Blick ins Buch

Historische Romane

Der Trinker

4,5(26)
Nicht lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Ein Kleinbürger säuft sich ins Verderben. In nur knapp zwei Wochen schrieb Fallada seinen – wie viele meinen – persönlichsten Roman nieder, während er wieder einmal im Gefängnis einsaß, weil er seine Frau im Suff misshandelt hatte. Im Lichte des unbarmherzigen Nazi-Regimes und der sich abzeichnenden Kriegsniederlage zeichnet der Autor hier leicht erkennbar seine eigene Geschichte auf. Der schwer alkoholabhängige, kleine Unternehmer Erwin Sommer befindet sich auf dem absteigenden Ast: Der Teufelskreis aus Suff, wirtschaftlichem Niedergang und permanenter Existenzangst hat ihn erfasst. Als er für unzurechnungsfähig erklärt und schließlich in eine „Heilanstalt“ eingewiesen wird, erkennt er, dass die Schrecken draußen nichts sind gegen die Tyrannei der Ärzte, Paragrafen und Pfleger. »Solange ich schreibe, vergesse ich die Gitter vor dem Fenster« [Fallada] Keiner konnte die Abgründe des Menschen so beschreiben wie Fallada in seiner schnörkellosen Prosa. *** Ungekürzte und kommentierte Ausgabe *** ISBN 978-3-96281-321-5 (Mobi) ISBN 978-3-96281-320-8 (Epub) ISBN 978-3-96281-322-2 (PDF) ISBN 978-3-96281-424-3 (Print) Null Papier Verlag www.null-papier.de

Editionen (20)

ISBN9783962814243
VerlagNull Papier Verlag
Erscheinungsdatum14.07.25
Seitenzahl356

Rezensionen & Bewertungen

26 Bewertungen

5 Rezensionen

4,5

Tippen zum Filtern

  • thopsel
    thopsel

    57 Follower

    5,0

    Fallada ein tragisches Genie

    Wenn jemand über die Alkoholsucht, Suizidgedanken, Gefängnisse und Sanatorien schreiben kann, dann Hans Fallada (geb. Rufolf Wilhelm Friedrich Ditzen im Jahre 1893). Um den Wert dieses spannenden Romans in vollem Ausmaß zu begreifen, muss sich dem bewegten Leben des Autors zugewendet werden. Einen solch tragischen persönlichen Hintergrund habe ich um ehrlich zu sein noch bei keinem Autor zuvor entdeckt. Was zur Hölle?! Ich zitiere im Folgenden Wikipedia: „Mit seinem Freund und Mitschüler Hanns Dietrich von Necker beschloss er am 17. Oktober 1911, gemeinschaftlich Suizid zu begehen. Das wechselseitige Töten sollte in Form eines Scheinduells erfolgen. Bei dem Schusswechsel starb von Necker; Fallada überlebte schwerverletzt. Er wurde wegen Totschlags angeklagt und war von Februar 1912 bis Juli 1913 Patient in der Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie Tannenfeld. Wegen Schuldunfähigkeit wurde die Anklage fallengelassen. [...] Wegen Alkoholkrankheit und Morphinismus verbrachte er die Zeit zwischen 1917 und 1919 hauptsächlich in Entzugskliniken und Sanatorien [...] Zur Finanzierung seines Morphin- und Alkoholkonsums beging er Unterschlagungen, die 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führten; 1926 folgte eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs". „Der Trinker" verhandelt folgende Fragen: Welche Leerstelle besetzt der Alkohol im Leben eines Menschen? Inwiefern steht Alkohol einer gesunden Selbstreflektion im Wege? Wie werden Süchtige ob ihres geschwächten Zustands ausgenutzt und somit tiefer in den Sog der Sucht hereingezogen? Wie schuldfähig ist ein Alkoholiker oder ein alkoholisierter Mensch? Welche Dynamiken entfalten sich im Spannungsfeld von Bürgertum und Alkoholismus?(immerhin ist der Alkoholkonsum doch Gang und Gebe auch im Bürgertum - wehe aber einer verfällt dem Kulturprodukt Alkohol mal zu sehr) Ist der Alkohol Auslöser, Motor oder Folge für/von Erwin Sommers gescheiterter Ehe? Zudem liest sich die Geschichte über Erwin Sommer wie eine Anklage an die Medizin und den therapeutischen Umgang mit alkoholkranken Menschen. In der sogenannten Heil- und Pflegeanstalt wird sich nicht mit seinem Krankheitsbild auseinandergesetzt, sein Aufenthalt dort ist das Absitzen einer Strafe, die sich nur in drei Punkten von einem Gefängnisaufenthalt unterscheidet: 1. Die Länge des Aufenthalts wird nicht im Vorhinein kommuniziert - kann also durch die Willkür des psychatrischen Gutachters verlängert werden. 2. Die hygienischen und psychohygienischen Umstände sind umso schlechter. 3. Nach Verlassen der Anstalt stünde er umso sozial geächteter dar, weil er als Geisteskranker abgestempelt wäre. Das Buch lässt sich schnell runterlesen. Die Sprache Falladas geht ins Ohr und bleibt im Kopf.

    25. Juli 2025

  • seitenoscar
    seitenoscar

    134 Follower

    5,0

    📝 „Auch das Streiten scheint wie ein Gift zu sein, an das man sich rasch gewöhnt und ohne das man bald nicht leben kann.“ (S.10) 📝 „Aber der Mensch gewöhnt sich an alles, und ich fürchte beinahe, er gewöhnt sich am raschesten, in einen Zustand von Erniedrigung zu leben. (S.13) 📝 „Es war eine sehr einfache Suche gewesen, die Flasche leer zu trinken, aber ich hätte vorher daran denken sollen, wie schwierig es sein würde, den Zustand wie vorher herzustellen.“ (S.22) 📖 Hans Fallada erzählt die Geschichte von Herrn Sommer in den Fängen des Alkohols. Dieser durchlebt während seiner Sucht alle Gefühlswelten. Ein Roman über die Flucht vor einem selbst und die still wachsende Besessenheit von einem Nervengift. Der ursprüngliche ehrliche Herr Sommer verliert im Laufe des Geschehens immer mehr an Ehrlichkeit - vor allem sich selbst gegenüber - und verstrickt sich in ein Netz der Ausreden. 💭 Unkomplizierter Schreibstil über schockierende Handlungen und Gedanken einer hilfsbedürftigen Person. Dem Autor ist es aus meiner Sicht eindringlich gelungen darzustellen, wie der Protagonist von seinen Problemen davonläuft und wie ihm der Mut und die Kraft fehlt, sich seinen eigenen Fehlern zu stellen. Fallada gibt die Sucherfahrungen detailgetreu wieder, indem er aufzeigt, welch vollendetes Glück Herr Sommer im Moment des Trinkens erlebt und wie schutzlos er dem Alkohol ausgeliefert ist. Empfindungen wie Reue, Erschrockenheit vor einem selbst und Aggressivität des Protagonisten werden ebenfalls gelungen beschrieben. Das Buch blieb mir nach dem Lesen noch eine längere Zeit im Kopf. Allein deswegen halte ich es für ein lesenswertes Werk:).

    31. Juli 2024

  • blackybru
    blackybru

    101 Follower

    5,0

    Der Blick in die Seele eines Trinkers. Es ist schon sehr Besonders, den Niedergang so beschreiben zu können. Mich hat dieser Roman sehr berührt und gleichzeitig auch sehr schockiert.

    11. März 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Hans Fallada

Hans Fallada (21. Juli 1893–5. Februar 1947), eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, war ein deutscher Schriftsteller. Sein nüchterner, objektiver Stil, in dem er seine fiktionalen Berichte über meist scheiternde Gestalten verfasste, macht ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick