Blick ins Buch

Historische Romane

Die rote Antilope

3,1(18)
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Über das Buch

Eine Geschichte über das Heimweh und ein erschütterndes Gleichnis über die Wurzeln des Fremdenhasses.

»Ich sehe den Jugen vor mir, mutterseelenallein auf den lehmigen Äckern in Schonen, im Nebel. Wie er dasteht und horcht nach den Trommeln in der Ferne …« (Henning Mankell)

Im Jahre 1877 findet der schwedische Foschungsreisende Hans Bengler am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Eingeborenenjungen und beschließt, für ihn zu sorgen. Dazu muß er ihn nach Europa mitnehmen. Doch obwohl Daniel (der eigentlich Molo heißt) die schwedische Sprache rasch versteht, wird er sich in diesem kalten Land nie heimisch fühlen. Er muß Schuhe tragen, an Türen klopfen und sich pausenlos anstarren lassen: die meisten Schweden haben nie zuvor einen Schwarzen gesehen.

Als sein Ziehvater mit dem Gesetz in Konflikt gerät, kommt Daniel zu einem kinderlosen Bauernpaar, wo man ihn zum Christentum bekehren will. Angeregt durch die biblische Geschichte, beschließt er zu lernen, wie Jesus auf dem Wasser zu gehen, um über das Meer nach Afrika zurückzukehren. Doch diese Sehnsucht wird ihm zum Verhängnis.

Editionen (6)

ISBN9783423130752
Verlagdtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum01.05.03
Seitenzahl384

Rezensionen & Bewertungen

18 Bewertungen

2 Rezensionen

3,1

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  • larth96
    larth96

    23 Follower

    1,0

    Nein einfach nur nein

    Der Beitrag enthält Spoiler. Wo soll ich anfangen. Die Idee, die Geschichte eines Junge zu erzählen, der im Grunde entführt wurde und wie er dann in seiner neuen Umgebung lebt und ggf. ankommt. Fand ich gut, dafür gibt es auch den einen Stern. Der junge Schwede Hans Bengler hat um 1870 mehrere Studiengänge begonnen, aber keinen abschließen können. Da er weiß, dass er kein Erbe zu erwarten hat, wagt er einen letzten Versuch und bricht auf nach Afrika. Dort will er ein noch unbekanntes Insekt finden und damit Berühmtheit erlangen. Mankell zeigt dort, dass ein weißer gescheiterter Europäer sich absolut überlegen gegenüber schwarze Menschen verhält und der Meinung ist, dass das so seine Richtigkeit hat. Auch heute noch gibt es genügend aktuelle Fälle, in denen das passiert. Aber der Autor verpasst vollkommen, dieses Thema aufzuarbeiten oder den Protagonisten irgendeine Form der Charakterentwicklung zu geben. Nachdem er endlich einen unbekannten Käfer gefunden hat, entscheidet er sich einen Waisenjungen mit in seine Heimat Schweden zu nehmen. Doch der Junge Molo, später heißt er Daniel, ist erst 8 Jahre alt und musste mit Ansehen, wie seine Eltern brutal von Weißen ermodet wurden. Auch hier findet eine Verurteilung der "Hobbyjagd" auf Schwarze im heutigen Namibia nur kurz Aufmerksamkeit und wird auch später nicht mehr aufgegriffen. Molo verhält sich anfangs unberechenbar, da er nicht versteht was passiert und er auf keinen Fall seine Heimat verlassen möchte. Er wird von Bengler in eine Rolle als "Zivilisierter" gezwungen und für Fehlverhalten bestraft. Teilweise wird er sogar angeleint. Unterwegs treffen sie zwar immer mal wieder auf Menschen, die mit Molo Mitleid haben, ihm aber auch nicht wirklich helfen. In Schweden angekommen, reisen sie durchs Land. Zunächst noch, damit Bengler seine Insekten präsentieren kann, aber schnell wird Molo die Hauptattraktion, auch wenn Bengler sich damit zu nächst nicht wohl fühlt, kann er dem Geld nicht wieder stehen. Molo hat inzwischen schwedisch gelernt, spricht aber dennoch kaum. Wenn er etwas sagt, dann geht es stets nur darum, dass es Bengler gelungen ist, ihm die Sprache bei zu bringen. Molo bleibt einfach nur ein Experiment, dass alle ok und teilweise als richtig betrachten. Auch hier verpasst der Autor es kritische Charaktere wenigstens am Rand einzubauen und als Leser bekommt man rassistische Aussagen und Denkweisen komplett unreflektiert entgegen geworfen. Molo bekommt keine Hilfe das erlebte zu verarbeiten und scheint seine Toten Eltern immer wieder zu sehen und in ihm wird der Wunsch immer größer und drängender nach Hause zurückzukehren. Aber er hat niemanden, an den er sich wenden kann. Als Molo dann eine Reporterin trifft, fühlt er sich sofort bei ihr geborgen und kuschelt mit ihr. Warum er dabei ihre Nippel in den Mund nehmen muss, ist mir schleierhaft und lässt mich doch sehr am Autor zweifeln. Bengler bekommt es mit unter wird gewalttätig; Gewalt an Frauen kam natürlich auch in diesem Buch vor und wurde nicht reflektiert. Daraufhin flieht Bengler mit Molo und bringt ihn aufs Land zu einem älteren Ehepaar, dass sich tatsächlich aufrichtig um ihn kümmern möchte. Bengler verschwindet daraufhin und hat sich seiner Verantwortung grandios entzogen. Dass auch dieser Fakt zum Großenteil kommentarlos akzeptiert, muss ich hoffentlich nicht mehr erwähnen. Molo wird dennoch immer rastloser und versucht mehrmals zu fliehen, scheitert aber dabei. Warum er sich seiner Pflegemutter, die die einzige Person ist, die sich wirklich um ihn sorgt und ihm helfen will, später sogar erkennt, dass er Heimweh hat, nicht anvertraut. Scheibe ich jetzt auf mangelnde Charakterentwicklung. Nach über einem Jahr ist Molo schwer depressiv und versucht noch einmal mit seiner Freundin Sanna zu fliehen, doch wieder scheitern sie und Molo meint zu wissen, dass Sanna von einem Dämon besseren ist und ihn daran hindert zurückzukehren. Er tötet sie. Ich verstehe nicht, warum der Autor die Kultur Molos, von dem wir nie erfahren welchem Stamm er angehört, auf das reduziert wird. Auch hier keine Einordnung. Schließlich stirbt Molo an Schwindsucht. Im Nachwort versucht der Autor dann, den Roman zu rechtfertigen, in dem er diese Geschichte einem in der Kalahariwüste lebenden Nomadenvolk erzählt hat und die das gut fanden.

    17. Juni 2026

Autorin / Autor

Über Henning Mankell

Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, war einer der großen schwedischen Gegenwartsautoren, von Lesern rund um die Welt geschätzt. Sein Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa vierzig Romane und zahlreiche Theaterstücke. Nicht nur sein Werk, sondern auch sein persönliches Engagement stand im Zeichen der Solidarität. Henning Mankell lebte abwechselnd in Schweden und Mosambik, wo er künstlerischer Leiter des Teatro Avenida in Maputo war. Er starb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.

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