"Lilianas unvergänglicher Sommer" ist das intime und zugleich vielschichtige Porträt einer Schwester. Es ist die aufwühlende Suche nach den Spuren einer jungen Frau. Es ist der unbedingte Wunsch, nach dem und über das Grauen zu schreiben und die eigene Trauer zuzulassen. Es ist ein funkelndes literarisches Werk von weltweiter Strahlkraft.
Liliana kann besser schwimmen als ihre ältere Schwester, ist größer und aufgeschlossener. Sie hat einen festen Freund, sie studiert, schlägt sich die Nächte mit ihren Freundinnen um die Ohren. Sie trennt sich von ihrem Freund, lernt, geht ins Kino. Und dann: wird Liliana Rivera Garza ermordet. Der Täter ist ihr Ex-Partner, seither nicht verurteilt. 29 Jahre später kehrt die preisgekrönte Autorin Cristina Rivera Garza aus den USA nach Mexiko zurück, um sich dem Andenken an ihre Schwester Liliana zu widmen. Doch der Erinnerung an Liliana, an die Unbeschwertheit ihrer Jugend, an ihr Leben und ihr Sterben steht die Bürokratie der Justiz entgegen - und die Sprache. Die Sprache, um die Cristina Rivera Garza ringt, ist eine, die es nicht gibt, die es nicht geben kann, die es geben muss. Es ist eine Sprache, in der ein zu früh verlorenes Leben verstanden werden kann. Und die den Lebensfunken einer jungen, ausgelöschten Frau neu entfacht.
Über das Buch ist bereits alles gesagt worden, hier meine 5 Cents: Cristina schafft es durch ihre Sprache Liliana für uns alle so nahbar zu machen, als hätten wir sie gekannt. Das Bild einer jungen, hoffnungsvollen Frau brennt sich ins Gedächtnis und es wird (hoffentlich) nachvollziehbar, warum Femizide anerkannt und verfolgt gehören. Die Schuld muss die Seite wechseln, wie Madame Pilicot sagte. Großartig!
19. Okt. 2025
5,0
Über das Buch ist bereits alles gesagt worden, hier meine 5 Cents: Cristina schafft es durch ihre Sprache Liliana für uns alle so nahbar zu machen, als hätten wir sie gekannt. Das Bild einer jungen, hoffnungsvollen Frau brennt sich ins Gedächtnis und es wird (hoffentlich) nachvollziehbar, warum Femizide anerkannt und verfolgt gehören. Die Schuld muss die Seite wechseln, wie Madame Pilicot sagte. Großartig!
Wie trauert man um eine Schwester, deren Tod nie Gerechtigkeit erfahren hat? Und wie verwandelt man Schmerz in eine Stimme für viele?
Cristina Rivera Garza erzählt in „Lilianas unvergänglicher Sommer“ die Geschichte ihrer Schwester, die 1990 brutal von ihrem Ex-Partner ermordet wurde. In ihrer eigenen Wohnung, mitten in Mexiko-Stadt. Liliana war jung, klug, lebenshungrig. Sie wollte erleben, leben, lieben. Doch sie fand den Tod, und ihr Mörder blieb bis heute unbehelligt, nie verurteilt, weiterhin auf der Flucht.
Fast 20 Jahre später kehrt Cristina zurück nach Mexiko, um die Ermittlungsakten einzusehen. Sie sucht Antworten, versucht zu verstehen und stößt auf bürokratische Lücken, schlampige Ermittlungen und eine Justiz, die damals noch keine Sprache für das hatte, was geschehen war. Denn der Begriff „Femizid“ war in den 90ern nicht gebräuchlich. Frauenmorde galten als „Einzelfälle“, nicht als gesellschaftliches Problem.
Doch Rivera Garza schreibt keinen klassischen Kriminalroman. Ihr Buch ist zugleich persönliche Trauerarbeit und politisches Manifest. Sie zeigt, dass es jede von uns treffen könnte, deine Schwester, meine Schwester. Femizid braucht keine Vorgeschichte, nur eine patriarchale Gesellschaft, die wegsieht. Mit eingeflochtenen Fotos und Erinnerungen nimmt sie uns zurück in die Tage nach dem Mord, lässt uns den Schock, die Hilflosigkeit und den stillen Widerstand miterleben.
Dieses Buch ist erschütternd und zugleich poetisch. Es rechnet nicht ab, sondern bleibt leise, melodisch, einfühlsam und wirkt gerade dadurch so eindringlich. „Lilianas unvergänglicher Sommer“ ist mehr als Literatur: Es ist Zeugnis, Mahnung und Botschaft zugleich.
Was können wir tun, damit Femizide nicht mehr im Schweigen verschwinden?
27. Aug. 2025
5,0
Sternebewertung fiktiv
Wie trauert man um eine Schwester, deren Tod nie Gerechtigkeit erfahren hat? Und wie verwandelt man Schmerz in eine Stimme für viele?
Cristina Rivera Garza erzählt in „Lilianas unvergänglicher Sommer“ die Geschichte ihrer Schwester, die 1990 brutal von ihrem Ex-Partner ermordet wurde. In ihrer eigenen Wohnung, mitten in Mexiko-Stadt. Liliana war jung, klug, lebenshungrig. Sie wollte erleben, leben, lieben. Doch sie fand den Tod, und ihr Mörder blieb bis heute unbehelligt, nie verurteilt, weiterhin auf der Flucht.
Fast 20 Jahre später kehrt Cristina zurück nach Mexiko, um die Ermittlungsakten einzusehen. Sie sucht Antworten, versucht zu verstehen und stößt auf bürokratische Lücken, schlampige Ermittlungen und eine Justiz, die damals noch keine Sprache für das hatte, was geschehen war. Denn der Begriff „Femizid“ war in den 90ern nicht gebräuchlich. Frauenmorde galten als „Einzelfälle“, nicht als gesellschaftliches Problem.
Doch Rivera Garza schreibt keinen klassischen Kriminalroman. Ihr Buch ist zugleich persönliche Trauerarbeit und politisches Manifest. Sie zeigt, dass es jede von uns treffen könnte, deine Schwester, meine Schwester. Femizid braucht keine Vorgeschichte, nur eine patriarchale Gesellschaft, die wegsieht. Mit eingeflochtenen Fotos und Erinnerungen nimmt sie uns zurück in die Tage nach dem Mord, lässt uns den Schock, die Hilflosigkeit und den stillen Widerstand miterleben.
Dieses Buch ist erschütternd und zugleich poetisch. Es rechnet nicht ab, sondern bleibt leise, melodisch, einfühlsam und wirkt gerade dadurch so eindringlich. „Lilianas unvergänglicher Sommer“ ist mehr als Literatur: Es ist Zeugnis, Mahnung und Botschaft zugleich.
Was können wir tun, damit Femizide nicht mehr im Schweigen verschwinden?
Die Autorin erzählt in diesem Buch vom Femizid ihrer Schwester. Sie verarbeitet das Geschehene für sich selbst, bleibt dabei jedoch sachlich und zieht den Leser trotzdem in ihren Bann.
Ich war auf das Thema vorbereitet – und doch hat es mich überrumpelt. Vor allem die ersten Kapitel haben mich tief berührt: die Suche nach der Akte ihrer Schwester und die eingestreuten Details zu Femiziden. Das war schwerer zu lesen, als ich erwartet hatte.
Da Liliana viel aufgeschrieben hat, eröffnet sich ein direkter Einblick in ihre Gefühlswelt und ihren Alltag. Das verleiht allem eine besondere Tiefe, die niemanden unberührt lässt.
Die Erzählungen ihres Freundeskreises machen deutlich, wie schwer es ist, von außen etwas zu bemerken, wenn die Betroffene schweigt. Niemand scheint auch nur eine Ahnung gehabt zu haben. Das unterstreicht umso mehr, wie grausam die Tat war – und wie hilflos sowohl Opfer als auch ihr Umfeld sind.
Schon nach den ersten Seiten dachte ich: Dieses Buch hat den Pulitzer-Preis zu Recht gewonnen. Dieser Eindruck blieb bis zum Schluss.
Einzig das Stilmittel im letzten Teil fand ich schwer zugänglich. Hier schreibt die Autorin aus ihrer Perspektive, bezeichnet sich jedoch als „jemand“. Das bringt Trauer und Fassungslosigkeit zwar intensiv zum Ausdruck, war für mich aber gewöhnungsbedürftig.
Ein wichtiges, kraftvolles Buch – und eines, das viele lesen sollten.
10. Aug. 2025
5,0
Die Autorin erzählt in diesem Buch vom Femizid ihrer Schwester. Sie verarbeitet das Geschehene für sich selbst, bleibt dabei jedoch sachlich und zieht den Leser trotzdem in ihren Bann.
Ich war auf das Thema vorbereitet – und doch hat es mich überrumpelt. Vor allem die ersten Kapitel haben mich tief berührt: die Suche nach der Akte ihrer Schwester und die eingestreuten Details zu Femiziden. Das war schwerer zu lesen, als ich erwartet hatte.
Da Liliana viel aufgeschrieben hat, eröffnet sich ein direkter Einblick in ihre Gefühlswelt und ihren Alltag. Das verleiht allem eine besondere Tiefe, die niemanden unberührt lässt.
Die Erzählungen ihres Freundeskreises machen deutlich, wie schwer es ist, von außen etwas zu bemerken, wenn die Betroffene schweigt. Niemand scheint auch nur eine Ahnung gehabt zu haben. Das unterstreicht umso mehr, wie grausam die Tat war – und wie hilflos sowohl Opfer als auch ihr Umfeld sind.
Schon nach den ersten Seiten dachte ich: Dieses Buch hat den Pulitzer-Preis zu Recht gewonnen. Dieser Eindruck blieb bis zum Schluss.
Einzig das Stilmittel im letzten Teil fand ich schwer zugänglich. Hier schreibt die Autorin aus ihrer Perspektive, bezeichnet sich jedoch als „jemand“. Das bringt Trauer und Fassungslosigkeit zwar intensiv zum Ausdruck, war für mich aber gewöhnungsbedürftig.
Ein wichtiges, kraftvolles Buch – und eines, das viele lesen sollten.