Blick ins Buch

Romane

Das Licht ist hier viel heller

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Über das Buch

Maximilian Wenger war einer der Großen, ein Bestsellerautor, ein Macher. Jetzt steht er vor einem Scherbenhaufen: Niemand will mehr seine Romane lesen, und seine Frau hat ihn gegen einen Fitnesstrainer eingetauscht. In einer kleinen Wohnung unweit von Salzburg verkriecht er sich vor der Welt. Wengers achtzehnjährige Tochter Zoey plant ihre Zukunft nach ganz eigenen Vorstellungen. Schnell merkt sie, dass sie dabei an ihre Grenzen stößt – und das Erwachsenwerden mit Schmerz verbunden ist. Dann bekommt Wenger diese Briefe. Obwohl sie an seinen Vormieter adressiert sind, öffnet er sie, und es trifft ihn wie ein Schlag: Sie sind brutal und zart, erschütternd und inspirierend. Wer ist die geheimnisvolle Fremde, die von flüchtigem Glück, Verletzungen und enttäuschter Hoffnung erzählt? Was Wenger nicht weiß: Auch Zoey liest heimlich in den Briefen. Sie hat etwas erlebt, das sich in diesen wütenden Worten spiegelt. Beide, Vater und Tochter, werden an einen Scheideweg geführt, an dem etwas Altes endet und etwas Neues beginnt. Intelligent, schlagfertig-humorvoll und mit großer Empathie schreibt Mareike Fallwickl über das Gelingen und Scheitern von Liebe, Freundschaft und Familie, digitale und analoge Scheinwelten, Machtmissbrauch, weibliche Selbstbestimmung – und entfacht einen Sog, der fesselt bis zum Schluss. »Ein Roman, wie er aktueller nicht sein könnte. Ein Roman, über den man sprechen wird und muss. Und der zutiefst berührt.« Florian Valerius, @literarischernerd

Editionen (3)

ISBN9783627002640
VerlagFrankfurter Verlagsanstalt
Erscheinungsdatum30.08.19
Seitenzahl384

Rezensionen & Bewertungen

593 Bewertungen

74 Rezensionen

4,3

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  • jollybooktime
    jollybooktime

    56 Follower

    4,0

    "Dass alte weiße Männer über alte weiße Männer schreiben, will einfach niemand mehr lesen. Get over yourself." (S. 242) Man stelle sich vor: einen Bestsellerautor in der Schaffenskrise, das Ego liegt am Boden, die Frau hat ihn verlassen für einen 29-jährigen Fitnesstrainer, und er selber ranzt vor sich hin in einer verdreckten Junggesellenbude, knietief im Selbstmitleid. Seine Kinder besuchen ihn nur, wenn ihnen absolut keine plausible Ausrede einfällt, und von seiner Tochter muss er sich anhören: "Ein Mann, der nur über Männer schreibt, Papa, muss sich nicht wundern, dass die Frauen das Interesse verlieren." Armer Maximilian Wenger, oder?! Wer kann's ihm verdenken, dass er in dieser Situation keinen Blick und schon gar kein Verständnis für andere aufbringen kann? Zum Beispiel wenn nachts die siebzehnjährige Tochter anruft - was kann die schon wollen? Wegdrücken. Was soll ihr schon passieren? Nach einer Party vom Chef se×uell genötigt, ja, beinahe vergewaItigt werden. Na geh! Man stelle sich weiter vor: Eben jener Autor erhält plötzlich Briefe von einer Frau. Nicht an ihn adressiert, sondern an seinen Vormieter. Briefe voller Schmerz, Wut, Sehnsucht, Verzweiflung. Briefe, die ihm – ironischerweise – den langersehnten Schreibkick bescheren. An denen er sich bedient. Die er kopiert. Weil ihm selbst die Empathie und die Sprache fehlen, um zu schreiben, was Agent und Verleger lesen wollen. Der Profit schlägt aus weiblichem Leid, während er nicht merkt – oder nicht merken will –, dass auch seine eigene Tochter eine dieser Frauen ist. „Bis zu meinen Zähnen ist mein Mund angefüllt mit Wut.“ (S. 20) Klingt nach dem Stoff eines Fallwickl-Romans? Wer sonst sollte so pointiert, so unerschrocken über Machtmissbrauch, strukturelle Gewalt, Täter-Opfer-Umkehr und weibliche Selbstbehauptung schreiben? „Das Licht ist hier viel heller“ erzählt auf mehreren Ebenen davon, wie Männer Geschichten besitzen, besetzen und ausbeuten – und wie Frauen dennoch nicht aufhören, ihre eigenen zu schreiben. Wäre das mein erster Roman von Mareike Fallwickl gewesen, wäre das ganz sicher die Initialzündung gewesen. So steht "Das Licht ist hier viel heller" für mich aber im Schatten seines Vorgängers ("Dunkelgrün fast schwarz" - ein Überkracher) und wird auch von seinen Nachfolgern ("Die Wut, die bleibt" und "Und alle so still") geschluckt. Und trotzdem: Wie alle ihre Texte habe ich auch diesen sehr gern gelesen. In einem Tempo, das für seine Brisanz spricht. In einem Zug, mit diesem typischen Fallwickl-Gefühl, dass man gerade etwas liest, das weh tut – weil es wahr ist.

    13. Feb. 2026

  • laroute
    laroute

    132 Follower

    4,0

    Dem früheren Bestsellerautor Wenger ist der Erfolg verloren gegangen, die Exfrau mit einem viel jüngeren durchgebrannt... Eine Frau schreibt Briefe an Wengers Vormieter, die ihm, aber auch seiner Tochter Zoey in die Hände fallen... Zoey, Wengers 18jährige Tochter, wird erwachsen und kann sich in den Erwartungen ihrer Eltern nicht wiederfinden... Das Buch thematisiert #MeToo und Kritik am Literaturbetrieb. Die Personen werden sehr tief beschrieben. Einige Male werden Situationen aus der Perspektive von Wenger und von Zoey beschrieben und es wird klar, wie unterschiedlich ihre Wahrnehmung ist. Vor allem zieht sich die fehlende Reflexionsfähigkeit des immer etwas weiterlichen und sich selbst bemitleidenden Mannes durch das Buch. Es ist bezeichnend, wie wenig einen beim Lesen seine verzerrte Wahrnehmung verwundert.

    11. Okt. 2025

  • frauschafski
    frauschafski

    53 Follower

    4,5

    Es dauert etwas, reinzukommen, den Wenger zu ertragen. Am Ende bleibt Wut und Unverständnis. Aber auch ein kleines bisschen Hoffnung. Absolut lesenswert.

    21. Nov. 2025

3 von 74 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 24464%
dami92
dami9227. Juni 2026

Ich würde dieses Buch wirklich gerne ohne die Perspektive vom Vater lesen denn der widert mich mittlerweile nur noch an.

Autorin / Autor

Über Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Sie lebt im Salzburger Land. 2018 erschien ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« in der Frankfurter Verlagsanstalt, das von Lesern gefeiert und unter anderem für den Österreichischen Buchpreis sowie das »Lieblingsbuch der Unabhängigen« nominiert wurde.

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