise: Sie wird 60 Jahre alt und muss ihre geliebte Mama, die am Demenz leidet, ins Heim geben. Diese Situation wühlt ihn ihr etwas auf und eine bestimmte Frage drängt sie zur dringenden Recherche: Was war das wohl für eine Person, die im Jahr 1963, für den tragischen Unfalltod ihres Vaters auf einer Schweizer Landstraße verantwortlich war? Ist dieser Mann vielleicht noch am Leben, kann sie ihn gar zur Rede stellen und Antworten auf ihre Fragen erhalten? Denn seinetwegen war stets eine Leerstelle in ihrem Leben und auch ein Tabu zwischen Mutter und Tochter, denn über den Vater zu sprechen, war unmöglich... Es ist spannend zu beobachten, wie sich der Schreibstil der Autorin von schmerzhaft, schneidend frustriert und manchmal auch nüchtern und hart im Laufe der Geschichte immer mehr auflockert. Es folgen immer mehr Reflektionen im Innen und Außen, am Ende ist immer noch ein Schmerz vorhanden, aber er fühlt sichabgemildert an und das Schreiben wird weniger hart, vielmehr weich und verständnisvoll. Das macht sicherlich den Reiz dieses Buches aus. Doch ist das Buch im Aufbau und der Struktur ziemlich speziell. Es gibt neben dem Hauptthema Exkurse und Gedankenspiele rechts und links und man hat das Gefühl, die Autorin wollte hier und da noch interessante Fakten oder Anekdoten unbedingt teilen, aber mancher Text wirkt wie ein Fremdkörper und andere Geschichten sind dann nur so halbgar erzählt - ohne richtige Substanz. Im Buch sind einige Fotos aus dem Familienalbum enthalten, die einen schönen Bezug zum Gelesenen herstellen. Und gegen Ende entdeckt die Autorin noch einen besonderen Schatz und sie rundet ihre Geschichte mit einem wundervollen und sehr passendem Schuss Galgenhumor ab. FAZIT Irgendwann in meiner Kindheit- und Jugendzeit hatte ich mal den Satz aufgeschnappt: "Verurteilen ist leicht, verstehen ist viel besser." An diese Worte musste ich beim Lesen oft denken. Auch wenn ich nicht immer ganz mitgehen konnte mit den Gedanken der Autorin, habe ich das Buch mit Interesse gelesen und mich auch über die vielen Schweizerdeutschen Ausdrücke gefreut, die ich noch nicht kannte. Vor allem der Begriff "muusbeiallei" (wörtlich: mausbeinallein, deutsch: mutterseelenallein) wird mir bestimmt im Gedächtnis bleiben! Dieses Buch ist sicherlich eine etwas spezielle Lektüre und nicht für jeden geeignet. Daher hier eine eingeschränkte Leseempfehlung.

    24. Juli 2025

  • turbulenzen.und.so
    turbulenzen.und.so

    140 Follower

    5,0

    Zurecht mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet

    Ich hatte keine Erwartungen an das Buch. Oder nein, ich habe das Lesen vor mir hergeschoben, weil ich zwei, drei sehr kritische Kommentare zum Buch gelesen hatte. Durch den Schweizer Buchpreis rückte 'Seinetwegen' wieder in meinen Fokus und ich war neugierig. Letztes Wochenende trafen mich meine drei Kids daher seit langem mal wieder nur dauerlesend vor. Denn tatsächlich konnte ich dieses Buch kaum weglegen. Zora del Buono hat ein Buch geschrieben, dass in keine Schublade passt. Ein bisschen Biographie, ein bisschen Roman, ein bisschen Sachbuch und ganz viel Literatur. Für mich ist Zora del Buono Neuland, daher wusste ich vorher nichts über ihren Schreibstil. Ein Stil, der mich fasziniert, besonders, gehoben aber nie abgehoben, lesbar, verständlich und für mich mit einer Sogwirkung. "...Wolken dräuen in den Tälern..." wie grandios klingt das. Die Schriftstellern begibt sich auf die Suche nach dem Vater, den sie nicht kannte, da er verunglückte als sie acht Monate alt war. Sie will mehr wissen über den Unfall, den Ort, den Verursacher und begibt sich dabei auf eine emotional genau so aufwühlende Reise wie geschichtlich spannend. Anekdoten fließen genau so hinein, wie Wissen zu naturwissenschaftlichen oder historischen Fakten. Eine Rezensentin schrieb, dass ihr die Charaktere zu distanziert blieben. Das empfand ich beim Lesen ganz anders. Ich litt mit, ob der dementen Mutter und ich hatte immer das Gefühl, dass sich Vater und Tochter nah waren, obwohl sie sich doch nur diese kurze und für die Tochter nicht greifbare Zeit zusammen hatten. Zora del Buono selbst habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Erzählt wird scheinbar ohne roten Faden und doch führt alles zu einem Ende und ergibt Sinn. Eine Reise um einige Fragen zu beantworten und um abschließen zu können. Zurecht mit einem Buchpreis belohnt. Ganz klare Lesempfehlung von mir.

    21. Nov. 2024

3 von 27 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Zora del Buono

Zora del Buono, geboren 1962 in Zürich. Studium der Architektur an der ETH Zürich und der HdK Berlin, fünf Jahre Bauleiterin im Nachwende-Berlin. Gründungsmitglied und Kulturredakteurin der Zeitschrift "mare".

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick