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Sheng Keyi ist für ihren kritischen Blick auf die chinesische Gesellschaft bekannt. Einige ihrer Bücher sind in China sogar verboten. Auch in ihrem Roman »Die Gebärmutter« ziehen sich Gesellschaftskonflikte wie ein roter Faden durch die Seiten – Konflikte, die am Körper der Frau ausgetragen werden. »Dies war ein Krieg, und darin ging es um Gebärmütter.« S. 294 Der Roman erzählt das Schicksal der Frauen aus der Familie Chu im ländlichen China. Acht Schicksale, die wir über vier Generationen und zwei Jahrhunderte hinweg begleiten. Was sie alle eint: Ein fremdbestimmtes Leben. Unter der streng kontrollierten Familienpolitik Chinas besitzen Frauen nicht das Recht, ihre Familienplanung frei zu gestalten. Die Gebärmutter wird kontrolliert und damit der weibliche Körper. Keyi skizziert den Kampf der acht Frauen um weibliche Selbstbestimmung und ihren Traum von Freiheit mit brutaler Direktheit. Ihre Schilderungen machen fassungslos und wütend. Internalisierte Misogynie und das Patriarchat at it‘s best – leider. Der Erzählstil ist sehr nüchtern gehalten, sodass eine sprachliche Distanz zu den Figuren entsteht. In der Theorie ein durchaus passendes Stilmittel – so repräsentieren diese acht porträtierten Schicksale unzählige Frauen in China und auf der Welt. Doch so sehr ich mir ein Eintauchen in diesen starken Plot gewünscht habe - ich muss leider gestehen, dass Keyi es mir nicht leicht gemacht hat. Die einzelnen Figuren und deren Vielzahl waren für mich nur schwer greifbar. Durch die Zeitsprünge hatte ich Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten und musste häufig den Familienstammbaum heranziehen. Der über 400 Seiten dicke Roman forderte daher so einige Nerven. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und Lust auf eine anspruchsvolle Lektüre hat, wird mit einem starken gesellschaftskritischen und feministischen Familienroman belohnt. Aus dem Chinesischen von Frank Meinshausen.

7. Dez. 2023
Sheng Keyi ist für ihren kritischen Blick auf die chinesische Gesellschaft bekannt. Einige ihrer Bücher sind in China sogar verboten. Auch in ihrem Roman »Die Gebärmutter« ziehen sich Gesellschaftskonflikte wie ein roter Faden durch die Seiten – Konflikte, die am Körper der Frau ausgetragen werden. »Dies war ein Krieg, und darin ging es um Gebärmütter.« S. 294 Der Roman erzählt das Schicksal der Frauen aus der Familie Chu im ländlichen China. Acht Schicksale, die wir über vier Generationen und zwei Jahrhunderte hinweg begleiten. Was sie alle eint: Ein fremdbestimmtes Leben. Unter der streng kontrollierten Familienpolitik Chinas besitzen Frauen nicht das Recht, ihre Familienplanung frei zu gestalten. Die Gebärmutter wird kontrolliert und damit der weibliche Körper. Keyi skizziert den Kampf der acht Frauen um weibliche Selbstbestimmung und ihren Traum von Freiheit mit brutaler Direktheit. Ihre Schilderungen machen fassungslos und wütend. Internalisierte Misogynie und das Patriarchat at it‘s best – leider. Der Erzählstil ist sehr nüchtern gehalten, sodass eine sprachliche Distanz zu den Figuren entsteht. In der Theorie ein durchaus passendes Stilmittel – so repräsentieren diese acht porträtierten Schicksale unzählige Frauen in China und auf der Welt. Doch so sehr ich mir ein Eintauchen in diesen starken Plot gewünscht habe - ich muss leider gestehen, dass Keyi es mir nicht leicht gemacht hat. Die einzelnen Figuren und deren Vielzahl waren für mich nur schwer greifbar. Durch die Zeitsprünge hatte ich Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten und musste häufig den Familienstammbaum heranziehen. Der über 400 Seiten dicke Roman forderte daher so einige Nerven. Wer sich davon nicht abschrecken lässt und Lust auf eine anspruchsvolle Lektüre hat, wird mit einem starken gesellschaftskritischen und feministischen Familienroman belohnt. Aus dem Chinesischen von Frank Meinshausen.
7. Dez. 2023








