Blick ins Buch

Romane

Die Tochter

3,6(204)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Die literarische Neuentdeckung aus Südkorea

Seit Jahren teilen Mutter und Tochter wenig mehr als ein wortkarges Mittagessen pro Woche. Zwischen ihren Nudelschalen türmt sich ein Berg aus Ungesagtem. Die Mutter, Pflegerin im Seniorenheim, führt ein unauffälliges, bescheidenes Leben. Ihre Tochter Green hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat keinen Mann, kaum Einkommen und liebt eine Frau. Als das Paar bei der Mutter einziehen muss, prallen die radikal verschiedenen Lebensentwürfe mit großer Wucht aufeinander.

Editionen (2)

ISBN9783453427204
VerlagHeyne
Erscheinungsdatum10.07.24
Seitenzahl176

Merkmale

1 Bewertungen

MittelMittelAnschaulichMinimalistischVerstörendGlaubwürdig

Rezensionen & Bewertungen

204 Bewertungen

33 Rezensionen

3,6

Tippen zum Filtern

  • buchentdeckerin
    buchentdeckerin

    495 Follower

    5,0

    Ein Generationenkonflikt der bis heute noch allgegenwärtig ist📖💁‍♀️

    "Die Tochter" von Kim Hye-Jin ist ein Buch was ich gerne las und es mit einer kleinen "Zwangspause" nicht aus der Hand legen konnte.🤗 Kleine Leseempfehlung vorweg: Spannend, brisant, ungeschönt ist dieses Buch und sehr lesenswert❤️! Es geht um eine Mutter, dessen mitte dreißigjährige und homosexuelle Tochter wieder bei ihr einzieht, ohne Geld und mit deren Partnerin. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Die ganze Geschichte spielt einen ganzen Sommer lang in Südkorea und ist aus der Sicht der Mutter geschrieben. Als Leser/-in begleitet man die Gedankengänge der Mutter (z.B. was sie für Vorstellungen über das Leben der Tochter hat, wie sie über die Beziehung der Tochter denkt, Sorgen, eigene Erkenntnisse in ihrem Alter etc.). Man begleitet aber auch ihre Arbeit als Pflegehilfskraft in einem Pflegeheim. Ungeschönt und spannend hatte die Autorin eine Geschichte erschaffen, die sich mit Thematiken auseinandersetzt die heute noch da sind und von denen echt jede Familie, gefühlt, ein Lied singen kann (z.B. Vorstellung wie Kids mal ihr Leben leben "sollten" etc.). Man merkt diese tiefe Kluft, auch in der Kommunikation zwischen Mutter und Tochter, man bekommt mit wie die Mutter die Partnerin hasst und alles daran setzt sie aus dem Haus zu vertreiben, damit die Tochter ein einfaches "abgesichertes" Leben führt (Ehemann, Kinder). Aber wie die Partnerin sehr ruhig in den Situationen bleibt und trotzdem da bleibt und auch für die Mutter da ist, obwohl diese respektlos, diskriminierend und erniedrigend ist. Gleichzeitig bekommt man knall hart und ungeschönt ihre Arbeit im Pflegeheim mit. Die Begleitung einer Demenzkranken Patientin (selber keine Kinder und Angehörige) und wie es im Pflegeheim abläuft (Materialmangel, Kosten sparen, Personalmangel etc. zu Lasten der Mitarbeiter und Patienten!). Es macht einen selber nochmal bewusst, was im Alter auf uns zu kommen kann und dass es auch hier bei uns teils so abläuft. Es ein Knochenjob ist, egal ob ambulant oder stationär. Da ich in einem Teil der Pflege arbeite, waren mir diese Szenen schon bekannt. Zu erleben wie die Mutter eigene Sorgen hat (sie ist Anfang sechzig), den inneren Konflikt mit sich selbst, das anfängliche sich öffnen für das Leben ihrer Tochter und leider ihre innere Entscheidung wieder mitzubekommen 😟, das sehen wie die Partnerin sich um sie kümmert und sie sich das eingestehen musste, aber auch die Vorstellung wie das Leben der Tochter auszusehen hat, mit sogar eigenen Vorwürfen was falsch lief, samt wie die Gesellschaft sich vorstellt wie Menschen ein Leben zu führen haben.... War interessant zu lesen.📖🤗

    5. Aug. 2024

  • stier
    stier

    246 Follower

    4,5

    Es geht um ein Mutter-Tochter-Verhältnis in Südkorea. Die Tochter ist lesbisch. Die Mutter arbeitet in einem Pflegeheim. Die Leben und Ansichten von Mutter und Tochter könnten nicht unterschiedlicher sein. Gut herausgearbeitetes inneres Dilemma und gleichzeitig harte Gesellschaftskritik.

    4. Apr. 2026

  • 4,5

    Leise Gesellschaftskritik

    Kim Hye-Jins Roman „Die Tochter“ ist ein stilles, aber eindringliches Buch über familiäre Entfremdung und Annäherung, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, wie viel Nähe Menschen überhaupt zulassen können. Mit nüchterner Sprache und großer psychologischer Genauigkeit erzählt die Autorin von einer koreanischen Mutter, deren geordnetes, schlichtes Leben aus dem Gleichgewicht gerät, als ihre erwachsene Tochter gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin bei ihr einzieht. Die Mutter arbeitet als Altenpflegerin – ein Beruf, der den gesamten Roman prägt. Tagtäglich kümmert sie sich um alte, gebrechliche Menschen, wäscht sie, füttert sie und begleitet sie durch Einsamkeit und Krankheit. Diese Arbeit ist hart, körperlich anstrengend und gesellschaftlich kaum anerkannt. Hauptfokus der Arbeitszeit liegt bei ihrer Patientin Tsen, zu der sie eine besondere Bindung hat. Gleichzeitig zeigt sie die Mutter als eine Frau, die gelernt hat, Gefühle eher durch Pflichterfüllung als durch Worte auszudrücken. Ihr Leben wirkt klein und routiniert: das enge Mehrparteienhaus, die Spannungen unter den Nachbarn, das stille Ausharren nach dem Tod ihres Mannes. Schon zu Beginn liegt über dem Haus eine bedrückende Atmosphäre. Eine Wohnung wurde geräumt, nachdem dort eine Frau von einem Mann ermordet wurde. Über der Mutter lebt ein junges Ehepaar, dessen Streitigkeiten zunehmend eskalieren; der Mann verhält sich gewalttätig. Diese Ereignisse wirken nicht spektakulär inszeniert, sondern beinahe beiläufig – gerade dadurch entfalten sie ihre Wirkung. Gewalt gegen Frauen erscheint hier als bedrückender Bestandteil des Alltags, als etwas, das in der Gesellschaft ständig präsent ist und dennoch verdrängt wird. Im Zentrum steht jedoch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Die Tochter ist homosexuell, politisch und gesellschaftlich unangepasst und lebt seit Jahren mit ihrer Partnerin zusammen. Als finanzielle Probleme sie dazu zwingen, wieder bei der Mutter einzuziehen, prallen unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander. Die Mutter versteht die Tochter kaum, empfindet ihre Haltung als unbequem und fremd. Gleichzeitig liebt sie sie, auch wenn sie diese Liebe nur selten zeigen kann. Besonders berührend ist dabei die Figur der Lebensgefährtin der Tochter. Während die Mutter sie zunächst nur als störende Fremde wahrnimmt, wird nach und nach deutlich, dass gerade sie menschliche Nähe entgegengebracht. Sie besuchte bereits den verstorbenen Vater mehrfach am Krankenbett, kümmerte sich um ihn und zeigte Mitgefühl – etwas, das die Mutter zwar registriert, aber kaum offen anerkennen konnte. Auch als sie zusammenziehen, ist sie der Kitt, die die instabile Struktur zusammenhält. Dadurch entstehen leise, komplexe Spannungen: zwischen Dankbarkeit und Ablehnung, zwischen Vorurteilen und der schmerzhaften Erkenntnis, dass Nähe manchmal von den Menschen kommt, die man am wenigsten akzeptieren möchte. Kim Hye-Jin schreibt mit großer Zurückhaltung. Der Roman verzichtet auf dramatische Wendungen oder sentimentale Ausbrüche. Gerade diese Nüchternheit macht „Die Tochter“ so eindrucksvoll. Viele Konflikte bleiben unausgesprochen, Blicke und kleine Gesten tragen mehr Bedeutung als lange Gespräche. Dadurch entsteht eine beklemmende Atmosphäre emotionaler Distanz, die hervorragend zur Hauptfigur passt. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein sensibles Bild der koreanischen Gesellschaft: Leistungsdruck, soziale Unsicherheit, konservative Familienbilder, Vernachlässigung im Alter und die schwierige Stellung homosexueller Menschen schwingen ständig mit. Doch „Die Tochter“ ist keine laute gesellschaftliche Anklage. Stattdessen zeigt Kim Hye-Jin, wie gesellschaftliche Normen in den Alltag einsickern und Beziehungen prägen – oft auf schmerzhafte Weise. „Die Tochter“ ist ein ruhiger, melancholischer und sehr präzise beobachteter Roman über Einsamkeit, Generationenkonflikte und die Schwierigkeit, andere Menschen wirklich anzunehmen. Besonders beeindruckend ist, wie viel Emotion die Autorin mit wenigen Worten erzeugt. Wer literarische, psychologisch dichte Familiengeschichten schätzt, wird in diesem Roman ein eindrucksvolles und lange nachwirkendes Buch finden.

    8. Juni 2026

3 von 33 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Kim Hye-jin

Kim Hye-jin wurde 1983 in Daegu, Südkorea, geboren. Für ihre Romane wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2020 mit dem Daesan Literaturpreis, dem wichtigsten seiner Art in Südkorea. Mit »Die Tochter« erscheint erstmals ein Roman von Kim Hye-jin auf Deutsch.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick